■
Geschichte: Fanfiktion
/ Prominente
/ Musik
/ Finnische Gruppen
/ My Isolation [abgebrochen]
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
von Bon Voyeur
erstellt: 01.09.2009
letztes Update: 03.04.2010
Geschichte, Drama / P18 Slash
(abgebrochen)
Danke mal wieder an mein Beta-M ^^ und euch viel Spaß
-----------------------------------------------------------
Torsti lief nach Hause. Er hoffte, dass Tiia den gleichen Weg genommen hatte und bereits dort war. Wenn er daran dachte, die Dunkelhaarige noch suchen zu müssen, kam eine unbändige Wut in ihm auf, die sich gezielt auf seine Freundin richtete. Das Drama, welches sie gerade im Café angefangen hatte, war mehr als unnötig gewesen. Wie so vieles in den letzten Wochen und Monaten.
Bis dato hatte er immer Geduld mit ihr gehabt, versucht, sie bei sich selber zu entschuldigen. Doch nun befanden sie sich an einer Grenze, die er nur noch schwerlich aufrecht halten konnte. Ihm war das bewusst, Tiia nicht.
Seine Gedanken wanderten rüber zu Juke und er blieb stehen. Ein schlechtes Gewissen überkam ihn, als er daran dachte, wie er den Jüngeren gerade angefahren hatte. Aber sein Erscheinen hätte nicht weniger passend sein können. Und Torsti hatte ihm beim besten Willen nicht mitten auf der Straße erklären wollen, wieso seine Freundin so hysterisch die Straße entlang gerannt war.
Dennoch war er sich bewusst, dass all dies keine Entschuldigung für sein Verhalten war.
Er wandte sich in die Richtung, aus der er gekommen war und überlegte für einige Sekunden, ob er zurückgehen sollte um sich zu entschuldigen. Doch Tiia schob sich in seinen Gedanken dazwischen. Was wäre, wenn sie erfahren würde, dass er sich mehr um seinen besten Freund sorgte als um sie?
Mit einem Seufzen setzte der Blonde den Weg zu seiner Wohnung fort. Er würde dem Drummer später eine SMS schreiben und sich entschuldigen. Bei dem Gig würde er ihm dann immerhin grob erklären, was geschehen war.
In der Wohnung angekommen, fand Torsti die Badezimmertür verschlossen vor. Resigniert führten ihn seine Beine ins Schlafzimmer, wo er sich, den Kopf in den Händen abgestützt, auf das Bett setzte und wartete.
Die Augen geschlossen, so dass er keinen Blick auf die Uhr hatte, dachte er über seine Situation nach. Er würde das alles bald nicht mehr aushalten können. Zumindest nicht alleine. Und dabei war eigentlich Tiia diejenige, die Hilfe brauchte und zwar dringend. Denn ihr Verhalten wurde von Mal zu Mal extremer.
Seine Gedanken schweiften zu dem gerade Erlebten.
Nach dem sie das Klubi verlassen hatten, wollten sie etwas essen gehen. Es war Tiias Idee ins Café Europa zu gehen und Torsti war einverstanden gewesen. Er mochte den Laden mit seiner gemütlichen Atmosphäre und so liefen sie, Arm in Arm, Richtung Bahnhof und waren nach einigen Minuten vor dem Café angekommen. Drinnen war es relativ leer und so überließ er es Tiia ein Platz auszusuchen. Sie entschied sich letztendlich, auf einer alten Couch Platz zu nehmen, die sich direkt gegenüber der Fensterseite befand, an der eine Gruppe Frauen saß.
Torsti war sich nicht sicher, aber irgendwie kamen ihm die Gesichter bekannt vor. Als er sich neben seine Freundin setzte, sahen zwei der Frauen zu ihm rüber und lächelten ihn überrascht an. Höflich wie er war, erwiderte er die Geste. Zwar war er sich immer noch nicht sicher, woher er die Frauen kannte, aber anscheinend hatte er sich nicht getäuscht und sie waren ihm zuvor schon einmal begegnet.
“Wer ist das?”, zischte Tiia, woraufhin Torsti sich überrascht zu ihr drehte.
“Keine Ahnung”, antwortete er ehrlich und lächelte seine Freundin besänftigend an. “Aber ich denke mal, dass sie schon einmal auf einem Konzert waren. Irgendwie kommen sie mir bekannt vor.”
Die Worte, die Tiia eigentlich hatten beruhigen sollen, erzeugten das genaue Gegenteil. Torsti, der sich gerade aus seiner Jacke schälte, verharrte perplex in der Bewegung als Tiia ihm eine Ohrfeige verpasste.
Ungläubig starrte er in das Gesicht seiner Freundin, der bereits Tränen über die Wangen liefen und die ihn wütend musterte. “Also deine Betthasen? Ist es das, was du mir sagen willst?”
Die junge Frau versuchte erst gar nicht, ihre Stimme ruhig zu halten. Das hysterische Keifen zog alle Blicke auf sich und Torsti sah sich irritiert um. Er suchte einen Grund für ihr Verhalten, denn er konnte und wollte einfach nicht glauben, das sie sich wegen einer einfachen Geste selbst so in Rage brachte.
Alle Gäste um ihn herum starrten vor Schreck und zum Teil auch amüsiert zu ihnen hinüber.
“Wovon sprichst du? Das sind, wenn überhaupt, Fans und nun kannst du dich bitte wieder beruhigen.” Erneut suchte der Blonde beruhigende Worte für seine Freundin, die sich aber allem Anschein nach nicht abkühlen wollte. Hektisch und schluchzend griff sie nach ihrer Tasche und rannte aus dem Café. Zu fassungslos um in irgendeiner Form zu reagieren, blieb Torsti sitzen.
Seine Augen wanderten von den jungen Frauen, die ihn entsetzt ansahen, zu den übrigen Gästen, die hinter vorgehaltener Hand über ihn sprachen. Wahrscheinlich wirkte es nun für alle so, als wäre er in irgendeiner Weise für die Situation verantwortlich. Aber er war es nicht.
Auch jetzt noch, wo er wieder zuhause war, wusste er nicht wieso das gerade geschehen war. Er verstand Tiias übertriebene Eifersucht einfach nicht und es machte ihm Angst. Für sie hatte er sein komplettes soziales Umfeld aufgegeben, damit sie keinen Grund hatte, zu denken, er würde sie betrügen. Die Touren stellten noch einen sehr gefährlichen wunden Punkt in ihrer Beziehung dar und er war froh, dass gerade keine in Sicht war. An die letzte dachte er nur mit Magenschmerzen.
Ein Geräusch an der Türe holte ihn aus seinen Gedanken wieder zurück. Langsam ließ er die Hände von seinem Gesicht sinken und sah zu der Dunkelhaarigen, die sich in ein weißes Hemd von ihm gewickelt hatte und nun mit freudigem Gesicht vor ihm stand.
Torsti konnte es sich nicht erklären, aber die schiere Verzweiflung kroch in ihm hoch und er merkte wie seine Augen begannen zu brennen.
“Du bist ja da!”, klang die heitere Stimme seiner Freundin an sein Ohr, die so gar nicht zu dem passte, was gerade geschehen war.
“Wo sollte ich sonst sein?”, entgegnete er mut- und auch kraftlos und ließ sich dabei auf die Matratze sinken.
“Bei den anderen Frauen. Ich dachte, du willst mich nicht ...”
“Hör auf Tiia, bitte! Ich kann das nicht ertragen. Nicht jetzt.”
Er konnte die leisen Schritte von Tiia hören, die sich neben ihm auf’s Bett setzte und ihre Hand auf seine legte.
“Aber wieso bist du denn so wütend auf mich?”, fragte sie mit einer fast kindlich naiven Stimme, die Torsti einen Schauer über den Rücken jagte.
“Bin ich nicht. Ich bin nur müde. Wenn du nichts dagegen hast, geh ich jetzt duschen und schlaf dann.“
Mit einem Ruck war der Blonde aufgestanden und ging ins Bad. Ihm war egal, dass er bereits am Morgen geduscht hatte. Er wollte gerade nur für sich sein. Wenn er nicht einen weiteren Streit hätte vermeiden wollen, wäre er wohl zu seinen Eltern gefahren und hätte da geschlafen. Doch ihm fehlte eine plausible Erklärung und er brachte es nicht über sich, Tiia zu sagen, dass er einfach nicht in ihrer Nähe sein wollte.
Im Bad atmete Torsti das erste Mal seit Stunden richtig durch. Zwar trennten ihn nur ein paar Meter Beton von seiner Freundin und doch fühlte er sich für ein paar Minuten erleichtert. Allerdings verschwand das Gefühl ziemlich schnell, als er an Juke dachte. Automatisch griff er in seine Hosentasche, stellte aber dann fest, dass er das Handy wohl gerade auf dem Bett verloren hatte. Er nahm sich fest vor, noch vor dem Schlafengehen die SMS zu schreiben und hoffte, dass Juke seine Entschuldigung annehmen würde.
Nach der Dusche fühlte sich der Sänger immer noch nicht wirklich besser, doch er hatte sich entschlossen, den heutigen Tag einfach aus seinem Gedächtnis zu streichen. Wahrscheinlich war Tiia durch den Morgen schon ziemlich aufgewühlt gewesen und das gerade im Café Europa hatte sein Übriges getan. Er würde das Thema nicht noch mal anschneiden.
Im Schlafzimmer lag Tiia bereits im Bett. Eigentlich war es noch zu früh für ein Pärchen ihren Alters um ins Bett zu gehen, doch beide waren schon sehr früh wach gewesen und so sagte er nichts.
Sein Blick schweifte über die Bettdecke und auf den Nachttisch, in der Hoffnung, sein Handy dort liegen zu sehen, doch er fand es nicht. Nachdenklich schweiften seine Augen über das Mobiliar im Zimmer bevor er sich letztendlich dazu entschloss, in seiner Tasche nach zu sehen. Ergebnislos.
“Hast du mein Handy gesehen?”, fragte er gezwungenermaßen seine Freundin, die sich aufrichtete und ihn ansah.
“Nein. Hast du es vielleicht in der Tasche?”
“Da schaute ich schon nach. Komisch, ich bin mir sicher, ich hatte es noch als wir aus dem Klubi gingen.”
Nun setzte sich Tiia komplett auf und ließ ebenfalls ihre Augen über die Möbel schweifen. “Und in deiner Jacke? Ich hab sie, als du im Bad warst, an die Garderobe gehangen.”
Torsti ging in den Flur, griff in die Taschen seiner Jacke und wurde fündig. Misstrauisch sah er sich das Gerät an und blickte zur Schlafzimmertüre. Er war sich 100%ig sicher, dass er das Handy nicht in die Jackentasche gesteckt hatte. Wenn er es nicht am Körper trug, dann war es in seiner Tasche. Aber nie, wirklich nie, trug er es in der Jackentasche.
Allerdings war der Tag im Ganzen nicht normal verlaufen und so schob er den Gedanken wieder zur Seite.
Das Handy fest in der Hand ging er zurück ins Schlafzimmer und hielt es kurz hoch. “Gefunden.”
Zufrieden lächelte ihn Tiia an und legte sich wieder hin.
Torsti setzte sich auf seine Bettseite und tippte die Nachricht an Juke ein. Immer wieder löschte er sie und schrieb sie neu, doch egal wie oft er über die richtigen Worte nachdachte, alles erschien ihm zu simpel, als dass er erwarten konnte, dass der Drummer das als Entschuldigung annehmen würde.
Nach dem zehnten Versuch gab er auf und versendete die Nachricht.
Unsicher legte er das Handy auf den Nachttisch und legte sich hin. Erst in dem Moment fiel ihm auf, dass Tiia nicht wie sonst wissen wollte, wem er geschrieben hatte. Er blickte kurz über seine Schulter zu der zierlichen Person neben sich. Vielleicht war das ein gutes Zeichen, vielleicht hatte sie schon selber gemerkt, dass ihr Verhalten heute einfach untragbar gewesen war und dies war nun ihre Art sich zu entschuldigen. Vielleicht war das der erste Schritt zur Besserung.
~*~
Nachdem Juke in seiner Wohnung angekommen war, griff er als allererstes zum Telefon. Er wusste nicht wieso, aber er hatte das Gefühl, dass er das, was gerade geschehen war, Sammy erzählen musste.
Dieser war überrascht, den Jüngeren so schnell wieder zu sprechen. Doch noch überraschter war er nach der Geschichte, die ihm Juke erzählte.
“Okay, langsam sind mir das auch ein paar Zufälle zu viel. Übermorgen sprechen wir mit beiden.”
Das war es, was der Drummer hören wollte und so bedankte er sich noch rasch und entschuldigte sich für die Störung. Nun, da er seinen Unmut endlich jemandem anvertraut hatte, ging es ihm schon um einiges besser. Nicht, dass sich deswegen etwas an der Situation zwischen Torsti und ihm ändern würde, aber er fühlte sich nicht mehr ganz so alleine und weniger hoffnungslos.
Mit einer Flasche Bier bewaffnet machte es sich der Dunkelhaarige auf der Couch bequem und schaltete durch die Programme. Dabei achtete er weniger auf den Inhalt der Sendungen, sondern hing mehr seinen eigenen Gedanken nach.
Ob es sein könnte, dass die Beiden sich wegen der Sache im Klubi gestritten hatten? Torsti kannte ihn nun gut genug, um zu wissen, dass sein Verhalten nichts mit einem Toilettengang zu tun gehabt hatte und Juke war sich ziemlich sicher, dass der Sänger ebenfalls gesehen hatte, wie Tiia zu den Mädchen rüber gegangen war. Die Frage, die sich nun stellte war: Hatte Torsti sie darauf angesprochen? Und wenn ja, hatte sie die Wahrheit gesagt oder hatte sie so reagiert, weil er sie darauf angesprochen hatte?
In beiden Fällen war es für die Beziehung sicher kontraproduktiv, sie in zwei Tagen erneut darauf anzusprechen. Doch in seinen Augen blieb ihnen nichts anderes übrig. Sie mussten eine klare Grenze ziehen, die gerade Tiia immer öfter überschritten hatte. Allem voran durch das Auftauchen bei den Proben.
Jukes Handy vibrierte. Irritiert fischte er das Gerät aus seiner Hosentasche und öffnete die Nachricht. Insgeheim hatte er gehofft, dass Torsti sich bei ihm melden und entschuldigen würde. Doch als er den Absender las, schob er den Gedanken an den Sänger ganz weit von sich. Sein Bruder hatte ihm geschrieben, um sich mit ihm am nächsten Tag zu verabreden. So viel zum Thema Entschuldigen, dachte sich der Dunkelhaarige und tippte eine Antwort in sein Handy. Nachdem er mit Jaakko Uhrzeit und Ort ausgemacht hatte, warf er das Gerät neben sich und schloss die Augen. Vielleicht würde Torsti ja nach dem Gig das Gespräch mit ihm suchen. Zumindest hoffte er es, denn schließlich ging es hier auch um ihre Freundschaft.
~*~
Nachdem der Wecker Torsti am Morgen aus einem unruhigen Schlaf geholt hatte, griff er ohne Umschweife nach seinem Handy. Allerdings musste er betrübt feststellen, dass Juke ihm nicht geantwortet hatte. Vielleicht, dachte er sich, wollte der Drummer mit ihm vor oder nach dem Konzert darüber sprechen. Schließlich war sein Verhalten nicht nachvollziehbar gewesen und das war ihm voll und ganz bewusst. Er sah dem Aufeinandertreffen ruhig entgegen, denn er hatte beschlossen, Juke bis zu einem gewissen Grad von seinen Problemen zu erzählen. Doch er musste dafür sorgen, dass Tiia nicht anwesend oder zumindest solange abgelenkt war, bis er das Gespräch mit dem Jüngeren beendet hatte. Das war mit Abstand das Schwierigste an der Sache. Das und die Tatsache, dass er sich jetzt schon sicher sein konnte, dass Juke kein Verständnis für ihn haben würde. Wahrscheinlich würde er ihn fragen, wieso er überhaupt noch mit Tiia zusammen war.
Ihm war klar, dass er Juke darauf was das anging mit Sicherheit nicht die Wahrheit sagen konnte. Denn selbst für ihn klang der Grund alles andere als normal.
Sein Blick wanderte zu der jungen Frau neben sich, die ruhig schlief.
Er erinnerte sich daran, wie sie sich damals in dem Park getroffen hatten. Sie war mit ihren Hunden unterwegs gewesen und er hatte seine Runde gedreht. Eine der kleinen Ratten war ihm hinterhergelaufen und so waren sie aufeinander getroffen. Damals war er dem Chihuahua dankbar gewesen, doch mittlerweile verfluchte er diesen Tag und alles, was danach passiert war. Alles hatte sich in dem letzten Jahr verändert. Wie also konnte er Juke sagen, dass er Tiia gar nicht mehr liebte sondern nur mit ihr zusammen war, weil er Angst hatte, dass sie sich sonst etwas antun würde?
Denn das war es, was sie ihm eines Morgens aus heiterem Himmel gesagt hatte. Zu dem Zeitpunkt war ihre Beziehung noch in geregelten Bahnen verlaufen. Es gab keine hysterischen Anfälle oder Eifersuchtsszenen wegen irgendwelchen Personen, die ihnen auf der Straße entgegen kamen. Vielleicht war dieser Morgen, als Tiia sich aufsetzte, ihn ansah und die Worte sprach, schon das erste Vorzeichen für das gewesen, was sich nun daraus entwickelt hatte.
Diese Worte, die Torsti heute noch bis ins Mark erschütterten. “Wenn du mich verlassen solltest, ich wüsste nicht, was ich tun sollte. Ich würde nicht mehr leben wollen. Nein, das sind nicht die richtigen Worte. Ich werde dann nicht mehr weiterleben.”
“Guten Morgen.”
Erschrocken zuckte Torsti bei den Worten zusammen. Das gesunde, rosige Gesicht der alten Tiia verschwand und machte dem erschreckend dünnen und kranken Gesicht Platz.
Mit diesem bestimmten Lächeln, welches Torsti auf eine Art und Weise erschreckte, die er nicht erklären konnte, richtete sie sich, das Gesicht zu ihm gewandt, auf und beugte sich zu ihm hinüber, um ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen zu hauchen.
“Du siehst so abwesend aus”, stellte die Tiia fest und wartete auf die Antwort ihrer indirekten Frage.
Mittlerweile wusste Torsti, wann er einfach antworten sollte statt Gegenfragen zu stellen.
“Ich hab einfach mit offenen Augen gedöst.”
“Oh, in Ordnung. Und? Hast du heute schon was vor?”
Wieder diese unterschwellige Botschaft. Torsti fiel auf, dass er in letzter Zeit immer schneller die Geduld verlor und atmete, wie so oft, tief ein.
“Ja, ich fahr meine Eltern besuchen. Willst du mit?”
Er kannte die Antwort bereits bevor er die Frage gestellt hatte. Tiia würde nicht mitkommen, denn sie und seine Mutter waren wie Feuer und Wasser und das würde sich wohl nie mehr ändern. Tiia versuchte nur zu gerne, dem aus dem Weg zu gehen und so, wie sie ihn ansah, durfte er davon ausgehen, dass das dieses Mal auch der Fall sein würde.
“Deine Mutter hasst mich.”
Das war eine andere Antwort, als die, die Torsti erwartet hatte. Nichtsdestotrotz sagte seine Freundin die Wahrheit.
“Ihr seid nur unterschiedlich. Sie hasst dich nicht. Meine Mutter kann gar nicht hassen.”
“Das musst du ja jetzt auch sagen, du bist ihr Sohn. Kein Wunder, dass du für sie Partei ergreifst.” Erneut redete Tiia sich in etwas ein, was nur zum Teil stimmte.
Sicher mochte seine Mutter Tiia nicht und ja, sie hatte es ihr auch schon einmal ins Gesicht gesagt. Doch war es wirklich so wie Torsti sagte und obwohl er es eigentlich besser wusste, versuchte er es ihr erneut zu erklären.
“Tiia, man kann nicht jeden Menschen auf der Welt leiden. Das ist einfach von der Natur her so. Und wenn du es wirklich jedem Menschen auf der Welt recht machen möchtest, müsstest du eine lange Zeit im Keller verbringen.”
Kaum hatte der Blonde zuende gesprochen, bereute er es auch schon wieder.
Tränen funkelten in Tiias Augen und alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen.
“Sie hasst mich nur, weil du mich mehr liebst als sie. Sie gönnt mir das einfach nicht.”
Ein Hammerschlag hätte Torsti nicht mehr aus der Fassung bringen können. Völlig entgeistert strich er sich mit beiden Händen durch’s Gesicht und über seine Haare. Er überlegte etwas zu erwidern, doch egal was ihm in den Sinn kam, hätte einfach nur zu einem erneuten Ausbruch ihrerseits geführt und Torsti wollte sich das beim besten Willen ersparen. Ohne eine Erwiderung schwang er die Beine aus dem Bett und ging zur Tür.
“Wohin gehst du?” Torsti entging der leicht hysterische Unterton in der Stimme nicht und so bemühte er sich zumindest um eine Ein-Wort-Antwort.
“Bad.”
Unter der Dusche versuchte er sich etwas zu entspannen, doch nach diesen Worten die Tiia mit so viel ernst zu ihm gesagt hatte, schaffte er es nicht. Wie konnte sie sowas sagen? Wie konnte Tiia diese Art von Liebe mit der einer zu einer Mutter vergleichen? In Gedanken hatten sich bereits die richtigen Worte als Antwort formiert, doch diese hätte er nur in einer normalen, und vor allem gesunden, Beziehung anbringen können.
Er wollte so schnell wie möglich aus dieser Wohnung raus und erst mal etwas Abstand von Tiia und dieser Unterhaltung kriegen. Hastig wusch er sich, zog sich an und verabschiedete sich mit einem flüchtigen Kuss von Tiia, bevor sie doch noch auf die Idee hätte kommen können, ihn zu begleiten.
Seine Eltern wohnten etwas außerhalb Tamperes und so genoss er die ruhige Busfahrt, in dem er sich die ihm so bekannte Landschaft anschaute und dabei Time Is Running Out von Muse hörte, welches er leise mitsummte.
Von der Haltestelle aus war es noch ein Weg von 10 Minuten, bis er endlich die vertraute Haustüre sah, anklingelte und ihm ein paar Sekunden später die Tür geöffnet wurde.
“Huch, Torsti. Warum benutzt du nicht den Schüssel?”, erstaunt sah ihn seine Mutter mit den grünen Augen an, die er von ihr geerbt hatte, und ging einen Schritt zur Seite.
Mit einem Kuss auf ihre Wange trat er ein und zog sich bereits Schuhe und Jacke aus. “Ach Äiti[1], ich würde doch auch nicht wollen, dass du einfach bei mir in die Wohnung kommst ohne zu klingeln.”
Kopfschüttelnd folgte ihm seine Mutter ins Wohnzimmer, wo er sich, die Beine untergeschlagen, auf die Couch setzte und sie ansah.
“Red nicht so einen Unfug, Junge. Das hier wird immer dein Zuhause sein, also kannst du auch immer reinkommen. Aber schön, dass du mal wieder vorbeikommst.”
Zufrieden lächelte der Blonde und lehnte sich, das erste Mal seit Wochen, entspannt zurück.
“Tiia wollte nicht mitkommen?”, fragte seine Mutter vorsichtig, die immer noch an der Türe stand und die Hände in die Seiten gestemmt hatte.
“Soll ich es mit ihren Worten sagen?”, entgegnete Torsti, wobei er abfällig schnaufte.
“Mit den Worten, die du für angebracht hältst.”
“Sie wollte nicht mitkommen, weil du sie hasst.”
“Na wenigstens das hat sie verstanden. Kaffee?” Torsti lächelte, als seine Mutter das Thema so einfach wechselte. Doch war er sich sehr sicher, dass das nur für den Augenblick der Fall war.
“Ja gerne”, antwortete er und sah seine Mutter in der Küche verschwinden. Für einige Minuten hörte er sie dort hantieren und widerstand dem Drang, ihr zu helfen. Er wusste, dass sie das nicht wollte, denn schließlich konnte sie ihn ja nur noch so selten verwöhnen, wie sie es sagte.
Nach einiger Zeit kam sie, mit einem Tablett in den Händen, wieder in das kleine Wohnzimmer und reichte dem Blonden eine Tasse Kaffee.
“Will sie mich denn jetzt für immer und ewig meiden beziehungsweise solange du es noch mit ihr aushältst? Was, hoffentlich, nicht mehr allzu lange ist.” Vorsichtig am Kaffee nippend hatte sich Torstis Mutter neben ihn gesetzt und sah ihn nun mit wachen Augen an.
“Äiti, bitte”, wies er sie zurecht, erntete jedoch nur ein Schulterzucken.
“Was? Darf ich nicht meine Meinung zu der Frau sagen, die höchstwahrscheinlich meine Enkel austragen wird? Das wäre ja noch schöner.”
Bis dato hatte er immer Geduld mit ihr gehabt, versucht, sie bei sich selber zu entschuldigen. Doch nun befanden sie sich an einer Grenze, die er nur noch schwerlich aufrecht halten konnte. Ihm war das bewusst, Tiia nicht.
Seine Gedanken wanderten rüber zu Juke und er blieb stehen. Ein schlechtes Gewissen überkam ihn, als er daran dachte, wie er den Jüngeren gerade angefahren hatte. Aber sein Erscheinen hätte nicht weniger passend sein können. Und Torsti hatte ihm beim besten Willen nicht mitten auf der Straße erklären wollen, wieso seine Freundin so hysterisch die Straße entlang gerannt war.
Dennoch war er sich bewusst, dass all dies keine Entschuldigung für sein Verhalten war.
Er wandte sich in die Richtung, aus der er gekommen war und überlegte für einige Sekunden, ob er zurückgehen sollte um sich zu entschuldigen. Doch Tiia schob sich in seinen Gedanken dazwischen. Was wäre, wenn sie erfahren würde, dass er sich mehr um seinen besten Freund sorgte als um sie?
Mit einem Seufzen setzte der Blonde den Weg zu seiner Wohnung fort. Er würde dem Drummer später eine SMS schreiben und sich entschuldigen. Bei dem Gig würde er ihm dann immerhin grob erklären, was geschehen war.
In der Wohnung angekommen, fand Torsti die Badezimmertür verschlossen vor. Resigniert führten ihn seine Beine ins Schlafzimmer, wo er sich, den Kopf in den Händen abgestützt, auf das Bett setzte und wartete.
Die Augen geschlossen, so dass er keinen Blick auf die Uhr hatte, dachte er über seine Situation nach. Er würde das alles bald nicht mehr aushalten können. Zumindest nicht alleine. Und dabei war eigentlich Tiia diejenige, die Hilfe brauchte und zwar dringend. Denn ihr Verhalten wurde von Mal zu Mal extremer.
Seine Gedanken schweiften zu dem gerade Erlebten.
Nach dem sie das Klubi verlassen hatten, wollten sie etwas essen gehen. Es war Tiias Idee ins Café Europa zu gehen und Torsti war einverstanden gewesen. Er mochte den Laden mit seiner gemütlichen Atmosphäre und so liefen sie, Arm in Arm, Richtung Bahnhof und waren nach einigen Minuten vor dem Café angekommen. Drinnen war es relativ leer und so überließ er es Tiia ein Platz auszusuchen. Sie entschied sich letztendlich, auf einer alten Couch Platz zu nehmen, die sich direkt gegenüber der Fensterseite befand, an der eine Gruppe Frauen saß.
Torsti war sich nicht sicher, aber irgendwie kamen ihm die Gesichter bekannt vor. Als er sich neben seine Freundin setzte, sahen zwei der Frauen zu ihm rüber und lächelten ihn überrascht an. Höflich wie er war, erwiderte er die Geste. Zwar war er sich immer noch nicht sicher, woher er die Frauen kannte, aber anscheinend hatte er sich nicht getäuscht und sie waren ihm zuvor schon einmal begegnet.
“Wer ist das?”, zischte Tiia, woraufhin Torsti sich überrascht zu ihr drehte.
“Keine Ahnung”, antwortete er ehrlich und lächelte seine Freundin besänftigend an. “Aber ich denke mal, dass sie schon einmal auf einem Konzert waren. Irgendwie kommen sie mir bekannt vor.”
Die Worte, die Tiia eigentlich hatten beruhigen sollen, erzeugten das genaue Gegenteil. Torsti, der sich gerade aus seiner Jacke schälte, verharrte perplex in der Bewegung als Tiia ihm eine Ohrfeige verpasste.
Ungläubig starrte er in das Gesicht seiner Freundin, der bereits Tränen über die Wangen liefen und die ihn wütend musterte. “Also deine Betthasen? Ist es das, was du mir sagen willst?”
Die junge Frau versuchte erst gar nicht, ihre Stimme ruhig zu halten. Das hysterische Keifen zog alle Blicke auf sich und Torsti sah sich irritiert um. Er suchte einen Grund für ihr Verhalten, denn er konnte und wollte einfach nicht glauben, das sie sich wegen einer einfachen Geste selbst so in Rage brachte.
Alle Gäste um ihn herum starrten vor Schreck und zum Teil auch amüsiert zu ihnen hinüber.
“Wovon sprichst du? Das sind, wenn überhaupt, Fans und nun kannst du dich bitte wieder beruhigen.” Erneut suchte der Blonde beruhigende Worte für seine Freundin, die sich aber allem Anschein nach nicht abkühlen wollte. Hektisch und schluchzend griff sie nach ihrer Tasche und rannte aus dem Café. Zu fassungslos um in irgendeiner Form zu reagieren, blieb Torsti sitzen.
Seine Augen wanderten von den jungen Frauen, die ihn entsetzt ansahen, zu den übrigen Gästen, die hinter vorgehaltener Hand über ihn sprachen. Wahrscheinlich wirkte es nun für alle so, als wäre er in irgendeiner Weise für die Situation verantwortlich. Aber er war es nicht.
Auch jetzt noch, wo er wieder zuhause war, wusste er nicht wieso das gerade geschehen war. Er verstand Tiias übertriebene Eifersucht einfach nicht und es machte ihm Angst. Für sie hatte er sein komplettes soziales Umfeld aufgegeben, damit sie keinen Grund hatte, zu denken, er würde sie betrügen. Die Touren stellten noch einen sehr gefährlichen wunden Punkt in ihrer Beziehung dar und er war froh, dass gerade keine in Sicht war. An die letzte dachte er nur mit Magenschmerzen.
Ein Geräusch an der Türe holte ihn aus seinen Gedanken wieder zurück. Langsam ließ er die Hände von seinem Gesicht sinken und sah zu der Dunkelhaarigen, die sich in ein weißes Hemd von ihm gewickelt hatte und nun mit freudigem Gesicht vor ihm stand.
Torsti konnte es sich nicht erklären, aber die schiere Verzweiflung kroch in ihm hoch und er merkte wie seine Augen begannen zu brennen.
“Du bist ja da!”, klang die heitere Stimme seiner Freundin an sein Ohr, die so gar nicht zu dem passte, was gerade geschehen war.
“Wo sollte ich sonst sein?”, entgegnete er mut- und auch kraftlos und ließ sich dabei auf die Matratze sinken.
“Bei den anderen Frauen. Ich dachte, du willst mich nicht ...”
“Hör auf Tiia, bitte! Ich kann das nicht ertragen. Nicht jetzt.”
Er konnte die leisen Schritte von Tiia hören, die sich neben ihm auf’s Bett setzte und ihre Hand auf seine legte.
“Aber wieso bist du denn so wütend auf mich?”, fragte sie mit einer fast kindlich naiven Stimme, die Torsti einen Schauer über den Rücken jagte.
“Bin ich nicht. Ich bin nur müde. Wenn du nichts dagegen hast, geh ich jetzt duschen und schlaf dann.“
Mit einem Ruck war der Blonde aufgestanden und ging ins Bad. Ihm war egal, dass er bereits am Morgen geduscht hatte. Er wollte gerade nur für sich sein. Wenn er nicht einen weiteren Streit hätte vermeiden wollen, wäre er wohl zu seinen Eltern gefahren und hätte da geschlafen. Doch ihm fehlte eine plausible Erklärung und er brachte es nicht über sich, Tiia zu sagen, dass er einfach nicht in ihrer Nähe sein wollte.
Im Bad atmete Torsti das erste Mal seit Stunden richtig durch. Zwar trennten ihn nur ein paar Meter Beton von seiner Freundin und doch fühlte er sich für ein paar Minuten erleichtert. Allerdings verschwand das Gefühl ziemlich schnell, als er an Juke dachte. Automatisch griff er in seine Hosentasche, stellte aber dann fest, dass er das Handy wohl gerade auf dem Bett verloren hatte. Er nahm sich fest vor, noch vor dem Schlafengehen die SMS zu schreiben und hoffte, dass Juke seine Entschuldigung annehmen würde.
Nach der Dusche fühlte sich der Sänger immer noch nicht wirklich besser, doch er hatte sich entschlossen, den heutigen Tag einfach aus seinem Gedächtnis zu streichen. Wahrscheinlich war Tiia durch den Morgen schon ziemlich aufgewühlt gewesen und das gerade im Café Europa hatte sein Übriges getan. Er würde das Thema nicht noch mal anschneiden.
Im Schlafzimmer lag Tiia bereits im Bett. Eigentlich war es noch zu früh für ein Pärchen ihren Alters um ins Bett zu gehen, doch beide waren schon sehr früh wach gewesen und so sagte er nichts.
Sein Blick schweifte über die Bettdecke und auf den Nachttisch, in der Hoffnung, sein Handy dort liegen zu sehen, doch er fand es nicht. Nachdenklich schweiften seine Augen über das Mobiliar im Zimmer bevor er sich letztendlich dazu entschloss, in seiner Tasche nach zu sehen. Ergebnislos.
“Hast du mein Handy gesehen?”, fragte er gezwungenermaßen seine Freundin, die sich aufrichtete und ihn ansah.
“Nein. Hast du es vielleicht in der Tasche?”
“Da schaute ich schon nach. Komisch, ich bin mir sicher, ich hatte es noch als wir aus dem Klubi gingen.”
Nun setzte sich Tiia komplett auf und ließ ebenfalls ihre Augen über die Möbel schweifen. “Und in deiner Jacke? Ich hab sie, als du im Bad warst, an die Garderobe gehangen.”
Torsti ging in den Flur, griff in die Taschen seiner Jacke und wurde fündig. Misstrauisch sah er sich das Gerät an und blickte zur Schlafzimmertüre. Er war sich 100%ig sicher, dass er das Handy nicht in die Jackentasche gesteckt hatte. Wenn er es nicht am Körper trug, dann war es in seiner Tasche. Aber nie, wirklich nie, trug er es in der Jackentasche.
Allerdings war der Tag im Ganzen nicht normal verlaufen und so schob er den Gedanken wieder zur Seite.
Das Handy fest in der Hand ging er zurück ins Schlafzimmer und hielt es kurz hoch. “Gefunden.”
Zufrieden lächelte ihn Tiia an und legte sich wieder hin.
Torsti setzte sich auf seine Bettseite und tippte die Nachricht an Juke ein. Immer wieder löschte er sie und schrieb sie neu, doch egal wie oft er über die richtigen Worte nachdachte, alles erschien ihm zu simpel, als dass er erwarten konnte, dass der Drummer das als Entschuldigung annehmen würde.
Nach dem zehnten Versuch gab er auf und versendete die Nachricht.
Unsicher legte er das Handy auf den Nachttisch und legte sich hin. Erst in dem Moment fiel ihm auf, dass Tiia nicht wie sonst wissen wollte, wem er geschrieben hatte. Er blickte kurz über seine Schulter zu der zierlichen Person neben sich. Vielleicht war das ein gutes Zeichen, vielleicht hatte sie schon selber gemerkt, dass ihr Verhalten heute einfach untragbar gewesen war und dies war nun ihre Art sich zu entschuldigen. Vielleicht war das der erste Schritt zur Besserung.
~*~
Nachdem Juke in seiner Wohnung angekommen war, griff er als allererstes zum Telefon. Er wusste nicht wieso, aber er hatte das Gefühl, dass er das, was gerade geschehen war, Sammy erzählen musste.
Dieser war überrascht, den Jüngeren so schnell wieder zu sprechen. Doch noch überraschter war er nach der Geschichte, die ihm Juke erzählte.
“Okay, langsam sind mir das auch ein paar Zufälle zu viel. Übermorgen sprechen wir mit beiden.”
Das war es, was der Drummer hören wollte und so bedankte er sich noch rasch und entschuldigte sich für die Störung. Nun, da er seinen Unmut endlich jemandem anvertraut hatte, ging es ihm schon um einiges besser. Nicht, dass sich deswegen etwas an der Situation zwischen Torsti und ihm ändern würde, aber er fühlte sich nicht mehr ganz so alleine und weniger hoffnungslos.
Mit einer Flasche Bier bewaffnet machte es sich der Dunkelhaarige auf der Couch bequem und schaltete durch die Programme. Dabei achtete er weniger auf den Inhalt der Sendungen, sondern hing mehr seinen eigenen Gedanken nach.
Ob es sein könnte, dass die Beiden sich wegen der Sache im Klubi gestritten hatten? Torsti kannte ihn nun gut genug, um zu wissen, dass sein Verhalten nichts mit einem Toilettengang zu tun gehabt hatte und Juke war sich ziemlich sicher, dass der Sänger ebenfalls gesehen hatte, wie Tiia zu den Mädchen rüber gegangen war. Die Frage, die sich nun stellte war: Hatte Torsti sie darauf angesprochen? Und wenn ja, hatte sie die Wahrheit gesagt oder hatte sie so reagiert, weil er sie darauf angesprochen hatte?
In beiden Fällen war es für die Beziehung sicher kontraproduktiv, sie in zwei Tagen erneut darauf anzusprechen. Doch in seinen Augen blieb ihnen nichts anderes übrig. Sie mussten eine klare Grenze ziehen, die gerade Tiia immer öfter überschritten hatte. Allem voran durch das Auftauchen bei den Proben.
Jukes Handy vibrierte. Irritiert fischte er das Gerät aus seiner Hosentasche und öffnete die Nachricht. Insgeheim hatte er gehofft, dass Torsti sich bei ihm melden und entschuldigen würde. Doch als er den Absender las, schob er den Gedanken an den Sänger ganz weit von sich. Sein Bruder hatte ihm geschrieben, um sich mit ihm am nächsten Tag zu verabreden. So viel zum Thema Entschuldigen, dachte sich der Dunkelhaarige und tippte eine Antwort in sein Handy. Nachdem er mit Jaakko Uhrzeit und Ort ausgemacht hatte, warf er das Gerät neben sich und schloss die Augen. Vielleicht würde Torsti ja nach dem Gig das Gespräch mit ihm suchen. Zumindest hoffte er es, denn schließlich ging es hier auch um ihre Freundschaft.
~*~
Nachdem der Wecker Torsti am Morgen aus einem unruhigen Schlaf geholt hatte, griff er ohne Umschweife nach seinem Handy. Allerdings musste er betrübt feststellen, dass Juke ihm nicht geantwortet hatte. Vielleicht, dachte er sich, wollte der Drummer mit ihm vor oder nach dem Konzert darüber sprechen. Schließlich war sein Verhalten nicht nachvollziehbar gewesen und das war ihm voll und ganz bewusst. Er sah dem Aufeinandertreffen ruhig entgegen, denn er hatte beschlossen, Juke bis zu einem gewissen Grad von seinen Problemen zu erzählen. Doch er musste dafür sorgen, dass Tiia nicht anwesend oder zumindest solange abgelenkt war, bis er das Gespräch mit dem Jüngeren beendet hatte. Das war mit Abstand das Schwierigste an der Sache. Das und die Tatsache, dass er sich jetzt schon sicher sein konnte, dass Juke kein Verständnis für ihn haben würde. Wahrscheinlich würde er ihn fragen, wieso er überhaupt noch mit Tiia zusammen war.
Ihm war klar, dass er Juke darauf was das anging mit Sicherheit nicht die Wahrheit sagen konnte. Denn selbst für ihn klang der Grund alles andere als normal.
Sein Blick wanderte zu der jungen Frau neben sich, die ruhig schlief.
Er erinnerte sich daran, wie sie sich damals in dem Park getroffen hatten. Sie war mit ihren Hunden unterwegs gewesen und er hatte seine Runde gedreht. Eine der kleinen Ratten war ihm hinterhergelaufen und so waren sie aufeinander getroffen. Damals war er dem Chihuahua dankbar gewesen, doch mittlerweile verfluchte er diesen Tag und alles, was danach passiert war. Alles hatte sich in dem letzten Jahr verändert. Wie also konnte er Juke sagen, dass er Tiia gar nicht mehr liebte sondern nur mit ihr zusammen war, weil er Angst hatte, dass sie sich sonst etwas antun würde?
Denn das war es, was sie ihm eines Morgens aus heiterem Himmel gesagt hatte. Zu dem Zeitpunkt war ihre Beziehung noch in geregelten Bahnen verlaufen. Es gab keine hysterischen Anfälle oder Eifersuchtsszenen wegen irgendwelchen Personen, die ihnen auf der Straße entgegen kamen. Vielleicht war dieser Morgen, als Tiia sich aufsetzte, ihn ansah und die Worte sprach, schon das erste Vorzeichen für das gewesen, was sich nun daraus entwickelt hatte.
Diese Worte, die Torsti heute noch bis ins Mark erschütterten. “Wenn du mich verlassen solltest, ich wüsste nicht, was ich tun sollte. Ich würde nicht mehr leben wollen. Nein, das sind nicht die richtigen Worte. Ich werde dann nicht mehr weiterleben.”
“Guten Morgen.”
Erschrocken zuckte Torsti bei den Worten zusammen. Das gesunde, rosige Gesicht der alten Tiia verschwand und machte dem erschreckend dünnen und kranken Gesicht Platz.
Mit diesem bestimmten Lächeln, welches Torsti auf eine Art und Weise erschreckte, die er nicht erklären konnte, richtete sie sich, das Gesicht zu ihm gewandt, auf und beugte sich zu ihm hinüber, um ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen zu hauchen.
“Du siehst so abwesend aus”, stellte die Tiia fest und wartete auf die Antwort ihrer indirekten Frage.
Mittlerweile wusste Torsti, wann er einfach antworten sollte statt Gegenfragen zu stellen.
“Ich hab einfach mit offenen Augen gedöst.”
“Oh, in Ordnung. Und? Hast du heute schon was vor?”
Wieder diese unterschwellige Botschaft. Torsti fiel auf, dass er in letzter Zeit immer schneller die Geduld verlor und atmete, wie so oft, tief ein.
“Ja, ich fahr meine Eltern besuchen. Willst du mit?”
Er kannte die Antwort bereits bevor er die Frage gestellt hatte. Tiia würde nicht mitkommen, denn sie und seine Mutter waren wie Feuer und Wasser und das würde sich wohl nie mehr ändern. Tiia versuchte nur zu gerne, dem aus dem Weg zu gehen und so, wie sie ihn ansah, durfte er davon ausgehen, dass das dieses Mal auch der Fall sein würde.
“Deine Mutter hasst mich.”
Das war eine andere Antwort, als die, die Torsti erwartet hatte. Nichtsdestotrotz sagte seine Freundin die Wahrheit.
“Ihr seid nur unterschiedlich. Sie hasst dich nicht. Meine Mutter kann gar nicht hassen.”
“Das musst du ja jetzt auch sagen, du bist ihr Sohn. Kein Wunder, dass du für sie Partei ergreifst.” Erneut redete Tiia sich in etwas ein, was nur zum Teil stimmte.
Sicher mochte seine Mutter Tiia nicht und ja, sie hatte es ihr auch schon einmal ins Gesicht gesagt. Doch war es wirklich so wie Torsti sagte und obwohl er es eigentlich besser wusste, versuchte er es ihr erneut zu erklären.
“Tiia, man kann nicht jeden Menschen auf der Welt leiden. Das ist einfach von der Natur her so. Und wenn du es wirklich jedem Menschen auf der Welt recht machen möchtest, müsstest du eine lange Zeit im Keller verbringen.”
Kaum hatte der Blonde zuende gesprochen, bereute er es auch schon wieder.
Tränen funkelten in Tiias Augen und alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen.
“Sie hasst mich nur, weil du mich mehr liebst als sie. Sie gönnt mir das einfach nicht.”
Ein Hammerschlag hätte Torsti nicht mehr aus der Fassung bringen können. Völlig entgeistert strich er sich mit beiden Händen durch’s Gesicht und über seine Haare. Er überlegte etwas zu erwidern, doch egal was ihm in den Sinn kam, hätte einfach nur zu einem erneuten Ausbruch ihrerseits geführt und Torsti wollte sich das beim besten Willen ersparen. Ohne eine Erwiderung schwang er die Beine aus dem Bett und ging zur Tür.
“Wohin gehst du?” Torsti entging der leicht hysterische Unterton in der Stimme nicht und so bemühte er sich zumindest um eine Ein-Wort-Antwort.
“Bad.”
Unter der Dusche versuchte er sich etwas zu entspannen, doch nach diesen Worten die Tiia mit so viel ernst zu ihm gesagt hatte, schaffte er es nicht. Wie konnte sie sowas sagen? Wie konnte Tiia diese Art von Liebe mit der einer zu einer Mutter vergleichen? In Gedanken hatten sich bereits die richtigen Worte als Antwort formiert, doch diese hätte er nur in einer normalen, und vor allem gesunden, Beziehung anbringen können.
Er wollte so schnell wie möglich aus dieser Wohnung raus und erst mal etwas Abstand von Tiia und dieser Unterhaltung kriegen. Hastig wusch er sich, zog sich an und verabschiedete sich mit einem flüchtigen Kuss von Tiia, bevor sie doch noch auf die Idee hätte kommen können, ihn zu begleiten.
Seine Eltern wohnten etwas außerhalb Tamperes und so genoss er die ruhige Busfahrt, in dem er sich die ihm so bekannte Landschaft anschaute und dabei Time Is Running Out von Muse hörte, welches er leise mitsummte.
Von der Haltestelle aus war es noch ein Weg von 10 Minuten, bis er endlich die vertraute Haustüre sah, anklingelte und ihm ein paar Sekunden später die Tür geöffnet wurde.
“Huch, Torsti. Warum benutzt du nicht den Schüssel?”, erstaunt sah ihn seine Mutter mit den grünen Augen an, die er von ihr geerbt hatte, und ging einen Schritt zur Seite.
Mit einem Kuss auf ihre Wange trat er ein und zog sich bereits Schuhe und Jacke aus. “Ach Äiti[1], ich würde doch auch nicht wollen, dass du einfach bei mir in die Wohnung kommst ohne zu klingeln.”
Kopfschüttelnd folgte ihm seine Mutter ins Wohnzimmer, wo er sich, die Beine untergeschlagen, auf die Couch setzte und sie ansah.
“Red nicht so einen Unfug, Junge. Das hier wird immer dein Zuhause sein, also kannst du auch immer reinkommen. Aber schön, dass du mal wieder vorbeikommst.”
Zufrieden lächelte der Blonde und lehnte sich, das erste Mal seit Wochen, entspannt zurück.
“Tiia wollte nicht mitkommen?”, fragte seine Mutter vorsichtig, die immer noch an der Türe stand und die Hände in die Seiten gestemmt hatte.
“Soll ich es mit ihren Worten sagen?”, entgegnete Torsti, wobei er abfällig schnaufte.
“Mit den Worten, die du für angebracht hältst.”
“Sie wollte nicht mitkommen, weil du sie hasst.”
“Na wenigstens das hat sie verstanden. Kaffee?” Torsti lächelte, als seine Mutter das Thema so einfach wechselte. Doch war er sich sehr sicher, dass das nur für den Augenblick der Fall war.
“Ja gerne”, antwortete er und sah seine Mutter in der Küche verschwinden. Für einige Minuten hörte er sie dort hantieren und widerstand dem Drang, ihr zu helfen. Er wusste, dass sie das nicht wollte, denn schließlich konnte sie ihn ja nur noch so selten verwöhnen, wie sie es sagte.
Nach einiger Zeit kam sie, mit einem Tablett in den Händen, wieder in das kleine Wohnzimmer und reichte dem Blonden eine Tasse Kaffee.
“Will sie mich denn jetzt für immer und ewig meiden beziehungsweise solange du es noch mit ihr aushältst? Was, hoffentlich, nicht mehr allzu lange ist.” Vorsichtig am Kaffee nippend hatte sich Torstis Mutter neben ihn gesetzt und sah ihn nun mit wachen Augen an.
“Äiti, bitte”, wies er sie zurecht, erntete jedoch nur ein Schulterzucken.
“Was? Darf ich nicht meine Meinung zu der Frau sagen, die höchstwahrscheinlich meine Enkel austragen wird? Das wäre ja noch schöner.”
Genervt rollte Torsti die Augen.
“Du brauchst gar nicht die Augen zu rollen. Bis jetzt habe ich nie etwas über eine deiner Freundinnen gesagt. Nicht, dass du jede Woche jemand neues hattest, aber die, die ich kennen lernen durfte, waren bis dato immer sehr nett. Aber an Tiia ist etwas, was mich nervös macht. Sie strahlt sowas kaltes aus. Ich kann es nicht erklären.”
Torsti traute sich nicht etwas auf die Worte seiner Mutter zu sagen und so schwieg er, bis sie erneut anfing zu sprechen. “Du weißt, dass ich sowas nie sagen würde, wenn ich nicht denke, dass es das Richtige ist, aber ich glaube nicht, dass sie die Richtige für dich ist.”
Die Worte seiner Mutter brachten ihn zum Lachen.
“Das scheint dich ja nun sehr zu amüsieren”, stellte sie pikiert fest.
“Nein, Äiti, versteh mich nicht falsch. So meinte ich das nicht. Aber so wie du das gerade sagtest, erinnerte es mich total an Juke.” Bei dem Namen seines Freundes zog sich sein Magen zusammen. Immer wieder hatte er auf sein Handy geschaut, doch der Jüngere hatte sich immer noch nicht gemeldet und langsam fing es an, ihn zu beunruhigen.
“Oh, wo du Juho erwähnst, ihn hast du auch schon lange nicht mehr mitgebracht.”
Das Schweigen, was folgte, war ein erneutes Zeichen für seine Mutter, nachzuhaken.
“Du triffst dich doch noch mit ihm, oder?”
Seine grünen Augen starrten auf die Tasse in seinen Händen. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er mittlerweiler angefangen hatte zu zittern, doch der Kaffee, der an die Wände der Tasse schlug, zeigten deutlich seine Reaktion auf das Gespräch. Er hoffte, dass seine Mutter es nicht bemerkte und so stellte er den Becher wieder auf den Tisch.
“Das gelte ich mal als nein und da du gar nichts dazu sagst, denke ich mal, dass du auch nicht drüber sprechen möchtest. Okay, dann sind nun Tiia und Juho Tabuthemen. Noch etwas, was ich mir merken sollte?”
Betrübt schüttelte der Blonde den Kopf. Dass er mit seiner Mutter nicht über Juke sprechen wollte, lag einzig und alleine daran, dass er ihren vorwurfsvollen Blick nicht ertragen hätte, wenn er erzählt hätte, was vorgefallen war. Dass der Drummer ein Stein bei ihr im Brett hatte, merkte man schon daran, dass sie ihn, neben seiner eigenen Mutter, Juho nennen durfte.
Umso dankbarer war er, als sie nach einigen Sekunden ein komplett anderes Thema anschnitt und er so dem ganzen für einige dankbare Stunden entfliehen konnte.
Nachdem er sich von seiner Mutter und seinem Vater, der erst gegen Abend von der Arbeit kam, verabschiedet hatte, machte er sich auf den Weg nach Hause. Er hatte Tiia keine Uhrzeit genannt, wann er wieder zurück sein würde, doch konnte er sie bereits im Flur auf der kleinen Bank sitzen sehen, wie sie - die Augen auf die Türe gerichtet - auf ihn wartete. Mit jedem Schritt, den er in Richtung Wohnung tat, fiel es ihm schwerer und so spazierte er noch eine Runde durch den nahegelegenen Park, ehe er es wagte, nach Hause zu gehen.
Wie er es sich bereits gedacht hatte, hatte Tiia sich im Flur einquartiert und so war sie das Erste was er sah, nachdem er die Tür aufgeschlossen hatte.
“Wo warst du solange?”
Wahrscheinlich hatte ihm der Nachmittag bei seiner Familie die Kraft gegeben, nun so ruhig zu sein, denn die Wut und Unruhe, die ihn in den letzten Tagen immer wieder befallen hatte, wenn Tiia ihm eine solche Frage gestellt hatte, blieb aus.
“Mein Vater kam erst so spät von der Arbeit und ich wollte ihn noch sehen”, antwortete er. Dabei schloss er die Türe und stellte mit Bestürzung fest, dass die Wut etwas anderem Platz gemacht hatte. Und zwar kompletter Resignation.
“Du brauchst gar nicht die Augen zu rollen. Bis jetzt habe ich nie etwas über eine deiner Freundinnen gesagt. Nicht, dass du jede Woche jemand neues hattest, aber die, die ich kennen lernen durfte, waren bis dato immer sehr nett. Aber an Tiia ist etwas, was mich nervös macht. Sie strahlt sowas kaltes aus. Ich kann es nicht erklären.”
Torsti traute sich nicht etwas auf die Worte seiner Mutter zu sagen und so schwieg er, bis sie erneut anfing zu sprechen. “Du weißt, dass ich sowas nie sagen würde, wenn ich nicht denke, dass es das Richtige ist, aber ich glaube nicht, dass sie die Richtige für dich ist.”
Die Worte seiner Mutter brachten ihn zum Lachen.
“Das scheint dich ja nun sehr zu amüsieren”, stellte sie pikiert fest.
“Nein, Äiti, versteh mich nicht falsch. So meinte ich das nicht. Aber so wie du das gerade sagtest, erinnerte es mich total an Juke.” Bei dem Namen seines Freundes zog sich sein Magen zusammen. Immer wieder hatte er auf sein Handy geschaut, doch der Jüngere hatte sich immer noch nicht gemeldet und langsam fing es an, ihn zu beunruhigen.
“Oh, wo du Juho erwähnst, ihn hast du auch schon lange nicht mehr mitgebracht.”
Das Schweigen, was folgte, war ein erneutes Zeichen für seine Mutter, nachzuhaken.
“Du triffst dich doch noch mit ihm, oder?”
Seine grünen Augen starrten auf die Tasse in seinen Händen. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er mittlerweiler angefangen hatte zu zittern, doch der Kaffee, der an die Wände der Tasse schlug, zeigten deutlich seine Reaktion auf das Gespräch. Er hoffte, dass seine Mutter es nicht bemerkte und so stellte er den Becher wieder auf den Tisch.
“Das gelte ich mal als nein und da du gar nichts dazu sagst, denke ich mal, dass du auch nicht drüber sprechen möchtest. Okay, dann sind nun Tiia und Juho Tabuthemen. Noch etwas, was ich mir merken sollte?”
Betrübt schüttelte der Blonde den Kopf. Dass er mit seiner Mutter nicht über Juke sprechen wollte, lag einzig und alleine daran, dass er ihren vorwurfsvollen Blick nicht ertragen hätte, wenn er erzählt hätte, was vorgefallen war. Dass der Drummer ein Stein bei ihr im Brett hatte, merkte man schon daran, dass sie ihn, neben seiner eigenen Mutter, Juho nennen durfte.
Umso dankbarer war er, als sie nach einigen Sekunden ein komplett anderes Thema anschnitt und er so dem ganzen für einige dankbare Stunden entfliehen konnte.
Nachdem er sich von seiner Mutter und seinem Vater, der erst gegen Abend von der Arbeit kam, verabschiedet hatte, machte er sich auf den Weg nach Hause. Er hatte Tiia keine Uhrzeit genannt, wann er wieder zurück sein würde, doch konnte er sie bereits im Flur auf der kleinen Bank sitzen sehen, wie sie - die Augen auf die Türe gerichtet - auf ihn wartete. Mit jedem Schritt, den er in Richtung Wohnung tat, fiel es ihm schwerer und so spazierte er noch eine Runde durch den nahegelegenen Park, ehe er es wagte, nach Hause zu gehen.
Wie er es sich bereits gedacht hatte, hatte Tiia sich im Flur einquartiert und so war sie das Erste was er sah, nachdem er die Tür aufgeschlossen hatte.
“Wo warst du solange?”
Wahrscheinlich hatte ihm der Nachmittag bei seiner Familie die Kraft gegeben, nun so ruhig zu sein, denn die Wut und Unruhe, die ihn in den letzten Tagen immer wieder befallen hatte, wenn Tiia ihm eine solche Frage gestellt hatte, blieb aus.
“Mein Vater kam erst so spät von der Arbeit und ich wollte ihn noch sehen”, antwortete er. Dabei schloss er die Türe und stellte mit Bestürzung fest, dass die Wut etwas anderem Platz gemacht hatte. Und zwar kompletter Resignation.
-----------------------------------------------------------
||||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
Linksbündig|Blocksatz
gering|normal|groß|sehr groß
