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Eine Ewigkeit beginnt
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von SwordMistress7    erstellt: 23.08.2009    letztes Update: 22.02.2010    Romanze / P16    (keine anonymen Reviews) 63 Reviews
Servus, Grüzi, Hallo und hoi,
ich kann es einfach nicht lassen.
Swordi wurde zu dieser Story inspiriert, als ich vergangene Woche in meinem Garten saß und einfach die Seele hab baumlen lassen.
Wer Swordi aus dem RL kennt, dem wird der Name des Dorfes unten sicherlich bekannt sein, liegt daran, dass mein Dorf hierfür auch als Inspiration diente, auch einige Charaktere im späteren Verlauf haben im RL von Swordi hier Anklang gefunden, wenn auch nicht namentlich.
Wer will, kann es als Werbung für mein Kuhkaff sehen, wenn auch einige Gebäude und Orte so nicht mehr ganz existieren. Aber wer fährt auch hierher in den Urlaub, nur weil irgendjemand so einen Mist schreibt.
Have fun or not while reading.


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Es war eigentlich ein ganz normales Wochenende gewesen.
Freitagabends war Marlon mit seinen Kumpels auf Achse gewesen, Samstags hatte er über den Mittag seine Freundin besucht, abends war man dann gemeinsam mit gemeinsamen Freunden auf eine Party gegangen. Sonntags hatte Marlon ausgeschlafen und den Rest des Tages vor seiner Spielkonsole verbracht.

Doch für Marlon fühlte es sich an, als ob das ein anderes Leben gewesen war.
Das war erst drei Wochen her, für ihn aber fühlte es sich an, wie eine Ewigkeit.
Dabei hatte die an einem Montag scheinbar harmlos angefangen.

An diesem Montag hatte er sich früher aus dem Bett schälen müssen, da seine Mutter der Meinung war, er müsste mal wieder zum Arzt um sich gründlich durchchecken zu lassen. Ihm fehlte nichts, aber Mütter hatten ja oft so einen schrägen Tick. Und da Tina ihm immer noch ein Heim und Nahrung bereitstellte, hatte er den Termin widerwillig wahrgenommen.
So war er um acht Uhr morgens aufgestanden und fuhr zu seinem Hausarzt.
Zuerst war alles total normal gelaufen. Hier ein kleiner Fitnesstest, dort eine Blutabnahme, und dort noch mal alles untersucht, ob der ein oder andere Bruch sowie einige Bänderrisse aus jungen Jahren keine Spätfolgen zeigten.
Doch dann wurde Marlon geröntgt. Geduldig hatte er danach gewartet, bis der Arzt aus dem Zimmer kam, ihm sagen würde, es sei alles in bester Ordnung und er zu seiner Freundin fahren könnte. Daraus wurde allerdings nichts.
Sein Hausarzt war mit einem ernsten Gesicht aus dem Röntgenzimmer getreten, war zum Empfang gegangen und hatte Tina als auch Joachim angerufen, die dann wenige Minuten später ebenfalls in der Arztpraxis auftauchten.
Höflich wurde Marlon samt seinen Eltern in den Raum gebeten.
Fast schon emotionslos hatte der Arzt einige Röntgenbilder von Marlons Lunge aufgehängt.
Marlon wusste noch, dass er völlig entgeistert auf die Röntgenaufnahmen gesehen hatte - schließlich hatte er nie etwas an den Lungen gehabt.
“Ich möchte nicht lange um den heißen Brei reden.” So hatte sein Hausarzt angefangen, die Hiobsbotschaft auszusprechen, “Marlon, Herr Masannek, Frau Wessel… Ihr Sohn hat Lungenkrebs im Frühstadium, aber so wie es aussieht, kann und wird er ziemlich schnell aggressiv werden, wenn wir nicht sofort etwas unternehmen. Eine sofortige Einweisung in eine Klinik mit Therapie sind nötig, damit er möglicherweise unter guten Umständen diesen Krebs besiegen kann. Ebenso würde ich einen Klimawechsel anordnen…”

All das, was der Arzt dann noch zu ihm und seinen Eltern gesprochen hatte, hatte Marlon nicht mehr gehört.
Lungenkrebs.
Bekam man das nicht erst, wenn man seit über 30 Jahren rauchte? Er rauchte noch nicht einmal ganz 4 Jahre, und schon erkrankte er an Lungenkrebs.
Konnte ein Junge in seinem Alter überhaupt daran erkranken? Und wenn ja, wieso gerade er?
Marlon hatte damals nicht mehr mitbekommen, wie seine Eltern all den Vorschlägen des Arztes nachgingen, sich ausführlich beraten ließen und schließlich fast schon über seinen Kopf hinweg über sein weiteres Leben entschieden.
Irgendwann war er tonlos aufgestanden und fuhr zu seiner Freundin. Er hatte versucht zu überspielen, was er gerade erfahren hatte, doch als er irgendwann merkte, dass er einfach nicht wie normal mit Karla schlafen konnte, und er auch einfach keinen hoch bekam, hatte er ihr davon erzählt.
“Wirst du mir beistehen?”, hatte er sie gefragt und sie hatte mit “Ja” geantwortet. Erst da hatte er realisiert, was kommen würde. Was passieren würde, was passieren könnte - und er hatte geweint. Lange, bis sein Vater ihn irgendwann abgeholt hatte und ihm mitteilte, dass alles schon geklärt sei, dass er schon am nächsten Tag in die Klinik käme.

Und dort saß er jetzt.
Er saß auf einer Art Liegestuhl auf der Terrasse der Klinik, die zum Dorfzentrum ging.
Der Luftkurort Friedenweiler mit der Lungenklinik sollten für die nächsten 3 Monate sein zu Hause sein.
Marlon war erst drei Wochen hier, doch trotzdem fühlte es sich an, als ob es eine Ewigkeit wäre.
Und schon am zweiten Tag hatte Marlon eine SMS von Karla erhalten, dass sie das nervlich nicht aushalten würde, einen todkranken Freund zu haben, ihr Leben ginge weiter, was mit ihm sei täte ihr Leid, aber sie könnte nichts daran ändern.

Marlon verfluchte diesen Ort.
Für ihn war das hier die wahr gewordene Hölle, mit saftigen Wiesen rundum.
Dabei hatte seine Mutter auf der Fahrt hierher noch versucht, Marlon alles schön zu reden.
Er könnte in diesem 800-Seelendorf endlich einmal Ruhe finden.
Könnte ausreichend joggen gehen in den Wäldern und Wiesen Drumherum.
Könnte sogar in einem kleinen Freibad mit See schwimmen gehen.
Könnte die Natur besser kennenlernen.
Würde das friedliche Dorfleben zu schätzen wissen.
Könnte auch einmal ein bisschen aus dem Dorf heraus und die anderen Dörfer Drumherum kennenlernen.
Könnte seinen Horizont ungemein vergrößern.
Würde nette Leute kennenlernen.
All das hatte seine Mutter ihm zugeredet, doch auch nach drei Wochen hatte Marlon nichts davon getan.

Sein Tag bestand daraus, morgens um acht zu frühstücken. Von neun bis zehn musste er irgendwelche komischen Gase einatmen. Dann hatte er bis eins Freizeit. Um Punkt eins gab es Mittagessen. Von zwei bis vier hieß es - Schonung, Bettruhe. Um vier musste er eine Menge Tabletten zu sich nehmen, da man ja auf eine aggressive Chemo verzichten wollte. Vorerst. Kurz nach vier wurde Marlon an die frische Luft gescheucht. Bis sieben. Da gab es dann Abendessen, und danach hatte jeder wieder Zeit für sich. Bis elf, da musste dann jeder schlafen.
So sahen Marlons Tage aus - Montag bis Samstag. Sonntags besuchten ihn seine Mutter und sein Vater stets abwechselnd. Leon war allerdings bisher nie dabei gewesen.

Nun war es genau Zwölf Uhr.
Marlon besah die Kirche, die etwa 250 Meter schräg von ihm entfernt lag, dessen Glocken in hellen, schönen Klängen begannen, die Mittagszeit einzuläuten.
Ein älterer Mann, der 300 Meter von der Klinik entfernt in einer Art Minipark auf einer Parkbank gesessen hatte, erhob sich, ging an einem alten Brunnen vorbei, an einer Bushaltestelle entlang, überquerte die Dorfstraße und ging Richtung Seniorenheim, das direkt neben der Kirche lag.
Dieser alte Mann saß jeden Tag auf dieser Parkbank und sah lächelnd dem wenigen Treiben im Dorf zu.
Marlon hatte ihn schon oft beobachtet, wie er mit einigen aus dem Dorf etwas für ihn unverständliches sprach, aber allgemein verstand Marlon von dem, was die Leute hier sagten, nicht viel. Lag wohl am Dialekt.
Badisch, das würde er wohl nie verstehen.
Nur eine schon etwas ältere Schwester hier im Dorf konnte er verstehen, weil sie mehr oder weniger Hochdeutsch sprach. Mit ihr hatte Marlon auch den einzigen Kontakt bisher.
Schon öfters hatten sich einige Männer sich zu ihm gesetzt, hatten mit ihm geredet, doch nie hatte Marlon geantwortet. Was hätte er sagen sollen? Er verstand nicht, was sie sagten.

Und so saß Marlon stets zwischen zehn und ein, sowie zwischen vier und sieben Uhr auf der Terrasse vor der Klinik, sah herunter auf diesen kleinen Park und dem alten Mann, starrte hin und wieder auf die Zeiger der gotischen Kirche, sah zu, wie einige Senioren im Rollstuhl aus dem Altenheim gefahren und ein bisschen herumkutschiert wurden, beobachtete das Fahrverhalten in diesem Dorf und auch sonst sah er den wenigen Leuten auf der Straße zu, was sie trieben.
Jeden Tag saß er hier und starrte vor sich hin. Egal, ob die Sonne schien, oder es wie aus Eimern goss.

An diesem Morgen hatte er erfahren, dass er am nächsten Tag doch die erste Chemo-Sitzung haben sollte.
Sein Zustand hatte sich verschlechtert, die SCLCs, die kleinzelligen Lungenkarzinome, hatten sich vermehrt, und waren auch etwas gewachsen. Und da diese inoperabel waren, musste nun doch bestrahlt werden.

Marlon hatte schon mit seinem Leben abgeschlossen.

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Swordi würde sich natürlich über einige Reviews sehr freuen.
Nächsten Sonntag gehts dann weiter.
LG, Swordi
 
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