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von annamolly
erstellt: 02.06.2009
letztes Update: 20.08.2009
Geschichte, Allgemein / P18 Slash
(fertiggestellt)
18 Liebe Julika...
„Basti“, brüllt er, kringelt sich auf dem Boden vor Lachen, während ich mir das Bier aus den Augen wische, mich kopfschüttelnd zu ihm umdrehe.
Spacko!
Ich greife mir die Sektflasche, renne ihm hinterher und gieße sie ihm über den Kopf.
So, wie das sein muss.
Wir lachen ausgelassen, er versucht, mich in den Schwitzkasten zu nehmen.
Schafft er natürlich nicht - im Gegenteil, ich hebe ihn sogar kurz hoch und stelle ihn zwei Zentimeter weiter wieder ab. Hat er davon!
Dann will ich an ihm vorbei, spüre gerade noch, wie er an meiner Hosentasche rumtatscht.
„Peter!“, brülle ich, als er grinsend mein Handy in der Hand hält, damit über die Absperrungen ans andere Ende des Balkons klettert.
Als ich ihn eingeholt habe, hat er die SMS schon getippt.
„Liebe Julika. Ich hab’ mich ganz arg in dich verliebt. Dein Basti“, liest er mir vor, macht sich schier ins Hemd vor Lachen.
„Halt die Fresse! Gib’ mein Handy her! Das wagst du nicht“, fahre ich ihn an, will danach greifen, aber er weicht einen Schritt zurück, lacht noch mehr.
Wenn er das macht...
Als ich das Handy wieder in die Hand gedrückt bekomme und er mir noch mal durch die Haare fährt, bevor er sicherheitshalber in Deckung geht, erhalte ich gerade eine neue SMS.
„Nachricht wurde zugestellt: Julika Handy.“
Mit einem letzten Rest Hoffnung gehe ich ins Menü, Nachrichten, Gesendete Nachrichten.
„31/05/09 15:47
Julika Handy
Liebe Julika. Ich hab mich ganz arg in dich verliebt. Dein Basti.“
Hurensohn!
Das gibt Rache.
Ich brauche nicht lange, bis ich die nächsten zwei Biergläser ausgemacht habe, sie mir beide schnappe und mich dann von hinten an Peter heranschleiche.
Hanno sieht mich kommen, grinst breit, hält aber die Klappe.
Ich ziehe an Peters Hemd, kippe ihm das Bier direkt unters Hemd auf die Haut, das zweite bekommt er ins Gesicht.
„Das gibt noch Rache, du Schwein“, brülle ich ihm noch ins Ohr, schlage gegen seine Stirn und gehe zwei Schritte weiter zu Hanno, lege ihm meinen Arm um die Schultern.
Wiege mich mit ihm hin und her, als - einmal mehr - Lebenslang grün-weiß angespielt wird.
Versuche zwanghaft, jeden Gedanken an Julika zu verdrängen.
*
Es ist 5 Uhr morgens, als ich mich an meine Wohnungstür lehne - mehrere Versuche brauche, bis ich das Schlüsselloch treffe.
Und mich dann am Türrahmen festhalten muss, als die Tür nachgibt und aufgeht. Wär’ sonst glatt hingefallen.
Ich stolpere in meine Wohnung, bleibe im Wohnzimmer stehen und starre missmutig zur Leiter, die auf meine Galerie führt.
Wo mein Bett steht.
„Vergisses“, nuschele ich und drehe mich einmal um die eigene Achse - gut, es sind eher zwei oder drei Umdrehungen -, bevor ich mich einfach aufs Sofa fallen lasse.
Dann krame ich irgendwie mein Handy hervor.
Julika hat nicht geschrieben.
Kurz entschlossen wähle ich die Österreicher Nummer.
„Kie... Kienzl?“, meldet sie sich irgendwann verschlafen und ich grinse breit.
„Sch bin’s. Basti“, nuschele ich. Liege auf dem Bauch, mit dem Kopf ins Kissen vergraben, weil ich zu faul bin, den Kopf noch zu heben.
„Hallo?“, fragt Julika nach und genervt aufseufzend gebe ich nach, drehe meinen Kopf ein wenig zur Seite.
„Basti, ne, Prödl, ja? Binsch.“
Oh Gott.
Ich kann ja nicht mal mehr denken.
Geschweige denn reden.
Schon gar nicht, wenn ich auch noch Julika am Telefon habe.
„Bist du total am Sack? Sebastian Prödl, wir haben fünf Uhr Morgens und ich muss gleich irgendwann zur Schule, du Affe! Und dir fällt nichts Besseres ein, als mich jetzt anzurufen? Ich glaub’, du spinnst! Du hast doch echt ´n Rad ab, Junge! Wenn ich dich in die Finger kriege!“, regt sie sich auf.
Ich liege nur auf dem Sofa und grinse.
„Sammas?“, sage ich irgendwann.
„Alte Saufbirne, auch noch besoffen, oder was?“, brummt sie, gähnt.
„Pokalsieger. Ich! Binsch Pokalsieger. Also wir, ne?“, antworte ich nur. Lache plötzlich los und kann gar nicht mehr aufhören. Ohne wirklich erkennbaren Grund.
Abgesehen von dem ganzen Alkohol, den ich konsumiert habe.
„Ist ja schön für dich, freut mich auch für dich, aber ich muss gleich trotzdem in die Schule“, erwidert sie trocken.
Spielverderberin.
„Kann ich ja nichts für, wenn du hocken bleibst und mit 20 immer noch nich’ deine Matura hast.“
„Soch gmua!“, fährt sie mich an. „Aber wo ich dich gerade am Telefon hab’. Was zur Hölle war das vorher für eine SMS?“
Sie klingt zögerlich. Ich schließe die Augen. Vergrabe meinen Kopf wieder im Kissen.
SMS.
Richtig! Da war noch was.
„Peter“, antworte ich nur. Bringe gerade nicht mehr raus. Vielleicht Angst vor ihrer Reaktion, oder so.
Jetzt, wo wir beim wirklichen Thema angekommen sind.
„Peter?“ Nun klingt sie nicht nur verschlafen, sondern auch noch verwirrt.
Süß.
„Niemeyer. Hat SMS geschickt, ne?“, erkläre ich. Erklären - haha. Klingt mehr, wie... Na ja, auf jeden Fall nicht besonders deutlich. Oder verständlich.
„Peter Niemeyer hat mir die SMS geschickt. Von deinem Handy. Seid ihr Kleinkinder?“, fragt sie dann abschätzig.
„Ne, nur bsoff’n.“
„Mann, Basti...“ Sie zögert. Sagt eine ganze Weile nichts. „Stimmt’s denn wenigstens, was in der SMS stand?“
Ob das stimmt?
Macht die Frau Witze?
Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag. Kommt gerade alles wieder zurück. Der Tag, an dem ich sie kennen gelernt habe.
Eigentlich hatte ich mir nur schnell einen Coffee to go holen wollen. Schreckliche Angewohnheit aus Bremen. Statt, dass ich mir die Zeit nehme, mich hinzusetzen, mit Freunden zu treffen und zu reden, hole ich mir einen Coffee to go.
Unter die Schulter hatte ich das Telefon geklemmt - Hanno war dran, weiß ich noch genau, hat mir erzählt, dass er seiner Freundin ’nen Hund zu Weihnachten schenkt - in der Hand hatte ich meinen Geldbeutel.
Habe einen Verkehrter geordert, meinen Geldbeutel weggesteckt und mich umgedreht, den Becher in die Hand genommen und nicht geschaut, bin direkt gegen jemanden gelaufen.
Sekunden später sind dann die Geldstücke über den ganzen Boden gerollt, ein Mädel hat mir ein „Wappler!“ entgegengebrüllt und Hanno hat sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt.
Sofort habe ich meinen Kaffee weggestellt, aufgelegt und das Handy in die Hosentasche gesteckt, habe den Geldbeutel unter dem Tresen hervorgezogen, die Karten, die irgendwie rausgeflogen sind ebenfalls aufgesammelt.
Konnte es mir nicht verkneifen, einen Blick draufzuwerfen.
„Tut mir leid, Julika Kienzl“, habe ich gesagt und ihr, die sie den verlorenen Münzen hinterher gekrabbelt ist, aufgeholfen, bis sie wieder sicher - und unheimlich lässig, cool - auf ihren hohen Schuhen da stand, mich abschätzig angesehen hat.
Dann habe ich sie auf einen Kaffee eingeladen - zur Entschädigung.
War von Anfang an hin und weg von ihr. Von ihren grünblauen Augen, die so... Julika sind. So schön. Die mich ganz verrückt machen. Wenn ich nur daran denke.
Ein halbes Jahr später bin ich immer noch in sie verliebt.
Habe es wenigstens schon mal geschafft, einen regelmäßigen Kontakt zu ihr aufzubauen. Und ich war es, zu dem sie gerannt ist, als sie mit ihrem Freund Schluss gemacht hat. Da ist sie nach Bremen gekommen, eine Woche hier untergekrochen, bevor sie wieder zurück nach Graz ist.
Sie ist zu mir gekommen.
Sind eben gute Freunde.
Mittlerweile.
„Basti, du alte Saufbirne! Ist’s jetzt so, oder nicht?“
Ich hebe die Schultern. Vergrabe den Kopf tiefer im Kissen. „Scho’...“, brumme ich, werde rot.
Wie ein Teenager.
So fühl’ ich mich auch. Wenn ich mit ihr red’, oder sie seh’. Was nicht so oft ist, aber trotzdem.
„Mann, Basti...“, sagt sie leise. „Du spinnst doch.“
„Und du?“
Vollidiot. Das klang jetzt, als würde ich sie fragen, ob sie auch spinnt. Dabei wollte ich sie doch nur fragen, ob sie denn auch - wenigstens ein bisschen - verliebt in mich ist.
Auch wenn ich nicht wüsste, warum sie das sein sollte. Hatte immerhin bis vor kurzem ’nen Freund - einen, der aussah wie ein Schauspieler. Und so unbedingt der Traumtyp bin ich jetzt auch nicht.
Zumindest nicht, dass ich wüsste.
Zu sehr... Schrank. Behauptet zumindest Hanno immer. Aber Hanno ist auch ein Vollidiot. (Und mein bester Freund, aber ist ja egal)
„Das fragst du? Du bist echt noch blinder, als ich gedacht hab’.“
Ich bin blind. Soll nicht fragen, ob sie in mich verliebt ist.
Sie ist in mich verliebt.
Ich grinse.
Breiter, als in drei Stunden Rathausbalkon.
Noch glücklicher.
„Und jetzt?“, frage ich dann doch irgendwann mal nach.
„Jetzt lege ich auf und ruf’ dich heute Abend noch mal an, um zu schauen, ob du dich dann auch noch dran erinnerst, oder ob das nur eine Alkohollaune war, du Pokalsieger.“
Und damit hat sie aufgelegt.
Ich starre das Telefon an. Glücklich. Glücklichglücklichglücklich.
Dann rufe ich bei Peter an. Peter, der ein genervtes „Was ist? Liegste besoffen unter der Brücke und kommst nicht weg?“ ins Telefon murrt, sobald er abgehoben hat.
Ich lache. „Danke“ ist das Einzige, was ich sage, dann lege ich schon wieder auf.
Drehe mich um und starre an die Decke.
Glücklich.
Pokalsieger-glücklich.
Julika-glücklich.
Einfach glücklich.
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