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von Unseelie
erstellt: 04.09.2009
letztes Update: 03.02.2012
Geschichte, Allgemein / P18 Slash
(pausiert)
Kapitel 2
Alptraum, Badeschaum oder Hirntumor?
Langsam erwachten sie und die Schwärze vor ihren Augen begann zu weichen, doch drehte sich noch alles und sie konnten nichts erkennen. Schmerz durchfuhr ihren Körper, dass sich ihr Magen begann wie alles vor ihnen zu drehen und sie daran hinderte, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Einzig ihr Gehör hatte sich wieder vollends erholt und sie konnten Gemurmel um sich herum hören, doch waren sie noch gänzlich unfähig, irgendwelche konkreten Worte herauszuhören. Alles, was sie konnten, war sich nach hinten zurücklehnen, die Augen schließen, ruhig durchatmen und warten, bis es ihnen wieder besser ginge.
Nach einigen Minuten begannen ihre Gehirne wieder halbwegs schmerzfrei zu arbeiten und sie erinnerten sich an den Blitzeinschlag. Dieses Gemurmel musste von Leuten kommen, die den Einschlag bemerkt hatten und dann nachsehen wollten, ob jemand verletzt wäre und ihnen geholfen hatten. Da es ihnen langsam wieder gut ging, wollten sie sich nach ihren Helfern umsehen, doch mussten stattdessen feststellen, dass sie in einer großen Halle saßen. Nach links und nach rechts erstreckten sich lange Bänke und hinter und vor ihnen waren noch mehr. Überall saßen junge Männer in hellblauen Baggy Pants und ebenso blauen, ärmellosen Rollkragenpullovern und so merkwürdigen, großen Schulterpolstern, die die aus den 30zigern oder 80zigern geradezu winzig aussehen ließen. Und was sollten überhaupt diese großen Lederbänder? Und warum trugen sie selbst auch diese komischen Klamotten?
Die Wand einige Meter vor ihnen bestand nur aus Büros mit großen Glasfenstern und Rollladen, die von Innen heruntergezogen waren. Aus diesen Büros kamen immer wieder Herren in schwarzen Anzügen und riefen irgendwelche Namen auf und dann ging einer der Wartenden zu ihnen.
„Mel …“, wollte sich Jack an Melli wenden, doch als er sie ansprach, blieben ihm die Worte im Hals stecken.
„Wo sind wir?“, sprach sie seine steckengebliebene Frage aus.
Jack war jedoch noch immer zu geschockt von dem, was er da vor sich sah und konnte nicht antworten.
„Jack Autumn?“, hörte er einen der Männer in den schwarzen Anzügen rufen und hatte sich bei Jack sofort umgedreht, aber Autumn war nicht sein Nachname. „Jack Autumn?“, wiederholte der Herr seinen Ausruf und als er Jack bemerkte, winkte er ihn zu sich rüber.
Jack sah Melli etwas unsicher an, doch sie konnte nur mit den Schultern zucken und mit dem Kopf leicht in die Richtung des Büros nicken. Verunsichert stand Jack auf und ging langsam und den Kopf leicht nach unten geneigt zum Büro, wo der Herr im Anzug die Tür hinter ihm schloss.
„Bitte setzen Sie sich“, forderte er ihn auf. „Sie sind also Herr Jack Autumn?“ Er wusste, dass er dies nicht war, aber er war mit der gesamten Situation hier überfordert und hatte keine Ahnung, was er tun sollte, und so nickte er einfach nur schwach. „Gut. Und Sie sind sich sicher, dass Sie SOLDIER beitreten wollen?“ Er nickte noch einmal und verstand noch weniger. Der Herr stellte ihm weiter verschiedene Fragen über seine Person, wie seinen Geburtstag oder Geburtsort, die er alle nickend bejahte und hoffte, dass er irgendwann verstand, was geschah. „So, das wäre dann alles.“ Dann reichte der Herr ihm noch etwas zum unterschreiben und anschließend händigte er ihm eine ID-Karte aus. „Sie haben das Zimmer Nummer 1787 – das bedeutet, Ihr Zimmer ist im 17ten Stock und dort die Nummer 87. Wenn Sie in die Halle hinausgehen, befinden sich die Aufzüge zu ihrer Rechten. Bitte begeben Sie sich dorthin und warten auf weitere Informationen. Sie teilen sich im Übrigen ihr Zimmer mit Mel Twitch.“
„Danke“, verabschiedete sich Jack verwirrter als zuvor von dem Herren, während dieser ihn aus seinem Büro führte und den nächsten aufrief.
„Cloud Strife?“
Jack versuchte alles zu verarbeiten, was seit dem Blitzeinschlag geschehen war und er hatte eine klare Idee, doch immer wenn dieser Gedanke sein Gehirn kreuzte, schmerzte es und er ließ wieder von diesem Gedanken ab. Er folgte den Anweisungen und fuhr im Aufzug nach oben und gerade als sich die Türen schlossen, schob Melli ihr Bein dazwischen und quetschte sich auch noch hinein.
Beide schwiegen sich auf ihrem Weg nach oben an und als sie dann im 17ten Stock angekommen waren, bogen beide in den gleichen Gang ab und zückten beide die ID-Karte für dieselbe Tür. Zimmer Nummer 1787. Im Zimmer stand ein Waschbecken in der Ecke und eine große Schrankwand trennte diesen Bereich von den zwei Betten ab. Ein Fenster gab es hier nicht, nur ein sehr steriles Licht von der Deckenlampe.
Beide setzten sich auf ihre Betten und dachten schweigend über alles hier nach, doch irgendwann unterbrach Melli die Stille. „Ich bin ein Kerl“, stellte sie – er – trocken fest. „Ich heiße Mel.“
Jack wusste nicht so recht, wie er reagieren sollte. Diese Feststellung hatte er schon in der Halle gemacht und ihm verschlug es immer noch die Sprache. Seine Freundin, die er seit der Grundschule kannte, besaß plötzlich nicht mehr ihren mit Rundungen versehenen Körper, sondern hatte eine Brust wie in Brett, schmale Hüften und durchschnittliche Schultern – durchschnittlich für einen Mann. Auch die Gesichtszüge waren nicht mehr so weich wie früher; da waren nun Kanten, wo vorher keine waren.
„Weißt du, was das bedeutet?“, fragte sie ihn weiterhin trocken.
Jack wollte ihr irgendetwas sagen. Er konnte sich nicht vorstellen, wie verstörend es sein musste, wenn plötzlich so etwas geschah und man aufwachte und ein anderes Geschlecht hatte – alleine schon, dass sie an einem ganz anderen Ort waren, machte ihm zu schaffen. Er suchte nach Worten, um ihr zu helfen, um sie aufzubauen, aber er wusste nicht, was er sagen sollte.
„Nie wieder Tage ! Weißt du, wie geil das ist ?!“
Jack rutschte von seinem Bett ab und schlug mit dem Kopf auf den Boden auf. Hatte er gerade richtig gehört? War sie gerade kurz davor, Freudensprünge zu machen, weil sie plötzlich ein Kerl war? Er wusste ja, dass man alles von der positiven Seite sehen sollte, aber man muss doch nicht alles zu Extremen treiben !
„Und nie wieder Gefahr, unerwartet schwanger zu werden !“ Sie atmete glücklich und erleichtert auf.
Langsam kletterte Jack wieder zurück auf sein Bett und sah sie sprachlos an, aber diesmal nicht wegen ihrem neuen Geschlecht oder weil er nicht wusste, was er sagen sollte – ihm schwebten da so ein paar Dinge im Kopf herum. Stattdessen verdrehte er einfach seine Augen.
Dann kam das erste, vernünftige von ihr – ihm. „Weißt du, wo wir hier sind?“
Ob er wüsste, wo sie waren? Oh, er hatte da so seine eigene Theorie, allerdings sprengte diese Theorie die Grenzen der Realität, wie er sie kannte, und immer, wenn er sich dieser Grenze näherte, merkte er, wie sein Kopf immer mehr schmerzte und sich sein Verstand dagegen wehrte, diese Erklärung zu akzeptieren. Das schlimmste war allerdings, dass diese Erklärung die simpelste war – solange man nicht nach dem Wie? fragte. Da diese Erklärung ausgeschlossen war, blieb nur noch eine : es ist tatsächlich ein Blitz ins Haus eingeschlagen und er ist bewusstlos und bildet sich alles nur ein.
„Das ist alles nur ein Traum“, gab er als Antwort und fühlte sich so wie in einem schlechten Film, den er und Melli zusammen geschaut hatten und er merkte, wie er wartete, dass ihnen jetzt etwas ganz schreckliches passierte, dass sie davon überzeugte, dass es doch kein Traum sein konnte.
Mel zwickte Jack kräftig am Arm.
„AUA !!! Was sollte das denn !?“, beschwerte er sich und strich über die wunde Stelle.
„Du hast gesagt, es sei ein Traum, folglich dürftest du keine Schmerzen spüren. War das gerade schmerzhaft?“, fragte er und lächelte ihn liebenswert an.
„Ja.“ Dann kam Jack ein Gedanke und er drehte den Spieß um. „Jetzt weiß ich, dass es kein Traum ist, aber was ist mir dir?“
„Du hast mir doch gerade bestätigt, dass es kein Traum ist, und du würdest mich schließlich nicht anlügen“, gab Mel zurück.
Jack gab kein Wort von sich als Antwort, stattdessen warf er ihm einen Blick zu, der soviel sagte wie Denk da lieber noch einmal drüber nach. Während Mel tatsächlich begann, sich noch einmal Gedanken zu machen, schaffte Jack es, diesen Blick noch zu steigern.
„Du würdest mich nicht belügen !“, erwiderte Mel dann schlussendlich.
Jack trat mit seinem Fuß gegen Mels Schienbein und traf genau den Nerv. „Natürlich würde ich dich nie belügen. Wo denkst du denn hin?“, stimmte er zu, während Mel sich sein Schienbein hielt und vor Schmerzen nur jammern konnte. „Hast du mir wirklich etwas derartiges zugetraut?“, stichelte Jack weiter.
Langsam konnte sich Mel wieder erholen. „Danke, dass du mir deine Ehrlichkeit bewiesen hast“, gab Mel trocken von sich. „Und was bedeutet es, dass dies kein Traum ist?“
Jacks Gedanken wanderten sofort wieder zur Theorie, die sein Verstand nicht bereit war zu akzeptieren und sofort kamen die Schmerzen wieder und er massierte sich seine Schläfen. Ja, was war dies denn, wenn es kein Traum war? Die Antwort summte in seinem Kopf umher und wurde langsam zu einem Tinnitus, während er seine Schläfen weiter bearbeitete.
„Es fühlt sich auch überhaupt nicht wie ein Traum an“, begann Mel und riss Jack von seinen Gedanken los, wofür er sehr dankbar war. „Wenn ich träume, dann habe ich immer das Gefühl, dass ich im Körper eines Fremden stecke und durch seine Augen alles verfolge und mit seinen Ohren alles höre, aber ich kann nicht denken oder irgendetwas eigenständiges unternehmen.“
Jack nickte ihr – nein, ihm – zu. Er würde sich daran wohl noch etwas gewöhnen müssen. „So sind meine Träume auch meistens, aber in manchen kann ich denken und mir wird sogar bewusst, dass es ein Traum ist, aber dennoch kann ich nichts kontrollieren. Alles geschieht einfach.“
„Und jetzt können wir denken und selbst entscheiden, was wir machen.“
„Also kein Traum“, seufzte Jack, da nur noch die schmerzhafte Theorie blieb.
Dann stand Mel mit einem Sprung auf und streckte sich. „Was auch immer es ist, wir sind hier in der Welt von Final Fantasy VII und können hier machen, was wir wollen. Keine dummen Einschränkungen wie in einem Traum. Ich würde sagen, wir genießen dieses Was-auch-immer-es- ist, solange es anhält. Nicht?“
Jack hing wieder seinen Gedanken nach und nickte nur abwesend. Er konnte Mels Optimismus nicht nacheifern, aber sie – er – war schon immer der Optimist gewesen und Jack der Pessimist – oder wie er es immer gerne sagte : der Realist. Aber er musste Mel zustimmen : solange sie hier waren und keine Ahnung hatten, was dies hier wirklich war, konnten sie es wenigstens auskosten. Und wenn sie sich geirrt hatten und es doch ein Traum war, würde dieser ohnehin irgendwann enden und dann wäre es auch egal, was sie hier täten.
Jack wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Geräusche aus der kleinen Lautsprechanlage über der Tür kamen. „Wenn ich einen Moment um die Aufmerksamkeit der SOLDIER-Rekruten bitten dürfte. Ich bin Direktor Lazard und möchte sie alle herzlich hier begrüßen. Ab morgen wird ihr einmonatiger Eignungstest beginnen. Sollten sie ihn bestehen, werden sie ein SOLDIER der dritten Klasse, andernfalls bedauere ich, aber dann werden sie lediglich ein Infanterist. Sie werden zu Gruppen aus einem duzend zusammengestellt und ihr Training wird von einem SOLDIER der zweiten Klasse überwacht werden. Ihr Training wird morgen früh um 7 Uhr mit Laufen beginnen. Die weitere Planung unterliegt ihrem zuständigen SOLDIER der zweiten Klasse. Ich wünsche ihnen allen viel Erfolg!“
Jack und Mel sahen entgeistert zum Lautsprecher. „Da .. da… das …“, versuchten sie erschüttert hervorzubringen.
„Das soll doch wohl ein schlechter Witz sein !“, begann Mel loszubrüllen. „Wir sollen Laufen und dann auch noch um 7 Uhr morgens? Weißt du, wie früh wir aufstehen müssen? Und du weißt, wie sehr ich Bewegung hasse !“
Jack funkelte Mel gefährlich an. „Weißt du, in einem Traum kann man nicht sterben. Wenn man im Begriff ist zu sterben, wacht man auf. Das ist ein Alptraum. Möchtest du überprüfen, ob es nicht doch alles nur ein Alptraum ist?“
„Äh, nein danke. Ich kann mit der Ungewissheit leben“, verweigerte Mel sofort und hob beschwichtigend die Hände.
Jacks sadistisches Grinsen fiel mit einem Schlag weg und als Mel seinem Blick folgte, verstand er, warum. Es war bereits nach 23 Uhr. Das bedeutete, dass sie sehr bald schlafen gehen mussten, wenn sie wirklich um 7 Uhr morgens zum Laufen antreten mussten. Laufen. Beide streckten angewidert die Zunge raus. „Da hilft wohl nichts“, seufzte Jack resignierend und ließ dazu noch demonstrativ die Schultern hängen.
„Dann lass uns mal schlafen gehen“, stimmte Mel mit ein und begann sich zu entkleiden. Aus Reflex drehte Jack ihm den Rücken zu und Mel musste grinsen. „Ich bitte dich, ich bin jetzt ein Kerl. Keine Scheu ! Schau dir nur diesen Astralkörper an, bis dir die Augen ausfallen !“
Jack drehte sich etwas widerwillig um und seine Augen begannen sofort nach etwas zu suchen, was er Mel an den Kopf werfen konnte. Bedauerlicherweise fand er nichts und es zeichnete sich sogar ein leichtes Six-Pack auf seinen Muskeln ab. Dann zog er einfach die Trumpfkarte, die Mel immer traf. „Egal ob Mann oder Frau, du bist fett.“ Mit diesen Worten begann er sich selbst zu entkleiden und ignorierte gekonnt die Flüche. Bis auf die Boxershorts entkleidet legten sich beide dann in ihre Betten. „Und morgen sollen wir dann einfach aufstehen und runter zum Laufen, als ob nichts wäre?“, fragte Jack, während er die weiße Decke anstarrte.
Mel hatte die Arme hinter den Kopf verschränkt und blickte ebenfalls nach oben. „Was denn sonst? Willst du hier herum rennen und sagen, dass wir aus einer anderen Welt stammen? Erinner dich an all die schlechten Science-Fiction-Filme ! Du weißt doch genau, was mit solchen Menschen passiert. Also spielen wir einfach mit, bis wir mehr wissen.“
Ein Geräusch, das wie ein Na dann klang, war alles, was von Jack als Antwort kam, bevor er das Licht ausmachte und sich auf die Seite drehte, um noch etwas über die Situation nachzugrübeln, bevor er einschlief.
Alles war einfach viel zu unwirklich. Erst sah er mit Mel – nein, Melli ! – den Film zu Final Fantasy VII, dann schlägt ein Blitz bei ihnen ein und sie landen plötzlich in dieser Welt. Dazu fühlt es sich für einen Traum nicht richtig an; ein Traum war einfach anders. Vielleicht lagen sie auch einfach im Koma und es ist nur ein Koma-Traum; er hatte keine Ahnung, ob diese Träume sich von normalen unterschieden. Allerdings konnte er nicht ganz glauben, dass sich diese Träume zu sehr unterschieden und die plötzliche Idee, dass er einen Hirntumor besaß, der für all dies verantwortlich war, schob er als zu absurd beiseite. Das passte zu einem der schlechten Filme, die Mel bereits erwähnt hatte. Wenn nun als letzter Strohhalm nur noch die Möglichkeit blieb, dass sie bei dem Blitz gestorben waren und dies ihre Art Himmel war, mochte er doch lieber Vorlieb mit der Idee nehmen, die seinem Kopf solche Schmerzen bereitete und die Grenzen der Realität sprengte.
Jack rollte sich auf die andere Seite und versuchte darüber nachzudenken, was sie wohl tun könnten, aber er musste eingestehen, dass Mel Recht hatte : sie würden einfach erst einmal mitspielen müssen. Während er dann noch ein weiteres Mal alles vor seinem geistigen Auge abspielte, was geschehen war, sprangen ihm zwei Punkte ins Auge, als wollten sie diese ausstechen.
Cloud war hier ! Er hatte ihm in der großen Halle nicht wirklich Aufmerksamkeit geschenkt, als er aus dem Büro ging – zu groß war seine Verwirrung. Aber jetzt, wo er daran dachte, war er sich absolut sicher, den Namen Cloud Strife gehört zu haben. Also war er ebenfalls ein SOLDIER-Anwärter, aber er war doch eigentlich nie SOLDIER geworden, er ist doch durch die Aufnahmeprüfung gefallen, nicht wahr? Aber wenn der nächste Monat die Aufnahmeprüfung darstellte …
Als zweites dachte er daran, dass die Durchsage von Direktor Lazard getätigt worden war, dem Leiter von SOLDIER. Diese beiden Punkte gaben ihm eine gewisse, zeitliche Vorstellung, allerdings wusste er nicht, was er weiter damit anfangen sollte.
Naja, vielleicht ist ja doch alles nur ein Traum, der endet, wenn ich einschlafe. Und mit diesem Gedanken ließ Jack sich in das schemenhafte Land des Schlafes tragen.
*****
Jeder Feueralarm, den sie in ihrem gesamten Leben mitgemacht hatten, war nichts im Vergleich zum Wecker, der die SOLDIER-Anwärter aus ihren Betten schmiss – und schmiss war nicht untertrieben. Jack saß mit einem Ruck senkrecht im Bett und Mel lag so krumm und schief im Bett, dass er glatt herausfiel beim Versuch sich ebenfalls aufzusetzen. Beide waren jetzt zwar wach, aber auch irritiert von dem plötzlichen Lärm.
Jack war der erste, der begriff und er sah entnervt auf die Uhr. 6:30. Eine halbe Stunde, bis sie zum Lauftraining antreten mussten. Er seufzte ergiebig und ging dann über zu einem langgezogenen Gähnen, bevor er Mel ansah und sagte: „Na dann, Mel : auf, auf; das Training ruft !“ Er hob seinen Arm halbenthusiastisch und unterstrich den Sarkasmus mit einem erneuten Gähnen.
„Mel?“, wiederholte der Angesprochene dabei verwirrt und durch zusammengekniffene Augen. Er schien wieder vergessen zu haben, dass er ein Kerl war, denn er sah nun an sich selbst hinab. Es war wirklich vollkommen überflüssig, ein Fenster in diesem Raum einzubauen, denn Mel strahlte mit einem Mal wie die Sonne in ihrem Zenit. „Yeah, Baby !“, gab er von sich, während er aufsprang und ein paar dumme Bewegungen vollführte und seine Müdigkeit davon trieb.
„Du weißt hoffentlich, dass so gute Laune am Morgen verboten gehört?“, fragte Jack murrend, während er aufstand und sich langsam in seine Uniform schälte. Mel tat das gleiche, nur pfiff er eine fröhliche Melodie, was Jack nur noch mehr nervte, denn direkt nach dem Aufstehen war seine Laune meist tödlich. Er warf ihm eben einen solchen Blick zu, während die beiden ihr Zimmer verließen, und zeigte zurück in eben dieses. „Du hast noch etwas vergessen.“
„Oh. Was denn?“, fragte Mel ahnungslos.
„Abzunehmen.“ Ohne Mel einen weiteren Blick zuzuwerfen oder sich um seine Flüche und sehr bunte Aussprache zu kümmern, machte er sich auf den Weg zum Aufzug.
Mel schien trotz jeglicher Gegenmaßnahmen von Jack bester Dinge zu sein, aber dieser grübelte wie immer nach und legte seine Stirn in viele Falten. Jahrelanges Training; nur so konnte man so früh schon so viele Falten auf der Stirn haben. Während Mel keine Probleme mit der Situation zu haben schien, machte sich Jack vermutlich mehr Gedanken darüber, als nötig waren. Mathematisch gesehen würden sich die beiden vermutlich perfekt ausgleichen, aber um Mathematik ging es hier nicht, sondern um Falten.
Ihm wollte schon allein die neue Umgebung nicht behagen. Er kannte sich hier nicht zurecht, weder mit irgendwelchen Ortskenntnissen oder wie er sich verhalten sollte. Gut, er hatte dank dem Spiel eine gewisse Ahnung wo auf der Welt was lag, aber sollte jemand ins Detail gehen oder ihn glatt genaueres über einen Ort oder seine Vergangenheit fragen, gäbe es Probleme. Über seine Vergangenheit wusste er immerhin einiges durch das Einschreiben, aber er hatte keine Ahnung, wie lange er und Mel sich damit über Wasser halten konnten.
„Mel?“
„Jo?“, fragte er fröhlich zurück, während sie alleine im Aufzug nach unten fuhren.
„Erinnerst du dich noch an das, was du bei der Einschreibung gefragt worden bist? Ich meine damit, was deine Herkunft und dergleichen betrifft?“
Für einen Moment sah Mel Jack an, als ob dieser gerade erklärt hätte, warum die Welt rund und nicht eckig war, aber dann dämmerte es ihm. „Grob.“
Ein stummes Nicken war die Antwort. Damit war jedenfalls dieser Punkt fürs Erste abgedeckt und was das Verhalten anging, da würde er einfach zurückhaltend und schüchtern sein, wie er es ohnehin bei Fremden oder in Gruppen war.
Jack nahm sich auf ihrem Weg nach draußen etwas Zeit, die Gänge und Räume zu betrachten, an denen sie vorbeigingen, allerdings schwenkte er seinen Kopf nur schwach hierhin und dorthin, da er sich nicht wie ein Tourist verhalten wollte. Viele der Gänge hier waren aus kaltem Metall und auf mittlerer Höhe erstreckten sich waagerechte, farbige Balken, die wohl für eine jeweilige Etage oder eine jeweilige Abteilung standen. Einige der Büros und manche andere Räume hatten Wände aus Holz oder Stein oder sie waren mit irgendwelchen Tapeten bestrichen. Er wusste nicht, ob es mehr aus Luxus war oder eher aus dem Verlangen, nicht den lieben langen Tag in einem Metallkäfig zu stecken wie eine Versuchsratte.
Jack konnte nur betrübt seufzen. Er war nie ein Stadtmensch gewesen; er hatte seit jeher auf dem Land gelebt und mindestens fünf Tage in der Woche fuhr er an saftigen, goldenen Feldern und lebendem Grün vorbei und ließ sich den Wind um die Nase wehen und sah dabei zu, wie der Wind mit dem Gras der Felder tanzte. Er braucht die Natur nicht, um zu überleben, aber er hatte sie gerne um sich und er bezweifelte stark, dass er viel Natur in dieser Stadt finden würde.
Sie schritten durch die große Eingangshalle zum Ausgang und jeder ihrer Schritte hallte vom Boden wider. Der Boden war zwar weiß, aber nicht aus Metall, sondern aus feinem Marmor und die Wände waren in einem hellen und freundlichen Holz gehalten und er fragte sich, warum man die Eingangshalle des SOLDIER-Komplexes derart gestaltete. Vielleicht war es einfach aus dem Verlangen, einen guten, ersten Eindruck zu erzeugen – er wusste es nicht.
Draußen vor dem Gebäude hatten sich bereits mehrere SOLDIER-Anwärter versammelt und warteten darauf, dass etwas geschah. Für die Anwärter war dieser Ort neu und sie sahen sich zu allen Seiten um und Jack musste schmunzeln, dass er ernsthaft versucht hatte, nicht wie ein Tourist zu wirken, als er dieses Bild sah. Er vermisste einzig die Fotoapparate; sie würden das Bild noch komplettieren. Einige der Anwärter unterhielten sich und erzählten von ihren Vorbildern : Angeal, Genesis und vor allem vom großen Sephiroth.
Mel und Jack wollten sich irgendwo hinzustellen, so dass sie nicht wie Außenseiter aussahen, aber erst einmal wollten sie sich auch nicht zu dicht irgendwo aufdrängen. Als sie ein paar Schritte gingen, fiel ihnen ein blonder Stachelkopf auf, der eben diese Stelle gefunden hatte und sie gesellten sich zu ihm. Beide versuchten ihn nicht zu auffällig zu mustern, als sie an der Seite von Cloud standen. Auch wenn er im Film nett dargestellt war und es viele gute Bilder von ihm gab und einige Menschen ihn beim Cosplay gut nachmachen konnten, so war es doch nichts im Vergleich dazu, ihn hier tatsächlich in Natura zu sehen.
Cloud schien die beiden nicht zu beachten und sie hatten eigentlich nichts anderes von ihm erwartet. Ihr Blick blieb an einer Stelle hängen und sie stellten sich die gleiche Frage : Wie kriegt er diese Stacheln hin? Jack dachte nicht daran, ihn zu fragen, aber Mel schien dieser Idee ein paar Gedanken zu widmen, allerdings sah er auch so aus, als würde er direkt einmal an den Stacheln herumfummeln, doch Jacks Blick sagte Mel ganz klar, dass er jede dumme Idee vergessen sollte.
Kurz darauf kamen ein paar zweite Klasse SOLDIER in violetten Uniformen zu ihnen und riefen verschiedene Namen auf. Man konnte erkennen, dass sie gut organisiert waren, denn sie riefen die Namen wild durcheinander auf. Jack war sich nicht sicher, ob er selbst bereits aufgerufen wurde oder noch nicht. Irgendwann schien Cloud etwas gehört zu haben und entfernte sich zielstrebig. Jack konnte nur mit den Augen rollen. Egal auf wessen Liste er stand, sein Nachname begann mit einem A und es war schon genug Zeit vergangen, dass man ihn eigentlich hätte aufrufen müssen, da er oben auf der Liste stehen dürfte, aber man hatte es noch nicht. Da schien jemand sehr organisiert zu sein.
Plötzlich packte Mel ihn am Handgelenk und zerrte ihn hinter sich her in die Richtung, in die auch Cloud verschwunden war. „Ich glaube, da hat gerade wer unsere Namen gerufen“, erklärte er und drängte sich weiter durch die durchgewühlte Menge. Die beiden blieben abrupt stehen, als sie sahen, wer da ihren Namen aufgerufen hatte.
Zack !
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