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von Caro88    erstellt: 28.05.2009    letztes Update: 11.12.2009    Geschichte, Drama / P6    (abgebrochen)
Disclaimer: Wicked gehört mir in keinster Weise, ich leihe es mir für meine Fanfic aus.

Eigentlich als One-Shot gedacht; ich habe aber einige gute Ideen gehabt und so entstand nun eine Fortsetzung.
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Plötzlich öffnete Elphaba ihre Augen. Sie spürte ein wütendes Brennen in ihrem Inneren. Ein Schreien, was sie nicht ignorieren konnte. Ein Hämmern in ihrem Kopf, immer noch die gleiche Übelkeit, aber ihre Gefühle kippten.

Schwankten zwischen Wut. Enttäuschung. Hass. Zweifel. Schreien. Flüstern. Fliegen und Fallen. Ein Taumeln. Sie griff verloren nach der Armlehne, um nicht vom Stuhl zu stürzen. Ihr war schwindlig. Blitze vor ihren dunklen Augen.
Elphaba griff nach dem trüben Glas und setzte es an ihre trockenen Lippen. Sie konzentrierte sich darauf, wie die Flüssigkeit ihre Kehle benetzte. Das kühle Gefühl beruhigte ihren aufgeregten Magen. Sie hatte seit zwei Tagen nichts mehr gegessen. Keinen Bissen herunterbekommen. Kaum getrunken. Kaum geschlafen.
Müßig streckte sie ihre langen Beine unter dem Tisch aus, welche zuvor an ihrer Brust geruht hatten. Ihre nackten Füße berührten den glatten, dunklen Holzfußboden. Ihr Rücken an der Stuhllehne. Ihre Augen auf einem Stück Papier mit verschlungener Schrift.

     Damsell Elphaba,

     ich bin mit Master Fiyero aus. Komme spät zurück. Warten Sie nicht auf mich.

     Damsell Galinda


Jeder Bogen, jeder Federschwung versprühte den Charme ihrer Zimmergenossin. Es war nicht einmal das kindische Herz, was den Punkt auf dem zweiten Buchstaben in Fiyeros Namen umrahmte. Auch nicht die Tatsache, dass Galinda mit dem geheimnisvollen Prinzen aus dem Winkus ausging, geschmückt mit blauen Zeichen.
Was Elphaba vollkommen aus der Bahn geworfen hatte, war die Tatsache, dass das blonde Mädchen – eine junge Frau, bildschön – dies mit ihr teilte. Dass sie ihr eine Nachricht geschrieben hatte, um jegliche Sorge zu zerstreuen. Bewirkt hatte es genau das Gegenteil.

Der dunkle Blick klebte am Namen des Prinzen. Am galanten Anfangsbuchstaben. An den Formen und der blauen Tinte. Sie hatte das Gefühl, stundenlang auf die Notiz zu starren, bis die Buchstaben vor ihren Augen verschwammen. Tränenförmig das Papier besudelten.
Fahrig griff Elphaba danach. Die schlanken Finger ihrer linken Hand krallten sich hinein und zerknitterten die feinen Letter. Die Wut war zurück. Kochte. Die Gedanken in ihrem Kopf rasten, ihr Herz krampfte. Zwischen den heißen Tränen, die auf ihren grünen Wangen brannten, zerriss sie Galindas Nachricht. In unzählige weiße Flocken, wie sie vor dem Fenster tanzten. Fegte sie hastig von ihrem überladenen Tisch. Vorbei an Büchern. Unterlagen. Mitschriften und einer Tasse mit kaltem Kaffee, in den Papierkorb.

Mit einem leisen Knarren zog Elphaba den obersten Schieber aus ihrem Schreibtisch. Das Fach war gefüllt mit weiteren Vorlesungsmaterialien, alten Ausarbeitungen und Stiften. Ihr Schlüssel. Taschentücher. Sie war eine Künstlerin der Unordnung. Alles hatte seinen genauen Platz. Alles war durchdacht, hatte Plan. Allerdings verstand nur sie selbst die Logik in ihrer Arbeit. Oder ihrem kleinen Leben.
Ohne darüber nachzudenken zog sie ein unscheinbares, schwarzes Heft aus der Schublade. Schlug es auf, Seite um Seite gefüllt mit unbekannten Zeichen. Eine Schrift, die niemand verstand. Eine Sprache, die niemand lesen konnte. Bereits als Kind hatte sie sich angewöhnt, ihre Geheimnisse zu verwahren. Ihre Familie hatte sich nie dafür interessiert, was sie dachte oder empfand. Mehrmals versuchte Elphaba, als Jugendliche, mit ihrem Vater über Gefühle zu sprechen. Vergebens, sie war seit ihrer Geburt bestraft und er ließ es sie auch in diesen Momenten spüren. Ihre Schwester hingegen hatte ihr gar nicht erst zugehört, sondern sich in ihrem religiösen Eifer immer weiter von ihr entfernt. Elphaba musste, schmerzlich, lernen, dass sie alles mit sich selbst auszumachen hatte. Kein Teilen, kein Vertrauen. Einfache Regel, an die sie sich seit ihrer Jugend gehalten hatte. Aus diesem Grund entwickelte sie in der schier endlosen Weite der Zeit in Quadlingen eine Schrift, die keiner lesen konnte. Spiegel ihrer Fragen, ihrer Unsicherheiten. Ihres Misstrauens.

Mit dunkler Tinte begann sie im Licht einer Kerze zu schreiben…
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