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von marywent    erstellt: 11.05.2009    letztes Update: 11.05.2009    Geschichte, Romanze / P12    (fertiggestellt, keine anonymen Reviews)
Haley sass auf dem Stuhl im Wohnzimmer und starrte die Gitarre an, die vor ihr auf dem Tisch lag. Seit einem Monat hatte sie das Instrument nicht mehr angefasst. Sie konnte nicht mehr spielen. All die Melodien und Texte, die sonst in ihrem Kopf rumschwirrten waren weg. Verschwunden. Eigentlich hatte sie gehofft, dass dieser Zustand ihr in ihrem Innern mehr Schmerzen verursachen würde. Sie hatte gedacht, dass sie ein Teil ihrer Selbst mit der Musik verlieren würde. Und zwar der wichtigste Teil ihrer Selbst. Ihre Seele und ihr Herz. Die Musik war schon ihr ganzes Leben ein Teil von ihr gewesen. Schon als kleines Kind hatte sie am Klavier gesessen oder auf dem Schoss ihrer Mutter Lieder nachgeträllert. Auch bevor sie in ausverkauften Hallen gespielt hatte, war die Musik das Wichtigste in ihrem Leben gewesen. Haley hatte sich nie vorstellen können ohne sie zu sein. Niemals. Doch dann kam alles anders und sie wollte es nicht wahrhaben. Sie wollte nicht sehen, dass plötzlich etwas anderes den Platz der Musik eingenommen hatte. Sie wollte sich beweisen, dass es nicht so war, wollte sich beweisen, dass die Musik immer noch über allem andern stand. Wie falsch sie doch gelegen hatte. Die Musik konnte ihr Herz nicht brechen, sie konnte diese Schmerzen in ihrem Innern nicht verursachen. Das konnte nur er. Nathan Scott.

Haley lehnte sich in dem Sessel zurück und schloss die Augen. Sein Gesicht tauchte in ihrer Erinnerung auf. Seine braunen Haare, die er inzwischen ganz kurz trug. Sein perfekt geschnittenes Gesicht, seine Lippen, die zum Küssen geradezu einluden und seine braunen Augen, in denen sie jedes Mal wenn sie hineinblickte, versinken könnte. Haley bemerkte wie die Tränen über ihre Wangen liefen und schnell öffnete sie die Augen und wischte sich mit beiden Händen über ihr Gesicht. Sie würde nicht weinen, nicht hier, nicht am helllichten Tag. In den langen und einsamen Nächten konnte sie nichts gegen die Tränen unternehmen, die jedes Mal unaufhaltsam über ihr Gesicht flossen, aber hier und jetzt würde sie nicht weinen. Haley setzte sich auf und ihr Blick fiel auf das Bild, das Nathan mit pinker Farbe übermalt hatte. Sofort erinnerte sie sich an den Zeitpunkt, als sie es aufgehängt hatten. Es war zwei Tage nach der Hochzeitsparty gewesen, die Brooke, Lucas und Peyton für sie und Nathan veranstaltet hatten. Nathan hatte mit dem Bild in den Händen an der Wand gestanden und sie hatte hier auf dem Sessel gesessen und ihm Anweisungen gegeben. Irgendwann war es ihm zu dumm geworden. Er hatte sich zu ihr umgedreht und sie angelächelt. Haley konnte jetzt noch fühlen, wie ihr Herz bei seinem Anblick zu rasen begonnen hatte. Dann war er auf sie zugekommen, hatte seine Hände auf der Sessellehne abgestützt und sein Mund ganz nahe an ihr Ohr geschoben.
„Irgendwie ist mir die Lust aufs Bilderaufhängen vergangen, dafür hat sich die Lust nach meiner Ehefrau gerade ziemlich gesteigert.“ Seine Stimme, sein Geruch, seine Nähe hatten sie fast um den Verstand gebracht und im nächsten Augenblick hatten sie am Boden gelegen und sich gegenseitig die Kleider vom Leib gerissen. Anschliessend hatte Nathan sie auf den Arm genommen und ins Bett getragen. Dort hatten sie dann den restlichen Tag und die Nacht verbracht. Als Haley am nächsten Morgen ins Wohnzimmer gekommen war, hatte Nathan das Bild aufgehängt gehabt. In der Mitte hatte ein Post-it mit folgenden Worten geklebt:
Ich kanns jederzeit wieder abnehmen, wenn du es noch mal mit mir aufhängen willst. Ich liebe dich -  Für immer und ewig.

Haley stand auf, ging ins Schlafzimmer, öffnete die Schranktüre und griff nach der obersten Kiste. Sie setzte sich auf den Boden und öffnete den Deckel. Es waren nur Kleinigkeiten und doch bedeuteten sie ihr alles. Das erste gemeinsame Foto von ihr und Nathan, Notizen einer Deutschstunde, in der sie statt die Ausführungen des Lehrers zu notieren lieber Herzchen mit Nathans Name darin gezeichnet hatte. Nathans erster Test, den er geschrieben hatte, nachdem sie angefangen hatte ihm Nachhilfe zu geben. Die Zettel, die Brooke damals für Haleys und Nathans erstes Date geschrieben hatte und schliesslich das Post-it, welches an jenem Morgen an dem Bild geklebt hatte. Haley nahm es aus der Kiste und strich vorsichtig darüber. Kurz schloss sie die Augen, um sich wieder so zu fühlen wie damals. So voller Liebe, so geborgen, so unendlich glücklich. Als sie das Post-it wieder in die Schachtel zurücklegen wollte, fiel ihr Blick auf das Armband. Es war ein Plastikteil, das wohl nicht mehr als 50 Cent gekostet hatte. Aber für sie war es das wertvollste Schmuckstück, das sie besass. Es war das erste Geschenk, welches sie von Nathan erhalten hatte. Seine Worte als er ihr das Armband über das Handgelenk streifte würde sie bis an ihr Lebensende nie vergessen.
Sag nie ich habe dir nichts geschenkt.
Haley wusste nicht wann sie sich in Nathan Scott verliebt hatte, sie wusste nur, dass es ihr damals zum ersten Mal bewusst geworden war. Natürlich nur für den Bruchteil einer Sekunde und dann hatte sie ihn wieder gehasst. Schliesslich war er damals ein Vollidiot gewesen und hatte sich einen Spass daraus gemacht, seinen Halbbruder und Haleys besten Freund Lucas zu schikanieren. Aber damals am Dock, als er ihr das Armband über die Hand gestreift und ihr in die Augen gesehen hatte, war etwas mit Haley passiert und sie hatte schon damals gewusst, dass sich ihr Leben nun grundlegend ändern würde. Und das hatte es, denn sie hatte an diesem Tag ihr grösstes Glück gefunden. Die Liebe ihres Lebens. Nathan Scott.

„Haley, Haley bist du da?“
Haley schreckte auf. Unbewusst schob sie sich das Armband über das Handgelenk, legte den Deckel zurück auf die Kiste und verstaute sie wieder in dem Schrank. Dann fuhr sie sich noch mal über ihre verweinten Augen und betrat anschliessend das Wohnzimmer.
„Hey“, begrüsste sie Brooke und Lucas, die ihr sofort sorgenvolle Blicke zuwarfen.
„Geht es dir gut?“, fragte Lucas und trat auf sie zu.
„Ich komm schon klar“, antwortete Haley mit den gleichen Worten, mit denen sie es schon seit vier Monaten tat. Seit dem Tag, an dem sie von der Tour zurückgekommen war. Seit dem Tag, an dem Nathan wenn überhaupt nur ein paar Worte mit ihr wechselte. Sie wusste, sie hatte ihn verletzt und sie wünschte sie könnte dies irgendwie rückgängig machen. Die Motive, welche sie zu der Entscheidung mit Chris Keller auf Tour zu gehen getrieben hatten, waren die Falschen gewesen. Sie hatte gedacht, sie müsste endlich einmal etwas für sich tun. Für sich alleine. Etwas ohne ihre Eltern, ohne Lucas, ohne Nathan. Sie wollte damals nicht sehen, dass etwas ohne Nathan zu tun, für sie keinen Sinn ergab. Denn ohne Nathan war die Musik sinnlos. Ohne Nathan war die Tour sinnlos. Ohne Nathan war der Erfolg sinnlos. Ohne Nathan war alles sinnlos.
„Haley, du musst endlich wieder anfangen zu Leben. Du musst dich wieder amüsieren und dich wie ein normaler Teenager benehmen.“ Lucas sah sie bei seinen Worten eindringlich an und Haley wusste, dass er Recht hatte. Sie wusste auch, dass er ihr nur helfen wollte. Trotzdem machten sie seine Worte wütend.
„Ich bin aber nicht wie ein normaler Teenager. Ich bin verheiratet Lucas. Ich will mich weder amüsieren noch will ich sonst etwas tun was Leute in meinem Alter machen. Alles was ich will, ist mein Ehemann wieder zurückzuhaben und dann kann ich wieder anfangen normal zu Leben.“
„Haley...“
„Nein, nein Lucas. Du verstehst es nicht oder? Ich hab meine Gitarre seit einem Monat nicht mehr angerührt. Ich hab seit einem Monat weder gespielt noch gesungen. Seit einem Monat, seit dem Tag an dem Nate von den High Flyers zurückgekommen ist.“
„Lass dir Zeit Haley“, sagte Lucas und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Darum geht es nicht Lucas. Es geht nicht darum, dass ich keine Musik mehr mache. Das ist mir egal. Ich will dir nur sagen wie ich mich fühle. Du kennst mich besser als irgendjemand anderes. Du weißt wie viel mir die Musik bedeutet hat, sie war ein Teil von mir, der grösste Teil von mir. Aber nicht mehr zu spielen, tut weder weh noch spüre ich irgendeine Art von Verlust in mir und das sollte ich doch, wenn ich etwas verloren habe, das mir so viel bedeutet hat. Aber ich fühle nichts, rein gar nichts. Und weißt du wieso das so ist?“ Inzwischen strömten die Tränen über Haleys Wangen und sie versuchte gar nicht mehr sie aufzuhalten. Es war ihr egal. Es war ihr egal, dass Lucas und Brooke sie so verletzlich sahen. Es war ihr egal, dass sie am helllichten Tag weinte. Es war ihr alles egal. Alles bis auf Nathan Scott.

Eine Weile herrschte Stille. Niemand sagte etwas und nur Haleys leises Schluchzen war zu hören. Lucas wollte soeben den Mund aufmachen und irgendetwas sagen als Haley ihn mit einer Handbewegung unterbrach.
„Weißt du wieso es so ist?“, wiederholte sie die Frage von vorhin erneut, sprach jedoch ohne eine Antwort abzuwarten weiter. „Weil die Musik nicht annährend so einen grossen Teil von mir ausmacht wie Nathan. Weil mir die Musik nicht annähernd so viel bedeutet wie Nathan. Er füllt mein Herz aus, so wie es die Musik niemals kann. Er bringt mich zum Lachen, wie es die Musik niemals kann. Er gibt mir Geborgenheit, wie es die Musik niemals kann. Er hilft mir an mich zu glauben, wie es die Musik niemals kann. Er macht mich glücklich, wie es die Musik niemals kann und er kann mich so verletzen und mir solche Schmerzen zufügen, wie es die Musik niemals kann. Verstehst du Lucas, er bedeutet mir einfach alles. Nathan bedeutet mir einfach alles. Aber ich habe ihn verloren und es ist ganz allein meine Schuld. Also bitte sag mir nicht noch einmal, dass ich anfangen soll mein Leben zu leben oder mich wie ein normaler Teenager zu verhalten, denn das kann ich nicht. Nicht ohne ihn.“ Lucas sah Haley eine Weile stumm an, trat dann noch einen Schritt näher auf sie zu und schloss sie in seine Arme. Während Haley ihren Kopf an seine Schulter legte, strich er ihr beruhigend über den Rücken. Er würde alles dafür geben ihr irgendwie helfen zu können aber er wusste nicht wie. Er hatte alles versucht, hatte hundertmal mit Nathan geredet und hatte gar nichts erreicht. Das einzige was passiert war, war dass die Beziehung zwischen ihm und seinem Bruder wieder so war wie vor einem Jahr. Wie damals als sie sich abgrundtief gehasst hatten. Lucas seufzte auf. Wieso war sein Bruder nur so stur, wieso sah er nicht, wie sehr ihn Haley liebte und wie sehr sie ihn brauchte. Wieso sah er nicht, wie sehr er Haley mit seiner Art verletzte und wieso sah er nicht, wie sehr er auch Lucas verletze. Denn Lucas wünschte sich nichts mehr als seinen kleinen Bruder zurück, er wünschte sich nichts mehr, als dass der Mensch, der ihnen allen so viel bedeutete wieder zurückkehrte. Nathan Scott.

Haley und Lucas standen immer noch engumschlugen im Wohnzimmer, während Brooke am Telefon eine Pizza bestellte. Der Tag war fast unerträglich heiss gewesen, weswegen alle Fenster der kleinen Wohnung offen standen. Ein leises Klopfen unterbrach die Stille und Brooke ging zur Türe.
„Der Pizzaservice ist heute ja überpüntklich“, scherzte sie, während sie an dem Türgriff zog.
„Nate“, sagte sie überrascht und starrte den dunkelhaarigen Mann, der auf der Veranda stand an. Er trug einen hellblauen Kapuzenpulli und schwarze Shorts. Seine Füsse stecken wie immer in Nike Turnschuhen und er war von oben bis unten durchnässt.
„Es regnet in Strömen“, sagte er und Brooke schüttelte den Kopf.
„Sorry, das habe ich gar nicht mitgekriegt. Komm rein, du bist ja völlig nass. Ich hol dir ein paar Handtücher.“
„Nein, nein ich will nicht reinkommen. Ich will nur... ich... ist Haley da?“, stammelte Nathan.
„Sie ist...“
„Hey“, unterbrach Haley Brooke. Sie starrte ihn an und wieder fiel ihr auf, wie viel kräftiger er im letzten halben Jahr geworden war. Der nasse Pulli klebte an seinen Oberarmen und seine Muskeln waren dadurch noch viel besser zu erkennen. Haley wusste, dass er diesen Sommer wohl wie ein Besessener trainiert hatte und das Camp bei den High Flyers hatte wohl das Restliche dazu beigetragen. Nathan war vorher schon ein guter Basketballer gewesen aber jetzt, jetzt war er unschlagbar. Haley spürte einen Stich in ihrer Brust. Er hatte im Gegensatz zu ihr, seine Gabe nicht verloren, das hiess dann wohl, dass ihm Basketball mehr bedeutete als sie. Schnell versuchte sie diese Gedanken zu verdrängen und richtete nun ihren Blick auf sein Gesicht. Sein Haar war inzwischen so kurz, dass die Wassertropfen kaum mehr daran haften blieben. Dafür rannen sie ihm über das Gesicht und ein paar davon blieben an seine Wimpern kleben. Sofort erinnerte sich Haley an den Tag, als Nathan sie gebeten hatte, ihn zu heiraten. Es hatte  auch in Strömen geregnet und sie hatten sich furchtbar gestritten gehabt. Haley war mit Peyton unterwegs gewesen und als sie nach Hause gekommen war, hatte er auf den Stufen vor ihrem Haus gesessen. Seine Shorts und sein Pullover waren vollkommen durchnässt gewesen und aus seinen Haaren tropfte das Wasser hinunter. Sie konnte in Gedanken seine Worte hören. „... weil es mir leid tut, weil ich dich liebe und weil du hier im Regen richtig heiss aussiehst und ich dich nur zu gerne küssen würde.“ Haley schloss die Augen und versuchte sich an diesen Ort zu diesem Moment zurückzuversetzen. Sie wollte wieder seine Lippen auf ihren spüren, wollte seine Arme spüren, die ihren Körper umschlagen. Wollte sein Herz fühlen, das ganz nahe an ihrem schlug, im gleichen Takt, mit der gleichen Sehnsucht. Sie wollte ihn fühlen. Sie wollte Nathan Scott.

„Haley?“ Nathans Stimme holte sie in die Realität zurück. Sie schlug die Augen auf, nur um gerade in seinen zu versinken.
„Ich wünsche mir seit einem Monat das es anfängt zu regnen“, sagte sie leise und ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Ein Lächeln, das sich sofort in ihr Herz stahl und dieses schneller schlagen liess.
„Wollen wir ein bisschen spazieren gehen?“, fragte Nate.
„Ich hab so sehr gehofft, dass du das fragst“, erwiderte Haley und griff nach seiner Hand, die er ihr entgegenstreckte.
„Hey wir überlassen euch gerne die Wohnung. Wir können zu mir fahren und...“, rief Lucas als die beiden schon auf der Veranda standen. Haley blickte sich um und sah ihren besten Freund an. „Um nichts in der Welt würde ich einen Regenspaziergang mit meinem Ehemann gegen die Wohnung eintauschen. Also bleibt ruhig.“ Dann zog sie die Türe hinter sich ins Schloss und lief an der Seite von Nathan in den Regen hinaus. Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. Ihre Finger waren ineinander verschlungen und Haley war inzwischen genauso nass wie Nathan.
„Wir sind verrückt weißt du das?“, brach Nathan das Schweigen.
„Wieso?“
„Wir könnten uns eine Lungenentzündung holen“, gab er zur Antwort.
„Hmm, die Leute haben auch gesagt wir wären verrückt als wir geheiratet haben.“ Haley blieb stehen und blickte zu Nathan auf.
„Ich weiss“, sagte er leise.
„Und?“
„Was und?“
„Wars verrückt?“
Nathan lachte auf und strich Haley eine nasse Strähne ihres Haares hinter das Ohr. „Klar war es das.“
„Verrückt gut oder verrückt schlecht?“, fragte Haley, während sich ihre freien Hände miteinander verschränkten.
„Verrückt gut“, erwiderte Nathan und blickte Haley tief in die Augen.
„Hättest du etwas dagegen, wenn ich dich an einem Ort hinführen würde?“
„Hmm kommt darauf an. Ist es dort trocken oder nass?“, fragte Nathan zurück.
„Nass“, antwortete Haley und lachte laut auf.
„Okay dann bin ich dabei.“
„Ich weiss, ich habe es dir in letzter Zeit auf jede erdenkliche Art gesagt, geschrieben und sogar gemailt und ich weiss, dass ich dich damit wohl etwas gedrängt habe aber ich kann einfach nicht anders. Ich liebe dich Nathan Scott.“

„Haley“, sagte Nate nach einigen Minuten Stille.
„Ja?“
„Es tut mir leid.“ Nathans Stimme war leise und er sah Haley nicht an.
„Was?“
„Es tut mir leid, dass ich in letzter Zeit so ein Idiot war. Ich hatte einfach Angst dich wieder zu nahe an mich ranzulassen und ich hatte Angst wieder so verletzt zu werden.“
„Nathan...“
„Nein, lass mich ausreden Haley. Ich... ich habe gehört, was du vorhin zu Lucas gesagt hast. Dass du keine Musik mehr machen kannst. Du solltest es wieder versuchen. Du liebst die Musik, sie ist ein Teil von dir, sie gehört zu dir Haley.“
Wie vom Blitz getroffen blieb Haley stehen. Da Nathan weiterlief löste sich ihre Hand aus seiner, was ihn schliesslich veranlasste auch stehen zu bleiben.
„Haley?“
„Bist du deswegen hier?“ Haleys Stimme zitterte und die Tränen die aus ihren Augen flossen vermischten sich mit dem Regen auf ihrer Haut. Er war nur hier, weil er ein schlechtes Gewissen hatte. Er wollte, dass sie wieder Musik machte, deswegen redete er wieder mit ihr, deswegen hielt er ihre Hand und ging mit ihr im Regen spazieren. Haley wusste, dass Nathan alles für sie tun würde, Er hatte ihr dies schon oft bewiesen. Auch wenn seine Entscheidungen nicht immer die Besten waren, aber er traf sie meistens deshalb, weil er dachte, für sie wäre es das Beste. Dass er jedoch nur aus dem Grund der Musik mit ihr zusammen blieb, dass er sich deswegen wieder mit ihr versöhnte, dies würde ihr das Herz brechen. Ja, sie hätte ihn dann wieder zurück. Er wäre wieder bei ihr. So egoistisch dies auch klang, einen Augenblick lang überlegte Haley sich es einfach zu akzeptieren. War es nicht besser, als ihn ganz zu verlieren? Diesen Gedanken verwarf sie jedoch schnell wieder. Sie wollte Nathan, sie wollte ihren Ehemann zurückhaben und dafür würde sie alles tun. Aber sie wollte ihn ganz und gar. Sie wollte, dass er zu ihr zurückkam weil er sie liebte, weil er mit ihr zusammen sein wollte und weil er sich eine gemeinsame Zukunft mit ihr vorstellen konnte. Sie wollte jedoch ganz sicher nicht, dass er aus irgendeinem Pflichtgefühl bei ihr blieb. Dass er bliebe, damit sie ihren Traum von der Musik verwirklichen konnte.
„Nathan?“, sagte Haley als von ihm keine Antwort kam.
„Haley, ich bin hier weil ich hier sein will. Ich sass vorher Zuhause. Allein in diesem grossen Haus in dem ich aufgewachsen bin. In dem Haus in dem ich nicht ein einziges Mal so etwas wie Liebe empfunden hatte und da ist mir klar geworden, dass ich nie so enden will wie meine Eltern. Ich will nicht so enden nur weil ich zu stolz oder zu verletzt bin. Ja, du hast mich verletzt indem du einfach so mit Chris weggegangen bist. Aber ich denke ich hab dich auch verletzt indem ich dir dieses dämliche Ultimatum gestellt habe. Ich hätte dich unterstützen und vor allem hätte ich dir vertrauen müssen. Ich hätte uns vertrauen müssen.“ Nate machte eine kurze Pause und trat auf Haley zu. Ganz leicht fuhr er ihr mit den Fingern über ihre Wange. „Ich bin hier weil ich hier sein will. Weil ich bei dir sein will. Es geht nicht um die Musik oder um Basketball, es geht nur um uns. Aber ich denke wir sollten uns über einige Dinge unterhalten.“
Haley nahm ihre Hand und verschlang sie wieder mit seiner. Sie wünschte sich er würde sie endlich küssen, würde sie an sich ziehen und nie mehr loslassen. Aber sie wusste auch, dass er Recht hatte, sie mussten sich über ein paar Sachen unterhalten, mussten sich über einige Dinge klar werden. Aber nicht heute, nicht jetzt. Jetzt wollte Haley einzig und alleine geniessen, dass er da war, dass er ihre Hand hielt und dass sie zusammen im Regen spazierten. Vor Karens Kaffee stoppte Haley und deutete auf das Dach des Gebäudes.
„Du willst mit mir eine Runde Minigolf spielen?“, fragte Nate erstaunt.
Haley grinste. „Nicht ganz. Ich will dir was zeigen. Komm mit.“
Zusammen stiegen sie die Treppen hinauf. Oben öffnete Haley die Türe und die Beiden traten wieder in den Regen hinaus.
„Wo ist die Minigolfbahn abgeblieben?“, fragte Nathan und sah sich erstaunt um.
„Ist nicht mehr da. Aber darum geht es auch nicht. Weißt du Lucas und ich treffen uns hier jedes Jahr und schreiben unsere Vorhersagen und Wünsche für das nächste Schuljahr auf.“ Haley liess Nates Hand los und ging zu einem Backstein den sie herauszog. Dann steckte sie ihre Hand in das Loch und brachte ein kleines metallenes Kästchen zum Vorschein. Sie öffnete es und nahm ein Blatt Papier heraus, welches sie Nathan anschliessend entgegenstreckte.
„Nein, du darfst es mir nicht zeigen. Es soll doch ein Wunsch sein und Wünsche gehen bekanntlich nur in Erfüllung wenn niemand sie liest“, sagte Nathan und schüttelte den Kopf.
„Es ist nicht mein Wunsch für dieses Jahr, der liegt noch bei mir Zuhause auf dem Schreibtisch. Es ist mein Wunsch vom letzten Jahr und du solltest ihn unbedingt lesen. Bitte Nathan.“
Zögerlich nahm Nathan das Papier in die Finger und faltete das Blatt auf. Bevor er den Wunsch lass, blickte er noch einmal zu Haley auf.
„Bitte“, sagte sie noch einmal leise und Nathan Blick richtete sich wieder auf das Papier.

Dieses Jahr wünsche ich mir nichts, denn alle meine Wünsche sind bereits in Erfüllung gegangen. Nathan Scott hat mir gesagt, dass er mich liebt und es gibt nichts, dass ich mir sehnlicher gewünscht habe. An diesem Abend, als er diese drei Worte gesagt hat, sind alle meine Wünsche und Träume wahr geworden. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit sechzehn meine grosse Lieben finden würde. Aber es ist passiert und ich bin mir ganz sicher, dass ich niemals einen anderen so lieben werde wie Nathan. Er ist die Liebe meines Lebens für immer und ewig.

Nathan lass die Worte sicher dreimal durch bevor er zu Haley aufblickte. Er wollte etwas sagen, aber seine Kehle war wie zugeschnürt. Seine Gefühle drohten ihn zu überwältigen. Diese Frau drohte ihn zu überwältigen.
„Haley, ich..“
„Ich hab das damals ernst gemeint und ich meine dies heute noch ernst Nathan. Der Abend als du mir auf dieser Parkbank gesagt hast, dass du mich liebst war der Schönste in meinem Leben. Ich liebe meine Musik, ja ich liebe sie wirklich. Aber ich habe sie nicht einen einzigen Tag, nicht eine einzige Minute oder Sekunde so sehr geliebt wie ich dich liebe. Das musst du mir einfach glauben.“ Eigentlich wollte Haley ihm noch so viel mehr sagen, aber ihre Stimme versagte und sie sah ihn einfach nur noch an. Blickte in seine braunen Augen, in denen sie all das sah, was sie seit vier Monaten vermisst hatte. Sie sah Begehren, Vertrauen und Liebe. In diesem Moment wusste Haley, dass ihr diesjähriger Wunsch, der Wunsch, welcher Zuhause auf ihrem Schreibtisch lag in Erfüllung gehen würde. Der Wunsch für immer und ewig mit Nathan Scott verheiratet zu sein.

„Weißt du, dass du einfach unglaublich bist Haley“, sagte Nathan und trat auf sie zu. Seine Hände legten sich um ihre Taille und er zog sie ganz nah an seinen Körper. Dann strich er ihr das nasse Haar aus dem Gesicht und legte ihren Kopf an seine Brust. „Du hast mich gerettet, du hast mich zu einem besseren Menschen gemacht und du tust es von jedem Tag an aufs Neue. Dich um Nachhilfe zu bitten, war die beste Entscheidung meines Lebens und dein Ja auf meine Frage, ob du mich heiraten willst, hat mich zum glücklichsten Menschen auf der Welt gemacht. Ich liebe dich Haley James. Ich liebe dich für immer und ewig.“
Haley legte ihre Arme um Nathans Taille und drückte sich noch ein bisschen näher an ihn. Ihr Herz raste als er diese drei Worte sagte und das Glücksgefühl, welches durch ihren Körper strömte war mit nichts zu vergleichen.
„Scott“, sagte sie leise an seiner Brust.
„Was?“
„Haley James Scott. Du hast Haley James gesagt, aber es heisst Haley James Scott und das wird immer so bleiben.“
Nathan schob Haley ein bisschen von sich und sah ihr tief in die Augen.
„Was meinst du zu einer neuen Regenerinnerung?“, fragte Nate, während sich sein Mund langsam dem von Haleys näherte.
„Ich hab schon gedacht du fragst nie“, flüsterte Haley zurück, bevor sich Nathans Lippen auf ihre legten. Es war wie im Traum, nur besser. Seine Zunge spielte an ihren Lippen und drang dann ganz langsam in ihren Mund ein. Haley spürte seinen Herzschlag ganz nah an ihrem und zufrieden stellte sie fest, dass sein Puls genauso schnell ging wie ihrer. Atemlos trennten sich ihre Münder voneinander. Nathan hob Haley leicht hoch und liess sich dann zusammen mit ihr auf den nassen Boden gleiten.
„Ich liebe dich Haley James Scott.“, flüsterte Nathan während er sich an den Knöpfen ihrer Bluse zu schaffen machte.
„Ich liebe dich auch Nathan Scott, für immer und...“
„...ewig“, ergänzte Nathan bevor seine Lippen wieder die ihren fanden und ihren Mund mit einem innigen und leidenschaftlichen Kuss verschlossen.
 
 
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