Fanfiktion / Cartoons & Comics / X-Men / Whatever happened to the heroes
1. Kapitel
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Geschichte melden
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
 
»
von StormXPadme    erstellt: 31.05.2009    letztes Update: 20.12.2009    Drama / P16     14 Reviews
Mal was Kleines außerhalb meiner Serie… N Versuch, ob ich eigentlich noch Ficlets schreiben kann *lach*. Das Ganze wird so ne kleine Ficlet-Serie werden, so wie's im Moment aussieht, nicht so ausgebaut wie meine lange X-Men-Serie, mehr Momentaufnahmen... Es is ein Experiment, so was hab ich noch nie geschrieben, und ich muss selbst erstmal sehen, was dabei rauskommt. Zu gewissen Kapiteln gibt's natürlich auch die entsprechende Nc 17-Szenen. Es gilt wie immer bei meinen Werken, Reviewer, die über 18 sind und die Vollversion lesen wollen, meldet euch einfach mit eurer E-Mail-Adresse bei mir. Die Paarung lockt mich im Moment so als Übung nebenbei, muss ich zugeben. *G* Ein Dank geht an dieser Stelle an Satansbratn für die Blödelei über eine Story mit dieser Paarung und an Kuschelkükchen für den endgültigen Anstoß…

######################################


Titel: X-Men: WHATEVER HAPPENED TO THE HEROES
Titelbild: http://i296.photobucket.com/albums/mm194/stormxpadme/art/whtth.jpg
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören Marvel, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: Realfilme
Zeitlinie: während dem Film ‚X-Men: The Last Stand‘
Zensur: P-16 (Sprache)
Zusammenfassung: An einem Abend der Trauer und der Verzweiflung lockt oft die Flucht in die Betäubung- mit sämtlichen verfügbaren Mitteln…
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen, Träume oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken, Telepathie oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D









X-Men
WHATEVER HAPPENED TO THE HEROES




1



“Wo bist du gewesen?“

Logan brauchte exakt zwei der sechs Silben dieses Satzes zu hören, um zu wissen, dass Ororo betrunken war. Sturzbetrunken.
Nicht dass es ihm zustand, darüber zu urteilen. Er hatte nach der dritten Flasche Whiskey in Folge aufgehört zu zählen. Es gab Abende, die waren zum Trinken da, und dieser gehörte definitiv dazu.

Er hätte sich allerdings gewünscht, seine geschätzte Teamkollegin hätte sich einen anderen Ort gesucht, um ihre Trauer und ihren Zorn wegen Xaviers überraschendem gewaltsamem Ableben in Hochprozentigem zu ertränken als ausgerechnet sein Apartment. Das war ganz schön unfair, eigentlich. Jeder sollte das Recht haben, sich allein zu besaufen, aber nicht einmal das war in diesem Anwesen anscheinend in Ruhe möglich. Er hätte ihr hunderte Gründe aufzählen können, warum er sich nicht in einer Reihe heulender, verängstigter Kinder gesetzt und Ororo dabei zugesehen hatte, wie sie schluchzend eine Trauerrede hielt. Da er bezweifeln musste, dass sie auch nur zwei seiner Sätze gedanklich in ein zusammenhängendes Muster hätte bringen können – oder dass er selbst mehr als einen halben deutlich hätte artikulieren können – zog er es vor, mit einer Zigarre zu wedeln und unwirsch auf die Tür zu zeigen. „Morgen, Windreiterin, sei so gut. Wenn ich mich nicht mehr fragen muss, wie man das Stadium nennt, das du da gerade erreicht hast.“

Diskrete Winke mit Zaunpfählen waren Betrunkenen leider anscheinend ebenso wenig zugänglich. Vor allem, wenn sie – Logans bescheidener Einschätzung nach – zum ersten Mal mit mehr Alkohol als einem Glas Sekt zum Jahreswechsel konfrontiert wurden. „Ich fragte…“ Ihre schmalen Hände in die Hüften gestemmt stellte sich Ororo neben seinen Wohnzimmertisch und lehnte sich so elegant wie möglich dagegen, als könnte sie so verbergen, dass ihr Gang nicht mehr ganz sicher war. Leider war sie noch orientiert genug, um diese vorwurfsvollen Blitze der Wut aus ihren dunklen Augen auf ihn zu schießen, bei denen er sich jedes Mal vorkam wie das größte Arschloch der Welt. Und noch ein paar mehr den Himmel draußen über dem Anwesen erhellen zu lassen. „Wo warst du?“

„Erspar mir das, Windreiterin.“ Logan zog es vor, sich wieder seiner Flasche zu widmen, musste aber feststellen, dass von seinem Lebensretter an unterirdischen Tagen wie heute nur mehr ein kleiner Rest übrig war.

Und nicht einmal den gönnte man ihm, weil Ororo ihm den Whiskey aus der Hand riss und die Flasche selbst in einer reichlich windschiefen Linie an ihre Lippen führte, um den kläglichen Rest in einem Schluck zu leeren. Erstaunlicherweise traf sie ihr Ziel schon beim zweiten Mal und verschüttete auch nur die Hälfte. Sofort schüttelte ein Hustenanfall ihren zierlichen Körper, sie verzog das Gesicht zu einer angeekelten Grimasse. „Du hast nicht nur kein Mitgefühl… Und kein Taktgefühl… Du hast auch einen beschissenen Geschmack.“

Logan zielte mit der leeren Flasche auf die Stelle, wo bereits die anderen in unzähligen Scherben den Boden vor der Trennwand zu seinem Bett zierten. Da wo ein paar Fotos hingen, die ab heute bedeutungslos waren, von seiner Zeit in der Mutant High. Nicht dass er Wert auf so etwas gelegt hätte. Es war Jeans Idee gewesen. Um sich wenigstens an dieses Leben zu erinnern, wie sie damals lächelnd gemeint gesagt hatte. Mit einem lauten Splittern verabschiedete sich auch dieser gläserne Behälter aus dem Leben und ließ Logan die Wahl, entweder im Vorratskeller nach Alkohol zu suchen… Mit wahrscheinlich negativem Ergebnis- das hier war schließlich immer noch eine Schule, egal wie viele psychopathische Sprösslinge daraus auf die Welt losgelassen wurden… Oder er konnte in einem der Lehrerzimmer nachsehen, ob irgendjemand noch etwas Genießbares gebunkert hatte. Heilkräfte hin oder her, auch sein Blutkreislauf würde einige Zeit brauchen, bis er wieder nüchtern genug war, um eine Karre zur nächsten Tankstelle zu fahren, ohne auf dem Weg ein paar Bäume mitzunehmen. Und nach Schmerzen war ihm heute so gar nicht. „Hast du noch was von dem billigen Zeug, das du da in dich reingeschüttet hast?“, fragte er mit schief gelegtem Kopf und ehrlichen Interesse. „Dann sag ich dir, ob das bessere Qualität hat. Ansonsten, wenn du nichts Sinnvolles zum Thema des Abends beizutragen hast- da ist die Tür.“

„Fick dich, Logan.“

Ororo schaffte es selbst in diesem beeinträchtigten Zustand noch, ihn so aus dem Konzept zu bringen, dass er sich am Zigarrenrauch verschluckte- etwas anderes hatte er ja jetzt dank ihr nicht mehr, womit er sich zudröhnen konnte. Hatte ihm dieses sonst immer so sanfte, feenhafte Wesen mit den runden Kinderaugen und dem geduldigen Lehrerlächeln gerade gesagt, dass er sich ficken sollte?

Man musste ihm seine Verblüffung wohl angesehen haben, denn Ororo ließ sich statt sich endlich zu verziehen auf seinem Tisch nieder, mit verschränkten Armen und aggressiv vorgeschobenem Kinn, und spie ihm die nächsten Worte mit ihrem Wodka-geschwängerten Atem geradezu ins Gesicht. „Genau das. Du kannst mich, Logan. Wenn du glaubst, dich geht das hier alles nichts an, dann verpiss dich aus unserem Leben.“

„Mach mal halblang.“ Auch nachdem er seine beschränkte Sprechfähigkeit wieder gefunden hatte, fiel Logan noch nichts Intelligentes ein, um Ororo vor die Tür zu komplimentieren. Er bezweifelte inzwischen auch, dass sie den Weg zurück zu ihrem Apartment am Ende des Gangs ohne Landkarte gefunden hätte. Der Whiskey auf ihre Wodka-Infusion hinauf hatte ihrem nicht an Alkohol gewöhnten Körper den Rest gegeben. Vielleicht sollte er sie einfach hier sitzen lassen und sich selbst ins Bett begeben. Da es nichts mehr zu Trinken gab, war Schlaf im Moment sowieso die beste Lösung. Langsam steigerten sich diese ganzen Kopfschmerz-Eindrücke des Tages zu echter Müdigkeit. Die leichenblassen Gesichter der Kinder, dieses pompöse Grab, in dem niemand lag, Tränen bei einer sonst so starken, unerschütterlichen Persönlichkeit… Es war seit Jeans Tod das Beschissenste gewesen, was er je hier erlebt hatte. Und da Jean ja bekanntlich beschlossen hatte, gar nicht mehr tot sein sondern lieber mordend durch die Lande ziehen zu wollen, hatte der Tag sogar gute Chancen auf Platz 1 in der Liste.
Eigentlich hatte Ororos Vorschlag etwas durchaus Verlockendes. Wofür tat er sich diesen ganzen Mist hier eigentlich an? Jeans Andenken brauchte er jetzt jedenfalls nicht mehr zu ehren. Und wenn man ihn nicht mehr in diesem gemütlichen, sicheren Zuhause haben wollte… Nun, er konnte auch in einem Wohnwagen gut leben. „Ein Wort, und ich bin weg”, erinnerte er Ororo trocken, so trocken, wie das ein völlig betrunkener Kerl eben sagen konnte, und erhob sich dann schwerfällig, um sich einer sinnvolleren Beschäftigung zuzuwenden. Dem Zählen der Fluse auf seiner Bettdecke etwa. Dem regelmäßigen Aufschrecken aus seinen Albträumen seit Xaviers Tod, von diesem… Etwas, das von Jean Besitz ergriffen hatte. Oder später einem Wiedersehen mit seinem äußerst flüssigen Abendessen in der Toilette, wenn sein Körper genug davon hatte, sich vergiften zu lassen.

„Wieso, Logan?“ Ororos plötzlich wieder so schwach, so verletzlich klingende Stimme hielt ihn auf, bevor er mehr oder weniger elegant über die Scherben hinweg steigen konnte, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. „Wieso?“ Er glaubte nicht, dass sie auch nur klar genug im Kopf war, um auch nur zu bemerken, wie benebelt sie eigentlich war, aber seltsamerweise wirkten ihre Augen sogar ziemlich hell und wach, als er sich fragend zu ihr umdrehte.

„Was willst du jetzt von mir hören? Warum ich mich nicht gut als Babysitter mache? Warum ich Jean nicht aufhalten konnte? Oder du? Oder warum ihr alle hier nie gelernt habt, wie man alleine im Leben klarkommt und du keine Ahnung hast, wie es jetzt weitergehen soll?“
Sie war erstaunlich schnell und er in seinen Reaktionen verlangsamt, trotzdem konnte er sie problemlos festhalten, bevor sie ihm wie eine Furie mit ausgefahrenen Nägeln ins Gesicht springen konnte. „Hey, hey.“ Etwas überrumpelt hielt er sie auf Abstand und dirigierte sie sanft aber bestimmt zurück, bis ihr heftiger Atem sich wieder beruhigt hatte und sie sich wieder auf die Tischplatte sinken ließ, mit bebenden Schultern und wieder diesem unerträglichen glitzernden Schimmer über ihren hübschen Augen. „Wenn du mich unbedingt anmachen musst, wenn ich keine Ahnung mehr habe, was ich von mir gebe, beschwer dich nicht über das Echo.“

„Tut mir leid.“ Jetzt erst schien Ororo zu begreifen, wie sie gerade die Kontrolle über sich verloren hatte, sie, die sonst immer für alle ein Vorbild war. Jetzt begann sie wirklich zu weinen, und Logan hatte so das dumpfe Gefühl, dieses unterdrückte Schluchzen würde ihn gleich in den Schlaf begleiten. Vielleicht sollte er ihr wenigstens das Sofa anbieten. Er hasste es, wie sie da saß, so verloren, so fertig mit der Welt, wo sie nach Alkali Lake die einzige Konstante, oft auch der einzige Trost für ihn hier drin gewesen war. Sie ging ihm gerade empfindlich auf die Nerven, aber deswegen wollte er sie trotzdem nicht irgendwo am Boden sitzen lassen, wenn ihre Müdigkeit irgendwann auch sie übermannen würde.

„Entschuldige dich nicht, Windreiterin, denn ich werde es auch nicht.“ Er warf seine halb aufgerauchte Zigarre in das Glas, aus dem er kein einziges Mal getrunken hatte und fuhr sich müde durch seinen Bart. Wie bekam er dieses widerspenstige, leider ziemlich kräftige Persönchen jetzt so problemlos wie möglich und ohne grob zu werden da drüben zum Sofa? „Du solltest dich lieber ein paar Stunden ausruhen.“

Sicher.” Ororo lachte bitter auf. „Und danach ist alles wieder gut, oder was? Danach gibt es kein Heilmittel mehr, und der Professor ist noch da, und Jean liegt immer noch in ihrem verdammten Grab da unten im See…“

Es war an Logan, mit einem tiefen Knurren einen Schritt auf Ororo zuzumachen- eine reine instinktive Reaktion auf Bedrohungen. Für ihn oder sein Weibchen.
Nur dass Jean nie sein Weibchen gewesen war. Und sie wäre es auch nicht geworden, wenn sie nicht plötzlich beschlossen hätte, sich der Schizophrenie hinzugeben und ihre Freunde auszulöschen, einen nach dem anderen. Wer würde wohl der nächste sein? Er selbst? So mächtig, wie sie jetzt war, gar nicht unwahrscheinlich. Eins der Kinder womöglich? Oder dieses völlig verzweifelte, immer noch sehr junge Ding da vor ihm auf dem Tisch, das völlig überfordert mit dieser Situation war und jedes Recht hatte, Jean zu hassen? Er zwang sich, sich rasch wieder abzuwenden, bevor noch der kurze Anflug von Angst in Ororos Augen aufgeleuchtet war. Angst vor ihm. Wirklich weit hatte er es hier gebracht. „Leg dich hin. Für mehr sind wir beide heute nicht mehr zu gebrauchen.“

„Ich kann nicht…“ Ororos ersticktes Flüstern ging ihm durch Mark und Bein. Und wenn es ihm noch so egal sein sollte, was hier geschehen war, weil das nicht seine Familie war und nie sein würde… Ganz konnte es das eben doch nicht sein. Nicht wegen Marie, nicht wegen der Kinder. Und nicht wegen einer Frau, die etwas geschafft hatte, was lange niemand mehr vollbracht hatte. Ihm Freund zu sein. Ihm ebenbürtig zu sein. Gerade war sie das nicht mehr, und das hasste er mit jeder Sekunde mehr. „Jedes Mal, wenn ich einschlafe, sehe ich sie, Logan… Und nie weiß ich, ob sie nicht wirklich da ist, wenn ich die Augen aufmache. Sie wird kommen… Sie will uns alle tot sehen… Ich habe es gesehen, im Traum…“

„Du solltest weniger trinken, Windreiterin. Das bekommt deinem Schönheitsschlaf anscheinend nicht.“ Was hatte es für einen Sinn, diese Ängste auch noch zu nähren, ausgerechnet an diesem Abend? Leider war er im Lügen nicht besser als im Trösten.

Sein schroffer Tonfall ließ Ororos Haltung nur noch mehr in sich zusammensinken. Ihre Arme auf ihren dünnen Oberschenkeln verschränkt stützte sie ihr Gesicht in ihre Hände, als könnte sie so noch irgendwie verbergen, was er sowieso schon längst gerochen hatte, wie sehr ihre Beherrschung immer mehr flöten ging. „Warum tust du das?“

„Was erwartest du von mir, Ororo?” Er wurde wieder laut, vielleicht gerade weil er auf niemanden außer sich selbst wütend war. Weil ihm nie jemand beigebracht hatte, wie man eine Frau dazu brachte, mit dem Weinen aufzuhören, die einfach nicht weinen sollte. Durfte. Die er noch nie weinen gesehen hatte, bis auf diesen einen Nachmittag, kurz nach Xaviers Tod, als er selbst mit allem gekämpft hatte, was er da gerade an Freakshow gesehen hatte. Aber das war vorbei, es war Tage her. Ororo hatte Pflichten hier. Es war falsch, wie sie sich gehen ließ. Das Bild störte ihn. Vielleicht weil er sich selbst darin gespiegelt sah. Und noch mehr seine Hilflosigkeit. „Soll ich dir jetzt sagen, dass alles gut wird? Dass morgen alles ganz anders aussieht?“

Eigentlich hatte er gar keine Antwort erwartet und war schon wieder auf dem Weg, sich endlich aufs Ohr zu hauen, auf sämtliche blaue Flecken oder blödes Gelächter der Schüler morgen pfeifend, je nachdem, ob Ororo sich dazu entschließen würde, hier am Boden zu schlafen oder zu versuchen, zurück in ihr Zimmer zu kommen. Ihr brüchiges, ersticktes Flüstern schaffte es einmal mehr, ihn anhalten zu lassen. „Ich will nur eine einzige verdammte Nacht ohne Angst verbringen, Logan. Wenn ich sie noch einmal im Schlaf sehen muss… Ausgerechnet heute… Heute, wo… wo Charles…“ Aus dem Gestammel wurde wieder Schluchzen, so leise, dass es nur Logans feine Ohren trotz seiner vom Alkohol gedämpften Sinne wahrnehmen konnten. Und laut wie ein Donnerschlag, als er sich nach einem letzten kurzen Zögern vor sie hinstellte und sie unbeholfen am Arm nahm. Als sie sich endlich gehen ließ. Es war ein rauer Trost, den sie bei ihm fand, eine regungslose, zu harte Schulter, auf die sie ihren Kopf lehnte und der Gestank von verschüttetem Whiskey, der sein Hemd tränkte statt beruhigender Worte als Betäubung… Aber vielleicht reichte das schon. Wenigstens als Anker, jetzt wo sie endlich ihre Kontrolle aufgeben konnte, wo sie nicht mehr für die Schüler stark sein musste. Zeigen konnte, vermutlich in ihrem sternhagelvollen Zustand nicht einmal bewusst oder aber mit der Hoffnung, er würde es morgen nicht mehr wissen, wie sehr sie dieser Verlust wirklich mitgenommen hatte. So weinte niemand, der nur um einen Lehrer, einen Mentor trauerte.

„Du hast ihn geliebt“, stellte Logan fest, ohne zu wissen, warum er es jetzt auch noch aussprach, als ob das irgendetwas besser gemacht hätte statt schlimmer.

„Er war wie mein Vater, Logan!“ Ein schwacher Schatten der Empörung und der Wut von vorhin in Ororos Augen kam zurück, gerade weit genug, um ihn diese erneute Dunkelheit in ihrem Blick sehen zu lassen, wich sie zurück, bevor sie müde ihre Stirn wieder an seinem Schlüsselbein ruhen ließ. Ihr Bein stieß rhythmisch gegen die Tischkante, im selben dumpfen Takt, in dem sich vermutlich ihr Gedankenkarussell um diese eine Frage drehte, warum sie nichts hatte ändern können. Warum sie an ihrer Aufgabe versagt hatte, an dem Tag, als es am wichtigsten gewesen wäre, zu gewinnen. Wenn sie merkte, dass sie immer wieder mit dem hohen, spitzen Absatz ihres Stiefels seinen Unterschenkel streifte und dass ihr immer ruhiger werdender Atem in einem warmen Schauer über seine Haut strich, jetzt wo ihre Tränen versiegten, schien es sie nicht sonderlich zu stören. Vielleicht hatte er doch das Richtige gesagt, auf eine Art, die er gerade nicht verstand und vielleicht auch nicht verstehen musste. „Er war wie mein Vater“, wiederholte Ororo leise, mit den Fingerspitzen abwesende kleine Kreise auf Logans verknittertes Hemd malend. „Und dieses Haus und die Leute, die darin leben, sind meine Familie. Ich werde nicht zulassen, dass sie das alles kaputtmacht, verstehst du? Das lasse ich nicht zu!“ Ihre Stimmung hatte erneut umgeschlagen, jetzt war es wieder die kalte Schwärze von Hass, die sie beherrschte, und erneut war es eine Warnung, die sie Logan entgegenhielt. Dass er sich ihr nicht in den Weg stellen sollte.

Er hätte nicht das Krachen von Blitzen und Donnern draußen hören müssen, um diese Drohung sehr ernst zu nehmen. Auch wenn er solche Begegnungen überlebte, er konnte gut darauf verzichten, ein paar Mal durchgegrillt zu werden, für eine Frau, die Ororo vermutlich am liebsten auch noch dabei geholfen hätte anstatt ihm für seinen Lebensretter-Einsatz zu danken.
Soweit würde er es im Zweifelsfall gar nicht kommen lassen, aber das brauchte er Ororo jetzt nicht zu sagen. Sollte sie mit ihrem Zorn weiterleben, im wahrsten Sinne des Wortes. Sollte er sie aufrecht und wach halten. Irgendwann würde sie wieder zur Ruhe kommen. Er hatte dafür getan, was in seiner Macht gestanden war. Wenn er selbst Jean irgendwann wieder gegenüberstehen würde, würde keiner der anderen dabei sein, und dieses Ding, das sie beherrschte würde diese Begegnung nicht überleben, dafür würde er sorgen. Egal wieviel es ihn kosten mochte. Oder sie. Auf diese Bilder der Zerstörung und erneuten Trauer in seiner Vorstellung hätte er an diesem Abend sehr gut verzichten können, aber er fühlte sich zu erschöpft, um seinerseits mit Vorwürfen anzukommen. Er hatte seine Pflicht trotz Abwesenheit bei der Beerdigung jetzt mehr als erfüllt, jetzt würde ihm hoffentlich endlich eine Runde Schlaf vergönnt sein. Ororo jedenfalls schien nach ihrem erneuten Ausbruch in seinen Armen bereits einzunicken, so sehr sie sich gerade dagegen gewehrt hatte. Vielleicht würde es leichter als gedacht sein, sie an einen bequemeren Ort zu bringen. Jedenfalls wenn er dabei nicht über seine eigenen Füße stolperte.

Er schickte sich gerade an, einen Arm unter ihre Kniekehlen zu schieben, um sie hochzuheben, als sie mit einem leisen Aufschrei wieder aufschreckte, ein plötzlicher weißer Schimmer über ihren Augen, als müsste Logan im nächsten Moment damit rechnen, dass ein Blitz durch die Fensterscheibe dringen und ihn in den Rücken treffen würde, weil Ororo ihn für irgendeins dieser kranken Bilder aus ihren Träumen hielt. Zum Glück wurde sie rechtzeitig genug wieder wach, um sich zusammenzureißen und sich müde wieder gegen den Arm zu lehnen, der immer noch fest um ihre Schultern lag. Bei ihr würde es wohl noch einige Zeit brauchen, bis der Alkohol seine Wirkung verlor, sonst hätte sie nicht immer noch so selbstverständlich seine Nähe gesucht.

So ungern er es ausgerechnet in diesem Augenblick tat, er musste sie von sich schieben, auch wenn ihr verletzter Blick ihm erneut sofort ein schlechtes Gewissen machen wollte. Nun, besser so, als wenn er sich gleich zu allem Überfluss auch noch eine Ohrfeige einfangen würde, weil ihn diese viel zu nahe, viel zu verführerische Nähe eines weiblichen Wesens daran erinnerte, dass seine natürlichen Triebe schon seit einiger Zeit auf Eis lagen. Und dass er gerade an einem solchen Abend, wenn ihm sämtliche andere Ablenkung ausgegangen war, unter normalen Umständen keine Sekunde gezögert hätte, sich die nächste so greifbar nahe Vergnügung zu schnappen, um sich seinen Kopf freizuballern. Nur dass das hier kein Bordell war, nicht mal ein Nachtclub, wo man für ein paar Dollar und ein schiefes Lächeln dasselbe in grün bekam. Und die Frau, die ihm da definitiv viel zu nahe kam, um sich nicht irgendwann automatisch an solche seichten Abenteuer der Vergangenheit zu erinnern, hätte ihn eher ans Dach gekettet und ihn als neuen, dekorativen Blitzableiter verwendet als sich mit irgendjemandem aus ihrem Team einzulassen. Wenn sie sich überhaupt mal mit jemandem eingelassen hatte, sah man von ihrem platonischen Geplänkel mit diesem blauhäutigen Freak damals ab. Nicht die besten Voraussetzungen, um auf seine Hormone zu hören.
Auch wenn ihm im Moment sogar durchaus daran gelegen wäre, sich die Erinnerung an dieses kranke, unnatürliche Ding aus dem Kopf zu vögeln, das er eine Zeit lang für Jean gehalten hatte. Daran hätte er denken sollen, bevor er sich die Birne zugeschüttet hatte und ein Ausflug in die Stadt noch im Bereich des Möglichen gelegen war. „Liegt nicht an dir, Windreiterin“, kommentierte er seinen Rückzug, der Ororo fast aus dem Gleichgewicht auf ihrem Hochsitz brachte. „Das wird mir gerade nur ein bisschen zu intim für einen gemeinsamen Drink.“

„Was, Logan?“ Plötzlich war da wieder dieser Blick von vorhin, der so gar nicht zu ihr passen wollte. Hochgezogene Augenbraue, zusammengepresste Lippen, dieser ständige Hauch von müder Bitterkeit in ihrer Stimme. Und das zynische Lächeln einer Hinterhofsklavin, die nie vergessen hatte, wie es war, sich in einer harten Welt behaupten zu müssen. Und so unangenehm das mit anzusehen war, so sehr Logan auch mit jeder Sekunde mehr begriff, dass er seine notorisch unschuldig wirkende Windreiterin vielleicht ein wenig zu unbedarft eingeschätzt hatte… Irgendwie gefiel ihm dieses ungeschminkte, reale Gesicht um einiges besser als die Schwäche von eben. So musste er sich wenigstens keine Sorgen machen, dass Ororo von einem ihrer eigenen Windstöße in den Abgrund ihrer Trauer gerissen wurde. „Willst du mit mir schlafen, ist es das? Dann tu es, bevor ich wieder nüchtern genug bin, um mir hunderte Gründe einfallen zu lassen, warum das eine hirnrissige Idee ist.“

„Leg es nicht darauf an“, gab Logan ebenso gereizt zurück. Wenn sie ihn verletzen wollte, mit seinen Instinkten jonglieren, als ob sie nicht genau wüsste, wie sehr er diese selbst oft am meisten hasste, sollte sie auch das Echo zu spüren bekommen. Die leise Stimme in seinem Inneren, die ihm zuflüsterte, dass er vielleicht in dieser Nacht gar nicht mehr die Kontrolle über sich hatte, um nur eine Warnung auszusprechen, ignorierte er genau wie die schleichende Ahnung, dass sich Ororo vielleicht gar nicht über ihn lustig machte.

Erst als er mit wachsendem Unglauben und Erschütterung dabei zusah, wie Ororo sich auf dem Tisch in seine Richtung drehte, in einer eindeutigen Geste die Beine spreizte und ihm ihre Hand hinhielt, immer noch mit dieser auffordernd hochgezogenen Augenbraue… Da dämmerte ihm so langsam, dass er gerade in Schwierigkeiten war. „Und, wie nennt man das Stadium jetzt?“

„Lass es, Ororo.“ Er stützte sich schwer auf dem Tisch auf, atmete durch seine zusammengebissenen Zähne und konnte trotzdem nicht den Hauch von Pheromonen ignorieren, die plötzlich geradezu penetrant durch sein Wohnzimmer geschleudert wurden. Die letzte Bestätigung, die er noch gebraucht hatte, um zu wissen, wie ernst Ororo es meinte. Anscheinend kannte sie ganz ähnliche Methoden der Ablenkung wie er selbst. Soviel zur Unschuld vom Lande. Sie war hierhergekommen, um heute nicht alleine zitternd im Dunkeln zu liegen, und anscheinend war ihr dafür jedes Mittel Recht.

Eine einzige Nacht ohne Angst…

„Spiel nicht mit mir“, warnte er sie noch einmal, als sie keine Anstalten machte, einen Rückzieher zu machen, sich ihre langen, grazilen Beine stattdessen in einer lasziven, einladenden Geste um seine schlangen, ihm seine eigene Fluchtmöglichkeit nahmen, bevor er sich noch ganz entschieden hatte, ob er schon nüchtern genug war, um sie auf der Stelle vor die Tür zu setzen. Es lag nicht mehr in seiner Verantwortung, und die würde er sich auch später nicht aufbinden lassen, wenn sie nicht auf der Stelle verschwand. „Es ist mir scheißegal, ob du betrunken bist. Ich werde morgen nichts bereuen, und ich werde nicht danach fragen, ob du es tust.“

„Dann solltest du lieber in die Gänge kommen.“ Ororos kleine, kräftige Hände kamen genau wie vorhin auf seinen Schultern zu liegen, blieben aber diesmal nicht dort sondern suchten sich ungeniert einen Weg unter sein Hemd und reizten die ohnehin gefährlich erhitzte Haut an seinem Nacken, seinem Rücken noch mehr.

Er hatte nie eine Wahl gehabt, und auch wenn Ororo diejenige sein würde, die am nächsten Tag nicht mehr wissen würde, warum sie das getan hatte… Er würde der mit dem schlechten Gewissen sein. Gerade weil er zumindest vor sich selbst, ganz im Stillen und Geheimen nie abgestritten hatte, dass dieses Mädchen genauso faszinierend wie tabu für ihn war. Manche Wunschvorstellungen blieben bekanntlich auch besser solche.

Und trotzdem war es ihm unmöglich, sie wegzustoßen, spätestens, als diese immer noch zu diesem freudlosen Grinsen verzogenen, vollen Lippen plötzlich viel zu nahe an seinem Ohr waren und ihre letzten deutlich artikulierten Worte für diese Nacht in einem angenehmen Schaudern über die empfindliche Haut dort strichen. „Wenn wir uns morgen schon nicht mehr in die Augen sehen können, soll es sich doch wenigstens lohnen, oder?“

Und wenigstens in diesem Punkt waren sie sich völlig einig.





Es war kalt.
Ororo wurde von einem unangenehmen Schauer wach, der über ihre Haut strich, ein Gefühl, das sie über die Jahre ihrer Mutation weg fast vergessen hatte. Wann hatte sie das letzte Mal gefroren? Benommen tastete sie nach ihrer Bettdecke, um sie enger um ihren Körper zu ziehen und fragte sich im Halbschlaf stirnrunzelnd, warum sie nackt schlafen gegangen war. Unwichtig… Vermutlich ein Glas Wodka zuviel gestern Abend… Die Decke fühlte sich rau und kratzig auf ihrer bloßen Haut an. Sie roch auch so gar nicht nach ihrer Kuscheldecke mit den aufgestickten Rosenblüten. Eigentlich fühlte sich das eher an wie grobe Wolle.
Und irgendwie roch es nach Sex.
Ein gequältes Stöhnen kam über Ororos Lippen, bevor sie noch richtig die Augen aufgerissen hatte. Eine Mischung aus dem schmerzhaften Stechen hinter ihrer Stirn, einem heftigen Rumoren in ihrem Magen und eine Erinnerung, die sie krampfhaft in die Schublade ‚Albtraum‘ zu stecken versuchte, aber je wacher sie wurde… Umso mehr ahnte sie, dass sie gestern Nacht mehr verbrochen hatte als eine jahrealte Flasche Fusel alleine zu leeren. Das war nämlich nicht ihr Schlafzimmer, wenn sie nicht alles täuschte…
„Ich töte dich, Logan.“ Ihre Zunge fühlte sich schwer und pelzig an, und sie hatte einen Geschmack im Mund, als hätte sie abwechselnd an einem Whiskey-Fass und an einem Zigarrenende herum geleckt. Sie gab sich noch zweieinhalb Minuten, bevor sie nach Logans Schlafzimmer als nächstes seinem Bad einen Besuch abstatten würde, um die letzten Rest ihrer fragwürdigen letzten Mahlzeit loszuwerden. Aber zuerst gab es da jemandem, dem sie die Meinung sagen würde. Lange und ausführlich, egal, wie sie diese verfluchten Kopfschmerzen sie plagen wollten und wie das Echo sein würde…
Sie war schon drauf und dran, weiterzureden, diesem Kerl, der es noch nicht mal für nötig gehalten hatte, sich zu rühren, wenn nötig auch in der entsprechenden Lautstärke die Meinung zu geigen, um ihn aufzuwecken, als sie plötzlich feststellte, dass sie sich ihren Atem sparen konnte. Das Bett neben ihr war leer.

Nicht ganz. Eine Gürtelschnalle lag auf dem Kissen, in der Form des X-Men-Symbols. Ein Geschenk, das Ororo Logan vor Jahren einmal zum Einstand gemacht hatte. Sie konnte sich nicht erinnern, dass er das Ding je getragen hätte, aber immerhin hatte er sich damals mit einem Lächeln bedankt.

Ororo setzte sich ruckartig auf, das wütende Pochen hinter ihrer Stirn diesmal ignorierend, genauso wie die ersten instinktiven Gefühle von Wut, von Ekel vor sich selbst, weil sie sich so gehen gelassen hatte. Das wurde in geradezu erschreckender Geschwindigkeit plötzlich gleichgültig. Was sie gestern getan hatte, wie sie damit leben würde… und was es für sie selbst für Folgen haben würde… Das war bedeutungslos, sie wusste es im selben Moment, als das hereinfallende erste Sonnenlicht des Tages das Metall von Logans kleinem Abschiedsgeschenk hell und blendend aufblitzen ließ. Fast gleichzeitig konnte sie draußen den Motor seines Bikes aufheulen hören. Sie hätte ihn nicht einmal mehr eingeholt, wenn sie sich schnell genug angezogen und den Luftweg genommen hätte. Schon allein, weil sie gar nicht das Recht hatte, ihn aufzuhalten.
Er war wegen ihr so lange geblieben. Und sie hatte ihm auch diesen Grund noch genommen, in einer einzigen Nacht der Schwäche und Angst. Einer Nacht der Sehnsucht, die sie sich selbst am Morgen danach nicht eingestehen konnte. Selbst jetzt nicht, wo es ohnehin zu spät war.
Ihre Hand zitterte, als hätte sie immer noch einen halben Liter Alkohol im Körper, als sie die Gürtelschnalle abwesend zwischen ihren Fingerspitzen hin und her drehte. Am besten warf sie das Ding zusammen mit dem ganzen anderen Tand, der an einen lange verblassten Traum von Hoffnung und Idealismus erinnerte, in den nächsten Müllschacht. Alles, was es in diesen Haus einmal an Visionen gegeben hatte, war mit Charles gestorben. Und die letzte kleine Flamme einer möglichen neuen Zukunft hatte sie mit ihrem Egoismus und ihrer Unbeherrschung letzte Nacht selbst ausgeblasen.
Sie hätte ihn fragen können. Vielleicht wäre er bereit gewesen, darüber nachzudenken, ob sie beide stark genug dafür waren, eine letzte Festung aufrechtzuerhalten, in einer Welt, die sie hasste und loswerden wollte. Es war unwahrscheinlich, sicher… Aber Charles hatte immer an ihn geglaubt. Und sie selbst irgendwie auch. Vielleicht war sie auch deswegen gestern noch hierher gekommen. Um einen letzten Versuch zu starten. Selten war ein Plan so sehr in die falsche Richtung umgeschlagen…
Es zählte nicht. Was hier passiert war und warum… Danach würde ohnehin niemand mehr fragen. Logan würde nicht zurückkommen. Ihr blieb jetzt endgültig nur noch, aufzuräumen.
Und die Erinnerung, die sie selbst mit all ihrer Disziplin und Rationalität nicht als den katastrophalsten möglichen Abschluss ihres Lebens hier sehen konnte. Nicht dass das irgendjemanden gestört hätte außer ihren eigenen Stolz. Also konnte sie auf den auch genauso gut pfeifen, so wie sie es schon letzte Nacht getan hatte.
Hanks ungeduldige Stimme draußen auf dem Gang, die sie rief, riss sie aus ihrer trübsinnigen Melancholie und ließ sie nach ihrer am Boden verstreuten Kleidung greifen, so schnell, wie es das Schwindelgefühl und die Übelkeit zuließen. Sie hatte hier noch zu tun. Sie konnte sich nicht so einfach wie Logan aus dem Staub machen. Schade eigentlich. Sie kam nicht umhin, sich zu fragen, was er gesagt hätte, wenn sie sich einfach hinter ihn auf sein Motorrad gesetzt hätte und ihn gebeten hätte, sie wegzubringen, zu entführen, nicht nur für ein paar Stunden sondern für immer… Weg von einer gescheiterten Aufgabe, weg von dem Ärger mit den Menschen und mit der Bruderschaft, von sämtlichen Kriegen und Aufständen… Irgendwohin, wo sich niemand mehr für sie interessiert hätte. Ein verlockendes Gedankenspiel, aber nichtsdestotrotz ein sinnloses. Schließlich hatte er sie nicht einmal gefragt. Und am Ende waren sie beide eben doch, wer sie waren.
Eine einzige Nacht würde daran nichts ändern.
 
»
   
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Geschichte melden
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
> AGB <   > Impressum <          v3.0.0