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Geschichte: Fanfiktion
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von theburningblack
erstellt: 10.08.2009
letztes Update: 09.10.2010
Geschichte, Romanze / P18
(fertiggestellt)
Inhalt: Yale: Der Ort, an dem sich Bella verliebt. Ihr Objekt der Begierde ist der schöne, stilvolle Edward Cullen, der James Dean ihrer Zeit. Obwohl er feste Beziehungen meidet, lassen sich Bella und Edward auf ein riskantes Spiel ein, bei dem alle Regeln gebrochen werden... bis mehr zusammenbricht als ein paar Regeln...
Kommentar: All Human. Ich hab schon ein paar Kapitel fertig. Wenn euch die Story gefällt, lade ich eins nach dem anderen hoch, mindestens einmal wöchentlich. Es gibt zwar schon recht viele College-Storys, aber mich ließen ein paar Ideen nicht mehr los… Alle Figuren gehören S. Meyer
Rating: Ab 18
Genre: Grundsätzlich Romanze, aber es werden definitiv auch andere Genres geschnitten
*
Im Lauf unseres Lebens begegnen wir Tausenden von Menschen. Wir laufen an ihnen vorbei auf dem Weg zur Arbeit, wir taxieren täglich unzählige Gesichter in der S-Bahn. Die meisten vergessen wir fast augenblicklich wieder.
Doch manchmal bleibt unser Blick an etwas hängen, an einer Kleinigkeit in Mimik und Form, an einem Gesichtsausdruck, auf den wir aufmerksam werden. Und scheinbar willkürlich setzen sich Bilder von Fremden in unseren Köpfen fest, über die wir nachdenken, obwohl sie uns nichts angehen. Wir geben ihren Mimiken Namen wie Schmerz und Angst, obwohl wir doch nicht das Geringste über sie wissen. Ist es anmaßend? Ist es Mitgefühl?
Es ist menschlich. Aus kleinen, traurigen, witzigen, erotischen Begegnungen entstehen manchmal Freundschaften, Beziehungen, Bekanntschaften, Abneigungen. Meistens überdauern diese Bande von Zwischenmenschlichkeit nicht mal ein paar Jahreszeiten. Die Erinnerungen verblassen allmählich und werden fortlaufend durch Neue ersetzt. Begegnungen verschwinden.
Und dann treffen wir Menschen, die wir nie wieder vergessen, Menschen, die Vertrautes in uns wecken, Menschen, die etwas in uns berühren, die uns verändern. Menschen, die Sehnsüchte in uns aufflackern lassen, die wir uns längst verboten haben, die uns dazu bringen, alles auf den Kopf zu stellen, die uns andere Blickwinkel ermöglichen. Es sind solche, an die wir uns erinnern werden, wenn wir alt sind. Im besten Fall verbleiben einige wenige Begegnungen in unserem Leben bestehen.
Und eine einzige Begegnung wird für immer sein: Die wahre, unsterbliche, alles zerstörende und bedingungslos heilende Liebe.
Canon in D.
Eine FF von Theburningblack
Kapitel 1 : Für einen Augenblick
«Es ist wahr, dass wir nicht schätzen
was wir haben, bis wir es verlieren,
aber es ist auch wahr,
aber es ist auch wahr,
dass wir nicht wissen, was wir vermissen,
bis es uns begegnet.»
(Unbekannter Autor)
Meine erste Begegnung mit Cullen geschah an einem sonnigen Samstagnachmittag.
Ich hatte noch mindestens zwei Stunden im Laden zu tun, ehe ich endlich Feierabend hatte. Über meinen Job und damit ein Einkommen war ich froh, keine Frage, aber sehr anstrengende Wochen lagen hinter mir und ich sehnte mich nach Ruhe, einem guten Buch und weichen Sesselkissen.
Vor einer Woche war ich hierher gezogen, an die alterwürdige Yale University, hinter deren schwarzen, efeuberankten Metallzäunen meine Zukunft verborgen lag.
Schon als ich vor vier Monaten das erste Mal in der Orientierungswoche hierher gekommen war, hatte ich den Duft vergangener Jahrhunderte gerochen. Yale war klassisch, ohne altmodisch zu sein, so ähnlich wie Beethovens Symphonien oder Chanel-Kostüme. Die Uni war groß, größer als ich sie in Erinnerung hatte. Groß und beeindruckend. Noch war die Farbe des perfekt gestutzten Rasens auf dem Campus von einem satten dunkelgrün, aber der Herbst schlich sich bedächtig ein. Der Wind wehte stärker, die Tage wurden stetig kürzer und auf den Gängen war die Hölle los. Schlimmer wurde es noch dadurch, dass ich mich nicht zurechtfand.
Ich kannte bisher niemanden hier, von meiner unerträglich beschäftigten Tutorin mal abgesehen. Ihr Name war Lindsay, sie studierte Wirtschaftswissenschaft wie ich, nur in einem höheren Semester. Man brauchte ihr nicht einmal zuzuhören um festzustellen, wie sehr sie Erstsemesterstudenten verachtete, man sah es ihr an. Unwirsch kommandierte sie uns durch die Gegend, redete so schnell, dass ich nur die Hälfe verstand und am Ende des Rundgangs über den Campus, den sie mit uns gemacht hatte, war ich verwirrter als je zuvor.
An den Job im größten Buchladen New Haven's – Grand Heaven’s Book Store - war ich eher zufällig vor einer Woche gekommen. Hier gab es unzählige solcher Geschäfte, was vermutlich den Yale-Studenten zuzuschreiben war, die zwangsläufig mehr lasen als normale Menschen. Ich war einfach in den Erstbesten spaziert, um meine Studienbücher zu besorgen. Auf der Theke hatte ein Schild gestanden, dass Aushilfen gesucht wurden – ich fragte nach und wurde spontan eingestellt. Mein Verdienst war nicht besonders hoch, aber inmitten all dieser Bücher fühlte ich mich ziemlich wohl. Ich liebte Bücher. Das Rascheln von Papier, die Emotionen, in die sie einen rauschen lassen, die Geschichten, ob gute oder schlechte, die einem beibringen, dass man alles im Leben ertragen kannst – wenn man eine Zuflucht hast, eine Welt, in der man mit all deinen Macken willkommen ist. Ich konnte mit Fug und Recht behaupten, mehr gelesen zu haben als alle anderen Menschen, die ich näher kannte. Nicht jedes gute Buch machte mich klüger, aber glücklicher auf jeden Fall.
Natürlich gab es Schattenseiten – ich war mir ziemlich sicher, dass mein Rücken am Ende des Studiums ruiniert sein würde, sollte ich den Job solange behalten. Alle Angestellten waren Frauen und jede musste mit anpacken können.
Seufzend stieg ich schon zum gefühlten hundertsten Mal auf eine Leiter, um eine sich in 25 Bänden erschöpfende Enzyklopädie für Kinder aufs oberste Regal zu hieven. Meine verkrampften Nackenmuskeln schmerzten augenblicklich und ich verzog das Gesicht. Meine Verspannungen im Rücken gingen schon gar nicht mehr weg.
Yale sorgte zwar recht gut für seine Studenten, aber ich vermutete mal ins Blaue hinein, das Masseure zuviel verlangt wären, oder? Ich sollte mich erkundigen – wir lebten in seltsamen Zeiten. Es reichte ein Blick in den Fernseher, mehr Beweise brauchte es dafür nicht. Alles war möglich – aber nichts war sicher.
Es drängte mich nicht, nach Hause zu kommen – in mein neues Zuhause, deshalb ließ ich mir Zeit. Ich hatte eine Wohnung auf dem Campus, die ich mir mit zwei anderen Mädchen teilte. Eine davon hatte ich bereits kennengelernt, ihr Name war Jessica – und ich konnte sie vom ersten Moment an nicht leiden. Es war sogar noch eine heftigere Abneigung als bei Lindsay, auch wenn die beiden Frauen ansonsten nicht vergleichbar waren. Sie teilte mit mir fortan nicht nur das Bad, sondern auch den Studiengang und hatte eine entsetzlich aufdringliche Art. Ich konnte mir nicht mal einen Kaffee holen, ohne dass sie mir hinterher lief, um mit mir über alles Mögliche und Unmögliche zu sprechen. Aus trivialen Begebenheiten konnte sie endlose und ermüdende Monologe fabrizieren und ehrlich, Geduld war nicht gerade eine meiner Stärken.
Heute Mittag sollte das letzte Mädchen unserer WG eintreffen, doch ich hatte sie noch nicht kennengelernt, da ich bereits seit zehn Uhr hier drin hockte. Heute war mir außerdem noch sehr langweilig, denn es gab nicht immer etwas zu tun. Manchmal schlich ich mich dann einfach zu meinen Lieblingsregalen und stöberte selbst ein bisschen. Und damit beschloss ich mir auch nun die Zeit zu vertreiben, in den Gängen schlich kein einziger Kunde herum. Meine Chefin, die letzte Person, die heute mit mir hier Dienst geschoben hatte, war seit 30 Minuten weg und so konnte ich mich beruhigt «Viel Lärm um nichts» widmen. Im Hintergrund spielte Vivaldi, schon am meinem ersten Tag hatte ich die Musikanlage manipuliert. Ich versuchte, fast nur meine Lieblingsstücke zu spielen, nur leider achteten die Kunden gar nicht auf meine Musikauswahl, hatte ich so das Gefühl. Ich konnte das nicht nachvollziehen. Musik konnte nie nur Hintergrundgeräusch sein, für mich stand sie immer im Mittelpunkt, besonders, wenn es La Primavera von Vivaldi war.
Ich stand also im hinteren Teil des Ladens mit dem Rücken an ein Bücherregal gelehnt und war völlig vertieft in eines von Shakespeares Meisterwerken, als jemand direkt neben mir hüstelte. Ich schrak auf.
Ein Mann stand mit einem angedeuteten Grinsen neben mir und lehnte sich ebenfalls an das Regal, nur dass es bei ihm um einiges eleganter aussah. Er war groß, nicht besonders breitschultrig, aber sehr schlank. Ich schätzte ihn auf Anfang bis Mitte Zwanzig. Seine Haare waren gekonnt zerzaust und rötlich-braun, was auf unglaubliche Weise mit seinen hellgrünen Augen harmonierte. Er hatte ein schmales Gesicht und ausgeprägte, hohe Wangenknochen. Seine Gesichtsfarbe war bleich und gleichmäßig, aber seine Augen strahlten ein Feuer aus, das auf mich überzugreifen schien, denn mir wurde sehr warm. Sein Mund verzog sich spöttisch und sah dennoch hinreißend aus, volle, schön geschwungene Lippen. Er trug einen Pullover in seiner Augenfarbe und eine schwarze Jeans mit breitem, braunem Ledergürtel. Ich war überzeugt, dass er der absolut schönste Mann der Welt war.
Selbst für mich selbst klang das lächerlich; diese Eigenschaft trug jede Absolution im ersten Moment in sich. Aber wenn man mal darüber nachdachte…
«Arbeitest du hier oder bist du einer dieser Studenten, die im Buchladen lesen müssen, weil sie sich keine eigenen Bücher leisten können?», fragte er mich lächelnd.
Wow. Seine Stimme war… umwerfend. Weich, warm, ein Hauch sexy. Um mich herum spielte das zweite Allegro von Vivaldis Frühling und ich starrte den Mann vor mir einfach an. Mir war bewusst, dass er etwas gesagt haben musste, aber um ehrlich zu sein – ich hatte es vergessen.
«Was?», murmelte ich deshalb und klang genauso fassungslos, wie ich mich fühlte. Es war mir unangenehm. Er sah so gut aus und verunsicherte mich damit auf die grausamste Weise – er brachte mich dazu, mich lächerlich zu machen.
Er hielt einen Zettel hoch. «Arbeitest du hier?»
«Ja», sagte ich atemlos. Ich würde zu allem ja sagen, egal, was er gefragt hätte. Unauffällig sah ich auf meine Klamotten hinunter und ein seltsames Gefühl ergriff Besitz von mir. Die Falten meines grauen T-Shirts kamen genau auf meinem Bauchansatz zum Liegen. Meine helle Jeans war altmodisch und schon zu oft getragen, meine Haare seit Stunden nicht gekämmt. Vor Scham prickelte die Haut an meinen Wangen und ich sah auf einen Punkt über seiner Schulter, statt ihm in die Augen zu sehen. Du bist es nicht mal wert, ihn zu betrachten, schoss es mir durch den Kopf, ehe ich meine Schulter straffte. Da kam ein schöner Mann daher und ich fing gleich an, mein Aussehen in Frage zu stellen?
«Würde es dir dann was ausmachen, dich von Beatrice und Benedikt loszureißen, um mir meine Bücher zu holen?» Er wedelte ungeduldig mit dem Zettel vor meinem Gesicht hin und her und klang ein bisschen genervt.
«Ich…ja, natürlich. Entschuldige.» Ich legte «Viel Lärm um nichts» ins Regal zurück, nahm ihm den Zettel ab und ging schnurstracks durch eine Tür hinter der Theke, wo wir aus Platzgründen alle Studienbücher aufbewahrten. Obwohl ich ihn nicht sah, weil er hinter mir lief, erahnte ich geschmeidige Bewegungen hinter meinem Rücken, was mir einen leichten Schauer über ebendiesen laufen ließ.
Er blieb an der Theke stehen, ich ging drum herum. Als ich die Tür des Bürozimmers und Lagers hinter mir anlehnte, atmete ich erstmal tief durch. Wie oft begegnete man schon wirklich atemberaubenden Menschen? Nicht oft, das war sicher.
Ich warf einen Blick auf seinen Bücherzettel. Ross and Westerfield, Perridon und Steiner, das waren alles Autoren aus der Finanzwirtschaft. Mein Herz machte einen Sprung, studierte er etwa auch Wirtschaftswissenschaft? Würde ich ihm wieder begegnen? Wollte ich das überhaupt?
Ich kramte nach seinen Büchern und überlegte fieberhaft, was ich zu ihm sagen sollte. Ob er mal mit mir einen Kaffee trinken würde? Würde ich diesen Vorschlag überhaupt über die Lippen bekommen? Ich sah wieder an mir herunter, und vergaß den Gedanken schlagartig wieder. Ich war sicherlich nicht abstoßend, aber ganz und gar nicht zurechtgemacht – nicht eben perfekt, um den schönsten Mann der Welt um ein Date zu bitten. Sollte ich vielleicht einfach meine Nummer in eines der Bücher packen? Nein, das war albern. Das vermittelte den Eindruck, als sei ich zwölf und keine reife, halbwegs erwachsene junge Frau. Ich schüttelte über mich selbst den Kopf, atmete tief durch und trat wieder in den Ladenraum. Er stützte seine Ellenbogen auf der Theke ab, sah verträumt aus dem Schaufenster und summte bei Vivaldi mit.
Der Anblick raubte mir den Atem und mein Herz stand für einen Augenblick still. Es tat fast weh, ihn anzusehen. Wie hatte ich mir nur einbilden können, mit ihm flirten zu können? Das war absolut lächerlich. Ich packte die Bücher auf den Tisch und scannte sie ein. Ich wagte schüchtern einen Blick und bemerkte, dass seine warmen Augen auf mich gerichtet waren.
«Hattest du alles da?», wollte er wissen. Souverän richtete er sich wieder auf, er war wirklich groß. Bestimmt einen Kopf größer als ich und ich war schon nicht klein.
Schnell sah ich wieder auf den Bildschirm des PCs. «Ja, alles da. Das macht dann 225 Dollar, bitte.»
Er zog sein Portemonnaie aus der Hosentasche. Es war aus weichem, schwarzem Leder gefertigt und teuer, das sah man sofort. Er gab mir eine American Express Kreditkarte. Golden, natürlich. Das hier war New Haven, nicht mehr Stamford, wo ich herkam. Alles war ein bisschen anders, als ich es kannte, auch – vor allem – die finanziellen Verhältnisse.
Er zog sein Portemonnaie aus der Hosentasche. Es war aus weichem, schwarzem Leder gefertigt und teuer, das sah man sofort. Er gab mir eine American Express Kreditkarte. Golden, natürlich. Das hier war New Haven, nicht mehr Stamford, wo ich herkam. Alles war ein bisschen anders, als ich es kannte, auch – vor allem – die finanziellen Verhältnisse.
Ich steckte die AE in das Lesegerät und wartete, bis die Karte akzeptiert wurde. Das Gerät ratterte leise vor sich hin und mein Blick fiel auf die Hände des Mannes. Lange Finger. Gepflegt. Kurze Nägel. Unauffällig räusperte ich mich.
Als ich die Karte wieder herauszog, schielte ich kurz auf den Namenszug. Cullen stand dort, den Vornamen konnte ich in der Eile nicht erkennen.
Ich legte ihm die Quittung vor und mit einer schwungvollen Bewegung unterschrieb er völlig unleserlich. Seine Kopie der Rechnung legte ich sorgfältig in eines der Bücher. Er dankte mir, errichtete seine sieben Bücher kunstvoll zu einem Turm und hob sie hoch, um nach draußen zu gehen. Ich eilte nach vorn, um ihm die Tür zu öffnen (Der Kunde war schließlich König), als er plötzlich stehen blieb?
«Oh Mist, meine Autoschlüssel. Könntest du…?» Er sah mich fragend an, die perfekten Augenbrauen nach oben gezogen und die Bücher noch in der Hand, ohne Anstalten zu machen, sie auf dem Boden abzusetzen. Ich stutzte. Sollte etwa ich…? Er meinte doch nicht, dass…?
Der schöne Mann nickte auffordernd mit dem Kopf. «Die Schlüssel sind in meiner rechten Hosentasche, glaube ich.»
Mein Herz setzte aus. Ich trat auf ihn zu, nah, viel zu nah. Sein unaufdringlicher Duft umhüllte mich und es war nur meinem Schock zuzuschreiben, dass ich nicht einfach aufseufzte. Er roch wirklich gut, irgendwie nach Leichtigkeit, nach Freiheit. So, stellte ich mir vor, roch Freiheit.
Meine Hände zitterten wie in sibirischster Kälte, als ich mich seiner rechten Jeanstasche näherte. Wir standen so eng zusammen, dass ich ihn berührte. Mein Körper erhitzte sich sofort und mein Atem beschleunigte sich rapide. Meinen Arm abgewinkelt hielt ich Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand senkrecht und grub in seiner Tasche nach dem Autoschlüssel. Damit ich herankam, mussten wir für einen Augenblick, für wenige Atemzüge, sehr nah zusammenrücken. Meine Brüste drückten sich an seinen Brustkorb und leise hörte ich ihn atmen. Seine Levis waren eng und seine Körperwärme fühlte ich an meinen Fingern. Mir wurde noch wärmer, Hitze flammte in der Mitte meines Bauches auf. Ich nahm mir vor, mir meine Hand nie wieder zu waschen.
Ich fühlte mich durch seine Nähe, seinen Geruch, seine ruhige Atmung in jeder Hinsicht so sehr erregt, dass es ein Wunder war, dass ich nicht einfach auf dem Boden zusammensackte. Ich zog den Schlüssel hervor und sah ihm in die Augen. Körperlich trennten uns nur wenige Zentimeter, aber in Wahrheit waren es Lichtjahre, ganze Galaxien.
Ich war ein langweiliges, recht durchschnittliches Mädchen. Ein bisschen verrückt und neurotisch, aber nicht auf die nette Art. Ein typischer Eigenbrötler, der seine Freiheit mehr zu schätzen wusste, als feste Bindungen.
Doch an einen Mann wie ihn könntest du dich binden, schoss es mir durch den Kopf. Woher wollte ich das wissen? Ich kannte ihn doch gar nicht. War ich am Ende so oberflächlich, dass ich Schönheit für ein Versprechen über Glück hielt?
Er nickte in Richtung Tür. «Mein Auto steht direkt vor dem Laden, wenn es dir also nichts ausmacht-?»
Ich schüttelte heftig mit dem Kopf und er sah belustigt drein. «Redest wohl nicht viel, hm?»
Wieder schüttelte ich automatisch den Kopf und schimpfte mich in Gedanken einen Trottel. Ich hätte wirklich gern etwas gesagt, etwas Witziges oder einfach Nettes, aber meine Zunge hatte sich an meinen Gaumen gemeißelt. Wirklich ein ungünstiger Zeitpunkt meines Körpers, mich so im Stich zu lassen.
Draußen hielt sich tapfer die restliche Wärme eines sonnigen Tages, heute Abend würde es schon wieder kühl werden. Irgendwo in der Nähe musste ein Spielplatz sein, ich hörte das Lachen von Kindern, das der Wind bis an unsere Ohren trug.
Er blieb vor einem silbernen Volvo stehen. «Das ist meiner.», erklärte er überflüssigerweise. Ich verstand nicht viel von Autos, aber ich wusste, das war ein ausländisches Fabrikat. Vielleicht Schwedisch, aber ich war mir nicht sicher.
Immer noch viel zu schüchtern schloss ich ihm die Beifahrertür auf und er beugte sich nach vorn, um seine neu erworbenen Bücher auf den Sitz fallen zu lassen. Durch seine Bewegung halb in das Fahrerhaus des Wagens hinein, rutschte sein grüner, sehr weich aussehender Pullover ein Stück nach oben und entblößte ungefähr zwei Zentimeter Haut. Blut schoss mir in die Wangen und ich drehte mich weg. Das war so peinlich. Da war man 20 Jahre alt und hatte bereits mehr gesehen, als man sollte, und eine solch zufällige Reizung ließ die Vorstellungskraft schon in eine eindeutige Richtung gehen. Gott sei Dank stellte er sich nach wenigen Sekunden wieder aufrecht hin, bevor ich es in Gedanken zu bunt treiben konnte. Verdammte Hormone!
«Meine Schlüssel? Krieg ich sie wieder?», fragte er mit sanfter Stimme.
Bevor ich reagieren konnte, griff er danach und streifte dabei meine Handfläche. Mein Herz zog sich zusammen.
«Danke sehr», meinte er schlicht und ging um sein Auto herum. Am liebsten hätte ich dagestanden und ihm nachgeschaut, aber ich fand, für eine Begegnung hatte ich mich einfach schon genug blamiert. Wie ein Zombie torkelte ich in den Laden zurück, meine Haut brannte, mein Herz raste und meine Ohren konzentrierten sich nur auf das Geräusch seines beschleunigten Wagens. Meine Gedanken kreisten wie das Sonnensystem endlos und in einer Ellipsenbahn um die letzten fünf Minuten.
So begegnete ich Cullen das erste Mal.
*
Nachdem ich zweieinhalb Stunden später den Laden geschlossen hatte und zum Bus gehetzt war, hatte sich mein Puls wieder beruhigt. Die letzten Stunden war ich aufgewühlt gewesen, konnte mich kaum auf die einfachsten Dinge konzentrieren. Irgendetwas an diesem Mann hatte mich einfach so aus der Fassung gebracht, dass ich mich verändert fühlte. Ich versuchte mir einzureden, dass er vermutlich dumm war. Jemand, der so aussah wie er, brauchte keine Intelligenz um im Leben erfolgreich zu sein. Selbst ein Studium in Yale war kein Garant für Grips heutzutage. Mit Geld kam man überall rein, und das hatte er ja offensichtlich.
Dagegen sprach allerdings, dass er Shakespeare zu kennen schien. Er hatte schon am Titel meines Buches erkannt, welches die Protagonisten des Stücks waren. Das machte ihn leider noch sympathischer – als wenn seine Ausstrahlung – eine schmeichelhafte Formulierung für Schönheit, damit ich mir nicht ganz so oberflächlich vorkam – allein nicht schon ausgereicht hätte. Ich gab mir größte Mühe, diese Begegnung von eben herunterzuspielen, mir immer wieder Dinge zu sagen wie ‚Du siehst ihn eh nicht wieder’, ‚Das hier ist kein Disney-Film’ und ‚Du hattest einfach schon zu lange keinen Typen mehr’, aber mein Körper sprach eine andere Sprache. Noch immer fühlte ich mich seltsam unsicher auf meinen Beinen. Normal war das jedenfalls nicht.
Im Bus war es angenehm warm und das schummerige Licht ließ mich sehr behaglich fühlen. Mein Mp3-Player spielte mein Lieblingslied, den Canon in D-Dur von Pachelbel und ich lehnte mich zurück, schaute aus dem Fenster und überlegte, wie es sich wohl anfühlte, von dem Mann mit dem silbernen Volvo geküsst zu werden.
Utopisch? Definitiv.
Erbärmlich? Vielleicht?
Sehnsucht-erweckend? Auf jeden Fall…
Seufzend schloss ich meine Wohnungstür auf, als ich zu Hause ankam. Mein erster Blick fiel auf die Wohnzimmercouch, auf der Jessica sich mit einer genervt aussehenden Schwarzhaarigen unterhielt. Sie sah aus, als überlege sie sich gerade eine Flüchtmöglichkeit, um dem endlosen Redeschwall ihrer neuen Mitbewohnerin zu entkommen. Sie sah mich hoffnungsvoll an. Ich grinste dem Mädchen verschwörerisch zu und sie verdrehte die Augen. Ich mochte sie vom ersten Moment an. Uns verbanden nur gereizte Nerven wegen Jessica, aber für eine erste Sympathie genügte das vollauf.
Sie stand auf und kam auf mich zu.
«Bella, nicht wahr? Hallo, mein Name ist Alice.» Sie lächelte und fast erwartete ich, das dünne, kleine Mädchen einen Knicks machen zu sehen wie in Jane-Austen-Romanen. Es hätte irgendwie zu ihr gepasst.
«Schön, dich kennenzulernen.» Wir grinsten uns an und Jessica kam auf uns zugelaufen. Sie war eigentlich sehr hübsch, hatte ein strahlendes Lächeln und hellbraune Locken. Allerdings verflog der Eindruck sofort, als sie den Mund aufmachte.
«Schön, dich kennenzulernen.» Wir grinsten uns an und Jessica kam auf uns zugelaufen. Sie war eigentlich sehr hübsch, hatte ein strahlendes Lächeln und hellbraune Locken. Allerdings verflog der Eindruck sofort, als sie den Mund aufmachte.
«Ich bin ja so froh, mit netten Mädels wie euch zusammen zu wohnen.», sagte sie mit leuchtenden Augen. «Ich hatte schon Angst, ich würde mich hier nicht zurechtfinden, ich komme ja aus einer Kleinstadt und meine Güte, das hier ist Yale! Das ist alles so aufregend, die ganzen Jungs, die vielen Kurse und oh, habt ihr schon die Mensa im Brandford-Haus gesehen? Wie in einem Märchen… ich bin sicher, wir werden tolle Freundinnen.»
Alice fing an zu lachen und Jessica missverstand es. «Ach es ist toll mit euch», rief sie freudig und umarmte das Mädchen, dem das Lachen plötzlich vergangen war. Es klopfte an der Tür und ich öffnete sie, nicht ohne meiner neuen Mitbewohnerin einen mitleidigen Blick zuzuwerfen. Hinter der Tür standen ein Mann und eine Frau, die mich freundlich lächelnd betrachteten. Er trug eine große Kiste und die Frau hatte mehrere Tüten in der Hand.
«Hallo, wir sind Carlisle und Esme, Alices Eltern», stellte der Mann sich vor und ich schüttelte beiden die Hand.
«Hi, ich bin Bella, die Mitbewohnerin.» Als ich Esmes Hand losließ, trat ich zur Seite und ließ sie herein. Auch wenn es mir unwahrscheinlich vorkam, aber sie konnten beide kaum über 40 sein. Ungewöhnlich, meine Eltern hatten die 60 fast schon erreicht.
«Mom! Dad!» Alice schien sich zu freuen und sie kehrte Jessica den Rücken zu. Ihr Dad fuhr ihr liebevoll mit seiner Hand über den Rücken und ihre Mutter umarmte sie. Sofort bildete sich ein Kloß in meinem Hals, meine Eltern waren nicht gekommen, um mich zu besuchen oder beim Einzug zu helfen, dabei wohnten sie hier in Connecticut.
Was meine Eltern anging, so war ich sicher wie die Hölle, dass sie mir Yale vor allem deshalb finanzierten, damit ich aus dem Haus war. Ich will nicht undankbar sein, aber unser Verhältnis – so kalt es auch immer noch war – war erst dann ein wenig aufgetaut, als es darum ging, dass ich ausziehen sollte. Liebevolle Eltern vorgesetzt zu bekommen, wie die von Alice auf den ersten Blick zu sein schienen, rief einen wohlbekannten Schmerz in meiner Brust hervor – eine Pein, der so alt war, wie ich selbst. Sie fehlten mir, trotz allem. Jetzt, da ich ausgezogen war, würden auch die letzten zarten Vertrautheiten zwischen uns abbrechen, da brauchte ich mir keine falschen Hoffnungen zu machen.
«Wir haben dir noch ein paar Sachen vorbeigebracht, Liebes», sagte ihre Mum und lief so zielstrebig zur Küche, als würde sie sich hier auskennen. Ich vermutete, sie waren schon mal hier gewesen, als ich noch arbeiten war. Alice lief mit ihren Eltern in die Küche und ich setzte mich auf die Wohnzimmercouch. Mein Dad war Polizist und zulange dabei, um ohne Vorbehalte einem Menschen zu begegnen. Er misstraute jedem, das schloss auch mich und meine Mutter ein. Sie hingegen war einfach ein kalter Mensch. Gefühle zu zeigen gehört nicht zu ihren Stärken, sie verließ sich nur auf ihren Verstand. Meine Mum war sehr intelligent und arbeitete als Innenarchitektin, was es mir ermöglichte, hier in Yale zu studieren. Natürlich liebte ich meine Eltern trotzdem und sicher hatten sie auch für mich etwas übrig, aber es war kein inniges Verhältnis. Nicht im Entferntesten.
Ich schaltete den Fernseher ein und versuchte, meinen Neid auszublenden, als ich sah, wie unglaublich liebevoll Carlisle und Esme zu ihrer Tochter waren.
Alice ähnelte ihrem Vater. Sie hatte die gleiche Nase und dieselbe hohe Stirn. Er hatte blaue Augen, genau wie sie, wobei mir auffiel, dass ihr Blau mit einen Hauch Grau durchzogen war. Ihre Mutter war sehr schön, hatte brünette Haare und eine helle Haut. Ihre Augenfarbe konnte ich nicht erkennen, sie stand mit dem Rücken zu mir und packte gerade eine Schreibtischlampe aus.
Im Fernsehen kam nichts Interessantes, also ging ich zur Musikanlage. Automatisch legte ich Pachelbel ein, nichts beruhigte mich so wie klassische Musik. Ich war mir bewusst, dass Menschen in meinem Alter nicht gerade stereotypisch Klassik hörten, aber darauf gab ich nichts. Ich war schon immer irgendwie anders gewesen als die anderen, ein Freak könnte man sagen. Die meiste Zeit kümmerte ich mich sowieso nicht darum, was andere über mich dachten, aber es gab Ausnahmen von dieser Regel. Ich wusste nicht, ob es nur sein Aussehen war, aber es würde mich definitiv kümmern, was dieser Typ aus dem Buchladen über mich dachte. Cullen, das hatte auf seiner Kreditkarte gestanden. Kein sehr ungewöhnlicher Name.
Schon nach den ersten Takten fühlte ich mich entspannter und ließ mich in einen Sessel fallen. Müde schloss ich die Augen und blendete alles aus, spürte nur die Musik, wie sie in meinem Inneren nachhallte und die Wehmut ausbremste, die sich durch Alice Eltern in mein Gemüt geschlichen hatte.
«Ist alles in Ordnung mit dir, Bella?», riss mich eine besorgte Stimme aus meinen Träumereien. Esme stand vor mir und wirkte nachdenklich. Mich traf der Schlag, als ich in ihre Augen sah. Sie waren groß und grün und erinnerten mich damit an jemand anderen, den ich heute auch zum ersten Mal getroffen hatte.
«Ja, alles bestens. Ich bin nur erschöpft», antwortete ich ihr. Ihre ehrliche Besorgnis machte mich betroffen. Meine eigene Mutter hätte so eine seichte Stimmungsschwankung sicherlich nicht bemerkt.
Alice ließ sich mit ihrem Dad auf die Couch fallen und Jessica verschwand im Bad.
Die kleine Alice beugte sich vor und deutete auf die Badtür, hinter der die Dritte im Bunde verschwunden war. «Ehrlich Bella, ist die immer so?», flüsterte sie und zwirbelte die Enden ihrer kurzen Haare zwischen Daumen und Zeigefinger.
«Ja», erwiderte ich schmunzelnd.
«Mom, Dad, ich will ausziehen», verkündete sie daraufhin, ohne einmal vorher Luft zu holen. Ich wusste nicht, wie ernst sie das meinte, aber irgendwie schmerzte es mich, dass sie gehen wollte. Ich mochte sie irgendwie jetzt schon sehr, dabei kannten wir uns erst ein paar Minuten. Es war albern aber… ich wollte nicht jeden Tag mit Jessica alleine sein.
«Ich weiß nicht», sagte ihre Mum. «Du solltest dem Mädchen ein bisschen Zeit geben, vielleicht versteht ihr euch mit der Zeit besser.»
«Dad», sagte Alice und ignorierte den Einwand ihrer Mutter. «Hättest du damals zugelassen, dass dir eine Nervensäge dein Medizinstudium versaut?»
Er lachte. «Du wirst so kurz vor Beginn der Vorlesungen vermutlich kein neues Appartement finden.»
«Ich frag Edward», sagte sie sofort. «Da kann er seinen Charme einmal sinnvoll einsetzen.» Die drei lachten, aber ich hatte den Witz nicht verstanden.
«Ich frag Edward», sagte sie sofort. «Da kann er seinen Charme einmal sinnvoll einsetzen.» Die drei lachten, aber ich hatte den Witz nicht verstanden.
«Edward ist einer meiner Brüder», erklärte sie mir. «Studieren beide hier in Yale.»
«Deine Brüder sind auch hier?», fragte ich.
«Ja. Sie haben sich für Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben, nur mit verschiedenen Nebenfächern. Sind beide im dritten Semester.»
Ich schaute fragend.
«Zwillinge», antwortete sie und zuckte mit den Schultern. «Aber sie sind völlig unterschiedlich, Gott sei Dank. Zwei Edwards könnte die Welt nicht verkraften.» Wieder lachten sie, aber es klang nicht hämisch, sondern einfach fröhlich.
«Achso», sagte ich nur. Ob ihr wohl bewusst war, wie gut sie es hatte? Sie hatte diese Traumeltern, deren Liebe zueinander und zu ihrer Tochter jedem entgegen funkelte, der zufällig dazwischen geriet und sie war nicht allein hier in Yale, sie hatte zwei Brüder in ihrer Nähe.
«Was studierst du denn, Bella?», wollte Carlisle wissen. Er griff nach einer Wasserflasche vom Tisch und trank einen Schluck.
«Auch Wirtschaftswissenschaft», antwortete ich und streckte meinen Rücken, um die von der Arbeit schmerzenden Muskeln zu lockern.
«Dann läufst du dem Rest unseres Clans sicher mal über den Weg», schmunzelte Esme und bedachte mich mit einer kurzen, aber höflichen Musterung.
«Bestimmt», erwiderte ich freundlich. Warum konnten meine Eltern nicht auch so sein?
Jessica kam aus dem Bad und wuselte zu uns ins Wohnzimmer. Alice verdrehte sehr offensichtlich die Augen, aber entweder sah unsere Mitbewohnerin es nicht oder sie wollte nichts sehen.
«Deine Eltern sind so nett», sagte sie zu Alice. «Ich find’s toll hier in Yale.» Ihr Blick war immer noch so übertrieben begeistert, sie machte mir so langsam Angst. Ich gab zu, Yale war die Elite der Elite, aber meine Begeisterung wurde durch große Unsicherheit gestaucht. Noch konnte ich nicht so richtig einschätzen, was hier alles auf mich zukam.
Alices Eltern warfen sich einen Blick zu und standen dann auf.
«Rede mit Edward», sagte Carlisle nur mit einem Blick auf Jessica und Alice und ich mussten lachen. Sie brachte ihre Eltern noch zur Tür.
«War nett, dich kennen zu lernen», sagte ihre Mum und drückte mich kurz vertrauensvoll an mich. Ich versteifte mich, es schmerzte mich zu sehr, erinnerte mich daran, dass meine Mutter das lange nicht getan hatte.
Wir verabschiedeten uns voneinander und schließlich waren wir in unserer neuen WG unter uns.
«Soll ich uns ein paar Sandwiches machen?», schlug ich vor. Hunger hatte ich nicht besonders, aber Appetit auf jeden Fall.
«Oh ja!», erwiderte unsere neue, ungeliebte Freundin enthusiastisch. «Ich schneide die Tomaten. Bei mir zu Hause habe ich auch jeden Abend den Salat gemacht, immer mit meiner Mutter zusammen. Sie wollte, dass mein Dad auch half, aber der hat sich immer irgendwie herausgeredet oder uns einfach ignoriert. Mein Dad arbeitet in der Verwaltung einer Möbelhauskette und da -»
Alice und ich hörten ihr nicht mehr zu. Sie beugte sich zu meinem Ohr und murmelte: «Wie wär’s, ich halte sie fest und du verklebst ihre Lippen mit Sekundenkleber?» Ich prustete los und Jessica sah uns verständnislos an.
«Ich geh telefonieren», verkündete Alice und verschwand in Richtung ihres Zimmers. Sie winkte mich heran.
«Was hältst du von der Idee, hier auszuziehen? Ich wollte mir sowieso so bald wie möglich was anderes suchen, und nun habe ich einen Grund, mich damit verdammt zu beeilen. Ich war schon für Harvard eingeschrieben, als die Zusage von Yale kam, ich hatte nicht mehr damit gerechnet. Ich hab mich einfach letzte Woche wieder exmatrikulieren lassen und hab hier in Yale das erstbeste Zimmer genommen, was ich kriegen konnte. Aber ich bin sicher, wir finden noch was Besseres.» Sie sah mich verschwörerisch an. «Also, bist du bereit, das perfekte Appartement zu suchen?» Ihre Augen leuchteten.
Ich musste lächeln. «Aber du bist erst wenige Stunden hier, willst du nicht noch etwas abwarten?»
Sie schüttelte sofort den Kopf. «Mein Dad hat Recht, Montag fangen die Vorlesungen an. Wir müssen uns beeilen, denn sonst werden alle Wohnungen belegt sein. Wir haben sowieso mehr Glück als Verstand, wenn wir überhaupt noch eine einzige finden.»
«Was hältst du von der Idee, hier auszuziehen? Ich wollte mir sowieso so bald wie möglich was anderes suchen, und nun habe ich einen Grund, mich damit verdammt zu beeilen. Ich war schon für Harvard eingeschrieben, als die Zusage von Yale kam, ich hatte nicht mehr damit gerechnet. Ich hab mich einfach letzte Woche wieder exmatrikulieren lassen und hab hier in Yale das erstbeste Zimmer genommen, was ich kriegen konnte. Aber ich bin sicher, wir finden noch was Besseres.» Sie sah mich verschwörerisch an. «Also, bist du bereit, das perfekte Appartement zu suchen?» Ihre Augen leuchteten.
Ich musste lächeln. «Aber du bist erst wenige Stunden hier, willst du nicht noch etwas abwarten?»
Sie schüttelte sofort den Kopf. «Mein Dad hat Recht, Montag fangen die Vorlesungen an. Wir müssen uns beeilen, denn sonst werden alle Wohnungen belegt sein. Wir haben sowieso mehr Glück als Verstand, wenn wir überhaupt noch eine einzige finden.»
Ich sah mich in ihrem Zimmer um, es war genauso klein wie meins, nur etwas anders geschnitten. Sie hatte noch nichts ausgepackt, es herrschte das reinste Chaos. Mir missfiel der Gedanke ebenfalls, Jessica noch mindestens zwei Semester zu ertragen und die Zeit drängte, wenn wir es wirklich wagen wollten, umzuziehen. Allerdings kannte ich Alice erst seit zehn Minuten, war das alles nicht ein bisschen übertrieben?
Andererseits … was hatte ich schon zu verlieren? Weniger Berechnung, mehr Risiko, weniger Planung, mehr Bauchgefühl … war das nicht ein guter Anfang, um in das Studentenleben zu starten? Etwas zu wagen, auch wenn es nicht durchdacht und ausgereift war?
«Ich bin dabei», flüsterte ich schließlich und warf ihr ein konspiratives Grinsen zu, das sie erwiderte.
Sie griff nach ihrem Handy und wählte eine Kurzwahltaste. «Ich rufe Edward an, der kann uns helfen.» Schon nach wenigen Sekunden nahm jemand ab.
«Hi, Gott sei Dank. Ich brauch deine Hilfe», sagte sie und schaltete den Lautsprecher ein, damit ich mithören konnte.
«Hallo Kurze!», rief ihr Bruder erfreut. «Tut mir leid, dass ich heut noch nicht vorbeigeschaut habe.»
«Macht nichts, du kannst es wieder gutmachen. Edward, eine meiner Mitbewohnerinnen ist schrecklich. Die Wohnung ist, nebenbei gemerkt, auch nicht der Kracher. Meinst du, du kannst dich mal umhören, ob woanders noch was frei ist?», bat sie ihn.
«Macht nichts, du kannst es wieder gutmachen. Edward, eine meiner Mitbewohnerinnen ist schrecklich. Die Wohnung ist, nebenbei gemerkt, auch nicht der Kracher. Meinst du, du kannst dich mal umhören, ob woanders noch was frei ist?», bat sie ihn.
«Klar. Willst du lieber alleine wohnen?», fragte er.
«Nein, zu zweit. Meine andere Mitbewohnerin ist nämlich ganz toll.» Sie nickte mir eifrig zu und ich lachte.
«Okay, ich tu, was ich kann. Darf ich dich morgen zum Frühstück einladen, wenn ich heut schon nicht da war?», fragte er noch.
«Okay, ich tu, was ich kann. Darf ich dich morgen zum Frühstück einladen, wenn ich heut schon nicht da war?», fragte er noch.
«Ja, darfst du», sagte Alice und strahlte.
«Gut. Um 10 hol ich dich ab. Schlaf gut!»
«Bis dann! Und danke.» Es klickte in der Leitung und sie strahlte über beide Wangen. «Das wird super, Bella! Ich schwör’s dir! Wenn jemand eine tolle Wohnung findet, dann er!» Plötzlich wirkte sie besorgt. «Es ist dir doch wirklich recht, oder, dass wir ausziehen? Du musst nicht, wär auch kein Problem wenn-»
«Du bist verrückt», sagte ich lachend. «Das muss ich zugeben. Aber ich denke, wenn wir unsere Nerven nicht gleich ruinieren wollen, bleibt uns wohl sowieso keine andere Wahl.»
«Ihr seid richtig blöde Schnepfen, wisst ihr das?», sagte plötzlich eine beleidigte Stimme an der Tür. Alice und ich schauten gleichzeitig auf. Jessica stand da, offenbar hatte sie gelauscht. Mir war das schrecklich peinlich und ich schaute auf meine Schuhe. Aber Alice blieb ganz cool.
«Die Wohnung und die Umstände hier sagen uns nicht so zu», erklärte sie nonchalant und ging in die Küche. Ich folgte ihr.
«Ich geh auswärts essen, da ihr ja ohnehin keinen Wert auf meine Gesellschaft legt!» Jessica schnappte sich ihre Jacke und ging nach draußen, natürlich nicht ohne die Tür zuzuknallen. Wie in einem Teenie-Film.
Alice grinste schief und schüttelte den Kopf über mein offensichtliches schlechtes Gewissen. «Mach dir keine Gedanken um die. Die kriegt sich schon wieder ein. Und wenn nicht, wen kümmert’s?»
Wieder musste ich über ihre offene Art lachen. Zusammen grillten wir Mais und machten uns ein paar Brote, als es wieder an der Tür klingelte.
«Ich geh schon», flötete sie und tanzte zur Tür. Bewundernd schaute ich ihr hinterher und nahm mir vor sie zu fragen, ob sie mal Ballettunterricht gehabt hatte. Plötzlich hörte ich einen Schrei aus dem Wohnzimmer. Neugierig sah ich nach, was los war.
In der Tür stand ein großer Typ mit breiten Schultern und einem Grinsen im Gesicht. Er umarmte Alice freundschaftlich und sie schien sich sehr zu freuen. Hinter ihm betrat ein Mädchen den Raum, dass so ungefähr das weibliche Äquivalent zu dem Typ heute aus der Buchhandlung war. Sie war groß, schlank, braungebrannt und hatte natürlich blonde Haare, die sie im Moment halb hochgesteckt hatte. Eine Spur Hochmut lag in ihrem schönen Gesicht, genauer gesagt in den Zügen um ihren Mund, aber ihre Augen verrieten nichts davon.
«Hallo Süße!», sagte sie herzlich und nahm sie in den Arm. Sie juchzte und nun kam der breite Typ auf mich zu.
«Hallo, ich bin Emmett. Du musst eine Mitbewohnerin sein», stellte er sich vor.
Ich reichte ihm die Hand. «Ja, ich bin Bella. Du bist ihr anderer Bruder, oder?»
«Ja», er wirkte erstaunt. «Hast du Edward schon kennengelernt?», fragte er.
«Nein, noch nicht», erwiderte ich. «Aber ich hab vorhin gehört, wie Alice mit ihm telefoniert hat.»
Das schöne Mädchen kam dazu. «Bella, das ist Rosalie, meine Verlobte», sagte Emmett stolz.
Das schöne Mädchen kam dazu. «Bella, das ist Rosalie, meine Verlobte», sagte Emmett stolz.
Sie verdrehte die Augen. «Ich kann mich auch selbst vorstellen», murmelte sie. «Hallo Bella.» Sie reichte mir die Hand. Ihr Gesichtsausdruck war freundlich, aber auch wachsam. Sie taxierte mich genau mit ihren Blicken, aber nicht abschätzend, sondern eher einschätzend.
«Hi», antwortete ich. Ihre Schönheit schüchterte mich ein.
Alice schaltete sich ein und bat unsere Besucher, sich zu setzen. Ich ging in die Küche zurück und holte noch etwas Mais aus dem Kühlschrank. Wir würden mehr zu essen brauchen. Die schöne Rosalie folgte mir.
«Wir haben ein bisschen Fingerfood und Wein mitgebracht», sagte sie. «Das ist Alices erste Wohnung, das muss gefeiert werden!»
«Danke», sagte ich höflich und holte ihr einen Flaschenöffner und einen Teller. Sie richtete ein paar kleine Frühlingsrollen und Teigtaschen an und ich folgte ihr ins Wohnzimmer mit dem Salat und den Sandwiches. Ich legte Vivaldi ein und erinnerte mich sofort wieder an die Begegnung mit dem Mann im Buchladen. Mir wurde ganz anders im Magen. Kribbelig.
Da alle anderen Plätze belegt waren, nahm ich wieder auf dem Sessel Platz. Alice holte Weingläser aus ihrem Zimmer und Rosalie summte leise die Melodie mit.
«Ich mag Vivaldi», sagte sie und sah mich lächelnd an. «Es ist so mitreißend, oder?»
«Auf jeden Fall», stimmte ich ihr zu, ein bisschen verwundert darüber, dass jemand außer mir der Musik im Hintergrund Beachtung schenkte und sogar den Komponisten erkannte.
«Edward lässt sich entschuldigen», sagte Emmett zu seiner Schwester. «Er ist heute bei Sabrina und verbringt die Nacht da.»
«Sabrina?», fragte Alice. «Seine Neue?»
«Ja», bestätigte Rosalie. «Seit letzter Woche.»
«Was ist mit Tanya?», wollte Alice wissen.
«Naja, du weißt ja, wie die sind. Sie hassen sich, sie lieben sich. Und im Moment hassen sie sich wieder.»
«Diese Sabrina ist auch wieder so», lästerte Rosalie und trank von ihrem Rotwein. «Gar nicht mal dumm, aber so entsetzlich oberflächlich… Sie kennt jeden in New York, der angesagt ist, aber wirkliche Freunde hat sie keine, was nicht eben für ihren Charakter spricht.»
«Diese Sabrina ist auch wieder so», lästerte Rosalie und trank von ihrem Rotwein. «Gar nicht mal dumm, aber so entsetzlich oberflächlich… Sie kennt jeden in New York, der angesagt ist, aber wirkliche Freunde hat sie keine, was nicht eben für ihren Charakter spricht.»
«Sicher ist sie hinreißend», meinte Alice.
«Sie ist bildschön», bestätigte ihre Beinahe-Schwägerin.
Ich hörte auf, ihrem Gespräch zu folgen, weil ich ja doch keinen kannte, um den es ging und lauschte lieber der Musik. Es war das zweite Allegro des Frühlings, wie vorhin im Buchladen. Ich schloss die Augen und dachte zurück an den unglaublichen Duft des Mannes, dem ich dort begegnet war. Vor meinem inneren Auge entstanden automatisch Phantasien. Ich sah den Mann auf mich zukommen und rief mir seinen Duft in Erinnerung, um die Vorstellung realistischer werden zu lassen. Automatisch rutschte ich tiefer in den Sessel und ich stellte mir vor, wie er mir «Viel Lärm um nichts» aus der Hand riss und seine perfekten Lippen auf meine legte. Schlagartig klopfte mein Herz doppelt so schnell. Ich dachte zurück an dem Moment, als ich nach seinem Schlüssel in seiner Jeanstasche gesucht hatte. Was er durch seine bloße Anwesenheit ausrichtete, war unvorstellbar. Vielleicht würde ich ihn wiedersehen, wenn er auch Wirtschaft studierte. Ich hoffte, dass es auch wirklich so war. Vielleicht interessierte er sich auch einfach nur für Finanzwirtschaft?
«Erde an Bella!», riss mich Emmett aus meinen Träumereien. Er wirkte sehr amüsiert. «An was hast du denn gerade gedacht, hm?»
Erschrocken setzte ich mich aufrecht hin. «An nichts, wieso?»
Er lachte. «Du hast beinahe gesabbert.» Rosalie lächelte mich an und Alice brach wie ihr Bruder in schallendes Gelächter aus.
«Ich…naja… war nur…Vivaldi!», stotterte ich und senkte verlegen den Blick. Das war mir peinlich, wie so vieles heute, darum floh ich in die Küche, um den Mais zu holen.
«Vivaldi ist großartig», sagte Rosalie mit Begeisterung, als ich zurück ins Wohnzimmer kam und rettete mich damit. «Besonders der Frühling ist ein schönes Stück. Auf unserer Hochzeit wird das unser erster Tanz.» Ihre Augen leuchteten auf.
«Wann wollt ihr denn heiraten?», fragte ich und hoffte, nicht zu neugierig zu erscheinen.
«Im Dezember», antwortete Emmett. «Bei meinen Eltern in den Hamptons.»
«Im Winter?», fragte ich überrascht.
«Rosalie mag den Schnee», verriet Alice. «Sie hat darauf bestanden, noch vor Weihnachten zu heiraten.
Ich wollte gerade etwas erwidern, da öffnete Jessica die Wohnungstür. Ihr Blick verriet, dass sie noch immer sauer war. Mein schlechtes Gewissen meldete sich sofort wieder.
Ich wollte gerade etwas erwidern, da öffnete Jessica die Wohnungstür. Ihr Blick verriet, dass sie noch immer sauer war. Mein schlechtes Gewissen meldete sich sofort wieder.
Emmett stand auf und ging auf sie zu. «Hallo, ich bin-.»
«Mir egal», fauchte Jessica wie ein wütender Tiger. «Ich geh schlafen!» Sie verschwand in ihrem Zimmer und Emmett sah ziemlich verdutzt aus. «Mit der wollt ihr zusammen wohnen?», fragte Rosalie kopfschüttelnd. «Was für eine unangenehme Person.»
«Bella und ich werden ausziehen», verkündetet Alice stolz. «Hab vorhin mit Edward geredet, er dreht das für mich.»
«Warum, bis auf das schreckliche Mädchen ist es doch nett hier», meinte Emmett.
«Naja», erwiderte Rosalie und sah sich mit kritischem Gesichtsausdruck um. «Eure Wohnung ist recht klein und einfach.»
«Naja», erwiderte Rosalie und sah sich mit kritischem Gesichtsausdruck um. «Eure Wohnung ist recht klein und einfach.»
«Eben», sagte Alice und nickte.
«Na dann stoßen wir auf euren Einzug und Auszug an!», schlug ihr Bruder vor. Und das blieb nicht unser einziger Toast heute Abend.
Yale. Ich war in Yale… Und es wurde Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen.
Es hieß doch, die Studienzeit wäre die schönsten Jahre des Lebens. Hoffentlich würde ich das in fünf Jahren bestätigen können.
Alice würde mir vielleicht dabei helfen. Und wenn ich mit ein bisschen mehr Glück bedacht werden würde, als es gewöhnlich der Fall war, traf ich sogar den hübschen Mann aus dem Buchladen wieder.
Alles war möglich, nichts war sicher.
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