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von StormXPadme
erstellt: 31.05.2009
letztes Update: 20.12.2009
Geschichte, Drama / P16
(abgebrochen)
2
5 Jahre später
5 Jahre später
„Ist das da drin genauso spießig, wie’s von außen aussieht?“ Die Begeisterung von Logans Mitreisender schrumpfte mit jeder Minute, die sie sich dem Xavier-Anwesen näherten.
„Mindestens. Aber besser als in der Kanalisation.“ Logan rang sich ein kurzes, schiefes Grinsen ab und sah wieder nach vorne, obwohl der Anblick seine Laune auch nicht gerade hob.
Die Mauer war erhöht worden, aber die riesige graue, efeuumrakte Villa dahinter konnte man trotzdem auch von der Schnellstraße aus schon erahnen. Oder im Fall von ihnen beiden durch das hohe, schmiedeeiserne Gartentor erkennen, aus Kilometer Entfernung. Hawk besaß nicht nur die Federn, den Schnabel und die Flügel eines Falken sondern auch dessen geschärftes Sehvermögen. Und genug Jahre Erfahrung mit ihrer Mutation, um gut damit umgehen zu können. Vielleicht war sie ihm deswegen so sympathisch. Sie quatschte nicht zuviel und stellte vor allem keine Ansprüche an ihn. Was sie brauchte, um sich nicht länger unter der Stadt zu verstecken, konnte er sie sowieso nicht lehren.
Pädagogische Höchstleistungen waren bekanntlich nie seine Stärke gewesen. Dafür waren die Leute hier in Westchester zuständig, und die machten ihre Sache ganz ordentlich. Deswegen war es gut, dass es das Haus trotz allem Mist, der bei Alcatraz passiert war, noch gab. Logan wusste jedenfalls, wo er strauchelnde, streunende Mutanten hinschicken konnte, wenn sie zufällig seinen Weg kreuzten. Oder wo er sie abliefern musste, wenn sie, wie in Hawks Fall, die Orientierung eines komatösen Murmeltiers hatten.
„Kommst du nicht mit rein?“ Das junge Mädchen zog eine enttäuschte Grimasse, folgte Logans stummer Aufforderung, abzusteigen aber widerspruchslos. Die wenigen Meter über den leicht ansteigenden Weg bis zum Tor hin würde sie hoffentlich finden, ohne sich zu verlaufen.
„Zu viele schlechte Erinnerungen.“ Logan hielt ihr in einer auffordernden Bewegung die Hand hin, damit sie ihm den Helm zurückgab und dann hoffentlich schnell davon trottete. Sie wollte den guten ersten Eindruck jetzt doch hoffentlich nicht zunichte machen und doch noch plappern anfangen, oder? Er ließ sich sogar noch dazu herab, ihr ihre schwere Tasche aus dem Innenraum des Bikes zu holen, nicht, weil er seine Gentleman-Manieren pflegen wollte, sondern weil so die Chancen stiegen, dass sie nicht fragen würde.
Leider hatten Fünfzehnjährige bekanntlich ihre eigene Art, mit diskreten Hinweisen umzugehen. „Also rennst du wieder weg?“ Mit einem schmerzerfüllten kleinen Stöhnen zog sich Hawk den Helm vom Kopf, nicht nur ein paar weiche weiße Federn einklemmend sondern mit der Schnabelspitze auch einen nicht unbeträchtlichen Kratzer auf dem Visier hinterlassend. Logan bezweifelte, dass ihn irgendein Bulle, so langweilig ihm sein mochte, aufgehalten hätte, wenn er mit einem überdimensionalen Federvieh als Beifahrer durch die Stadt kurvte, nur weil besagtes Vögelchen keinen Helm aufhatte, aber da war die Kleine etwas eigen. Wirklich Zeit, dass sie zu Leuten kam, die ihr Selbstbewusstsein ein wenig stärken würden. Dieses Kind war trotz des entstellenden Schnabels statt Nase und Mund hübsch, mit diesen schneeweißen, hell glänzenden Federn und den ansonsten so feinen Gesichtszügen. Leider war sie auch viel zu hart und resigniert für ihr Alter. Sie erinnerte ihn an Rogue, um genau zu sein.
Vielleicht war er deshalb diesmal seiner Sentimentalität gefolgt und hatte die Kleine persönlich hierhergebracht. Aber am Tor war Schluss, das hatte er ihr von Anfang an klar gemacht. „Mach’s gut.“ Er nickte ungeduldig zum Tor. „Läut zweimal und sag nicht, wer dich geschickt hat. Keine Sorge. Da drin findest du soviele Freaks, dass du gar nicht mehr wissen wirst, mit dem du dich zuerst anfreunden sollst.“
„Und wenn ich mich gern mit dir anfreunden will?“ Teenager… War Marie auch immer so hartnäckig gewesen, wenn sie ein Nein nicht hatte akzeptieren wollen? Und dieser bestechende, bittende Blick aus diesen scharfen, intensiv hellblauen Augen hätte sein Ziel auch noch fast erreicht. Fast.
„Ich mache mich nicht gut in Rudeln.“ Logan ergab sich seufzend seinem Schicksal, dass er hier wohl noch ein paar Minuten länger herumstehen musste und tastete ganz automatisch nach einer Zigarre. Er konnte nicht verhindern, dass sein Blick noch einmal zum Haus wanderte, aber immerhin konnte er sich erfolgreich einreden, dass er nur sicherstellen wollte, dass niemand in der Tür stand, der ihn womöglich sehen oder gar aufhalten konnte. Unwahrscheinlich um diese Zeit, wenn jeder verfügbare Erwachsene da drin Unterricht gab. Dieses Anwesen platzte seit Alcatraz aus allen Nähten. Magnetos letzter Angriff hatte die Stimmung der Menschen bezüglich der Mutanten nicht gerade verbessert. Dass die Wirkung des Heilmittels sich als äußerst temporär bei den Mutanten herausgestellt hatte, hatte seinen Teil dazu getan. Sie waren genau da wieder angekommen, wo sie bei Alkali Lake aufgehört hatten. Jemand wie er, der nur ein Bett zuviel da drin belagern würde, war gerade das letzte, was die Schule brauchte. Und einen spektakulären Angriff der Direktorin aus verletztem Stolz auf den Neuankömmling, bevor dieser auch nur einen Schritt auf die Haustür zugemacht hätte, wäre dem inneren Frieden wohl auch eher abträglich gewesen… Logan seufzte, mit einem kaum sichtbaren Kopfschütteln, und wandte sich wieder ab. Selbst wenn er einen Grund gehabt hätte, zurückzukehren… Es war besser so.
„Alles okay, Kleines?“ Stirnrunzelnd betrachtete er seine Mitreisende, die immer noch keine Anstalten machte, auf das Tor zuzugehen, sich stattdessen schwer auf dem Lenker des Motorrads aufstützte und sich immer wieder abwesend über die Stirn wischte.
„Klar. War nur n bisschen viel heute. Hab noch nie auf einen Kerl eingehackt, der das überlebt hat. Und dann bringt der mich auch noch aus dem Ghetto in ein Nobelhotel, das nicht mal Kohle von mir will. Alles bestens.“ Hawk zeigte ihre scharfen, spitzen Zähne, die schwache Nachahmung eines Lächelns, straffte sich, bückte sich nach ihrer Tasche- und fiel lautlos um, schneller als Logan reagieren konnte. Ihr Gefieder war so heiß, dass Logan sich bei einem besorgten Griff um ihrem Arm verbrannte, Schweiß stand auf ihrer Stirn, aber sie atmete tief und ruhig, auch der Puls war in Ordnung, soweit man hier menschliche Maßstäbe anlegen konnte. Die Fahrt an der prallen Hitze, der Kampf gegen eine brutale Straßengang- es war anscheinend ein wenig zuviel gewesen.
Soviel dazu, dass er sich gleich wieder aus dem Staub machen konnte. Logan verdrehte genervt die Augen und hob den schweren Körper des Mädchens umständlich auf das Motorrad. Mit diesen riesigen, dichten Flügeln, die ausgestreckt sicher mehr als 2 Meter breit sein mussten, hätte er die Kleine unmöglich tragen können, so ungern er es zugab. Musste sie ausgerechnet so kurz vom Ziel entfernt zusammenbrechen? Nun, wenn er Glück hatte, kannte der Hauptcomputer sein Gesicht noch, das Tor würde von selbst aufspringen, wenn die integrierten Sensoren an der Mauer ihn erst erkennen würden, und er konnte Hawk einfach auf den Stufen liegen lassen…
Immerhin, das Tor ging tatsächlich auf. Vielleicht würde gar niemand bemerken, dass er hier gewesen war…
„Logan? Bist du das?“
Er überlegte kurz, wie sinnvoll es gewesen wäre, mit einem ruppigen ‚Nein‘ zu antworten, wandte dann aber doch resigniert den Kopf in die Richtung, aus der die nur zu bekannte Stimme gekommen war. „Sieht wohl so aus.“
„Und wer ist das?“ Neugierig näherte sich ihm die junge Frau, noch etwas verhalten, was sie von dieser Überraschung halten sollte.
„Solltest du nicht in der Schule sein, Pryde?“
„Ich studiere seit drei Jahren“, erwiderte Kitty trocken. „Sport und Mathematik.“
„Wunderbar“, brummte Logan, ohne seine Zigarre aus dem Mund zu nehmen. Studium? War diese immer noch etwas untersetzte, schlanke Frau im engen Seidenkostüm wirklich die süße Kleine, die er noch vor kurzem davor beschützt hatte, Futter für Magnetos durchgeknallte Mutanten zu werden? Die Zeit war irgendwie vergangen, ohne dass er groß davon Notiz genommen hatte, nachdem er dieses Ding abgeschlachtet hatte, in das sich Jean verwandelt hatte. In der Mutantenwelt hatte sich seitdem nichts getan, was seine Aufmerksamkeit erfordert hätte. Er war froh, wenn er seine Ruhe hatte und sich jeden Abend abwechselnd seinen Lebensunterhalt erprügeln und sich in Folge die Birne wegsaufen konnte. Mehr verlangte er gar nicht vom Leben. Er war schließlich niemandem was schuldig. Warum meldete sich dann sofort das schlechte Gewissen, kaum dass er einen Fuß in dieses Anwesen gesetzt hatte? Dieses Haus war verflucht, es konnte nicht anders sein… „Dann nimm doch deine Stummelbeinchen in die Hand und hol den Doc, damit ich mich hier schnellstmöglich wieder verpissen kann.“
Kitty, schon im Begriff, auf ihn zuzulaufen und ihn zu umarmen, hielt abrupt an. Ein gekränkter Zug legte sich über ihr gerade noch so strahlendes, sommersprossiges Gesicht. „Du bist ein Arschloch, Logan.“
„Danke für die Erinnerung, warum mir das Leben hier so fehlt“, gab er ironisch zurück, aber das hörte sie schon gar nicht mehr richtig, weil sie nach dem vernichtenden Kommentar seine Aufforderung folgte und in die Krankenstation hoppelte. Auf direktem Weg durch den Boden.
„Du bist mir was schuldig, Schnabel“, seufzte er dem bewusstlosen jungen Mädchen auf seinem Motorrad zu, bevor er sich mit einem weitere, tiefen Seufzen dagegen lehnte und sich seiner Zigarre widmete. Wenn er Glück hatte, war Kitty beleidigt genug, um nicht gleich das ganze Haus zu verständigen, dann standen seine Chancen immer noch sehr gut, dass ihm ein peinliches Gespräch mit Ororo darüber erspart blieb, wo er sich herumgetrieben hatte. Wenn man bedachte, was bei der letzten Klärung dieser Art herausgekommen war, war das definitiv besser so. Er bezweifelte, dass sie diesmal wieder so betrunken sein würde, dass er sie notfalls auch mit einem Kuss zum Schweigen bringen konnte. Schade eigentlich…
Verdammte… Wie konnte es sein, dass man sein ganzes verfluchtes Leben vergaß, aber kaum kam man in die Nähe eines versnobten Weltverbessererladens, meldeten sich gleich die ganzen vergessen gehofften Schulden und Kindereien der letzten Jahre zu Wort? Dem nächsten Mutantenkind, das ihm über den Weg laufen würde, würde er ganz einfach ein Busticket spendieren…
„Hi.“
Logan hatte vier Jahre in diesem Anwesen gelebt, und immer hatte er sich noch nicht daran gewöhnt, dass es Mutanten gab, die sich trotz seiner geschärften Sinne unbemerkt an ihn heranschleichen konnten. Es gab nur wenige Leute, die das schafften, und ganz sicher war ihm das noch nie bei einem Kind untergekommen. Einigermaßen verwirrt steckte er sich seine Zigarre wieder in den Mundwinkel, die ihm vor Überraschung fast zu Boden gefallen wäre, und musterte den Kleinen neben dem Motorrad vorerst wortlos aus den Augenwinkeln. Vier Jahre, fünf? Groß für sein Alter jedenfalls. Keine Auffälligkeiten bis auf eine etwas verwilderte Frisur, schade eigentlich. Er wusste gerne, welche Leute ihn überraschen konnten und warum.
Er schenkte dem Jungen ein kurzes Nicken und sah dann wieder zu dem dunklen, mit edlen Schnitzereien verzierten Hauseingang, mit wachsender Ungeduld. Wie lange brauchte dieses blaue Fellknäuel, bis es vom Keller hierher geschlurft kam? Vielleicht ein wenig zu lange seinen breiten Hintern in Regierungssesseln geparkt? Es war zugegebenermaßen eine Überraschung gewesen, als Hank so völlig unerwartet sein Amt bei der UNO an einen anderen Mutanten abgegeben hatte. Und zugleich eine Warnung. Wenn sich die X-Men wieder sammelten, hieß das, dass neuer Ärger in der Luft lag. Nicht dass das irgendetwas mit Logan zu tun gehabt hätte. Es war nur gut zu wissen, wann man besser die Krallen einziehen und untertauchen sollte.
Eine schüchterne kleine Hand zupfte an seiner Jacke. Der Junge war mutig, das musste er ihm lassen. Normalerweise schreckten die Leute vor seiner massigen Statur eher zurück. „Wie heißt du?“
Logan musste unweigerlich lächeln. Nicht viele Mutantenkinder gingen so offen auf Fremde zu. Der Knirps war früh dran, um hier unterzukommen, von dem mal abgesehen. Vielleicht gar kein Findelkind? Er überschlug kurz die Zeit, die er weggewesen war und kam zu dem Schluss, dass es für Marie und diesen Eiswürfel definitiv noch zu früh gewesen wäre, um schon mit Nachwuchs anzufangen. Der Kleine sah auch keinem von dem beiden ähnlich, seine leicht gebräunte Haut und die feinen Gesichtszüge erinnerten Logan eher an eine gewisse Direktorin… Wenn er nicht gewusst hätte, dass Ororo grundsätzlich als Neutrum durch diese Schule wandelte, wenn sie sich nicht gerade wieder mal mit Wodka zuschüttete… „Wie wär’s, wenn du dich erstmal vorstellst?“
Der Junge schien das kurz ernsthaft in Erwägung zu ziehen, rümpfte dann die Nase und schüttelte den Kopf. „Du zuerst. Du bist neu hier.“
„Ich wünschte, das wäre so, Kleiner.“ Logan schnaubte kurz bitter. Wie lange brauchte dieses Mädchen für einen Gang in die Krankenstation? Hatte sie vielleicht zu früh wieder geatmet und steckte jetzt irgendwo fest?
Es war an ihm, die Nase zu rümpfen, verwirrt noch einmal zu wittern, als ihm durch das kurze, tiefe Einatmen etwas auffiel, was ihm eben schon irritiert hatte. Der Grund, warum er nicht gemerkt hatte, wie das Kind sich ihm genähert hatte. Der Knirps schlich nicht nur außerordentlich leise dahin, er roch auch nach nichts. Nein, nicht ganz richtig… Er hatte nur keinen Geruch, der Logan aufgefallen wäre. Es war eine Duftnote, die ihm so vertraut war, dass seine Instinkte keine Bedrohung darin ausgemacht hatten. Das war ihm noch nie untergekommen, nicht einmal bei diesem Tier von Sabretooth, der grundsätzlich aus einem ähnlichen Rudel wie er selbst stammte…
„Ich bin Logan.“ Und es geschah doch, wieder einmal, genau das, weswegen er eben nicht hatte herkommen wollen, weil am Ende doch immer nur Ärger und Schmerz dabei herauskamen: Er wurde neugierig.
„Ha! Ich hab’s gewusst!“, triumphierte der Junge, seine Faust hoch in die Luft gerissen. „Hab dich auf Fotos gesehen! Ganz oft!“
Er hielt sich rasch seine Hand vor den Mund, als sein Blick auf das Mädchen auf dem Motorrad fiel, wohl aus Angst, er könnte sie wecken. „Was hat sie denn?“
„Sie schläft nur. Sie wacht bald wieder auf.“ Und dann wollte Logan eigentlich hier schon längst wieder verschwunden sein, also wo blieb King Kong mit der verdammten Liege?
„Bist du ihr Dad?“
Heute hatte sich die ganze Welt verschworen, Logan auf die Nerven zu gehen, wie es aussah. So niedlich der Knirps war, er hatte nicht vor, hier Wurzeln zu schlagen, also brauchte er auch keine neuen Bekanntschaften, an die er auf seiner nächsten Reise ohnehin wieder nur mit einem Anflug von Wehmut zurückdenken würde. Es war okay gewesen, hier zu leben. Gemütlich und immer ganz sinnvoll. Umso weniger Interesse hatte er daran, sich ein weiteres Mal zu verabschieden und mit einer Entscheidung zu kämpfen, die er längst getroffen hatte, nicht für sich selbst sondern für ihr Wohl. „Leute wie ich haben keine Familie.“ Diesmal konnte er sich nicht einmal mehr zu einem Lächeln aufraffen. Die Erinnerung an seine Zeit hier sträubte sich dagegen, noch länger im Zaum gehalten zu werden, je länger er den Kleinen betrachtete. Er fühlte sich… nicht bedroht, nicht von einem Halbwüchsigen, das war das falsche Wort. Aufgeschreckt. Auf eine Art, die er nicht kannte. Als wäre etwas mit diesem Kind, an das er sich nicht erinnern konnte. Aber in die Zeit vor seinen Gedächtnisverlust konnte der Knirps wohl kaum fallen… Seine eigene Unruhe machte ihn nervös. Er war genau deshalb von hier abgehauen, damit die Dinge nicht kompliziert wurden, damit er nicht ständig über irgendwelchen Mist nachdenken musste. Keine fünf Minuten zurück, und schon hatte er einen X-Men zutiefst beleidigt, und ein Hosenscheißer schaffte es ohne jede Provokation, ihn bis aufs Blut zu reizen. Wenn er so weitermachte, würde er bis heute Abend das ganze Haus ins Chaos gestürzt haben.
„Das ist dumm.“ Der Knabe schien über seine Bemerkung zu grübeln, und besonders viel konnte er damit nicht anfangen. „Dann musst du hierbleiben. Hier haben wir alle eine Familie.
Hier bleiben!“, bekräftigte er, begeistert von seiner eigenen Idee, bevor Logan noch zu einem schwachen Protest ansetzen konnte. „Darf ich dann damit fahren?“ Aufgeregt zeigte er auf das Motorrad und wäre wohl am liebsten schon daran hochgeklettert, wenn Logan ihn nicht energisch am Kragen gepackt und zurückgezogen hätte, bevor das veraltete Ding noch umkippen konnte, womöglich noch mit dem Mädchen darauf, das die ganze Szene immer noch selig verpennte.
„Vorsicht, Kleiner. Das ist eine Nummer zu groß für dich.“ Mit einem amüsierten Lächeln über soviel Enthusiasmus und Tatendrang wuschelte Logan dem Kind durch seine dichten, strohigen Haare. Es war wirklich schon sehr weit und vor allem aufgeweckt für sein Alter…
Sein Lächeln erstarb, als er es in dem hübschen kleinen Gesichtchen widergespiegelt sah. Im wahrsten Sinne des Wortes. Plötzlich dämmerte ihm, warum ihm dieses Kind so bekannt vorkam, auch wenn sich sein Verstand nach wie vor weigerte, diese dunkle Ahnung auch nur in Betracht zu ziehen. Diese Augen… Logan spürte, wie sich die Haare auf seinen Armen in einer instinktiven Abwehrreaktion aufstellten, wie sich die Muskeln in seinem Oberkörper anspannten. Sein Mund war plötzlich staubtrocken, die helle Herbstsonne schien zu hell und zu grell auf seine empfindlichen Augen. Vielleicht war es auch ein Schleier von Fassungslosigkeit darüber, der ihn nicht richtig sehen ließ. Die Zigarre fiel ihm aus der Hand und rollte unter das Motorrad. Was zur…?
„Jimmy! Lass den Mann in Ruhe!“ Jetzt hatte Logan es doch geschafft, er war solange hier herumgelungert, bis ausgerechnet die Person auf ihn aufmerksam geworden war, die er auf keinen Fall hier hatte treffen wollen. Dieses kleine Ärgernis schob sich auf seiner Prioritätenliste in diesen Sekunden allerdings gerade ziemlich weit nach hinten, obwohl Ororo tatsächlich nicht sehr begeistert aussah. Sie kam auch nicht auf ihn zu, sie blieb in der Haustür stehen und streckte dem Kind die Hand entgegen. „Komm! Deine Spielgruppe wartet.“
„Och, Moooom.“ Der Junge zog eine enttäuschte Schnute, überlegte offensichtlich kurz, ob er protestieren sollte, aber Ororos strenger Blick, mit dieser hochgezogenen Augenbraue, ihre Haltung mit in die Hüfte gestemmten Händen, überzeugte ihn dann doch recht schnell, dass das ein sinnloses Unterfangen war.
„Bleibst du jetzt da?“, fragte er Logan noch einmal treuherzig, bevor er losrannte, mit einer Geschwindigkeit und Wendigkeit, die auf eine beginnende animalische Mutation schließen ließ. Eine vererbte, wie Logan jetzt klar geworden war, nachdem er sich minutenlang geweigert hatte, das Offensichtliche zu sehen.
Er brachte nicht mehr als ein kurzes Nicken zustande, obwohl er noch nicht einmal wusste, ob er seine Mitreisende nicht besser einfach auf dem Boden ablegen und sich sofort verziehen sollte. Das wäre ohne Zweifel für alle leichter gewesen. Genau wie damals.
Ororo schien auch nichts anderes zu erwarten. Sie kam immer noch nicht zu ihm. Sie blieb dort an die Tür gelehnt stehen, wortlos, mit verschränkten Armen, und schien nur darauf zu warten, dass er sich im nächsten Moment umdrehen und sie allein lassen würde. Schon wieder.
Jimmy schien die angespannte Stimmung rasch zu bemerken, von der Fröhlichkeit von eben war plötzlich nichts mehr zu sehen. Ein wenig verunsichert schmiegte er sich an Ororos Bein und sah zwischen ihr und Logan hin und her. „Wer ist das, Mom?“
„Ein Freund. Geh jetzt. Miss D’Acanto wartet auf dich.“ Ororo schickte ihren Sohn mit einem kurzen Kuss auf seine Stirn ins Haus und zog die Tür hinter sich zu, damit Logan und sie ungestört waren.
Und immer noch bewegte sie sich keinen Zentimeter auf ihn zu.
Vielleicht setzte er sich gerade deswegen in Bewegung, nachdem er den ersten Schock verdaut hatte und er noch einmal mit einem raschen Blick festgestellt hatte, dass es Hawk weiterhin gut ging. Dann ging er in die Richtung, die Ororo offenbar nicht erwartet hätte- auf das Gebäude zu. Es hätte ihm scheißegal sein sollen, aber er mochte nicht, wie sie anscheinend über ihn dachte. Nicht, dass sie nicht allen Grund dazu gehabt hätte. Er hätte es ihr nachgesehen, wenn sie ihn gehasst hätte, obwohl er sie damals gewarnt hatte, bevor sie beide… Das war jetzt bedeutungslos. Dass da zwischen ihnen beiden nichts mehr zu retten war, hatte er in dem Moment gewusst, als er sie in sein verdammtes Schlafzimmer getragen hatte. Aber hier ging es nicht mehr nur um sie beide. Das Kind… Dieses Kind… Das war etwas anderes. Sie hätte es ihm sagen müssen…
Eine lästige, viel zu selbstkritische Stimme in seinem Kopf erinnerte ihn daran, dass er ihr das nicht gerade einfach gemacht hatte. Ausgebildete Telepathen, die ihn hätten suchen können, gab es in diesem Haus ja bekanntlich keine mehr…
Es brauchte nur eine vage Erinnerung an diese Zeit damals, vor der er seitdem so beharrlich davonlief, um seine Gedanken sogar von dieser unfassbaren Neuigkeit eben abzulenken. Um sofort wieder diese Ablehnung und Distanz auf seiner Miene erscheinen zu lassen, die eigentlich gar nicht Ororo galten und die trotzdem jedes Mal irgendwie sie zu spüren bekam. Als wäre sie diejenige, die ihm mehr als einmal das Herz herausgerissen hatte. Er wusste nicht, wie er ihr das begreiflich machen sollte. Er war nie gut mit solchen Dingen gewesen. Hatte gedacht, es wäre besser, leichter, wenn er sie allein ihren Weg gehen ließ, der seinen sowieso immer nur wieder einmal auf eine Stippvisite kreuzen würde. So war das jedenfalls einmal gewesen.
„Mom?“ Er ließ ihr vorerst ihren Abstand, lehnte sich gegen einen der verschnörkelten weißen Terrassenbalken und bemühte sich, nicht so finster auszusehen, wie es die Erinnerungen an Alcatraz meistens auslösten.
Dafür konnte Ororo nichts. Für nichts, was damals passiert war, und für nichts danach. Im Gegenteil. Sie hatte ihren Weg gemacht, und das besser, als er es erwartet hätte. Das ganze Haus wirkte heller, freundlicher, das Lachen der Kinder empfing einen schon in der Auffahrt. Sie ging weiter ihrer Bestimmung nach, verlässlicher und stärker als sie es mit ihm an ihrer Seite vermutlich geschafft hätte.
Dafür hatte er einfach nicht genug, was er ihr geben konnte. Und trotzdem war er hier. Und nicht nur wegen einem frechen jungen Mädchen, das monatelanges Zögern im Grunde nur frühzeitig beendet hatte. Und mit einem ziemlich billigen Trick noch dazu, wie er mit einem erstaunten Blick nach hinten feststellen musste, Ororos schwachem lächelnden Blick in diese Richtung folgend.
Die liebe Hawk war nämlich plötzlich gar nicht mehr so bewusstlos wie vor drei Sekunden noch. Sie saß ziemlich aufrecht auf seinem Motorrad und grinste ihn breit an.
„Kleines Luder.“ Kopfschüttelnd wandte er seinen Blick wieder in Ororos Richtung, widerwillig nur, unwillig, die Erwiderung auf die Frage zu hören, die er ihr mehr oder weniger subtil gestellt hatte. Nicht dass er wirklich eine Antwort gebraucht hätte.
Und sie drückte sich genauso davor wie er. Eine halbe Ewigkeit verbrachte sie damit, die kurzen Haare über ihre Stirn zu ordnen. Der Rest war ein ganzes Stück gewachsen, und sie hatte endlich dieses hässliche Grau herausgewaschen, das ihrem Alter sowieso nicht gerecht wurde. Ihr zierlicher Körper war durch die Schwangerschaft noch eine Spur weiblicher geworden, nicht mehr so krampfhaft mager. Er konnte immer noch keine nennenswerten Falten in ihrem zeitlosen, feenhaften Gesicht erkennen. Und diese unmögliche Trauerfarbe hatte sie auch endlich abgelegt. Das Leben in Westchester war weitergegangen, wie es aussah, trotz der schweren Verluste von Alcatraz. Fast sah Ororo an diesem Tag wieder ein wenig so aus wie damals, als er sie zum ersten Mal kennengelernt hatte. Nur dass sie beide seitdem viel zuviel Mist erlebt hatten, um auch nur ansatzweise so zu sein wie früher. Oder sich so zu behandeln.
Schließlich gab sie sich einen Ruck, auch wenn es ihr schwerfiel, auch wenn sie kaum seinem Blick standhalten konnten. Nein, er hatte es ihr nicht einfach gemacht, aber wenn sie sich wirklich angestrengt hätte, hätte sie ihn gefunden. Sie hätte ihn wegschicken können, ihn anlügen, eine Lüge, die er nur zu gern geschluckt hätte… Sie tat es nicht. Am Ende hatte sie eben doch immer mehr Mut als er bewiesen. „Ich hätte es dir gern anders gesagt.“
„Jimmy?“, fragte Logan so sanft wie möglich, bemüht, ihr zu zeigen, dass er ihr nicht böse war. Er mochte es nicht, wenn sie so klein, so verletzlich wirkte. Das hatte ihm schon damals nicht gefallen, und er hatte nicht vor, wieder mit den gleichen fragwürdigen Methoden zu versuchen, sie aufzumuntern. Wenn man bedachte, was beim letzten Mal dabei herausgekommen war… Immer noch ein wenig mitgenommen starrte er auf die Tür, durch die das Kind eben verschwunden war, strich sich fahrig durch seinen Bart, wieder mit diesem abwesenden Kopfschütteln. So ganz wollte sich diese Tatsache noch nicht in seinem Verstand festsetzen, dass dieser Knirps da zu ihm gehörte, wegen eines selten dummen Fehlers… Nur dass es sich nicht wie ein Fehler anfühlte. Nicht so, wie der Kleine gerade gelächelt hatte. Das war eine gute Sache, egal wie es passiert war.
Jetzt musste er sich nur noch entscheiden – einmal mehr – ob er dabei nicht mehr ein Störfaktor als von Nutzen sein konnte. Und diesmal hatte er nicht das Recht, diese Entscheidung allein zu treffen. Wenn er ehrlich war, war er froh darum. Logan konnte in der Bronx überleben, er konnte monatelang in der Wildnis von Kanada nächtigen, er hatte sich allein in das Camp der Bruderschaft begeben und hatte einen gottverdammten Phoenix herausgefordert… Aber heute fühlte er sich, vielleicht zum ersten Mal in dem Leben, an das er sich erinnern konnte, völlig überfordert. Ein Kind… Was sollte er mit einem Kind anfangen? Er war kein Vater. Er war auch kein Lehrer, er war ein beschissener Freund, ein mittelmäßiger Liebhaber und so ziemlich der schlechteste Partner, den man sich vorstellen konnte. Ororo würde ihre Gründe gehabt haben, Jimmy nichts von ihm zu erzählen. Trotzdem stand er hier herum und fühlte sich außer Stande, sich einfach so wie damals auf sein Motorrad zu setzen und wegzufahren. Er hatte so eine dumpfe Ahnung, auch wenn er nichts von diesen Dingen wusste, dass das ab jetzt nicht mehr so einfach sein würde. Ab jetzt waren die Dinge anders. Er konnte sich nicht mehr einfach einen Dreck um Konsequenzen scheren.
„James“, korrigierte Ororo ihn mit einem schwachen Lächeln, noch während ihr Tränen in die Augen stiegen, die sie einfach nicht wegblinzeln konnte, so sehr sie es versuchte. „Nach seinem Vater.“ Sein verwirrter Blick entlockte ihr nur ein müdes Achselzucken. Auch sie ließ ihn nicht den kleinsten Anflug von Aggression spüren, obwohl er gewettet hätte, das sie in den letzten Jahren genug davon angesammelt hatte. Aber das war eben Ororo. Sie hatte ihm keine Vorwürfe gemacht, als er für den Kampf bei Alcatraz zurückgekommen war und sie hatte ihn ziehen lassen, als er sich nach Jeans erneutem Tod wortlos wieder davon gemacht hatte. Nur die dunklen Gewitterwolken, die sich am Himmel über dem ehemaligen Gefängnis zusammengebraut hatten, hatten von ihrer Wut, ihrer Enttäuschung gezeugt. Enttäuschung, die sie auch jetzt nicht verbergen konnte. Für Jean war er zurückgekommen. Wegen ihr nicht.
Und er würde keine Erklärung, keine Entschuldigung haben, also fragte sie gar nicht erst danach. Manchmal hätte sich Logan gewünscht, dass sie ihn nicht so gut verstehen würde. Dass sie nicht alles hinnehmen würde. Vielleicht wäre es sonst nie soweit gekommen, dass sie beide sich nach fünf Jahren immer noch nicht in die Augen sehen konnten. „Du warst nicht da, also musste ich mich mit deiner Vergangenheit begnügen.“
„Ororo…“ Logan versuchte vergeblich, das alles einzuordnen, zu verarbeiten, was sie ihm da eröffnete. Entschuldigende Worte zu finden, dafür, dass er sie über Jahre mit einer Aufgabe allein gelassen hatte, mit der sie mindestens so überfordert gewesen sein musste wie er sich jetzt fühlte. Es klappte nicht, ihm wollte nichts einfallen. Zu sehr blieben seine Gedanken bei dieser letzten Tatsache hängen, die sie ihm mitgeteilt hatte, so nebenbei, als würde er seiner verdammten Vergangenheit nicht seit 20 Jahren erfolglos nachjagen. „Wie…?“
Ororo hob müde die Schultern und zeigte mit dem Kinn nach innen ins Haus. Es war keine Geschichte von 10 Minuten, aber sie würde auch diesmal nicht den Versuch machen, ihn aufzuhalten, wenn er gehen wollte. Sie stellte ihre eigenen Ansprüche und Wünsche immer noch hinter allem anderen zurück. Das mochte als Leiterin einer caritativen Institution ganz hilfreich sein, vor allem, wenn man nur noch Xaviers Erbe hatte, mit dem man spielen konnte, nicht mehr die Einnahmen aus seinen Geschäften zu Lebzeiten.
Aber Logan wollte nicht, dass sie so aussah, wenn sie mit ihm sprach. Das hatte sie früher auch nicht, wenn sie sich im Danger Room duelliert, über das Training der Kinder diskutiert hatten. Wenn sie die verdammte Menschen- und Mutantenwelt vor Psychopathen wie dem alten Mags gerettet hatten. Er wollte, dass sie ihm entgegentrat, so wie vor ihrer beider Fehltritt, wie er es brauchte, um sie ernst zu nehmen, ohne dass er vor ihr Angst haben musste, wie vor der letzten Frau, die ihm… wichtig gewesen war. Vielleicht verlangte er da zuviel von ihr, nachdem er sie so verletzt hatte, und er tat auch nichts groß dafür, dass sich etwas änderte.
Logan wurde es zuwider, seinen eigenen fruchtlosen Gedanken zuzuhören. Er hatte fünf Jahre lang nachgedacht. Viel zu lange. Mit zwei Schritten war er bei Ororo und zog sie für einen langen Moment in seine Arme.
Sie sträubte sich nicht, nicht einmal kurz. Aber sie erzitterte, wieder dieser unerträglich salzige Geruch ihrer Tränen in der Luft… Sie hielt sich zurück. Gerade noch so.
Und immer noch schaffte es der süßliche, reine Duft ihrer Haut und die wie selbstverständliche Berührung ihres Körpers, dass seine Instinkte auf der Stelle Alarm schlugen und ihm vermeldeten, was er in den letzten Jahren schmerzlich vermisst hatte. Und wenn es nur eine tröstende Berührung in einer einsamen Nacht gewesen war.
Und gleichzeitig formte sich auf der Stelle das Bewusstsein, dass diese Zeiten vorbei waren, wenn es sie je gegeben hatte. Dieser Selbstsucht war er einmal nachgegangen, das war einmal zuviel gewesen. Jetzt war es nicht an ihm, irgendetwas von Ororo zu verlangen sondern für sie da zu sein. Sie würden reden, gleich, er musste wissen, was sie da herausgefunden hatte, was ihm selbst noch verborgen geblieben war… Aber zuerst wollte er ihr vermitteln, dass es ihm nicht so egal war, wie sie unzweifelhaft dachte. „Kann ich ihn noch einmal sehen?“
„Er ist dein Sohn, Logan. Du kannst ihn sehen, wann immer du willst.“ So sehr sie sich bemühte, Ororo konnte nicht die Spur von Zynismus aus ihrer tiefen, weichen Stimme heraushalten.
Sie wischte sich so kurz, so unauffällig über die Augen, dass er tun konnte, als hätte er es nicht gesehen, bevor sie von ihm zurückwich und sich an die junge Frau wandte, die die Szene immer noch grinsend beobachtete. „Das mit dem Arzt hat sich erledigt, nehme ich an?“
„Und das sagt ihr mir jetzt, wo ich das ganze Anwesen abgesucht habe?“, empörte sich Kitty, die außer Atem über den Hof angerannt kam, mit Hank im Schlepptau.
Etwas verlegen zog die Fremde den Kopf ein und näherte sich Ororo und Logan. Ihre Flügel zuckten unruhig über ihren Rücken, jetzt schien sie doch ein wenig eingeschüchtert. „Man nennt mich Hawk. Er hat gesagt, dass ich hier vielleicht bleiben kann.“ Sie nickte Logan kurz zu, mit einem schwärmerischen Ausdruck in den Augen, den Ororo und Logan nur zu gut von Marie oder auch Jubilee damals kannten.
„Solange du möchtest.“
Ororo winkte Hank und Kitty mit einer kurzen Geste heran. „Zeigt unserem neuen Gast ein Zimmer. Hank, check sie kurz durch.
Reine Vorsichtsmaßnahme seit Alcatraz“, erklärte sie leise, mit einer kurzen, bitteren Grimasse auf Logans fragenden Blick hin. „Magneto sitzt uns im Nacken. Was immer er vorhat, er will sicherstellen, dass wir ihm dabei nicht im Weg sind. Wir mussten schon zwei Spione vor die Tür setzen.“
„Es wird also wirklich wieder ernst.“ Logan sah dem neuesten Schützling der X-Men kurz nach und erwiderte Hanks vernichtendem Blick ausdruckslos, bevor er Ororo ins Haus folgte. Es gab nur eine Person hier drin, der er Rede und Antwort stehen musste, und man schien hier sowieso auch ohne ihn gut zurechtgekommen zu sein. Wenn sich die Lage verschärfen würde, konnte Ororo wieder auf ihn zählen, das wusste sie hoffentlich. Aber im Moment hätte ihm nichts egaler sein können.
Er ist dein Sohn…
Laut ausgesprochen klang es um nichts surrealer als bei seiner ersten instinktiven Ahnung vorhin.
Sein Sohn.
Der Grund, warum er jahrelang davongelaufen war, ohne überhaupt etwas davon zu wissen.
Der Grund, warum er heimgekehrt war, wieder nur dem Ruf seiner Instinkte folgend, genau zum richtigen Zeitpunkt, bevor die Familie, die er nie hatte haben wollen, in ernste Gefahr kommen konnte.
Logan fühlte sich müde wie selten zuvor in seinem Leben.
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