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Geschichte: Fanfiktion
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von Georgiana Darcy
erstellt: 19.07.2009
letztes Update: 16.05.2011
Geschichte, Allgemein / P12
(abgebrochen)
Mona hatte mich gezwungen mitzugehen. Nicht dass es sie interessiert hätte, nein, sie ist nur hier um Daniel Price aus der siebten anzuschmachten, der das Gryffindor-Team als Jäger bereichert. Er ist einen Jahrgang über uns und wenn man Mona Glauben schenkt, absolut cool. Ich halte ihn für einen Lackaffen, fast genauso schlimm wie Potter mit seiner dämlichen Haarstrubbelei.
Nach dem Spiel schleppt sie mich zu den Umkleidekabinen und da stehe ich nun und warte auf sie. Eigentlich hatte sie mir versprochen, sie würde ihn nur schnell fragen, ob er nächstes Wochenende mit ihr nach Hogsmeade ginge, aber jetzt warte ich schon seit zehn Minuten und es sieht nicht so aus, als würde ihre Unterhaltung so bald enden. Warum zum Henker hatte sie mich dann überhaupt mitgeschleppt? „Lily“ hatte sie gesagt „Du musst mitgehen, alleine überleb ich das nicht“. Und jetzt steht sie da und kichert. Genervt verdrehe ich die Augen und wende mich wieder meinem Buch zu, was ich wenigstens in weiser Voraussicht mitgenommen habe.
Da geht auch schon wieder die Tür auf und ich sehe auf. Was ein Fehler ist, wie ich sofort bemerke, denn niemand anderes als James Potter tritt heraus. Er ist noch dabei sich ein T-Shirt über den Kopf zu ziehen, aber kaum kommt sein Kopf wieder zum Vorschein, fällt sein Blick auch schon auf mich. Verdammt. Und ich habe ihn angestarrt. Mir ist nie aufgefallen, wie gut er eigentlich aussieht. Moment, habe ich gerade gedacht, dass James Potter gut aussieht? Ich weiß, ich bin nicht gerade groß, aber mir ist nie aufgefallen, wie groß er ist. Und auch noch muskulös, es kann doch nicht sein, dass man von so ein bisschen Besen reiten Muskeln bekommt?! Mist, ich sollte aufhören zu denken. „Hey Evans, hast du etwa auf mich gewartet?“ grinst er. „Träum weiter!“ knurre ich ungnädig zurück. „Was tust du dann hier?“ „Ich lese“ erwidere ich und stecke die Nase tiefer in mein Buch. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie er die Augenbraue hochzieht, also deute ich mit dem Kinn auf Mona, die sich immer noch abstrampelt um Daniel zu beeindrucken. „Das kann dauern, willst du nicht lieber mit mir hochkommen?“ „Nein, das will ich nicht.“ Ich drehe mich endgültig um und stapfe davon, weil ich Alice entdeckt hatte.
Ich bin kaum drei Schritte gegangen, da ist er auch schon wieder neben mir und reißt mir mein Buch aus der Hand. „Was liest du denn da schönes? Viel Lärm um nichts,“ liest er laut vor. Ich funkle ihn wütend an. „Gib es her und dann lass mich in Ruhe. Und nein, ich gehe nicht mit dir aus,“schiebe ich vorsichtshalber noch hinterher. Ich versuche, nach meinem Buch zu greifen, aber er zieht es aus meiner Reichweite. „Nicht so stürmisch, holde Beatrice“ spottet er. „Du willst dich mir doch nicht an den Hals werfen.“ Ich vergesse ganz, nach meinem Buch zu jagen, so verblüfft bin ich Und das schon zum zweiten Mal heute. Woher zum Geier kennt dieses Erbsenhirn Shakespeare? Muggelkunde belegt er jedenfalls nicht. Auch er scheint überrascht, dass ich nichts mehr sage und diesen Moment nutze ich, schnappe mir mein Buch und stürme Alice hinterher.
Alice ist einen Jahrgang über mir, trotzdem verstehen wir uns gut. Vor allem sieht man dieses Jahr wesentlich mehr von ihr, seit ihr Freund Frank nach dem letzten Schuljahr sein siebtes Jahr beendet hat und nun eine Ausbildung zum Auror absolviert. Wieso sind eigentlich plötzlich alle um mich herum verliebt? Denke ich wohl schon zum tausendsten mal. Naja, bei Alice und Frank kann man eigentlich nicht von plötzlich sprechen, denn sie sind schon seit der vierten zusammen, aber Monas Schwärmerei für Daniel ist definitiv neu.
„Hey Alice, warst du beim Spiel? Ich habe dich gar nicht gesehen.“ rufe ich hinter ihr her. Alice wird rot. „Ich war zu spät.“ Dann fängt sie an zu flüstern „Ich habe mich mit Frank in Hogsmeade getroffen.“ Du hast dich rausgeschlichen???“ Ich bin überrascht. Ich weiß, dass Alice Frank vermisst, aber das hätte ich ihr dann doch nicht zugetraut.
Gut, dass Lily nicht weiß, wie ich das geschafft hatte. Sie würde verrückt werden. Denn niemand anderes als James Potter und Sirius Black haben mir geholfen. Die beiden haben gemerkt, dass ich in letzter Zeit permanent den Kopf hängen lasse und als sie den Grund erfahren haben, hatten sie auch schon eine Lösung parat. Sie haben sich kurz besprochen und mir dann das Versprechen abgenommen, dass ich über das, was sie mir jetzt verrieten, Stillschweigen bewahren würde. Dann haben sie mich zu der einäugigen Hexe geführt und vor mir hat sich in deren Buckel ein Gang offenbart, der, wie mir die beiden Jungs versicherten, direkt im Honigtopf endete. Das kann ich Lily natürlich nicht sagen, denn erstens habe ich versprochen nichts zu verraten und was ich verspreche, halt ich auch und zweitens hasst Lily James. Wer weiß, was sie mit so einem Wissen anstellen würde. Auch wenn Lily ansonsten herzensgut ist, die Sache mit James ist einfach etwas anderes.
Also sagte sie nur: „Lily, ich will dich da nicht mit reinziehen. Falls ich erwischt werde, schadet das Mitwissern nur.“ Auch wenn ich neugierig bin, akzeptiere ich ihre Antwort. Sie weiß, dass sie zu mir kommen kann, wenn sie etwas bedrückt, aber ich würde nie jemanden zum reden zwingen. Schließlich braucht jeder auch so seine kleinen Geheimnisse.
Also lenke ich das Gespräch von ihrem Ausflug auf das Spiel und wir gehen harmlos plaudernd zurück zum Schloss, denn es wird schon langsam dunkel und da es ja auch schon November ist, wird es abends auch immer ziemlich schnell kalt.
Im Gemeinschaftsraum ist die Party natürlich schon wieder in vollem Gange, so wie nach jedem Gryffindor-Sieg. Die Mannschaft lässt sich feiern, als hätten sie gerade eine Mondrakete erfunden, nein Moment, die gibt’s ja schon, dann eben eine Marsrakete, und den meisten Krach machen natürlich wie immer die Rumtreiber. Black macht irgendwelche Verrenkungen, die mich an einen rituellen Tanz erinnern und singt dazu: „Wir sind die Größten“ nach einer selbsterdachten Melodie, aber der Rest der Mannschaft, nein eigentlich des ganzen Hauses steht ihm fast um nichts nach. Es herrscht eine ausgelassene Fröhlichkeit, nur ich bin wieder einmal nicht daran beteiligt.
Die Unmengen an Butterbier die hier den ganzen Abend fließen, lassen die ganze Gesellschaft immer lauter und lustiger werden. Ich frage mich, wie sie das immer anstellen. Dass sie mit den Hauselfen gut stehen, die sie immer mit Essensvorräten für ihre kleinen Partys versorgen, weiß ich, denn ich habe die Jungen öfter mit vollen Backen und Armen voller Kuchen und anderer Leckereien aus der Küche kommen sehen. Aber wo sie immer das Butterbier auftreiben, ist mir ein Rätsel. Das werden sie kaum in der Küche bekommen. Und per Eule schon gar nicht, denn wie sollte denn bitte eine Eule mehrere Dutzend Flaschen transportieren, ohne vom Himmel zu stürzen?
Ich werfe einen Blick auf die tobende Masse, sie sehen so aus, als hätten sie wirklich Spaß. Dabei kann man doch gar keinen Spaß haben, denke ich entschlossen und vergrabe mich mit meinem Buch tiefer in dem Sessel und versuche krampfhaft die laute Fröhlichkeit zu überhören. Ich kann da nicht mitmachen. Wie sieht das denn aus. Energisch schiebe ich das Gefühl des Bedauerns nicht dabei zu sein beiseite, da kommt Alice mit zwei Flaschen Butterbier auf mich zu und setzt sich auf die Sesselkante mir gegenüber.
Als sie mir eine Flasche reichen will, schüttle ich stur den Kopf, dabei liebe ich Butterbier. „Komm schon Lily, sei nicht so verflucht dickköpfig,“ seufzt sie. „Ich weiß, dass du gern dabei wärst und nur dein verdammter Stolz im Weg steht. Na und, dann sehen James und Sirius halt, dass du dich amüsierst. Was ist so schlimm daran?“
Sie zieht ein finsteres Gesicht „ich soll mich mit dieser Horde Affen da amüsieren?“ sagt sie mit zusammengezogenen Brauen. „Alice, du solltest mich lange genug kennen, um zu wissen, dass ich solchen Veranstaltungen nichts abgewinnen kann!“ Manchmal kann sie einem ganz schön auf die Nerven gehen mit ihrer Sturheit. „Ja Lily ich kenne dich und ich sehe es deinen Augen an, dass du mitmachen willst und es nur nicht tust, weil die Rumtreiber die Party angezettelt haben.“ „Das ist nicht wahr“ murmelt sie, vermeidet es aber, mir in die Augen zu sehen. „Ich hab einfach keine Lust zum feiern!“ Was soll ich dazu noch sagen? Ich weiß, was ich gesehen habe. Ich habe Lily beobachtet, wie sie immer wieder von ihrem Buch aufgesehen hat und mit brennenden Augen zu uns herübergesehen und wie sich ihr Blick immer wieder verhärtet hat, als ob sie sich selber verbietet, auch nur im Entferntesten daran zu denken, mitmachen zu wollen.
Sie sollte endlich ihren albernen Hass zu James ablegen. Denn sie hasst ihn gar nicht wirklich, sie lehnt ihm nur aus Prinzip ab, weil er nicht mit ihrem besten Freund Severus Snape auskommt. Obwohl ich die beiden seit den Sommerferien kaum noch zusammen gesehen habe, wie mir gerade bewusst wird. Aber sind wir doch mal ehrlich: Welcher Gryffindor tut das schon? Auskommen mit einem Slytherin. Und gerade Snape macht es einem nicht einfach ihn zu mögen. Es ist wahr, dass Sirius und James ihn ziemlich oft von hinten überfallen, aber letztenendes sind ihre Hexereien harmlos. Ja, manchmal sind sie fies, aber niemals wirklich böse. Obwohl Lily natürlich immer genau das anzweifelt. Ich weiß, sie kennen sich seit ihrer Kindheit, aber manchmal mache ich mir doch Sorgen um Lily, denn es gibt einiges, was sie nicht von ihm weiß, oder was sie zumindest erfolgreich verdrängt. Neulich hat er Virgil Gibson einen Fluch auf den Hals gehetzt, der ihn von oben bis unten aufgeschlitzt hat und das nur weil Virgil lautstark über die Slytherins hergezogen hat. Vergil ist nur ein kleiner schmächtiger Drittklässler, den er hinterher so eingeschüchtert hat, dass der sich nicht mal getraut hat McGonagall zu sagen, wer ihn so zugerichtet hat. Ich seufze noch ein letztes Mal bevor ich mich wieder erhebe, ich weiß, dass ich gegen sie sowieso nicht ankomme.
„Ach Lily,“ sagt sie nur und schiebt, bevor sie wieder zu den Feiernden geht, noch die Flasche Butterbier neben mich auf den Sessel. Ich ziehe meine Knie an die Brust und umschlinge sie mit den Armen, als mich Potters Stimme aus meinen Gedanken reißt.
„Hey Evans,sei doch nicht so ein Spielverderber. Was ist los, warum kommst du nicht rüber?“ Mir ist nicht nach einem Wortgefecht, also brumme ich nur: „Keine Lust.“ Er setzt sich auch auf die Sesselkante auf der vor wenigen Momenten noch Alice gesessen hat. „Ist alles ok mit dir?“ Ich ignoriere den besorgten Unterton und raunze ihn an: „Nur weil nicht jeder so versessen ist auf dich und dein blödes Quidditch, heißt das nicht, dass mit demjenigen etwas nicht stimmt.“ Tief in meinem Hinterkopf regt sich ein unbequemes kleines Stimmchen, dass mir mit vorwurfsvollem Ton zuflüstert, dass ich ungerecht bin. Aber ich will ihn nicht mögen! Und ich will auch nicht sehen, dass er in Wirklichkeit ganz nett ist! Ich sehe ihn trotzig an und entdecke einen Fingerdatscher mitten auf seiner Brille. Wie kann er da nur durchgucken? Mich würde es verrückt machen, immerzu vor einen Fleck zu gucken. Er resigniert und lässt mich wortlos in meinem Sessel zurück. Es versetzt mir einen kleinen Stich, dass er mich einfach so sitzen lässt aber ich verdränge das Gefühl schnell wieder und wende mich endgültig wieder meinem Buch zu.
Langsam lichten sich die Reihen der Feiernden, bis ich als einzige im Gemeinschaftsraum zurückbleibe. Ich sehe mich um, die anderen haben eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Überall liegen leere Butterbierflaschen, angegessene Kuchenstücke und Einwickelpapier von Schokofröschen herum. Ich setzte mich im Schneidersitz auf einen der Sessel direkt vor dem Kamin und betrachte die letzten verglimmenden Reste der Holzscheite darin. Jetzt öffne ich doch die Flasche Butterbier, die Alice mir vorhin gebracht hat. Sie ist schon längst nicht mehr kalt, doch wen kümmert es. Ich fühle mich deprimiert. Und weiß nicht einmal warum. Ich habe nur irgendwie das Gefühl, dass mein ganzes Leben auseinanderbricht. Nichts, woran ich mich immer festgehalten hatte, schien noch Gültigkeit zu besitzen. Alles ist auf den Kopf gestellt.
Irgendwann, als die Glut im Kamin schon längst erloschen ist, mache ich mich langsam und mit schwerem Kopf auf den Weg ins Bett.
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