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von morgaina    erstellt: 14.07.2009    letztes Update: 25.05.2011    Geschichte, Mystery / P16    (fertiggestellt)
In der Hoffnung, dass nicht nur KonnyFan gern weiter lesen möchte, setzte ich euch mal das erste Kapitel der Fortsetzung von Familybusiness rein.
Wenn ihr sie mögt - sagt es, und wenn nicht - behaltet es für euch *gg*
Nein, im Ernst, Kritik wird ebenso gern angenommen wie Lob...


* * *


"Pfannkuchen mit Ahornsirup und Kaffee… viel Kaffee", bestellte Dean mit einem müden, aber durchaus warmen Lächeln bei der mürrischen, ältlichen Bedienung und wandte sich ab, um abwesend aus dem Fenster zu starren, dessen untere Hälfte mit einer geschmacklosen weiß-rot karierten Gardine verhängt war.

"Nur Kaffee", bat Sam und ließ Dean nicht aus den Augen. Sein Bruder brütete in jeder jagdlosen Minute vor sich hin und ließ ihn, Sam, nicht an sich heran, mied seinen besorgten Blick. Seit er zurückgekehrt war, hatte er versucht, den Eindruck zu erwecken, sich nicht oder nur vage an die Hölle zu erinnern – mittlerweile wusste der Jüngere, dass es nicht so war, dass er wie erstarrt gewesen sein musste und sich in Verdrängung versuchte.
Aber vor ein paar Tagen waren die Dämme gebrochen, ausgelöst durch ihr Zusammentreffen mit Anna, der jungen Frau, die sich als Engel entpuppt und mit der Dean sich angefreundet hatte. Es war offensichtlich, dass zwischen ihnen war mehr gewesen war als nur Sympathie, und Sam hatte gespürt, das er und Ruby niemals dasselbe teilen würden. Er gönnte Dean dessen Glück von Herzen. Deans Geständnis hatte verdrängte Erinnerungen an die Oberfläche gezerrt und während Sam keine Ahnung hatte, wie er ihm bei der Verarbeitung seines Traumas helfen konnte, wirkte der Mann wie ein psychologisches Minenfeld. Die Explosion schien unvermeidlich…

Die Tür des Diner öffnete und schloss sich mit einem leisen Klingeln und Sam hörte in seinem Rücken das Klacken von Absätzen, als er bemerkte, dass Dean nicht mehr aus dem Fenster sah, sondern über Sams Schulter hinweg etwas… jemanden… anstarrte wie einen Geist. Als er sich neugierig umschaute, fiel sein Blick auf eine junge Frau, die direkt hinter ihm stand. Sie war vielleicht Ende zwanzig, schlank, knapp mittelgroß, endlos lange Beine, kupferrotes, streichholzkurzes Haar, blaue Augen, Sommersprossen, spärlich verwendetes Make-Up, Jeans, ein enganliegendes, weißes T-Shirt und eine schwarze, abgetragene Lederjacke.

Sie starrte Dean an, öffnete den Mund, wie um etwas zu sagen und schloss ihn wieder. Dann ging ein Ruck durch ihren Körper und sie trat kurz entschlossen an den Tisch der Winchester-Brüder. Ihre Miene drückte tiefste Überraschung aus, als sie den Jüngeren 'erkannte' und sie räusperte sich kurz, bevor sie die Männer ansprach.
"Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie so unverfroren anstarre… könnte es sein, dass wir uns kennen?" Sie sah von einem zum anderen und ohne eine Einladung abzuwarten, rutschte sie nach einem winzigen Zögern neben Dean auf die Bank, der noch immer wirkte, als wäre er dem leibhaftigen Weihnachtsmann begegnet.

"Ich glaube nicht… zumindest erinnere ich mich nicht", versuchte Sam sie mit einem kühlen Blick abzuwimmeln. Nicht auszudenken, dass sie möglicherweise einen der vielen alten Steckbriefe vor Augen hatte.
Aber so, wie sie seinen Bruder ansah, schien es eher ein Versuch, dessen Bekanntschaft zu machen. Eine Ausrede schien aber garnicht notwendig zu sein, um Deans Aufmerksamkeit zu erregen, denn auf dessen Gesicht lag ein Ausdruck, den Sam noch nie gesehen hatte. Wenn es ihm nicht so albern erschienen wäre, hätte er angenommen, sein Bruder hätte sich auf den allerersten Blick unsterblich verliebt.

"Ich denke, ich sollte mich vorstellen. Mein Name ist Blair Sinclair. … Und ich möchte einen Kaffee, bitte", rief sie unterdrückt der Kellnerin zu, die gerade an ihrem Tisch vorbei schlurfte.

Dean konnte es nicht fassen und sein Herz raste.
War sie real oder war er wieder in der Hölle? Von Sam und der jungen Frau unbemerkt kniff er sich kräftig in den Oberschenkel. Autsch! Das tat weh. Er schien noch hier zu sein, aber wie war das möglich? Fehlte nur noch, dass sie aus einer Hexensippe stammte…
In dieser Sekunde verirrte sich ein Sonnenstrahl durch die blinde Scheibe und brach sich funkelnd in einem silbernen Anhänger, den die hübsche junge Frau an einem Lederband um den Hals trug – einem mit blauen Steinen verzierten Pentagramm, dem Licht des Nordens - Schutzamulett Weißer Hexen.
Er schloss für einen Augenblick überwältigt die Augen, dann sah er in die tiefblauen Augen, die von einem dichten Kranz langer, schwarzer Wimpern umgeben waren.
"Dean… Dean Winchester und das ist mein Bruder Sam, Rotschopf…"

Ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem frechen Grinsen, während ihre Hand bei seiner Anrede automatisch zu ihrem Haar zuckte. "Wer sagt, dass die echt sind, Winchester?"

Dean zuckte mit den Schultern. "Nur so ein Gefühl…"

Sam folgte dem Geplänkel der beiden aufmerksam und sein Instinkt sagte ihm, dass zwischen dieser Frau und seinem Bruder mehr geschah, als das bloße Auge wahrnehmen konnte.
"Sprichst du oft schon vor dem Frühstück Fremde an?", mischte er sich kurzerhand ein.

"Nur, wenn sie mir nicht fremd erscheinen. Ich habe von euch geträumt… ihr würdet es vielleicht als Vision, als Traumvision bezeichnen. Sam, dich habe ich vor Monaten gesehen, als du verzweifelt nach einer Möglichkeit gesucht hast, jemanden – Dean? – zu retten. Und du Dean – du bist seit ein paar unangenehmen Nächten der Hauptdarsteller in äußerst albtraumhaften Visionen, die mir den Schlaf rauben." Blair nahm mit einem freundlichen Nicken den großen Becher mit heißen, schwarzem Kaffee entgegen, den die Kellnerin brachte.

"Ich liebe es, schönen Frauen den Schlaf zu rauben", witzelte Dean trocken und konnte den Blick nicht von den unglaublich vertrauten Zügen lösen. Er wusste, er hatte schon oft ihre Sommersprossen gezählt und neidlos anerkennen müssen, dass sie ihm einige voraus hatte, wusste genau, wie ihre Lippen schmeckten und wie ihr Haar duftete.
Er umklammerte mit beiden Händen seine Kaffeetasse, um sie beschäftigt zu halten, um nicht nach ihr zu greifen, durch ihr igelig gestyltes, rotes Haar zu fahren und sie bis zur Bewusstlosigkeit zu küssen…

"Hast du öfter Visionen? Das ist eher ungewöhnlich, oder?", fragte Sam im Ton tiefster Ahnungslosigkeit nach einem kurzen Seitenblick auf seinen ziemlich abwesend wirkenden Bruder.

"Hm… ja… habe ich. Ich bin quasi medial veranlagt. Liegt in der Familie", druckste Blair herum. Ihr war klar ... die beiden würden sich schleunigst aus dem Staub machen, wenn sie die Wahrheit sagte, die da lautete: ich bin eine Hexe und stamme von einer uralten Linie Weißer Hexen ab.
Der Hübsche, den sie anhand der haselnussgrüne Augen und der vollen, feingeschnittenen Lippen identifiziert hatte, schaute sie an, als ob er sie von irgend woher kennen würde, aber sie wusste, dass sie ihm niemals zuvor begegnet war. Allerdings hatte sie die wild funkelnden, grünen Augen wieder erkannt und den schönen, aber höhnisch verzogenen Mund, einzigartige und dennoch klar erkennbare körperliche Merkmale in einem von klebrig–blutigen Schlieren in einem wie mit Lack überzogenen Gesicht…

Unter langen, dichten Wimpern starrte er sie unverwandt an.
"Du bist eine Hexe, richtig? … Eine Weiße Hexe?", platzte er heraus und hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Gott, war er blöd. So eine Frage konnte man einer vollkommen Fremden kaum beim Frühstück in einem Diner im Niemandsland stellen – selbst für einen Dean Winchester war das platt. Außerdem musste die Ähnlichkeit Zufall sein… ein Scherz der Natur… Alles Andere war absolut unmöglich…
Aber ihr Gesichtsausdruck - er wirkte ertappt!

"Es gibt keine Hexen, oder?", stellte sie ausweichend die Gegenfrage und fragte sich, was er bezweckte.

"Und ob es sie gibt…", stellte Sam richtig. "…und wenn ich deinen Schmuck richtig deute, hat Dean mit seiner Vermutung recht."

Ein kleines, schiefes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. "Falls ihr Recht hättet… wieso scheint euch das nicht zu kratzen? Die meisten Menschen würden das für krank oder gruselig halten."

"Wir sind nicht wie 'die meisten' Menschen", stellte Dean mit belegter Stimme klar. Er wurde von Sekunde zu Sekunde verwirrter, fühlte sich wie der einzige Passagier in einem abstürzenden Flugzeug.  Das alles konnte nicht wirklich sein… aber…

"Was seid ihr dann?"

"Wir sind… hm… man könnte sagen Ermittler", erläuterte Sam.

Sie sah ihn mit schräg gelegtem Kopf zweifelnd an. Augenscheinlich reichte ihre diese magere Erklärung nicht aus.
"…und jagen Dämonen, Werwölfe, Vampire und andere Ungeheuer. Achja… und Hexen…die Schwarze Sorte…" ergänzte Sam und schaute zu Dean, als Blair - fast zufrieden - nickte.
"Klar, ihr seid Jäger - das erklärt so manches."

Dean fühlte sich der Unterhaltung nicht wirklich gewachsen, folgte unkonzentriert Sams Worten, gefesselt und abgelenkt von der jungen Frau neben sich und überwältigt von Erinnerungen an ein Leben – ein ganzes Leben, dass er mit ihr verbracht hatte. Er glaubte, verrückt zu werden, wenn er sie nicht bald berühren konnte und er hatte genau drei Alternativen: sie a) entweder ganz schnell für sich zu gewinnen, b) schnellstmöglich das Feld zu räumen und zu versuchen, zu vergessen, dass sie überhaupt existierte oder – last but not least – c) sich einzureden, dass er vollkommen durchgedreht war. Aber für alles andere als die erste Möglichkeit war es irgendwie längst zu spät…

"Ich muss dir ein paar Fragen stellen, wenn ich darf. Bitte… es ist ungeheuer wichtig für mich." Nach kurzem Zögern legte er bittend eine Hand über ihre, die locker auf ihrem Oberschenkel ruhte und fühlte im selben Moment eine kribbelnde Spannung von ihr auf sich überspringen… wie damals, als sie sich in seinem Traum zum ersten Mal begegnet waren.

Als er den körperlichen Kontakt zu ihr herstellte, schloss sie überwältigt die Augen. Alles, was sie in ihren Träumen gesehen hatte… es war da. Er hatte es erlebt… seine Seele hatte es erlebt und überlebt – die Hölle. Erschrocken riss sie die Augen auf und suchte diesen meergrünen, tiefen Blick, der sie faszinierte. Wie konnte er dort gewesen und wieder zurück gekehrt sein?

Sie nickte zögernd, um ihre Bereitschaft zu zeigen, seine Fragen zu beantworten, zog aber gleichzeitig ihre schmale Hand unter seiner viel größeren hervor, um sich konzentrieren zu können.

"Heißt deine Mutter Cassandra?"

"Sie… ja, sie hieß Cassandra. Woher…?" Sie schluckte. Na gut… vielleicht war das Zufall oder sie hatten in ihrer Eigenschaft als Jäger den Namen ihrer Hexen-Dynastie schon mal irgendwo gelesen oder gehört.

Dean war bei ihren Worten zusammengezuckt – 'hieß' Cassandra bedeutete, dass die warmherzige, wundervolle Frau, die wie eine Mutter zu ihm gewesen war, nicht mehr lebte.
Mühsam beherrscht fuhr er fort.
"Du fährst Motorrad, liebst schwarzen Kaffee und reife, süße Äpfel und du hast ein Tattoo an einer sehr… interessanten Stelle…?" Deans Stimme war bei seinen letzten Worten kaum noch hörbar.

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