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Geschichte: Fanfiktion
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von Grisu
erstellt: 12.05.2009
letztes Update: 23.03.2010
Geschichte, Abenteuer, Mystery / P16
(fertiggestellt)
schön, dass es dir schon mal so ein wenig gefällt.
Sawyer? Wer ist dieser Sawyer? *harmlosguck* Klar ist er das! Er hat gleich erhebliche Probleme, aber du kennst ihn ja, er neigt dazu. Aber genau diese Anfang ist mir so, wie ich es geschrieben habe, eingefallen. Schlimm, solche Fantasie.
Ich habe einige Pläne, das ist das noch lange nicht das Schlimmste. Ich hoffe, ich bekomme auch all das Physikalisch-Technische einigermaßen hin, da ich ja in der Zeitsprungzeit schreibe. Ich habe ja Lostpedia, um nachzulesen, das ist ungemein hilfreich.
Liebe Susi,
ich weiß echt nicht, von wem ihr sprecht! Sawyer, Sawyer ... *lach* Okay, ich gebs zu, natürlich ist er das! Eine FF ohne ihn ist wie spazieren gehen ohne Hunde.
Na, und im Vergleich zu Locke oder Richard Alpert ist er doch noch jung. *grins*
Naja, wirr ist es eigentlich nicht, abgesehen davon, dass die ganze Zeitsprungsache verwirrend ist. Da sie bei mir auch ein wenig damit zu tun bekommen werden, kann es schon etwas verwirrend werden.
Oh, du hast noch nichts anderes von mir gelesen, du weißt nicht, wozu ich fähig bin! *Heiligenscheinpolier*
Aber mein Motto ist: Erst tüchtig aua, dann viel Lieb zum Trost!
Würde mich sehr freuen, wenn es dir weiterhin gefallen würde!
Ich werde, wie bei den anderen Storys, auch immer freitags updaten, der Rhythmus gefällt mir gut. Also könnt ihr euch bis auf weiteres darauf verlassen, jeden Freitag auf die Insel zu kommen! Viel Spaß, hoffentlich gefällt es euch weiterhin und vielen lieben Dank für eure reviews!
Sawyer
Mitten in der Nacht wachte ich auf und stellte fest, dass der junge Mann sich unruhig hin und her wälzte. Ich setzte mich auf und legte ihm sanft eine Hand auf die Stirn. Sie war heiß. Er hatte Fieber. Das war nicht weiter verwunderlich. Es gelang mir, ihm Wasser einzuflößen. Dann legte ich mich wieder neben ihn und in einem Impuls griff ich nach seiner rechten Hand. Er wurde ruhiger und ich war zufrieden. Und schlief wieder ein. Als ich erneut erwachte, war es draußen schon fast hell. Ich sah auf meine Uhr. Kurz nach 7 Uhr. Mein erster Blick galt dem Verletzten. Schweiß glänzte auf dessen verquollenem Gesicht, was darauf hindeutete, dass er weiter Fieber hatte. Ich stand auf und streckte mich. Dann ging ich in den Wohnraum, stellte fest, dass der Kamin noch Glut hatte und warf ein wenig Holz auf. Dann verschwand ich ins Bad und machte mich frisch. Ich überlegte dabei, was ich gegen das Fieber machen konnte. Im schlimmsten Fall würde ich dem jungen Mann ganz nach Großmutterart Wadenwickel machen müssen. Erst einmal machte ich nur den Waschlappen vom Vortag wieder feucht und kehrte damit ins Schlafzimmer zurück. Ich tupfte meinem Patienten vorsichtig das Gesicht ab und legte ihm dann erneut die Hand auf die Stirn. Er zuckte unter der Berührung zusammen und murmelte im Fieberschlaf etwas, dass ich nicht verstehen konnte. Einen Namen jedoch konnte man ziemlich deutlich verstehen. Kate. Ich zuckte die Schultern. Er würde ein paar Tage brauchen, sich zu erholen, dann würde ich sicher einiges erfahren.
Erst einmal bemühte ich mich, ihm wieder schlückchenweise Wasser einzuflößen, was ganz gut klappte. Dann schlug ich die Bettdecke beiseite und löste vorsichtig die Verbände über den Stichwunden. Eine schwache Rötung der Wundränder deutete auf eine leichte Entzündung hin. Das war aber nichts Gefährliches, es durfte nur nicht mehr werden. Ich hatte die antiseptische Lösung noch auf dem Tischchen stehen und tränkte jetzt einen Wattebausch damit. Dann tupfte ich die Wunden gründlich ab, was den jungen Mann zusammenzucken ließ. Das Zeug brannte höllisch, das wusste ich aus eigener Erfahrung. Als ich zufrieden war, legte ich neue Verbände an. Dann rollte ich den Jungen sanft auf den Bauch und verfuhr mit dem Einschussloch genauso. Auch hier stöhnte er, wachte allerdings nicht ganz auf. Zum Schluss begutachtete ich drei besonders tiefe Platzwunden an Stirn und Wangen und reinigte auch diese noch einmal gründlich mit dem Octenisept. Unruhig versuchte der Verletzte, sein Gesicht zur Seite zu nehmen, was ihm jedoch nicht gelang. Schließlich war ich aber fertig und setzte mich einen Moment zu ihm auf die Bettkante. Ich griff nach seiner Linken und sagte leise „Du hast es geschafft, ich quäle dich nicht weiter. Schlaf dich gesund.“ Erst jetzt wurde mir bewusst, dass der junge Mann verdammt gut aussah, wenn man sich die vielen Verletzungen im Gesicht, die vielen Schwellungen, wegdachte. Er hatte blonde, nackenlange Haare, einen drei Tage Bart und graugrüne Augen, das hatte ich am Tag zuvor bereits gesehen. Als ich jetzt die Zudecke wieder über ihn legte, kam ich nicht umhin, seine durchtrainierte, perfekte Figur zu begutachten. „Kate ist bestimmt deine Freundin, mein Lieber. So, wie du aussiehst, kannst du nicht alleine sein, das kann ich mir nicht vorstellen.“ sagte ich leise. Dann zog ich die Decke über ihn.
************
Die nächsten zwei Tage vergingen damit, dass ich meinem Patienten Wasser einflößte, wann immer es ging, ihm Händchen hielt, wenn er im Fieberschlaf zu unruhig wurde und beruhigend auf ihn ein redete. Am Abend des zweiten Tages wurde er merklich ruhiger, das Fieber ging jetzt schnell zurück und er hatte eine ruhige, entspannte Nacht. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, aber das ignoriert ich, als ich am Morgen mein mir selbst gegebenes Versprechen wahr machte, ihm die Arme über den Kopf drückte und seine Hände fest ans Bett fesselte. So saß ich am Morgen des dritten Tages neben ihm auf dem Bett und wartete, dass er endlich aufwachen würde. Und er tat mir den Gefallen. Noch bevor er richtig bei sich war, merkte er, dass er gefesselt war. Er riss die Augen auf, in denen nackte Panik flackerte, und keuchte entsetzt „Lasst mich in Frieden, ihr Schweine!“ Er zerrte an den Fesseln, in der verzweifelten Hoffnung, frei zu kommen, aber meine Knoten hielten. Panisch versuchte er, sich aufzusetzen. Ich beugte mich über ihn und hielt ihn mit sanfter Gewalt fest, drückte ihn auf die Matratze zurück.
„Psst, bleib ganz ruhig, es passiert dir nichts. Ich will dir nichts tun, okay, reg dich nicht auf. Bleib ganz ruhig! Ich habe dir den Arsch gerettet, also mach dir keine Sorgen. Du bist schon seit drei Tagen hier, wenn ich dir etwas hätte tun wollen, hätte ich es schon lange gemacht, okay. Du musst wirklich keine Angst haben.“ Langsam dämmerte dem jungen Mann wohl, dass ihm von mir keine unmittelbare Gefahr drohte und er entspannte ein wenig. „Wo ... wo sind wir ... hier?“ fragte er hoffnungslos verwirrt. „In Sicherheit.“ erklärte ich ruhig und sah ihm in die Augen. Er hielt meinem Blick stand, was ich als gutes Zeichen wertete. „Wie lange bin ... ich schon hier?“ wollte er jetzt noch einmal wissen. Ich beugte mich über ihn und legte ihm eine Hand auf die Stirn, um zu prüfen, ob diese noch heiß war. Wieder verspannte er sich unwillkürlich, atmete aber auf, als er merkte, dass ich ihm nichts tun wollte. Während ich prüfte, ob er noch Fieber hatte, antwortete ich „Heute Abend sind es genau drei Tage.“ Er schloss kurz die Augen, dann sagte er leise „Drei Tage ... So lange war ich weg? Wer bist du?“ Ich lachte leicht ironisch. „Nein, Freundchen, so läuft das hier nicht. Du wirst mir jetzt erst einmal einiges erklären. Immerhin wurde wegen dir auf mich geschossen. Ich möchte von dir hören, wer du bist, was dass für Typen waren, was sie von dir wollten. Aber vorher musst du etwas Essen, okay.“ Seine Augen folgten mir angstvoll, als ich jetzt aufstand und den Raum verließ. Hilf, - und Wehrlos dazuliegen war nicht schön für ihn, aber für mich notwendig, bis ich sicher sein konnte, dass mir keine Gefahr drohte. Augenblicke später war ich mit einem Teller Suppe zurück, die ich zusammen mit dem Kaffee an diesem Morgen aufgesetzt hatte. Der Gefesselte lag immer noch ziemlich verkrampft da und beobachtete mich nervös. Als ich neben ihm saß, stellte ich den Teller auf den Nachtschrank und griff über den Verletzten hinweg nach dem zweiten Kissen. Ich hob sanft seinen Kopf an und stopfte ihm das zweite Kissen darunter. So konnte er essen, ohne sich zu verschlucken. „Das wird dir gut tun.“ sagte ich ruhig und begann, ihn zu füttern, was er verlegen zuließ. Als der Teller leer war, sagte ich „So, jetzt erzähle mir ein wenig. Ich bin ganz Ohr.“ Und er begann zu Reden.
„Mein Name ist ... Sawyer. Diese Typen, ich weiß nicht, wer sie sind, sind schon ne ganze Weile hinter mir her. Sie wollen etwas von mir wissen. Sie haben mich ... am ...“ er musste sich stark konzentrieren, dass war zu merken. „Drei Tage? Dann haben sie mich Dienstagmorgen erwischt.“ Er fing an zu Zittern und fuhr leise fort „Sie haben mich in den Wald geschleift und ... und gefoltert, damit ich rausrücke, was sie wissen wollten.“ Er atmete heftig und in seinem gelb und blau schimmernden Gesicht sah man die Angst, die ihn umklammerte. Unwillkürlich legte ich meine Hand auf seine hastig sich hebende und senkende Brust und sagte beruhigend „Keine Panik, hier bist du absolut sicher, wirklich. Keiner wird dir hier was tun.“ Er seufzte leise, dann fuhr er fort „Irgendwie bin ich ihnen schließlich davon gelaufen. Sie hatten mich nicht gefesselt, nur festgehalten und ich konnte mich losreißen und bin einfach gerannt. Dass ich dir dabei in die Arme gelaufen bin, erinnere ich gar nicht mehr.“ Er schwieg erschöpft und in seinem Gesicht war etwas, dass mich überzeugte, dass er die Wahrheit sagte. „Das waren keine Polizisten, oder?“ Er lachte sarkastisch auf und schüttelte den Kopf. „Nein. Nein, das waren keine Bullen.“ Ich sah ihn scharf an. „Ich weiß nicht, ob ich dir trauen soll. Aber ich glaube, ich riskiere es.“ Ich öffnete die kleine Schublade im Nachttisch, griff nach einem Messer, das ich sicherheitshalber dort hinein gelegt hatte und beugte mich über ihn. Sofort war wieder Panik in seinen Augen. Er atmete keuchend und zuckte heftig zusammen. Aber ich durchtrennte nur die Stricke, die seine Arme in der unbequemen Position über dem Kopf an die Bettstreben gefesselt hatten. Erleichtert sackte er in sich zusammen und flüsterte „Danke ...“ Ich nickte. „Wenn du versuchst, mir etwas zu tun, werde ich dir das Messer so tief in den Bauch rammen, dass nicht mal ein Wunder dich retten kann, ist das klar?“ Er nickte. „Klar.“ Zögernd fragte er dann „Sagst du mir, wer du bist?“ Ich nickte. „Ja. Ich bin Jessica Reardon, Jessie.“
Der jetzt ungefesselt daliegend sah mich an. Was er sah, gefiel ihm. Eine vielleicht 30 Jahre alte, brünette, schlanke junge Frau, die Haare in sanften Wellen bis fast zur Hüfte fallend, dunkle Augen, weich geschwungene Lippen, zarte Gesichtszüge, eine Frau, die Blicke auf sich zog. Er hob langsam die Rechte und hielt sie mir hin. Ich griff danach und er lächelte schwach. Erst jetzt bemerkte ich, dass er Grübchen hatte, die bei diesem wenn auch schwachen Lächeln aufblitzten. Er hielt meine Hand fest und sagte „Hallo, Jessie. Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll. Wenn du nicht ... Wenn du mich einfach ... Wenn du abgehauen wärest, hätten sie mich umgebracht.“ Seine Stimme klang plötzlich, als kämpfe er mit Tränen. „Ich habe ehrlich nicht weiter darüber nachgedacht. Sie haben los geballert und ich hab dich ins Auto gestoßen und bin los gerast. Gedacht habe ich erst hinterher.“ Ich machte meine Hand sanft los und sagte „Ich muss jetzt nach deinen Verletzungen gucken, okay?“ Er nickte. „Wie kommt es, dass du das kannst?“ fragte er leise. „Ganz einfach. Ich bin Krankenschwester, Schwerpunkt Notfallmedizin, ich habe mein Examen in der Notaufnahme gemacht. Ich arbeite hier in Wright bei Dr. Emerson, bin seine Assistentin.“ Ich hatte die Zudecke zur Seite geschlagen und löste vorsichtig die Pflaster, die die Verbände über den Stichwunden hielten. Sawyer versuchte, sich aufzurichten, um die Verletzungen ebenfalls anzusehen, schaffte es jedoch nicht. Er war noch zu schwach. „Bleib liegen, okay, du bist noch lange nicht wieder fit. Du hast eine Menge Blut verloren.“ Ich sah mir die Wunden an, tastete sie ab, aber Sawyer zeigte kaum noch Unbehagen. „Das sieht gut aus, da wird es auch ein Pflaster tun.“ Ich klebte also nur noch ein Pflaster über die kleinen Löcher und half Sawyer dann, sich auf den Bauch zu rollen. Die Einschusswunde nässte noch ein wenig und ich tupfte sie wieder gründlich mit Octenisept ab, was Sawyer zusammen zucken ließ. „Ah ... Verdammt, das Zeug brennt wie Feuer!“ keuchte er. Mitleidig sagte ich „Ich weiß, aber es hilft sehr gut. Ich bin auch fast fertig.“ Ich verband die Wunde neu, dann rollte mein Patient sich wieder auf den Rücken. Und nun löste ich die Pflaster im Gesicht.
Dieses schillerte immer noch in allen Farben, aber die Schwellungen gingen deutlich zurück und die Wunden verheilten gut. „Ich denke, wir lassen die Pflaster weg, das heilt an der Luft am Besten. Du hast wirklich ganz schön was abbekommen. Die Wunden stammen aber nicht alle von Schlägen.“ Er schüttelte den Kopf. „Nein ... Sie haben mit nem Messer nachgeholfen.“ Ich wurde blass. „Mein Gott ...“ Sawyer fielen fast die Augen zu. „Ja, war nicht schön.“ murmelte er. „Ich bin saumüde.“ nuschelte er dann. „Schlaf ruhig, das wird dir gut tun. Ich bin hier und passe auf, versprochen.“ Er öffnete noch einmal die Augen und jetzt lächelte er wirklich. „Danke.“ Er schloss die Augen und Augenblicke später merkte ich an den tiefen, gleichmäßigen Atemzügen, dass er eingeschlafen war. Leise stand ich auf und ging in die Küche. Ich schenkte mir eine Tasse Kaffee ein und setzte mich aufs Sofa. Der Kamin knisterte und es war gemütlich warm im Haus. Während ich meinen Kaffee trank, dachte ich darüber nach, was Sawyer erzählt hatte. Ich war mir darüber im Klaren, dass er nicht alles erzählt hatte. Was die Kerle von ihm hatten wissen wollen, hatte er nicht erwähnt. Ebenso, was er in dieser abgelegenen Ecke gewollt hatte. Er musste von nicht allzu weit weg, irgendwo aus den Appalachen stammen, dass sagte mir sein stark Südstaaten angehauchter Akzent. So sicher ich das wusste, so sicher wusste ich auch, dass mir von ihm keine Gefahr drohte. Und so war ich jetzt deutlich entspannter. Ich dachte darüber nach, wie es weiter gehen sollte. Waren die Typen noch in der Nähe? Das war sicher stark abhängig davon, was sie von ihm hatten wissen wollen und was er ihnen letztlich verraten hatte. Und wie wichtig es ihnen war, Sawyer und auch mich als Zeugin zu beseitigen. Ich spürte eine Gänsehaut auf meinem Rücken und erhob mich spontan.
Ich marschierte in die Garage und tastete auf der Arbeitsfläche der Werkbank herum nach einem losen Brett. Schließlich hatte ich es gefunden. Wenn man nicht wusste, dass es da war, man hätte es nie gefunden. Mein Großvater hatte es so geschickt angebracht, dass ein Außenstehender nie darauf gekommen wäre, in dieser Werkbank nach einem Versteck zu suchen. Ich aber wusste, dass Grandpa hier zwei 9 mm Waffen aufbewahrte, zusammen mit Munition. Ich zog die relativ große Metallkiste, in der die beiden Walther PPK verwart waren, aus dem Loch und verschloss es sorgfältig wieder. Mit dem Kasten unter dem Arm kehrte ich ins Haus zurück. Ich ging ins Schlafzimmer und sah, dass Sawyer tief und ruhig schlief. Seit ich ihn her gebracht hatte, wirkte er das erste Mal wirklich vollkommen entspannt. Ich setzte mich vorsichtig auf meine Betthälfte und öffnete den Kasten. Verblüfft stellte ich fest, dass noch einiges mehr darin lag. Die beiden 9 mm lagen oben drauf, in Wachspapier gründlich eingewickelt, und darunter war ein großer Briefumschlag zu sehen. Ich nahm die Walther PPKs heraus und legte sie neben mich auf das Bett. Dann zog ich den dicken Briefumschlag hervor. Langsam öffnete ich ihn. Ich hatte plötzlich ein sehr merkwürdiges Gefühl im Magen. Als erstes sah ich einen weiteren, normalen Briefumschlag, der ebenfalls ziemlich dick aussah. Ich zog diesen heraus und legte ihn unbeachtet neben mich. Dann zog ich den Schnellhefter hervor, der in dem Briefumschlag steckte. Ich lehnte mich an und schlug den Hefter auf. Er enthielt eine Reihe von Papieren, aber oben drauf war ein Brief in der Handschrift meines Großvaters geheftet. So fing ich an zu lesen.
Liebste Jessie.
Wenn du das hier liest, bin ich vermutlich tot. Das ist okay. Ich habe ein langes, erfülltes Leben gehabt und es in vollen Zügen genossen.
Meine liebe Jessica, es gibt in meinem Leben ein Geheimnis, dass ich dir nie verraten habe. Ich möchte, dass du weißt, dass dies zu deinem Schutz geschah, nicht etwa, weil ich dir nicht vertraut hätte! Auch über dich musst du etwas erfahren. Behalte dein neues Wissen für dich und nutze, was ich dir hinterlassen werde.
Jessie, es mag sein, dass eines Tages Fremde bei dir auftauchen. Sie werde dich vielleicht nach einer Insel fragen, von der du keine Ahnung hast. Du musst aber alles erfahren, daher sage ich es dir auf diesem Wege. Dein Überleben und dass vieler anderer Menschen hängt davon ab!
Diese Insel ist etwas Besonderes! Wie besonders, kann selbst ich dir nicht sagen, der ich doch viele Jahre dort verbracht habe. Jessie, du selber wurdest auf dieser Insel geboren! Deine Mutter starb bei deiner Geburt, das ist wahr, nur nicht in Lynchburg, wie dir erzählt wurde, sondern auf besagter Insel! Chrissy wäre in jedem Fall gestorben, dass wusste sie auch. Kein Arzt dieser Welt hätte sie retten können. Sie hat nur noch den einen Wunsch gehabt, dir das Leben zu schenken. Alles andere war ihr egal. Dein Vater hat dich in Lynchburg aufgezogen, bis er auf die Insel zurück beordert wurde. Ich weiß nicht, ob er noch am Leben ist. Wenn ja, wirst du das sicher herausfinden können.
Diese Leute, die ich erwähnte, werden von einem Benjamin Linus oder, was genau so schlimm wäre, von Charles Widmore kommen. Die Beiden bekriegen sich seit Jahrzehnten. Jeder behauptet, dass Beste für die Insel zu wollen, aber, Jessie, traue keinem von ihnen! Linus ist derjenige, der den Weg zur Insel weiß. Widmore versucht seit Jahren, diesen Weg zu finden, um auf die Insel zurückkehren zu können.
Es gibt aber auch noch eine dritte Möglichkeit! Es gibt eine Gruppe von Menschen, die von der Insel wissen und dieses Wissen aus Gründen, die du erfahren wirst, für sich behalten haben. Eines Tages werden diese Menschen auf die Insel zurückkehren müssen! Du kannst ihnen dabei helfen, denn du hast du Gabe, diese Insel zu finden. Allerdings brauchst du Hilfe dabei. Sollte eines Tages jemand kommen, der verzweifelt nach mir sucht, dann hilf diesem Menschen! Egal, ob es eine Frau oder ein Mann ist! Du musst wissen, ob der oder die Betreffende von Linus oder Widmore kommt! Sie werden nach mir suchen, aber unter dem Namen Timothy Walsh! Nur diese Leute wissen diesen Namen, Jessie! Ihnen kannst du vertrauen. Hilf ihnen! Ich kann es nicht mehr. Jeder, der von Linus oder Widmore kommt, weiß nichts von dem Namen!
Du musst nach Los Angeles gehen und dort nach einer gewissen Eloise Hawking suchen. Sie ist die Frau, die dir helfen wird, die Insel zu finden. Ihr Sohn, Daniel Faraday, wird 1977 von seiner eigenen Mutter auf der Insel getötet werden. Nicht absichtlich, sie weiß nicht, dass er ihr Sohn ist! Das muss auf jedem Fall verhindert werden! Dass wird deine Aufgabe und die der Gruppe von Leuten sein, die ich ansprach. Ich wünschte so sehr, ich könnte dir helfen. Ich kann es nur noch, indem ich dir Mittel zur Verfügung stelle, die ihr mehr als benötigen werdet. In dem zweiten Briefumschlag ist Geld und die Verfügungsberechtigung für ein Bankkonto, dass ich für dich eingerichtet habe. Nutze das Geld sinnvoll.
Meine geliebte Enkelin, ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann! Ich liebe dich und hoffe, dass der Brief dich nicht viel zu spät erreicht.
Dein Großvater
Ich saß da und begriff nichts! Von welcher Insel sprach Grandpa? Wieso sollte ich dort geboren sein? Die Namen sagten mir rein gar nichts. Widmore und Linus ... Ich war völlig verwirrt. Wie sollte ich denn bitteschön etwas verhindern, was vor über 30 Jahren geschehen war? Ich fragte mich wirklich, ob Grandpa vielleicht nicht mehr klar im Kopf gewesen war. Aber das konnte nicht sein! Ich hatte ja schließlich bis zu seinem Tod bei ihm gelebt. Er war erst 72 und fit in jeder Beziehung gewesen! Geistesabwesend griff ich nach dem kleinen Briefumschlag und öffnete diesen. Und wäre fast vom Bett gerutscht! Da lagen 1.000 Dollar Scheine drinnen, und zwar zwei Päckchen! Auf den Banderolen stand: 50.000 Dollar in Banknoten zu $ 1.000.-. Ich hielt hier also 100.000 Dollar in meinen Händen. Mir wurde schlecht. Hastig stopfte ich das Geld zurück in den Umschlag und starrte ins Leere. Was sollte das alles? Und dann wurde Sawyer neben mir unruhig und ich warf den Briefumschlag schnell in die Schublade meines Nachtschränkchens. Immer unruhiger wurde der junge Mann und fuhr dann plötzlich mit einem entsetzten Keuchen in die Höhe!
Ich reagierte, ohne nachzudenken. Mich zu ihm beugen und ihn beruhigend in den Arm nehmen war eins. Ich spürte, dass er am ganzen Körper zitterte und sagte beruhigend „Alles in Ordnung, Sawyer, du hast schlecht geträumt.“ Einen Moment ließ er es zu, dass ich ihn sanft fest hielt, dann machte er sich frei und sank aufstöhnend in die Waagerechte zurück. „Scheiße.“ schnaufte er. „Ich bin vor einiger Zeit bei einem Flugzeugabsturz ... Naja, ich war an Bord, als es abstürzte. Davon habe ich gerade geträumt.“ Er beruhigte sich langsam und prustete schließlich angespannt. „Man, was für ein Alptraum.“ Erst jetzt bemerkte er die beiden Walther, die ich achtlos liegen gelassen hatte. Sofort glomm wieder Angst und Misstrauen in seinen faszinierenden Augen auf und ich beeilte mich, ihm zu sagen „Hey, keine Panik, die sind nicht dafür da, dich in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Ich habe sie aus ihrem Versteck genommen, weil ich nicht sicher bin, ob die Typen, die dich gejagt haben, nicht doch noch in der Nähe sind. Solange wir uns hier aufhalten, droht uns wohl keine Gefahr, da niemand von dem Haus hier weiß, aber wir können nicht ewig hier bleiben. Irgendwann ist die Speisekammer leer, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen. Dann brauchen wir die vielleicht.“
Sawyer sah mich an und entspannte wieder. „Ich kann dich da nicht noch tiefer mit rein ziehen, Jessie. Du bist meinetwegen schon in Lebensgefahr geraten. Wenn es mir besser geht, hau ich ab.“ Ich nickte. „Ja, aber bis es soweit ist, kann noch viel passieren. Hör zu, ich kann mit einer Waffe umgehen, mein Grandpa hat es mir beigebracht. Ich bin durchaus im Stande, mich zu verteidigen. Mache dir erstmal um mich keine Sorgen. Du musst wieder gesund werden. Hast du Hunger?“ Sawyer nickte verlegen. „Und wie.“ Ich lachte. „Ich werde dir etwas zu Essen machen.“ Ich wollte aufstehen, aber noch viel verlegener hielt Sawyer mich zurück. „Warte mal. Ich ... ich müsste da mal ... Ich ...“ Er brachte nicht fertig, zu sagen, was ihn bedrückte, aber mir ging plötzlich ein Licht auf. „Oh, du willst ins Bad, was? Komm, ich helfe dir.“ Ganz langsam und vorsichtig half ich ihm, sich aufzusetzen und die Beine vom Bett zu schwingen. Er musste einige Male tief durchatmen, dann ging es ihm besser. Ich half ihm auf die Füße und erklärte „Stütz dich fest auf mich, okay, ich habe im Krankenhaus schon ganz anderen Kalibern geholfen.“ Langsam setzten wir uns in Bewegung und erreichten das Bad. Mit zitternden Knien wankte Sawyer zum Klo hinüber und ich trat dezent auf den Flur hinaus. Nach ein paar Minuten hörte ich Sawyer leise sagen „Ich bin fertig ...“ Das klang so verlegen, dass ich grinsen musste. Schnell trat ich ins Bad und erwischte ihn gerade noch rechtzeitig, bevor seine Beine nachzugeben begannen. Ich umfasste seine schlanke Taille und er stützte sich stöhnend auf mich. So schaffte ich ihn ins Bett zurück.
Schweißgebadet und vor Schwäche am ganzen Körper bebend lag er schließlich wieder lang. Er brauchte mehrere Minuten, bis er sich einigermaßen gefangen hatte. Ich blieb bei ihm, bis sein Atem wieder ruhig kam und das Zittern aufgehört hatte. Dann erklärte ich lächelnd „Ich mache uns jetzt mal was zu Essen, okay.“ Er nickte nur und ich verschwand in die Küche, wo ich den Herd befeuerte. Ich kochte uns Nudeln und machte eine simple Tomatensoße dazu. 20 Minuten später balancierte ich zwei Teller ins Schlafzimmer. Ich half Sawyer, sich aufzusetzen und stopfte ihm ein Sitzkissen, das ich aus dem Wohnzimmer holte, in den Rücken. „Geht es so?“ fragte ich besorgt. Er nickte. „Jepp. Kein Problem.“ Wir aßen unsere Nudeln und schließlich fragte ich beiläufig „Sag mal, was hast du eigentlich in dieser abgelegenen Ecke getrieben?“ Sawyer zögerte kurz, dann sagte er „Was soll’s. Ich hab jemanden gesucht. Einen nicht mehr ganz jungen Mann, der mir gegen diese Typen, die hinter mir her sind, helfen könnte.“ Er sah mich aus seinen grünen Augen an und fragte dann mit einem schiefen Grinsen „Wie lange lebst du schon hier? Vielleicht kennst du ihn.“ Ich schmunzelte. „Ich arbeite beim einzigen Arzt im Umkreis. Ich kenne wohl jeden hier. Wie ist denn sein Name?“ Sawyer sah mich an. „Er heißt Timothy Walsh!“
Ich spürte, wie ich blass wurde und Sawyer anstarrte wie ein Kalb mit zwei Köpfen. „Was ist?“ fragte dieser erschrocken. „Wie ... wie heißt der Mann?“ „Walsh, Timothy Walsh. Soll um die 70 sein.“ Immer noch war ich zu nichts anderem fähig, als Sawyer weiterhin fassungslos anzustarren. „Jessie, was ist denn? Hab ich was Verkehrtes gesagt?“ Endlich wachte ich aus meiner Erstarrung auf. „Bist du sicher, dass der Name stimmt?“ „Absolut. Wir suchen ihn schon eine Weile.“ Ich sah Sawyer misstrauisch an. „Wer ist wir?“ Der blonde Mann atmete tief durch, dann sagte er leise „Freunde und ich.“ „Was sind das für Freunde?“ „Sie saßen damals auch in dem abgestürzten Flugzeug, haben mit mir zusammen überlebt.“ erklärte Sawyer kurz. Dann schaute er mich auffordernd an. „Was ist denn nun mit diesem Walsh? Kennst du ihn? Offensichtlich, so wie du geguckt hast.“ Ich überlegte hektisch, dann entschied ich mich spontan, auf mein Bauchgefühl zu hören, dass mir sagte, dass ich Sawyer vertrauen konnte. Ich hätte nicht einmal sagen können, warum ich das Gefühl hatte. Es war plötzlich da und ich wusste, ich konnte mich darauf verlassen. Ich holte tief Luft, dann drückte ich dem jungen Mann den Brief meines Großvaters in die Hand. Minutenlang herrschte Stille zwischen uns, Sawyer las aufmerksam die Worte, die mein Großvater mir hinterlassen hatte. Dann sagte er fassungslos „Das gibt es ja nicht!“
TRAILER
Erschrocken eilte ich los, um nachzusehen, was passiert war. An der Badezimmertür zusammen gesackt fand ich Sawyer, der offensichtlich alleine versucht hatte, auf die Toilette zu kommen. Hastig kniete ich neben ihm nieder und sagte besorgt „Hey, bist du verrückt? Willst du dich umbringen? Du bist noch nicht wieder so bei Kräften, dass du hier im Haus herum springen kannst.“
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