Geschichte: Fanfiktion / Bücher / Bis(s) / In the Dark
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von Yasemine    erstellt: 13.04.2009    letztes Update: 04.06.2009    Geschichte, Romanze / P6    (fertiggestellt)
War ich die Einzige, die Probleme hatte heute zur Schule zu gehen?
Nach 2 Wochen lang Ferien, sehnte ich mich gerade zu einfach meine Sachen zu packen und wieder zu verschwinden.
Aber irgendwie habe ich es wohl doch überstanden (was wahrscheinlich an dem schönen Wetter lag, welches mir gute Laune verschafft hatte ;) )


Danke, danke, danke für die lieben Reviews.
Ich und paper.creations freuen uns riesig.

Und hier geht es schon weiter...

Eine kleine Warnung noch: Das nächste Kapitel kommt noch diese Woche, allerdings eher am Wochenende. Gerade weil Schule ist, habe ich nicht mehr so viel Zeit zu übersetzen. Ich hoffe ihr seid mir deswegen nicht böse ;)





Es war jetzt schon eine Woche vergangen, seit ich die Krankenschwester in Aktion erlebt hatte.
Und ich hatte immer noch keinen Plan.
Was konnte ich tun, um die Patienten zu retten?
Wenn ich versuchen würde einen Ausbruch auszuführen, würde ich einige Menschen zurücklassen müssen, denn einige –höchstwahrscheinlich Anger- könnten und würden harmlose Schaulustige verletzen.
Aber ich konnte sie nicht hier zurücklassen. Ich seufzte wütend über meine vollkommene Nutzlosigkeit.

Ich stürmte den Korridor hinunter –Ich begann wieder einen neuen Tag an diesem unerträglichen Ort- und wurde von keinem anderen aufgehalten, als von dem berüchtigten Doktor Zelner.
„Hallo, Doktor Zelner.“, begrüßte ich ihn durch zusammengebissene Zähne.
Er lächelte mich an, legte einen Arm um meine Schulter und führte mich in Richtung seines Büros.
„Jasper, mein Junge, wie gefällt dir deine Position hier in dieser schönen Einrichtung?“
Ich schloss schnell meinen Mund um zu verhindern, dass mir einige Sachen herausrutschten, die allesamt mit meiner Kündigung und Schimpfwörtern zu tun hatten.
Stattdessen lächelte ich ihn an.
„Sie ist wundervoll, Doktor Zelner.“
Er bemerkte nicht, dass meine Stimme vor Lüge und Falschheit triefte.

Zelner öffnete die Tür zu seinem Büro und meine Augen wanderten automatisch zu dem großen, hölzernen Schrank, der voll von den Akten der Patienten sein musste. Meine Finger juckten, sie öffnen zu können.
Doktor Zelner ließ seinen Arm fallen und setzte sich hinter seinem Schreibtisch.
Ich nahm auf dem gegenüberliegenden Sitz Platz und wackelte unruhig umher, als ich bemerkte, dass er mich über seine zusammengelegten Finger beobachtete.
Oh Gott, er hatte gehört, dass ich die einzige Regel gebrochen hatte.
„Ich bin sicher, du wunderst dich warum du hier bist, Jasper.“, begann Doktor Zelner. „Viele von den anderen Angestellten denken, dass du nicht geeignet für deinen derzeitigen Job bist.“
Verdammt.
„Wirklich? Ich dachte, ich erledige meinen Job ganz okay.“, antwortete ich mit schwacher Stimme. Zelner lehnte sich nach vorne und stützte seine Arme auf die Tischplatte.
„Nun, sie waren anderer Meinung.“, sagte er finster und meine Gedanken begannen zu rasen. Ich würde Seer nie wieder sehen. Ich würde den Patienten nie helfen können zu entfliehen. Ich war gescheitert.
Plötzlich begann Doktor Zelner zu lachen. Es war kein regelmäßiges Lachen, sondern ein Wahnsinniges.
Oh mein Gott, das gesamte Irrenhaus war irre.

„Dein Gesicht!“, brachte Doktor Zelner zwischen seinem Lachen heraus. Sein Kopf war bereits ganz rot geworden.
Nach gefühlten Stunden hatte er sich endlich wieder eingekriegt.
Er streckte sich in seinem Ledersessel und glättete die Falten in seinem weißen Kittel.
„Was ich meinte war, dass deine Mitarbeiter denken, dass du alle deine dir gegebenen Aufgaben erfüllt hast. Mit vielen Überlegungen habe ich entschieden, dass du eine Beförderung verdienst.“
„...Nach nur fünf Tagen?“, fragte ich zweifelnd.
„Nein, du bist seit zwei Wochen bei uns.“, korrigierte er mich.
„Nein, ich war für anderthalb Wochen bei meiner Mutter.“
Er runzelte gedankenverloren die Stirn und zuckte dann mit den Schultern.
„Oh, okay.“
Ich starrte ihn ausdruckslos an, doch meine Gedanken rasten mit bahnbrechender Geschwindigkeit durch meinen Kopf.
Eine Beförderung. Vielleicht könnte mir das in meinem Vorhaben helfen.
„Freust du dich denn gar nicht?“, fragte er und seine Mundwinkel zogen sich etwas nach unten, wie bei einem Kind, welches sein Lieblingsspielzeug weggenommen wurde.
„Doch, ich freue mich sehr. Vielen Dank, Sir.“
Seine Mundwinkel hoben sich wieder.
„Du musst mich nicht ‚Sir‘ nennen, mein Junge. Nenn mich nur Mortimer. Mort ist
short (A/N: kurz^^).“ Er kicherte. „Das reimt sich sogar!“
Ich saß vollkommen verblüfft da. War jeder an diesem Ort verrückt?
„Was würde meine Aufgabe sein?“, fragte ich ungeduldig. Dieser wahnsinnige Mann hielt mich von meinen Pflichten ab, die ich noch erledigen musste, bevor ich Seer besuchen konnte.
„Du würdest mein neuer Assistent sein.“, kündigte er fröhlich an und ich scheiterte bei dem Versuch, einen Vorteil darin zu erkennen.
„Und was würde ich tun, als Ihr...Assistent?“
„Nun, ich verlasse für zwei Wochen die Stadt. Du vertrittst mich dann.“
Ich hatte meinen Vorteil.
„Das kling fantastisch, Mort.“, sagte ich.
Zelner strahlte wie ein begeistertes Kind. „Ich dachte mir schon, es würde dir gefallen.“


Der restliche Tag verflog, während ich Papierkram erledigte und Glückwünsche entgegen nahm. Ich versuchte so freundlich wie möglich zu sein, da diese Menschen mir geholfen hatten meinem Ziel ein Stück näher zu kommen, doch am Ende des Tages war meine Geduld so gut wie verflogen.

Es war eine große Erleichterung, als ich endlich den Pausenaufenthaltsraum verlassen und meine Runde durch den Flur machen konnte, welchen ich nun als Endflügel kannte.
Normalerweise würde ich nur kurz in die Räume hineinspähen, doch ich fühlte mich verpflichtet einen kleinen Stopp bei Hungry einzulegen.
Die letzte Woche hatte sie in einem intensiven Pflegeraum verbracht und heute war sie wieder in ihre Zelle zurückgekehrt.
Ich öffnete den Metallspalt und warf einen Blick in das Zimmer, nur um Hungry zu sehen, die  aus ihrem kleinen Fenster starrte.
„Bist du okay?“, fragte ich und sie drehte sich um, um mich ansehen zu können. Ihre Wangen waren eingefallen und ihr langes, blondes Haar war strähnig.
„Als ob es dich interessieren würde.“, fauchte sie und wandte sich um, um wieder sehnsuchtsvoll aus dem Fenster schauen zu können.
„Ich habe gesehen, was sie getan haben.“, wisperte ich und sie spannte sich an.
„Na und? Das tun das doch immer.“, grummelte sie, doch Schmerz lag in ihrer Stimme.
„Ich wusste nicht, dass sie das machen. Es tut mir Leid.“
Sie rauschte zur Tür und ihr Gesicht war plötzlich sehr nah an meinem. Ihre braunen Augen fixierten mich.
„Dann lass mich hier raus.“, bat sie und dummerweise nickte ich.
„Ich werde es versuchen, aber jetzt kann ich es noch nicht.“
„Du lässt uns wirklich hier raus?“, fragte sie und ihre Augen wurden tellergroß.
„Ja, ich verspreche es. Ich werde dich hier irgendwie rausbekommen.“
„Du wirst deinen Job verlieren.“, warnte sie mich und ich schnaubte.
„Warum sollte mich das kümmern? Dieser Ort ist abscheulich.“
„Danke.“, wisperte sie und wollte sich wieder zum Fenster drehen, doch ich musste noch etwas über sie wissen.
„Wie heißt du, wenn ich fragen darf?“
Sie stieß einen Seufzer aus und setzte ihren Weg fort.
„Hailey.“, seufzte sie.
Ich schloss leise den Spalt, sodass ich sie nicht mehr störte.
Ich würde Hailey und Seer befreien. Davon war ich überzeugt.

Endlich erreichte ich Seers Tür und leise klopfte ich. Auf meinem Weg zu ihr hatte ich versucht, mit allen Patienten zu sprechen, aber nur Hailey hatte geantwortet.
Sie schien neben Seer die einzige Normale an diesem Ort zu sein.
Anscheinend konnte ich nur zwei retten.
„Komm rein!“, hörte ich sie schwach von der anderen Seite der dicken Metalltür und ich öffnete sie. Licht fiel auf die arme Seer.
Sie schaute schlimmer aus als sonst und ich eilte an ihre Seite.
„Bist du okay?“, fragte ich. Sie atmete tief ein und nickte. Ich hockte mich neben sie.
„Ich bin nur gelangweilt.“, seufzte sie und ließ ihren Hinterkopf gegen die Wand schlagen.
„Ich versuche einen Ausbruch zu planen.“, wisperte ich und sie lächelte mit geschlossenen Augen.
„Ich weiß. Ich habe es gesehen.“
„Kriege ich dich hier raus...“
„Dein Plan wird erst noch in die Wege geleitet.“, sagte sie geheimnisvoll. Sie runzelte die Stirn. „Irgendetwas fehlt...“
Sie saß immer noch in derselben Position, wie jeden Tag.
Sie zog ihre Augenbrauen zusammen, als sie versuchte die Zukunft zu bestimmen.
Ich beobachtete sie vorsichtig. Ihre Arme und Beine waren fast nur Haut und Knochen. Ihre Haut war schneeweiß, aber ich wusste nicht, ob es an dem fehlenden Sonnenlicht lag oder ob es natürlich war.
Sie schien, als ob sie immer weiter abdriftete und ich musste schnell handeln.

Seer riss ihre Augen vor Panik weit auf.
„Was wird geschehen?“, fragte ich sanft. Ich wollte meine Hand auf ihren Kopf legen-um sie zu berühren- doch ich war zu feige.
Ihr Gesicht verdüsterte sich, aber ich konnte immer noch Angst in ihren Augen erkennen.
„Es ist nichts. Alles wird nach Plan verlaufen.“, versicherte sie mir, doch die Art, wie sie es sagte, machte mich nervös.
Etwas würde schief gehen.
„Weißt du, wann ich es tun werde?“, fragte ich und sie dachte nach.
„Nicht wirklich. Ich weiß, dass es regnen wird. Ich konnte es von meiner Zelle aus hören.“, sagte sie wehmütig.“
So lange ich sie hier rausbekommen würde, war alles gut.
Die Geräusche von den Krankenschwestern kamen näher und ich stand auf.
„Ich sehe dich morgen.“, sagte sie und schaute mit ihren blauen Augen in meine Braunen.
Ich lächelte und verließ sie.
Doch bevor ich die Tür zuschloss, konnte ich sie noch flüstern hören: „Mal sehen, ob du mich dann auch noch retten willst...“




Die ganze Nacht hatte ich mich gefragt, was sie damit meinte. „Mal sehen, ob du mich dann auch noch retten willst...“
Warum sollte ich meine Meinung ändern? Ich lieb...
„Jasper, mein Junge, da bist du ja!“, stoppte Doktor Zelner meine Gedankengänge.
Wie konnte ich jemanden lieben, denn ich kaum kannte?
Aber ich hätte schwören können, dass ich dieses Gefühl gestern in ihrer Zelle gefühlt hatte...
„Morgen werde ich abreisen. Also zeige ich dir heute meine Vorgehensweise.“, kündigte er an und führte mich zu seinem Büro.
Ich konnte Seer nicht lieben. Das war unmöglich. Unwahrscheinlich.
Wir betraten den kleinen Raum, den er Büro nannte. Er schloss die Tür und ich fühlte mich gefangen.
Das Zimmer schien um mich zu schrumpfen.
Doktor Zelner lenkte meine Aufmerksamkeit auf den hölzernen Schrank.
„Das sind alle Aufzeichnungen der Patienten. Sie enthalten die Auflistungen der Medikamente, die Grundinformationen und die Vorgänge der Behandlungen hier in Brookfield.“
„Wie sind sie geordnet?“
„Alphabetisch. Ausgehend vom Nachnamen.“
Ich würde Seers Akte schnell finden, doch Haileys wäre schwieriger.  Ihren Nachnamen kannte ich nicht.
Doch ich würde  sie hier rausbekommen, da war ich sicher.
Aber nicht, weil ich Seer liebte. Sondern weil ich sie nicht liebte.

Vielleicht auch nur ein bisschen...

-


Ich war wirklich überrascht wie wenig der Doktor zu tun hatte.
Ich hatte jedoch nie einen Moment, wo ich unbemerkt die zwei Akten hätte nehmen und verschwinden lassen können.
Aber es machte nichts, dass ich sie nicht heute bekam. Ich würde genug Zeit haben, sie zu überfliegen, wenn Zelner einmal abgereist wäre.
Wir gingen in den Aufenthaltsraum um zu essen und aus Gewohnheit stand ich danach auf, um die Patienten zu kontrollieren, bevor die Krankenschwestern ihre Runden drehten.
„Was machst du?“, fragte Doktor Zelner.
„Ähm...Die Patienten kontrollieren?“
„Nein, ich habe einen Ersatz für dich gefunden, während ich weg bin.“
Er klopfte auf den Stuhl neben sich.
Na toll!
„Du begleitest mich bei meinen Runden. Du kannst in meiner Abwesenheit natürlich nicht die psychiatrische Hilfe geben, deshalb sollen die Krankenschwestern den Patienten nur die Dosierung verabreichen, bis ich wieder komme. Alles was du tun musst ist, nachzuschauen, ob danach alle wohlauf sind.“
Ich nickte schwach und wartete ungeduldig darauf, dass er begann seine Runden zu drehen.
Wir warteten, bis die Krankenschwestern und ihre starken Männer den Raum betraten. Alle sahen mit ihren triumphierenden Gesichtsausdrücken aus, als ob sie gerade aus dem Krieg gekommen wären.
Der ganze Ort machte mich krank!
Doktor Zelner erhob sich.
„Zeit zu gehen.“, sagte er und ich seufzte vor Erleichterung. Vielleicht würde es gar nicht so schlimm werden. Er war ein Doktor! Sie waren dazu ausgebildet, um Patienten zu helfen. Und Seers Gesicht noch einmal zu sehen würde natürlich den ganzen Tag viel schöner erscheinen lassen.



Das Wort ‚Entsetzen‘ war eine Untertreibung. Ich konnte nicht glauben, was geschehen war. Ich wollte es nicht.
Vergesst die Beförderung, ich will sie nicht. Ich wollte wieder naiv werden.
Doktor Zelner war ein Monster. Er konnte kein Doktor sein. Kein Doktor würde Hungry dazu zwingen, zu essen. Ein richtiger Arzt würde Anger nicht schlagen, um zu zeigen ‚wie es sich anfühlt‘.
Ich hatte Angst zu sehen, was er mit Seer anstellen würde.
„Ich lass sie hier im Dunkeln, damit sie eine Art von Sicht verliert.“, informierte mich Zelner, als er die Tür aufschloss. Ich schluckte und folgte ihm in die Zelle.
„Wie geht es dir heute 19-5-8-5-18?“, fragte er, schaute auf sie herab und hatte seine Hände in seinem Rücken verschränkt.
Ich schloss die Tür. Seer schenkte mir einen kurzen, panischen Blick.
„Mir geht es gut. Danke, Doktor Zelner.“, antwortete sie höflich. Ich konnte praktisch ihre Angst fühlen. Ihre Augen begannen ihren Fokus zu verlieren und Zelner seufzte.
„Das Beruhigungsmittel verursacht das immer.“
Sie hatte eine Vision.
Doktor Zelner hockte sich neben sie und ballte seine Hand zur Faust und rammte sie ihr gegen die Rippen.
Ich sprang vorwärts und sie stöhnte vor Schmerz auf, während sie versuchte sich zu konzentrieren.
„Tu es nicht, 19-5-8-5-18!“, warnte Zelner sie und Seer strengte sich an in der Gegenwart zu bleiben, doch ihre Augen verloren erneut ihren Fokus.
Sie konnte es nicht stoppen, doch Zelner versuchte es. Er schlug noch einmal zu und diesmal knackte etwas.
„Gehen Sie von ihr runter!“, schrie ich, packte ihn an den Schultern und zog ihn weg. Ich kniete mich vorsichtig neben sie und zog ihr Tanktop ein wenig hoch.
Schwarze und blaue Flecken waren an ihrer ganzen Seite verteilt. Ihre Augen fokussierten sich, nur um danach wieder ihren Fokus zu verlieren. Die Zukunft verlangte ihre Aufmerksamkeit, während der Schmerz sie in der Gegenwart hielt.
Ein Stöhnen verließ ihren Mund und ihr Kopf fiel nach vorne.
„Was für ein Problem hast du?“, fragte Zelner, während er wieder auf den Flur trat.
Ich stand auf und starrte ihn an, während ich meinen Körper dazu benutzte die Sicht auf Seer zu versperren.
„Sie können sie doch nicht so behandeln.“, fauchte ich und Zelner lächelte mich herablassend an.
„So war ich auch einmal.“, sagte er. „Aber du wirst schnell drüber wegkommen.“
Ich starrte ihn mit großen Augen an, bis er mich aus Seers Zelle zog. Ich war zu fassungslos um zu reagieren.
„Morgen hast du die Verantwortung, aber denke nicht, dass du tun kannst, was du willst.“, warnte er mich, als er mich den Flur entlang schob. „Die Wächter werden dich so stark im Auge haben, wie sie die Patienten  bewachen.“

Die Sachen wurden nur ein wenig komplizierter.
Ich schaute zurück auf Seers Zelle. Hoffentlich war alles okay und nichts gebrochen.

Ich würde sie retten.

-

Alles was ich die darauffolgenden Tage tat, war den Ausbruch zu planen.
Mein Plan war auf dem Weg zu gelingen.
Ich hatte die medizinischen Unterlagen aus dem Schrank gestohlen, welches das Einfachste war.
Haileys Akte war nichts Besonderes und ich schaute mit wenig Interesse einmal drüber.
Hailey Scott war ihr ganzer Name.
Aber Seers Akte war für mich interessanter. Ich verbrachte Stunden über sie gebeugt und saugte begierig jedes Detail ihres Lebens auf.
Sie hatte eine kleine Schwester, Cynthia.
Sie hatte auch eine kleine Narbe auf der Innenseite ihres rechten Knies, als sie als kleines Kind von einem Baum gefallen war.
Es stand nicht viel dort, aber es war genug um mich ihr näher zu fühlen.

Es klopfte und ich versteckte die Akte schnell unter den vielen Zeichnungen auf Zelners Pult.
„Herein!“
Eine von den Krankenschwestern steckte den Kopf ins Zimmer und schürzte die Lippen.
„Es ist Zeit für ihre Runden.“
Ich seufzte und stand auf.
Ich wollte nichts lieber, als zu sitzen und Seers Akte zu lesen. Aber ich musste die schleichenden Runden erledigen, um zu überprüfen, ob die betäubten Patienten noch atmeten.
Nichts machte mich glücklicher.

Einen Spalt nach dem anderen öffnete ich. Die Patienten waren kalt. Anders, als ich die Runden mit Zelner gemacht hatte.
Die Krankenschwestern hatten die Dosis erhöht.
Sogar nachdem ich fünf Tage lang schon Zelners Platz eingenommen hatte, konnte ich nicht drüber hinwegkommen wie tot sie aussahen.
Ich öffnete Seers Tür. Ihre Dosis war die Einzige, die gleich geblieben war. Ihrer Akte nach, hatten sie ihr immer die maximale Dosierung verabreicht.
Das war auch der Grund, warum sie sich nicht bewegte. Sie war die ganze Zeit betäubt.
„Wie geht es dir?“, fragte ich sanft und kniete mich neben sie. Ein leichter Schauer ging durch ihren Körper, es war verblüffend. Sie konnte sich ein wenig bewegen.
„Es tut weh.“, sagte sie und ihre Stimme brach, weil sie die Tränen zurückhalten wollte.
Der Arzt, welcher im Krankenhaus arbeitete, hatte gesagt, dass eine Rippe gebrochen war und dass sie sich nicht bewegen sollte, damit es heilte.
„Ich verspreche dir, dass ich dich hier rauskriege.“, sagte ich leidenschaftlich, aber sie sah zögernd aus.
Ihre linke Hand- welche mir am nächsten lag- zuckte.
Etwas war anders heute.
Sie konnte sich freier bewegen.
Hatten sie ihre Dosis wegen der Verletzung reduziert?
Vielleicht würden sie mit den Schmerzmitteln reagieren. Oder wollten sie ihr Schmerzen zufügen?
Ich seufzte, aber  legte meine Hand leicht auf ihre und sie lächelte erleichtert.
Es war wie ein Schock, den man von statisch geladenem Metall bekam, als ich ihre Haut berührte.
Ich hätte fast meine Hand wieder weggezogen, doch es war nicht unangenehm.
Ich mochte das Gefühl.
„Fühlst du es auch?“, fragte sie, während sie mich erwartungsvoll anschaute.
Ich nickte.
„Was ist das?“
„Vielleicht findest du es später heraus.“, antwortete sie geheimnisvoll. Es musste mit der Zukunft zu tun haben, daher verfrachtete ich es in meinen Hinterkopf.

-

Ich wusste nie, wann ich gehen sollte.  Doch diesmal waren keine Krankenschwestern da, die uns unterbrechen konnten und keine Aufgaben warteten auf mich im Büro.
Wenn ich wollte, könnte ich hier für immer bleiben.
„Du solltest gehen.“, sagte sie und ich zog meine Hand zurück, während ich aufstand.
„Ich werde dich befreien.“, sagte ich fest entschlossen und beschwichtigend nickte sie.
„Natürlich wirst du das.“




-


Das nächste Kapitel wird dann endlich vom Ausbruch handeln ;)
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