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von D-Rogue
erstellt: 29.04.2009
letztes Update: 20.05.2010
Geschichte, Allgemein / P16
(abgebrochen)
Kapitel 02: Entdeckungen
Ein Feuerball schoss auf Hiead's Pro-Ing zu – zu schnell, um ihm ausweichen zu können. Doch anstelle die Maschine zu beschädigen, drang die Flamme ins Cockpit ein und formte vor den Augen des erstaunten Anwärters einen Vogel.
„Allecto, sind die Ingrids noch in der Nähe?“
„Nein. Sie sind bereits nach G.I.S. zurückgekehrt. Hiead, was..-“
Der Vogel stieß einen Schrei aus und leuchtete auf. Sowohl Pilot als auch Lotsin mussten die Augen schließen, um nicht geblendet zu werden.
Als das Brennen nachließ, öffnete Hiead die Augen. Vor ihm schwebte ein Mädchen, eingehüllt in Licht. Ihre Haare, die sie regelrecht umfluteten, waren türkis verfärbt – eine EX-Reaktion. Sie trug Pilotenkleidung, die in Blut getränkt war, das von unzähligen Wunden auf ihrer gesamten linken Seite herrührte. Arme, Beine, Gesicht waren aufgerissen, auch Bauch und Brust waren verwundet. Langsam ließ das Leuchten nach und sie sank zu Boden seines Cockpits, wo sie bewusstlos liegen blieb.
„Allecto, leite die Landung ein und melde Dr. Croford einen Notfall.“
Ikhny kam seinen Anweisungen sofort nach. Als der Pro-Ing im Hangar anlegte und sich das Cockpit öffnete, hätte sie beinahe losgeschrien. Denn nicht eine Person kam aus der Maschine, sondern zwei: Hiead, in seinen Armen ein Mädchen, das sichtlich lebensgefährlich verletzt war.
Im nächsten Moment glitten die Aufzugtüren auseinander und das Rettungsteam stürzte auf sie zu. Dr. Croford gab ihren Schwestern sofort Anweisungen zur Behandlung, als das Mädchen auf der Trage lag. Keiner stellte Fragen, sie kehrten sofort um in Richtung Krankenstation.
„Hiead“, begann Ikhny zögernd, „bist du verletzt?“
Er wirbelte herum und drängte sie gegen das Geländer des Stegs. Bedrohlich nah baute er sich vor ihr auf, so wie er es schon einmal an ihrem ersten gemeinsamen Tag getan hatte. „Du wirst niemandem etwas erzählen, hörst du? Kein Wort darüber, was du gesehen und gehört hast, ist das klar?“
Angst erfüllt starrten ihre großen braunen Augen ihn an. „J-..Ja.“
Er wandte sich ab. Es tat ihm leid, sie so über die Maßen ängstigen zu müssen, aber weder sie noch irgendwer durfte etwas über ihn erfahren.
Der junge Anwärter hatte schon öfters mit sich gerungen, ob er wenigstens zu seiner Partnerin eine Art Freundschaft aufbauen sollte. Doch dann würden sich auch bald alle anderen anschließen. Wenn er dann einmal einen Freundeskreis hatte, würden sie sicherlich versuchen, einander im Kampf gegen die Victims zu schützen, und dann... Nein, er konnte es nicht riskieren. Es war bereits einmal geschehen und er durfte nicht der Grund für ein zweites Mal sein. Seine Einsamkeit war einen selbst auferlegte Strafe, die er mehr als nur verdient hatte.
#87 war in seinem Zimmer angekommen. Weder Zero noch Clay waren da. Er entledigte sich seiner blutdurchtränkten Sachen und stieg unter die Dusche. Das Wasser war nicht heiß genug, ihn von seinem Schmerz abzulenken.
Hiead betrat die Krankenstation.
Dr. Croford begrüßte ihn. „Ah, du bist es. Wir haben die Blutungen gestoppt und sie stabilisiert. Allerdings können wir sie nicht wieder zusammenflicken, ihr Körper stößt das Atomic ab. So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Sie schüttelte den Kopf. „Erzähl mir, wie das passiert ist.“
„Ich weiß es nicht. Wir haben sie so im Hangar gefunden.“ Der Anwärter richtete seinen kühlen Blick auf die Ärztin.
Diese verstand sofort: Er würde ihr sicherlich nichts erzählen, selbst wenn er etwas wüsste. „Also weißt du gar nicht, wer sie ist?“
„Nein, deswegen bin ich hier.“
Rill drehte sich zu ihrem PC um und öffnete die Akte der Patientin. Hiead las über ihre Schulter hinweg:
#13 Hotaku, Kotori
Alter: 15
Kolonie: R-L-525
Blutgruppe: E0
EX-Wert: 2055
Stufe: 0
Partner: -
Krankenakte/Atomic: -
Die Angaben ähnelten seinen und Zero's. Auch sie hatten kein Atomic im Körper, dieselbe Blutgruppe (wie alle Piloten) und einen EX-Wert von über 2000. Der Durchschnitt lag bei 1000-1300; den höchsten bekannten Wert besaß Teela Zain Elmes, die Pilotin der weißen Göttin, mit 2500.
Sie ist stark und wie Teela in der Lage, ihre Maschine ohne Lotsen zu steuern. Was sie wohl sonst noch für Fähigkeiten besitzt?
Das Bild neben den Daten zeigte ein schönes, ovales Gesicht umrahmt von rubinroten Haaren. Große, ausdrucksstarke Augen in den Blautönen des Ozeans fixierten den Betrachter überlegen.
„Ein außergewöhnliches Mädchen“, kommentierte Dr. Croford.
„Sonst noch etwas?“, fragte Hiead, ohne auf die Aussage der Ärztin einzugehen.
„Ihre Körpertemperatur liegt bei 60°C. Eigentlich müsste sie schon längst zerkocht sein, aber Herzschlag und Atmung gehen völlig normal. Sie ist ein biologisches Wunder. Außerdem ist ihr EX noch immer aktiv, scheint aber nicht außer Kontrolle zu sein.“
Anwärter #87 wandte sich ab. Er hatte genug gehört, was ihm zum Nachdenken zwang.
„Ich werde dich benachrichtigen, wenn sich etwas ändert“, versicherte Dr. Croford.
Zero und Kizna standen im Hangar. Der Testkampf mit Roose war gut gelaufen. Aber die Lotsin fand natürlich trotzdem etwas, worüber sie sich mit ihrem Partner streiten konnte.
„Du musst pfleglicher mit der Maschine umgehen, Zero“, meckerte sie, „Ich brauche immer am längsten für die Reparaturen, obwohl du gewinnst!“
#88 riss die Arme hoch. „Was kann ich denn dafür, dass die Dinger nichts aushalten?!“
Ein Ruck ging durch G.O.A. Kizna verlor das Gleichgewicht und rammte Zero. Der Alarm röhrte los. Sie fielen gemeinsam. Der Hauptcomputer meldete: >>Großangriff der Victims in Zone 6. Alle Einheiten ausrücken. Ihre Lippen trafen sich. Die Zeit schien stillzustehen.
Nach ein paar Sekunden stützte Kizna sich auf dem Boden ab. Eine tiefe Röte tönte ihre Wangen, als sie Zero in die blauen Augen sah.
Eine weitere Attacke erschütterte das Raumschiff. Kizna wurde von ihrem Partner weg gegen das Geländer geschleudert. Zero sprang sofort auf und eilte zu ihr.
„Kizna! Ist alles in Ordnung?“
Sie fasst sich an den Hinterkopf. Ihr Schädel dröhnte.
Er reichte ihr die Hand und zog sie hoch. „Kannst du kämpfen?“
Sie öffnete die Augen. Ihre Sicht war klar und das erwartete Schwindelgefühl blieb aus. „Ja, es geht.“
Die anderen traten aus dem Aufzug und eilten zu ihren Maschinen. Clay lief an ihnen vorbei und rief: „Was braucht ihr beiden denn bitteschön so lange?“
Zero drückte noch einmal kurz die Hand seiner Partnerin, dann wandte er sich ab und stieg in seine Maschine.
Kizna trat an das Kontrollpult und ließ ihre Finger rasend schnell darüber wandern. „Alle Systeme online“, meldete sie sich synchron mit den anderen Lotsinnen.
>>Maschine #85?
„Fertig!“, meldete Roose.
>>Maschine #86?
„Alles klar!“, versicherte Yamagi.
>>Maschine #87?
„Bereit“, erwiderte Hiead.
>>Maschine #88?
„Es kann los gehen, Baby!“, brüllte Zero voller Vorfreude.
>>Maschine #89?
„Startklar“, bestätigte Clay.
Sekunden später befanden sich die Pro-Ings im All. Wie schon zuvor war es ihre Aufgabe, die Victims abzufangen, die die Reihen der Göttinnen und älteren Anwärter durchbrachen.
Lotsin #88 war abgelenkt. Sie konnte noch immer den Kuss auf ihren Lippen schmecken.
„Kizna, ist alles in Ordnung?“, fragte Ikhny ihre Freundin.
Diese schrak zusammen. „Was? Ja, alles klar. Ich bin nur gefallen und habe mir den Kopf gestoßen, als G.O.A. der zweite Angriff traf. Alles halb so schlimm.“ Sie setzte ein Lächeln auf. Doch eigentlich war es schlimm – sehr schlimm sogar! Jedoch galt das nicht dem Pochen in ihrem Kopf, sondern diesem eigenartigen warmen Gefühl, das in ihrem Bauch nistete und ihr Herz schneller schlagen ließ. Als sie vorhin nach dem Kuss in Zero's Augen gesehen hatte, war darin nichts von der sonst so übergroßen Hitzköpfigkeit zu sehen gewesen. Stattdessen hatten sie ihren Blick warm und etwas verunsichert erwidert. Ob er sich gerade auch so fühlt wie ich?, überlegte sie.
„Victim nähert sich auf zwei Uhr!“, meldete Wrecka und riss Kizna so aus ihren Gedanken. Sie konzentrierte sich auf den Kampf. Immer mehr Victims brachen zu den Anwärtern #85-#89 durch. Doch bevor sie die Gruppe erreichten, erklang ein vielfaches schrilles Fiepen und sie explodierten von selbst. Offenbar hatten die Göttinnen den Anführer ausgeschaltet.
„Alle Einheiten zurück nach G.O.A.“, kommandierte Teela, „diesen Kampf haben wir gewonnen.“
Alle Maschinen kehrten zurück zum Mutterschiff. Viele der älteren Anwärter waren verletzt worden, es herrschte ein reges Treiben auf den verschiedenen Leveln der Hangars. Auch Clay hatte eine leichte Verletzung am Bein davongetragen und wurde auf einer Trage weggebracht, als alle Piloten aus ihren Pro-Ings gestiegen waren.
„Wie geht es deinem Kopf?“, fragte Zero, als Team #89 sie passiert hatte. Auch die anderen strebten bereits dem Aufzug zu.
„Eine kleine Beule, nichts weiter“, erwiderte Kizna ohne zu ihm aufzuschauen.
„Das ist gut. Ich will nämlich nicht, dass irgendetwas das Lächeln in deinen Augen trübt, mein Kätzchen.“
Die Ohren der Lotsin zuckten. Hatte er gerade „KÄTZchen“ gesagt? „MEIN Kätzchen“?!?! Sie schaute verwundert zu ihm auf, da trafen seine Lippen erneut auf die ihren und er zog sie in eine feste Umarmung.
Zero war sich nicht sicher, ob er das Richtige tat, aber er musste es – verdammt nochmal – versuchen. Kizna hatte ihn in den vier Monaten, die sie jetzt Partner waren, sehr zu seinem Vorteil verändert. Er hatte den Großteil seiner kindischen Züge abgelegt (zumindest wenn es um den Kampf ging) und hatte eine einfühlsame Seite entwickelt. Genau diese war es gewesen, die ihn eben zu diesem Schritt verleitet hatte. Denn als Kizna ihn vorhin ganz aus Versehen geküsst und er die Röte auf ihren Wangen gesehen hatte, fühlte er deutlich, wie die Bewunderung und Freundschaft zu seiner Lotsin bereits etwas viel Bedeutsamerem gewichen war, was er zuvor nur nicht bemerkt hatte. Jetzt hoffte er nur, sie nicht wie an ihrem ersten Tag vor den Kopf gestoßen zu haben – und natürlich, dass sie auch etwas für ihn empfand.
Kizna's Arme umschlangen seinen Nacken. Einen Augenblick später lösten sie ihren Kuss, doch sie wagte es nicht, ihm in diese unendlich blauen Augen zu schauen. Stattdessen bettete sie den Kopf an seine Brust und schmiegte sich eng an ihn. Er ließ sie nur zu gern gewähren.
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