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von LadyAurora    erstellt: 02.05.2009    letztes Update: 06.04.2012    Geschichte, Drama, Romanze / P18    (in Arbeit)
Kalt und heiß


„Er wird stinksauer sein“, prophezeite Heikki, der neben mir auf dem Deck der Yacht stand.
Ich wiegte den Behälter mit dem Eiswasser in meinen Händen, in dem vor wenigen Minuten noch eine Flasche Champagner gestanden hatte. „Denkst du damit könnte ich nicht umgehen?“, fragte ich und blickte vorfreudig grinsend auf meinen Bruder herunter, der mit Kopfhörern in den Ohren in der Sonne döste.
„Nein, aber er wird trotzdem auf hundertachtzig sein, wenn du ihm das Eiswasser überkippst.“
Ich grinste. „Rache ist süß.“
„Manchmal stellt ihr euch an wie kleine Kinder.“
Ich zuckte die Achseln. „Es macht Spaß.“
Kimi lag noch immer selig in der Sonne badend und nichts ahnend auf seinem Handtuch, mit Musik auf den Ohren. „Ich an deiner Stelle würde es lassen“, redete Heikki auf mich ein, doch ich grinste nur weiter. „Sei endlich ruhig! Das Wasser wird warm“, tadelte ich ihn und holte mit dem Behältnis aus, um Kimi das Wasser - in dem noch einige Eiswürfel schwammen – überzukippen.
Plötzlich beugte sich Sienna über die Reling und blickte zu uns herunter. „Wir sind da“, stellte sie in ihrem typischen australischen Englisch fest. „Den Rest zur Insel müssen wir mit einem kleinen Boot zurücklegen, weil wir nicht näher rankommen“, verwirrt sah sie mit hochgezogener Augenbraue auf den Kühler, den ich in der Hand hielt. „Was machst du mit dem Eiswasser?“, wollte sie wissen und ich grinste noch breiter. „Ich wollte Kimi gerade etwas abkühlen“, meinte ich und holte erneut aus, diesmal jedoch führte ich die Bewegung aus. Das Wasser schwappte im hohen Bogen durch die Luft und die hochstehende Mittagssonne reflektierte sich in dem Eis.
Mit einem großen Platschen spülte das Wasser auf das Deck und über Kimi, der wie von der Tarantel gestochen aufsprang und wild schrie: „Ah, verdammt ist das kalt.“
Ich krümmte mich vor Lachen und musste mich beherrschen, um mich nicht in den nächstbesten Stuhl fallen zu lassen. Ich hatte ihn voll erwischt.
Total irritiert von seiner plötzlichen Dusche, zog er sich die Kopfhörer aus den Ohren. „Was zum Teufel sollte das?“, fragte er und sah sich nach dem Übeltäter um, instinktiv blieb sein Blick auf mir hängen. „Du Biest!“, fluchte er und zog sich die Sonnenbrille von der Nase.
Ich hielt mir noch immer den Bauch vor Lachen und zeigte mit dem Finger auf ihn. „Das… du hättest dich sehen müssen“, prustete ich und stellte den Kübel zu Boden. „Eine meiner besten Ideen, die ich bisher hatte“, stellte ich fest und beruhigte mich langsam wieder.
„Oh ja, das war wirklich witzig“, drohend kam Kimi auf mich zu.
„Mmh“, nickte ich und grinste ihn schelmisch an. „Was hast du vor?“, fragte ich, als mein Bruder mich mit seinen Augen fixierte.
„Rache“, drohte er, war mit einem Satz bei mir und packte mich an der Hüfte. Er warf mich über seine Schulter und ging in Richtung Reling. „Nein!“ Ich schlug wild auf ihn ein und musste doch lachen. „Lass mich runter. Sofort!“
„Keine Chance“, antwortete er und blieb vor dem Wasser, das gegen den Bug der Yacht klatschte, stehen.
„Bitte“, flehte ich und versuchte mich aus seinem Griff zu winden.
„Niemals!“, verneinte Kimi und ehe ich mich versah, fiel ich über die Reling und in das kalte Wasser des Ozeans. Prustend tauchte ich wieder auf und sah nach oben in das hämisch grinsende Gesicht meines Bruders. „Das kommt davon, leg dich niemals mit einem Kimi an!“
„Okay, okay, ich gebe auf“, kapitulierte ich und sah ihn an, so gut das eben vom Wasser aus ging. „Waffenstillstand?“
„Waffenstillstand“, bestätigte Kimi und verschwand.
Ich schwamm zum hinteren Ende der Yacht, wo sich eine Leiter befand, an der ich wieder an Bord klettern konnte. Heikki erwartete mich schon.
Ich streckte ihm die Hand entgegen. „Hilfst du mir mal bitte?“
Er reichte mir die Hand und zog mich hoch, doch fies wie ich war, zog ich ebenfalls. Heikki verlor das Gleichgewicht und flog in hohem Bogen ins Wasser. Allerdings war er im Gegensatz zu mir und Kimi in voller Montur und nicht nur in Badekleidung unterwegs.
Schnaufend tauchte er wieder auf und ich sah ihn schulterzuckend und mit in die Hüften gestemmten Händen an. „Sorry Heikki, ich konnte einfach nicht widerstehen.“
„Ja, ich verstehe schon. Ihr Räikkönens habt einfach nichts anderes im Kopf, als Dummheiten.“
„Hey, pass auf was du sagst“, meinte Kimi hinter mir und grinste mich an. „Gut gemacht Schwesterchen“, lobte er mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Ich hatte den besten Lehrer“, antwortete ich und sah zu wie Heikki mit triefenden Klamotten wieder aus dem Wasser stieg. „Du bist nass“, stellte ich fest.
„Ach nein. Wirklich?“, fragte Heikki und schüttelte seine Arme, um wenigstens einen Teil des Wassers loszuwerden.
Ich lachte in mich hinein. „Ich glaube du musst dich umziehen, mein Lieber.“
„Ja, das Problem ist nur, dass ich nichts zum umziehen dabei habe.“
„Du hast nicht wirklich vergessen etwas mitzunehmen, oder? Ich meine, du bist mit Kimi und mir auf dem Meer. Hast du wirklich gedacht, dass du da trocken bleibst?“
Heikki atmete geräuschvoll aus. „Aus Fehlern lernt man.“
Er zog sich das klatschnasse Shirt über den Kopf und gab so den Blick auf seinen ansehnlichen Oberkörper frei. Ich war schließlich auch nur eine Frau.
Als er jedoch Anstalten machte auch die Hose auszuziehen, stoppte ich ihn: „Ich warne dich! Entweder du gehst rein, dich umziehen oder du lässt die Hose an.“
Heikki funkelte mich an. „Ich hab meine Badehose drunter.“
„Okay, genehmigt“, stimmte ich schließlich zu und Heikki schlüpfte aus seiner knielangen Jeanshose.
„Kann es dann losgehen?“, fragte Sienna ungeduldig und musterte uns.
„Ja, wir sind so weit“, meinte Kimi und schob mich in Richtung Beiboot, das Sienna bereits klar gemacht hatte.

Ich grub meine Füße in den strahlend weißen Sand der Insel und schloss die Augen, um die Sonnenstrahlen zu genießen. Es war wirklich schön nach so langer Zeit wieder in Australien zu sein, aber noch mehr freute ich mich über das Wetter. In der Schweiz war es nun, Ende März, noch nicht wirklich warm.
„Ist die Insel wirklich unbewohnt?“, fragte Heikki und riss mich aus meinen Träumereien.
Sienna ließ sich in den Sand fallen und sah Heikki an. „Denkst du ich lüge euch an?“
„Das habe ich ja auch gar nicht behauptet“, antwortete Heikki und stieß mir mit dem Ellenbogen in die Seite. „Was meinst du? Sollen wir uns die Insel etwas genauer ansehen?“
„Klar“, stimmte ich zu. „Kommt einer von euch mit?“, richtete ich mich an Kimi und Sienna, die jedoch beide verneinten.
„Dann eben nicht“ Ich zuckte mit den Achseln und folge Heikki in den angrenzenden Wald.
Es war kein richtiger Regenwald, kam dem jedoch schon sehr nahe. Farne bedeckten den Boden und der weiche Waldboden gab unter meinen Füßen angenehm nach. Die Sonne warf das Muster der Baumkronen auf den Boden und hier und dort hörte man einen Vogel zwitschern.
„Wunderschön, oder?“, fragte Heikki, der stehen geblieben war, wir waren schon mehrere hundert Meter ins Innere der Insel vorgedrungen.
Ich sah mich fasziniert um. „Ja, wirklich.“ Das ferne Geräusch von plätscherndem Wasser drang an mein Ohr. „Hörst du das?“
Heikki lauschte konzentriert und wies nach rechts „Das kommt von dort.“ Sofort machte er sich auf den Weg.
„Warte doch“, rief ich ihm hinterher und sprintete die letzten Meter zu ihm hin. Ich harkte mich bei ihm unter und sah Heikki an. „Nicht, dass du mir noch wegläufst.“
„Würde ich niemals tun“, meinte Heikki und blieb plötzlich stehen.
Ehrfürchtig hielt ich ebenfalls an und sah mich um. Wir standen auf einer Lichtung, auf der sich ein kleiner See befand.
„Wow“, entfuhr es mir und ich ließ meinen Blick über die wunderschöne Szene gleiten. Geradeaus befand sich eine hohe Felswand, an der das Wasser eines kleinen Baches mindestens zwanzig Meter in die Tiefe stürzte und dort den See bildete. Die Sonne schien durch das Wasser hindurch bis auf den steinigen Grund, der erahnen ließ, dass es mehrere Meter tief war.
Ich ging ein paar Schritte voran, musste allerdings aufpassen, da der Waldboden hier nahtlos in Fels überging.
„Meinst du wir können darin schwimmen?“, fragte ich und drehte mich zu Heikki um.
„Ich denke schon, aber es wird vielleicht ein bisschen kalt sein“, merkte er an.
Ich stand am Rand der Felsen direkt vor dem Wasser. „Ich denke damit kann ich leben.“ Ich machte einen Kopfsprung direkt in das klare, jedoch wirklich kalte, Wasser. Als ich wieder auftauchte, sah ich mich nach Heikki um und fand ihn einige Meter vor mir unter Wasser, das klare Wasser verriet ihn.
Kurz vor mir tauchte er auf und schüttelte seine kurzen Haare aus. „Das ist verdammt kalt“, stellte er fest.
„Ja.“ Ich legte ihm meine Hände auf die Schultern und drückte ihn unter Wasser, das tiefer war als ich gedacht hatte. Schnell schwamm ich einige Meter aus seiner Reichweite, damit er mich nicht mit sich unter Wasser ziehen konnte.
„Warum wusste ich, dass du das tun würdest?“, fragte er und folgte mir aus dem Wasser heraus. Es war definitiv zu kalt, um sich länger darin aufzuhalten.
Wir kletterten den steinigen Boden hinauf, was sich barfuß als äußerst unangenehm herausstellte.
Oben angekommen suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen Wiese und setzten uns so dicht wie möglich an den Rand der Felsen, um die Aussicht zu genießen.
„Kimi und Sienna verpassen etwas“, stellte ich fest und schlang die Arme um meine Beine.
Heikki ließ seinen Blick über die Lichtung schweifen. „Ich bin eigentlich ganz froh, dass sie nicht mitgekommen sind.“
„Mmh“, meinte ich nur und rieb mit meinen Handflächen über meine Beine, die eine leichte Gänsehaut zierte. Das entging Heikki natürlich nicht. „Ist dir kalt?“
„Ein wenig“, gab ich zu und zog meine Beine noch ein Stück näher an meinen Oberkörper.
Heikki rutsche ein Stück näher an mich und breitete seine Arme aus. „Komm her.“
Ich grinste und schmiegte mich an seine Seite, glücklich über seine Körperwärme, die auf mich überging.
Heikki legte seinen Arm um meine Schulter und ich legte meinen Kopf automatisch auf seiner Schulter ab, die Beine immer noch dicht am Körper.
„Weißt du was?“, fragte Heikki nach einer Weile, die wir schweigend verbracht hatten.
„Was?“
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass es für mich niemand passenden gibt.“
Ich entfernte mich ein Stück von ihm, um ihm ins Gesicht sehen zu können. „Wie meinst du das?“
Er zuckte mit den Schultern. „Na ja, ich bin schon so lange alleine.“
„Das wird schon, auch für dich gibt es die Richtige. Vielleicht ist sie sogar näher als du denkst“, philosophierte ich vor mich hin und dachte mir nicht wirklich etwas dabei. Heikki sah mich mit seinen unergründlichen, blauen Augen an. „Das hoffe ich manchmal auch“, seufzte er und senkte den Blick. Er wirkte wirklich sehr bedrückt.
„Hey“, ich strich ihm aufmunternd über die Wange, „sei nicht so pessimistisch.“
Sein Blick heftete sich auf meine Augen und in dem Moment geschah etwas, dass ich so niemals erwartet hatte.
Ich versank in seinen Augen, die mich aufmerksam musterten und versuchten meine Reaktionen zu lesen, als Heikki nach meiner Hand auf seiner Wange griff und mich näher zu sich zog. Ich wehrte mich nicht, ließ ihn gewähren.
Seine freie Hand legte sich auf meine Hüfte und zog mich noch näher heran, dann meldete sich mein Verstand wieder zu Wort. „Heikki… was…“ Weiter kam ich nicht, dann er legte mir den Zeigefinger auf die Lippen. „Scht, sei still.“
Ich gehorchte, seine Hände umfassten mein Gesicht und seine Lippen kamen den Meinen immer näher. Ich wollte mich ihm entziehen, doch meine Glieder gehorchten mir nicht mehr. Heikkis Augen gruben sich in meine und ich glaube so etwas wie Liebe oder Zuneigung in ihnen aufblitzen zu sehen.
Noch bevor ich darüber nachdenken konnte, spürte ich seine Lippen auf meinen und meine Augen fielen zu. Ich erwiderte seine Liebkosung und stieß sachte mit meiner Zunge an seine Lippen, die er bereitwillig öffnete und mir Eintritt gewährte.
Ich vergaß, dass Heikki mein bester Freund war und dass das hier Konsequenzen für unsere Freundschaft haben würde. Es war mir egal, denn im Moment war es einfach nur toll jemandem so nahe zu sein.
Langsam wurde der Kuss erotischer, fordernder und ich setzte mich breitbeinig auf seinen Schoß, was Heikki sich willenlos gefallen ließ. Seine Hände wanderten an meinem Körper entlang und ich stöhnte in unseren Kuss hinein.
Das hier ging eindeutig zu weit. Ich wollte doch nicht so meine Jungfräulichkeit verlieren und das auf keinen Fall mit meinem besten Freund. Allerdings hatte sich mein Gehirn eindeutig verabschiedet, denn ich war nicht in der Lage das hier jetzt zu beenden. Zu groß war die angestaute Lust der letzten Jahre, in denen ich keinen Mann an mich heran gelassen hatte.
Fast schon grob drängte Heikki mit seiner Zunge in meinen Mund und biss mir in die Unterlippe, was mich aufstöhnen ließ. Seine Hände wanderten auf meinen Rücken und ich spürte, wie er drauf und dran war den Knoten meines Bikinis zu öffnen, als ich plötzlich die Stimme meines Bruders vernahm: „Anni? Heikki? Wo seid ihr?“
Aufgeschreckt stoben Heikki und ich auseinander. Ich sah ihn heftig atmend an, er erwiderte meinen Blick.
Langsam klärte sich mein Gehirn wieder und mir wurde bewusst, was hier gerade passiert war und was passiert wäre, wenn Kimi nicht genau in diesem Moment die Lichtung betreten hätte. „Da seid ihr ja“, meinte mein Bruder und sah von Heikki zu mir und wieder zurück. „Ist alles in Ordnung mit euch?“
„Ja“, antworteten Heikki und ich unisono. Ich hievte meinen leicht zittrigen Körper hoch und hatte alle Mühe mich auf den Beinen zu halten, die sich wie Pudding anfühlten.
Gott, was war hier nur gerade passiert? Das war so gar nicht meine Art. Ich hatte mich immer unter Kontrolle und ich hatte auch keine Gefühle für Heikki, die in diese Richtung gingen.
Kimi sah mich über das ganze Gesicht strahlend an und ich zog fragend eine Augenbraue hoch. „Was ist denn mit dir los? Wenn du keine Ohren hättest, könntest du im Kreis grinsen.“
„Du wirst Tante“, platzte es dann aus ihm heraus und sein Grinsen wurde noch breiter, wenn das überhaupt möglich war.
Jetzt war ich total verwirrt. „Wie meinst du das? Hat Rami dich angerufen, wird er wieder Vater? Nun rück schon raus mit der Sprache und lass dir nicht alles aus der“, forderte ich, bis Kimi mich in meinem Redeschwall unterbrach: „Wenn du endlich still sein würdest, dann würde ich dir auch erzählen was los ist“, fiel er mir ins Wort.
„Ja, dann sag es halt“, forderte ich meinen Bruder auf.
„Jenni hat angerufen.“
„Jenni?“, fragte ich und war noch verwirrter. „Woher weiß denn Jenni, dass“, wunderte ich mich, doch dann begriff ich endlich: „Nein! Das ist nicht dein Ernst?“ Ich wies mit dem Finger auf ihn, „Du und Jenni, ihr?“ Ich war wirklich nicht im Stande einen kompletten Satz zu formulieren. „Ihr bekommt ein Kind?“, brachte ich schließlich heraus und Kimi nickte nur.
„Das ist ja fantastisch!“, jubelte ich und fiel meinem Bruder um den Hals. „Ich freu mich so für euch beide.“ Kimi drückte mich an sich und ich flüsterte ihm ins Ohr. „Wehe, wenn ich nicht die Patentante werde, dann könnt ihr was erleben.“
„Keine Sorge Schwesterchen, das ist doch schon beschlossene Sache.“ Kimi entließ mich aus seiner Umarmung und sah mich überglücklich an. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin und ich wäre jetzt so gerne bei Jenni.“
„Das kann ich mir denken“, antwortete Heikki, den ich in dem ganzen Trubel komplett vergessen hatte. Heikki schlug Kimi anerkennend auf die Schulter. „Herzlichen Glückwunsch Alter.“
„Warum hat sie nicht gewartet, bis du zurück kommst?“, fragte ich.
Kimi stieß ein Lachen aus. „Sie meinte, sie hätte es nicht mehr ausgehalten. Wir fliegen nach dem Rennen in Melbourne ja direkt nach Kuala Lumpur, das wären drei Wochen, die sie hätte warten müssen.“
„Stimmt, ich hätte es wahrscheinlich auch nicht ausgehalten so lange zu warten.“
„Du? Niemals! Du kannst ja noch nicht mal für zwei Minuten den Mund halten“, spottete mein Bruder und fing sich direkt einen Boxer auf den Oberarm ein. „Vorsicht ja.“
Theatralisch rieb er sich die Stelle. „Mach so weiter und ich überlege mir das mit der Patentante nochmal.“
„Tz“, stieß ich aus und ging mit erhobenem Haupt zurück in Richtung Strand.
Kimi schnaufte hinter mir. „Jetzt ist sie wieder eingeschnappt“, meinte er zu Heikki. „Frauen.“
„Was würden wir ohne sie machen?“, fragte  Heikki wiederum und lachte.
„Ich kann euch hören!“, rief ich den Beiden zu, die mir folgten.
Kimi lachte. „Das kannst du ruhig hören. Ist nur die Wahrheit.“
„Ja, ja, du mich auch!“, antwortete ich und ging den gleichen Weg zurück, den ich mit Heikki genommen hatte.
Heikki.
Ich konnte noch immer nicht so recht verstehen, wie mir das vorhin hatte passieren können, wenn Kimi nicht aufgetaucht wäre, dann hätte ich mit Sicherheit mit Heikki geschlafen. Ich, die überzeugte Jungfrau war und das eigentlich auch noch bleiben wollte.
Die meisten Freunde, die ich bis jetzt gehabt hatte, waren nicht damit klar gekommen, dass ich warten wollte. Ich wollte nicht mit dem Erstbesten in die Kiste springen und es dann hinterher bereuen, doch genau das wäre mit Heikki passiert. Ich hätte es bereut, wir Beide hätten es bereut und unsere Freundschaft wäre den Bach runter gegangen, wenn sie das nicht jetzt schon tat.
Ich empfand keine Gefühle für Heikki, mal abgesehen von Freundschaft und die war mir wichtig, sehr wichtig sogar. Er war neben meiner Familie die wichtigste Person in meinem Leben und ich wollte, dass das auch so blieb.
Als wir den Strand betraten wurden wir von Sienna empfangen: „Da seid ihr ja endlich“ Sie stand in der tief stehenden Nachmittagssonne und wartete auf uns. „Ich dachte schon ihr hättet euch verlaufen. Wir müssen los, wenn wir die Yacht rechtzeitig wieder zurück bringen wollen.“
„Aye, aye, Käpt’n“, salutierte ich und begab mich auf den Weg durch den weichen Sand zurück zum Boot.
„Beeilt euch mal ein bisschen“, rief ich Heikki und Kimi zu, die in aller Seelenruhe über den Strand schlenderten. „Dass Männer immer so rumtrödeln müssen“, murrte ich und hörte Sienna neben mir belustigt kichern. „So sind sie eben.“

Sienna, Kimi und ich saßen gemütlich in der abendlichen Sonne und tranken ein Glas Sekt auf Kimis Vaterschaft. „Was ist eigentlich mit Heikki los?“, fragte Kimi mich, ich konnte mir schon in etwa denken was mit ihm los war, doch das ging Kimi nichts an.
Heikki hatte sich, seit wir das Schiff wieder betreten hatten, nicht bei uns blicken lassen und sich alleine ans Heck der Yacht zurück gezogen.
Ich zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, was mit ihm los ist“, log ich und stellte mein Glas ab. „Ich werde mal nach ihm sehen.“
„Mach das“, stimmte mein Bruder mir zu und ich machte mich auf den Weg zum Heck der Yacht.
Der Wind peitschte meine blonden Haare auf und wirbelte sie mir ins Gesicht. Heikki lehnte einsam an der Reling und ließ seinen Blick über das Wasser gleiten, dass in der Sonne orange-rot schimmerte.
„Hey“, grüßte ich, stellte mich neben ihn und stützte mich ebenfalls mit den Armen am Geländer ab.
„Hey“, echote Heikki und sah mich kurz an, bevor sein Blick wieder zum Horizont glitt.
Wie… wo sollte ich anfangen? „Ist alles in Ordnung mit dir?“
„Klar, was soll schon sein?“, fragte er unterkühlt.
Ich sah Heikki an. Sein Gesicht war angespannt, so als ob er über irgendetwas nachdenken würde. „Ist alles in Ordnung zwischen uns?“, formulierte ich meine zweite Frage und Heikki sah mich endlich an.
„Ja, warum fragst du?“
„Nun ja“, ich zögerte, „wegen heute Mittag. Ich weiß nicht was in mich gefahren ist, ich meine, du bist mein bester Freund und wenn Kimi nicht gekommen wäre, dann wäre sonst was passiert“, sprudelte es aus mir heraus und ich fühlte mich seltsamerweise nicht befreit, wie ich es erwartet hatte. Ich fühlte eine Last auf mir, eine Last, die mir nur Heikki von den Schultern nehmen konnte. „Ich empfinde keine Gefühle in der Art für dich Heikki“, fuhr ich fort. „Du bist mein bester Freund und ich will nicht, dass unsere Freundschaft wegen so etwas kaputt geht.“
Heikki lächelte mich an. „Das wird sie nicht.“ Irrte ich mich oder sah ich Enttäuschung in seinen Augen? „Mir geht es genauso.“ Er wich meinem Blick gekonnt aus. „Ich denke, das ist einfach aus der Situation heraus passiert“, meinte er, sah mich dabei aber nicht an. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass das für Heikki mehr gewesen war, als nur ein Kuss. Vielleicht wünschte er sich wir wären zusammen, doch diesen Wunsch konnte und wollte ich ihm nicht erfüllen. Er war mein bester Freund und das sollte er auch bleiben.
Ich legte ihm die Hand auf die Schulter. „Und es ist wirklich alles klar zwischen uns?“, harkte ich erneut nach. Heikki wandte sich mir zu und sah mich direkt an. Seine Augen strahlten mich an wie eh und je und er lächelte. „Klar doch.“ Seine Hand strich über meine Wange und seine Augen nahmen erneut diesen unglaublich sanften Ausdruck an. „Es ist alles in Ordnung. Du bist meine beste Freundin Anni.“ „Iina“, korrigierte ich ihn prompt und strich seine Hand von meiner Wange.
„Iina, natürlich“, kommentierte Heikki und wandte sich erneut von mir ab. Es schien mir beinahe so, als ob er es bedauerte, dass ich ihn nur als besten Freund haben wollte.
„Heikki, es tut mir leid, wenn ich dir Hoffnungen gemacht habe, aber ich will nur mit dir befreundet sein.“
Heikki lachte. „Iina, ich will doch nichts anderes“, behauptete er, doch seine Augen sprachen eine andere Sprache. „Verdammt, das heute Mittag… ich weiß nicht was da in mich gefahren ist, wahrscheinlich sind meine männlichen Hormone mit mir durchgegangen. Das Einzige was ich weiß ist, dass ich es schön fand und dass ich es nicht bereue. Ich möchte auch nicht, dass unsere Freundschaft dadurch zerstört wird.“
Ich nickte. „Dann ist ja alles in Ordnung“, stimmte ich zu und schenkte somit seinen offensichtlichen Lügen, nur zu gerne Glauben.
Ich war schon auf dem Weg zurück zu Sienna und Kimi, als ich mich nochmal umdrehte und Heikki schelmisch angrinste. „Übrigens… du kannst gut küssen.“
Heikki folgte mir und lachte. „Das Kompliment kann ich nur zurück geben.“ Er legte seinen Arm um meine Hüfte. „Ich bin wirklich froh, dass wir das geklärt haben.“
Ich klopfte ihm auf die Schulter. „Ich auch Heikki, ich auch.“
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