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von Lilly-san
erstellt: 07.08.2009
letztes Update: 25.10.2011
Geschichte, Allgemein / P16
(pausiert)
*~*~*~*~*~*~*~*~* Kapitel 1 *~*~*~*~*~*~*~*~*
Müde schaute ich aus dem Fenster. Himmel und Wolken so weit das Auge reichte. Zum hundertsten Mal blickte ich auf meine Armbanduhr. Sieben Stunden flog ich nun schon und hatte noch etwa fünf weitere vor mir. Drei DVDs und ein Groschenroman waren meiner Langeweile schon zum Opfer gefallen.
Aber nun?
Schlafen? Dazu war die Aufregung zu groß.
Eine neue DVD?
Oder einen Groschenroman?
Ich streckte mich, soweit es der Platz zuließ und ohne dass ich meinen Sitznachbar erschlug, und entschied, mir die Kopfhörer in die Ohren zu stecken, um mich mit Musik voll zu dröhnen.
Zwei Wochen Urlaub.
Nach Langem kam ich mal wieder aus Deutschland heraus. Wenn ich genau nachrechnete, war es acht Jahre her, dass ich das letzte Mal Urlaub im Ausland gemacht hatte. Und dank eines Geschenkes aller Freunde, Verwandten und Bekannten war es mir nun wieder möglich. Alle hatten zusammengelegt und mir diese Reise bezahlt.
Worauf hast du dich nur eingelassen?, fragte mich mein Gewissen.
Natürlich wollte ich unbedingt irgendwann nach Japan. Ich hatte schon einiges über das Land und die Menschen dort gelesen. Dazu gab es auch noch meinen alten Schulaufsatz über die Modernisierung des Landes, welchen ich vor Jahren in der Schule geschrieben hatte.
Doch alleine nach Japan reisen? In ein Land, dessen Sprache ich nicht beherrschte? Gut, ich konnte mich schon, dank des umfangreichen Reiseführers, nach dem Weg erkundigen oder auch Kleinigkeiten einkaufen. Aber das war eben nicht zu vergleichen, wie mit einem Urlaub nach England oder Amerika.
Und trotz des Referates kannte ich all die Bräuche und Traditionen nicht wirklich. Von daher versprach es ein recht aufregender Urlaub zu werden. Mit Sicherheit würde ich nicht nur in ein Fettnäpfchen treten.
Meine Familie und Freunde hatten es doch nur gut gemeint, redete ich mir Mut zu, zog geräuschvoll die Luft ein und stieß sie in einem langen Seufzer wieder aus. Ich sollte mir nicht so viele Gedanken machen, sondern alles einfach genießen. Es würde alles bestimmt gutgehen.
Von der Musik entspannt, schloss ich die Augen und schlief wenig später ein.
In meinem Traum befand ich mich in einem dunklen, dichten Wald, aus dem anscheinend alle Tiere verschwunden waren. Das Einzige, was in dem Wald lebte, waren große Ungeheuer, welche vor mir herumrannten. Eine dieser Kreaturen kam auf mich zu und berührte mich an der Schulter. Wie vom Blitz getroffen schreckte ich aus meinem wirren Traum auf. Mein Herz hämmerte schnell gegen meine Brust. Das hatte sich irgendwie echt angefühlt, als seine Hand meine Schulter berührt hatte…
»Alles in Ordnung mit Ihnen?«, fragte eine weibliche Stimme neben mir.
»Wie?« Verwirrt blickte ich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Mit besorgtem Blick schaute mich die Stewardess an.
»Ich wollte Sie nicht erschrecken«, entschuldigte sie sich, »aber es ist Zeit für das Essen.« Mit diesen Worten hielt die Stewardess mir mein Tablett mit meinem bestellten Menü hin.
»Oh … Ja, danke.« Mein Herz klopfte noch immer wie wild. Mit einem verstohlenen Blick zu meinen zwei Sitznachbarn nahm ich das dargebotene Tablett entgegen.
»Guten Appetit«, wünschte mir die Stewardess und ging mit ihrem Wagen weiter zur nächsten Reihe.
Gott, wie peinlich, ging es mir durch den Kopf. Ich merkte, wie sich meine Sitznachbarn zusammennahmen, um nicht laut loszulachen. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken, doch leider ging das nicht. So saß ich mit hochrotem Kopf vor meinem Essen, das auf dem ausklappbaren Tisch stand. Der Appetit war mir zwar vergangen, doch ich wollte mir das Essen auf keinen Fall nehmen lassen. Ein leckeres Schnitzel mit Rahmsoße, Gemüse und Kroketten lagen köstlich riechend auf dem Teller. Da ich nicht wusste, wann ich wieder europäisches Essen zu mir nehmen würde, genoss ich bis zum letzten Bissen das Mahl.
Nachdem die leeren Tabletts weggeräumt waren und jeder sich wieder darum kümmerte die noch verbleibende Zeit totzuschlagen, setzte ich die Kopfhörer wieder auf, kramte meinen dicken Reiseführer heraus und blätterte darin herum. Es gab so viel zu besichtigen. Den Kaiserpalast, den Meiji-Schrein, den Tokio-Tower, den Hamarikyu-Garten … Ich wusste gar nicht genau, wie ich das alles in nur zwei Wochen schaffen sollte. Zudem wollte ich unbedingt in eins der zahlreichen Tempelklöster gehen. Ich liebte den Singsang der Mönche, wenn sie beteten. Es wirkte beruhigend. So hatte es bisher immer auf mich gewirkt, wenn es in Filmen oder Dokumentationen gezeigt wurde.
Kurz bevor wir in Narita landeten, wachte ich erneut auf. Das war ein Flughafen in der Nähe von Tokio. Mein Aufenthalt dort dauerte jedoch nicht lange, denn ich musste weiter nach Matsumoto. Ein Flughafen in der Nähe von Shiojiri. Auch hier bot sich mir der gleiche Anblick wie in Narita. Der Flughafen lag umgeben von Reisfeldern außerhalb der Stadt. Ein wahrlich schöner Anblick.
Erschöpft, jedoch glücklich fast angekommen zu sein, fragte ich an einem Schalter nach dem Weg zu meiner Herberge. Sehr freundlich und höflich erklärte mir die Mitarbeiterin den Weg und machte mich darauf aufmerksam, dass ein Bus jede halbe Stunde von hier dort vorbeifuhr. Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, war auch schon ein weiterer Mitarbeiter zur Stelle, um mir mit meinem Koffer zu helfen. In schicker, dunkelblauer Uniform und goldenen Knöpfen. Mit weißen Handschuhen an, nahm er den Koffer und führte mich zur Haltestelle. Was für ein Service, ging es mir durch den Kopf, so etwas bräuchten wir in Deutschland auch.
Der Bus hielt fast direkt vor der Herberge. Ich schaute dem Bus ein wenig wehmütig nach. Er war gemütlich gewesen, wenn auch schon einige Jahre alt. Aber gut zum Dösen. Obwohl ich das Gefühl hatte, ich könnte jetzt überall schlafen. Selbst wenn die Welt genau in diesem Moment untergehen würde. Der Flug war doch anstrengender gewesen, als ich am Anfang gefühlt hatte. Vor allem die Zeitverschiebung von sieben Stunden, die wir hier im Voraus waren, war ungewohnt und ermüdend.
Als der Bus nicht mehr zu sehen war, drehte ich mich um, bereit mein neues Heim und dessen Umgebung der nächsten zwei Wochen anzuschauen.
Die Herberge war leicht zu erkennen. Sie stand als einziges Haus in einer Sackgasse, welche in einer Kurve endete. Gerade genug Platz zum Wenden eines Busses.
Gemütlich lief ich mit meinem Rollkoffer in der einen Hand und meinen Rucksack auf der anderen Schulter zu dem kleinen Tor am Vordereingang. Mit pochendem Herzen begutachtete ich das Haus. Es war aus weißem Stein gebaut und besaß zwei Stockwerke. Die quadratischen Fensterrahmen und die Haupteingangstür waren aus dunkelbraunem Holz, was einen schönen Kontrast zu dem weißen Stein war. Um das Haus zog sich ein kleiner Garten mit einem kleinen Teich, in dem Fische schwammen. Langsam ging ich über den mit Kies belegten Weg zur Eingangstür.
Bevor ich eintrat, zog ich die Schuhe aus. Wie es sich in diesem Land nun einmal gehörte. Dann schob ich die Tür auf und trat ein. Die Frau am Empfang begrüßte mich herzlich. Mit wenigen Worten in Englisch erklärte ich ihr meinen Wunsch nach einem Bett und Schlaf. Nickend nahm sie einen Schlüssel und brachte mich zu meinem Zimmer. Mit einer leichten Verbeugung und einem Lächeln wünschte sie mir eine angenehme Nacht und verschwand.
Das Zimmer war typisch japanisch eingerichtet. Eine kleine, verzierte Holzkommode stand neben dem Fenster, eine weiße Vase mit Blumen auf ihr. Neben der Tür war ein kleiner Tisch. Wahrscheinlich um das Essen zu sich zu nehmen, Schreibarbeiten zu erledigen, oder einfach nur als Zierde. Der Boden war mit Tatami; Bodenmatten aus Stroh und Binsengeflecht, ausgelegt. Ein paar Kissen am Fußboden dienten als Sitzgelegenheiten. Als Schlaflager diente ein wattierter Futon. Auf diesem lag eine Yokata; ein Baumwollgewand mit weiten Ärmeln, zum Schlafen griffbereit.
Ich stellte meinen Koffer im Zimmer ab. Morgen würde ich den Inhalt auspacken. Jetzt wollte ich nur noch eine heiße Dusche nehmen, die Haare waschen und dann ins Bett. Mit meiner Kosmetiktasche unterm Arm und der Yokata in der Hand, machte ich mich auf zu den Duschen. Wie in jeder Herberge gab es für Frauen und Männer getrennte Duschen. Nachdem ich geduscht und meine Haare gewaschen hatte, ging ich zurück in mein Zimmer. Schon fast schlafend legte ich mich hin. Endlich. Der Urlaub konnte beginnen.
Am nächsten Morgen wachte ich durch das Zwitschern der Vögel auf, welche in den Bäumen um das Haus herum saßen und munter miteinander sprachen. Eine Weile blieb ich liegen und lauschte den Tieren, während ich versuchte, weitere Geräusche im Haus wahrzunehmen. Doch außer den Vögeln war nichts zu hören. Wenn noch andere Gäste hier waren, mussten sie entweder noch schlafen oder sie waren schon alle wach und außer Haus.
Ich blieb noch einen Augenblick liegen, um meinen ersten Urlaubstag nicht gleich hektisch anzugehen. Dann stand ich auf. Trotz allem hatte ich einen langen Tag vor mir.
Nach dem Duschen zog ich mich an und packte meinen Rucksack zusammen. Nur das Nötigste. Frische Kleidung, falls ich zu einer anderen Herberge gehen würde zum Übernachten. Das war möglich, denn man bezahlte jeden Tag einzeln. So konnte man zwischen den verschiedenen Herbergen derselben Kette pendeln und musste nicht auf Biegen und Brechen zu der einen Herberge am gleichen Tag zurück. Zu den Kleidern kam noch etwas zu Trinken und natürlich mein Reiseführer, sowie ein DIN A5 Block zum Malen und Buntstifte. Man weiß ja nie, was einen erwartet. Und natürlich kam eine Fotokamera mit. Mit ganz vielen Filmen.
Bevor ich die Herberge verließ, nahm ich noch ein kleines Frühstück zu mir. Es bestand aus einer Art Reistaler. Man konnte es mit Puffreis vergleichen. Natürlich gab es noch etwas anderes zu essen, wie Reis und kalten Fisch, doch so früh am Morgen… Das musste nicht sein. Zusätzlich zu dem Frühstück gab es noch ein kleines Paket, das als Reiseproviant diente. Bestehend aus Onigiri, den japanischen Reisbällchen. Am Empfang bezahlte ich meine Rechnung und unterrichtete die Dame, zu welcher Herberge ich gehen würde, wenn es zu spät würde, oder ich zu weit weg war. Dann überreichte ich ihr meinen Koffer, der hier bleiben würde, bedankte mich und trat meine Entdeckungsreise an.
Die Sonne schien schon hell, als ich aus dem Haus trat. Mit bester Laune ging ich los, hinaus in eine Welt, die ich zu erkunden bereit war.
Mein Weg führte mich ins Grüne. Es war wirklich weit und breit kein Haus zu sehen. Es stimmte, was in dem Reiseprospekt stand: Ruhig und idyllisch. Ja, so war es. Die Luft war frei von Auto- und Industrieabgasen. Keine Hochhäuser und Schornsteine, keine Stromkabel und Autobahnen. Nur Wiese, kleine und größere Mischwälder.
Ich fühlte mich wie im Paradies. Einfach traumhaft. Ich genoss jeden Schritt, jeden Zentimeter, den ich lief. Mir ging das Gefühl für die Zeit verloren. Der Drang, immer weiterzulaufen, um noch mehr zu sehen, war einfach größer, als der Wunsch schon umzudrehen. Nach einigen Stunden war mir klar, dass ich diese Nacht in der anderen Herberge derselben Kette verbringen würde. Denn jetzt zurück? Nein, danke!
Voller Eifer schaute ich auf die Karte, welche ich aus Deutschland mitgebracht hatte. Um zu dieser anderen Herberge zu kommen, musste ich mich weiter nach Norden richten. Nun ja, fast. Es gab schon ein paar kleine Schlangenwege, aber im Großen und Ganzen stimmte die Richtung schon.
Ab und an stand eine Steinfigur am Wegrand. Diese stellten eine Frau mit einem Kind auf dem linken Arm und jeweils ein Kind rechts und links neben ihren Füßen dar. Meinem Wissen nach hieß diese Steinfigur Jizo-bosatsu. Der buddhistische Schutzgott für Schwangere, Kinder und Reisende.
Meinen Weg kreuzten verschiedene Menschen. Junge verliebte Pärchen, die mir Hand in Hand entgegenliefen, ein Mann mittleren Alters, der eine Schubkarre voll Erde vor sich her schob, oder ein Mann um die fünfzig, dessen Gesicht vom Wetter gegerbt war, saß auf einem Kutschbock und führte einen, von einem Pferd gezogenen, Heuwagen. Natürlich fiel er meiner Kamera genauso zum Opfer, wie alle anderen Menschen vor ihm. Seit ich die Herberge verlassen hatte, waren schon drei Filme verknipst. Die alle zu entwickeln würde mich in den Ruin treiben, aber das war es mir wert. Auf jeden Fall!
Nach einer halben Ewigkeit hörte der Weg einfach auf. Es sah aus, wie abgeschnitten. Vor mir gab es nur noch Gras. Ich überlegte, ob ich irgendwo falsch vom Weg abgekommen war und umdrehen sollte. Es gab den Anschein, dass meine Karte wohl etwas älter war als gedacht, denn in ihr war auch hier, an dieser Stelle, ein Weg eingezeichnet. Irritiert schaute ich auf das Erscheinungsdatum des Reiseführers. Er war noch nicht einmal ein Jahr alt.
Ich entschied weiterzugehen. Auf der Karte war in etwa zehn Kilometern das Dorf eingetragen, in der die nächste Herberge lag. Falls ich dort nicht richtig war, konnte ich mich in dem Dorf nach dem richtigen Weg erkundigen.
Nach kurzer Zeit kamen mir ein paar Leute entgegen. Freundlich fragte ich nach dem Dorf und man schickte mich in eine Richtung. »Immer geradeaus«, meinte jeder, den ich darauf ansprach. Nun gut. Dann also geradeaus. Dann konnte es ja nicht falsch sein.
Mittlerweile stand die Sonne hoch am Himmel und brannte ohne Gnade auf die Erde nieder. Etwas weiter abseits des so genannten Weges bemerkte ich einen Bach. Dankbar für ein wenig Abkühlung lief ich zu ihm, setzte mich auf einen flachen Stein, welcher aus dem Wasser ragte und zog Schuhe und Socken aus. Mit einem genussvollen Seufzer ließ ich meine geschundenen, kochenden Füße ins kühle Nass gleiten.
Der Bach war schmal. Ich schätzte seine Tiefe auf etwa Knöchel- bis höchstens Kniehöhe. Je nachdem wo man gerade stand. Hier und da ragten noch andere Steine aus dem Wasser, welche mit dunkelgrünem Moos bedeckt waren. Wasserpflanzen wuchsen am Ufer zu beiden Seiten. Frösche quakten aus ihrem Versteck im dichten Gras. Obwohl der Bach ruhig aussah, hatte er eine gewisse Strömung. Sie zog an meinen Füßen.
Etwas abgekühlt vom schönen Nass holte ich erst mein Trinken aus meinem Rucksack heraus und genehmigte mir ein paar Schlucke. Anschließend kramte ich die Karte wieder hervor. Laut dieser musste ich mich irgendwo am Hinotashi-Bach befinden. Dieser lag etwas im Nord-Westen. Ich war also doch ein wenig vom Weg abgekommen.
Mist, schoss es mir durch den Kopf.
Ein plötzlicher Niesanfall stoppte alle weiteren Gedanken, ehe ich sie ausbauen konnte. Ich legte schnell die Karte auf meine Knie, zog ein Taschentuch hervor und putzte mir die Nase. Dabei fiel mir die Karte ins Wasser.
»Verdammt!«, fluchte ich laut. Vorsichtig versuchte ich, sie aus dem Bach zu fischen. Mit dem Resultat, dass ich sie weiter weg trieb. »Hier geblieben!«, rief ich ihr hinterher. Doch die Strömung hatte schon Besitz von ihr ergriffen und zog sie mit sich. Sie war so schnell fortgespült, dass ich gar nicht die Gelegenheit hatte aufzustehen und hinterherzulaufen.
»Na super. Und nun?« Ich versuchte, mir die Karte ins Gedächtnis zu rufen, jedoch ohne wirklichen Erfolg. »Ganz toll.«
Nachdem ich die Füße getrocknet hatte und in meine Schuhe geschlüpft war, verschaffte ich mir einen ungefähren Überblick. »Von da kam ich… Dann muss das Dorf in etwa… da sein. Denn hier ist der Bach.« Voller Tatendrang stand ich auf. »Also los! Wird schon schiefgehen.«
Nach geraumer Zeit, ohne dass mir jemand entgegen kam, traf ich auf eine ältere Frau. Sie ging schwerfällig an einem Stock. Das Haar hing ihr weiß und lang über die hochgezogenen Schultern, das Gesicht war von ihrem hohen Alter gezeichnet. Viele Falten zogen sich um Mund, Augen, Stirn und Hals, doch ihre Augen sahen einen klar und scharf an. Ich betete, dass sie ein wenig Englisch verstand und fragte sie, in welche Richtung das Dorf läge. Zuerst kam gar keine Antwort. Sie schaute mich nur an mit ihren dunklen und stechenden Augen. Als ich befürchtete, dass sie mich nicht verstanden hatte, sprach sie ganz leise:»Massugu. Massugu.« Dabei zeigte sie immer in eine Richtung. Wenn mich nicht alles täuschte, meinte die Frau geradeaus. Nun, dann geradeaus.
»Arigatō«, bedankte ich mich und die ältere Frau ging weiter, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
Gut, also geradeaus. Ich schulterte den Rucksack und sah noch einmal über die Schulter zurück. Die alte Frau war verschwunden. Irritiert darüber machte ich mich wieder auf den Weg und beschloss, den nächsten, der mir über den Weg lief, noch einmal nach dem Weg zu fragen.
Doch leider traf ich auf keinen mehr. Ich hatte das Gefühl vollkommen alleine zu sein. Es war ein seltsames Gefühl. Um mich herum veränderte sich die Umgebung. Die Bäume wurden dichter. Und obendrein fing es mittlerweile an zu dämmern.
Hatte ich die alte Frau wirklich richtig verstanden?
Meinte sie wirklich geradeaus?
Normalerweise hätte ich schon lange in das Dorf kommen müssen.
Es sah alles danach aus, dass ich mich verlaufen hatte. Was sollte ich jetzt machen?
Umdrehen konnte ich nicht mehr. Hierbleiben konnte ich auch nicht. Handy hatte ich auch nicht dabei. Es sollte schließlich ein Urlaub werden.
Daher blieb also nur ein Weg.
Nach vorne…
TBC…
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