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von Leonyasch
erstellt: 01.07.2009
letztes Update: 02.01.2012
Geschichte, Abenteuer / P16
(in Arbeit)
Yosufu Bagman waren schon viele verrückte Gerüchte in seinem achtundfünfzigjährigen Leben zu Ohren gekommen. Vor allem bei seinem Beruf - Lehrer - blieb dies nicht aus, wenn diese rotznäsigen Blagen die neuesten "Top Secrets", wie sie es nannten - Oh, diese vermaledeiten Anglizismen! -, untereinander auf dem Schulhof austauschten und es dann auf ihre MyPlaces und Livejournals veröffentlichten-- Nicht dass er jemals auf solch einer Internetseite wie MySpace gewesen war; so etwas war natürlich unter seinem Niveau! Oh, wie sehr doch die Jugend verrottet war mit den Jahren. Genau aus diesem Grund wollte er nie Kinder haben - nicht dass es dazu je kommen könnte, da er keine feste Partnerin hatte! Oh, welches tugendhafte Kind Gottes brauchte denn auch schon dieses elende, teufliche weibliche Geschlecht, das einen zur Versuchung geradezu zu zwingen versuchte! War nicht die Tatsache, dass Eva, dieses Hurenkind, damals Adam dazu getrieben hatte, den verbotenen Apfel zu essen, Beweis genug dafür, wie verdorben das weibliche Gesocks war!? Nein! So etwas kam ihm nicht ins Haus! ... Nun, jedoch wieder zurück zum Thema: Ihm waren, wie bereits erwähnt, Dutzende von verrückten Gerüchten - eines jämmerlicher als das andere - zu Ohren gekommen: "Elvis lebt!" "Amerika und Bin Laden stecken unter einer Decke!" "Es existiert eine verborgene Stunde, die 25. dunkle Stunde, pro Tag!" "Unsere Welt ist erfüllt von Magie!" "Satan ist unser aller Erlöser!" "Schaut man nachts an einem regnerischen Abend um Mitternacht in einen ausgeschalteten Fernseher, so sieht man seinen Seelenverwandten!" "Das Jahr 2000 ist unser aller Untergang!" Pah! Dass er nicht lachte! Die Menschheit war so dumm, so neanderthalisch, dass ihm am liebsten das Abendmahl wieder hochgekommen wäre!
Um so erstaunter war Mr. Bagman, als er eines Nachts durch ein lautstarkes Donnergrollen aus seinem Schlaf gerissen wurde und beinahe aus seinem Schlafplatz fiel. Schlaftrunken und mit leicht wässrigen Augen sah sich der alte Lehrer um, die Umgebung ungewohnt, bis er erkannte, dass er auf seinem Rheumasessel eingeschlafen war. Der Krimi, den er noch gelesen hatte, war ihm im Schlaf aus der Hand gefallen und zu Boden gefallen. Gähnend sah er zum Wecker, der auf dem Tisch neben ihm stand und dessen leuchtende Zeiger ihm verkündeten, dass es Mitternacht war. Leicht tollpatschig hob er das zu Boden gefallene Buch auf und legte es auf den Tisch. Ein erneutes Donnergrollen ließ ihn hinaus zum Fenster schauen, gegen das unaufhörlich Regen prasselte. Langsam, auf sein Rheuma bedacht, setzte sich Mr. Bagman auf und durchschritt schleppend das Zimmer, sein Ziel das Schlafzimmer, als ihn plötzlich ein grelles Licht blitzartig die Augen schließen ließ. Mr. Bagman hätte beinahe das Gleichgewicht vor Schreck verloren, hatte sich aber gerade noch mit einer Hand am Tisch abstützen können und sah nun mit wieder leicht geöffneten Augen zur Quelle des grellen Lichts: Der Fernseher im Zimmer. Verwundert sah sich der ältere Herr um. Hatte er versehentlich das Buch auf die Fernbedienung gelegt, wodurch der Fernseher angeschaltet worden war? Er grummelte leicht und war gerade dabei zum Tisch zurückzuhumpeln, als eine ältere, leicht raue Stimme, die ihm durchaus vertraut vorkam, zu ihm sprach.
"Hallo, Yosufu.", sagte die Stimme. Mr. Bagman wirbelte zum Balkonfenster, einen Einbrecher befürchtend.
"Wer da?", fragte Mr. Bagman mit seiner leicht rauen Stimme.
"Oh, nicht dort, mein Guter. Hier drüben.", sprach die Stimme weiter. Erneut wirbelte Mr. Bagman herum und sah zum Fernseher. Seine Augen weiteten sich um ein Vielfaches, als er sich selbst im Fernseher sah, als Hintergrund ein Friedhof. Aber nein, das konnte nicht er sein! Nein, das war nicht er! Diese Person... dieses Ding hatte leicht gelblich schimmernde Augen, eine dunkle Aura um den Körper herum. "Guten Abend, Yosufu, mein Lieber.", sprach der Mann im Fernsehen ruhig mit der Stimme Mr. Bagmans weiter, so als würde er sich mit einem alten Freund unterhalten, den er soeben normal durch die Haustür und nicht durch einen Fernseher besucht hatte.
"W-Wer sind Sie?!", fragte Mr. Bagman. "Ist das ein Streich meiner Schüler!? W-Wenn ja, dann ist der i-in die Hose gegangen!"
"Oh, aber nicht doch.", gluckste Mr. Bagmans dunkles Ebenbild vergnügt. "Das hier ist keineswegs ein Streich, mein Guter."
Mr. Bagman starrte die Gestalt im Fernseher noch eine Weile lang an, dann entspannten sich seine Gesichtszüge. "Ah, ich verstehe.", sagte er schließlich. "Das hier ist nur ein Traum. Natürlich! So etwas wie Magie oder Geister oder was auch immer für ein Mumpiz existiert in der realen Welt nicht!"
"Oooh, fühlen wir uns aber analytisch heute!", sagte das dunkle Ebenbild schmunzelnd. "Aber ich kann dir versichern, mein Teuerster, dass dies kein Albtraum ist. Nein, dies hier ist sehr real, musst du wissen."
"W-Was soll das Ganze!? Selbst für einen Traum ist das hier viel zu albern!", protestierte der alte Lehrer.
"Du warst ein sehr, seeehr böser Junge, Yosufu.", sprach die dunkle Gestalt weiter, so als hätte sie Mr. Bagman nicht gehört.
"W-Was meinen sie damit?", fragte Mr. Bagman. "Ich verbitte mir solche Anschuldigungen! Ich bin ein friedliebender, ehrlicher Bürger, der die Gesetze jeden Tag befo--"
"Oh, wirklich?", unterbrach der dunkle Mr. Bagman den Lehrer. "Ja, wie wahr! Yosufu Bagman, immer darauf bedacht, die Bibel und die Gesetze zu befolgen. Immer streng korrekt und nach Vorschrift. So kennen ihn die Leute. Aber kenne sie ihn auch, wenn er sich allein und unbeobachtet fühlt? Neeeeiiiin, tun sie nicht." Mr. Bagman schluckte leicht, während das Grinsen seines dunklen Klones immer boshafter wurde. "Ich weiß, was du da in den Tiefen der Daten des Computers versteckt hast. Tse tse tse! Pornos! So etwas! Nein, wirklich!" Er schüttelte empört den Kopf.
"Ruhe!", fauchte Mr. Bagman und sah hektisch nach allen Seiten, so als fürchte er, dass noch jemand mithörte.
"Und dann auch noch so junge Dinger! 12 Jahre ist die älteste Darstellerin dieser... Filmchen."
"Maul halten!", bellte Mr. Bagman hysterisch.
"Ja, du bist ein bööööser Junge, Yosufu. Ein sehr böser Junge sogar.", sprach der dunkle Mr. Bagman weiter.
"Ich... Ich..."
"Einen wunderschönen Garten hast du dort draußen, mein Lieber.", unterbrach sein Ebenbild ihn. "So viele schöne Blumen und Hecken. Das muss wohl an dem schönen Dünger liegen, den du untergebuddelt hast!" Mr. Bagmans stöhnte erschrocken auf. "Ja, so ein schöner Dünger! Blutjung, gerade mal 19 gewesen!"
"Ru-Ruhe...!", keuchte Mr. Bagman.
"Oh, wie schön es doch gewesen war, ihr deinen Willen aufzuzwängen! Ihr ängstliches Gesicht zu sehen, als du sich über sie hergemacht hast!"
"Ruhe!", schrie Mr. Bagman nun.
"Und die geweiteten Augen, als du ihr das Messer ins Herz gestochen hast, das heraussickernde Blut eine wunderbare Symphonie zu deinem Meisterwek, das du an diesem Abend begangen hast, hinzufügend!"
"RUHE!!!", kreischte Mr. Bagman und schlug mit der blanken Faust in den Fernseher. Das Glas zersprang, Mr. Bagmans Hand verletzt, Blut hinab zu Boden triefend, die Gestalt im Fernseher verschwunden. Keuchend starrte Mr. Bagman auf den zerstörten Bildschirm, schwer atmend. Schließlich - eine Ewigkeit schien vergangen zu sein - seufzte der alte Lehrer erleichtert auf und wollte den Verbandskasten holen gehen, um sich um seine verwundete Hand zu kümmern.
"Oh nicht doch! Muss es denn immer gleich Gewalt sein!", sprach eine raue Stimme, die Mr. Bagman wie paralysiert stehen blieben ließ. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er hinter sich und erblickte sein dunkles Ebenbild erneut im zerstörten Fernsehbildschirm.
"Nein...", keuchte der alte Mann.
"Doch.", hauchte das Ebenbild vergnügt und streckte seine Hand nach vorne.
"A-Ah...", keuchte Mr. Bagman, kurz vor einem Herzinfarkt, als die Hand durch den Bildschirm stieß, gefolgt vom Rest des Körpers des dunklen Klons, der nun den Bildschirm verlassen hatte.
"Das hat sehr weh getan, weißt du.", sagte der dunkle Mr. Bagman und sah hinab auf seine rechte Hand, die wie Mr. Bagmans Hand ebenfalls verletzt war. "Aber du magst ja den Schmerz. Das reizt dich ja so sehr an diesen Filmchen auf den Computer: Den Schmerz der kleinen Mädchen und Jungen zu sehen. Oh, und nicht zu vergessen den Schmerz dieser Neunzehnjährigen; der war einfach nur exquisit gewesen!" Langsam schritt das dunkle Ebenbild auf Mr. Bagman zu, der zitternd und mit vor Angst geweiteten Augen rückwärts schritt, bis sein Rücken gegen die Wand stieß und er es kein Entkommen mehr gab. "Und da ich du bin, mein lieber Yosufu, mag ich es auch zu sehen, wie jemand größte Schmerzen erleidet. Und ich glaube, am meisten würde es mir gefallen, wenn ich deine Schmerzensschreie heute Nacht hören kann!!!"
Mr. Bagman hatte nicht den Hauch einer Chance. Gerade hatte er noch vor Angst seine Hose durchnässt, lag er auch schon im nächsten Moment am Boden, jegliches Leben aus seinem Körper gewichen.
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