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Ihr Lieben, als erstes danken wir für Eure Reviews, mit denen Ihr uns echt mal wieder vom Hocker gehauen habt. So viele schöne Worte, die teils für Gänsehaut und feuchte Augen gesorgt haben. Wir hatten uns vorgenommen, auf einige Reviews zu antworten, sind aber leider doch nicht dazu gekommen. Aber seid versichert, wir haben alle gelesen und uns über jedes Einzelne gefreut.
Und dazwischen immer wieder Reviews von „Neulesern“ – Wahnsinn, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Werk nehmt. Schlaflose Nächte und Vernachlässigung diverser Pflichten – ja, dafür übernehmen wir keine Verantwortung, aber lasst Euch sagen, uns ging es nie anders ;-)


Tja, nun ist es so weit, das letzte EP Kapitel steht an.

Disclaimer: Twilight und Charaktere gehören SM, EP gehört Kharizzmatik, und das hier ist eine genehmigte Übersetzung.


Abhängigkeit


„Ich will gebraucht werden. Ich will unentbehrlich für jemanden sein. Ich brauche jemanden, der all meine Freizeit, mein Ego, meine Aufmerksamkeit für sich beansprucht. Jemanden, der abhängig von mir ist. Eine gegenseitige Abhängigkeit.“ – Chuck Palahniuk



Bella Swan POV

„Das ist absolut unnötig“, brummte ich. Tiefer in den Ledersitz sinkend blickte ich durch das dunkel getönte Seitenfenster. Wir fuhren durch die Straßen, die Gebäude schnellten vorbei, die Gegend verschwamm in der Dunkelheit.

„Mr. Cullen ist anderer Ansicht, Ma‘am“, sagte eine höfliche Stimme vom Fahrersitz.

„Mich Ma‘am zu nennen ist auch unnötig“, erwiderte ich mit einem Blick auf den Mann, der das Auto fuhr. Mir fiel auf, dass er mich im Rückspiegel beobachtete, die Nervosität stand ihm ins Gesicht geschrieben. Ich hatte ihn noch nie gesehen, und es war nicht zu übersehen, dass er dies hier zum ersten Mal machte und nicht vermasseln wollte, was höchstwahrscheinlich seine erste Gelegenheit sich zu beweisen war. Es war eine PC Situation, wie sie es nannten – Precious Cargo – die nur den zuverlässigsten und vertrauenswürdigsten Fahrern überlassen wurde. Normalerweise war dies Prominenten oder Politikern vorbehalten, aber mit der Mafia zu tun zu haben schob einen wie es aussah in die gleiche Kategorie. Angesichts der drohenden Vergeltungsmaßnahmen, sollte irgendetwas schief gehen, leuchtete das wohl ein, aber dass ich dazu zählte, fand ich nach wie vor verblüffend.

„Tut mir leid,Ma‘am“, entgegnete er leise und wandte den Blick ab. Leise lächelnd sah ich wieder aus dem Fenster, die Ironie der Situation entging mir absolut nicht.

Es war erstaunlich, wie viel sich verändert hatte, unser Leben hatte sich in einer Art und Weise gewandelt, die ich mir nicht einmal ansatzweise hätte vorstellen können. Neugierig, wie die Dinge unter anderen Umständen gelaufen wären, dachte ich oft über die Ereignisse nach, die uns hierher gebracht hatten. Mir war klar, wie sinnlos das war, denn zurückzukehren und alles zu verändern war unmöglich, dennoch konnte ich manchmal nicht anders. Doch egal, wie oft ich es durchdachte, schien es mich immer wieder zurück zu dem einen Vorfall zurückzuführen, der alles in Gang gesetzt hatte – der Ermordung meiner Großeltern Marcus und  Didyme Tanner im Winter 1972.

Großeltern – ich bezweifelte, dass ich mich jemals daran gewöhnen würde, dieses Wort zu sagen. Abgesehen von meiner Mutter hatte ich nie über einer Familie nachgedacht, hatte mich geweigert, die Swans als dergleichen anzusehen, aber je mehr Zeit verging, umso mehr hinterfragte ich die Dinge. Edward bot an zu erklären, was er wusste, versprach zukünftig offener mit mir zu sein, aber letztendlich war es Alec, der mir die Wahrheit erzählte. Er erzählte mir alles, was er über die Tanners wusste, gab die Geschichten weiter, die er darüber gehört hatte, was für Menschen sie gewesen waren. Sie waren eine starke Familie voller Stolz, und trotz Marcus‘ Verstrickungen mit der Mafia war er offenbar ein anständiger Mensch gewesen. Alec sagte, sie hätten sich sehr darüber gefreut, eine Tochter bekommen zu haben, und verriet mir, dass sie sie nach meiner Urgroßmutter Briana ‚Bree‘,  genannt hatten. Es war überraschend von der Herkunft meiner Mutter zu hören und zu erfahren, wie sehr man sie gewollt hatte... wie sehr man sie geliebt hatte.

Angefangen von der Planung ihrer Ermordung bis zum Verwischen seiner Spuren, erklärte er mir, was Aro getan hatte, und ich begriff, dass dies der Augenblick gewesen war, der all unsere Leben bestimmt hatte. Dadurch war ein Domino-Effekt ausgelöst worden, dessen Nachwirkungen auch Jahrzehnte später noch spürbar waren. Hätte Aro nicht diese Entscheidung getroffen, hätte meine Mutter die Möglichkeit gehabt, unter privilegierten Umständen aufwachsen zu können. Sie hätte zur Schule gehen und Freunde haben, das College besuchen und eine Karriere beginnen können. Es hätte Pyjama- und Geburtstagspartys, einen Freund und Dates gegeben. Sie hätte nicht unter der Knute der Swans leiden müssen und es hätte nicht diesen schicksalhaften Tag vor vielen Jahren gegeben, an dem die Cullens zu Besuch gekommen waren. Elizabeth wäre auch noch am Leben. Edward hätte nicht den Mord an seiner Mutter mit ansehen müssen, Dr. Cullen hätte nicht sein Leben verloren. Sie hätten zusammenbleiben und eine heile Familie sein können, nicht sie zerstörten Menschen, die ihr Tod aus ihnen gemacht hatte.

Wären Marcus und Didyme am Leben geblieben, wären alle glücklich gewesen.

Es war vollkommen einleuchtend, aber Edward hatte den Fehler in meiner Logik entdeckt – wären sie nicht gestorben, wäre ich nie geboren worden. Er meinte, während ihr alles andere erspart geblieben wäre, hätte sie mich nicht bekommen, und er war überzeugt, dass sie für mich nicht für ihre Welt eingetauscht hätte. Ich wusste, woher dies rührte, dennoch konnte ich manchmal nicht anders, als mir dies alles vorzustellen, besonders in Augenblicken, in denen ich mit einer Limo durch die Straßen Chicagos fuhr. Wäre eine Handlung anders gewesen, wäre eine Entscheidung nicht gefällt worden, könnte es meine Mutter und nicht ich sein, die gerade durch die Gegend gefahren wurde.

„Ma‘am?“ Wieder sah ich den Fahrer an und bemerkte, dass er mich mit fragend hochgezogenen Augenbrauen musterte. „Auf dem Highway 41 hat es einen Unfall gegeben, der den Verkehr Richtung Norden zum Stillstand gebracht hat. Ich muss einen Umweg fahren, aber es wird nur ein paar Minuten länger dauern.“

Seufzend blickte ich auf meine Uhr, konnte in der Dunkelheit schwach die Zeit ausmachen – Viertel nach zehn Uhr abends. „Okay.“

„Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeit.“

„Es ist in Ordnung“, erwiderte ich im Versuch, seine Nerven zu beruhigen. „Ist keine große Sache. Und bitte nennen Sie mich Isabella.“

Die restliche Fahrt über schaute ich wieder aus dem Fenster, und er sagte nichts mehr, bis er vor dem großen weißen Haus anhielt und die Limo am Straßenrand parkte. Er stieg aus und blickte sich achtsam um, öffnete dann eine Tür und hielt mir seine Hand entgegen. Lächelnd ergriff ich sie, kletterte vorsichtig aus dem Auto. „Vielen Dank.“

„Gern geschehen, Ma‘am.“

In dem Wissen, wie sinnlos es wäre, ihn abermals zu verbessern, schüttelte ich meinen Kopf und zog etwas Bargeld hervor. Er weigerte sich das Trinkgeld anzunehmen, sagte, mich zu fahren  wäre eine Ehre gewesen, doch ich stopfte ihm das Geld augenrollend in seine Jackentasche. Dann wollte er mich zur Tür geleiten, aber ich winkte ab, also blieb er nervös neben dem Wagen stehen, als ich mich auf den Weg zum Haus machte. Die Eingangstür war abgeschlossen, also holte ich meinen Schlüsselbund heraus, schloss schnell auf und schlüpfte, zum Abschied winkend, hinein.

Im Haus war es ziemlich dunkel und still, wenn man vom gedämpften Raunen des Fernsehers im Wohnzimmer absah. Direkt hinter der Tür zog ich meine Schuhe aus und ging in die Küche, nahm mir ein Glas aus dem Schrank und füllte es mit Wasser aus der Leitung. Gegen die Arbeitsplatte gelehnt trank ich einen Schluck, dabei ließ ich meinen Blick neugierig durch die Küche schweifen. Auf dem Tisch lagen Papiertücher, auf denen Tassen standen, und das Geschirr war den ganzen Tag nicht gespült worden. Ein Teil der Arbeitsplatte war mit Krümeln übersät, und neben der Spüle stand ein leeres Glas Erdnussbutter, dessen Deckel schief aufgesetzt war, daneben lag ein schmutziges Messer. Es war auch etwas Klebriges verschüttet worden, der Boden musste dringend gewischt werden.

Seufzend kehrte ich diesem Durcheinander den Rücken zu und blickte auf den Kalender an der Wand. Darauf sah es chaotisch aus, überall war Gekritzel zu sehen, und manche Tage waren durchgestrichen, aber nichts stand so sehr heraus, wie das Datum am unteren Ende.

29. August 2010


Das Quadrat war mit Rotstift eingekreist, und ich lächelte, als ich die Worte las, die ordentlich in das Kästchen geschrieben worden waren: unsere Hochzeit. Es waren knapp zwei Jahre vergangen, seit Edward und ich wieder zueinander gefunden hatten, und in nur fünf Tagen hatten wir vor es offiziell zu machen.

Ehe. Es war immer noch schwer zu glauben, dass wir so weit gekommen waren. Leicht war es wirklich nicht für uns gewesen, denn wir konnten uns nicht einfach in eine Blase einschließen und alles, was draußen war, ignorieren, wie wir es in Forks getan hatten. Wir mussten ein Teil dieser Welt sein, mussten uns in sie integrieren und herausfinden, wie wir hinein passten. Immer wieder beschwor es Konflikte herauf, wenn wir die Balance zwischen uns als Paar und uns als Individuen zu finden versuchten, aber es war nicht so schlimm, als dass wir es nicht gemeinsam schaffen konnten. In bestimmten Dingen waren wir verschiedener Meinung, zum Beispiel bei meiner Sicherheit, und obwohl ich es manchmal erdrückend fand, tolerierte ich eine Menge seiner Wünsche. An die Bodyguards oder den Fahrservice würde ich mich nie gewöhnen, aber ich wusste, es war ein wirklich kleiner Preis für Edwards Seelenfrieden.

Denn ganz ehrlich, Seelenfrieden war etwas, das Edward sehr selten bekam.

Als ich damals in Chicago angekommen war, war mir klar, dass er süchtig war, auch wenn er es zu diesem Zeitpunkt nicht sehen wollte. In meiner Abwesenheit hatte er sich von Alkohol und Drogen abhängig gemacht, sich nicht ein einziges Mal nur auf seine Stärke verlassen, um es durchzustehen. Ich glaubte an Edward und wollte nicht seine Krücke sein, was zum Teil zu meiner Entscheidung beigetragen hatte, es langsam mit ihm angehen zu lassen.

Wir hatten angefangen, all die Dinge zu tun, die normale Paare taten, wie Dates oder gemeinsame Ausflüge. Intimität war allerdings knifflig, denn trotz der sexuellen Anspannung, die schwer zwischen uns hing, schienen wir beide zu verstehen, dass wir nicht sofort zu diesem Schritt bereit waren. Wir mussten an unseren emotionalen Problemen arbeiten, ehe wir körperlich zusammen kommen konnten, denn täten wir es nicht, würde es alles nur noch komplizierter machen.

Zu warten war die beste Entscheidung gewesen, die wir getroffen hatten, denn als wir uns letztendlich unserer Leidenschaft hingaben, war es genauso intensiv wie beim ersten Mal. Es geschah nicht aus Lust oder schlichter sexueller Befriedigung; es geschah nicht, weil wir zerstört waren und uns selbst vorlogen, es könne uns heilen. Als wir uns endlich liebten, passierte es genau deshalb – aus Liebe. Weil es sich richtig anfühlte, weil wir zusammen passten, und nicht, weil wir verzweifelt versuchten, unsere nicht schwindende Qual zu lindern.

Die Normalität, die wir miteinander gefunden hatten, war etwas, wonach ich mich immer gesehnt hatte. Sie war nicht perfekt, denn Edward musste hin und wieder ohne Vorwarnung unsere Pläne streichen, aber die meiste Zeit versuchte Alec entgegenkommend zu sein. Edward hatte eine neue Stellung innerhalb der Organisation angenommen, und ich war mir über die Einzelheiten nicht im Klaren, aber ich wusste, es war der gleiche Job, den Charles Swan während meiner Kindheit innegehabt hatte. Nach der Hochzeit hatten wir vor umzuziehen, aber bis dahin musste Edward immer wieder zu Reisen aufbrechen. Manchmal war er wochenlang weg, kam aber jedes mal in einem Stück wieder zu mir zurück.

Oder, nun ja, so in einem Stück, wie Edward war jedenfalls.

Er hatte beschlossen die Schule zu pausieren, um seinen Kopf frei zu bekommen, damit er ein gewisses Gleichgewicht in seinem Leben finden konnte, aber ich hatte mich sofort unter meinem richtigen Namen im Art Institute of Chicago eingeschrieben. Edwards Alkoholkonsum hatte sich noch eine Weile fortgesetzt, aber irgendwann, ohne jeglichen Druck, war er zu dem Entschluss gelangt, die Anonymen Alkoholiker aufzusuchen. Es war wohl von heute auf morgen passiert, und ich hatte keine Ahnung, was der Auslöser gewesen war, aber seine Entscheidung machte mich stolz. Wann immer er in der Stadt war, ging er gewissenhaft zu den Treffen, und auch dies stellte sich hin und wieder gegen unsere Pläne – besonders wenn er sich verwundbar fühlte – aber ich verstand und unterstützte ihn vollkommen. Allerdings wäre es gelogen zu sagen, es wäre leicht gewesen, denn in Wahrheit war nüchtern zu bleiben immer noch ein tagtäglicher Kampf für ihn. Dann war er gereizt und sein Temperament ging mit ihm durch, doch ich blieb geduldig, denn ich wusste, es war nur eine Nebenwirkung seiner Sucht. Es hatte Rückschläge und Ausrutscher gegeben, die ihn wieder umwarfen, doch jedes Mal, wenn dies geschah, stand er sofort wieder auf und versuchte es erneut.

Ich trank noch einen Schluck Wasser und schüttete den Rest in den Ausguss, dann stellte ich das Glas neben mir auf der Arbeitsplatte ab. Schon wollte ich weggehen, zögerte dann aber, drehte mich wieder herum und nahm das Glas. Dann öffnete ich die Spülmaschine, stellte es hinein und sammelte schnell das andere herumliegende Geschirr zusammen. Ich schaltete sie nicht ein, denn das konnte bis morgen warten, räumte aber den Müll zusammen und wischte die Arbeitsflächen ab. Der klebrige Boden würde auch warten müssen, aber den Rest konnte ich einfach nicht so lassen, denn trotz allem, was sich bei uns verändert hatte, waren einige grundlegende Dinge immer noch geblieben.

Ich verließ die Küche und ging zum Wohnzimmer. Als mein Blick auf Edward fiel, erstarrte ich. Es fühlte sich an, als wäre alle Luft aus meiner Lunge gepresst worden, der sich mir bietende Anblick war buchstäblich atemberaubend. Die Emotionen überwältigten mich derart, dass meine Knie weich wurden, meine Brust schmerzte so sehr, dass ich befürchtete, mein Herz würde durch den Druck explodieren.

Die Beine vor sich ausgestreckt und seinen Körper an die Rückenlehne geschmiegt, saß Edward in einem Fernsehsessel. Eine kleine Gestalt war um seinen Oberkörper geschlungen, ein Kopf ruhte auf seiner Brust, und kleine Fäuste packten sein Hemd. Beide schliefen tief und fest, der Lichtschimmer des Fernsehers erhellte sanft ihre friedlichen Gesichter in der Dunkelheit.

Leise schlich ich auf Zehenspitzen auf sie zu, rüttelte sanft an Edwards Schulter und rief seinen Namen. Er zuckte zusammen und öffnete seine Augen, blinzelte einige Male und sah dann in meine Richtung. Ein schiefes Grinsen formte sich auf seinen Lippen, als er mich dort stehen sah, und vorsichtig veränderte er seine Position im Sessel, achtete darauf, den Kleinen nicht zu wecken.

„Hey tesoro“, sagte er leise mit noch schlaftrunkener Stimme. „Wie war dein Abend?“

„Er war gut“, erwiderte ich. Eine Gastkünstlerin hatte heute die Uni besucht und eine Vorlesung für die Studenten gehalten, der wir beiwohnen mussten. Ich hatte versucht mich zu drücken, hatte Edward nicht allein lassen wollen, aber meine Note hing davon ab, also war mir wirklich keine Wahl geblieben. „Wie war deiner?“

„Verdammt anstrengend“, murmelte er. „Den Scheiß könnte ich ernsthaft nicht jeden Tag machen.“

„Ich bin sicher, dass es anders ist, wenn es deine eigenen sind“, entgegnete ich lächelnd und streichelte die warme Wange des kleinen Jungen, ehe ich mit meiner Hand durch sein wirres blondes Haar strich. Carlisle Anthony Cullen, der fast Zweijährige, der gerade an Edward geschmiegt schlief, war Weihnachten 2008 in den späten Abendstunden zu Welt gekommen. Den Feiertag hatten wir im University of Chicago Medical Center verbracht und in einem Wartezimmer um einen künstlichen Weihnachtsbaum gesessen, während Rosalie und Emmett das großartigste Geschenk der Welt bekamen.

Esme hatte gesagt, es wäre ein Wunder, ein Zeichen von Dr. Cullen, dass er seinen Frieden gefunden hatte, und den hübschen kleinen Jungen aufwachsen zu sehen, ließ mich dies auch glauben. Ich wusste, er hatte seine hellblonden Haare und seine strahlend blauen Augen von seiner Mutter, aber mit jedem Tag schien er erstaunlicherweise mehr und mehr dem Mann ähnlich zu sehen, nach dem er benannt worden war. Zwischen ihnen gab es keine Blutsverwandtschaft, und dennoch fühlte es sich an, als würde ein Teil von Dr. Cullen in diesem Kind leben – der Familienname würde eine weitere Generation überleben.

Sie hatten uns gebeten seine Paten zu werden, doch Edward hatte nur zögernd zugestimmt. Nicht, dass er es nicht gewollt hätte, aber die Wahrheit war, dass er sich zurüchhielt, ihm zu nahe zu kommen. Er wollte den Jungen nicht weiter in unsere Welt hineinziehen als er es musste, befürchtete, ihm Gefahren auszusetzen, denen er andernfalls nicht entgegensehen müsste. Dafür respektierte ich Edward, aber Emmett und Rosalie hatten darauf bestanden, dass wir perfekt für diesen Job waren.

Irgendwann hatte er nachgegeben, und zusammen hatten wir der Taufe beigewohnt und geschworen, uns so um das Kind zu kümmern, als wäre es unser eigenes. Edward nahm seine Pflichten als Pate genauso ernst wie seinen Eid für die Organisation, und ich wusste, er genoss jeden Augenblick davon, selbst wenn er manchmal versuchte, nach außen hin hart zu wirken.

„Hast du etwas von Emmett und Rosalie gehört?“ fragte ich neugierig, richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf Edward.

„Yeah. Falscher Alaram, war ja klar“, erwiderte er humorlos lachend. Rosalie war mit ihrem zweiten Kind in der 36. Schwangerschaftswoche, beide wollten ihre Kinder, wie es auch bei den Cullen-Jungs war, altersmäßig dicht beieinander haben, und hatten heute Nachmittag angerufen, weil sie überzeugt gewesen waren, die Wehen hätten eingesetzt. Esme hatte zugesagt Carlisle zu nehmen, wenn es soweit war, aber sie und Alec waren wegen persönlicher Angelegenheiten nicht in der Stadt, also hatten sie uns um Hilfe gebeten. Wir hatten vorher schon einige Male auf ihn aufgepasst, aber es war das erste Mal, dass Edward ihn allein hatte. „Em meinte, sie lassen ihn über Nacht hier und holen ihn morgen früh ab.“

„Das ist gut“, sagte ich lächelnd. „Ich bin sicher, sie können etwas Ruhe brauchen.“

„Ist ihre eigene beschissene Schuld.“

„Vielleicht, aber mich stört es nicht“, entgegnete ich wissend, dass es Edward ebenso ging. Wäre es anders, hätte er dem Babysitten nicht zugestimmt, wohlwissend, dass ich fast den ganzen Abend nicht da sein würde. „Ich hab den kleinen Kerl gern hier.“

„Yeah, es ist, ähm, nett, denke ich“, sagte er, ließ seine Worte dabei langsam ausklingen. Wieder veränderte er seine Sitzposition und hielt den kleinen Jungen fest, als er sich erhob, achtete darauf, ihn nicht fallen zu lassen. „Himmel, er wird verdammt schwer. Warum ziehst du dir nicht diese Sachen aus, während ich ihn ins Bett bringe? Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich stehe verdammt nochmal kurz vorm Verhungern.“

Ich beobachtete ihn, wie er schnell die Treppen hinauf eilte und im Gästezimmer verschwand, folgte ihm kurz darauf, machte mich auf den Weg in unser Schlafzimmer und zog mich aus. Nachdem ich meine Sachen in den Wäschekorb in der Ecke geworfen hatte, ging ich ins angrenzende Badezimmer, stellte die Dusche an und kletterte hinein. Das Wasser fühlte sich gut auf meiner nackten Haut an, der warme Strahl nahm augenblicklich etwas der Anspannung aus meinem Körper. Ich nahm mir Zeit mein Haar zu waschen und versuchte, mich zu entspannen, aber als ich das Shampoo ausspülte, fuhr plötzlich ein kühler Luftzug durch das Zimmer. Gänsehaut überzog meinen Körper und zitternd lugte ich durch den Duschvorhang. Verblüfft sah ich, dass die Tür offen war und ein sehr nackter Edward im Zimmer stand. Er stellte das Babyphon auf das Waschbecken, meine Augen tasteten instinktiv seine Gestalt ab, wanderten zu dem feinen Pfad Haare auf seinem Bauch, und ich wurde rot, als mein Blick auf seine überdeutliche Erektion fiel.

„Was... Ich meine...“, setzte ich stammelnd an. Er zog den Vorhang weiter auseinander und trat zu mir in die Dusche, brachte mich damit noch mehr außer Fassung. Ohne ein Wort zu sagen, packte er meine Hüften und zog mich zu sich heran, damit er sich gegen mich drücken konnte. Er neigte seinen Kopf und küsste meinen Hals, seine rechte Hand fuhr nach oben und umfasste meine Brust. Als sein Daumen über meinen Nippel strich und dieser unter seiner Berührung hart wurde, erzitterte ich abermals. Schauer liefen über meinen Rücken, und in Erwiderung schlang ich meine Arme um ihn und fuhr mit meinen Fingern durch das Haar an seinem Hinterkopf.

„Ich dachte, du wärst hungrig“, raunte ich und warf meinen Kopf zurück, um ihm besseren Zugang zu gewähren.

„Bin ich“, wisperte er heißer. „Wie gesagt, ich bin verdammt nochmal kurz vorm Verhungern, Bella.“

„Oh“, erwiderte ich abgelenkt, keuchte auf, als er seine Hand von meiner Brust zwischen meine Beine sinken ließ. „OH!“

Meine Reaktion brachte Edward zum Lachen, er schob meine Beine auseinander und drang ohne zu zögern mit zwei Fingern in mich ein. Stöhnend schloss ich meine Augen, und er fing an, mit seinen Fingern in mich zu stoßen, sein Daumen strich dabei über meine empfindliche Klit, woraufhin meine Knie weich wurden. Um mich zu stützen, drängte er mich gegen die Wand und stieß seine Finger schneller in mich, seine Lippen wurden hektischer, als die meiner Kehle entweichenden Geräusche lauter wurden.

„Oh Gott“, stöhnte ich, spürte schon den Druck, der sich in meiner Magengrube bildete. Mein ganzer Körper prickelte, mein Herz schlug vor Erwartung wie verrückt. Ich umfasste seine Erektion und streichelte so gut ich konnte, doch dank der Position, in der wir hier standen, war meine Koordination einfach nur schrecklich. Der Hautkontakt ließ ihn aufstöhnen, und er stieß von selbst in meine Hand, die Wucht knallte mich rückwärts gegen die Wand der Dusche. Ich schlug hart mit dem Kopf dagegen, und Edward fluchte, entschuldigte sich schnell, doch die Worte kamen kaum bei mir an. Genau in diesem Moment verkrampfte sich mein Körper, ein lähmendes Gefühl überkam mich, und dann explodierte ich vor Wonne. Ich schrie meinen Orgasmus heraus, und Edward schmetterte seine Lippen auf meine, versuchte meine Geräusche zu dämpfen.

Sobald die Empfindungen nachließen, rückte ich etwas zur Seite, um es uns leichter zu machen, und fing an ihn erneut zu streicheln. Dann tauschten wir die Plätze und Edward lehnte sich gegen die Wand der Dusche, schloss seine Augen und biss auf seine Unterlippe, versuchte still zu bleiben. Ich machte noch eine Weile so weiter und ließ mich dann auf meine Knie sinken, kreiste mit meiner Zunge um seine Spitze und nahm ihn dann in meinen Mund. Grunzend legte Edward seine Hände um meinen Hinterkopf.

„Fuck, tesoro, das fühlt sich gut an“, stöhnte er, als ich anfing meinen Kopf zu bewegen und ihn, ohne zu würgen, so weit wie ich konnte, in mich nahm. Er ließ seine Hände in meinen Haaren ruhen und zog meinen Kopf nicht näher, aber ich merkte, wie er gegen den Drang ich mich zu stoßen ankämpfte. Für ein paar Minuten saugte und leckte ich heftig weiter, während das Wasser auf uns herabstürzte. Dann spannte er sich an, umschloss mit seinen Fäusten eine Handvoll meiner nassen Haare und verlor den Kampf um seine Willenskraft. Seine Hüften stießen nach vorn, und wissend, dass er seinem Orgasmus nahe war, versuchte ich, meine Kehle zu entspannen. Genau in dem Moment, als er vollständig hineinglitt, war ein lautes Kreischen zu hören. Erschrocken über das Geräusch musste ich würgen, dabei biss ich ihn aus Versehen bei dem Versuch, ihn aus meinem Mund zu drängen.

„Fuck! Nein, nein, nein, nein“, begann Edward verzweifelt zu rufen. Verwirrt und überrascht sah ich zu ihm auf, wollte etwas sagen, atmete jedoch Wasser ein. Ich würgte, hustete heftig. Durch die Flüssigkeit in meiner Lunge fing meine Brust an zu brennen. Edward zog mich auf die Füße und starrte mich entsetzt an, weil ich um Luft rang. Mit erhobenen Händen versuchte ich im klarzumachen, dass mir nichts fehlte.

Als ich endlich wieder Luft bekam, ertönte ein weiterer Schrei, und mir wurde klar, dass Carlisle, der im Nebenzimmer schlief, wach geworden war. „Ich kümmere mich um ihn“, bot ich an und lächelte   mitfühlend. „Du willst vielleicht, öhm... du weißt schon... beenden, was ich angefangen habe.“

Wohlwissend, dass Edward hart bleiben würde, bis er seine Erlösung gefunden hatte, deutete ich auf seine Erektion und trat aus der Duschkabine, wofür ich ein ärgerliches Brummen von ihm erntete. „Du weißt, in den Pornos ist der Sex -Scheiß in der Dusche verdammt sexy.“

„In Pornos ist alles sexy“, erwiderte ich lachend und griff nach meinem Bademantel, der an einem Haken auf der Innenseite der Tür hing. „Sogar Sachen wie, na ja, Analsex.“

Bei diesen Worten wurde ich feuerrot, konnte die Reaktion einfach nicht unterdrücken, und er sah mich schockiert an. „Fuck, willst du das als Nächstes probieren, tesoro?“

Ich knotete meinen Bademantel zu und verdrehte meine Augen. „Nein danke“, erwiderte ich. „Ich passe.“

Er murmelte etwas vor sich hin, und ich verließ das Bad, ging schnell durch den Flur zum Gästezimmer. Dort sah ich Carlisle tränenüberströmt mitten auf dem Bett sitzen. „Hey, kleiner Mann.“

„Bella“, wimmerte er und sah mich verzweifelt an. Neben Edward war er der einzige, der mich Bella nannte.

Ich setzte mich neben ihn aufs Bett und öffnete meine Arme, damit er auf meinen Schoß klettern konnte. „Was fehlt dir, Schätzchen?“, fragte ich und umarmte ihn fest.

„Mama“, antwortete er und starrte mich aus strahlend blauen Augen an. Lächelnd wischte ich die Tränen von seinen Wangen.

„Deine Mom kommt morgen früh. Und dein Daddy auch“, sagte ich. „Wenn du jetzt schön schläfst, siehst du sie morgen früh gleich wieder, okay?“

„Kay“, gab er zurück, aber an seiner zitternden Unterlippe sah ich, dass nichts okay war. Er war noch so klein und nicht zuhause, und ohne seine Eltern bei uns zu sein, war ihm völlig fremd. Seufzend drückte ich einen zarten Kuss auf seinen Kopf, legte ihn dann wieder auf sein Kissen und ließ mich neben ihn aufs Bett sinken. Ich steckte die Bettdecke rund um ihn fest und streichelte ihn für eine Weile, bis er wieder wegdämmerte. Sobald ich sein leises Schnarchen hörte, stand ich auf und ging zurück ins Schlafzimmer, wo ich mich meines Bademantels entledigte und in einen Pyjama schlüpfte. Mein Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden, machte ich mich auf den Weg ins Erdgeschoss, wo ich Licht in der Küche sah. Edward stand vor der weit geöffneten Kühlschranktür und starrte ärgerlich hinein. Er trug nur eine Jogginghose, die tief auf seinen Hüften saß. Seine Brust und seine Füße waren nackt, seine Haare wie immer ein einziges heilloses Durcheinander.

„Findest du nichts?“, fragte ich. Er schüttelte frustriert seufzend seinen Kopf und schloss den Kühlschrank wieder, seine Augen überflogen die Menükarten der Restaurants mit Lieferservice an der Kühlschranktür. Wir ließen uns öfter Essen liefern als mir gefiel, aber die Schule hielt mich auf Trab und Edwards Terminpläne waren oft unvorhersehbar, also gab es im Moment bei uns nur selten planbare Mahlzeiten. „Ich kann etwas machen. Vom gelieferten Essen musst du doch die Nase voll haben.“

Er gluckste amüsiert, mustere mich und hob eine Augenbraue. „Kommt darauf an, was ich geliefert bekomme“, sagte er anzüglich. „Dich könnte ich jeden Tag essen, und ich hätte nie die Nase voll, Bella.“

„Du bist so pervers“, antwortete ich kopfschüttelnd. Ich spürte die Röte in meinen Wangen und wusste, es wäre sinnlos zu versuchen sie verbergen zu wollen. Jedes Mal, wenn er so etwas sagte, reagierte ich auf diese Art und nahm an, dies war mit ein Grund, weshalb er immer wieder solche Kommentare von sich gab.

„Yeah, aber du liebst es“, sagte er spielerisch.

„Stimmt“, erwiderte ich achselzuckend. Er kannte mich zu gut, warum sollte ich es also bestreiten?

Edward drehte sich lachend um und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Menükarten. „Ich werde was beim Chinesen bestellen. Es ist schon spät, und du sollst nicht mehr kochen müssen, vor allem, da du die verdammte Küche heute Abend schon mal aufgeräumt hast. Glaub nicht, ich hätte den Scheiß nicht gesehen. Du weißt, ich hätte das auch machen können. Ich hätte es auch getan.“

„Ich weiß das“, sagte ich wahrheitsgemäß. Einige Dinge, wie Putzen oder Wäsche waschen, machte Edward nie, aber er konnte seinen eigenen Kram ganz gut aufräumen. Er liebte es nicht gerade und würde zu gern Leah weiterhin dafür bezahlen, aber ich wusste, er tat es für mich. „Es hat mir nichts ausgemacht.“

„Na dann, danke schön.“

Er griff nach dem schnurlosen Telefon, das an der Wand hing, und wählte schnell eine Nummer. „Yeah, es geht um eine Lieferung. Der Name ist Edward Cullen“, sagte er, nachdem sie geantwortet hatten. Dann dauerte es eine Weile, sie überprüften wohl seinen Namen in ihrem System. „Ja, das bin ich. Ich hätte gern Schweine Mu Shu Wraps, Mongolisches Fleisch, das Kung Pao Hühnchen und zweimal die Wan Tan Suppe. Ich weiß nicht, groß? Oh, und ein paar Frühlingsrollen. Wie viele sind eine Portion? Zwei?! Mehr nicht? Das ist beschissene Abzocke. Dann will ich drei Portionen.“

Er sah mich mit fragend erhobenen Augenbrauen an. „Habe ich was vergessen?“

„Öhm, nein“, erwiderte ich, fragte mich, wieso er so viel bestellte. Anscheinend war er am Verhungern.

„Yeah, das war's. Und vergesst die Glückskekse nicht“, sagte er ins Telefon, runzelte dann aber seine Stirn, während er der Person in der Leitung zuhörte. „Was meint ihr damit, ihr habt gerade keine Glückskekse? Ihr seid ein gottverdammtes chinesisches Restaurant. Ihr müsst Glückskekse da haben. Was? Nein, ich will nicht mit dem Geschäftsführer sprechen, ich will nur meine beschissenen Glückskekse. Ist mir scheißegal, dass sie euch ausgegangen oder eine höfliche Gratisbeigabe sind. Kommt mir nicht mit diesem Bockmist. Ich fühle mich gerade nicht höflich behandelt. Treibt welche auf.“

Mit einem irritierten Stöhnen beendete er das Gespräch und knallte das Telefon so hart auf die Arbeitsplatte, dass ich zusammenzuckte. „ Verdammtes undankbares Pack“, spie er, riss das Eisfach auf und schaute hinein. Ich wusste sofort, was er suchte, und es schien auch ihm gleich klar zu werden. Er hatte aus  Impuls und Frustration heraus gehandelt, was ihm hin und wieder passierte. Für einen Moment starrte er auf den leeren Platz, wo einst die Wodka-Flasche gestanden hatte, bevor er die Tür wieder zuschlug und den Kühlschrank öffnete. Er griff nach einer Dose Cola, und ich ging zu ihm, nahm sie aus seiner Hand und rieb zärtlich seinen Rücken.

„Die Glückskekse sind doch unwichtig“, sagte ich und stupste ihn zur Seite, damit ich ein Glas aus dem Schrank holen konnte. Edward lehnte sich gegen die Arbeitsplatte und sah zu, wie ich die Schüssel mit den Kirschen hervorholte und für ihn eine Cherry-Coke mischte. „Du isst sie nicht einmal. Du sagst immer, sie schmecken wie Pappe.“

„Yeah, aber du tust es“, erwiderte er angespannt.  Er zappelte fahrig herum und rieb unruhig mit den Handflächen über seine Hosenbeine. „Du magst sie.“

Ich lächelte leicht und reichte ihm sein Getränk. „Danke, dass du an mich gedacht hast, aber das war wirklich nicht nötig. Genauso unnötig wie die Limousine, die du mir gestern Abend geschickt hast.“

„Vielleicht waren es die Kekse nicht, aber die Limousine war definitiv notwendig“, sagte er und trank einen Schluck. „Verdammt, du konntest auf keinen Fall nach Hause laufen.“

„Nein, aber ich hätte den Bus nehmen können“, erwiderte ich achselzuckend. „Ich meine, ich bin auf der Hinfahrt auch mit dem Bus gefahren. Und ich mochte das irgendwie. Ich bin niemals zur Schule gegangen und mit dem Schulbus gefahren oder sowas. Es fühlte sich, ich weiß nicht, authentisch an?“

Er starrte mich zweifelnd an, und mir wurde klar, er fand mich wahrscheinlich albern, denn unter Garantie war er selbst nie mit dem Schulbus gefahren. „Du hättest zurück aber keinen Bus genommen, Bella.“

„Warum? Ist doch keine große Sache.“

„Es ist eine große Sache“, antwortete er mit erhobener Stimme. „Es war bereits dunkel. Und die Bushaltestelle ist nicht einmal in der Nähe des Hause, also hättest du durch die verdammte Dunkelheit laufen müssen. Das konnte ich nicht zulassen.“

„Es ist doch nicht weit, nur ein paar Blocks“, sagte ich beschwichtigend und hoffte, ihn so beruhigen zu können. „Ich meine, ich hätte nur ein paar Minuten gebraucht, vor allem, wenn ich durch diese Gasse...“

Als mir klar wurde, was ich gerade gesagt hatte, unterbrach ich mich abrupt, und Edward stand starr und steif da. Die Bushaltestelle war in der Nähe des alten Theaters, in dem Edward im Oktober 1996 sein Klavier-Konzert gegeben hatte. Die Gasse, die von dort zum Haus führte, war die, die Edward zusammen mit seiner Mutter gegangen war, eine, die er seitdem nie wieder betreten hatte.

Offensichtlich aus gutem Grund.

„Okay“, stimmte ich ihm nickend zu, ich verstand seine heftige Reaktion. Ich wusste, das Risiko, dass mir etwas passierte, war gering, aber wieder einmal ging es mir mehr um seinen Seelenfrieden, als um meine eigene Sicherheit. „Kein Bus, wenn es dunkel ist, aber tagsüber möchte ich nach wie vor mit dem Bus fahren.“

„Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der den beschissenen öffentlichen Nahverkehr bevorzugt“, knurrte er. Mein Kompromiss gefiel ihm immer noch nicht, aber er widersprach mir nicht mehr.

„Ich sehe einfach nicht ein fahren zu müssen, wenn es nicht notwendig ist“, erklärte ich. „Und Limos sind wirklich zu extravagant, vor allem für die Schule. Ich bin froh, dort gut klarzukommen, und eine Limo, die mich abholt, würde mir nicht gerade helfen.

„Ich hab's kapiert“, sagte er. „Ich möchte dich nur beschützen, Bella.“

„Das weiß ich, und ich bin dir sehr dankbar dafür. Wenn es in Zukunft später wird und ich den Bus nicht mehr nehmen kann, rufe ich ein Taxi.“

Trocken lachend fuhr Edward mit einer Hand durch seine Haare. „Und du sagst, ich wäre dickköpfig.“

„Du bist dickköpfig“, sagte ich. „Wahrscheinlich färbst du einfach auf mich ab.“

Einen Moment lang schwiegen wir beide, dann verzogen sich seine Lippen zu einem Lächeln. „Yeah, ich färbe gern auf dich ab.“

„Oh Gott“, stöhnte ich kopfschüttelnd und wandte meinen Blick ab. Er gluckste bei meiner Reaktion, und für einen Augenblick war er still, bis er resigniert seufzte.

„Kein Taxi, aber ich kann es unverdächtiger aussehen lassen“, sagte er. „Sie haben Mercedes, aber auch andere Limousinen und sogar Geländewagen, die nicht so auffällig sind. Wenn ich meine, ich muss dir ein Auto schicken, dann schicke ich dir so eins. Und ansonsten ist der Bus wohl in Ordnung, nehme ich an.“

„Danke schön“, sagte ich lächelnd. „Du bist so gut zu mir, weißt du das?“

Er verdrehte seine Augen und wollte gerade antworten, da wurde er von seinem klingelnden Handy unterbrochen. Ohne zu zögern hetzte er aus der Küche und rief mir noch zu, ich sollte schon mal einen Film aussuchen. Er verschwand in einem Nebenzimmer, das zu einem Büro umgebaut worden war, und ich ging ins Wohnzimmer, wo ich mich auf die Couch setzte.

Irgendwann klopfte es an der Tür und ich stand auf, um sie zu öffnen, aber Edward kam zurück und sagte mir, ich sollte mich wieder setzten. Er ging hinaus, und nach einer Weile wurde meine Neugier zu groß, also ging ich in die Küche und lugte durch das Fenster. Mit gerunzelter Stirn sah ich, dass Edward mit zwei Männern auf der Eingangstreppe stand, keinen von beiden kannte ich. Alle drei wirkten angespannt, die Unterhaltung zwischen ihnen war auf jeden Fall geschäftlich, wie ich aufgrund ihrer Haltung annahm. Mein Herzschlag beschleunigte sich, wie er es immer tat, wenn ich Edward bei seiner Arbeit beobachtete, natürlich kam auch etwas Angst dazu. Dies war ein Teil seiner Lebens, mit dem ich nichts zu tun hatte, ein Teil von Edward, den ich nie kennenlernen würde, und auch wenn ich verstand warum, wurde es für mich nicht einfacher, damit klar zu kommen.

Edward sah plötzlich zum Fenster und seine Miene verhärtete sich, als er mich dort stehen sah. Schnell trat ich voller Panik einen Schritt zurück, ich wollte ihn nicht wütend machen, indem ich in belauschte, und sah auf die Straße, auf der gerade ein Auto am Bordstein anhielt. Die zwei Männer gingen schnell weg, Edward kam zurück ins Haus und ging wieder in sein Büro. Genau in dem Moment erreichte der Bote mit unserem Essen das Haus.

Bevor er klopfen konnte, kam Edward mit seinem Portemonnaie in der Hand wieder und öffnete die Tür. „Das macht $49,75.“

„Himmel, das ist aber beschissen teuer“, murmelte Edward. Ich schlenderte zur Küchentür und sah zu, wie er sein Bargeld durchzählte. Er zog einen Fünfziger hervor und gab ihn dem Mann auf der Veranda, zögerte kurz, ehe er noch einen Fünf Dollar Schein herausholte. Lächelnd sah ich zu, wie er das Trinkgeld gab, die Tüten mit dem Essen hochnahm und die Haustür schloss.

„Du solltest nicht so neugierig sein“, sagte er, als er mich bemerkte.

„Ich war nicht neugierig. Ich war nur... wissbegierig.“

„Neugierig, wissbegierig, ist doch alles das Gleiche“, murmelte er vor sich hin. „Aber sei bitte vorsichtig, ja? Du weißt, dass der Scheiß mich nervös macht.“ Ich nickte und er zeigte auf die große Tüte mit dem Essen in seiner Hand, wechselte schnell das Thema, indem er vorschlug zu essen, bevor alles kalt würde.

Ich holte mir eine Limonade aus dem Kühlschrank, griff nach Edwards Cherry-Coke und folgte ihm ins Wohnzimmer. Wir setzten uns auf die Couch und aßen, plauderten zwanglos und sahen fern. Sobald wir satt waren, räumte Edward die Reste zur Seite, zog eine weiße Papiertüte hervor und öffnete sie. Er sah lachend hinein und schüttete den Inhalt auf den Kaffeetisch. Schockiert sah ich mehr als ein Dutzend Glückskekse, die herausfielen, und las die Aufschrift auf den durchsichtigen Plastikhüllen. Wir hatten das Essen bei Satay bestellt, aber die Kekse kamen von einem Restaurant, das Ming Choy hieß.

„Du hast ihnen solch eine Angst gemacht, dass sie Glückskekse von einem anderen Restaurant gekauft haben, Edward.“

„Yeah, ich hätte ihm für den Scheiß wohl mehr Trinkgeld geben sollen, was?“, sagte er, ohne sein Vergnügen verbergen zu können. Er nahm einen der Kekse und warf ihn mir in den Schoß, griff dann für sich selbst nach einem weiteren. Er öffnete die Verpackung und holte den Keks heraus, brach ihn schnell auf und zog ein Zettelchen hervor.

„Was steht drauf?“, fragte ich meinen öffnend.

„Das Wichtigste ist, nie aufzuhören Fragen zu stellen“, las er vor, warf den Keks dann zur Seite und nahm den nächsten. „So ein verdammter Blödsinn.“

Ich lachte und zog meinen Zettel heraus. „Dein Traum wird in Erfüllung gehen, wenn du es am wenigsten erwartest“, las ich vor, was auf dem kleinen Zettel stand. Ich legte ihn weg und biss in den Keks, was mir eine Grimasse von Edward bescherte. „Meine Träume sind schon längst in Erfüllung gegangen. Familie, Freunde, Schule, Hochzeit. Ich könnte nicht mehr wollen.“

„Du bist noch nicht verheiratet, tesoro“, sagte er.

„Ich weiß, aber bald“, sagte ich und sah ihn zögernd an. „Glaubst du, wir haben uns den richtigen Zeitpunkt ausgesucht?“

„Was meinst du mit dem richtigen Zeitpunkt?“, fragte er und zog seine Brauen zusammen.

„Nun, mit allem, was in der Familie los ist, und Rose bekommt bald das Baby... Ich frage mich nur...“

„Scheiß drauf“, unterbrach er mich. „Ich werde nicht unsere Hochzeit verschieben, weil mein Bruder seinen Schwanz nicht in der Hose behalten kann, Bella. Wir haben das Datum festgelegt, bevor er sie aufgeblasen hat. Außerdem haben wir die Einladungen bereits verschickt und die ersten Arschlöcher fliegen bald ein, also ist es wohl ein wenig zu spät, den Scheiß noch umzuplanen. Es sei denn, du versuchst mir gerade zu sagen, dass du mich nicht mehr heiraten willst, denn in diesem Fall...“

„Natürlich will ich dich noch heiraten“, sagte ich, streckte meine Hand aus und umfasste sein Kinn. Ich zog sein Gesicht näher, sodass er mir in die Augen blickte, und lächelte traurig, als ich die Besorgnis in seinen Gesicht sah. Edward versuchte nach außen hin hart zu erscheinen, aber ich spürte seine Verletzlichkeit unter der harten Oberfläche. „Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch“, sagte er, seine Schultern entspannten sich bei meinen Worten sichtlich. Er küsste mich sanft, warf einen weiteren Glückskeks in meinen Schoß und öffnete selbst seinen nächsten. „Als wir jünger waren, haben meine Brüder und ich das Spiel anders gespielt. Wir haben die Worte „im Bett“ an den Glücksspruch gehängt. Dadurch war es interessanter“, sagte er, brach seinen Keks auseinander und zog das Papier heraus. „Dein Selbstbewusstsein ist angebracht... im Bett.“

„Wie wahr“, sagte ich spielerisch und zog, als er lachte, meinen nächsten Zettel heraus. „Der, den du liebst, wir dich niemals enttäuschen.“

„Im Bett“, fügte Edward grinsend hinzu. „Gottverdammt richtig.“

Wir saßen dort und öffneten alle Kekse und wechselten uns beim Vorlesen der Sprüche ab. Als noch ein Keks übrig war, gab Edward ihn mir, lehnte sich auf der Couch zurück und beobachtete mich beim Öffnen. Ich zog den Zettel heraus und mampfte den Keks, während ich den Spruch las, verschluckte mich dann aber beinahe an den Worten, die darauf standen. Hustend griff ich nach meiner Limonade, um einen Schluck zu trinken. Edward nahm mir den Zettel ab.

„In naher Zukunft erwartet dich eine aufregende Zeit“, las er laut vor. Er begann zu lachen und sah mich an, die Erkenntnis ließ meine Wangen in Flammen stehen. „Das ist es, tesoro. Das ist es.“

Ohne ein weiteres Wort stand er auf, nahm meine Hand und zog mich auf die Füße. Er machte sich gar nicht erst die Mühe irgendetwas aufzuräumen, sondern führte mich aus dem Zimmer, überprüfte kurz, ob das Haus abgeschlossen war und ging dann mit mir die Treppe hinauf. Sobald wir das Schlafzimmer betreten hatten, waren seine Hände auf mir. Er entkleidete mich und streifte seine eigene Hose ab. „Sind wir ungeduldig?“, fragte ich, verdattert von seinem Ungestüm. Er grunzte bei meiner Frage, umfasste meine Hüften und führte mich zum Bett

„Eigentlich denke ich, ich war mehr als geduldig“, sagte er. „Aber jetzt ist es an der Zeit, zu beenden, was du angefangen hast, denn auf keinen beschissenen Fall habe ich das vorhin ohne dich tun können.“


*****

Ein Geräusch ließ mich aus meinen Schlaf aufschrecken und meine Augen reibend, setzte ich mich verwirrt auf. Ich sah mich im leeren Zimmer um und starrte verblüfft auf die Uhr. Es war bereits nach zwölf Uhr Mittags.

Von unten war sorgenfreies Lachen zu hören, und über dieses Geräusch lächelnd stieg ich aus dem Bett, um mir etwas anzuziehen. Dann gab es ein Trommelfeuer von Schritten im ersten Stock, gefolgt von Stimmen, die durch das ganze Haus hallten. Es herrschte Chaos, das wusste ich, nachdem ich aus dem Zimmer getreten war, die Geräusche wurden lauter, als ich leise die Treppe herunter lief. Sobald ich unten angekommen war, erstarrte ich, meine Brust zog sich grauenerfüllt zusammen, weil ich sie sah, die vertraute Reisetasche neben der Haustür. Ich hatte sie schon öfter gesehen, als ich zählen konnte, sie stand immer an der gleichen Stelle, und ich wusste genau, was es bedeutete, sie dort zu sehen.

Edward würde fortgehen.

Meine Gedanken rasten, ich wusste, es musste etwas vorgefallen sein, und stand kurz vor einer Panikattacke, als neben mir eine Stimme quietschte und mich überraschte.

„Isabella!“

Ich blickte in die Richtung, aus der die Stimme kam und wappnete mich, denn das kleine Mädchen raste direkt auf mich zu. Es war ihre altvertraute Begrüßung, sie rammte  mich und schlang ihre Arme um meine Taille, und ich lachte. Aufgeregt sah sie zu mir auf, und ich konnte nicht anders, als lächelnd in ihre warmen Augen zu schauen. Es verblüffte mich noch immer, sie so glücklich zu sehen und zu wissen, dass ich ihr zu diesem Glück verholfen hatte.

„Hey Chelsea“, sagte ich ihre Umarmung erwidernd. „Wie geht es dir, mein Schatz?“

„Super!“, antwortete sie freudig. „Es ist endgültig, Isabella! Ich habe eine Familie!“

„Du hattest schon die ganze Zeit eine Familie, weißt du“, sagte ich. „Wir alle lieben dich.“

„Ich weiß, aber jetzt ist es echt!“, verkündete sie. „Ich habe sogar einen neuen Namen! Evanson!“

„Chelsea Evanson“, sagte ich nickend. „Das gefällt mir.“

„Mir auch!“

Esme hatte sich zu Herzen genommen, was ich am Tag von Dr. Cullens Beerdigung gesagt hatte, und auf dem Weg zum Anwaltsbüro, wo das Testament verlesen worden war, hatte sie das Thema Adoption erneut angeschnitten. Ich erzählte ihr etwas über die Kinder, die ich in Kalifornien kennengelernt hatte, konzentrierte mich dabei auf Chelsea, denn sie hatte mich immer am stärksten berührt. Während meiner Zeit auf Achse hatte ich ständig an sie gedacht, besorgt darüber, wie es ihr ging und was in der Zukunft wohl aus ihr werden würde. Esme schien beeindruckt, und ein paar Wochen später hatte sie mich gefragt, ob ich mit ihr nach Kalifornien fliegen würde, damit sie das Mädchen kennenlernen könne.

Sobald Esme Chelsea erblickt hatte, stand ihr Entschluss fest. Sie wollte das Mädchen und würde kein ‚Nein‘ als Antwort akzeptieren. Es war nicht leicht gewesen, denn Chelsea war ein Staatsmündel, und der Staat war skeptisch, ein Kind einer Familie mit mutmaßlichen kriminellen Verbindungen zu überlassen. Alecs Akte war sauber, ein paar Festnahmen, aber keine Verurteilungen, doch war die Saat erst einmal gepflanzt, war es unmöglich, sie vom Wachsen abzuhalten. Spekulationen und Andeutungen, was seine Stellung in der Organisation betraf, würden ihn auf Ewig verfolgen, genau wie ich wusste, dass diese auch Edward immer jagen würden. Er konnte zur Schule gehen und eine seriöse Karriere anstreben, der Regierung wäre das allerdings egal. Für sie würde er schlicht und ergreifend immer einer von denen sein.

Es hatte unzählige Telefonate mit Regierungsvertretern und Tausende Dollar an Anwaltskosten gekostet, bis sie die Möglichkeit überhaupt ernsthaft in Erwägung ziehen wollten, doch erst als ich eingeschritten war, war es endlich voran gegangen. Aus einer Laune heraus hatte ich Emily angerufen und war zurück zu ihr nach Kalifornien geflogen, hatte mich mit ihr zusammengesetzt und ihr, soweit ich es konnte, alles erklärt. Angesichts der Tatsache, dass sie damit zur Polizei rennen könnte, war mir klar, welch enormes Risiko es bedeutete, ihr von meiner Vergangenheit zu erzählen. Mir war auch klar, dass sie mich genauso gut für eine Lügnerin halten und mich hätte auslachen können, denn es klang ziemlich unglaubwürdig, dass die Sklaverei im Amerika des 21. Jahrhunderts immer noch existieren sollte, aber das war ein Risiko, das ich bereitwillig einging. Letztendlich hatte es sich ausgezahlt. Nachdem sie den Kern der Sache erfasst hatte, war sie bereit gewesen, mir zu helfen, wo auch immer sie konnte. Sie war zu ihrem Vater, dem Senator, gegangen, und ihm war es möglich gewesen, an ein paar Strippen zu ziehen, um den Papierkram vor Esme und Alec durchzudrücken. Vor einem Jahr hatten sie endlich die Freigabe bekommen, das Sorgerecht für Chelsea zu übernehmen und sie nach Illinois zu holen, und letzte Woche war die Adoption abgeschlossen worden.

„Bella, Bella, Bella!“, quiekte Carlisle und zog unsere Aufmerksamkeit auf sich, indem er den Flur entlang auf uns zu rannte.

„Hey, Little C“, sagte ich. Er blieb vor mir stehen, und ich beugte mich herab, um durch sein Haar zu strubbeln. „Freust du dich, dass deine Mom jetzt hier ist?“

„Mama!“, verkündete er begeistert, drehte sich bei ihrer Erwähnung um und trippelte zurück ins Wohnzimmer. Chelsea rannte ihm nach, und er kicherte, seine Aufmerksamkeit wurde gleich wieder abgegelenkt. Seine Laufrichtung ändernd rannte er in die Wäschekammer, wo er sich vor ihr versteckte und wieder losbrüllte. „Verstecken!“

Ich lachte, doch verstummte sogleich, als ich Edward im Wohnzimmer verärgert stöhnen hörte. „Das ist beschissener Bockmist“, spie er wütend.

„Schlucks runter, Bruder“, erwiderte Emmett lachend.


„Leck mich am Arsch“, entgegnete Edward. „Du bescheißt, verdammt.“

„Tue ich nicht“, konterte Emmett. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie beschissen.“

Ich hörte Rosalie bitter lachen. „Du bescheißt beim Monopoly.“

„Und bei seinen beschissenen Steuern“, merkte Edward an. „Du kannst mir nicht erzählen, dass du  wirklich all das Geld angegeben hast, das Dad dir hinterlassen hat.“

„Genauso wenig wie du“, sagte Emmett.

„Aha? Ich habe nie behauptet, ich würde verdammt nochmal nicht bescheißen.“

„Wie bescheiße ich denn?“, fragte Emmett ungläubig. „Das geht doch gar nicht.“

„Keine Ahnung, sagt du mir, wie du es machst“, erwiderte Edward.

Verwirrt, was da vor sich ging, näherte ich mich zögernd  und hielt inne, als ich einen Blick auf die drei erhaschte. Rosalie saß in einem Sessel am anderen Ende des Zimmers, Edward und Emmett jedoch hockten zusammen auf der Couch. Auf dem Kaffeetisch vor ihnen war ein Brettspiel aufgebaut. Nachdem ich erkannt hatte, welches es war, fing ich an zu lachen, konnte mich einfach nicht mehr beherrschen, und ihre Blicke richteten sich auf mich.

Candyland?“, fragte ich belustigt. „Ernsthaft?“

„Es sind Idioten“, sagte Rosalie kopfschüttelnd. „Esme hat Chelsea hergebracht, damit sie einige Wege erledigen konnte, und hat uns gebeten, ein Spiel mit mir zu spielen, und, nun, du siehst ja, was daraus geworden ist.“

„Es ist nichts falsches, ein Spiel zu beenden, wenn du es einmal begonnen hast“, sagte Emmett abwehrend. „Das nennt man Engagement, Rosie. Wenn ich einmal etwas angefangen habe, gebe ich nicht einfach auf. Ich ziehe die Dinge durch.“

„Zu schade, dass du im Bett nicht die gleiche Weitsicht zeigst“, konterte sie schmunzelnd. Edward fing an zu lachen und schubste Emmett, der ihn zurück schubste.

Über ihr kindisches Verhalten den Kopf schüttelnd, ging ich auf sie zu und setzte mich auf die Armlehne neben Edward. „Also gehe ich mal davon aus, dass Emmett gerade gewinnt, weil er beschuldigt wird, geschummelt zu haben.“

„Er schummelt wirklich“, beharrte Edward. „Ich stecke seit Ewigkeiten im Sirupsumpf fest und komme da nicht raus, ehe ich nicht eine rote Karte bekomme.“

„Wie kann Emmett daran schuld sein?“

„Er hat alle roten Karten geklaut.“

Ich lachte ungläubig, und Emmett stieß Edward an, um ihm zu zeigen, dass er an der Reihe war. Edward schnappte sich eine Karte, warf dabei beinahe die Spielsteine um und erstarrte, als er sah, dass es eine Rote war. „Wird aber auch beschissene höchste Zeit“, brummte er und bewegte seinen Stein weiter.

„Wirst du dich dafür entschuldigen, ihn des Bescheißens beschuldigt zu haben?“, fragte ich.

„Scheiß auf ihn“, murmelte Edward. Wir lachten, und sie setzten ihr Spiel fort, dabei war meine Aufmerksamkeit auf Edward konzentriert. Er hatte schon geduscht und war mit einer schwarzen Hose und einem hellblauen Hemd schick bekleidet. Ich warf einen Blick auf seine Füße und sah die schwarzen Anzugschuhe, die die Tasche vor der Tür zurück in meine Gedanken brachten. Es war seine Geschäftskleidung, die er trug, wenn er auf Alecs Geheiß verreisen musste. Der war offensichtlich ein Traditionalist und erwartete, dass seine Männer anständig aussahen, wenn sie ihn repräsentierten, und das war eine Tatsache, die Edward nicht sonderlich mochte.

„Du gehst“, sagte ich leise mit gerunzelter Stirn.

„Yeah, ich muss mich um ein paar Dinge kümmern“, entgegnete er und sah auf seine Uhr. „Em kommt mit mir nach Vegas.“

„Zur Hölle, yeah, wir machen die Kasinos platt“, warf Emmett ein. „Ein bisschen zocken.“

Unsicher über Edwards wacklige Gelassenheit musterte ich die beiden, beschloss aber meinen Mund zu halten. Ich musste seinem Urteilsvermögen vertrauen, und ich wusste, Emmett würde seinen Bruder nichts Dummes anstellen lassen. „Wann geht euer Flug?“

„Wir machen uns auf den Weg, sobald Alec anruft. Wir dürfen seinen Privatjet nehmen“, erwiderte Edward. „Du weißt schon, nur für den Fall, dass Rosalies Wehen einsetzen und Em zurück muss. Oder zumindest, wenn sie glaubt, ihre Wehen hätten eingesetzt.“

„Fick dich, Cullen“, entgegnete Rosalie.

„Nein danke“, witzelte Edward.

„Was ist mit der Hochzeit?“, fragte ich und unterbrach ihr Gezänk. „Wirst du auch sicher bis dahin wieder zurück sein?“

Tesoro, nichts wird mich von der Hochzeit fernhalten, das verspreche ich dir“, antwortete er. „Egal was kommt, ich werde vor diesem Altar stehen und auf dich warten.“

„Und die Generalprobe?“, fragte ich. Sie war in zwei Tagen, aber ich wusste, so schnell würde er auf keinen Fall wieder zurück sein. Meine Frage beantwortete er mit einem Schulterzucken und fuhr sich nervös mit einer Hand durch sein Haar.

„Wir werden sie absagen müssen“, meinte er. „Wir improvisieren dann einfach bei der Zeremonie. Ich meine, wie schwer kann das sein?“

Rosalie lachte bei seinen Worten trocken auf, wollte offensichtlich andeuten, dass es nicht so einfach war, wie Edward sich das vorstellte, doch ich nickte nur, denn ich wusste, wir konnten nichts dagegen tun. Wenn Alec ihn jetzt wegschickte, obwohl er wusste, wie nahe der Hochzeitstermin war, musste es wichtig sein. Edwards Telefon klingelte und ehe einer von uns noch etwas sagen konnte, zog er es heraus und blickte mit gerunzelter Stirn aufs Display. „Wir kommen, Sir“, sagte er, nachdem er rangegangen war. Mit einem zaghaften Blick auf mich legte er auf.

„Sei vorsichtig“, sagte ich leise, mühte mich, gegen die Nervosität anzukämpfen, die ich jedes Mal verspürte, wenn er gehen musste. Irgendwie war es eine Erleichterung, dass Emmett mit ihm ging, aber meine Ängste vollständig abbauen konnte dies nicht.

„Bin ich immer. Es sind nur ein paar Tage, also mach dir keine Sorgen. Kaum genug Zeit mich zu vermissen.“

„Ich werde dich vermissen, sobald du durch die Tür trittst.“

„Das bezweifle ich“, sagte er und stand auf. Er lehnte sich herab und küsste mich schnell, Emmett verabschiedete sich von seiner Frau und seinem Sohn. „Ich denke, du wirst zu beschäftigt mit der Hochzeit sein und wahrscheinlich gar nicht mal bemerken, dass ich nicht da bin.“

Er wandte sich zur Tür, gerade als sein Telefon wieder zu klingeln begann, und ich kaute auf meiner Lippe, bemüht, die sich in meinen Augen sammelnden Tränen dort zu lassen, wo sie waren. „Keine Sorge, Izzy Bizzy, ich werde darauf achten, dass er nicht vom Weg abkommt“, sagte Emmett und stupste mich spielerisch mit seinem Ellbogen im Vorbeigehen in die Seite. „Ich werde dafür sorgen, dass er in Nullkommanichts wieder zurück ist.“

„Danke, Emmett“, erwiderte ich. Ich ging mit ihm in den Flur und beobachtete Edward, der nach der Reisetasche griff und sich dann umdrehte, im mich anzusehen.

„Ich liebe dich“, formte er mit seinen Lippen. Das Telefon war an seinem Ohr und er hörte zu, wer auch immer in der Leitung war.

„Ich dich auch“, erwiderte ich. „Denk an deine Gelübde.“

*****

„Komm schon, Isabella. Nur eins.“

„Ich weiß nicht“, sagte ich misstrauisch und musterte das kleine mit goldener Flüssigkeit gefüllte Glas vor mir auf dem Tisch. „Ich meine, ich weiß nicht, ob ich das sollte.“

„Du solltest“, plapperte Alice von ihrem Platz mir gegenüber dazwischen. „Ich mache mit.“

Sie schnappte sich ein leeres Schnapsglas von der Tischmitte und füllte es mit dem goldenen Zeug. Dem Etikett nach war es Patron Ahejo Tequila, aber mir sagte das nicht viel. Ich wusste nur, dass es harter Alkohol war und dass meine Freunde entschlossen schienen, mich davon probieren zu lassen. Es war meine Junggesellinnen-Abschiedsfeier, wie sie es nannten, und Rosalie hatte gemeint, wir müssten das unbedingt feiern. Nachdem ich allerdings Unterhaltungen über männliche Stripper und Sexspielzeuge belauscht hatte, war ich panisch geworden und hatte darauf bestanden, dass alles schlicht gehalten wurde.

Widerstrebend hatte sie zugestimmt, denn sie wusste, andernfalls würde ich daheim bleiben, und aus diesem Grund waren wir in mit einer Flasche Tequila auf dem Tisch Alecs Club gelandet.

„Ich mache auch mit“, fiel eine dritte Stimme ein. Ich sah meine Freundin Emily an, die lächelnd ein Glas nahm und es füllte. Sie war vor drei Tagen wegen der Hochzeit hergeflogen und zur gleichen Zeit wie Alice angekommen. Ich war überrascht, wie gut sie zu Alice und Rosalie passte, und war dankbar, dass die beiden sie so willkommen geheißen hatten. Es hatte mir einige Sorgen bereitet, dass Emilys starke Persönlichkeit falsch bei ihnen ankommen könnte, aber sie war ein wichtiger Mensch in meinem Leben gewesen, als ich auf mich allein gestellt war, und daher wollte ich sie dabei haben.

„Ich bin noch nicht mal alt genug zum trinken“, sagte ich den Schnaps musternd. „Ich werde erst in zwei Wochen einundzwanzig.“

„Oh bitte“, sagte Emily. Ich konnte ihr Augenrollen nahezu hören. „So viel, wie du in deinem Leben durchgemacht hast, hast du dir einen kleinen Tequila verdient.“

„Davon abgesehen bin ich auch noch keine einundzwanzig“, zwitscherte Alice. „Und du weißt, Alec stört es nicht. Ich meine, er ist sowas wie dein Onkel.“

„Dein verdammt heißer Onkel“, fügte Emily an.

„Aber Edward...“

„... ist nicht hier“, schnitt mir Rosalie das Wort ab. „Und ganz ehrlich, wäre er hier, würde er dich anfeuern, da bin ich sicher. Ich meine, komm schon, wir reden hier von Edward. Glaubst du ernsthaft, er würde dir diesen Moment verweigern? Ich glaube es nicht.“

„Nein, aber...“

„Kein aber, Isabella“, sagte Alice. „Lebe ein bisschen. Du heiratest nur einmal.“

Kichernd hob Emily ihr Glas. „Nicht dort, wo ich herkomme“, sagte sie. „In Kalifornien heiratet man ein halbes Dutzend mal, ehe man endlich den Richtigen hat.“

Alice und Rosalie lachten. „Nun, Isabella wird nur einmal heiraten“, verkündete Alice überzeugt.

„Wenn überhaupt“, fügte Rosalie an. „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sie ihre Meinung ändert, ehe es zu spät ist.“

„Keine Chance“, sagte ich kopfschüttelnd.

„Nun, falls sie es tut, melde ich Erstansprüche an“, sagte Emily scherzhaft und zwinkerte mir zu. „Der Mann sieht umwerfend aus. Und er behandelt sie auch noch gut. Ich bin rundum eifersüchtig.“

Rosalie verzog das Gesicht und gab vor zu würgen. „Du musst verdammt nochmal blind sein.“

„Oh, komm schon, Rose. Du kannst ruhig zugeben, dass Edward gut aussieht“, sagte Alice. „Ich bestreite nicht, dass er attraktiv ist.“

„Tut mir leid, aber nein“, sagte Rosalie kopfschüttelnd. „Ich kann einfach nicht an seinem arschbreiten Ego und seiner hässlichen Persönlichkeit vorbei sehen. Ich habe nie verstanden, was die Mädels in ihm gesehen haben.“

„Du bist eine solche Lügnerin“, widerlegte Alice mit einem Lachen. „Solltest du wirklich glauben, Edward wäre so schlimm, hättest du ihn auf keinen Fall zu Little Cs Paten gemacht. Du hast ihm sogar dessen zweiten Vornamen gegeben. Das sagt mir, du siehst etwas in ihm.“

„Da liegst du falsch.“

„Liege ich nicht. Raus mit der Wahrheit. Du hältst ihn für einen guten Kerl.“

„Nein, tue ich nicht.“

„Doch, tust du“, sagte Alice bestimmt. „Du magst Edward Cullen tatsächlich.“

„Nimm das zurück!“

„Nein! Gib es zu!“

In eine Sackgasse geraten starrten sie sich an, Emily lachte und versuchte die Anspannung zu lockern. „Nun, ich mag ihn“, sagte sie. „Jeder Mann, der tut, was Edward für Isabella getan hat, ist meiner Meinung nach ein verdammt guter Mann.“

„Nun, darauf trinke ich“, sagte Alice. Lächelnd griff ich endlich nach dem Schnapsglas vor mir und hob es hoch.


„Ich auch.“

Sie befeuchteten ihre Hände und streuten Salz darauf, sagten mir, ich solle das gleiche tun. Obwohl ich mir unsicher war, hörte ich auf sie, und auf drei leckten wir das Salz von unserer Haut und kippten dann den Schnaps herunter. Die Flüssigkeit brannte, sobald sie meine Brust erreichte, und ich fing an zu husten, Tränen traten in meine Augen. „Hier“, sagte Rosalie und hielt mir eine Zitronenscheibe hin. „Draufbeißen.“

Die Säure der Zitrone schwächte das Brennen ein wenig ab, und tief durchatmend wischte ich mir mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen. „Meine Güte, das ist heftig.“

„Yeah, ist es“, sagte Alice. „Los, noch einen!“

Ungläubig sah ich sie an, Emily stimmte zu und füllte schnell die Schnapsgläser.

„Aber ihr habt gesagt, nur einen.“

„Yeah, nun, wirklich niemand trinkt nur einen“, sagte Emily. „Das ist nur irgendwelcher Scheiß, den du dir einredest, bevor du dich besäufst, Iz.“

„Fein“, sagte Rosalie plötzlich und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Sie ruhten auf ihrem gewölbten Bauch, und lächelnd streckte ich den Arm aus und legte meine Hand seitlich darauf. Ich liebte das Gefühl, wenn das Baby trat, und zum Glück hatte Rosalie nichts dagegen, wenn ich dies tat. Mutter zu sein hatte sie weicher gemacht... größtenteils zumindest. Sie hatte offensichtlich immer noch Spaß daran, Edward das Leben schwer zu machen.

„Was, fein?“, fragte Alice.

„Fein, ich gebe es zu“, sagte sie. „Edward ist nicht so schlimm. Er ist ziemlich erwachsen geworden. Und er gibt einen wirklich guten Babysitter ab.“

„Siehst du! Ich hab es ja gesagt! Du magst Edward Cullen.“

„Yeah, ich mag ihn. Egal. Verratet ihm den Scheiß bloß nicht.“

„Schau mal einer an“, sagte Emily, die schmunzelnd ihr Glas hob. „Wieder ein Grund zum Trinken!“

Alice nahm ihr Glas, und sie sahen mich erwartungsvoll an. Ich zögerte, doch benetzte dann meine Hand und bestreute sie mit Salz, begleitet vom Jubel der anderen. Wir tranken den Schnaps, der zweite ging schon ein klein wenig sanfter als  der erste, und ich biss in die Zitrone, da wurde mir auf einmal schwindelig. Mein Rücken prickelte, meine Beine waren leichter als vorher, ich fläzte mich in meinen Stuhl, und mein Körper entspannte sich.

„Das war nicht mehr so heftig“, verkündete ich.

Lächelnd griff Alice nach der Flasche. „Noch einen“, sagte sie und goss die Flüssigkeit in unsere Gläser, die wir ihr entgegen hielten. „Diesmal trinken wir auf die Liebe und die Ehe.“

„Und die Familie“, rief Rosalie, nahm ihr Wasser und hielt es hoch, um mit uns anzustoßen.

„Und Sex“, sagte Emily. „Das darf man nicht vergessen.“

„Auf keinen Fall darf man das vergessen“, stimmte Rosalie zu.

„Glückseligkeit“, sagte Alice, „und Freundschaft.“

„Freiheit“, fügte ich, über das Wort lächelnd, hinzu.

„Auf die Freiheit“, wiederholten sie, als wir unsere Gläser klirren ließen. Rosalie nippte an ihrem Wasser, und wir kippten unseren Schnaps. Die harsche Flüssigkeit ließ mich grunzen, meine Brust wurde noch wärmer als zuvor. Ich hatte das Gefühl zu schweben, mein Körper war erfüllt von Elektrizität und ein Nebel schien sich auf mein Gehirn gelegt zu haben.

„Es ist irgendwie ironisch, dass wir auf die Freiheit trinken, wenn du kurz davor stehst, dich an jemanden zu binden“, sagte Emily.

„Besonders an Edward. Das muss ein verdammter Vollzeitjob sein“, meinte Rosalie. Alice sah sie mit erhobener Braue an und Rosalie zuckte mit den Schultern. „Was? Sei nachsichtig mit mir. Alte Gewohnheiten lassen sich nur schwer ablegen.“

„Es ist nicht wirklich ironisch“, setzte ich zu einer Erklärung an und schnappte mir die Flasche, die vor Alice auf dem Tisch stand. Meine Worte kamen leicht lallend, und ich fühlte mich merkwürdig, als würde ich in Zeitlupe agieren. Mir wurde klar, dass ich schon ein bisschen betrunken war, was aber nicht sonderlich schlimm zu sein schien, denn ich schenkte mir einen weiteren Schnaps ein. Es fühlte sich gut an, und ich wusste, Rosalie hatte Recht – Edward wäre glücklich, wenn ich etwas lockerer würde. Er hatte nie gewollt, dass seine Probleme mich davon abhielten oder daran hinderten, eine schöne Zeit zu haben, also nahm ich an, konnte es nichts schaden, wenn ich ein paar Drinks nahm, solange ich Edward damit nicht in Gefahr brachte.

„Wie meinst du das?“, fragte Rosalie, als ich  meine Worte nicht sofort weiter ausführte. Ich schenkte zwei weitere Gläser ein, verschüttete dabei aus Versehen etwas von der Flüssigkeit, und wir tranken sie aus, bevor ich erklärte.

„Nun, es ist nicht ironisch, dass wir am Vorabend meiner Hochzeit auf meine Freiheit anstoßen, weil ich nie gewusst hätte, was frei zu sein bedeutet, wenn Edward nicht gewesen wäre.“

*****

Ich blieb stehen und starrte, völlig verblüfft von meinem Erscheinungsbild, in den Spiegel. Mein Haar fiel mir in Locken über den Rücken, die obere Hälfte war mit Nadeln hochsteckt, eine kleine goldene Tiara hielt meinen Schleier an Ort und Stelle. Ich trug Makeup, nicht viel, aber genug. Mein cremefarbenes, nur eine Schulter bedeckendes Kleid war schlicht und hatte eine Schleppe im Rücken. Dazu trug ich ein Paar passende High Heels. Es war nicht zu auffällig, aber zweifellos wunderschön, ganz genau, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Es war unglaublich, mich selbst so zu sehen, ein Leben voller Hoffnungen und Träume starrte mich aus dem Spiegel an.

Ich konnte die Tränen spüren, die sich in meinen Augen bildeten, und ich kämpfte sie zurück, um mein Makeup nicht zu ruinieren. Doch es war hart, vor allem, als meine Gedanken zu meiner Mutter wanderten. Ich vermisste sie schrecklich und wünschte mir, sie könnte jetzt hier sein, stellte mir vor, wie stolz sie wäre, könnte sie mich in diesem Moment sehen. Dies war alles, was sie für mich gewollt hatte, alles, von dem sie mir immer erzählt hatte, dass ich es eines Tages finden würde. Früher hatte ich an ihren Worten gezweifelt und gedacht, es wäre unmöglich, aber jetzt wurden sie letztendlich wahr.

Die Tür hinter mir öffnete sich, und ich beobachtete im Spiegel, wie Rosalie, gefolgt von Emily und Alice, eintrat. Sie waren meine Brautjungfern, sie alle trugen schulterfreie Kleider in hellem Pink, Silber und Braun, mit Spitzenmiedern und Satinschärpen über mehrere Lagen Tüll, und auch sie trugen passende High Heels. In ihren Kleidern sahen sie atemberaubend aus, sogar die hochschwangere Rosalie, die dreinschaute, als wäre ihr alles mehr als unbequem. Rosalie und ich waren uns über die Jahre nahegekommen und sie war meine Trauzeugin, etwas, dass ich nie für möglich gehalten hätte, als ich sie kennenlernte.

„Ich komme nicht darüber hinweg, wie wunderschön du aussiehst“, sagte Alice. „Edward wird umfallen, wenn er dich sieht.“

„Ich lächelte. „Ist er inzwischen da?“

„Ja, sie sind gerade angekommen, direkt vom Flughafen hierher gerast“, sagte Rosalie. „Genau genommen ist er nur ein paar Zimmer weiter.“

„Wirklich?“, fragte ich aufgeregt, drehte mich um und eilte zur Tür. Mit einem wilden Ausdruck auf ihrem Gesicht sprang Alice mir in den Weg, und verwirrt blieb ich abrupt stehen.

„Was denkst du, wo du gerade hingehst?“, fragte sie mit den Händen auf ihren Hüften.

„Öhm, zu Edward.“

„Bist du bescheuert?“ kreischte sie. „Vor der Trauung kannst du ihn nicht sehen!“

„Warum nicht?“, fragte ich, ihre Reaktion nicht verstehend. Stöhnend verdrehte sie ihre Augen und Rosalie und Emily lachten.

„Es bringt Unglück, wenn der Bräutigam die Braut vor der Trauung sieht“, erklärte Emily.

„Also, das ist Blödsinn“, sagte ich. „Das glaube ich nicht.“

„Das spielt keine Rolle“, sagte Alice nüchtern. „Nun, für alle Fälle wirst du dich daran halten. Oder willst du dich selbst verhexen?“

„Und weil es Tradition ist“, fügte Rosalie hinzu.

„Eher Aberglaube“, murmelte ich, als sich die Tür erneut öffnete. In der Hoffnung, es wäre Edward, sah ich hinüber, aber leicht enttäuscht bemerkte ich, dass es nur Esme war, die hereinkam. Chelsea in ihrem weißen Blumenmädchenkleid folgte ihr und Carlisle trottete ihnen hinterher. Er sah pfiffig aus in seinem kleinen schwarzen Anzug, seine blonden Haare glatt zurückgestrichen. Er knurrte und zog eine grimmige Miene, als er in unsere Richtung sah. „Was machst du, kleiner Mann?“

„Grrrrr“, rief er, kräuselte seine Nase und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. „Ringträger! Grrrrr!“

Er knurrte weiter, und ich musste lachen. „Ich habe ihm erklärt, er wäre der Ringträger der Hochzeit, und er ist nun davon überzeugt, er muss die Ringe beschützen“, erklärte Rosalie und verdrehte ihre Augen. „Den ganzen Morgen macht er diese Scheiße schon.“

„Scheiße!“, schrie Carlisle seiner Mutter nachäffend. Geschockt riss ich meine Augen auf, und Rosalie keuchte, während die anderen zu lachen begannen. Ihr offensichtliches Vergnügen spornte Carlisle noch weiter an. „Scheiße! Scheiße! Scheiße!“

„Nein, Baby! Sprich Mommy nicht nach!“, sagte Rosalie schnell und hob Carlisle auf ihre Arme. „Sag nicht dieses Wort!“

„Scheiße!“, rief er wieder aus und fing an unkontrolliert zu kichern. Rosalie versuchte ihn zu beschwichtigen, aber es funktionierte nicht, die Aufmerksamkeit, die er jetzt hatte, machte es nur noch schlimmer, also entschuldigte sie sich und stürzte mit ihm auf den Armen aus dem Zimmer. Ich versuchte mich zu beherrschen, konnte mein Lachen aber nicht zurückhalten, die gesamte Szene war einfach zu amüsant gewesen. Er hatte nicht zum ersten Mal wiederholt, was er nicht sollte, und mit der Familie, in die er hineingeboren worden war, würde es auch nicht das letzte Mal bleiben.

„Nun, bei diesem Mund weiß man, dass er mit Edward verwandt ist“, sagte Esme scherzend, sie dachte offensichtlich das Gleiche wie ich.

Ich stimmte dem zu und ging dann zum Spiegel zurück, um mich fertig zu machen. Wir unterhielten uns gerade über brisante Themen, wie über die Tatsache, dass ich eine Tradition brach, weil ich nichts Blaues trug, als sich jemand in der Nähe räusperte. Bei dem Geräusch sahen wir alle in Richtung der Tür, mein Herz setzte beinahe aus, als ich Alec dort stehen sah. „Sie brauchen die Hochzeitseskorte“, sagte er und zeigte auf meine Brautjungfern und Chelsea. Aufgeregt lächelten sie mir zu und eilten aus dem Zimmer und Esme begleitete Chelsea hinaus, um mich mit Alec allein zu lassen. Nervös drehte ich mich von ihm weg, das Blut rauschte wie wild durch meine Adern und meine Angst schnellte sprunghaft in die Höhe.

Alec schlenderte lässig in meine Richtung, blieb hinter mir stehen und sah mich im Spiegel an. Für einen Moment schwieg er, er starrte nur, und seine Schweigsamkeit half nicht, meine Nerven zu beruhigen. Die Zeit verging zusehends, alles fühlte sich so unwirklich an. „Principessa della Mafia“, sagte er schließlich mit leiser Stimme. „Als Carlisle mir damals gestand, wer du bist, sagte ich ihm, ich könne es nicht sehen. Ich sagte ihm, du sähest nicht aus wie eine von uns.“

Als er nichts weiter sagte,  biss ich mir auf meine Lippe und begann herumzuzappeln, mein Herz hämmerte so wild in meiner Brust, dass sie schmerzte. Er starrte weiter nachdenklich auf mein Spiegelbild, und als sich seine Lippen zu einem Lächeln nach oben bogen, fühlte ich mich auf einmal wie benebelt, ich sah ihn nur noch schemenhaft, während ich darauf wartete, dass er weitersprach.

„Ich sehe es jetzt“, sagte er schließlich, seine Erklärung traf mich unvorbereitet. Schockiert starrte ich ihn an, und er räusperte sich wieder, er fühlte sich immer noch unwohl mit allem, was auch nur entfernt mit Zuneigung zu tun hatte. Seit Chelsea bei ihnen lebte, war er ein wenig lockerer geworden, aber er war weit davon entfernt, liebevoll oder väterlich zu sein. Ich wagte zu glauben, dass diese Kälte immer ein Teil von ihm bleiben würde, obwohl er in privaten Momenten seiner weicheren Seiten hin und wieder erlaubte durchzuschimmern. „Ich gebe dir noch einen Moment Zeit, Isabella.“

Ohne ein weiteres Wort ging er aus dem Zimmer, ließ mich noch einmal alleine, und ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf mein Spiegelbild. Als ich die Klaviermusik hörte, die ganz in der Nähe begann, lächelte ich und neue Tränen sammelten sich in meinen Augen, meine Gedanken waren bei meiner Mutter. Ich rief mir den Tag in Erinnerung, an dem ich sie das letzte Mal in Phoenix gesehen hatte, erinnerte mich an ihre allerletzten Worte an mich. Sie hatte gesagt, sie wäre immer bei mir, in meinem Herzen, und die Welt wäre mit mir dort draußen ein besserer Ort. Ich hatte an diesem Tag gezögert, hatte sie nicht zurücklassen wollen, aber sie hatte darauf bestanden, dass ich ging. Sie hatte gewollt, dass ich mein Leben lebte, glücklich wurde und meinen Träumen folgte, und sie hatte an diesem Tag ganz genau gewusst, was mein Schicksal war.

Edward.

‚Er wartet auf dich‘, würde sie jetzt meine Furcht spürend sagen. ‚Bei ihm solltest du jetzt sein, nicht hier. Lass ihn nicht warten.‘

„Das werde ich nicht, Mom“, wisperte ich in das leere Zimmer, warf meinem Spiegelbild einen letzten Blick zu und senkte dann den Schleier über mein Gesicht. Ich griff nach meinem Brautstrauß aus weißen Rosen und ging hinaus zu Alec, der im Flur auf mich wartete. Nervös nahm ich seinen Arm, den er mir hinhielt.

„Bist du soweit?“, fragte er, während wir den kurzen Weg zu den hölzernen Doppeltüren zurücklegten.

„Absolut“, antwortete ich und hörte, dass die Klaviermusik vom Canon in D zum Hochzeitsmarsch wechselte, unserem Einsatzzeichen.

Er führte mich in die Kirche, am Anfang des Gangs blieben wir kurz stehen, sodass ich alles in mich aufnehmen konnte. Meine Sicht verschwamm, was ich vor mir sah, überwältigte mich völlig. Die Kirchenbänke waren voller Menschen, von denen ich einige nicht kannte, und sie alle standen auf, sobald wir den Gang betraten. Ich wusste, dass viele von ihnen nicht meinetwegen hier waren, sie waren Mitglieder der Organisation, aber das störte mich nicht. Sie waren für Edward gekommen, einem Ehrenmann, und aus Respekt vor diesem Mann waren sie bereit mich ihm anzuvertrauen. Alec war ihr Boss, und wir waren seine Familie, und ich verstand, dass dies in der Welt, in der wir lebten, eine Menge bedeutete.

Ich schaute nach vorne ins Kirchenschiff und wurde von meinen Gefühlen überwältigt, als meine Augen auf Edward fielen. Er stand wie angewurzelt auf einem Fleck, starrte mich mit  staunendem Blick unverwandt an. Er trug seinen schwarzen Anzug mit einer cremefarbenen Krawatte und passender Weste, und seine neben ihn stehenden Brüder trugen das Gleiche, nur in Dunkelbraun. Sein Anblick ließ mich den Kampf gegen meine Tränen verlieren und sie begannen über meine Wangen zu laufen, während Alec und ich langsam den Kirchengang hinunter schritten. Ich konzentrierte meine Aufmerksamkeit auf Edward, und er wandte den Blick nicht eine Sekunde von mir ab, grinste, als wir näher kamen. Seine Augen wanderten über meinen Körper, als ich neben ihm stehen blieb, und er zwinkerte, sobald ich ihm wieder in die Augen sah. Errötend wandte ich meinen Blick ab, hoffte, der Schleier würde meine Reaktion verdecken, aber als er leise gluckste, wusste ich, dass er es bemerkt hatte.

Alec ließ mich los und hob meinen Schleier, nickte Edward zu und ging dann zu der Kirchenbank, auf der Esme saß. Die Musik hörte auf zu spielen und der Geistliche sprach ein kurzes Gebet, gefolgt von einem kollektiven Scharren, als sich alle wieder setzten. Ich übergab Rosalie meinen Brautstrauß, damit sie ihn für mich hielt, und Edward starrte mich weiterhin mit einem Grinsen im Gesicht an, das Glück strahlte in Wellen von ihm ab. Ich untersuchte ihn kurz von oben bis unten, das tat ich jedes Mal, wenn er von einer Reise zurückkehrte... immer hielt ich nach Verletzungen Ausschau, stellte sicher, dass er an einem Stück zu mir zurückgekehrt war, und lachte, als meine Augen auf seine Füße fielen.

„Nikes?“, wisperte ich, so leise, dass nur er es hörte. „Was ist mit deinen Schuhen passiert?“

Sein Grinsen wurde breiter und er zuckte mit den Achseln. „Ich hab sie vergessen.“

Meine Tränen liefen weiter und er lächelte strahlend, streckte seine Hand aus und wischte ein paar von ihnen fort, als der Geistliche uns bereits ansprach. „Edward und Bella, seid ihr aus freien Stücken und ohne Vorbehalte hierher gekommen, um den Bund der Ehe einzugehen?“

„Ja“, sagten wir gleichzeitig.

„Werdet ihr für den Rest eures Lebens einander als Mann und Frau ehren?“

„Ja“, sagten wir beide wieder, ohne überhaupt darüber nachdenken zu müssen. Ich konnte es spüren, tief in meiner Seele, er war es für mich.

„Werdet ihr eure Kinder als von Gott gegeben liebevoll akzeptieren und sie gemäß dem Gesetz Christi und seiner Kirche erziehen?“

„Ja“, sagte ich sofort, aber Edward zögerte. Er blickte kurz zu dem Geistlichen hinüber und spannte sich an, ehe der das Wort schließlich aussprach.

„Dies entspricht nicht unserer Tradition, aber die Braut und der Bräutigam haben darum gebeten, selbst sprechen zu dürfen, und die Kirche hat ihrer Bitte freudig zugestimmt.“

Bei den Worten des Geistlichen unterdrückte Edward ein Lachen, und ich konnte mich gerade noch davon abhalten, bei seiner Reaktion meine Augen zu verdrehen. Ich hatte gelernt, dass es bei einer katholischen Hochzeit nicht erlaubt war, sein eigenes Gelöbnis aufzusagen, aber dies war eines der Dinge, die ich unbedingt wollte, also hatte Edward dafür gesorgt, dass es mir trotzdem erlaubt wurde. Der Gedanke, dass er jemanden für mich erpressen oder tyrannisieren könnte, hatte mich zuerst abgeschreckt, aber er hatte darauf beharrt, dass es ausgereicht hätte, der Kirche  eine beträchtliche Spende zukommen zu lassen, damit sie zustimmte. Bestechung, in andere Worten...

Nur bei unserer Hochzeit musste ein Geistlicher bestochen werden.

Der Geistliche sah neugierig zwischen Edward und mir hin und her und ich räusperte mich, versuchte den  Kloß in meinem Hals loszuwerden. „Ich werde anfangen“, sagte ich nervös und sah Edward an, um sicher zu gehen, dass es okay war. Er bedeutete mir, ich sollte fortfahren, und lächelnd fing ich an zu sprechen.

„Das erste Mal, dass du mich fragtest, ob ich dich heiraten würde, war vor vier Jahren an meinem siebzehnten Geburtstag, obwohl es sich eigentlich anfühlt, als wäre es erst gestern gewesen. Du sagtest mir an diesem Morgen, dass es nicht an jenem Tag passieren müsste, oder am nächsten Tag, oder in jenem Jahr. Du wolltest nur mein Versprechen, dass ich deine Frau würde und den Rest meines Lebens mit dir verbringe, sobald ich bereit dazu wäre. Ich hatte natürlich ja gesagt, und ich hatte es auch so gemeint. Ich wusste an diesem Morgen ganz genau, wozu ich mich bereit erklärte. Wir waren noch sehr jung, und vielleicht waren wir naiv, hatten wir doch gedacht, wir hätten alles ergründet, aber ich habe nie bezweifelt, dass wir zusammen gehören.“

Ich hielt inne, um mir neue Tränen von den Wangen zu wischen, die aus meinen Augen strömten. „Seit diesem Tag ist viel geschehen und wir sind eine Weile getrennte Wege gegangen, aber am Ende kamen wir wieder zusammen. Ich gehöre zu dir. Ganz egal, was in der Zukunft geschieht, weiß ich, dass dies unser Schicksal ist. Als ich dich zum ersten Mal sah, wusste ich nicht, was ich von dir halten sollte, denn du warst anders als jeder, den ich bis dahin kannte. Die Dinge, die du mich hast fühlen lassen, haben mir furchtbare Angst eingejagt, und ich wollte nichts lieber, als mich so weit wie möglich von dir fernzuhalten, aber ich konnte es nicht. Ich fühlte mich zu dir hingezogen. Du hast mir Hoffnung gegeben. Du hast an mich geglaubt und mir geholfen, und vor allem hast du mich geliebt. Mich. Von allen Menschen auf der Welt, hast du mich ausgesucht. Ich war so daran gewöhnt, übersehen zu werden, so daran gewöhnt, unsichtbar zu sein, aber du hast mich gesehen. Ohne dich wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Ich liebe dich, Edward Anthony Cullen, und ich möchte dich wissen lassen, dass ich jetzt bereit bin. Ich bin bereit, deine Frau zu sein und den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen, und es gibt keinen Platz auf der Welt, an dem ich lieber wäre.“

Sempre“, wisperte er und schluchzte bei dem Wort. Ich wusste, er versuchte sich zusammenzureißen, er wollte nicht vor so vielen Menschen zusammenbrechen.

Sempre“, wiederholte ich seine Worte und meinte es mit jeder Faser meines Seins. Er war meine Ewigkeit.

„Ich bin mir sicher, dass du dich an unser erstes Zusammentreffen an diesem Morgen in der Küche in Forks erinnerst, und was für ein komplettes Desaster daraus wurde. Ich hatte nicht erwartet, jemanden dort unten zu sehen, also bin ich ausgeflippt, als ich dich in der Tür stehen sah. Es endete damit, dass ich meinen Orangensaft fallen ließ und ihn über meine Hose und den Boden schüttete. Du hast angefangen ihn aufzuwischen, hast versucht zu helfen, und ich, ähm, nun, du weißt, was ich gemacht habe“, sagte er und schüttelte bei der Erinnerung seinen Kopf. Ich nickte und lächelte traurig, als ich mich an sein Ausrasten erinnerte und wie er mein Handgelenk umfasst hatte, um mich daran zu hindern sauber zu machen. Er war damals so wütend gewesen... so gebrochen. Edward hatte immer noch Risse in sich und Narben von seinen früheren Verletzungen, aber er riss sich jetzt zusammen, und nur das zählte.

„Was du jedoch nicht weißt, als wir beide wie Idioten in dieser Saftpfütze saßen und uns eine Kraftprobe lieferten, wer das sauber machen sollte, war alles, an was ich denken konnte, wie wunderschön du warst. Du warst verängstigt, verwirrt und verletzt, und ich weiß, dass ich dir in diesem Moment nicht gerade geholfen habe, aber unter all deiner Angst warst du einfach nur wunderschön, Isabella. Schon als ich dich zum allerersten Mal gesehen hatte, war ich dir verfallen, du hast mir das Herz direkt aus meiner Brust gestohlen, ohne dass ich es überhaupt wusste.

Ich erinnere mich daran, später an diesem Morgen darüber nachgedacht zu haben, dass du mein Leben verkomplizieren würdest“, sagte er und lachte in sich hinein. „Und du hast es verkompliziert. Alles, was ich wusste, alles, woran ich glaubte, alles, was ich aus meinem Leben machen wollte... alles ging an diesem Tag  den Bach hinunter. Du hast mich umgekrempelt und mich wieder etwas fühlen lassen. Du hast mich vor dem Absturz bewahrt und mein Leben gerettet, auch wenn mir gar nicht klar war, dass ich gerettet werden musste. Ich dachte, mir ginge es gut und ich bräuchte niemanden, aber ich lag so falsch, Bella, weil ich doch jemanden brauche. Ich brauche dich. Vielleicht ist das ungesund, weil ich in der Lage sein sollte, es allein zu schaffen, und wenn ich es müsste, könnte ich es vielleicht auch. Aber ich weiß es nicht, und die Wahrheit ist, ich will überhaupt nicht wissen, ob ich es kann. Jesus, ich...“

Ich riss schockiert meine Augen auf, der Geistliche sog scharf die Luft ein und wohlwissend, dass er gerade Jesus als Fluchwort benutzt hatte, hörte Edward abrupt auf zu sprechen. „Scheiße“, sagte er aus einem Instinkt heraus, und sah mich dann voller Entsetzen an, als ihm klar wurde, dass er schon wieder geflucht hatte. Er begann voller Panik zu stammeln, wurde aber unterbrochen, als ein paar Schritte entfernt eine laute Stimme ertönte.

„Scheiße!“

Ein kollektives Keuchen war zu hören, und alle drehten sich zu Carlisle, der mit einem strahlenden Grinsen auf seinem Gesicht stolz neben seinem Vater stand.

„Was bringst du meinem Sohn bei, Mann?“, fragte Emmett, während Esme von ihrem Platz aufsprang und  Carlisle auf ihren Arm nahm, der damit begann, das Wort aufs Neue abzufeuern.

„Yeah, Edward“, sagte Rosalie hinter mir. Ich drehte mich um und sah sie überrascht an, dachte daran, was kurz vor der Zeremonie noch vorgefallen war, aber sie grinste und bedeutete mir zu schweigen. Ich schüttelte meinen Kopf und sah Edward wieder an, der sich mit der Hand durch seine Haare fuhr und verzweifelt seinen Kopf schüttelte.

„Ich habe ihm dieses gottverd....“

Ich wusste, was er sagen wollte, bevor ihm das Wort herausrutschte, und schnell streckte ich meine Hand aus und hielt ihm den Mund zu, ehe irgendjemand anders es hörte. Er starrte mich erschreckt an, und ich konnte die Panik in seinen Augen sehen, als Esme Carlisle mit zu ihrem Platz nahm und versuchte, ihn zum Schweigen zu bringen. Ich lächelte leicht, damit er nicht dachte, ich wäre böse auf ihn, und beobachtete, wie er sich vor meinen Augen sichtbar entspannte. Vorsichtig nahm ich meine Hand von seinem Mund, und er lehnte sich vor und strich mit seinen Lippen über meine. Ich erwiderte seinen Kuss, teilte meine Lippen und stöhnte leise, als seine Zunge meine berührte.

„Noch nicht, Mann“, sagte Emmett, griff nach Edward und zog ihn von mir weg. „Du überholst dich gerade selbst.“

Der Geistliche räusperte sich und beäugte uns argwöhnisch, und Edward ließ ein verzweifeltes Seufzen ertönen. „Tut mir leid, Vater“, grummelte er.

„Möchtest du gern fortfahren?“, fragte er.

„Äh, nein“, erwiderte Edward kopfschüttelnd. „Ich denke, ich habe genug gesagt.“

„Wenn es eure Absicht ist, den Bund der Ehe zu schließen, reicht euch eure rechte Hand und erklärt vor Gott und seiner Kirche euer Einverständnis“, sagte der Geistliche schnell, er wollte offenbar die Messe hinter sich bringen. Edward ergriff meine Hand, verflocht unsere Finger miteinander und drückte sie zärtlich.

„Edward, nimmst du Isabella als deine Ehefrau? Versprichst du ihr Treue in guten wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit, sie zu lieben und zu ehren alle Tage deines Lebens?“

„Ja, das tue ich.“

„Isabella, nimmst du Edward als deinen Ehemann? Versprichst du ihm Treue in guten wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit, ihn zu lieben und zu ehren alle Tage deines Lebens?“

„Ja, das tue ich.“

„Ihr habt vor der Kirche eure Einwilligung erklärt. Möge der Herr in seiner Güte eure Entscheidung stärken und euch beide segnen. Was Gott zusammengefügt hat, darf der Mensch nicht scheiden.“

Wir tauschten unsere Ringe aus, und meine Hand zitterte, als Edward den einfachen goldenen Ring auf meinen Finger schob, den, von dem ich wusste, dass er einst seiner Mutter gehört hatte. Ich starrte ihn an und meine Tränen begannen wieder zu laufen, meine Emotionen überwältigten mich, als der Geistliche uns zu Mann und Frau erklärte.

Jetzt dürft ihr euch küssen“, sagte Emmett und stieß Edward an. Ich schaute wieder auf und sah, dass Edward seinen Bruder anblitzte, doch dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf mich und sein Gesicht leuchtete voller Liebe auf. Er griff sanft nach meinem Kinn und lehnte sich vor. Meine Augen schlossen sich, als unsere Lippen verschmolzen.

Sein Kuss war süß, aber es lag Leidenschaft dahinter... eine Leidenschaft, die ich für den Rest meines Lebens spüren wollte.




Edward Cullen POV

„Nur noch ein paar.“

Seufzend versuchte ich still zu halten, aber der verdammte Anzug begann mich zu ersticken. Wir schienen schon Stunden hier zu stehen und der Fotograf schoss ein Bild nach dem anderen, ließ uns für ein paar gute Aufnahmen in jeder gottverdammt vorstellbaren Stellung posieren. Ich tat mein bestes, meine Augen auf die Kamera zu konzentrieren, wollte unsere Hochzeitsfotos schließlich nicht versauen, aber meine Aufmerksamkeit blieb auf die Frau an meiner Seite gerichtet. Auf mindestens der Hälfte der Fotos würde es wahrscheinlich aussehen, als wolle ich sie mit den Augen ausziehen, aber ich konnte einfach nicht anders.

Sie war so verdammt schön.

„Entspann dich“, sagte Isabella, die mein Unbehagen spürte, leise.

„Ich versuch's“, murmelte ich.

„Jetzt alle lächeln!“, rief der Fotograf.  Ich lächelte wie auf Kommando, wollte den Scheiß endlich hinter mich bringen, und er schoss in schneller Abfolge ein paar Fotos. „Alles klar, ich denke, wir haben es.“

Erleichtert atmete ich auf und lockerte sogleich meine Krawatte. „Gott sei Dank, verflucht noch mal. Dieser Scheiß hat ewig gedauert.“

„Oh, so schlimm war es nicht“, sagte Isabella lachend. „Das waren doch gerade mal zwanzig Minuten.“

Ich umfasste ihre Hüften und sie schrie auf, als ich sie schnell an mich zog. „Da liegst du falsch, Isabella Marie Cullen“, sagte ich grinsend, zum ersten Mal konnte ich diesen Scheiß laut aussprechen. „Es war so schlimm, weil ich zwanzig Minuten lang nicht das machen konnte.“

Fordernd drückte ich meine Lippen auf ihre, küsste sie innig und hörte Rosalie neben mir stöhnen.

„Das ist ja ekelerregend“, brummte sie. „Ich will das nicht sehen.“

„Dann hör auf so beschissen zu glotzen“, spie ich und löste mich gerade lange genug von Isabellas Lippen, um diese paar Worte herauszupressen. Sie lachte, als ich sie sofort weiter küsste, schlang ihre Arme um mich und erwiderte meinen Kuss.

„Wir gehen wieder hinein“, hörte ich Jasper sagen, der mir auf den Rücken klopfend an uns vorbei ging. „Lasst Eure Gäste nicht warten.“

„Meinetwegen“, brummte ich.

Wir standen noch eine Weile länger dort und küssten uns, während alle anderen in den Festsaal gingen, wo der Empfang stattfand. Schließlich löste sie sich aus meinen Armen und versuchte keuchend zu Luft zu kommen, ihre Wangen glühten. „Vielleicht sollten wir reingehen“, schlug sie fort.

„Scheiß drauf“, sagte ich und zog sie erneut an mich. Ich machte mich daran, feuchte Küsse auf ihrem Hals zu verteilen. „Lass uns abhauen.“

„Wir können nicht einfach gehen, Edward“, sagte sie atemlos. „Diese Leute sind unseretwegen hier.“

„So?“, wisperte ich und begann erneut ihren Hals zu küssen. Lachend schob sie mich weg und ich seufzte resigniert. „Okay, ich hab's kapiert. Du hast Recht. Wir müssen rein.“

„Siehst du?“, sagte sie und griff nach meiner Hand. „Mach dir keine Sorgen. Das wird lustig.“

„Yeah, aber ich denke, wir hätten eine Menge mehr Spaß, wenn wir jetzt irgendwo alleine wären.

„Vielleicht“, sagte sie achselzuckend. „Obwohl ich denke, dass wir noch genug Zeit dazu haben werden.“

„Sicher wie Scheiße hoffe ich das.“

Sie zog mich am Arm hinter sich her und widerwillig folgte ich ihr. Sobald wir den Saal betraten und der DJ unser Eintreffen ankündigte, wurden wir mit lautem Applaus begrüßt. Isabella errötete und senkte ihren Kopf, und ich ging grinsend mit ihr zu unserem Tisch. Nachdem wir uns gesetzt hatten und darauf warteten, dass das Service Personal das Essen brachte, dankte ich schnell allen. Ein Kellner brachte unsere Teller und stellte sie vor uns auf den Tisch, ein anderer kam mit einer grünen Glasflasche in seiner Hand und begann unsere Gläser zu füllen. Dankend nickte ich ihm zu, als er das schäumende Getränk in mein Glas goss, nahm dann das Glas hoch und roch daran, während er Isabellas Glas füllte. Ich zog eine Grimasse und Jasper, der ganz in der Nähe saß, schwenkte lachend seinen Drink.

„Ich hätte im Leben nicht damit gerechnet, einmal auf der Hochzeit meines kleinen Bruders schäumenden Traubensaft zu trinken“, sagte er und trank kopfschüttelnd einen Schluck.

„Wir haben auch perlenden Jasmin-Tee“, erläuterte Bella sachlich. „Und Wein-Limo. Die Getränke sehen alle wie Champagner aus, sind aber alkoholfrei.“

Seufzend stellte ich mein Glas ab, ohne überhaupt getrunken zu haben, die Wendung, die die Unterhaltung nahm, mochte ich überhaupt nicht. In dem Wissen, dass wir keinen gottverdammten Hochzeits-Empfang ohne Alkohol durchziehen konnten, gab es für die Gäste weiter hinten einen abgetrennten Raum mit einer Bar, aber wegen mir wurde in Hauptsaal kein Alkohol ausgeschenkt.  Ich fühlte mich irgendwie schuldig, war aber auch dankbar, und zur gleichen Zeit fraß es an meinen Nerven. Mir schien, alle dächten, ich wäre irgendein verdammtes zerbrechliches Arschloch, das nicht normal funktionierte und wegen der ganzen Scheiße an die Hand genommen werden musste. Dadurch fühlte ich mich schwach, und noch schlimmer, durch die Diskussion über meine Abstinenz, lechzte ich erst recht wie wild nach einem gottverdammten Drink.

Als alle ihre Teller hatten und der DJ, bevor wir zu essen begannen, ein kurzes Dankgebet sprach, beendeten sie endlich ihre Diskussion. Ich hob meine Gabel und stocherte in meinem Essen herum, aber mir war beschissen übel. Meine Handflächen waren schweißnass und weil meine Panik zunahm, fing ich an mit einem Bein unter dem Tisch zu wippen. Plötzlich fühlte ich mich sehr unwohl in meiner Haut. Der Drang zu trinken steckte immer noch in mir und ich sehnte mich nach einem Schnaps, mein Körper schrie nach nur einen winzigen Schluck. Ich konnte das Brennen in meiner Kehle beinahe spüren, konnte um der guten alten Zeiten willen ein wenig Wärme in meiner Brust gebrauchen... nur um meine Nerven zu beruhigen und diese verdammte Panikattacke in den Griff zu bekommen, obwohl ich aus Erfahrung wusste, dass es nicht funktionierte, denn ich hatte diesem Verlangen schon früher nachgegeben. Ich hatte um einen winzigen Schluck gebettelt, aber nie war es genug gewesen, denn sobald ich Alkohol in die Finger bekam, wusste ich, dass ich nicht aufhören konnte. Aus einem Schluck wurde zwei, die dann zu einer ganzen Flasche wurden, was am nächsten Morgen mit verdammten dröhnenden Kopfschmerzen, einem sehr angepissten Boss und Erinnerungslücken endete.

Yeah, ich hatte keinerlei Verlangen, das noch einmal durchzumachen.

Isabella griff unter dem Tisch nach meinem Schenkel und brachte mein wippendes Bein, dessen Bewegungen anscheinend auffällig wurden, energisch zum Stillstand. Ich sah sie vorsichtig an, aber sie lächelte, auf ihrem Gesicht war keinerlei Ärger zu sehen. Sie spürte immer sofort, wenn ich mit mir kämpfte und verurteilte mich nie dafür, sie schien immer genau zu wissen, was mich wieder beruhigte. „Alles in Ordnung?“, fragte sie besorgt. Nickend ließ ich meine Gabel sinken und fuhr mir nervös mit einer Hand durch meine Haare.

„Yeah, alles in Ordnung“, erwiderte ich und versuchte mich wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Spannung wich langsam aus meinem Körper und ich schaute sie an, sie sah einfach atemberaubend aus. Verdammt, sie glühte regelrecht und meine Brust schwoll vor Freude an, als ich das Glück in ihren Augen funkeln sah. Ich hoffte, sie sah das Gleiche in meinen Augen. Sie bedeutete mir alles. Meine Liebe zu ihr war stärker als alles andere, mächtiger als die Drogen und der Alkohol jemals gewesen waren. Sie war meine Welt, mein verfluchtes Leben, und jetzt war sie obendrein auch noch meine Frau.

Meine Frau... wer hätte jemals gedacht, dass Edward Cullen eines Tages eine verdammte Frau haben würde?

„Du solltest etwas essen“, sagte sie leise, ihr Lächeln wurde schelmisch und sie wandte sich wieder ihrem Teller zu. „Du brauchst deine Kraft für später.“

Ich stöhnte über ihre Andeutung, hob meine Gabel wieder und spießte ein Stück Fleisch von meinem Teller auf. Es war wohl irgendwas ähnliches wie beschissenes Schweinefleisch, aber ich war mir nicht ganz sicher. Esme hatte das Catering für uns in die Hand genommen, da weder Isabella noch ich wirklich viel mit dem Formalitäten des Empfangs im Sinn gehabt hatten. Eigentlich war ich dafür gewesen Pizza zu bestellen, an der sich die Bande dann selbst hätte bedienen können, aber offenbar hatten die Flachwichser das nicht drauf. „Mach dir keine Sorgen, Bella. Ich habe massig Kraft für dich.“

„Oh, ich mache mir keine Sorgen“, sagte sie und nahm einen Bissen. „Ich erinnere mich an einen bestimmten Glückskeks, der mir versprochen hat, dass du mich nicht enttäuschen wirst.“

Ich lachte und begann zu essen, fühlte mich gleich viel besser. Das Zittern verschwand jedes mal wieder, aber die Gedanken lauerten in meinem Hinterkopf. Mit dem Trinken war ich wirklich außer Kontrolle geraten, aber erst nach Carlisles Geburt war mir bewusst geworden, wie schlimm es wirklich war. Ich konnte die Hälfte der Zeit kaum geradeaus denken und meine Launen wechselten so unberechenbar, dass mir klar war, wie schwer Isabella es am Anfang mit mir gehabt haben musste. Ich hatte versucht, es auf meine Trauer abzuwälzen, dachte, sobald ich alles verarbeitet hatte und die Dinge sich beruhigt hätten, würde sich mein Verhalten normalisieren, aber das tat es nicht. Es wurde nur noch schlimmer.

Es war der Tag vor meinem einundzwanzigsten Geburtstag im Juni 2009, als es schließlich zur Krise kam. Ich war betrunken, wie verdammt immer, und wurde von Alec beauftragt, mich zusammen mit einem Geldeintreiber um einen Buchmacher zu kümmern, der nicht bezahlt hatte. Normalerweise machte der Geldeintreiber das allein, es war ja schließlich sein verdammter Job, sich um diesen Scheiß zu kümmern, aber Alec hatte mich testen wollen, um zu sehen, ob ich allein mit den Buchmachern klarkam. Ich war entschlossen mich zu beweisen und ihn wegen meiner Fortschritte stolz auf mich zu machen, aber natürlich ging das furchtbar in die Hose. Sobald ich dem Kerl gegenüberstand, geriet er in Panik, gab mir eins auf die verdammte Nase und rannte weg.

Der Geldeintreiber fing ihn ein und schlug ihn zusammen, aber ich war einfach nur nutzlos. Vom Alkohol und den sengenden Schmerzen völlig benommen, stieg ich in mein Auto, lehnte meine Stirn an das Lenkrad und schloss im Versuch, alles Geschehene abzublocken, meine Augen. Die Zeit verlor jede Bedeutung für mich, es konnten Sekunden, Minuten oder sogar gottverdammte Stunden gewesen sein, die ich dort wie besinnungslos saß. Das nächste, woran ich mich erinnerte, war ein Klopfen am Fenster, und ich öffnete meine Augen, um das Letzte zu sehen, was ich in diesem verdammten Moment sehen wollte... blitzende blaue Lichter.

Ich war immer noch minderjährig, betrunken und saß, mit einer halbleeren Flasche Grey Goose neben mir auf dem Beifahrersitz, hinter dem Steuer eines Autos. Außerdem hatte ich eine geladene Pistole mit abgefeilter Seriennummer bei mir, die ich versteckt gehalten hatte und die in Chicago nicht registriert war. Sie sperrten mich ein und ich verbrachte die Nacht in einer Zelle, eingebuchtet wegen zwei Gesetzesübertretungen und drei Verstößen gegen das Waffengesetz. Zusammen mit zwei Dutzend angriffslustigen Arschlöchern in einer Zelle sitzend wurde ich einundzwanzig und wartete wegen der  Kaution auf den Richter.

Ich konnte Isabella nicht anrufen, damit sie mich abholte, denn der kleine C. übernachtete bei uns, weil Rosalie und Emmett ihren ersten Hochzeitstag feierten, also rief ich widerstrebend Esme an. Meine Kaution wurde schließlich festgesetzt und um fünf Uhr morgens konnte ich endlich gehen. Ich erwartete draußen meine besorgte Tante vorzufinden, wurde aber statt dessen von einem sehr angepissten Alec empfangen. Während der ganzen Fahrt nach Hause sagte er nicht ein verdammtes Wort zu mir, aber er stand so unter Strom, dass ich seine Wut praktisch spüren konnte. Ich lief Gefahr, das zu verlieren, auf das ich hingearbeitet hatte, wusste, er konnte mir den verdammten Job in Vegas wieder wegnehmen, bevor ich ihn überhaupt angetreten hatte. Wenn ich hier nicht mit armseligen Buchmachern klarkam, würde er mir auf keinen Fall alle Konzessionen dort unten anvertrauen.

Alec bremste vor meinem Haus, die Schuld fraß an mir, als er sich weigerte, mich anzusehen oder auch nur zur Kenntnis zu nehmen, dass ich überhaupt im Auto saß. Ich stieg aus und ging langsam ins Haus, mein erster Weg führte mich in die Küche, wo ich den Gefrierschrank öffnete und die eiskalte Wodkaflasche herauszog. Zögernd trank ich einen großen Schluck, leerte mit einem Zug fast die halbe Flasche und erlaubte dem Brennen in meiner Kehle die Schmerzen zu mildern, die ich verspürte. Während der Alkohol sich langsam in meinem Körper ausbreitete, starrte ich auf die Flasche in meiner Hand, drehte sie dann seufzend um und leerte sie in der Spüle aus.

Ich ging die Treppe hinauf, betrat unser Schlafzimmer und fand Isabella dort schlafend vor, der kleine C. lag still neben ihr. Er war wach und starrte zur dunklen Decke hinauf, doch als ich auf das Bett zutrat, wanderte  sein Blick in meine Richtung. Unsere Augen trafen sich und begeistert, ein bekanntes Gesicht zu sehen,  lächelte er und begann unverständliches Zeugs zu brabbeln. Grinsend beobachtete ich ihn und ich hatte das Gefühl, meine verdammte Brust müsse jeden Moment platzen.

Genau in diesem Moment, als ich den kleinen Jungen beobachtete, der so glücklich war, mich zu sehen, beschloss ich, mit dem Alkohol ein für alle mal fertig zu sein. Er war es nicht wert und ich schwor, ich würde nie wieder einen Schluck trinken, ganz egal, wie sehr ich es wollte.

Selbstverständlich war das eine verdammte Lüge, denn natürlich hatte ich ein paar Rückfälle gehabt, die gewöhnlicherweise darin resultierten, dass Alec meinen besoffenen Arsch irgendwo aufsammeln musste, aber ich tat mein Bestes und mit der Zeit wurde es leichter. Mr. Ricci hatte die meisten Anklagen gegen mich abschmettern können, aber was den Besitz einer unregistrierten Knarre betraf, kamen sie mir keinen Millimeter entgegen. Ich war jetzt ein überführter Straftäter und das nicht, weil man mich beim Stehlen erwischt oder weil ich in Erfüllung meiner Pflichten jemanden verletzt hatte. Nein, ich war aus verdammter Blödheit vorbestraft. Ich hatte jetzt für alle Zeiten einen schwarzen Fleck auf meiner weißen Weste, und für diesen Scheiß konnte ich niemand anderem die Schuld geben außer mir selbst.

Ein weiteres Mal legte ich meine Gabel hin, schob meinen Teller zu Seite und griff nach meinem Saftglas. Ich trank gerade, als Emmett neben mit aufstand, seinen Stuhl zurückschob und sein Glas hob. Er nahm seine Gabel und tippte damit an sein Glas, machte so alle auf sich aufmerksam. „Ich denke mal, jeder hier weiß, wer ich bin, aber falls nicht, mein Name ist Emmett. Ich bin Edwards älterer und klügerer Bruder, auch wenn er das niemals zugeben würde. Er hat jedenfalls zugelassen, dass ich sein Trauzeuge bin und in dieser Rolle ist es meine Pflicht, hier zu stehen und zu versuchen ihn in Verlegenheit zu bringen“, begann er. Stöhnend stellte ich mein Glas ab und schüttelte meinen Kopf. Ich hatte ihm gesagt, eine Rede zu halten wäre nicht notwendig, aber ich hätte es besser wissen müssen...

Emmett würde sich niemals die Gelegenheit entgehen lassen mich zu ärgern. „Es gibt so vieles, was ich über meinen kleinen Bruder sagen könnte, so viele Worte ihn zu beschreiben, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll. Er ist stur, dumm, pingelig, launisch, mürrisch, urteilt schnell und reagiert sogar noch schneller. Außerdem bin ich der Ansicht dass er auch ganz schön hässlich ist und nicht weiß, wie er seine Haare kämmen soll, aber das ist nur meine persönliche Meinung.“

„Fick dich“, murmelte ich und fuhr gedankenlos mit einer Hand durch meine Haare. Sie standen noch mehr ab als vorher und Emmett stieß mich kichernd an, als alle anderen zu lachen begannen. „Ich vergaß zu erwähnen, dass er einen dreckigen Mund hat, was ihr heute alle miterleben durftet. Der Priester segnet wahrscheinlich gerade die Kirche neu ein, nachdem er sie entweiht hat“, sagte er scherzhaft, obwohl ich den Scheiß überhaupt nicht lustig fand. „Einige von Edwards nicht so bekannten Eigenschaften sind, dass er die Menschen, die er liebt, beschützt, und dass er für das kämpft, woran er glaubt. Es hat den Anschein, als wäre er extrem selbstsüchtig, aber in Wahrheit ist er der wahrscheinlich selbstloseste Mann, den ich kenne. Er ist bereit sich aufzuopfern, wenn er es für die einzige Lösung hält, wenngleich ich weiß, dass es das letzte ist, was er wirklich tun möchte. Wie ich vor einer Minute sagte, er kann sehr stur sein.

Und dann ist dort Isabella, die die geduldigste lebende Person auf diesem Planeten sein muss, um es mit ihm aufnehmen zu können. So stark und talentiert, so charmant und wunderschön. Zu Anfang schienen sie und Edward wie Feuer und Wasser zu sein, das schüchterne naive Mädchen, das alles zum ersten Mal erlebte, und der abgestumpfte rücksichtslose Junge, den alles ankotzte. Wir alle erwarteten Konflikte und Probleme, weil sie so verschieden waren. Ich nehme an, niemand von uns hätte vorhersagen können, dass diese zwei Menschen, die von zwei total verschiedenen Seiten des Spektrums kommen, in der Lagen wären, sich irgendwo in der Mitte zu treffen und Gemeinsamkeiten zu finden, aber genau das taten sie. Er half ihr, sich zu öffnen und zeigte ihr, was draußen in der Welt auf sie wartete, und sie beruhigte ihn und brachte ihm bei, dass es immer noch Dinge gibt, wegen denen es sich zu leben lohnt. Sie brachten sich ins Gleichgewicht, fanden ihren Frieden ineinander, und zusammen schafften sie es, ihre Liebe zueinander zu finden. Ich weiß, es klingt kitschig, ich komme mir vor, als zitiere ich aus einem verdammten Julia Roberts-Film oder so, aber es ist die Wahrheit. Was sie haben, ist etwas ganz Seltenes.“

Ich schaute Bella an und sie nahm unter dem Tisch lächelnd meine Hand in ihre, als Emmett fortfuhr.

„Ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber in der High School war mein Bruder berüchtigt. Er war sowas wie ein heißer Football Spieler, der berühmte Quarterback. Dieser Scheiß ist ihm ein wenig zu Kopf gestiegen, er dachte, er wäre unbesiegbar, aber ich gebe zu, er war ganz gut“, sagte er. „Ich will hier nicht klischeehaft oder so erscheinen, aber eins hat mich meine eigene Ehe gelehrt, eine Beziehung ist in vielerlei Hinsicht wie  Football. Es ist ein Teamsport, und man muss zusammenarbeiten, um erfolgreich zu sein. Es gibt Höhen und Tiefen, gute Spiele und schlechte Entscheidungen, und wenn man das Spielfeld betreten will, muss man bereit sein, das Spiel zu spielen. Man lernt, während man handelt, achtet darauf, wie die andere Seite arbeitet, und passt sich dem an. Große Fehler werden mit der Bank bestraft, und je nachdem, wie sehr man es verbockt hat, kann es einem ein Vermögen kosten, bevor man wieder die Erlaubnis bekommt auf das Spielfeld zurückzukehren. Es werden immer Gegner da sein, Leute, die versuchen, einen aus dem Spiel zu kicken, aber am Ende des Ganzen ist man glücklich, man endet mit einem netten Ring am Finger. Aber damit ist es noch nicht vorbei, wisst ihr. Denn dann beginnt die Realität, und für den Rest seines Lebens wird man versuchen, jedem zu beweisen, dass man zu gewinnen verdient hat. Dass man, allem voraus, verdient hat, diesen Ring zu tragen.“

Er hielt inne und kicherte in sich hinein, ehe er weitersprach. „Doch ganz egal, was geschieht, ganz egal, was man tut, es ist wichtig für beide, so viele Punkte zu erzielen, wie man kann. Ohne diese Punkte ist alles nur verschwendete Zeit.“

Ich gluckste, als Rosalie ihre Serviette hochnahm und sie augenrollend nach Emmett warf. Er lachte und warf ihr spielerisch eine Kusshand zu, dann setzte er seine Rede fort. „Ich glaube, ich sollte mich jetzt kurz fassen. Meine alte Dame wirft schon die gelbe Karte nach mir“, scherzte er und hielt sein Glas in die Höhe. „So, im Namen meiner Frau Rosalie und mir, möchte ich einen Toast auf meinen Bruder und seiner neuen Frau Izzy Bizzy aussprechen – einer der schönsten, süßesten, bescheidensten, bodenständigsten und talentiertesten Frauen, die jemals geboren wurden. Mögen sie in der Zukunft massenhaft Punkte machen. Auf Edward, der es nicht besser, und auf Isabella, die es, offen gesagt, nicht schlimmer hätte treffen können.“

Alle hoben ihre Gläser und toasteten uns zu und ich lehnte mich vor, um Isabella zu küssen, als der DJ das Wort ergriff. Er kündigte an, dass es Zeit für unseren ersten Tanz war und Panik blitzte in Isabellas Augen auf, als ich aufstand und meine Jacke auszog. Sie stand neben mir auf und zögerte, bevor sie sich von mir auf die leere Tanzfläche führen ließ. Ich bemerkte ihre verdammte Anspannung, ihr war klar, jeder im Saal beobachtete uns, aber sie versuchte ihr Bestes, sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Als 18th Floor Balcony zu spielen begann, zog ich sie an mich, meine Hände auf ihren Hüften führten sie, als wir anfingen uns zu der Musik zu bewegen. Leise sang ich die Worte mit, meine Stimme war gerade laut genug, dass sie sie hören konnte, und spürte, wie sie sich fast sofort entspannte. Sie starrte in meine Augen, ihre Arme lagen auf meinen Schultern und ihre Finger spielten mit den Haaren in meinem Nacken. Ich sah die Tränen, die sie zurückkämpfte, ihre Augen funkelten im Licht. Sie sah glücklicher aus als jemals zuvor, und es war atemberaubend, dass ich verdammt nochmal dafür verantwortlich war. Ich war derjenige, der sie glücklich machte.

„Ich liebe dich“, sagte ich leise.

„Ich weiß“, erwiderte sie, ihr Lächeln wuchs. „Ich liebe dich auch.“

„Gut“, sagte ich grinsend. Ich würde niemals müde werden, sie dies sagen zu hören, dessen war ich mir sicher. „Tut mir leid, dass ich die Zeremonie vermasselt habe. Ich schätze, dieser Scheiß ist nicht so einfach wie er aussieht.“

„Sei nicht dumm. Du hast nichts vermasselt.“

„Ich habe vor dem Priester geflucht, Bella“, verkündete ich und lachte trocken. „Ich habe das dritte Gebot gebrochen. Oder vielleicht war es auch das zweite...  ich kann mich nicht erinnern, verdammt.“

„Es ist das dritte“, sagte sie. „Und es ist wirklich keine große Sache. Ich meine, es ist nicht das erste Gebot,  das du gebrochen hast, und ich bin mir sicher, es  wird auch nicht das letzte sein.“

„Soll ich mich jetzt besser fühlen?“, fragte ich lachend, als sie lässig mit den Schultern zuckte. „Yeah, jedenfalls habe ich, mitten in einer katholischen Kirche stehend, kein anderes Gebot gebrochen.“

„Das ist wahr, aber es hätte schlimmer sein können“, sagte sie. „Zumindest hast du es durch die ganze Zeremonie geschafft, ohne das F Wort zu sagen.“

„Erst zum zweiten Mal in meinem Leben“, murmelte ich.

„Ganz genau, also solltest du stolz auf dich sein. Das ist eine ziemliche Leistung“, scherzte sie.

„Lustig“, sagte ich sarkastisch. „Ich wollte den Scheiß einfach nur richtig machen, weißt du.“

„Du hast es richtig gemacht“, beharrte sie. „Das warst einfach du, Edward. Ich hätte es nicht anders haben wollen.“

Bevor ich die Chance auf eine Antwort hatte, endete der Song und alle anderen fanden sich auf der Tanzfläche ein. Jasper schnappte sich sofort Isabella, um mit ihr zu tanzen, und Alice nahm ohne zu zögern ihren Platz vor mir ein, quasselte zwei Songs lang über allen möglichen Hochzeits-Bullshit. Beim dritten Song klaute ich mir Isabella zurück, wollte ich doch mit meiner verdammten Braut zusammen sein, und wir tanzten für eine Weile, bis es an der Zeit war, die Torte anzuschneiden. Diese Affäre war ein Desaster und entwickelte sich zu einer ausgewachsenen Tortenschlacht, bei der wir mit Zuckerguss um uns warfen und versuchten, uns gegenseitig Tortenstücke ins Gesicht zu schleudern. Der größte Teil der Torte landete auf der Hochzeitsgesellschaft statt in deren verfluchten Mägen, aber wir gaben wirklich einen Scheiß darum, sondern lachten und rangen miteinander.

Danach säuberten wir uns so gut es ging, und ich nahm meinen Platz am Kopf des Tisches ein, währenddessen Isabella sich vorbereitete, ihren Brautstrauß zu werfen. Jasper setzte sich neben mich, und Emmett leistete uns kurze Zeit später Gesellschaft, stopfte sich immer noch verfluchte Torte in sein Gesicht.

„Darf ich dir eine Frage stellen?“, fragte Jasper. Ich sah ihn neugierig an und nickte. „Wieso hast du dich für so eine große Hochzeit entschieden? Dies scheint nicht wirklich zu euch beiden zu passen.“

„Und ehrlich, Brüderchen, eine katholische Hochzeit?“, fiel Emmett ein, seine Worte klangen gedämpft, weil er seinen verdammten Mund voll hatte. „Hast du vorher gebeichtet? Ich wette, das hat Stunden gedauert.“

„Fick dich“, spie ich, schubste ihn nach hinten und schlug ihm dabei die Torte von der Gabel. Er keuchte voller Entsetzen auf, als der Kuchen zu Boden segelte, und schubste mich zurück. Er stand auf und verschwand leise vor sich hinbrummelnd, um sich ein neues Stück zu holen, und ich drehte mich zu Jasper. „Wir haben tatsächlich überlegt heimlich zu heiraten. Sie sagte, ich könne einfach mit ihr nach Vegas fahren, und wir würden es dort tun, aber es fühlte sich nicht richtig an. Ich konnte sie  einfach nicht zu irgendeiner 'drive-through'  Hochzeitskapelle bringen. Sie hat ihr ganzes Leben von einer tollen Hochzeit geträumt und ich konnte nicht zulassen, dass ihre Erinnerung daran von einem fetten Trottel in einem Elvis-Kostüm getrübt wird.“

„Macht Sinn“, erwiderte Jasper. Ich dachte immer, ihr würdet wie Mom und Dad heiraten... etwas kleines, intimes, vielleicht daheim mit der Familie.“

„Ja, auch darüber haben wir nachgedacht“, sagte ich. „Doch diese große Hochzeit war meine Idee. Nichts an uns ist traditionell, und ich wollte zumindest das hier haben, diese eine Sache, damit wir sagen können, wir haben den Scheiß richtig gemacht. Und offen gestanden wollte ich, dass die ganze Welt es sieht. Ich wollte, dass jeder Flachwichser, den wir irgendwann mal getroffen haben, uns heiraten sieht. Sie hat ihr ganzes Leben im Verborgenen verbracht, im Glauben, andere Menschen würden sich ihrer schämen und sie für wertlos halten. Ich wollte, dass sie gesehen wird.“

Amüsiert über irgendetwas lächelte Jasper. Nervös fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare. „Ich weiß, das klingt wahrscheinlich verdammt bescheuert...“

„Nein, tut es nicht“, unterbrach er mich. „Es ist... ich weißt nicht... süß!“

„Ich werde dir mal sagen, was süß ist, diese verdammte Torte“, sagte Emmett, der sich wieder auf seinen Stuhl fallen ließ. „Habt ihr gesehen, wer den Brautstrauß gefangen hat?“

„Nein“, sagten wir beide und sahen zur gleichen Zeit auf die Tanzfläche. Ich fing an zu lachen, als ich Alice aufgeregt mit den weißen Rosen in ihren Händen herumhüpfen sah.

„Wir hätten eigentlich wissen sollen, dass es Alice sein würde“, sagte ich.

„Yeah, es ist schon ihr zweiter“, sagte Emmett. „Auf unserer Hochzeit hat sie den von Rosie gefangen. Sie wird erwarten, die nächste zu sein.“

„Das tut sie“, stimmte ich zu. „Warum zur Hölle dauert das bei euch so lange?“

„Ich wollte warten, bis wir mit der Uni fertig sind“, erwiderte Jasper achselzuckend.

„Jazz, du wirst noch die nächsten zehn verdammten Jahre studieren“, sagte ich. „Sie wird auf keinen Fall so lange warten wollen.“

„Wohl wahr“, lachte Emmett. „Wenn du es nicht bald tust, wird sie ungeduldig werden und einfach die Hochzeit planen, scheiß auf Verlobung.“

Die Mädchen gesellten sich wieder zu uns, Alice setzte sich auf Jaspers Schoß und wedelte freudig mit dem Brautstrauß vor seiner Nase herum. Glucksend stand ich auf und ging für ein Weilchen mit Isabella zurück auf die Tanzfläche, denn die Feier neigte sich so langsam dem Ende entgegen. Wir durchtanzten zwei weitere Lieder, dann wurden wir abermals unterbrochen, irgendetwas knallte direkt in uns hinein und verkeilte sich zwischen unseren Beinen. Abrupt blieben wir stehen und blickten herab, sahen Carlisle dort stehen, seine Haare waren wild durcheinander und sein Gesicht verschmiert. An seinen Händen klebte Torte und ich sog scharf Luft ein, als er sich an Isabellas Kleid klammerte und das ganze Unterteil beschmierte.

„Oh oh“, sagte Carlisle, begriff augenblicklich, was er getan hatte. Er fing an, an der Stelle herumzureiben, versuchte die Torte wegzuwischen, verschmierte sie allerdings nur noch mehr.

„Ist schon in Ordnung“, meinte Isabella und ging neben ihm in die Hocke. „Onkel Edward hat mich mit mehr Torte bekleckert als du, und er hat es mit Absicht gemacht.“

„Ooohhh“, sagte er und sah mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Du Ärger!“

„Den habe ich“, erwiderte ich glucksend. „Und sie wird mich nachher ordentlich dafür bestrafen, keine Sorge. Ich werde ertragen, was auf mich zukommt.“

„Edward!“, keuchte Isabella und wurde rot, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Carlisle. „Möchtest du tanzen, kleiner Mann? Ich glaube, Onkel Edward muss sich abkühlen.“

Als Erwiderung lächelte er strahlend und sie nahm ihn in ihre Arme, hielt ihn fest und stand wieder auf. Ich gab beiden einen Kuss und machte mich auf den Weg zurück in den vorderen Teil des Raumes, blieb aber abrupt stehen, als ich Chelsea erblickte. Mit in ihrem Schoß gefalteten Händen saß sie an der Seite und starrte schweigend auf den Boden. Sie schien beleidigt zu sein, oder verärgert, oder vielleicht fühlte sie sich auch nur verdammt unwohl, der Punkt jedenfalls war, dass sie verloren wirkte und diese Scheiße gefiel mir gar nicht. Das Gefühl war mir viel zu vertraut.

Ich ging zu ihr und blieb direkt vor ihr stehen. Mit wachsamem Blick sah sie zu mir auf, als ich ihr meine Hand entgegenstreckte. „Möchtest du tanzen, sole?“

Ihr Gesicht erhellte sich, nickend nahm sie zaghaft meine Hand und stand auf. Ich führte sie auf die Tanzfläche wirbelte sie herum, schmunzelte, als sie anfing zu lachen. „Was ist eine sole?“, fragte sie.

„Die Sonne“, erwiderte ich. „Oder Sonnenschein, egal. So hat mich meine Mom immer genannt, als ich noch klein war... sie meinte, ich würde ihre Welt erstrahlen lassen.“

„Das ist süß“, sagte Chelsea mit einem fröhlichen Lächeln. „Wie nennt sie dich jetzt?“

Bei ihrer Frage spannte ich mich an, ich hatte sie nicht erwartet, und schüttelte langsam meinen Kopf. „Gar nicht. Sie, ähm... sie ist nicht mehr unter uns. Schon seit ich so alt war wie du nicht mehr.“

„Vermisst du sie?“, fragte sie aufrichtig interessiert.

„Ja“, sagte ich, „jeden Tag.“

„Ich vermisse meine nicht“, meinte Chelsea und schüttelte den Kopf bei diesem Gedanken. „Ich erinnere mich gar nicht an sie.“

„Nun, ich kannte deine nicht, aber sie kann kein so toller Mensch gewesen sein, wenn sie dich hat gehen lassen“, sagte ich. Meine Worte ließen ihr Lächeln noch breiter werden und erfreut, sie so glücklich zu sehen, wirbelte ich sie wieder herum. „Weißt du, du und ich haben einiges gemeinsam, Sonnenschein. Nachdem ich meine Mom verloren hatte, hat sich Esme auch um mich gekümmert.“

„Wirklich?“

„Yeah, eine Zeit lang war sie wie eine zweite Mom für mich.“

„Ich liebe Esme, sie ist eine tolle Mom“, sagte sie und hielt kurz inne, ehe sie mit leiser Stimme weitersprach. „Alec ist auch nett, aber er kann ziemlich erschreckend sein.“

Zustimmend nickend lachte ich, erinnerte mich daran, wie verflucht wahnsinnig er mich gemacht hatte, als ich noch jünger war. „Ja, das kann er“, entgegnete ich. „So ist Alec nun mal. Er ist harmlos, aber ehrlich gesagt... manchmal erschreckt er sogar mich.“

Sobald ich diese Worte ausgesprochen hatte, räusperte sich jemand hinter mir und ich drehte mich herum und erstarrte, als ich Alec dort stehen sah. Ich hatte ihn nicht kommen hören, was mich angesichts der Tatsache, dass er ein Talent dafür hatte, sich an andere Leute heranzuschleichen, verflucht nochmal nicht überraschte. Steif und mit ernstem Gesichtsausdruck starrte er mich an. „Sir?“

„Ich muss dich unter vier Augen sprechen, Edward“, sagte er, sein Tonfall glich seiner Miene.

„Jetzt?“, frage ich ungläubig. „Kann das nicht warten?“

„Nein, kann es nicht“, sagte er schlicht, drehte sich dann um und ging davon. Zögernd sah ich Chelsea an, ehe ich sie an Jasper übergab und Alec durch den Bankettsaal folgte. Ich spannte mich an, als er den Barbereich ansteuerte, und hielt meine Augen auf den Boden gerichtet. Sobald ich nach ihm den Raum betreten hatte, klopfte mein Herz wie wild. Wir schlängelten uns durch die Menschenmassen nach hinten zu einer schlichten Metalltür, die er öffnete und mir bedeutete, sie vor ihm zu durchschreiten. Wissend, dass ich keine andere Wahl hatte, gehorchte ich und trat in das kleine Zimmer und sah mich neugierig um, als er das Neonlicht an der Decke einschaltete. Augenblicklich erkannte ich, dass dies ein Lagerraum war, an den Wänden standen mit Schnapsflaschen überfüllte Metallregale, und dutzende Kartons standen überall herum. An der Seite stand ein einfacher Holztisch, metallene Klappstühle waren gegen die Wand gelehnt worden, daneben befand sich ein kleiner Mülleimer.

„Ist, ähm, etwas nicht in Ordnung?“, fragte ich. Der Anblick des Alkohols machte mich nur noch nervöser, als ich es ohnehin schon war. Meine Haut prickelte und plötzlich wurde mir heiß, ich fing an zu schwitzen.

„Nein“, antwortete er schlicht. Ich starrte ihn an, wartete darauf, dass er zu einer verdammten Erklärung ansetzte und mir sagte, warum wir hier waren, aber er gab kein weiteres Wort von sich. Er stand nur schweigend da und starrte mit ungeduldiger Miene auf seine Uhr. In meiner Panik dauerte es einen Moment, ehe mir dämmerte, dass wir auf jemanden warteten, und mit irritiert gerunzelter Stirn fragte ich mich, was zum Teufel so wichtig sein konnte, dass er mich an meinem Hochzeitstag damit aufhielt.

Etwa eine Minute später öffnete sich die Tür und ich sah zwei mir bekannte Männer herein kommen. Es waren Alecs Unterboss und der Consigliere, ehemalige Capos, die er, nachdem er vor knapp zwei Jahren die Organisation übernommen hatte, befördert hatte. Sie waren die Mächtigsten der Cosa Nostra und waren die wohl gefährlichsten Flachwichser Chicagos, wenn nicht sogar des ganzen Landes. Wenn es zu seiner Führung kam, schiss Alec nicht herum, rekrutierte nur die stärksten, cleversten und gefährlichsten Männer in die höchsten Positionen. Er achtete darauf, dass sein Gebiet geschützt und sein Geschäft sicher war, verräterisches Verhalten tolerierte er von niemandem.

Es gab bestimmte Regeln, von denen er erwartete, dass sie stets befolgt wurden, und bei diesem Scheiß führte er eine Nulltoleranz-Politik. Jeder, der sich widersetzte, sah sich augenblicklich Konsequenzen gegenüber. Zu Beginn war die Zahl der Überläufer enorm gewesen, in der einen Woche traten die Männer ein, nur um in der nächsten zu verschwinden, wenn sie es nicht schafften, in der Reihe zu bleiben, doch nach einiger Zeit wurde es ruhiger, denn die Leute kapierten, dass sie keine andere Wahl hatten, als zu tun was er sagte. Er hatte die Organisation sozusagen zurück zu ihren Wurzen geführt, zurück zu der Zeit, wo erwartet wurde, dass man sich in der Öffentlichkeit wie ein anständiger, respektabler Gentleman benahm und das Monster nur nach Einbruch der Nacht herausließ.

Dem Eid folgte er haargenau, bestrafte alle, die auch nur einen Teil davon missachteten. Jeder, der bewusst eine Frau oder ein Kind verletzte, wurde zu einem Sit Down einberufen. Das schloss auch den Besitz von Sklaven ein, der von Alec verboten worden war, sobald er die Macht übernommen hatte. Er schluckte keine der Ausreden, die ihm aufgetischt wurden, sagte, die ganze Situation wäre unnötig und brächte nur noch mehr Schwierigkeiten in unser Leben. Wenn man sich niemanden leisten konnte, der einem regelmäßig die Arbeit abnahm, dann musste man härter arbeiten und mehr Geld verdienen. Wenn man Bedenken hatte, jemanden in sein Haus zu lassen, weil er Geheimnisse entdecken könnte, dann war man zu gottverdammt auffällig. Jeder, der zu spät zu einem Treffen kam oder nicht pünktlich bezahlte, wurde zurechtgewiesen. Jeder, der dabei gesehen wurde, wie er mit einem unserer Rivalen oder der Polizei zusammen war, wurde zu einem Sit Down gerufen, um zu erklären, was zur Hölle das sollte. Fuck, jeder, der dabei erwischt wurde die Frau eines anderen zu vögeln, wurde zu einem Sit Down gerufen. Alles, was ihm als fragwürdiges Verhalten erschien, ganz egal, was zum Teufel es war, endete in einem Sit Down.

Und als ich hier in diesem Lagerraum stand und die Männer anstarrte, die mein Leben kontrollierten, fühlte es sich wie ein abgefucktes Sit Down an.

Nervös fing ich an zu stottern, sagte ihnen, ich hatte verdammt noch mal nicht tun wollen, was auch immer es war, das sie mir vorwerfen würden, doch Alec hob seine Hand und brachte mich zum Schweigen. Er griff in seinen Mantel und holte seine Knarre heraus, meine Gedanken rasten, als ich versuchte herauszufinden, was zur Hölle ich wohl falsch gemacht haben konnte. Alec ging zum Tisch und legte die Kanone darauf ab, dann griff er abermals in seinen Mantel und holte ein kleines Taschenmesser heraus. Langsam klappte er es auf und mit gerunzelter Stirn sah ich zu, wie er es neben der Knarre auf den Tisch legte. Irritiert sah ich die Waffen an, hatte keine Ahnung, was gerade geschah, denn so begann immer das Einführungsritual. Ich hatte mein eigenes durchlebt und einigen anderen beigewohnt, also war mir der Vorgang gut vertraut, aber ich hatte keinen Schimmer, warum er dies hier machte.

Alec nickte dem Consigliere zu, bedeutete ihm, dass es an der Zeit war anzufangen, doch dann räusperte der Mann sich. „Edward Cullen“, verkündete er mit erwartungsvollem Blick meinen Namen.

„Ja, Sir.“ Meine Stimme zitterte, egal, wie sehr ich mich bemühte sie ruhig zu halten.

„Du bist jetzt verheiratet“, sagte er das Offensichtliche aussprechend.

„Ja, Sir.“

„Liebst du deine Frau?“

„Ja.“

„Wäre ihr Leben in Gefahr, würdest du das deine opfern, um sie zu retten?“

„Selbstverständlich“, erwiderte ich und fragte mich, worauf zur Hölle er mir seiner Fragerei hinaus wollte. „Das habe ich und würde es wieder tun.“

„Vertraust du ihr?“

„Vollkommen.“

Er wandte sich ab und nickte Alec zu, der mir anzeigte, ich solle zu ihm an den Tisch kommen. „Cu è surdu, orbu e taci, campa cent'anni 'mpaci“, bekundete er, sobald ich neben ihm zum Stehen kam. „Es ist kein Club, dem wir angehören. Es ist ein Geheimbund... geheim ist das Schlüsselwort. La Cosa Nostra, diese unsere Sache, ist eine Lebensordnung. Es gibt nur einen Weg hinein und auf diesem bist du heute in diesen Raum gekommen – du hast ihn bereitwillig betreten. Aber genauso gibt es nur einen Weg hinaus, und zwar auf einer Bahre. Du hast den Schwur bereits geleistet, du kennst die Regeln und du kennst auch die Konsequenzen für das Brechen der Regeln. Plauderst du unsere Geheimnisse aus, stirbst du. Punkt.“

Er legte eine Pause ein und ich nickte, damit er wusste, dass ich ihm Gehör schenkte, auch wenn mir immer noch nicht klar war, was zur Hölle hier vor sich ging. Mir war schwindelig, mein Hals brannte und mein Magen spielte verrückt, weswegen es mir schwer fiel stillzustehen. Ich gab mir Mühe nicht zu zappeln, wollte nicht nervös erscheinen, obwohl diese Flachwichser nicht blöd waren... wie wussten, dass ich eine Scheißangst hatte.

„Jeder, der sich wegen eines anderen hilfesuchend an die Polizei wendet, ist entweder ein Idiot oder ein Feigling. Ein Mann, der sich ohne den Schutz anderer nicht selbst helfen kann, ist beides. Es ist ein Zeichen von Schwäche und du zeigst deine Schwachstellen niemals. Du lässt sie niemals glauben, sie könnten dir eins auswischen. Du schlägst deine eigenen Schlachten; du erwartest nicht, dass ein anderer deine Probleme löst. Wir führen dich nicht ein, damit wir dich beschützen können, wir führen dich ein, weil wir glauben, dass du dich selbst beschützen kannst und die La Cosa Nostra beschützen wirst. Verstehst du das?“

„Ja, Sir.“

„Isabella kennt unsere Geheimnisse. Sie hat unsere Gesichter gesehen und unsere Stimmen gehört. Sie kennt unsere Namen. Sie hat Dinge gesehen, die sie nicht hätte sehen sollen. Diese eine Frau kann die gesamte Organisation ins Wanken bringen, kann zerstören, was wir alle geschworen haben, mit unserem Leben zu beschützen, und doch vertraust du ihr, dass sie dies nicht tun wird. Ist das richtig?“

„Ja, Sir.“

„Würdest du bei deinem Leben darauf schwören? Würdest du beschwören, dass sie keine Gefahr für uns ist, dass unsere Geheimnisse bei ihr sicher sind?“

„Das würde ich.“

„Bist du bereit für Isabella zu bürgen?“


Meine Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln, als mir klar wurde, was verflucht er mich gerade fragte, und Erleichterung durchfloss mich. Beim Wort „bürgen“ entspannte ich mich zusehends.

„Absolut“, erwiderte ich nickend.

Alec nahm das Messer wieder vom Tisch und bedeutete mir, ihm meine rechte Hand zu geben. „Sprich mir nach... Ich, Edward Cullen, übernehme die Verantwortung für Isabella Marie Swan. Ich schwöre...“

„Cullen“, stellte ich richtig, unterbrach ihn, ohne nachzudenken. Seine Augen zogen sich zusammen und wieder spannte ich mich an, denn mir wurde klar, dass ich dies verdammt nochmal nicht hätte tun sollen. „Entschuldigung, Sir. Es ist nur, sie ist jetzt eine Cullen.“

„Das nehme ich wohl an. Cullen also“, sagte er scharf. Offensichtlich war er nicht erfreut, dass ich ungefragt gesprochen hatte. „Ich schwöre, dass sie die Omertà ehren wird und werde den Eid heute noch einmal für sie ablegen, weil sie es nicht kann, und für ihre Loyalität und ihr Schweigen garantieren.“

Ich wiederholte die Worte, er packte meine Hand und drehte die Handfläche nach oben. „Heute wirst du dein Blut für sie vergießen, um deine Verpflichtung zu besiegeln, und du weißt, sollte sie uns jemals verraten, wird auch dein restliches Blut vergossen werden. Du und sie, ihr sitzt im selben Boot. Verrät sie unsere Geheimnisse, stirbst du. Punkt.“

Er nahm das Messer und zog es diagonal über meine Handfläche, was mich aufheulen ließ. Sofort begann das Blut aus dem Schnitt zu rinnen. Er ballte meine Hand zu einer Faust und drückte fest zu. Dadurch schmerzte die Wunde nur noch mehr, sengende Schmerzen rasten durch meine Hand hinauf in meinen Arm.

„Dieses Treffen ist vorbei und hat nie stattgefunden“, sagte der Unterboss hinter Alec. Alec nickte zustimmend, woraufhin der Consigliere und der Unterboss die Tür öffneten, geschwind hinaus gingen und so schnell verschwanden, wie sie gekommen waren. Alec nahm einen kleinen weißen Lappen vom Regal und reichte ihn mir mit den Worten, ich solle ihn auf die Wunde drücken. Ich quetschte den Lappen in meine Hand und er machte sich auf den Weg zur Tür, blieb aber mit der Hand auf dem Knauf zögernd stehen.

„Als du mich gebeten hast, sie bei der Hochzeit zu dir zu führen, habe ich nicht nur zugestimmt, sie zum Altar zu geleiten“, sagte er und warf mir einen schnellen Blick zu. „Meinen Glückwunsch.“

*****

Behutsam bewegten sich meine Finger über die Tasten des Klaviers, leise Musik hallte durch das Zimmer. Es war eine bekannte Melodie, ein Lied, das ich auswendig konnte – Clair de Lune von Debussy. Seit ungefähr einem Jahrzehnt hatte ich das verdammte Lied nicht mehr gespielt, doch als ich hier in dem halbdunklen Zimmer saß und aus dem Fenster sah, von dem aus man die Stadt überblicken konnte, verspürte ich das plötzliche Verlangen es zu hören.

Aus dem Augenwinkel erhaschte ich eine Bewegung und sah mich um, meine Finger gerieten ins Stocken, als mein Blick auf Isabella fiel. Sie stand in der Lobby, hielt sich noch immer in der Nähe der Schlafzimmertür auf, durch die sie gerade gekommen war. Sie trug einen kurzen schwarzen Seidenmorgenmantel, der um die Taille zusammenbunden war, und schwarze Strümpfe bedeckten ihre Beine. Unter dem Mantel konnte ich einen Hauch des Strumpfhalters erkennen, an dem sie befestigt waren und stöhnte auf, der Anblick ließ meinen Schwanz unverzüglich hart werden. Ihr Haar war von dem Bad, das sie gerade genommen hatte, immer noch feucht und hing in losen Wellen herab, alle Spuren des Hochzeits-Makeups waren verschwunden. Sie war vollkommen natürlich und so gottverdammt schön, brauchte den ganzen anderen Scheiß nicht, um mich anzumachen.

„Hör nicht auf zu spielen“, sagte sie leise mit einem Anflug Nervosität in ihrer Stimme. Ich lächelte beruhigend und sah wieder auf die Klaviertasten, fing das Lied von vorn an, währenddessen sie ein paar Schritte in meine Richtung kam. Am Fenster blieb sie stehen und starrte hinaus, ihre Hand war an das Glas gedrückt.

„Es hat angefangen zu regnen.“

„Weißt du, Italiener glauben, dass es Glück bringt, wenn es am Hochzeitstag regnet“, sagte ich. „Sposa bagnata, sposa fortunata. Eine nasse Braut ist eine glückliche Braut.“

„Interessant“, sagte sie. „So wie du den Sonntag für unsere Hochzeit ausgesucht hast, weil es der glücklichste Tag der Woche sein soll?“

„Sowas in der Art“, erwiderte ich. Vielleicht war ich zu einem abergläubischen Idioten geworden, aber ich wusste schon immer, Vorsicht war besser als Nachsicht. Bei dem Leben, das wir lebten, brauchten wir all das gottverdammte Glück, das wir bekommen konnten, und wenn es half, einen bestimmten Tag für die Hochzeit auszusuchen oder für einen Sturm zu beten, dann war ich nicht zu stolz es zu versuchen. Jedenfalls konnte es verdammt nochmal nicht schaden.

„Nun, zu schade, dass wir heute nicht nass geworden sind“, sagte sie geistesabwesend. Vor Lachen vertat ich mich bei ein paar Noten und sie sah mich irritiert an.

„Keine Sorge, tesoro, unser Hochzeitstag ist noch nicht vorbei“, sagte ich. „Ich habe vor, dich noch oft nass zu machen, bevor die Nacht zu Ende ist.“

Augenrollend drehte sie sich wieder zum Fenster, damit ich ihre Röte nicht sehen konnte. „Ich komme einfach nicht darüber hinweg, wie wunderschön es hier ist“, murmelte sie. Wir waren im Peninsula Hotel in der Peninsula Suite mit Blick über den Lake Michigan. Es war beschissen teuer, aber es war auch das Beste des Besten und Isabella verdiente auf jeden Fall nur das Allerbeste.

„Nicht so wunderschön wie du“, entgegnete ich.

„So ein Charmeur“, meinte sie spielerisch. „In welcher Etage sind wir überhaupt?“

„In der Achtzehnten.“

„Ersthaft?“, fragte sie lachend. „Haben wir einen Balkon?“

„Öhm, yeah“, erwiderte ich, ohne einen Schimmer zu haben, warum sie mich das fragte, denn schließlich regnete es. „Genaugenommen ist es eine offene Terrasse mit Whirlpool.“

„Wow, also haben wir einen Whirlpool auf unserem 18th Floor Balcony im achtzehnten Stock?“

Mir dämmerte, was sie gesagt hatte, und ich gluckste - 18th Floor Balcony. „An diesen Scheiß habe ich nicht mal gedacht, als ich das Zimmer gebucht habe. Auf dieser Etage sind die besten Suiten.“

„Es passt“, erwiderte sie und kam auf mich zu. Ich spielte weiter und sah aus dem Augenwinkel, wie sie neben der Klavierbank stehen blieb. Langsam löste sie das Band, das ihren Morgenmantel zusammenhielt, und als sie den Stoff zu Boden gleiten ließ, warf ich ihr einen verblüfften Blick zu. Abermals kam die Musik ins Stocken, denn ich starrte sie an, sah das schwarze durchsichtige Tanktop und den dazu passenden String an ihr, keins von beiden ließ noch viel Platz für Fantasie.

Nicht, dass ich beschissene Fantasie brauchte... ich hatte mir jeden Zentimeter ihres Körpers eingeprägt.

„Fuck“, keuchte ich und schob die Bank ein Stück zurück, da sie sich zwischen mich und das Klavier quetschte. Ich schlang meine Arme um ihre Taille, sie kletterte auf meine Schoß und umfing mich mit ihren Beinen, sodass sie nun gegrätscht auf mir saß. Mit ihren Händen fuhr sie durch meine Haare, dann neigte sie sich für einen Kuss nach vorn. Ihre Augen schlossen sich, als sie ihre Lippen auf meine drückte. Sie fest umschlingend erwiderte ich ihren Kuss, ihre Lippen waren so weich und verdammt süß wie Erdbeeren.

Langsam wanderte ich mit meinen Händen ihren Rücken hinauf und sie schauderte, ihr Körper bebte unter meinen Berührungen. Ihr Atem kam stoßweise, schon jetzt war sie verflucht angetörnt, wand sich auf meinem Schoß und rieb sich an mir. Ich stöhnte, und mit jeder Bewegung ihrer Hüften wurde mein Schwanz noch härter, sehnte sich nach etwas gottverdammter Aufmerksamkeit und fing an in meiner Hose zu pulsieren. Durch den hauchdünnen Stoff ihrer Kleidung konnte ich ihre Wärme spüren, was nicht sonderlich dabei half ruhig zu bleiben. Ein Teil von mir schrie danach, mich genau jetzt in diesem verdammten Moment in sie zu versenken. Ich versuchte, dies zu ignorieren, schob diese Gedanken so gut ich konnte beiseite, um mich ganz auf sie konzentrieren zu können. Es ging um sie, nicht um mich. Sie bedeutete mir gottverdammt alles und das wollte ich ihr auch zeigen.

Sie sollte wissen, wie sehr ich sie verehrte, sie sollte fühlen, wie sehr ich sie verflucht nochmal liebte. Sie hatte sich mir bereitwillig vollkommen hingegeben... nicht weil ich alles war, das sie kannte, sondern weil ich alles war, das sie wollte. Von jedem gottverdammten Ort, zu dem sie hätte gehen, und von jedem, mit dem sie hätte zusammen sein können, hatte sie entschieden, mit mir zusammen zu sein, dort zu sein, wo ich war. Das bedeutete mir mehr, als ich jemals ausdrücken konnte, aber ich würde alles in meiner Macht stehende tun, um ihr zu beweisen, dass sie, indem sie mir diese Chance gab, es nicht verschissen hatte.

Sie fest in den Armen haltend erhob ich mich und sie schrie überrascht auf, als ich ihren Hintern auf dem Klavier absetzte. Ihre Füße landeten auf den Tasten und ließen zufällige Noten im Raum erklingen. Sie musterte mich achtsam, wie ich zwischen ihren Beinen stand, meine Hände auf ihre Knie legte und dann langsam über die Innenseiten ihrer Schenkel strich. Stöhnend warf sie den Kopf zurück, stützte sich rückwärts auf ihre Ellbogen.

La mia bella ragazza“, hauchte ich und fuhr mit meinen Händen wieder an ihren Schenkeln herab. Als nächstes öffnete ich die Clips ihres Strumpfhalters und zog langsam ihre Strümpfe nach unten. „Nein, streich den Scheiß. Das ist falsch. La mia bella donna. Du bist jetzt eine Frau, tesoro.

Meine Worte brachten sie zum Lächeln und sie entspannte sich, schloss ihre Augen und summte zufrieden. Ich zog ihr die Strümpfe ganz aus und ließ sie auf den Boden fallen, dann fuhr ich langsam mit einen Händen wieder ihr Beine hinauf, begann bei ihren Zehen und arbeitete mich bis ganz nach oben. Für eine Weile setzte ich diese Bewegung fort, liebkoste einfach ihre Haut, ehe ich meine Finger unter ihr Höschen gleiten ließ und daran zog. Sie hob ihre Hüften gerade genug, damit ich es nach unten ziehen konnte, warf auch dies auf den Boden und widmete mich wieder ihren Beinen. Sie stöhnte, mein Reizen machte sie verrückt vor Erwartung, aber ich hatte keine Eile und plante, jede gottverdammte Sekunde zu genießen.

Nach einem Moment strich ich über ihre Pussy, schmunzelnd bemerkte ich, wie feucht sie war. „Ich hab dir ja gesagt, du würdest nass werden“, sagte ich spielerisch und streichelte abermals ihre Beine. Sie stöhnte, als ich sie auseinander drückte und mich nach vorn neigte, mit meiner Nase über die Innenseite ihres Schenkels fuhr und zarte Küsse auf ihre Haut drückte. Sobald ich ihre Pussy erreichte, krallte sie ihre Hände in meine Haare und zog mein Gesicht noch näher an sich heran.

„Bitte“, wimmerte sie. Ein lautes Keuchen entwich ihr, als ich mit meiner Zunge sanft ihre Klit umkreiste. Mit zwei Fingern drang ich in sie sein und fing an, in sie zu stoßen, während ich jeden Zentimeter von ihr mit der Zunge liebkoste und das einzigartige Aroma schmeckte, das meine Bella war. Noch nie zuvor hatte ich eine andere Pussy gekostet, und würde das auch niemals, da war ich mir absolut sicher. Aber ich wagte zu behaupten, dass keine gottverdammt andere davon auch nur im entferntesten so gut schmecken würde wie ihre.

„Gott, ja“, stöhnte sie, bog ihren Rücken durch und drückte mich fester an sich, als ich anfing, an ihrer Klit zu saugen. Ich konnte nicht anders, als stolz darauf sein, wie verdammt energisch sie manchmal sein konnte. Was ihren Körper und ihre Bedürfnisse betraf, war sie absolut nicht schüchtern. Seit jenen Tagen in Forks, wo sie immer noch versucht hatte herauszufinden, wer sie wirklich war, hatten wir einen weiten Weg zurückgelegt. Nun wusste sie es und sie hatte keine Angst es zu zeigen. Für mich gab es nichts, das sexier war als ihr Selbstvertrauen.

Ich beschleunigte meine Bewegungen und krümmte meine Finger, versuchte ihren G-Punkt zu finden. Sobald ihre Beine anfingen zu beben, wusste ich, ich hatte ihn gefunden, also stieß ich meine Finger schneller in sie hinein und drückte meinen Mund fester auf sie. Meine Zunge attackierte ihre Klit und sie schrie auf und ihr Körper spannte sich an, als sie ihrem Orgasmus schnell näher kam. Sie packte meine Haare so fest, dass ich zusammenzuckte und mir sicher war, dass sie sie mir händeweise ausriss, während sie lustvoll explodierte. „Oh Gott, Edward“, schrie sie, hob ihre Hüften vom Klavier und bäumte sich auf. Ihre Füße krachten auf die Tasten, laut kreischende Klänge mischten sich unter ihre Schreie.

Ich machte weiter, bis sich ihr Körper wieder lockerte, die Anspannung von ihr wich und sie fast augenblicklich ihre Fäuste aus meinen Haaren löste. Ich nahm meine Lippen von ihrer Pussy und küsste wieder ihre Schenkel, setzte meine Fingerbewegungen in ihr langsam fort. Nach einer Weile wimmerte sie und ich erstarrte, denn sie fing an zu zittern und ich stand kurz vor einer Panikattacke. Ich dachte, sie würde weinen, war aber verblüfft, als stattdessen Lachen erklang, das durch den stillen Raum hallte.

„Was zur Hölle ist so lustig, tesoro?“, fragte ich, zog meine Finger aus ihr und streichelte erneut ihre Beine. Mein Ego wurde bei diesem Geräusch beinahe zerschmettert, denn Lachen war das Letzte, was meine Leckkünste hervorrufen sollten.

„Pretty Woman“, erwiderte sie immer noch lachend und richtete sich auf, um mich anzusehen.

„Was?“, fragte ich mir vor Verwirrung gerunzelter Stirn.

„Pretty Woman“, wiederholte sie lächelnd. „Du weißt schon, der Film. Das erinnert mich an eine Szene, in der die Figur, gespielt von Richard Gere, in der Hotellobby Klavier spielt und...“

„Jetzt warte mal eine gottverdammte Minute. Ich mache das, und du liegst da und denkst an einen beschissenen Film?“, fragte ich ungläubig. Verlegen lächelnd zuckte sie mit den Schultern und ich stöhnte frustriert. Ich umfasste ihre Hüften, hob sie vom Klavier und stellte sie schnell wieder auf ihre Füße. „Komm.“

Ich griff nach ihrer Hand und zog sie durch die Lobby. „Was ist bloß in dich gefahren?“, fragte sie erstaunt, wehrte sich aber nicht gegen mich.

„Ich denke mal, die wahre Frage ist, was in dich gefahren ist“, antwortete ich, „und die Antwort auf die Frage ist: ich. Keine Frau denkt an einen scheiß Kitschfilm wie Pretty Woman, nachdem ich sie zum Höhepunkt gebracht habe. Dieser Scheiß ist unakzeptabel. Ich muss das korrigieren.“

Auf dem Weg ins Schlafzimmer lachte sie, und dort angekommen schwang ich sie herum und zog sie an mich. Ich griff nach dem Saum ihres Tanktops und riss es ihr schnell vom Körper, ließ es zu unseren Füßen auf den Boden fallen. Während ich mein Hemd aufknöpfte und es zur Seite warf, öffnete sie ihren Strumpfhalter. Dann schlüpfte ich aus meinen Schuhen und sie begann an meinem Gürtel herumzufummeln, währenddessen zupfte mein Mund an der weichen Haut ihres Halses. Sobald sie meine Hose geöffnet hatte, zog sie sie zusammen mit meiner Boxer herunter. Ich streifte beides ab, schmiegte mich an sie und führte sie zum Bett, meine Lippen liebkosten jetzt ihre.

Sie kletterte auf das Bett, ich beugte mich über sie und spreizte ihre Beine weit genug, um mich zwischen ihnen niederzulassen. Meine Hände fuhren über ihren Körper und ich spürte die Gänsehaut, die sich auf ihrer Haut ausbreitete, ihr Atem kam stoßweise, als meine Fingerspitzen ihre Brüste liebkosten. Ich rollte ihre Nippel zwischen meinen Fingern und zog an ihnen, was sie in meinen Mund stöhnen ließ.

Meinen Kopf nach unten gebeugt nahm ich einen Nippel in meinen Mund und biss zart zu, meine Hände erforschten weiter ihren Körper. Sobald sie sich unter mir krümmte, nahm ich meinen Schwanz in die Hand und machte mich vor ihrem Eingang bereit. Ich wimmerte, denn meine Hand tat da, wo Alec mich geschnitten hatte, noch höllisch weh, aber ich ignorierte die Schmerzen, um Isabella nicht zu alarmieren. Ich hatte ihr erzählt, ich hätte mich an irgendeinem Glas geschnitten, aber da sie mir gedankt hatte, als sie meine Wunde mit Peroxid reinigte, war ich mir ziemlich sicher, dass sie es besser wusste.

Ich schob mich ein Stück in sie, nur so viel, dass meine Spitze hineinglitt, und meinen Namen wimmernd schlang sie ihre Arme um mich. „Willst du es, Baby?“, fragte ich leise und verteilte zarte Küsse über ihr Gesicht.

„Ja“, sagte sie atemlos.

„Sag's mir“, sagte ich und küsste mich an ihrer Kieferlinie entlang, bis ich ihr Ohr erreichte. „Sag mir, dass du mich willst.“

„Ich will dich“, sagte sie. „So sehr.“

„Sag mir, dass du mich liebst.“

„Ich liebe dich“, sagte ich, während ich mit der Zunge über ihr Ohrläppchen fuhr. „Mehr als alles andere.“

„Sag mir, wem du gehörst“, wisperte ich in ihr Ohr und brachte sie zum Schaudern, als mein Atem sie traf. Sie stöhnte laut und klammerte sich noch enger an mich, ihre Fingernägel gruben sich in die Haut auf meinem Rücken.

„Mir“, antwortete sie, in ihrer Stimme war absolut kein Zögern zu hören. Sie sprach voller Selbstbewusstsein, musste über diese gottverdammte Frage nicht einmal nachdenken. „Ich gehöre niemanden, außer mir selbst.“

„Das ist mein Mädchen“, sagte ich grinsend. Ihre Schreie hallten durch das Zimmer, als ich mich ganz in sie schob und mit einer Bewegung füllte. Ich begann langsam und bedächtig, aber es dauerte nicht lange, bis die Lust zwischen uns mich vorwärts stieß. Mein Tempo steigerte sich, meine Stöße wurden mit jeder vergehenden Minute schneller und heftiger. Ihre Pussy war warm und feucht und presste sich eng um meinen Schwanz. Sie war wie für mich gemacht, so geformt, dass wir perfekt zusammenpassten, und es war perfekt...

Perfekter, als jedes gottverdammte Ding, das ich vorher gefühlt hatte.

„Du fühlst dich so gut an“, sagte sie, ihr Atem kam stoßweise. Sie fuhr mit ihren Händen über meinen Rücken, ihre Nägel kratzten zart über meine Haut, bevor sie auf meinem Hintern innehielten. Sie umfasste meine Arschbacken und drückte zu, ich zog ihre Knie höher und spreizte ihre Beine weiter. Die leichte Veränderung der Position ließ mich tiefer in sie stoßen, und in dem Wissen, dass sie genau das wollte, begann ich härter in sie zu hämmern. Auch wenn sie es nicht immer aussprach, kannte ich ihre Signale und konnte immer ganz genau sagen, wie sie es wollte. Stöhnend warf sie ihren Kopf zurück und ich küsste ihren Hals, strich mit meiner Zunge über ihr Schlüsselbein. „Mehr.“

Ich versuchte noch tiefer zu kommen, aber das war in dieser Stellung unmöglich, also zog ich mich schnell aus ihr zurück und griff nach ihren Beinen. Ich legte sie über meine Schultern, hob dabei ihren Arsch hoch und legte mich wieder auf sie. Hart in sie stoßend presste ich meine Lippen auf ihre, füllte sie so tief ich nur konnte und sie stieß einen lusterfüllten Schrei aus. „Gott, ja, genau so“, schrie sie in meinen Mund, ihre Worte waren ein einziges Durcheinander, weil unsere Zungen sich immer wieder miteinander verschlangen.

Der Regen draußen wurde stärker, während ich mich in sie rammte, Donnerschläge rüttelten an den Fenstern. Stoßweise erhellten die Blitze das Zimmer, beleuchteten ihren blassen Körper in der Dunkelheit. Ihre Augen waren geschlossen und sie biss sich auf ihre Unterlippe, versuchte ihre Schreie zu unterdrücken, aber auch gegen ihren Willen entflohen sie ihrer Kehle. Ich hämmerte so verdammt hart in sie, dass es es kein Wunder gewesen wäre, wenn ich ihr die Hüfte ausgerenkt hätte. Mit Sicherheit würde sie blaue Flecken bekommen. Ich bemerkte, dass sie bald wieder kommen würde, ein weiterer Orgasmus baute sich schnell in ihr auf. Ich begann ihre Klit zu reiben und stieß weiter in sie, wollte fühlen, wie sie kam. Ihr Körper spannte sich an und sie schloss fest ihre Augen, ihr Gesicht verzog sich voller Lust, als sie ihr nächster Höhepunkt überkam.

Mit einem Aufschrei klammerte sie sich noch fester an mich und ich stöhnte laut, als ich spürte, wie die Wände ihrer Pussy um mich herum pulsierten. Ich behielt meine Geschwindigkeit bei, als die Lust durch ihren Körper schoss, aber sobald sie ihre Umklammerung löste, verlangsamte ich meine Bewegungen wieder. Dann richtete ich mich auf und ließ ihre Beine aufs Bett sinken, ehe ich mich vorsichtig auf sie legte, ich wollte die Wärme ihres Körpers wieder unter meinem spüren.

Ihre Augen öffnend starrte sie zu mir hoch, ihre Wangen waren gerötet und ihre Haut von einem feinen Schweißfilm überzogen. Ihre Händen fuhren zart über meinen Rücken, bevor sie über meine Haare strich, und ich stieß weiter in sie, jeder Stoß nun wieder bedächtig. Wir starrten einander in die Augen, während wir uns liebten, meine Hände liebkosten ihren Körper. „Ti amo”, flüsterte ich und drückte einen sanften Kuss auf ihre Lippen.Non posso immaginare di non averti nella mia vita, lo combatterò ogni giorno per essere I'uomo di vostri sogni."

Ich wusste, sie verstand nur einen Teil davon, aber das spielte keine Rolle, denn sie hatte das Gefühl dahinter erkannt... Ich liebte sie, verdammt noch mal. Ihre Lippen noch einmal küssend, fühlte ich den Druck in mir rasch ansteigen, ich wusste, ich würde jeden Moment kommen. Stöhnend beschleunigte ich meine Stöße wieder ein wenig und ihre Finger fuhren weiter durch meine Haare, was Schauer über meinen Rücken jagte. „Fuck, ich komme gleich“, keuchte ich und spürte, wie es in mir zu prickeln begann. Nach ein paar weiteren Stößen übermannte mich mein Orgasmus und ich stöhnte, als mein Schwanz zu pulsieren begann und die Lust mich überflutete. Ich presste meine Lippen auf ihre und küsste sie leidenschaftlich, während ich mich in ihr verströmte. Meine Arme eng um sie geschlungen lag ich nach einem Moment still auf ihr, das Zimmer wurde nur noch vom Geräusch des strömenden Regens und des grollenden Donners erfüllt. Ich konnte das Heben und Senken ihrer Brust fühlen, mit noch immer wie wild schlagendem Herzen klammerte sie sich an mich.

Zischend zog ich mich aus ihr zurück, vermisste sofort in ihrer Pussy zu sein. Mit meiner Hand fuhr ich durch meine schweißnassen Haare, legte ich mich stöhnend neben sie auf das Bett und zog sie in meine Arme. Sie schmiegte sich an meinen Hals und  schob ihr Bein über mich, ihre Hand streichelte den Haarstreifen auf meinem Bauch.

Nach einer Weile lachte sie und ich schloss seufzend meine Augen. „Bitte, sage mir, dass du nicht wieder an Pretty Woman denkst, Bella.“

„Genau genommen tue ich das“, sagte sie amüsiert, nicht eine Spur Scham in ihrer Stimme. Sie würde eines Tages mein verdammtes Todesurteil sein. „Ich habe nur gerade gedacht, dass der Typ aus Pretty Woman keine Konkurrenz für dich ist.“

„Na gut“, erwiderte ich grinsend und drückte einen Kuss auf ihren Kopf. „Ich lass dir den Scheiß dann mal durchgehen. Dieses Mal.“

„Dieses Mal?“

„Ja, dieses Mal“, schwor ich ihr. „Denn in ungefähr fünf Minuten starten wir die nächste Runde und ich habe nicht vor aufzuhören, bis du dich nicht einmal mehr daran erinnerst, dass dieses Arschloch überhaupt existiert.“

*******

„Bist du dir wegen der Scheiße wirklich sicher, Bella?“, fragte ich und sah sie skeptisch an.

„Ja, bin ich“, sagte sie hartnäckig nickend.

„Du weißt, sobald du das getan hast, kannst du es nicht wieder zurücknehmen“, sagte ich und fragte mich, ob ihr wirklich klar war, was zum Teufel sie da tun wollte. Theoretisch schien es so einfach zu sein und ich verstand ihre Beweggründe, aber es verdammt noch mal wirklich zu tun, war eine ganz andere Sache.

„Ich weiß das“, erwiderte sie und sah mich an, als sei ich bescheuert, obwohl ich langsam zu denken anfing, dass es genau anders herum war. „Und warum sollte ich es denn zurücknehmen wollen? Ich habe dir doch gesagt, ich bin mir sicher.“

„Fein“, sagte ich achselzuckend. Ich hatte mir wirklich alle Mühe gegeben es ihr auszureden, aber sie hatte in ihrer Entscheidung nicht gewankt. Ich würde es ihr auch nicht verbieten, denn es war ihr Leben und sie konnte machen, was sie wollte, aber war ich mir definitiv nicht so sicher, wie sie es war.

„Ich weiß nicht, warum du dich deswegen so anstellst“, sagte sie kopfschüttelnd. „Ich meine, eigentlich war das deine Idee.“

„Du bist verrückt“, sagte ich. Dessen war ich mir nun sicher... sie hatte ihren verdammten Verstand verloren.

„Bin ich nicht“, sagte sie nachdrücklich. „Du hast mir vor langer Zeit mal gesagt, dass ich es tun könnte, wenn ich es wollte, und ich habe mich entschieden, dass ich es jetzt will.“

Frustriert seufzte ich, wusste verdammt genau, dass sie Recht hatte, aber ich hatte nicht wirklich erwartet, dass sie auf mich hören würde. „Nun gut. Wenn es das ist, was du wirklich willst, dann machen wir es“, sagte ich und fuhr mir nervös mit einer Hand durch die Haare. „Himmel, ist das heiß hier draußen. Anfang September, verdammt noch mal, und ich schwitze mir die Eier ab.“

Sie lachte amüsiert, aber ich sah nichts Lustiges an dem, was ich gesagt hatte. Alec hatte mir zwei Wochen frei gegeben, sodass Isabella und ich einige Zeit zusammen verbringen konnten. Ich hatte ihr gesagt, sie könne sich jeden Ort der Welt aussuchen und ich würde mit ihr unsere Hochzeitsreise dorthin machen, damit sie alles bekam, was sie wollte. Ich schlug Hawaii vor, dachte, wir könnten mal in die beschissenen Tropen fahren, oder nach Italien, damit ich ihr die alte Kultur und andere Sachen zeigen konnte, aber sie wählte den letzten gottverdammten Ort, den ich von ihr erwartet hatte.

Die Hölle.

Okay, es war vielleicht nicht die richtige Hölle, aber es war so nahe dran, wie es nur möglich war, und sicher wie Scheiße fühlte es sich so an. Die Sonne briet uns und sogar mit meiner Sonnenbrille auf der Nase musste ich blinzeln, um etwas zu sehen. Die Luft war heiß und staubig und so trocken, dass sie in meiner Lunge brannte, wenn ich tief Luft holte.

Yeah, von allen gottverdammten Orten auf der Erde, hatte sie mich gebeten, sie nach Phoenix zu bringen.

„Weißt du, ich habe deiner Mutter versprochen, dich niemals hierher zurückzubringen“, sagte ich und runzelte die Stirn, als ich mich an unsere Unterhaltung erinnerte, kurz bevor sie sich das Leben genommen hatte. Sie hatte mich gebeten, Isabella von diesem Ort fernzuhalten, und mit dem Gedanken, dass wir nie einen verdammten Grund haben würden zurückzukehren, hatte ich es ihr geschworen. Offensichtlich hatte ich mich geirrt, aber versprochen war versprochen.

„Ich bin mir sicher, meine Mom würde es verstehen“, sagte sie.

„Du bist dir wegen einer ganzen Menge Scheiß sicher, oder?“, murmelte ich und schob meine Ärmel hoch. „Fuck, ich brauche was zu trinken.“

Sie warf mir einen ungläubigen Blick zu und stöhnend schüttelte ich meinen Kopf. „Wasser, Bella. Ich meine Wasser. Du weißt, verdammtes H2O?“, sagte ich und malte Gänsefüßchen in der Luft. „Ich trockne hier aus.“

Sie verdrehte ihre Augen. „Ich erinnere mich nicht, dass du beim letzten Mal, als wir hier waren, so viel gejammert hast“, sagte sie. „Wenn du so durstig bist... ich habe eine Flasche Wasser im Auto.“

Sie deutete mir an, ich sollte sie mir holen, und ich drehte mich um und ging die paar Schritte zu dem silbernen Volvo-Cabrio hinüber, den wir in der Nähe abgestellt hatten. Es war nicht mein beschissener Volvo, denn Alec hatte zugegeben, das Scheißteil in Kalifornien zerstört zu haben, aber es war so nahe dran wie nur möglich. Es war ein neueres Modell, eins von 2010, das wir für diese Fahrt gemietet hatten, nachdem wir in Arizona gelandet waren.

Fluchend riss ich die Tür auf, das Metall brannte auf meiner verdammten Hand, so hatte es sich von der Sonne aufgeheizt. Ich kämpfte gegen den Drang an, der verfluchten Karre einen Tritt zu verpassen, schaute mich statt dessen drinnen nach der Wasserflasche um und zuckte zusammen, als ich sie an meine Lippen setzte. Das Wasser war pisswarm und tat nichts, um meinen Durst zu löschen, was mich nur noch mehr ärgerte. Ich schaute zu Isabella hinüber und wollte gerade etwas sagen, denn es wäre verdammt noch mal nicht ich, wenn ich nicht über jedes gottverdammte Ding jammern würde, schwieg aber, als ich sah, was sie gerade tat. Sie hatte sich irgendwann von dem Fleck wegbewegt, auf dem sie die letzten zwanzig Minuten zugebracht hatte, und stand nun auf der Veranda des großen Farmhauses und starrte auf die Haustür. Ich legte die Wasserflasche ins Auto zurück und schlenderte dann zum Haus, um ihr auf der Veranda Gesellschaft zu leisten. „Möchtest du reingehen?“, fragte ich neugierig.

„Nein“, sagte sie schnell, ihr Ton klang entschieden.

„Warum nicht?“, fragte ich und hob fragend eine Braue. „Ich meine, alles, was drinnen steht, gehört dir. Vielleicht möchtest du etwas mitnehmen...?“

„Ich bin mir völlig sicher“, sagte sie mich unterbrechend. „Ich will nichts davon.“

„Na dann“, erwiderte ich achselzuckend. Wir standen noch einen Moment schweigend da, dann griff sie in ihre Tasche und holte eine Schachtel Streichhölzer heraus, die sie aus dem Hotel, in dem wir wohnten, mitgenommen hatte. Sie öffnete die Schachtel, zündete ein Streichholz an und warf es vor ihre Füße auf die Veranda. Obwohl ich es versuchte, konnte ich mein Lachen nicht zurückhalten und sah grinsend zu, wie das verdammte Ding einfach ausbrannte. Ich hatte Recht gehabt... Sie wusste wirklich nicht, was zum Teufel sie gerade tat.

Sie zündete ein weiteres Streichholz an und warf es neben das erste, aber auch das erlosch schnell. Mit ärgerlich verzogener Stirn blitzte sie mich an, als ich wieder lachte. „Bella, du kannst so ein verdammtes Streichholz nicht einfach nur hinwerfen“, sagte ich. Sie wirkte frustriert und sah mich an, als wolle sie mir meinen verfluchten Kopf abbeißen. „Du brauchst mehr als das, um diesen Riesenkasten abzubrennen, einen Brandbeschleuniger oder sowas.“

„Einen was?“

„Etwas Brenn- oder Entflammbares, etwas, das sich schnell entzündet. Mit Schaum funktioniert das gut oder mit etwas aus Korb, das brennt auch gut“, erwiderte ich. Eine Augenbraue hebend sah sie mich erwartungsvoll an. „Hast du schon viele Häuser niedergebrannt, Edward?“ (warum eigentlich Schaum? o.O Hab ich ja auch noch nicht gehört)

„Vielleicht“, antwortete ich und grinste achselzuckend. Obwohl ich in Wahrheit noch nie ein Haus niedergebrannt hatte, wenn man von dieser beschissenen Katastrophe vor ein paar Jahren im Reservat mal absah, aber ich hatte ein paar Mal dabei zugesehen und kannte die Grundbegriffe. Die Organisation war perfekt darin, Brandstiftung wie ein zufälliges Feuer aussehen zu lassen, und machte gelegentlich davon Gebrauch, um Spuren zu verwischen und alle Beweise zu vernichten, die zurückgelassen worden waren. Das Haus, in dem wir Aro zurückgelassen hatte, war direkt nach dem Vorfall mysteriöserweise niedergebrannt, Feuerwehrmänner hatten seinen Körper tot vorgefunden. Tatsächlich hatte das Haus schon in verdammten Flammen gestanden, bevor wir in dieser Nacht zuhause angekommen waren. Alec hatte es mir gegenüber nie zugegeben, aber ich wusste, dass dieser Flachwichser es angesteckt hatte... wahrscheinlich während Aro noch lebte.

Und wieder einmal, doppelt genäht hielt besser.

„Und mit Benzin?“, fragte sie. „Charles hatte hinter dem Haus immer ein paar Kanister.“

Ich schüttelte meinen Kopf. „Mit Benzin würde es klappen, aber es werden keine Kanister mehr da sein. Das ist Jahre her, Bella. Und es wäre schon längst verdunstet“, erwiderte ich und sah mich um. Meine Augen fielen auf das Auto und ich seufzte. „Geh und hole einen der Benzinkanister. Und ich brauche eine Art Schlauch oder einen Strumpf oder so etwas. Meinst du, du kannst so etwas finden?“

„Uh, yeah“, sagte sie und trat von der Veranda. Während sie um das Haus herumging, öffnete ich den Tankdeckel. Nach ein paar Minuten kam Isabella mit dem Scheiß zurück, nach dem ich gefragt hatte, unter ihrem Arm klemmte ein altes zerfleddertes Buch.

„Ich hab's aus der Scheune“, erklärte sie, als sie meinen Blick sah.

„Ich dachte, du wolltest nichts von den Dingen hier.“

„Will ich auch nicht“, sagte sie bestimmt und sah nervös auf das Buch hinunter. „Ich meine, uh... es ist irgendwie meins, denke ich. Es ist das Albert Schweitzer-Buch.“

„Oh“, sagte ich, mehr Erklärungen brauchte ich nicht. Dies war das Buch, das sie als Kind gestohlen hatte, das einzige, das sie jemals gelesen hatte, bevor sie zu uns gekommen war. Es sah aus, als würde es jeden Moment auseinanderfallen und es fehlten wahrscheinlich einige Seiten, aber ich verstand, warum sie daran hing. Es war so ziemlich die einzige Sache, mit der sie aufgewachsen war.

Ohne ein weiteres Wort steckte ich den Schlauch in den Benzintank, wollte kein großes Aufhebens darum machen, und brachte das andere Ende an meine Lippen. Isabella keuchte auf, sah entsetzt zu, wie ich an dem Schlauch saugte, aber ich schaffte es, meinen Mund schnell genug wegzuziehen und den Schlauch in den Benzinkanister zu stecken, bevor ich den Mund voll hatte.

Yeah, nicht zum ersten Mal füllte ich das Benzin eines Autos um.

Sobald genug im Kanister war, um den Scheiß in Gang zu setzen, zog ich den Schlauch heraus und ging zum Haus hinüber, um das Benzin auf der Veranda und rund um das Gebäude zu verschütten. „Die Scheune auch?“, fragte ich und sah sie neugierg an. Sie lächelte und schien ausgesprochen zufrieden mit sich selbst zu sein.

„Ja, bitte.“

Meinen Kopf schüttelnd goss ich den Rest des Benzins rund um die Scheune aus und stellte den leeren Kanister hinein. Als ich fertig war, ging ich zurück zu Isabella, die mit über der Brust verschränkten Armen an der Beifahrertür des Autos lehnte. „Jetzt wirf das verdammte Streichholz auf die Veranda, aber geh nicht zu nahe heran.“

Sie legte das Buch auf die Motorhaube des Autos, zündete auf das Haus zugehend ein Streichholz an und warf es auf die Veranda. Es flog auf eine kleine Benzinpfütze und der verdammte Scheiß entzündete sich sofort. Überrascht aufschreiend, weil sich die Flammen so schnell ausbreiteten, sprang sie zurück.  Mit einem befriedigten Grinsen drehte sie sich kurz zu mir um und warf dann ein weiteres Streichholz vor der Scheune auf den Boden. Als sie fertig war, kam sie zu mir herüber, lehnte sich neben mich an das Auto und beobachtete, wie das Feuer die Gebäude verzehrte.

„Dir ist klar, dass der Scheiß illegal ist, oder?“

„Was?“, fragte sie und sah mich an, als wäre ich verrückt geworden. „Wieso ist das illegal? Es gehört mir!“

„Yeah, es gehört dir, aber du kannst es nicht einfach abbrennen, verdammt noch mal.“

„Aber du hast mir gesagt, ich könnte es“, widerlegte sie mir.

„Das weiß ich, aber ich bin nicht gerade ein Paradebeispiel für einen gesetzestreuen Bürger, Bella. Es gibt Gesetze gegen den Scheiß.“

„Wie blöd“, sagte sie. „Es gehört mir, also sollte ich damit machen können, was ich will. Ich tue doch niemanden weh.“

„Das stimmt“, sagte ich achselzuckend. „Unglücklicherweise sieht die Polizei das nicht so. Brandstiftung ist eine Straftat.“

„Tut mir leid“, sagte sie stirnrunzelnd. „Mir war nicht klar, dass ich dich gebeten habe, im Urlaub ein Gesetz zu brechen.“

„Ist schon gut“, sagte ich, schlang meine Arme von hinten um sie und starrte mit ihr ins Feuer, was jetzt richtig aufloderte. „Wie heißt es so schön? 'Fährst du in Urlaub, erwischt dich kein Bewährungshelfer.' Dann weißt du, ob den Scheiß richtig machst.”

Sie lehnte sich entspannt an mich und lachte. „Nun, dann hoffen wir mal, dass wir nicht geschnappt werden.“

„Werden wir nicht. Bevor jemand den Rauch sieht und die Feuerwehr ruft, sind wir lange weg“, sagte ich. „Das Haus steht hier mitten im beschissenen Nirgendwo. In einem Umkreis von ein paar Meilen lebt niemand. Es ist sogar so isoliert hier, dass wir wahrscheinlich eine halbe gottverdammte Stadt ausradieren könnten, ohne dass es jemand bemerkt.

„Ernsthaft?“, fragte sie ungläubig.

„Hier draußen ist es verdammt trocken, tesoro. Der Scheiß kann leicht aus dem Ruder laufen.“

„Oh Gott, ich wollte doch keinen Flächenbrand auslösen, Edward! Ich wollte einfach nur das Haus loswerden“, sagte sie. „Vielleicht hätten wir das doch nicht tun sollen.“

„Wirklich Bella?“, fragte ich kopfschüttelnd. „Ich habe den ganzen scheiß Morgen nichts anderes gesagt. Aber du warst dir doch so sicher.“

„War ich, aber ich glaube, ich habe das wirklich nicht gut durchdacht“, sagte sie.

„Na ja, jetzt ist es zu spät“, sagte ich achselzuckend. „Wenn du dich dadurch besser fühlst, wenn wir gleich abhauen, rufen wir die 911 an und melden das Feuer, bevor es außer Kontrolle gerät.“

„Sie werden uns schnappen“, sagte sie und  biss sich nervös auf die Unterlippe.

„Nun, wenn das passiert, musst du die Schuld auf dich nehmen“, sagte ich spielerisch. „Ich bin bereits ein Verbrecher. Dann kannst du dich mir genau so gut anschließen.“

Kopfschüttelnd verdrehte sie ihre Augen. „Nein, du warst das, nicht ich. Du hast das Feuer gelegt.“

„Du hast mich darum gebeten“, erinnerte ich sie.

„Na ja, aber du hattest die Idee, erinnerst du dich?“, widerlegte sie meinen Einwand. „Außerdem habe ich nächste Woche Geburtstag. Du wirst doch nicht zulassen, dass ich meinen einundzwanzigsten Geburtstag im Gefängnis verbringen muss, oder?“

„Wieso nicht?“, fragte ich scherzhaft. „Musste ich auch.“

Ich grinste und warf kapitulierend meine Hände hoch, als sie mich anblitzte. Ich war jetzt eine Woche verheiratet und machte schon Zugeständnisse, aber ich wusste, dass ich dieses bekloppte Streitgespräch nicht gewinnen würde.

„Charles hat uns immer gesagt, dass wir beobachtet werden“, sagte sie offensichtlich immer noch besorgt. „Er erzählte uns, wir könnten hier nichts tun, ohne erwischt zu werden.“

„Tja, Charles war ein beschissener Lügner“, sagte ich, allein die Erwähnung seines Namens machte mich schon wütend. „Er hat euch den Scheiß nur erzählt, um euch Angst zu machen und damit ihr nicht versucht wegzurennen. Hier ist niemand, der uns beobachtet.“

Sie starrte ein paar Minuten ins Feuer, ehe sie seufzend zu der Baumreihe hinüber sah, die knappe 100 Meter weiter begann. Ihre Augen tasteten den Bereich ab, bevor sie an dem großen Felsen hängen blieben, vor dem ihre Mutter beerdigt worden war. „Willst du Hallo sagen gehen?“, fragte ich, unsicher was sie dachte. Sie schaute mich kurz an und richtete ihre Aufmerksamkeit dann wieder kopfschüttelnd auf das wütende Feuer.

„Meine Mutter ist nicht dort drüben“, sagte sie leise. Verwirrt über ihre Worte runzelte ich meine Stirn, ich war mir gottverdammt sicher, dass sie immer noch dort begraben war.  Wir hatten überlegt, ihre Überreste ausgraben und woanders beerdigen zu lassen, wenn möglich auf dem gleichen Friedhof wie ihre Eltern, aber schließlich hatte Isabella entschieden, sie nicht stören zu wollen. Sie hatte das Gefühl, ihre Mutter hätte endlich ihren Frieden gefunden und sollten sie ihn ihr nicht rauben.

„Wo ist sie dann?“ fragte ich. Ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen, und sie nahm meine Hand, um sie über ihrem Herzen auf ihre Brust zu legen.

„Sie ist hier.“

*****

Ich starrte auf das Blatt Papier in meiner Hand und überflog zum vielleicht millionsten Mal die Worte, die darauf geschrieben standen. Das Papier war zerknittert und vom vielen Falten voller Eselsohren. Manche der Worte waren unleserlich, weil ich sie hastig darauf gekritzelt hatte. Fast das ganze Blatt war vollgeschrieben und ein paar Reihen waren durchgestrichen, aber das meiste war stehengeblieben. Es schien mich zu verspotten, eine mahnende Erinnerung daran, was für ein unausstehlicher Scheißkerl ich den größten Teil meines Lebens gewesen war.

„Was machst du da?“

Ich zuckte zusammen und knüllte das Blatt in meiner Faust zusammen, die Stimme hinter mir hatte mich völlig unvorbereitet erwischt. „Himmel, Frau“, spie ich, als ich mich schnell umdrehte und Isabella auf der Veranda stehen sah. „Ich habe dich nicht herauskommen hören.“

„Ich habe mein Glöckchen wohl vergessen“, sagte sie sarkastisch, kam zu mir herüber und setzte sich neben mich auf die Stufe. „Die Fliegentür ist hinter mir zugeschlagen. Ich bin überrascht, dass du das nicht gehört hast. Was immer du gelesen hast, muss sehr interessant sein.“

Trocken auflachend schüttelte ich meinen Kopf und versuchte das Blatt zu glätten. „Drücken wir es mal so aus“, murmelte ich. „Das da ist meine sehr eigene Karma-Liste, Bella.“

„Karma-Liste?“ fragte sie verwirrt.

Yeah, kennst du die Sendung „My Name is Earl“? Er macht sich diese Liste fürs Karma“, versuchte ich zu erklären, doch sie sah mich weiter an, als spräche ich in einer beschissenen Fremdsprache. „Egal, vergiss es. Es ist nicht wichtig. Es ist eine Liste mit all den Menschen, denen ich in meinem Leben Unrecht getan habe. Jedenfalls die, an die ich mich erinnern kann.“

„Ah, einer der Schritte“, sagte sie, hatte endlich verstanden, wovon ich sprach. Schritt acht und neun der Anonymen Alkoholiker – erstelle eine Liste all der Menschen, denen du Unrecht getan hast, dann bring die Sache mit diesen Flachwichsern in Ordnung. An die beschissenen Zehn Gebote konnte ich mich nicht erinnern, aber ich kannte jetzt die zwölf verdammten Schritte auf dem Weg zur Nüchternheit. „Darf ich die Liste sehen oder ist das gegen die Regeln?“

Achselzuckend hielt ich ihr den Zettel hin, hatte ja nichts zu verbergen, war aber fast schon verflucht beschämt, als sie anfing die aufgelisteten Namen zu lesen. „Das ist verrückt, Edward. Das müssen an die fünfzig Namen sein! So viele Menschen kannst du gar nicht verletzt haben.“

„Hab ich aber“, murmelte ich und fuhr mir mit meiner Hand durch die Haare. Mit gesenktem Kopf musterte ich sie besorgt.

„Auf keinen Fall“, sagte sie kopfschüttelnd, während sie die Namen überflog. „Charles Nash?“

„Er war einer der Lehrer am Internat. In der ersten Woche habe ich die Scheiben seines Autos zertrümmert, weil er mich angepisst hat. Ich kann mich verdammt nochmal nicht mal erinnern, warum ich so wütend war.“

„Kevin Barrow?“

„Ich habe seine Verlobte gefickt.“

„Sara Porter?“

„An einem Abend bin ich betrunken Auto gefahren und habe ihren Briefkasten gerammt, hab das Scheißteil total über den Haufen gefahren. Es war einer von diesen schicken handbemalten Briefkästen.“

„Caroline McAllister?“

„Hab ihr Auto auf einem Parkplatz gerammt und mich einen Scheiß darum geschert. Natürlich war ich betrunken.“

„Joshua Sanders?“

„Ich hab ihm eine reingehauen, weil er Scheiße erzählt hat, und ihm dabei zwei Zähne ausgeschlagen“, erwiderte ich. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er tatsächlich nie ein Wort über mich verloren hat.“

„Aua“, murmelte sie schaudernd. „Anna Hart?“

Ich war ihr einen schnellen Blick zu und versuchte nicht zu lachen. Lachen hätte mich zu einem nur noch größeren Arschloch gemacht, trotzdem war es schwer, es zu unterdrücken. „Angry dragon.“

„Oh“, sagte sie. Ihr entsetzter Gesichtsausdruck verriet mir, dass sie sich genau daran erinnerte, was das war, was weitere Erklärungen überflüssig machte. „Lynette Harris?“

„Hab ich entjungfert“, entgegnete ich. Sie sah mich verwirrt an und ich schüttelte meinen Kopf, wollte es nicht erklären müssen. „Als ich im zweiten Jahr in der Highschool war, war sie im Abschlussjahr, und ich habe sie davon überzeugt, mir ihre Unschuld zu geben. Sie war ein braves Mädchen, fromme Katholikin, und ich war danach ein absoluter Arsch. Direkt nach dem Abschluss ist sie in einen Orden eingetreten. Ich habe ein schlechtes Gewissen wegen dieser Scheiße. Nonnen sollten doch Jungfrauen sein, richtig?“

Fragend sah ich sie an, war mir verdammt nochmal nicht ganz sicher, und sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, aber dafür kannst du dir nicht die Schuld geben“, sagte sie. „Ich meine, sie war dumm genug, Sex mit dir zu haben.“

Verblüfft lachend stupste ich sie spielerisch an. „Mensch, danke, Bella“, sagte ich. „Jetzt fühle ich mich auf jeden Fall besser.“

Sie errötete verlegen und kicherte, dann betrachtete sie wieder den Zettel. „Okay, dann hast du also einigen der Leute hier ein paar schlimme Dinge angetan, aber komm schon, Tanya Denali? Was hast du mit ihr gemacht?“

„An der Nase herumgeführt“, sagte ich achselzuckend.

„Oh, nun mach mal halblang“, meine sie. „Du kannst dich nicht bei jemandem entschuldigen, der die bewusste Entscheidung getroffen hat mit jemandem Sex zu habe, der eindeutig klargestellt hat, dass es nur um Sex ging.“

„Wenn du das sagst.“

„Das tue ich“, entgegnete sie und überflog weiter die Liste. „Was ist mit Billy Black? Warum steht er hier drauf?“

Ungläubig blickte ich sie an, denn sie wusste verdammt gut, was ich ihm angetan hatte. „Ich habe sein Haus abgefackelt und beinahe seinen Sohn in die Luft gejagt, Bella.“

„Ja, aber dafür hast du bezahlt“, erwiderte sie. „Er hat ein neues Haus bekommen. Du bist fortgegangen und dem Reservat ferngeblieben.“

„Das ging alles auf das Konto meines Vaters, und mit Sicherheit weißt du noch, dass ich an diesem einen Tag meinen Arsch trotzdem ins Reservat bewegt habe“, sagte ich. „Ich meine, fuck, ich habe ihm nie gesagt, dass es mir leid tut.“

„Tut es dir leid?“, fragte sie mit neugierig erhobenen Augenbrauen.

„Ja.“

„Dann okay“, sagte sie. „Du kannst aber Jacob nicht auf diese Liste setzen. Du kannst nicht etwas bei jemandem machen, der nicht mehr am Leben ist. Genauso dein Vater. Was denkst du, hast du deinem Vater angetan?“

„Da weiß ich nicht mal, wo ich anfangen soll“, murmelte ich.

„Nun, ich bin mir ziemlich sicher, dass er dir das alles längst vergeben hat“, sagte sie. Sie las ein paar weitere Namen, dann verspannte sie sich und runzelte verwirrt die Stirn. „Warte, warum stehe ich auf dieser Liste?“

„Ich habe dich verletzt“, sagte ich leise.

„Oh, jetzt bist du einfach nur noch albern, Edward Cullen“, erwiderte sie streng. „Deine Brüder auch? Und Alice und Rosalie? Du gehst zu hart mit dir ins Gericht.“

„Nein, gehe ich nicht“, sagte ich mit einem humorlosen Lachen. „Ich habe noch nicht mal die Leute drauf, die ich seit meiner Einführung verletzt habe.“

Seufzend gab sie mir mit einem Kopfschütteln die Liste zurück. „Wir machen alle Dinge, die wir lieber nicht tun würden, machen es aber trotzdem, weil wir es müssen. Es ist übel, wenn Leute unseretwegen verletzt werden, aber so ist das Leben, und wenn nichts Schlimmes geschehen würde, würde keiner von uns mehr das Gute wahrhaft zu schätzen wissen. Sicher, du hast einigen dieser Menschen weg getan. Die, dessen Sachen zu zerstört hast, die Mädchen, mit denen du Schlimmes angestellt hast, die Jungs, die du ohne Grund verprügelt hast... Ich verstehe, dass du das Gefühl hast, ihnen etwas schuldig zu sein. Du warst leichtfertig und hast sinnlos gehandelt. Aber du kannst dich nicht von deinen Schuldgefühlen kontrollieren lassen. Du tust dir damit nur genauso weh, wie du den andern weh getan hast, und das machst du nicht aus Gefühllosigkeit. Du hast keine Freude daran. Es heißt, entweder sie oder du, also ist das im Grunde genommen eine Art Selbstschutz. So sehe ich es jedenfalls. Ist das nicht genug?“

Bei ihren Worten faltete ich die Liste zusammen und steckte sie in meine Tasche. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich wahrheitsgemäß.

„Nun, es muss genug sein. Du kannst nicht den Rest deines Lebens damit verbringen, die schlechten Dinge, die du in der Vergangenheit getan hast, wieder gutmachen zu wollen, denn dann wirst du nur all das Gute verpassen, das in der Zukunft auf dich wartet“, entgegnete sie und stand auf. Sie lief über Rasen zu dem alten Metallbriefkasten an der Straße, öffnete ihn und sah hinein. Dann zog sie irgendetwas heraus, kam zurück und setzte sich wieder neben mich. Schweigend saßen wir für einige Minuten da, und während sie die Post betrachtete, es schien irgendeine Karte zu sein, sagte keiner von uns ein Wort.

Nach einer Weile klingelte das Telefon im Haus, Isabella stand erneut auf und ging hinein, um das Gespräch entgegenzunehmen. Die Fliegentür krachte laut hinter ihr und der Knall ließ mich zusammenzucken. Dann hob ich die Karte hoch, die sie auf der Treppenstufe hatte liegen lassen. Schmunzelnd betrachtete ich die Vorderseite, darauf war ein Bild einer verdammten Palme an einem Strand. Oceanside, Kalifornien stand am unteren Rand geschrieben und ich drehte die Karte herum, musste nicht mal die Absendeadresse lesen, um zu wissen, dass sie von Clara war.

Vor einem Jahr war sie zusammen mit Maggie, dem Mädchen, das aus Aros Haus gerettet worden war, weggezogen. Sie kannten sich schon von den Swans und hatten beschlossen, den nächsten Schritt ihres Lebens gemeinsam zu gehen, wollten jemanden um sich haben, der verdammt nochmal verstand, was sie durchgemacht hatten. Ich hatte ihnen einen Teil meines Erbes gegeben, damit sie sich keine Sorgen ums Geld machen mussten, und Maggie hatte obendrein einen Haufen beschissene Kohle aus Aros Vermögen als Entschädigung bekommen. Seine Frau war im Knast, wo sie eine achtjährige Haftstrafe für die Mittäterschaft bei Maggies Versklavung absaß. Sie wäre mit dem Scheiß davon gekommen, wäre Maggie nicht mutig genug gewesen auszusagen und ihre Leben zu riskieren, indem sie die Leute verriet, die ihr Schaden zugefügt hatten. Anfangs war ich deswegen besorgt gewesen, hatte befürchtet, sie würde verdammt nochmal für ihre Aussage getötet, aber Alec hatte gemeint, es bestünde kein Grund zur Sorge. Maggie hatte keines der Organisationsgeheimnisse verraten, die sie vielleicht hätte wissen können, was Alec mir anrechnete. Er meinte, es wäre meine Freundlichkeit ihr gegenüber gewesen, die sie dazu gebracht hatte, keinen von uns da mit reinzuziehen.

Nach wenigen Minuten knallte die Fliegentür abermals, Isabella kam zurück und setzte sich wieder auf die Stufe neben mich. „Das war Esme“, sagte sie und nahm mir die Postkarte ab, die ich ihr entgegenhielt. „Sie wollte wissen, wie wir uns einleben.“

Einleben. Sechs Wochen nach unserer Hochzeit hatte Alec mir offiziell die Kontrolle über Vegas übertragen. Isabella und ich packten unsere Sachen und heuerten eine Umzugsfirma an. Ich wusste, sie war froh von Chicago wegzukommen, weg vom Zentrum der Gewalt, denn sie wollte verflucht nochmal nicht mehr ständig von jemandem begleitet werden, wenn sie unterwegs war. Sie bekam ihre Unabhängigkeit zurück, konnte wieder die beschissene Straße entlang gehen, wenn sie es wollte, ohne mit mir über ihre Sicherheit streiten zu müssen. Aber ich wusste auch, dass sie mehr verlor, als sie bekam, und das bereitete mir ein schlechtes Gewissen. Sie ließ die einzige Familie hinter sich, die sie je gehabt hatte, Menschen, die sie in ihr Herz geschlossen hatte, und mir war klar, dass sie sie vermissen würde. Fuck, ich würde sie vermissen. Dort waren Kinder, an denen sie hing, und sie musste wieder die Schule wechseln und aus dem Kunstprogramm ausscheiden, welches ihr, wie ich wusste, großen Spaß gemacht hatte. Sie tat, als wäre das alles keine große Sache, aber sie konnte mir keinen Scheiß vormachen – sie opferte dies alles für mich.

Ich sagte ihr, sie könne sich aussuchen, wohin wir zogen, wollte, dass sie entscheiden konnte, wo wir unser gemeinsames Leben begannen. Angesichts der Tatsache, dass sie schon zuvor dorthin gegangen und auch Clara jetzt dort war, hatte ich schon halb erwartet, sie würde sich für Südkalifornien entscheiden, und war verblüfft, als sie sich stattdessen für Blue Diamond, Nevada entschied. Es war eine kleine Gemeinde rund dreißig Minuten von Las Vegas entfernt, und mir klein meinte ich abgefuckt winzig. Sie war ungefähr doppelt so groß wie Forks, hatte aber nur in etwa ein Zehntel von dessen Einwohnern – um die 300 Menschen. Ich war mit mehr Flachwichsern auf der Highschool gewesen, als in Blue Diamond lebten, und außer einer Tankstelle und einer Post gab es dort gottverdammt nichts. Nichts außer Bäumen, Straßen und Feldern, zwischen denen sich ein paar Häuser verteilten.

Und das war, wie mir klar wurde, genau der Grund, warum sie diesen Ort verdammt nochmal ausgewählt hatte. Wir waren abgeschieden. Sie hatte einen Weg gefunden, uns einen Teil unserer gottverdammten Blase zurückzugeben, in der wir einfach nur wir sein konnten, diesmal aber nicht so realitätsfremd. Wir wussten, wir waren immer noch ein Teil dieser anderen Welt und würden das auch immer sein.

„Hast du Esme erzählt, dass unsere Fliegentür am Arsch ist?“, fragte ich meinen Blick auf Isabella gerichtet.

„Nein, das habe ich ihr nicht erzählt“, sagte sie mit verdrehten Augen. „Ich habe ihr gesagt, dass es uns gut geht und wir uns an alles gewöhnen.“

„Gewöhnst du dich dich daran? Gefällt es dir hier?“, fragte ich neugierig. Sie nickte lächelnd und griff nach meiner Hand.

„Yeah, tut es. Es ist ruhig und sehr friedlich“, erwiderte sie. „Sollte uns langweilig werden, haben wir eine große Stadt direkt vor der Nase, aber es gefällt mir wirklich hier.“

„Yeah, es ist nett“, sagte ich und ließ meinen Blick schweifen. Wir waren umgeben von Bäumen und einer staubigen Straße, das nächste Haus war über eine Meile entfernt. Ich konnte Nachts durch meinen Garten rennen und meine verdammten Eier durch die Luft schlenkern, und nicht ein einziger Flachwichser würde ein Wort über diesen Scheiß verlieren. „Also, was nun, Mrs. Cullen? Wir fangen gerade von vorn an und haben ein ganzes Leben vor uns. Was nun?“

„Ich weiß es nicht“, erwiderte sie achselzuckend. „Vielleicht der Schule noch eine Chance geben? Ich habe schon immer gehört, dass aller guten Dinge drei sind.“

Ich gluckste nickend. „Yeah, stimmt. Ich bin sicher, es gibt einige anständige Schulen in Las Vegas, in die du dich einschreiben könntest.“

„Ich werde mich umsehen. Ich denke, ich möchte auch wieder Kunstkurse für Kinder geben. Das hat mir wirklich Spaß gemacht“, sagte sie. „Aber was ist mit dir? Denkst du darüber nach, wieder zur Schule zu gehen?“

„Ich habe daran gedacht“, erwiderte ich, „daran, ein paar Klavierkurse zu belegen und vielleicht einen Abschluss in Musik zu machen. Ich meine, mit dem Scheiß kann ich zwar keine Karriere machen, aber wie du weißt, brauche ich nicht unbedingt einen Job, um Geld zu verdienen. Für sowas wie ein Medizin- oder Jurastudium bin ich nicht gemacht und habe auch ganz ehrlich nicht die Zeit, mich dem zu widmen. Mich selbst dazu zu zwingen, würde nur noch mehr Stress für mich bedeuten.“

„Leuchtet ein“, sagte sie. „Hey, du könntest auch unterrichten! Gib Klavierstunden.“

„Verdammt, ich kann nicht unterrichten, Bella“, sagte ich lachend. „Hast du schon vergessen, dass ich  damals in Forks versucht habe, dir das Klavierspielen beizubringen? Das überlasse ich lieber Arschlöchern mit Geduld.“

„Yeah, vielleicht hast du Recht“, sagte sie. „Also werde ich einige Kunstkurse belegen und mit Kindern malen, und du nimmst Musikkurse und spielst Klavier. Klingt gut.“

„Yeah, klingt gut“, erwiderte ich. „Wir können dir ein Atelier in der Stadt bauen, wenn du möchtest. Dort könntest du deine Stunden geben.“

„Wirklich?“, fragte sie, ihr Gesicht erstrahlte vor Begeisterung. „Du würdest mir ein Atelier bauen?“

„Bella, ich würde dir ein beschissenes Raumschiff bauen, wenn du es wolltest“, entgegnete ich. „Wenn wir einmal dabei sind, sollten wir wohl auch ein Haus bauen. Ich meine, das hier ist abgesehen von der abgefuckten Tür okay, aber wir sollten unser eigenes haben, wenn wir hier bleiben wollen.“

„Wow, das wäre großartige!“, sagte sie. „Wir könnten es irgendwo unten an der Straße bauen. Da steht eine Menge Land zum Verkauf, viel Platz für uns.“

„Wir werden etliche Quadratmeter kaufen und ein schickes zweistöckiges Haus bauen. Nichts zu verdammt großes, das uns über den Kopf wächst, aber größer als das hier. Ich brauche mehr Platz.“

„Mit einem schönen Garten“, sagte sie lächelnd. „Wir könnten einen Zaun darum ziehen, aber ich denke, wir müssten es nicht wirklich.“

„Yeah, wir werden einen arschgroßen Garten brauchen, denn ich will einen Pool“, verkündete ich. „Die Sommertage hier werden mich verdammt nochmal umbringen.“

„Ein Pool würde mir gefallen“, meinte sie lächelnd, „auch wenn ich nicht wirklich schwimmen kann.“

„Dann solltest du es möglicherweise lernen“, sagte ich glucksend. „Verflucht, bitte nur nicht mich darum, es dir beizubringen.“

„Keine Sorge, das werde ich nicht“, erwiderte sie. „Wir könnten auch einige Bäume im Garten pflanzen, um Schatten zu haben. Vielleicht sogar ein Baumhaus bauen.“

„Du möchtest ein Baumhaus?“, fragte ich belustigt.

„Ja“, sagte sie achselzuckend. „Und auch eine Hollywoodschaukel.“

„Na gut“, sagte ich schmunzelnd. „Möchtest du auch ein Trampolin, wenn wir einmal dabei sind?“

„Sicher“, meinte sie ernst, obwohl ich einen blöden Witz gemacht hatte. „Es wäre cool auch eine Terrasse zu haben, und dann einen von diesen Tischen mit den großen Schirmen.“

„Und einen Grill“, fügte ich an. Lachend warf sie mir einen ungläubigen Blick zu.

„Du willst grillen?“

„Yeah, warum nicht“, sagte ich achselzuckend. „Ich meine, selbst ich kann ein verfluchtes Hot Dog zubereiten. Nur weil ich es nicht mache, heißt es nicht, dass ich es nicht kann. Im Sommer könnten wir Barbecues und solchen Scheiß machen.“

„Wir haben niemanden, den wir zu einem Barbecue einladen können, Edward“, sagte sie.

„Vielleicht jetzt noch nicht, aber das werden wir“, erwiderte ich überzeugt. „Wir werden Leute kennenlernen, egal. Wir sind jetzt verheiratet, Bella. Wir müssen jetzt verheiratete Freunde und solchen Scheiß haben.“

Lachend schüttelte sie ihren Kopf. „Vielleicht kommt uns unsere Familie besuchen. Emmett und Rosalie können die Jungs mitbringen“, sagte sie. Rosalie hatte, während wir in den Flitterwochen waren, einen weiteren kleinen Jungen zur Welt gebracht. Sie hatten ihn Emmett Jr. genannt, weil er verdammt nochmal genauso wie Emmett aussah, stämmig mit dunklem Haar und den Gesichtszügen seines Vaters. Armes Kind.

„Das werden sie bestimmt“, erwiderte ich.

„Ich hätte auch gern ein paar Blumenbeete im Garten“, sagte Isabella.

„Mit Topfpflanzen“, fügte ich hinzu. Lachend verdrehte sie ihre Augen.

„Wir stellen keine Topfpflanzen in unseren Garten“, sagte sie. „Vielleicht ein paar Rosenbüsche.“

„Ich hätte irgendwann gern ein weiteres Tattoo“, sagte ich zusammenhangslos. Irgendwas in ihren Worten hatte mich auf diesen Gedanken gebracht. „Etwas auf meinem Unterarm.“

„Ich denke, ich möchte auch eins“, sagte sie. Schockiert sah ich sie an und meine Miene ließ sie erröten.

„Scheiße, wirklich, tesoro?“, fragte ich schmunzelnd und sie nickte. „Wirst du dir meinen Namen tätowieren lassen?“

„Nein“, antwortete sie. „Ich dachte dabei an die Silhouette eines Vogels... für meine Mom.“

„Nett“, entgegnete ich. „Weißt du, ich wollte immer einen Vogel als Haustier haben. Einen Papagei, dem ich beibringen konnte „Fick dich“ zu sagen. Der Scheiß wäre witzig.“

„Wir werden uns keinen fluchenden Vogel zulegen, Edward. Nicht, wenn wir verheiratete Freunde haben werden und Barbecues für sie geben“, sagte sie verspielt. „Aber ich hätte gern eine Katze.“

„Auf keinen Fall“, sagte ich kopfschüttelnd. „Ich mag keine Katzen.“

„Warum nicht?“

„Die sind verdammt gruselig. Sie starren dich an, als wären sie dabei, Pläne gegen deinen Arsch zu schmieden. Fuck, vielleicht tun sie das sogar. Nein, in mein Haus kommt keine gottverdammte Katze. Vielleicht ein Hund. Einen Pit Bull als Wachhund.“

„Wir kaufen keinen Pit Bull.“

„Nun, wir kaufen auch keinen von diesen kleinen Fotzenleckern. Beschissene Fußhupen.“

„Vielleicht sollten wir einfach einen Goldfisch nehmen.“

„Bella, ein Goldfisch wäre in einer Woche tot.“

„Wie wäre es mit einer Rennmaus?“

„Die sehen zu sehr nach Ratte aus“, sagte ich bei dem Gedanken schaudernd. „Der Scheiß würde mir Albträume machen.“

„Einsiedlerkrebse?“

„Wer um alles in der Welt will Krebse? Die sind verdammt hässlich. Wie wäre es mir einer Schlange oder einem Leguan?“

„Yeah, weil die ja so viel niedlicher sind“, sagte sie sarkastisch und verdrehte ihre Augen. „Was ist mit Pferden?“

„Wirst du deren Scheiße wegmachen, Bella?“

„Okay, also keine Haustiere“, sagte sie seufzend. „Was hältst du von einem Baby?“

Als ihre Worte bei mir ankamen, öffnete ich meinen Mund, um etwas zu erwidern, doch nichts kam heraus. Einen Moment lang saß ich reglos da und sie starrte mich mit wachsamer Miene an. Sie wirkte nervös, panisch, als stünde sie kurz davor aufzuspringen und verdammt nochmal so weit von mir wegzurennen wie möglich. „Ein Baby?“, fragte ich, wollte Klarheit, um sicherzustellen, dass ich sie richtig verstanden hatte.

„Ja“, sagte sie zögernd, „ein Baby.“

„Öhm, okay“, erwiderte ich und fuhr mir nervös mit meiner Hand durch die Haare. Ich war nicht sicher, was ich sagen sollte, hatte nicht erwartet, das sie mit diesem Scheiß herausplatzen würde. „Ich meine, wenn es das ist, was du willst.“

„Nun, was willst du?“, fragte sie. „Möchtest du eins?“

„Ich denke schon“, sagte ich. „Wirklich darüber nachgedacht habe ich nicht. Ich weiß, wir haben darüber gesprochen, irgendwann eine große Familie zu haben, aber das war bevor, du weißt schon...“

„Yeah, ich weiß“, sagte sie leise. „Aber wärst du glücklich? Mit einem Baby?“

Eindringlich sah sie mich an, bettelte mich förmlich an das verdammt Richtige zu sagen, und der Anblick ihrer Miene ließ mein Herz rasen. „Ich glaube schon“, erwiderte ich. „Es wäre ein Teil von dir, also wäre ich  sicher wie Scheiße nicht unglücklich. Warum fragst du mich diesen Scheiß, tesoro? Möchtest du es versuchen?“

Langsam schüttelte sie ihren Kopf, noch immer starrte sie mich mit diesem gottverdammten Gesichtsausdruck an. „Nein, ich denke, das müssen wir nicht“, murmelte sie. „Ich glaube, ich, ähm... weißt du...“

„Schwanger?“, fragte ich ungläubig und verspannte mich, als sie nickte. „Du glaubst, du bist schwanger?“

„Ja“, sagte sie, „Ich meine, die Zeichen sind schon seit einer Weile da, aber ich war mir nicht sicher. Ich war ja noch nie schwanger, und dann ist meine Periode ausgeblieben...“

„Also bist du dir nicht sicher?“, fragte ich. „Du könntest auch nicht schwanger sein?“

„Nun, laut des Tests...“

„Du hast einen Test gemacht? Wann?!“

„Vorhin, im Haus“, sagte sie. „Deshalb bin ich heraus gekommen, ich wollte es dir sagen, wurde aber abgelenkt.“

„Himmel, Bella“, sagte ich, war so verflucht verblüfft, dass ich nicht geradeaus denken konnte. „Und du bist sicher, dass er positiv war?“

„Nun, es hieß, zwei Linien bedeuten schwanger, und da waren zwei Linien“, sagte sie und ihre Stimme fing an zu beben. Ich sah, wie die Tränen in ihre Augen schossen und das Blut in ihre Wangen stieg. „Also ja, ich bin ziemlich sicher.“

„Wie ist das passiert?“, platzte ich heraus, versuchte einen Sinn aus ihren Worten zu ziehen. Schwanger?

„Ähm, ich meine, das ist ziemlich offensichtlich“, erwiderte sie. „Ich glaube nicht, dass ich dir erklären muss, wie es passiert...“

Unbeholfen lachend schüttelte ich meinen Kopf. „Nein, das ist mir schon klar, aber du nimmst doch die Pille.“

„Habe ich, aber mit der Hochzeit und allem habe ich wohl ab und zu vergessen, sie zu nehmen“, erwiderte sie. Sie sah mich an und ein paar Tränen befreiten sich und rollten über ihre Wangen. Schnell wischte ich sie fort, meine Brust war wie zugeschnürt. Meine Augen brannten, in meinem Hals bildete sich ein Kloß und ich rang um meine Beherrschung. Ein Packen verschiedenster Emotionen erdrückte mich, von Verwirrung über Euphorie bis hin zu lähmender gottverdammter Angst. Ein Baby... wir würden ein verdammtes Baby bekommen.

Was zur Hölle sollte ich mit einem Baby anfangen?

Sie weinte nun heftiger, ich griff nach ihr und zog sie in meine Arme. Sie schlang ihre fest um mich und barg ihren Kopf an meiner Brust, als ich anfing ihren Rücken zu streicheln. „Ein Baby“, flüsterte ich und versuchte, mit diesem Scheiß klarzukommen.

„Ein Baby“, wiederholte sie.

„Mein Baby“, raunte ich, „mit meiner DNA.“

„Die Hälfte von dir“, flüsterte sie.

„Armer kleiner Scheißer.“

„Edward!“, keuchte sie und stieß mir ihren Ellbogen in die Seite. Lachend versuchte ich, dem Stoß auszuweichen, schlang meine Arme noch fester um sie, und ein breites Lächeln überzog mein Gesicht.

„Wir bekommen ein Baby, tesoro.“

„Bekommen wir.“

„Wir werden verdammt erschöpft sein und ich freue mich nicht auf vollgeschissene Windeln oder das gottverdammte Geschrei, aber ein Baby“, sagte ich. „Ein Teil von dir.“

„Ein Teil von uns“, korrigierte sie mich.

„Himmel“, murmelte ich. „Ich... ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll, Bella. Ich bin verdammt nochmal sprachlos. Ich werde Vater?“

„Wirst du.“

„Das ist verdammt nochmal verrückt“, sagte ich. Tränen drängten sich aus meinen Augen, denn ich war überwältigt vor Emotionen. Ich versuchte stark zu bleiben, versuchte meine Haltung zu wahren, aber es war sinnlos. „Was, wenn ich ein schrecklicher beschissener Vater bin?“

„Das wirst du nicht sein“, sagte sie überzeugt. „Du wirst ein guter Vater sein.“

„Den Scheiß kannst du nicht wissen“, sagte ich kopfschüttelnd. „Was, wenn ich das Leben des Kindes versaue? Er wird mich hassen.“

„Er?“, fragte sie und löste sich aus meiner Umarmung, um mich anzusehen.

„Er oder sie, egal“, sagte ich. Bei meinen Worten versteifte ich mich. „Scheiße, ich kann keine Tochter haben, Bella. Ich würde jeden Flachwichser killen, der auch nur versucht, sich ihr zu nähern. Ich weiß, wie Jungs sind, ich war einer! Oh Himmel, was, wenn ich einen Sohn bekomme, der genauso wird wie ich?“

„Dann wäre ich stolz“, sagte sie lächelnd. Ich zog sie wieder in meine Arme und hauchte einen Kuss auf ihr Haar. Meine Gedanken waren ein Trommelfeuer aus „Was wäre wenn“, die Panik vor all dem Unbekannten fraß mich auf. Meine Hände wurden feucht, meine Angst schnellte in die Höhe und tief in mir brodelte dieses altbekannte Gefühl. Ich wollte einen beschissenen Drink, aber ich wusste, ich musste dagegen ankämpfen, denn ich durfte dem Scheiß nicht nachgeben. Nicht mehr. Ich hatte jetzt eine Frau und wir würden ein Baby bekommen.

„Ein Tag nach dem anderen“, flüsterte sie meine Anspannung spürend. „Eine Stunde nach der anderen, eine Minute nach der anderen. Wir nehmen es, wie es kommt.“

„Genau so“, erwiderte ich, klang dabei aber nicht so verdammt überzeugt wie sie. „Alles wird gut werden.“

„Natürlich wird es das. Wir sind Überlebenskünstler, vergessen? Wenn ich die Sklaverei überstehen kann und du die Mafia ertragen kannst, bin ich ziemlich sicher, dass wir gemeinsam die Elternschaft überleben werden.“

Lachend wischte ich meine Tränen mit dem Handrücken fort, „Ich weiß nicht, Bella. Es wird nicht leicht werden“, sagte ich. „Scheiße, ich werde jetzt lernen müssen deine Titten zu teilen.“

„Perverser“, brummte sie und stieß mir noch einmal ihren Ellbogen in die Seite.

Tief in mir wusste ich, dass sie Recht hatte, wir würden es schaffen, denn so waren wir nun einmal. In unserer Zukunft würde es Chaos geben, eine Menge schlaflose Nächte und Tage voller Stress, aber es würde die Mühen wert sein. Ich würde tun, was ich tun musste, damit ich jeden Abend zu ihr nach Hause kommen konnte, in unser Haus mitten im gottverdammten Nirgendwo, und schon bald würden wir eine Familie sein. Es würde Kinder geben, wunderschöne kleine Mädchen wie Isabella, und vielleicht ein paar kleine rothaarige Raufbold-Ärsche wie ich, und wir würden unser Bestes tun, um ihnen ein schönes Leben zu geben... eine bessere Kindheit als wir sie hatten. Mit den vorbeiziehenden Jahren würden wir Geburtstage und Jahrestage erleben, feiern, was auch immer das Schicksal uns auf unserem Weg in die Hand legte. Es würde Knochenbrüche und Kämpfe und Suspendierungen von der Schule geben – denn bei meinem Genpool war das unausweichlich. Ich wusste, Isabellas Güte würde alles Schlechte ausgleichen.

Und sie würde meine Zuflucht sein, meine Atempause in all dem Chaos... und wir würden verdammt glücklich sein. Denn wenn wir zusammen waren, war etwas anderes gar nicht möglich.

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Non posso immaginare di non averti nella mia vita. = Ich kann mir nicht vorstellen, in meinem Leben ohne dich zu sein.

Io combatterò ogni giorno essere l'uomo di vostri sogni = Jeden Tag werde ich dafür kämpfen, der Mann deiner Träume zu sein.

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Phew,  wow... es ist vollbracht. Die letzten Worte des letzten Kapitels von EP wurden geschrieben. Nur der Epilog fehlt noch.

Was sollen wir sagen? Es gibt wohl keine Worte, die in dieser Geschichte noch nicht verwendet wurden. Es gibt wohl auch keine Worte, um diesem Kapitel den letzten Kick zu verleihen.

Wir brauchen Euch auch nicht neugierig auf das nächste Kapitel machen, denn es wird keins mehr geben.
Also bleibt das hier eine eher schmale A/N, die trotz unserer Erleichterung, dieses Mammutprojekt geschafft zu haben, ein leises Gefühl der Leere mit sich bringt.


Zum vorletzten Mal unser Aufruf –
– unser Herzblut für Eure Reviews –




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