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von Yasemine
erstellt: 13.04.2009
letztes Update: 04.06.2009
Geschichte, Romanze / P6
(fertiggestellt)
Und wieder ein ganz großes Dankeschön an die Reviewer. Ihr seid toll :)
Noch ein Tipp: Wenn ihr wissen wollt, wie weit ich schon mit der Übersetzung bin, ist es wert, einen Blick auf mein Profil zu werfen.
So, und weiter gehts.
Mein Tag startete mit einem Knall. Wortwörtlich.
Ich war in einem Traum gefangen.
Ich war in einer Zelle, die wie Seers aussah, außer das es hier Licht gab, da ich sie klar und deutlich sehen konnte.
Sie saß in der Ecke, ihrer Ecke, die sie nie verließ. Aber etwas war anders. Sie sah...falsch aus.
Ich eilte an ihre Seite und fühlte ihren Puls. Es gab keinen.
Sie war tot und ich war gefangen in der Zelle mit ihrem toten Körper.
Ich warf mich gegen die schwere Metalltür, die ich schon so oft verschlossen hatte. Sie war verschlossen von Jemandem, der meinen Job hatte.
Ich hämmerte und trat gegen die Tür und schrie, aber niemand kam. Ich war allein. Seer war tot.
Die Lichter gingen aus.
Ich richtete mich zitternd in meinem Bett auf. Da ich mich viel zu schnell aufgerichtet hatte, wurde mir schwindlig und ich mit einem dumpfen Laut zu Boden.
Ich saß da in der Dämmerung mit meinen stillen Schmerzen, bis ich es hörte.
Es regnete.
Ich strampelte die Decke von meinen Füßen und eilte zum Fenster. Ich zog die Vorhänge beiseite und da war es.
Ein öder, dunkler, herrlicher Tag. Ein hoffnungsvoller Regentag.
Ich konnte mich noch zu gut an unser Gespräch erinnern.
„Weißt du, wann ich es tun werde?“- „Nicht wirklich. Ich weiß, dass es regnen wird. Ich konnte es von meiner Zelle aus hören."
Heute regnete es. Es war meine Chance.
Heute war der Tag. Heute würden wir ausbrechen.
-
Ich feuerte mich selbst an, zur Arbeit zu gehen. Heute musste alles problemlos ablaufen ohne jede Störung. Ich musste die Kontrolle übernehmen.
Ich musste die Krankenschwestern davon überzeugen, dass ich in der Lage war, den Patienten das Beruhigungsmittel zu verabreichen. Ich musste derjenige sein, der die Spritze in der Hand hatte.
Es war der einzige Weg Hailey und Seer herauszubekommen.
Sie durften nicht betäubt werden.
Ich benutzte die Autofahrt, um mich zu beruhigen und versuchen Autorität auszustrahlen, doch es schien nicht zu klappen.
Ich fühlte mich lächerlich.
Das große Gebäude tauchte am Horizont auf und ich spürte wie meine Fassade durch meine Nerven zu bröckeln begann. Gott sollte mir helfen. Ich würde es brauchen.
Ich parkte meinen Wagen und mäßigte meinen Atem, als ich das Gebäude betrat. Ein Schauer durchlief meinen Körper, als ich die Tür öffnete und der Geruch von Infektionsmittel mich traf.
Ich hatte bis jetzt nie bemerkt, wie schrecklich dieser Ort roch.
Ich lief direkt zu meinem vorübergehenden Büro, griff Haileys und Seers Akte und ging zum angrenzenden Badezimmer.
Ich ertrank sie in der Spüle und beobachtete wie die Tinte verwischte und in den Abfluss floss.
Sie waren der Freiheit einen Schritt näher gekommen, doch sie hatten noch einen weiten Weg vor sich.
Ich wartete, bis sich die Dokumente in einen Brei auflösten und warf sie dann in den Abfalleimer.
Hoffentlich konnte niemand erkennen, dass es sich um Akten handelte. Heute konnte ich nur hoffen...
Als nächstes musste ich die Krankenschwester überzeugen, dass ich die Patienten betäuben konnte.
Das würde schwieriger werden, weil Zelner den Krankenschwestern verboten hatte, mich in die Nähe der Patienten zu lassen, so lange sie noch nicht betäubt wurden.
Ich atmete tief ein, straffte meine Schultern und drückte die Tür zu ihrem Büro auf.
Schwester Myra schaute von ihrem Papierkram auf.
„Was willst...“, Sie brach ab, als sie meinen Gesichtsausdruck sah. Ich versuchte ruhig zu bleiben und autoritär auszusehen, aber ich hasste diese Frau und hatte Angst, dass sie es von meinem Gesicht ablesen konnte.
„Was kann ich für dich tun?“, fragte sie belegt.
„Ich denke, es ist Zeit für die Injektion.“, sagte ich kühl und sie runzelte die Stirn.
Ich konnte den inneren Kampf auf ihrem Gesicht deutlich ablesen-meine selbstbewusste Forderung gegen Doktor Zelners Anweisungen, als er gegangen war.
„Ich...Ich kann dich es nicht tun lassen. Du weißt, dass ich nicht kann.“, sagte sie und ihre Augen flehten um Verzeihung. Pech für sie, dass ich heute keine Geduld hatte. Ich konnte keine Extrasekunde hier riskieren. Diese Dokumente konnten jederzeit gefunden und der Plan herausgefunden werden. Ich würde gefeuert werden und Seer würde für immer hier fest sitzen.
„Ich bin bereit, Myra. Bitte?“, sagte ich sanft und lehnte mich über ihren Tisch, sodass meine Nasenspitze ihre fast berührte.
Ihr Atem wurde unregelmäßig und sie sah benommen aus.
„Ich...“ Der Rest vom Satz blieb in ihrem Hals. „Ich kann nicht...“ Ich flehte mit meinen Augen und überraschend nickte sie. „Okay.“ Sie atmete aus.
„Vielen Dank, Myra.“, dankte ich ihr sanft und sie schaute wieder ein wenig blass aus.
„Für dich doch alles, Jasper.“, versprach sie und ich verdrehte die Augen. Wie sehr ich sie verachtete.
Ich lächelte und versprach wieder hier zu sein, wenn ihre Runden begannen. Es war fast schon zu einfach, aber es war erst der Anfang.
Ich musste es immer noch mit den starken Männern aufnehmen, welche mir in die Räume folgen würden. Ich musste Hailey und Seer aus ihren Zellen kriegen und dann aus der Institution. Aus dem Staat, oder vielleicht auch nur aus der Stadt.
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Mein Plan nahm von selbst Gestalt an, als ich wartete, bis ich Schwester Myra wieder sehen konnte.
Dann würde es Zeit zum Gehen sein und ich würde nie wieder zurückkehren.
Ich schritt den Flur hinunter und betrat Myras Büro, nur um sie, eine zweite Krankenschwester und die zwei starken Männer vorzufinden.
„Hi Jasper!“, rief Myra und winkte mit einem breitem Lächeln auf ihrem Gesicht. Die zweite Schwester, Joanne, hob eine Augenbraue, als sie Myras Reaktion über meine Anwesenheit bemerkte.
„Du machst heute mit uns unsere Runden, Jasper?“, fragte Joanne und die Muskelprotze starrten mich zornig an.
„Nein, heute mache ich die Runden allein, nicht wahr Myra?“
Myra nickte natürlich, doch Joanna schaute mich hochnäsig an.
„Ich habe strikte Anweisungen von Doktor Zelner dich im Auge zu behalten, genau wie sie.“ Sie deutete auf die zwei großen Männer hinter sich.
„Du kannst die Medizin handhaben, aber wir schauen dir dabei zu.“
Das war eine unvorhersehbare Komplikation.
„Ihr werdet mir nur im Weg stehen.“, sagte ich überheblich und sah flehentlich zu Myra.
„Vielleicht könntet ihr ihn nur für ein paar Patienten überwachen. Dann könnt ihr sehen, ob er den Bogen raus hat.“, schlug sie vor.
Joanne schaute sie scharf an, doch Myra war genau so ihr Boss, wie Doktor Zelner.
„Fein!“, zischte Joanne. „Wir werden dich bei drei Patienten beobachten. Aber wenn du nur einmal ausrutscht...“ Sie ließ ihre Drohung offen, doch ich wusste, was meine Konsequenz war, wenn ich nur einen Fehler unter ihrer Aufsicht machte.
Ich wäre am Ende...
„Fein!“, stimmte ich zu und versuchte meine Nervosität zu verstecken. Sie schien über mein Selbstvertrauen überrascht, aber gestikulierte spöttisch, dass ich voran schreiten sollte.
Ich drehte auf dem Absatz um und eilte zum Endflügel hinunter.
Den ganzen Weg betete ich, dass ich kurz vor meinem Ziel nicht entdeckt wurde.
Wir stoppten vor der ersten Tür, welche die Zellentür von einem hirntoten Patienten war.
Er hatte einen Arbeitsunfall gehabt und war seitdem nie wieder aufgewacht.
Joanne reichte mir die Spritze und ich trat ein.
Der Mann, bekannt als Blank, lag auf seiner Liege, vollkommen ruhig, wie immer.
Ich näherte mich ihm langsam, da ich Angst hatte, dass er auf einmal aufspringen und mich angreifen würde.
Ich warf einen Blick zurück und sah, wie Joanne jeden meiner Bewegungen mit wachsamen Augen durch den Metallspalt beobachtete.
Ich nahm einen tiefen Atemzug, steckte die Nadel in seinen Arm und flößte ihm die Medizin ein. Ich wartete auf eine Reaktion seinerseits, doch nichts geschah.
Er lag immer noch bewegungslos auf der Liege, als ob nichts geschehen wäre.
Es stärkte mein Selbstvertrauen, dass ich die erste Hürde geschafft hatte und ich reichte Joanne die leere Spritze.
Sie gab mir die Nächste und ich öffnete die zweite Tür.
In diesem Zimmer lebte Child, der Mann, der die mentale Kapazität eines kleinen Kindes hatte.
Doktor Zelner hatte nie herausgefunden, was die Ursache dafür war, aber wir alle wussten, dass es eine schreckliche Tragödie war.
Ich wünschte, ich könnte auch ihn retten, aber keiner würde dafür geeignet sein ihn in der richtigen Welt zu unterstützen.
Wie konnte jemand verstehen, dass ein 40-jähriger, ausgewachsener Mann handelte wie ein sieben Jahre altes Kind?
Der Mann saß mit überkreuzten Beinen auf den Boden und spielte mit hölzernen Bausteinen.
Er baute eine Pyramide und stieß sie dann mit der Hand wieder um.
Die Steine schlugen auf dem Boden auf, als ich mich ihm näherte.
Er hob seinen Blick und sah mich mit weiten, kindlichen Augen an.
Mein Herz schmerzte. Ich konnte es nicht tun. Aber ich musste
.
„Möchtest du spielen?“, fragte er und hielt einen Baustein hoch, auf dem mit roter Farbe ein K. gemalt war.
Ich schüttelte den Kopf und kniete mich neben ihn, während ich ihn so von Joannes Sicht abschirmte.
„Es tut mir so Leid.“, murmelte ich und er legte verwirrt den Kopf schief.
„Für was?“, fragte er und vorsichtig stach ich ihm die Spritze in den Arm.
Er krümmte sich nicht sondern hielt meinem Blick stand, bis seine Augenlieder zufielen.
„Für das.“
Ich zog die Nadel heraus und trug den Mann, der wegen seiner Größe sehr schwer war, zur Liege.
Danach verließ ich den Raum und gab die leere Spritze Joanne, bevor ich meinen Weg fortsetzte.
Gerade als ich an der leere Zelle neben Childs vorbei gelaufen war, spürte ich, wie sich ihre Hand um meinen Oberarm schloss.
„Du hast jemanden vergessen.“, sagte sie und zog mich zurück zu dem leeren Zimmer.
„Niemand ist dort drin.“, sagte ich, doch sie schüttelte ihren Kopf.
„Heute wurde jemand Neues eingewiesen. Ich denke, du bist die Büroarbeit nicht durchgegangen.“
Ich spannte meinen Kiefer an und griff nach der nächsten Nadel.
„Spritze nur noch dem Mann die Medizin ein und wir lassen dich allein.“, sagte sie und ich betrat den Raum, begierig darauf, dass sie danach verschwinden würde.
Ein Mann saß auf der Liege und hatte seinen Kopf in den Händen vergraben.
Als er mich hörte, schaute er mit einem wilden Blick in den Augen auf.
„Ich weiß, was du denkst. Du denkst, ich bin verrückt. Aber ich schwöre, dass ich es nicht bin.“, sagte er und seine Augen flehten gerade zu danach, dass ich ihm Glauben schenken würde.
„Ich bin sicher, dass sie es nicht sind, Sir. Aber ich muss ihnen dies hier verabreichen.“, sagte ich, während ich mich ihm langsam näherte. Etwas ging mit ihm vor und ich war misstrauisch.
„Nein, du glaubst mir nicht. Ich schwöre, dass ich normal bin. Sie haben mich missverstanden, als sie mich fragten, warum ich mich in dem Wald aufhielt. Ich war nur dort, weil ich gerade mitten in einem Lauf war. Ich habe nicht bemerkt, dass ich das ‚Gebiet der Menschen‘ betreten hatte. Ich war zu beschäftigt, als ich mit meinen Brüdern geredet habe.“, sagte er ruhig und glaubte jedes Wort davon, was er erzählte.
„Was meinst du mit ‚Gebiet der Menschen‘?“
Das Gesicht des Mannes lief rot an.
Er stand auf und zitterte vor Wut.
„Machen Sie mich nicht wütend. Sie würden es nicht mögen, wenn ich wütend werde.“, knurrte er.
„Sir, bitte beruhigen Sie sich.“
„Sag mir nicht, dass ich mich beruhigen soll. Ich werde es dir zeigen! Schau mich nur an; Ich werde dich in meiner Wolfsform in Stücke reißen!“
Er knirschte mit den Zähnen und konzentrierte sich.
Ich nahm dies als die einzige Chance wahr und stürmte vorwärts. Ich stach ihn mit der Spritze und flößte ihm die Dosis ein.
Er riss seine Augen auf und griff nach mir. Ich wurde schmerzvoll nach hinten geschleudert.
Der Mann riss die Nadel aus seinem Arm und fiel zu Boden.
Ich zog ihn auf die Liege, während Joanne Frank gerufen hatte, der nun die Scherben der Spritze zusammenfegte.
„Gut, du kannst jetzt alleine weiter machen. Möchtest du, dass Barry und Louis mit dir kommen?“
Mein Blick fiel auf die beiden Muskelprotze.
„Nein, danke.“
Die Drei und Frank verabschiedeten sich und ließen mich mit den Spritzen im Zimmer zurück.
Kaum waren sie um die Ecke verschwunden, lagerte ich sie in Blanks Zelle, da er sich mit ihnen nicht selbst verletzen konnte.
Ich eilte den Flur hinunter, zu Haileys Zelle und riss die Tür auf.
Sie starrte aus dem Fenster in die Dunkelheit.
„Auf geht’s.“, sagte ich und sie begann zu strahlen.
„Ist heute der Tag?“
„Ja, jetzt lass uns zu Seer gehen.“
Hailey ging behutsam aus dem Zimmer und begutachtete enthusiastisch den Flur. Sie war noch nie aus ihrer Zelle gewesen. Alles war neu für sie.
Ich ließ sie die Ziegel untersuchen, während ich zu Seers Raum rannte.
Ich öffnete die Tür und eilte an ihre Seite.
„Es ist Zeit.“, erklärte ich ihr und sie wimmerte. Sie schaute...zögernd aus. „Seer?“
„Jasper...Ich weiß nicht, ob ich kann.“
„Was meinst du?“ Ich runzelte die Stirn und mein Selbstbewusstsein zerstreute sich.
Eine Träne rollte an ihrer Wange hinunter, aber sie wischte sie nicht weg und ich war für Moment bewegungsunfähig um es selbst zu tun.
„Du verstehst es nicht.“, weinte sie, doch sie sah nicht aus, als ob sie es erklären wollte.
„Sag mir warum. Bitte.“, flehte ich aus tiefstem Herzen. Ich empfand etwas für sie, was ich weder erklären noch identifizieren konnte.
Und mein Herz fühlte sich gerade an, als würde es reißen.
„Ich kann nicht...“
„Ich weiß, warum.“, sagte Hailey, als sie an der Tür erschien. „Du bist süchtig, oder?“
Alice schaute überrascht auf. Tränen bedeckten ihre blauen Augen.
„Wie...?“
„Ich konnte hören, wie sie darüber geredet hatten, als sie meine Zelle verließen. Es war der erste Tag einer Krankenschwester und sie fragte, warum sie dem kleinen Mädchen dieselbe Dosis verabreichten, wie dem großen Mann, der neben mir lebt.“
Sie hatten Seer überdosiert, so dass sie sich nicht bewegen konnte und langsam davon abhängig wurde.
Sie könnte niemals flüchten, auch wenn sie wieder ‚geheilt‘ werden würde.
„Ist das der Grund, warum du dich nie bewegst?“, fragte ich und sie nickte.
„Ich denke nicht, dass ich es nie mehr kann.“, sagte sie. „Aber ich weiß, dass ich nicht ausbrechen kann.“
„Du willst hier bleiben?“, fragte ich ungläubig. „Er schlägt dich.“
Ich zog ihr Top hoch und entblößte die blauen Flecken an ihrer Seite.
„Du musst von einem richtigen Doktor untersucht werden.“
Hailey nahm Seers Hand.
„Ich weiß, dass es schwer ist, aber es ist es wert. Das denke ich schon, und dabei habe ich nur den Flur gesehen.“
Ich bemerkte, wie nützlich es war, Hailey dabei zu haben. Sie konnte Seer helfen loszulassen, da sie die gleichen Erfahrungen teilten.
Ich konnte mich nicht mit ihnen vergleichen. Ich bin aufgewachsen und habe fast alles bekommen, was ich wollte. Meine Eltern ging es gut und ich war ein Einzelkind.
„Es wird so schwer...“, wisperte Seer und Hailey zeichnete Kreise auf ihre Hand.
„Aber Jasper wird hier sein um zu helfen.“
Ich wollte sie berühren: ihre Wange streicheln, ihre Hand küssen, alles...Alles was nicht platonisch war. Aber ich konnte nicht-noch nicht jedenfalls. Ich durfte sie nicht verschrecken. Aber ich würde meine Chance bekommen.
Ich würde sie retten.
Ihre Augen begannen ihren Fokus zu verlieren.
„Okay.“, wisperte sie, als sie um ihr Bewusstsein kämpfte. „Aber jemand wird mich tragen müssen.“
„Das mache ich.“, sagte ich und hob sie so sanft wie ich konnte auf meinen Arm.
„Ich werde dich wiedersehen, wenn ich aufwache.“, sagte sie leise und lächelte mich auf eine Weise an, die mein Herz schmerzen ließ.
Ihre Augen verloren ihren Fokus und ihr Körper wurde schlaff.
„Ist sie okay?“, fragte Hailey, als sie aufstand.
„Ihr geht es gut. Lass uns gehen.“ Ich verließ den Raum schnell und Hailey folgte mir, bevor sie Seers Zellentür zum letzten Mal schloss.
Nun mussten wir Ausgang finden, und zwar schnell.
Ich blieb nutzlos mit Seer in meinen Armen stehen.
„Hast du keinen Plan?“, fragte Hailey und ich schüttelte den Kopf.
„ In meinen Plänen bin ich nur bis hierhin gekommen.“
Sie seufzte und inspizierte den langen Korridor.
„Gibt es einen Hinterausgang?“
Ich schüttelte den Kopf: „Nein, Patienten könnten dadurch fliehen.“
Sie stieß ein dunkles Lachen aus und schaute den Flur herab.
„Gibt es hier einen Platz, wo die Leute ihre mental Instabilen Angehörigen besuchen können?“, fragte sie langsam.
„Sicher. In dem ambulanten Raum im Obergeschoss.“
„Und wo hast du die Spritzen hingetan?“
„Im ersten Raum auf der linken Seite.“
„Hast du die Schlüssel für die Räume?“
„Was hast du mit ihnen vor?“, fragte ich, als Hailey vor dem ersten Zimmer auf der linken Seite stehen blieb.
„Du wirst dir fünf Spritzen besorgen und dann werden wir in das ambulante Zimmer gehen. Dort werden wir einen Mann, eine Frau und hoffentlich ein Mädchen betäuben. Wir werden ihre Kleidung nehmen und wir werden aus dem Krankenhaus gehen, während wir vortäuschen eine Familie zu sein. Verstanden?“, knurrte sie.
„...Ja?“
„Gut, jetzt schließ die Tür auf, Jasper, damit wir endlich aus diesem gottverdammten Ort können.“
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Die Spritzen zu bekommen, war einfach. Ich schloss die Tür auf und Hailey nahm sie an sich, während Seer die ganze Zeit in meinen Armen lag und mit ihren Gedanken weit weg war.
Überraschenderweise war es einfach zum Treppenhaus zu kommen.
Ich wiegte Seer in meinen Armen und Hailey lief zwischen mir und der Wand, sodass die Leute sie erst nicht bemerken würden.
Wir huschten an Schwester Myras Zimmer vorbei, dessen Tür glücklicherweise zu war, mit ihr darin.
Wir stiegen behutsam die Treppen hinab. Ich lief voran um nach Wachen Ausschau zu halten, während Hailey vorsichtig die Nadeln in ihrer Hand hielt.
Wir hatten eine ganze Glückssträhne im ambulanten Flügel.
Im ersten Zimmer saß ein Patient mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester.
„Was machen Sie hier?“, fragte die Mutter.
„Hallo, mein Name ist Jasper und ich bin Angestellter hier. Das ist Hailey und das ist Mary.“
„Geht es Mary gut?“, fragte der Vater mitleidig und ich hasste es, dass wir sie betäuben mussten.
„Ihr geht es gut. Sie ist nur müde.“
In einer Hand versteckte Hailey vier von den Spritzen und der anderen hielt sie eine.
„Schwester Hailey verabreicht ihm nun die letzte Impfung und dann können Sie gehen. Mary bekommt dann dieses Zimmer.“, log ich mit einem schuldfreien, autoritären Gesicht.
Die Familie lächelte mich und vertraute mir. Ich war eine furchtbare Person.
Hailey spritzte dem Patienten die halbe Dosis ein. Ich setzte Seer vorsichtig auf der schmalen Couch ab und nahm Hailey zwei Spritzen ab.
„Es tut mir Leid.“, sagte ich und betäubte die Mutter und die Tochter mit der halben Dosis. Hailey tat es mit dem Vater und bevor jemand von ihnen einen Laut ausstoßen konnte, waren sie ausgeschaltet.
„Fühl dich nicht schlecht. Ihnen wird es gut gehen.“, versicherte Hailey mir, als sie begann die Mutter auszuziehen. Ich tat es ihr nach.
Schnell trug die Mutter Haileys Gefängniskleidung und Hailey ein blaues Kleid.
Der Vater hatte meine weiße Hose und das kurze Tanktop an, während ich seine braune Hose und einen weinroten Pullover trug.
Ich fühlte mich wirklich schuldig, als ich sah, wie das kleine Mädchen Seers Klammotten trug, während Seer ein pinkes Kleid an hatte, welches ihr gut passte. Aber ich beachtete es nicht wirklich.
Ich sah ein letztes Mal in das Zimmer, nahm Seer wieder in meine Arme und wir setzten unseren Weg fort.
„Ich bin ein schrecklicher Mensch.“, murmelte ich, während wir die Treppen hinabstiegen.
„Nein bist du nicht. Und jetzt sei leise und spiele meinen Ehemann.“, sagte Hailey und hakte sich bei mir ein.
„Mir ist nicht wirklich wohl dabei.“, sagte ich, als ich unsere vertraute Pose beäugte.
Abrupt stoppte sie und ich wäre fast die Treppen hinunter gefallen.
„Meinen Ehemann zu spielen?“, fragte sie skeptisch.
Ich nickte und sie fauchte: „Ich mag dich nicht so! Weißt du warum ich eingewiesen wurde? Weil eine blöde Becky meinen Verlobten mochte. Sie schickte mich in diese Hölle und sie konnte ihn für sich alleine haben.“
Ihr Gesicht war gerötet und ihre Augen zusammen gekniffen.
„...Tschuldigung?“
„Ist schon gut.“, schnaubte sie und wieder wurde ich weiter gezogen.
Sie verlangsamte ihre Schritte, als wir die Lobby erreichten. Auf dem fleckenlosen Linoleum konnte man nur zu gut, die Fußabdrücke sehen, die wir hinterlassen hatten.
Die Zellen waren dreckig und führten direkt zu dem Ort, wo wir gewesen waren.
Glücklicherweise hatten wir nun saubere Schuhe an, unglücklicherweise führte die Spur genau zu der bewusstlosen Familie.
Ich warf einen Blick zu Hailey, die Panik bekam.
„Wenn wir schnell genug hier rauskommen, werden sie keine Zeit haben unserer Spur zu folgen.“, zischte ich.
Wir hielten unsere Köpfe gesenkt und Hailey drehte Seers Kopf so, dass er an meiner Brust versteckt wurde.
Sie begann sich zu regen.
Wir liefen so langsam wie wir konnten an dem Hauptbüro vorbei, versuchten unter dem Radar hindurch zu tauchen und plötzlich waren wir draußen.
Wir waren draußen, in dem kalten, dunklen Regentag.
Hailey lachte und rannte die Treppe mit ausgebreiteten Armen hinunter. Sie kicherte, als der kalte Regen sie ins Gesicht traf.
Ich begann die Treppen hinunter zu gehen und Seer kam zu sich, als der Regen ihren Körper berührte.
„Wir sind draußen.“ , wisperte sie und ihre großen, blauen Augen schauten in den Himmel. Sie war immer noch gelähmt. Die Medizin befand sich immer noch in ihrem Körper.
„Wir haben es geschafft.“, sagte sie und ihr darauffolgendes Lächeln war engelhaft.
„Wir sind frei.“, lachte Seer und hob ihren Kopf gen Himmel.
„Ich denke ich brauche einen Namen. Seer kann man mich nicht in der Öffentlichkeit nennen.“, sagte sie nachdenklich.
„Hast du schon eine Vorstellung?“
„Nicht Mary. Aber vielleicht mein Zweitname. Alice.“
Ja, Alice passte perfekt.
„Hallo, Alice, wie geht es dir.“, sagte ich höflich und mein Akzent machte sich schon wieder selbstständig.
„Sehr gut, Jasper. Danke!“
Nun war das einzige, was ich noch tun musste, ihr zu zeigen, wie sehr ich sie liebte.
Für alle, die denken, dass der Satz etwas abschließend klingt... der liegt gar nicht mal so daneben.
Jetzt ist erstmal Schluss mit Jaspers Sicht. Jetzt ist Alice dran ;)
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