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Le Fantôme Regarde
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| von Dibbii erstellt: 09.09.2009 letztes Update: 23.12.2009 Mystery / P18 | 119 Reviews |
Chapitre un
Le Fantôme Regarde
Le Fantôme Regarde
Ich war so schlimm wie die kichernden Chormädchen. Seit ich das geisterhafte Glucksen gehört hatte, war es fast ein Zwang gewesen, herauszufinden, wer, wenn überhaupt, in diesem Theater lebte.
Ich war mir nicht vollkommen sicher, ob es real gewesen war. Es hätte auch einfach meine Vorstellungskraft, kombiniert mit meiner Erschöpfung und Müdigkeit, gewesen sein können, die mir einen Streich gespielt hatte, nachdem ich den ganzen Tag von dem vermeintlichen Phantom gehört hatte. Doch irgendetwas war daran, das es mich zur Hälfte glauben lassen wollte, was sie sagten und die andere Hälfte sagte mir, den Mund zu halten, mich ein wenig schlafen zu legen und die seltsamen Legenden zu ignorieren.
Jedes Mal, wenn ich einen Schatten über die Wände huschen sah, dachte ich an ihn. An das, was ich gehört und was mir erzählt worden war. Unfähig, noch länger im Bett zu bleiben, zog ich mich um, verschloss mein Apartment und lief eilig zum nächsten Buchladen, beschämt, dass ich in das gleiche Muster wie jeder andere verfiel.
Ich betrat den Laden, den ich während meiner ersten Tage in Seattle gefunden hatte, die Glocke läutete über mir. Mit ein paar Worten an den Mitarbeiter fand ich die richtige Abteilung zur Geschichte Seattles, die auch die Kunst und das Theater umfasste. Die Anzahl an Büchern war karg, aber eins fiel mir ins Auge.
Das Royal Palladium: Der Beginn einer Ära
Ich blätterte mich hindurch und erkannte jetzt schon Kapitel, die Geschichten über Geister und ihre Legenden beinhalteten. Viele von ihnen waren makaber und abscheulich und ich wollte es wieder ins Regal zurückstellen, hinausrennen und so tun, als ob es mich nicht interessierte, aber ich konnte nicht. Es interessierte mich.
Ich wurde immer skeptischer, als ich die verschiedenen Seiten überflog, aber die Geschichten faszinierten mich. Seufzend blätterte ich zurück zum Anfang und setzte mich auf eine harte, hölzerne Bank, um mich auf das vorzubereiten, was ich enthüllen würde.
1904 gebaut, war das Royal Palladium ein Zuhause für viele Magier, Schauspieler, Musiker und Darsteller aller Art. Die komplexe Architektur und besondere Ausstattung tragen zu dieser Vorstellung bei, doch es sind die Mythen des Theaters, dass es in ihm spuke, die seine Hörerschaft wirklich faszinieren.
1917 kam das Gerücht auf, dass ein junger Mann im Theater herumgeistern würde. Er hat sich über die Jahre in den Mythen verändert, einige porträtieren ihn als entstellte, maskierte Gestalt, andere zeichnen bloß das Bild eines zerstörten Mannes, der jene terrorisiert, die seine Vorstellungen besuchen. Manche beschreiben ihn als missverstanden und gelassen; ein Mann, der im Theater haust und das Gesicht vieler Legenden und herber Mythen ist.
Seine befremdende und fragwürdige Existenz wurde mit E. A. Cullen verknüpft, einem nicht nur großartigen, sondern auch zurückgezogenen Komponisten. Er wurde nie gesehen, doch das Royal Palladium spielt ausschließlich die Musik, die er kreiert. Von ihm ist nichts bekannt, was die Vorstellung, dass er im Theater herumspuken könne, plausibler macht.
Manche behaupten, dass er es sei, der seit dem zwanzigsten Jahrhundert diese Stelle bekleide.
Die Kompositionen mit dem Namen E. A. Cullen auf dem Blatt gedruckt, wurden das erste Mal vor sechs Jahren gefunden. Zuvor hatte es keinen Namen gegeben; ausnahmslos nur die wunderschöne und gleichzeitig geisterhafte Musik wurde im Palladium gespielt.
Die, die das hinreißende Theater besuchen, verlassen es stets mit einer Frage: wer ist der Mann, der jetzt im Palladium umherspukt? Wo kommt die Musik her und, was viel wichtiger ist, warum zeigt der Komponist nicht sein Gesicht?
Sie hatten keine richtigen Beweis, dass E. A. Cullen das heutige Phantom war, obwohl alles auf ihn hindeutete. Daran konnte ich glauben. Aber die Tatsache, dass er der Gleiche war, wie der, der fast ein ganzes Jahrhundert zuvor dort gelebt hatte...
Der Gedanke, der fast schon amüsant war, drehte mir den Magen um. Zwei Menschen, beide mit einer fraglichen Existenz, auf die man gestoßen war. Es machte nur Sinn, dass das Phantom und der Komponist der Gleiche waren und dennoch waren die Gerüchte vor Jahren aufgekommen. Folgte dieser Mann einer Art Trend? Versuchte er, die Geschichte nachzuempfinden, indem er jetzt herumspukte, um die Mythen, die in den 1920ern entstanden waren, zu kopieren?
Es gab meinerseits keinen Zweifel, dass der Komponist gleichzeitig auch das Phantom war. Es war das Einzige, worüber ich mir im Klaren war. Doch die Menge an Fragen, die ich hatte, war unermesslich.
Wann trat E. A. Cullen in Erscheinung? Niemand wusste, ob er wirklich lebte oder ob es ein Scherz war – vielleicht fand das Theater Gefallen an den Diskussionen und der Aufregung, wollte, dass sie weitergeführt wurden und sorgte dafür, dass es so aussah, als ob ein zurückgezogener Komponist mit einer zwielichtigen Vergangenheit die ganze Musik exklusiv für das Palladium schrieb. Ein Werbetrick.
Und doch spukte er im Theater. Das konnten sie nicht erfinden. Die flüchtigen und doch panischen Blicke des Direktors, wann immer er ein knarrendes Echo im Theater hörte, sagte für mich genug aus. Er glaubte genauso sehr daran, dass der geisterhafte Komponist zusah, wie die tratschenden Tänzer.
Das nächste Buch offenbarte vollkommen andere Theorien, viele besagten, dass der Komponist ein verstörter, psychotischer Mann war, nicht unbedingt menschlich, eine interessierte mich besonders.
Es wird erzählt, dass der verborgen lebende Mann, ob es nun E. A. Cullen ist oder nicht, Augen besitzt, die rot glühen. Wenn man genau genug in einen Spiegel des Royal Palladiums blickt oder in die Dachsparren, ist man in der Lage, zu sehen, dass er zurückstarrt.
Der einzige, im entferntesten hilfreiche Eintrag, den ich finden konnte, war eine alter Zeitungsartikel, mit dem 26. Juni 1921 datiert, der ausschließlich über die neuesten Erhebungen des Phantoms berichtete und wie während einer der Opern der Kronleuchter von der Decke fiel, viele Menschen tötete und ein Teil des Theaters abbrannte.
Ich entzog mich dem Blickfeld anderer, setzte mich zurück und strich mir mit der Hand die Haare aus dem Gesicht. Die späte Zeit auf der Uhr, die an der Wand hing, starrte mich an, sagte mir, schlafen zu gehen, damit ich morgen während der Probe nicht vollkommen erschöpft sein würde.
Ich hatte nie geplant, im Theater tätig zu sein. Mein Traum war die Literatur und auf gewisse Weise ging ich ihr immer noch nach. Ich war an der Universität von Arizona angenommen worden und hatte ein Semester studiert, bevor ich begriffen hatte, dass es nicht das war, was ich tun wollte. Ich hatte ein wenig recherchiert, dann ein Flugticket gekauft und war nach Seattle gekommen, um zu einem Vorsprechen zu gehen für was auch immer ich angenommen werden würde.
Obwohl meine Mutter mich unterstützte, fragte sie mich immer noch, weshalb ich mich für den Staat Washington entschieden hatte. Warum nicht New York, das Herz des Theaters? Oder Los Angeles, wo ich einen richtigen Schauspieljob finden konnte?
Ich hatte keine Antwort. Irgendetwas an Seattle bezauberte mich und die Idee, dass es in diesem Theater spuken könnte, zog mich nur noch mehr an. Aus einer Laune heraus sprach ich vor und erhielt eine kurze Zeit danach einen Anruf, in dem mir erklärt wurde, dass ich am nächsten Tag um sieben Uhr zur Arbeit erscheinen sollte.
Am nächsten Morgen fühlte es sich anders an, ins Theater zu gehen; das paranoide Gefühl umhüllte mich und das alles nur aufgrund ein paar möglicherweise gefälschten Geschichten. Es war ärgerlich und doch konnte ich es nicht loswerden. Instinktiv umging ich alle Spiegel, weil ich Angst vor dem hatte, was ich vorfinden würde. Es war lächerlich, aber Vorsichtsmaßnahmen schienen mir notwendig zu sein.
„Bella.“, rief eine der anderen Mädchen nach mir und quittierte damit meine Anwesenheit. Ich setzte meine Tasche ab und nickte ihr zu weil ich kein Gespräch anfangen wollte. Unglücklicherweise nahm sie meine Geste als Einladung, herüberzukommen und zu reden, sie sprach lebhaft über etwas vollkommen Sinnloses und Profanes.
„Ist das nicht seltsam?“, endete sie und klang wirklich beunruhigt. Ich sah zu ihr zurück und murmelte etwas, dass als ein ja oder ein nein gewertet werden konnte, es kam ganz darauf an, was sie hören wollte. Offenbar genügte ihr mein Grunzen. Sie fuhr mit ihrer Erzählung fort und ließ mir die Möglichkeit, mich fertig zu machen und mich zu entschuldigen, als ich zur Bühne lief.
Instinktiv sah ich über meinen Kopf und erwartete fast, ein paar roter Augen zu sehen, die auf mich herabstarrten, aber ich war ein wenig erleichtert und gleichzeitig enttäuscht, nur den Staub der Dachsparren in der Dunkelheit umherschweben zu sehen.
Die Anderen bereiteten sich immer noch vor, der Direktor bellte Anordnungen zu jemandem hinter dem Vorhang, daher wählte ich diesen Moment, um den Gang zum Theater herunterzulaufen und nachzuschauen, was weiter unten war. Ich hatte bisher nie die Chance gehabt, das Theater zu erkunden und die Mythen schürten bloß mein Verlangen danach, sich umzusehen.
Obwohl es wunderschön war, konnte ich mir vorstellen, wie atemberaubend es vor Jahren ausgesehen haben musste. Die kunstvollen Dekorationen an der Decke waren trübe, die Sitze abgenutzt, aber der Kronleuchter schien neuer zu sein. Ich besah ihn mir misstrauisch, während die Worte des Artikels in meinem Kopf widerhallten, als ich eine alte Dame sah, die an mir vorbeilief und mir einen stechenden Blick zuwarf, als sie mein Starren bemerkte.
„Er fiel herunter.“, sagte sie, so als ob sie meine Gedanken gelesen hatte und meine Frage beantworten würde. „In den zwanziger Jahren, direkt nachdem die Spukgerüchte auftauchten. Niemand weiß wie oder warum.“
Es war schwierig, sie durch ihren schweren Akzent hindurch zu verstehen. „Wie lange sind Sie schon hier?“
Sie kräuselte ihre Lippen. „Seit 1941. Mein Mann hat hier längere Zeit wegen der Überholung gearbeitet, hier haben wir uns getroffen.“
Ich fühlte mich seltsam ermutigt. „Haben Sie jemals das Phantom gesehen?“
Ihr Gesichtsausdruck wurde ernst. „Er mag nicht, was die Gerüchte sagen. Rote Augen und ein sündiges Grinsen. Er ist missverstanden, das sage ich dir. Missverstanden.“
„Sie haben ihn gesehen?“, fragte ich neugierig. „Er ist real?“
„Nein.“, sagte sie fest, nahm den Eimer, den sie in der Hand hielt und entfernte sich von mir. „Ich sage nichts mehr. Hör nicht darauf, was diese gedankenlose Mädchen sagen. Sie wissen gar nichts.“
„Nur... erzählen Sie mir etwas.“, flüsterte ich, weil ich Angst davor hatte, dass er mich belauschen würde. Ich war paranoid, abergläubisch und benahm mich lächerlich und dennoch konnte ich mich nicht beruhigen. „Ist der, der angeblich im Theater umhergeistert die gleiche Person wie E. A. Cullen?“
Sie wedelte mit einem Finger in meine Richtung. „Fang nicht an, diese Gerüchte zu glauben. Er ist ein guter Mann.“
„Wer?“, rief ich verärgert. „Dieser E. A. Cullen oder das Phantom? Oder sind sie die gleiche Person?“
Die Frau ignorierte mich komplett, anscheinend war das Gespräch beendet. Bevor sie verschwand, warf sie mir noch einen Blick zu, der besagte, dass ich besser zuhören sollte.
„Ich mag dich mehr als die anderen.“, sagte sie und ihre Stimme wurde lauter. „Und ich denke, dass er das auch tun wird. Aber wage es nicht zu glauben, du könntest herumstreunen und sich in seine Geschäfte einmischen. Wenn er alleine sein will, dann ist das seine Sache. Lass ihn in Frieden.“
Ihre kryptischen Kommentare begannen, mir Kopfschmerzen zu verursachen. „Okay.“, sagte ich und entschied, dass die beste Taktik war, allem beizupflichten, was sie sagte und sich nicht zur Wehr zu setzen. „Ich werde mich nirgendwo herumtreiben.“
Ich wusste nicht, wen sie meinte, als sie sagte, er wäre real, das Phantom, E. A. Cullen oder beide. Es machte keinen Sinn, aber der Ausdruck auf ihrem Gesicht sagte mir, keine weiteren Fragen zu stellen.
„Viel Glück bei Ihrer Probe.“, sagte sie im Plauderton, bevor sie sich entfernte und mich noch verwirrter als zuvor zurückließ. Es war entmutigend, doch ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, was sie mir zuvor erzählt hatte, denn der Direktor rief mich auf die Bühne.
Ich war abgelenkt, aber ich versuchte, mein Bestes zu geben. Es war nicht schwierig sich in der Musik des Komponisten zu verlieren, doch bei jedem Flüstern wollte ich hinauf in die Dachsparren sehen und herausfinden, ob ich irgendetwas Unnatürliches entdecken konnte.
„Isabella.“, sagte der Direktor schließlich, was nur zu meinem Ärger beitrug. „Gibt es etwas an der Decke, das Sie interessiert?“
Die Verbitterung und gleichzeitige Neugier, die in der Frage mitschwangen, waren nicht an mich gerichtet. Er wollte es ernsthaft wissen. „Nein, Sir. Ich bin nur ein wenig abgelenkt gewesen.“
„Vielleicht wäre es einfacher für Sie, wenn Sie Ihren Fokus auf mich richten würden.“ Er hatte seine Haltung wiedergewonnen und machte klar, dass es eine Anordnung war, kein Rat. „Ab Seite drei, bitte.“
Ich sang zwölf Takte, meine Aufmerksamkeit war auf den Direktor gerichtet, als die Orchestermusik ausschwärmte und jeden Riss und jede Kluft ausfüllte. Ich achtete kaum auf die Worte, die auf die Seite gekritzelt waren, sondern dachte darüber nach, was der Komponist wohl gedacht haben mochte, als er es schrieb. Es war süß und weich und doch mit ein wenig verheerender, grundlegender Traurigkeit hinter jeder Note.
Warum zeigte er sich nie? Was war der Grund, dass der Komponist so verschlossen war, was seine Musik betraf? Ich verstand es nicht und das nagende Gefühl in meinem Magen sagte mir, dass ich es wissen wollte. Ich wurde genauso neugierig wie die anderen, aber ich verstand, wie einfach es war, sich von Geschichten einhüllen zu lassen.
Sobald ich unterrichtet wurde, aufzuhören, wanderten meine Augen erneut umher und blieben an den Logen hängen. Alle waren dunkel, bis auf eine zu meiner Linken ein paar Reihen entfernt, ein Flackern, das von einer Kerze zu kommen schien, ließ den begrenzten Raum aufleuchten.
„Was ist da drin?“ Ich zwang mich während der Pause eine der älteren Frauen zu fragen, die schon länger hier waren. Die anderen würden bloß Dinge dazuerfinden, damit es interessanter klingen würde.
Sie grinste süffisant. „Loge sechs?“
Ich seufzte frustriert. „Natürlich. Loge sechs. Was ist da drin?“
Das vielsagende Grinsen fand schnell seinen Weg auf ihr Gesicht, während sie ihre Arme vor ihrer Brust überkreuzte. Doch es entging mir nicht, dass sie sich weigerte, direkt zur Loge zu sehen. Sie warf einen flüchtigen Blick dort hin, einen selbstgefälligen Ausdruck auf ihren Zügen, wandte sich jedoch schnell ab, so als ob sie nicht beim Starren erwischt werden wollte.
Von wem?
Ich sah noch genauer hin, nicht verängstigt von dem, was ich vorfinden würde. Ich erwartete fast, ein Paar rotglühender Augen zu entdecken, die zurückstarrten, doch da war nichts. Die Flamme der Kerze war schummrig, die Ecken der Loge dunkel, aber es war mehr als eindeutig, dass niemand darin war. Es war unmöglich.
„Loge sechs ist nie besetzt.“, sagte sie mit ernster Stimme; ein starker Kontrast zu dem Anblick, den sie gab. „Gerüchte sagen, dass sie immer für das Phantom geöffnet ist.“
„Wohnt er den Vorstellungen bei?“
Die Frau warf mir einen Blick zu, der die offenkundige Empörung aufgrund meiner Frage zum Ausdruck brachte. „Jeder einzelnen.“
„Woher weiß man das?“
Sie nickte in Richtung der Loge und ihre Augen waren immer noch abgewandt. „Loge sechs. Es brennt immer eine einzelne Kerze, wenn er da ist.“
„Es könnte irgendwas sein.“, überlegte ich. „Oder irgendwer.“
„Es ist das, was man sich erzählt.“, meinte sie und nahm einen Schluck Wasser. „Du hast gefragt.“
Die Stunden vergingen, bis der Direktor uns schließlich entließ. Wieder wartete ich, bis der Großteil die Bühne verlassen hatte, bevor ich meine Sachen zusammenraffte, während in meinem Kopf die Fragen umherschwirrten.
Als ich zur Loge aufsah, war die Kerze gelöscht worden, aber während ich blinzelte, konnte ich deutlich die Silhouette eines Mannes erkennen. Er war vollkommen in schwarz gekleidet, sein Gesicht vollkommen undeutlich, aber er war dennoch dort.
Ich keuchte hörbar, folgte aber den anderen Frauen und sah weg. Ich schnappte mir meine Tasche, ärgerte mich nicht darüber, dass ich hinter die Bühne gehen musste, bevor ich die paar knarrenden Stufen zum Theatergang herunterlaufen konnte und erlaubte meinen wackeligen Beinen, mich zu Loge sechs zu führen. Ich schluckte, sah hinauf und hoffte, dass ich vom Gang aus mehr sehen würde, als von der Bühne.
Der Mann hatte sich nicht bewegt und doch konnte ich seinen Blick auf mir spüren. Ich wollte ihm etwas zurufen und ihn fragen, wer er war, doch ich fand meine Stimme nicht. In der Stille etwas zu sagen fühlte sich in dem großen Raum seltsam und einschüchternd an.
Ich schielte nach oben und meine Augen weiteten sich, als ich schließlich sah, wie sich die Person bewegte. Sein Gesicht war immer noch in der Dunkelheit verborgen, obwohl ich glaubte, ein unheimliches Grinsen ausmachen zu können, dass mir die Kälte in die Knochen kriechen ließ.
Du bildest dir das ein., sagte ich mir ein weiteres Mal. Dort oben ist niemand. Man sieht dich nicht an. Du bist müde, du lässt deiner Fantasie freien Lauf und diese Legenden beflügeln dich. Geh.
Und doch konnte ich nicht. Es war so einfach, darüber nachzudenken, aber daran zu glauben war eine andere Sache. Ich konnte mir selbst einreden, dass es nicht real war und doch gab es zu viele unbeantwortete Fragen.
Ich traf eine schnelle Entscheidung und ging rasch zu der gewundenen Treppe, die anmutig in der Vorhalle stand. Die Lampen an der Decke waren ausgeschaltet worden, aber die Beleuchtung von kleinen Armleuchtern an der Wand half mir, den Weg zu finden, den ich gehen musste. Ich stand vor Loge sechs, mein Herz pochte und meine Hände zitterten, als ich meine Handfläche auf die Türklinke legte, gespannt darauf, was ich dahinter finden würde.
Ich atmete tief ein und öffnete die Eichentür. Mein erster Gedanke war, absolut totenstill zu sein, doch meine heftigen Atemzüge und schweren Fußtritte machten es unmöglich. Ich ging in den kleinen Raum, eine Hand von mir gehalten, während ich durch die dunklen Schatten schielte. Mein Stirnrunzeln wurde ausgeprägter, als ich jeden Sitz überprüfte, den kleinen Jackenschrank und sogar die Leiste, die um die Loge herumlief. Hier war nicht eine Seele.
Sie war leer.
Das prickelnde Gefühl auf meiner Haut, so als ob mich jemand beobachten würde, wich nicht. Ich konnte die Augen auf meinem Hinterkopf spüren, wie sie mich verhöhnten, mich zum Umdrehen herausforderten. Ich blieb stehen, war an meinem Platz festgefroren, bevor ich genug Mut aufbringen konnte, herumzuwirbeln und mich dem zu stellen, was auch immer auf mich wartete.
Nichts.
Auch keine in schwarz gekleidete Person. Ich war vollkommen allein und klammerte mich an den Samtvorhang, der an der Seite der Loge hing. Ich seufzte frustriert und erschrocken auf, als ich mich vorwärts bewegte, bereit, zu verschwinden, als das Geräusch von zerknittertem Papier unter meinen Füßen mich erneut zum Stehen brachte.
„Was...“ Ich kniete mich auf den Hartholzboden und tastete herum, unfähig zu sehen, was vor mir lag. Als meine Hand etwas berührte, das sich wie ein einziges Blatt Papier anfühlte, stand ich auf und hielt es in das matte Licht, um zu sehen, was es war. Ich war mir sicher, dass es nicht dort gelegen hatte, als ich hineingegangen war.
Man brauchte kein Musiker zu sein, um sagen zu können, dass es ein Notenblatt war. Die Noten, kompliziert und doch wunderschön, schienen auf dem Papier zu fließen. Durch jahrelange Klavierstunden, zu denen mich Renée gezwungen hatte, war ich in der Lage zu sagen, dass es in Moll war und das ließ mich augenblicklich an das Phantom denken. Als ich mir die ersten paar Takte noch näher betrachtete, war es offenkundig, dass es das gleiche Lied war, das ich früher am Tag stundenlang geübt hatte.
Das kann nicht sein...
Ich starrte auf das Papier und kümmerte mich nicht um den Rest des Liedes, aber um den Titel. Le fantôme regarde. Das war der einzige Unterschied. Jede Note war an seinem präzisen und korrekten Platz, nur der Titel hatte sich geändert.
Weshalb?
Das geisterhafte Kichern kehrte zurück, sein Ton warnte mich, als es durch die Stille schnitt und dieses Mal wusste ich, dass ich es mir nicht eingebildet hatte. Ich peitschte herum, meine Nachtblindheit erschwerte mir meine Arbeit, aber alles in mir sagte mir, dass ich verschwinden sollte. Den Ort finden, an dem das Lachen nicht vorherrschend war.
Ich griff nach dem Blatt Papier und schwang meine Tasche über meine Schulter, das Lachen wurde lauter, als ich aus der Loge und die Treppen hinunterstolperte. Als ich draußen war, war es mir möglich, meine Geschwindigkeit zu verringern und Atem zu holen, obwohl es nicht dazu beitrug, meinen pochenden Herzschlag zu beruhigen.
Ich steckte bis zum Hals darin und kannte keinen weg nach draußen. Die Vergangenheit des Theaters hatte mich mitgerissen und in die Mitte des Ganzen geworfen, in die Theorien und Legenden, die zu gruselig und faszinierend waren, als dass ich sie würde ignorieren können.
Es gab jetzt kein Zurück mehr.
Ich sah zurück auf das Papier, während ich versuchte, die immer noch trocknende Tinte durch meine Jacke vor dem Regen zu schützen. Der Titel, der oben hingekritzelt war, war nicht der gleiche, wie der auf der Musik, die ich während der Probe geübt hatte, obwohl es das gleiche Lied war.
Er hört zu.
Es war einfach. Le fantôme regarde. Drei Worte, ihre Bedeutung für jeden ohne jeglichen Sinn, der nicht entschlossen war, die Mysterien zu enträtseln, die darin enthalten waren.
Das Phantom und der Komponist waren ein und die selbe Person. Das war offenkundig. Aber es war die wahre Bedeutung hinter den französischen Worten, die mich erschaudern und das paranoide Gefühl, dass ich ununterbrochen beobachtet wurde, zurückkehren ließ.
Das Phantom sieht zu.
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