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Decision Part 2
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| von Yasemine erstellt: 13.04.2009 letztes Update: 04.06.2009 Romanze / P6 (fertiggestellt) | 49 Reviews |
Ich konnte mich einfach nicht mehr zurückhalten, dieses Kapitel zu posten.
Ich hoffe euch gefällt es.
@kaede: Hey, danke für dein Review. Aber den Namen Mary hat sich weder paper.creations noch ich ausgedacht. Alice heißt mit vollständigem Namen so..
Und es tut mir Leid, dich enttäuschen zu müssen, aber in dieser FF ist weder Jasper noch Alice ein Vampir. Jasper hat dementsprechend auch nicht solche "Kräfte". Alice konnte schon vor ihrem Vampirdarsein in die Zukunft sehen und wurde deshalb auch von ihren Eltern in die Klinik eingewiesen.
Diese FF ist nur teilweise AU und teilweise hält sie sich an die BissReihe ;)
Ich war aufgeregt, am nächsten Tag zur Arbeit zu gehen. Endlich konnte ich sie mit ihrem richtigen Namen ansprechen: Mary.
Ich arbeitete ungeduldig, und wartete angespannt auf die Zeit, in der ich wieder zu ihrer Tür gehen konnte.
Ich klopfte mit meinen Füßen ständig auf den Boden, als ich an meinem Schreibtisch saß und Papierkram erledigte; Ich durchschritt den Essenssaal, während ich die Patienten beaufsichtigte, die aßen (Mary sah ich nicht) und ich rauschte durch den Flur, um die Patienten zu überprüfen, sodass nicht einmal Anger genügend Zeit hatte, meine Anwesenheit überhaupt zu bemerken.
Ich arbeitete wie ein Wirbelwind und in Rekordzeit stand ich endlich vor Marys Tür.
Ich öffnete den Spalt vorsichtig und spähte hinein. Es war schwarz dort drin, wie immer.
„Hallo?“, rief ich leise, betend, dass sie nicht antworten würde, um mir einen Grund zu geben, sie zu besuchen und ihr ein wenig Licht zu schenken.
Als ob sie meine Gedanken lesen konnte, antwortete sie nicht.
Ich schloss die Tür auf und öffnete sie, um Mary in genau derselben Position vorzufinden, wie ich sie verlassen hatte.
Sie war immer noch gegen dieselbe Wand gelehnt, ihre Arme lagen in derselben Position und ihre Beine waren vor ihr ausgestreckt.
„Hi“, begrüßte ich sie und sie drehte ihren Kopf in meine Richtung. Ihre Muskeln im Nacken spannten sich merklich an, als sie ihren Kopf nur ein paar Zentimeter bewegte. Ich schauderte, sagte jedoch nichts.
„Hallo.“
Ich bemerkte, wie angestrengt ihre Stimme klang, schwieg jedoch immer noch.
Vielleicht hatte ich es die Tage vorher nur nicht bemerkt.
Ich streckte meine Hand aus, um ihre zu schütteln.
„Hallo, Mary. Nett dich kennenzulernen.“, sagte ich so höflich wie möglich.
Meine Nerven verrieten mich und mein südlicher Akzent schien auffälliger als sonst. Ich seufzte innerlich. Das waren wohl einige Sachen, die ich nie ablegen konnte.
Mary starrte mich erschrocken an.
„Woher weißt du meinen Namen? Bist du auch besonders?“, fragte sie hoffnungsvoll.
Sie schien meine Hand vergessen zu haben, also ließ ich sie sinken. Auch wenn ich ein wenig enttäuscht darüber war, sie nicht berühren zu können. Wenn auch nur für ein paar Sekunden.
„Ich...Ich bin zum Friedhof gegangen.“, gab ich zu und erwartete plötzlich einen Wutausbruch, dass ich sie ausspioniert hatte.
Doch sie sah nur nachdenklich aus.
„Ich habe es nicht gesehen.“, meinte sie sanft.
„Kannst du alles sehen?“, fragte ich.
„Nein, aber ich dachte, ich könnte alles sehen, was mich betrifft. Ich habe gesehen, wie mich meine Eltern in diesen Kerker gesperrt haben.“, erklärte sie und ließ ihren Blick voller Verzweiflung durch das Zimmer schweifen.
„Oh.“, war meine schlaue Antwort darauf und wir verfielen beide in Schweigen, was ich absolut nicht wollte. Ich wusste nicht, wie lange ich bei ihr sein könnte und ich wollte keine Zeit verschwenden.
Ich wollte gerade ein neues Thema anschneiden, als Marys Stimme erklang.
„Ich mag den Namen nicht.“, sagte sie leise.
„Welchen?“, fragte ich.
„Mary. Sie war das kleine Mädchen im Vorort, welches gedacht hatte, ihre Eltern würden sie lieben.“, erklärte sie mit einer Stimme ohne jegliche Emotion.
Mein Herz zog sich zusammen als ich an Eltern dachte, welche ihrem Kind so etwas antun konnten. Doch dann drehte sich mein Magen um, als ich bemerkte, dass ich derjenige war, die sie hier gefangen hielt, nicht ihre Eltern.
Ich wurde von einem Quietschen und einem Knall aus meinem Selbsthass gerissen.
„Es sind Zelner und seine Krankenschwestern. Du solltest gehen.“, sagte sie mit demselbsen Ausdruck in den Augen wie gestern. Aber heute war etwas anders. Etwas Neues war dazugekommen. Ich runzelte die Stirn und konnte nicht bestimmen, was es war.
Ich verließ sie ohne mich zu verabschieden, so wie gestern.
Ich verschloss die Tür und machte mich auf den Weg nach Hause.
Erst als ich spät abends in meinem Bett lag, wusste ich, was der neue Ausdruck war.
Erwartung.
.
Ich saß zu Hause an meinem Küchentisch und war gespannt darauf, wieder zur Arbeit zu gehen. Die letzen anderthalb Wochen hatte ich in meinem Zuhause in Texas verbracht und hatte mich um unsere Mutterfirma gekümmert, während mein Vater im Krankenhaus lag.
Ich aß meine Cornflakes und dachte dabei an das merkwürdige Gespräch, dass ich mit meiner Mutter geführt hatte.
„Warum bist du so unruhig?“, fragte meine Mutter und betrachtete meine Finger, die auf der Tischplatte trommelten.
Ich seufzte und unterbrach mein angespanntes Getrommel.
„Bist du schon gelangweilt? Du bist doch erst seit fünf Tagen hier.“
„Ich bin nicht gelangweilt, Mutter. Ich vermisse nur...meine Arbeit.“ Ihr Gesicht hellte sich auf und ich konnte nicht glauben, dass ich fast ‚die Seherin‘ gesagt hatte, anstatt ‚Arbeit‘.
„Wirklich? Findest du deinen Job interessant? Weil wenn nicht, kannst du immer mit deinem Vater...“
„Nein, ich bin wirklich glücklich mit meinem Job.“, unterbrach ich sie und meine Stimme wurde scharf.
Sie hob eine Augenbraue und strich sich ihr blondes Haar aus dem Gesicht.
„Und warum hörst du dich dann so angespannt an?“, fragte sie gezielt.
„Ich...vermisse die Patienten.“, sagte ich und umging das eigentliche Problem.
Meine Mutter schien zu wissen, dass ich ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt hatte und sie musterte mich. Ihr Mund wurde eine harte Linie.
„Du verschweigst mir etwas, Jasper.“ Ihre Stimme war belegt mit Missbilligung.
„Bitte, Jasper.“, sagte sie sanft. „Ich sorge mich noch krank um deinen Vater. Gib mir bitte keinen Grund, mich auch noch um dich zu sorgen.“, bat sie.
Ich seufzte und beugte mich ihrem Willen.
„Es gibt eine besondere Patientin, welche...“ Ich suchte nach den richtigen Worten. „...mein Interesse geweckt hat. Sie sagt, sie hätte Zukunftsvisionen und sogar nach zwei Jahren glaubt sie immer noch daran.“
Ich ließ bewusst weg, dass auch ich ihr glaubte.
Mutter schüttelte traurig den Kopf und starrte in ihre Tasse Tee.
„Das ist so traurig. Ich danke dem Himmel jeden Tag, dass ich einen gesunden und hübschen Sohn zur Welt gebracht habe.“
Ich verdrehte die Augen.
„Was verschweigst du mir?“, fragte sie leise.
„Nichts, Mutter. Wirklich.“
Sie schüttelte ihren Kopf.
„Jasper Withlock, du sagst mir jetzt, was du hast.“, verlangte sie. Als ich nichts sagte, begann sie zu raten.
„Hat es etwas mit dem Mädchen zu tun, welches in die Zukunft sehen kann?“
Wieder blieb ich still, was sie als ‚Ja‘ deutete.
„Jasper, warum? Warum hast du Gefühle für eine kranke Person? Das ist falsch! Das kann nicht erlaubt sein.“
Ich biss meine Zähne zusammen und weigerte mich, dieses Argument einzusehen. Ich wusste nicht, warum meine Mutter sich so über Mary aufregte.
Wir hatten zwei Gespräche, drei wenn man den ersten Tag mitzählen würde, was ich nicht tat.
Es machte keinen Sinn, meine Mutter aufzuregen, doch ich konnte nicht anders.
Mary, die Seherin oder 19-5-8-5-18 hatte mich verzaubert.
„Versprich mir, Jasper, bitte. Versprich mir, dass du nichts mit diesem Mädchen anfangen wirst. Lass es sein. Sie muss wieder gesund werden.“ Ich nickte und stand auf.
„Fein.“, rief ich sauer, was absolut kindisch war.
Ich verließ die Küche und murmelte dabei leise: „Sie braucht keine Heilung.“
Ich seufzte und erinnerte mich an die Stimmung, die nach dem Kleinkrieg Zuhause geherrscht hatte.
Mein Vater-bandagiert und verletzt, weil er von der Brücke gefallen war, die er gebaut hatte-hatte uns jeweils an dem Hals des anderen vorgefunden.
Ich war so schnell wie möglich abgereist und bin die ganze Nacht durchgefahren um zu meinem wirklichen Zuhause zurückzukehren.
Endlich war es Zeit zur Arbeit zu gehen und ich stand auf. Ich legte die Teller in die Spüle und sprintete aus der Tür zu meinem Wagen.
Die Fahrt war lästig und schien länger als gewöhnlich, doch endlich erschien das große Gebäude am Horizont und ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus.
Ich parkte meinen Wagen und betrat gutgelaunt das Gebäude.
„Guten Morgen.“, begrüßte mich der Apotheker mit einem breiten Lächeln. Ich nickte, lächelte zurück und ging in mein Büro.
Der Morgen ging vorbei und es schien, als ob keine Zeit vergangen wäre, als ich wieder vor Mary Tür stand. Ungeduldig, da ich die anderthalb Wochen nachholen wollte.
Ich klopfte leicht an der Tür und öffnete den Spalt.
„Seherin?“, fragte ich. Sie antwortete mir nicht und erlaubte mir somit einzutreten.
Ich ging einen Schritt vor und runzelte die Stirn.
Sie lag in derselben Position wie vor anderthalb Wochen. Warum mochte sie sie so sehr? Oder konnte sie sich nicht bewegen...
„Hallo, Jasper. Ich dachte schon, sie hätten dich versetzt.“, begrüßte sie mich und ihre Stimme klang rau.
„Hi, Mary. Und nein, keine Versetzung.“
Sie schüttelte ihren Kopf.
„Das ist nicht mehr mein Name. Mary ist schon lange tot.“
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.
„...Tot.“, wiederholte ich.
„Tot!“
„So und wie soll ich dich nennen? Seer? (A/N: Das ist der englische Begriff für Seher ;))“, fragte ich und sie dachte nach.
„Ja, ich habe keinen Namen.“, entschied sie und ich wurde wütend.
„Magst du es hier?“, fragte ich erzürnt und sie schüttelte ihren Kopf, was aussah, als ob es sie jede Menge Anstrengung kosten würde.
„Und warum lässt du sie dann gewinnen? Sie nehmen dir noch jegliche Hoffnung!“
„Sie haben sie mir schon längst genommen.“, fauchte sie zurück. „Oder weißt du nicht, welchen Flügel du überwachen musst? Das ist der Endflügel. Der Platz, zu dem du gehen musst, wenn es keine Hoffnung mehr auf eine Heilung gibt. Ich war nicht immer hier. Ich hatte einen anderen Doktor. Einen Netteren. Ich konnte mit anderen Patienten zur Cafeteria gehen und mich mit ihnen unterhalten. Ich war an einen Ort voll mit Hoffnung. Und jetzt? Wir sitzen im Endflügel fest. Ich habe keine Hoffnung, weil ich besiegt worden bin!“
Ich war noch nie so wütend gewesen. Jedoch nicht auf Seer. Ich war sauer auf meinen Job und auf mich. Und was wir den Menschen antaten.
Ich verließ Seer, als ich die Krankenschwester den Gang hinaufkommen hörte. Wir verabschiedeten uns wieder nicht. Es schien, als würde es eine schlechte Angewohnheit von uns Beiden werden.
Es musste etwas geben, womit ich ihr helfen konnte. Ich schloss die Tür, schloss den Metallspalt und ließ sie in vollkommener Dunkelheit zurück.
Ich lief an der Krankenschwester vorbei und ließ meinen Blick über eine der großen Spritze wandern, die sie in der Hand hielt.
Ich trat zurück in den Schatten und beobachtete unbemerkt, wie die blonde Krankenschwester den Raum von Hungry betrat.
Zwei Männer hielten das Mädchen, was nichts essen wollte, fest, als sie zu versuchen begann der Krankenschwester die Spritze aus der Hand zu treten.
„Nein! Ich will nicht betäubt werden!“, schrie sie und ein anderer Mann betrat das Zimmer und hielt ihre Beine fest. Sie schrie weiter und drehte sich, doch ich konnte mich nicht bewegen um ihr zu helfen.
„Warum akzeptierst du es nicht, wie jeder andere auch?“, fauchte die Krankenschwester.
„Es ist nichts falsch an mir!“, weinte Hungry und die Tränen liefen ihr die Wange hinunter.
„Bitte, tut es nicht!“, wisperte sie, doch es war zu spät.
Die Schwester hatte ihr die Nadel in den Arm gesteckt und spritzte ihr die Flüssigkeit ins Blut.
Hungry krümmte sich weiter, aber ihre Versuche zu entfliehen wurden langsamer, als ob die Luft um sie herum zu Gelee wurde.
Ihre Augen rollten gen Hinterkopf und ihr Körper brach zusammen.
Er hob und senkte sich nun nur noch ein Stück als sie atmete.
„Sie wird wieder wach, wenn der Doktor kommt.“, sagte die Krankenschwester und sie und die drei starken Männer verließen den Raum.
Ich wich weiter zurück in den Schatten und versuchte mich vor ihnen zu verstecken.
Sie bemerkten mich nicht, als sie an mir vorbei liefen und Angers Zimmer betraten.
Ich hörte, wie er sie angriff und einem krachendem Geräusch und seinem triumphierenden Gelächter zufolge, hatte er einen der Männer getroffen.
Ich jedoch ging vorwärts und schob den Spalt auf. Ich spähte in Hungrys Zimmer und fand sie bewegungslos auf ihrer Liege.
Ihr ganzer Körper schien gelähmt. Ich schauderte, schloss den Spalt und setzte meinen Weg durch den Flur fort.
Ich überprüfte jeden einzelnen Patient auf meinen Weg nach draußen und jeder lag, gelähmt von dem Stoff, den die Schwester ihnen verabreichte, in seinem Zimmer.
Was passierte an diesem Ort? Ich wusste, was ich jetzt zu tun hatte. Ich musste diese Menschen hier raus kriegen, besonders Mary. Ich konnte alle retten.
Aber wie?
Ich hoffe euch gefällt es.
@kaede: Hey, danke für dein Review. Aber den Namen Mary hat sich weder paper.creations noch ich ausgedacht. Alice heißt mit vollständigem Namen so..
Und es tut mir Leid, dich enttäuschen zu müssen, aber in dieser FF ist weder Jasper noch Alice ein Vampir. Jasper hat dementsprechend auch nicht solche "Kräfte". Alice konnte schon vor ihrem Vampirdarsein in die Zukunft sehen und wurde deshalb auch von ihren Eltern in die Klinik eingewiesen.
Diese FF ist nur teilweise AU und teilweise hält sie sich an die BissReihe ;)
Ich war aufgeregt, am nächsten Tag zur Arbeit zu gehen. Endlich konnte ich sie mit ihrem richtigen Namen ansprechen: Mary.
Ich arbeitete ungeduldig, und wartete angespannt auf die Zeit, in der ich wieder zu ihrer Tür gehen konnte.
Ich klopfte mit meinen Füßen ständig auf den Boden, als ich an meinem Schreibtisch saß und Papierkram erledigte; Ich durchschritt den Essenssaal, während ich die Patienten beaufsichtigte, die aßen (Mary sah ich nicht) und ich rauschte durch den Flur, um die Patienten zu überprüfen, sodass nicht einmal Anger genügend Zeit hatte, meine Anwesenheit überhaupt zu bemerken.
Ich arbeitete wie ein Wirbelwind und in Rekordzeit stand ich endlich vor Marys Tür.
Ich öffnete den Spalt vorsichtig und spähte hinein. Es war schwarz dort drin, wie immer.
„Hallo?“, rief ich leise, betend, dass sie nicht antworten würde, um mir einen Grund zu geben, sie zu besuchen und ihr ein wenig Licht zu schenken.
Als ob sie meine Gedanken lesen konnte, antwortete sie nicht.
Ich schloss die Tür auf und öffnete sie, um Mary in genau derselben Position vorzufinden, wie ich sie verlassen hatte.
Sie war immer noch gegen dieselbe Wand gelehnt, ihre Arme lagen in derselben Position und ihre Beine waren vor ihr ausgestreckt.
„Hi“, begrüßte ich sie und sie drehte ihren Kopf in meine Richtung. Ihre Muskeln im Nacken spannten sich merklich an, als sie ihren Kopf nur ein paar Zentimeter bewegte. Ich schauderte, sagte jedoch nichts.
„Hallo.“
Ich bemerkte, wie angestrengt ihre Stimme klang, schwieg jedoch immer noch.
Vielleicht hatte ich es die Tage vorher nur nicht bemerkt.
Ich streckte meine Hand aus, um ihre zu schütteln.
„Hallo, Mary. Nett dich kennenzulernen.“, sagte ich so höflich wie möglich.
Meine Nerven verrieten mich und mein südlicher Akzent schien auffälliger als sonst. Ich seufzte innerlich. Das waren wohl einige Sachen, die ich nie ablegen konnte.
Mary starrte mich erschrocken an.
„Woher weißt du meinen Namen? Bist du auch besonders?“, fragte sie hoffnungsvoll.
Sie schien meine Hand vergessen zu haben, also ließ ich sie sinken. Auch wenn ich ein wenig enttäuscht darüber war, sie nicht berühren zu können. Wenn auch nur für ein paar Sekunden.
„Ich...Ich bin zum Friedhof gegangen.“, gab ich zu und erwartete plötzlich einen Wutausbruch, dass ich sie ausspioniert hatte.
Doch sie sah nur nachdenklich aus.
„Ich habe es nicht gesehen.“, meinte sie sanft.
„Kannst du alles sehen?“, fragte ich.
„Nein, aber ich dachte, ich könnte alles sehen, was mich betrifft. Ich habe gesehen, wie mich meine Eltern in diesen Kerker gesperrt haben.“, erklärte sie und ließ ihren Blick voller Verzweiflung durch das Zimmer schweifen.
„Oh.“, war meine schlaue Antwort darauf und wir verfielen beide in Schweigen, was ich absolut nicht wollte. Ich wusste nicht, wie lange ich bei ihr sein könnte und ich wollte keine Zeit verschwenden.
Ich wollte gerade ein neues Thema anschneiden, als Marys Stimme erklang.
„Ich mag den Namen nicht.“, sagte sie leise.
„Welchen?“, fragte ich.
„Mary. Sie war das kleine Mädchen im Vorort, welches gedacht hatte, ihre Eltern würden sie lieben.“, erklärte sie mit einer Stimme ohne jegliche Emotion.
Mein Herz zog sich zusammen als ich an Eltern dachte, welche ihrem Kind so etwas antun konnten. Doch dann drehte sich mein Magen um, als ich bemerkte, dass ich derjenige war, die sie hier gefangen hielt, nicht ihre Eltern.
Ich wurde von einem Quietschen und einem Knall aus meinem Selbsthass gerissen.
„Es sind Zelner und seine Krankenschwestern. Du solltest gehen.“, sagte sie mit demselbsen Ausdruck in den Augen wie gestern. Aber heute war etwas anders. Etwas Neues war dazugekommen. Ich runzelte die Stirn und konnte nicht bestimmen, was es war.
Ich verließ sie ohne mich zu verabschieden, so wie gestern.
Ich verschloss die Tür und machte mich auf den Weg nach Hause.
Erst als ich spät abends in meinem Bett lag, wusste ich, was der neue Ausdruck war.
Erwartung.
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Ich saß zu Hause an meinem Küchentisch und war gespannt darauf, wieder zur Arbeit zu gehen. Die letzen anderthalb Wochen hatte ich in meinem Zuhause in Texas verbracht und hatte mich um unsere Mutterfirma gekümmert, während mein Vater im Krankenhaus lag.
Ich aß meine Cornflakes und dachte dabei an das merkwürdige Gespräch, dass ich mit meiner Mutter geführt hatte.
„Warum bist du so unruhig?“, fragte meine Mutter und betrachtete meine Finger, die auf der Tischplatte trommelten.
Ich seufzte und unterbrach mein angespanntes Getrommel.
„Bist du schon gelangweilt? Du bist doch erst seit fünf Tagen hier.“
„Ich bin nicht gelangweilt, Mutter. Ich vermisse nur...meine Arbeit.“ Ihr Gesicht hellte sich auf und ich konnte nicht glauben, dass ich fast ‚die Seherin‘ gesagt hatte, anstatt ‚Arbeit‘.
„Wirklich? Findest du deinen Job interessant? Weil wenn nicht, kannst du immer mit deinem Vater...“
„Nein, ich bin wirklich glücklich mit meinem Job.“, unterbrach ich sie und meine Stimme wurde scharf.
Sie hob eine Augenbraue und strich sich ihr blondes Haar aus dem Gesicht.
„Und warum hörst du dich dann so angespannt an?“, fragte sie gezielt.
„Ich...vermisse die Patienten.“, sagte ich und umging das eigentliche Problem.
Meine Mutter schien zu wissen, dass ich ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt hatte und sie musterte mich. Ihr Mund wurde eine harte Linie.
„Du verschweigst mir etwas, Jasper.“ Ihre Stimme war belegt mit Missbilligung.
„Bitte, Jasper.“, sagte sie sanft. „Ich sorge mich noch krank um deinen Vater. Gib mir bitte keinen Grund, mich auch noch um dich zu sorgen.“, bat sie.
Ich seufzte und beugte mich ihrem Willen.
„Es gibt eine besondere Patientin, welche...“ Ich suchte nach den richtigen Worten. „...mein Interesse geweckt hat. Sie sagt, sie hätte Zukunftsvisionen und sogar nach zwei Jahren glaubt sie immer noch daran.“
Ich ließ bewusst weg, dass auch ich ihr glaubte.
Mutter schüttelte traurig den Kopf und starrte in ihre Tasse Tee.
„Das ist so traurig. Ich danke dem Himmel jeden Tag, dass ich einen gesunden und hübschen Sohn zur Welt gebracht habe.“
Ich verdrehte die Augen.
„Was verschweigst du mir?“, fragte sie leise.
„Nichts, Mutter. Wirklich.“
Sie schüttelte ihren Kopf.
„Jasper Withlock, du sagst mir jetzt, was du hast.“, verlangte sie. Als ich nichts sagte, begann sie zu raten.
„Hat es etwas mit dem Mädchen zu tun, welches in die Zukunft sehen kann?“
Wieder blieb ich still, was sie als ‚Ja‘ deutete.
„Jasper, warum? Warum hast du Gefühle für eine kranke Person? Das ist falsch! Das kann nicht erlaubt sein.“
Ich biss meine Zähne zusammen und weigerte mich, dieses Argument einzusehen. Ich wusste nicht, warum meine Mutter sich so über Mary aufregte.
Wir hatten zwei Gespräche, drei wenn man den ersten Tag mitzählen würde, was ich nicht tat.
Es machte keinen Sinn, meine Mutter aufzuregen, doch ich konnte nicht anders.
Mary, die Seherin oder 19-5-8-5-18 hatte mich verzaubert.
„Versprich mir, Jasper, bitte. Versprich mir, dass du nichts mit diesem Mädchen anfangen wirst. Lass es sein. Sie muss wieder gesund werden.“ Ich nickte und stand auf.
„Fein.“, rief ich sauer, was absolut kindisch war.
Ich verließ die Küche und murmelte dabei leise: „Sie braucht keine Heilung.“
Ich seufzte und erinnerte mich an die Stimmung, die nach dem Kleinkrieg Zuhause geherrscht hatte.
Mein Vater-bandagiert und verletzt, weil er von der Brücke gefallen war, die er gebaut hatte-hatte uns jeweils an dem Hals des anderen vorgefunden.
Ich war so schnell wie möglich abgereist und bin die ganze Nacht durchgefahren um zu meinem wirklichen Zuhause zurückzukehren.
Endlich war es Zeit zur Arbeit zu gehen und ich stand auf. Ich legte die Teller in die Spüle und sprintete aus der Tür zu meinem Wagen.
Die Fahrt war lästig und schien länger als gewöhnlich, doch endlich erschien das große Gebäude am Horizont und ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus.
Ich parkte meinen Wagen und betrat gutgelaunt das Gebäude.
„Guten Morgen.“, begrüßte mich der Apotheker mit einem breiten Lächeln. Ich nickte, lächelte zurück und ging in mein Büro.
Der Morgen ging vorbei und es schien, als ob keine Zeit vergangen wäre, als ich wieder vor Mary Tür stand. Ungeduldig, da ich die anderthalb Wochen nachholen wollte.
Ich klopfte leicht an der Tür und öffnete den Spalt.
„Seherin?“, fragte ich. Sie antwortete mir nicht und erlaubte mir somit einzutreten.
Ich ging einen Schritt vor und runzelte die Stirn.
Sie lag in derselben Position wie vor anderthalb Wochen. Warum mochte sie sie so sehr? Oder konnte sie sich nicht bewegen...
„Hallo, Jasper. Ich dachte schon, sie hätten dich versetzt.“, begrüßte sie mich und ihre Stimme klang rau.
„Hi, Mary. Und nein, keine Versetzung.“
Sie schüttelte ihren Kopf.
„Das ist nicht mehr mein Name. Mary ist schon lange tot.“
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.
„...Tot.“, wiederholte ich.
„Tot!“
„So und wie soll ich dich nennen? Seer? (A/N: Das ist der englische Begriff für Seher ;))“, fragte ich und sie dachte nach.
„Ja, ich habe keinen Namen.“, entschied sie und ich wurde wütend.
„Magst du es hier?“, fragte ich erzürnt und sie schüttelte ihren Kopf, was aussah, als ob es sie jede Menge Anstrengung kosten würde.
„Und warum lässt du sie dann gewinnen? Sie nehmen dir noch jegliche Hoffnung!“
„Sie haben sie mir schon längst genommen.“, fauchte sie zurück. „Oder weißt du nicht, welchen Flügel du überwachen musst? Das ist der Endflügel. Der Platz, zu dem du gehen musst, wenn es keine Hoffnung mehr auf eine Heilung gibt. Ich war nicht immer hier. Ich hatte einen anderen Doktor. Einen Netteren. Ich konnte mit anderen Patienten zur Cafeteria gehen und mich mit ihnen unterhalten. Ich war an einen Ort voll mit Hoffnung. Und jetzt? Wir sitzen im Endflügel fest. Ich habe keine Hoffnung, weil ich besiegt worden bin!“
Ich war noch nie so wütend gewesen. Jedoch nicht auf Seer. Ich war sauer auf meinen Job und auf mich. Und was wir den Menschen antaten.
Ich verließ Seer, als ich die Krankenschwester den Gang hinaufkommen hörte. Wir verabschiedeten uns wieder nicht. Es schien, als würde es eine schlechte Angewohnheit von uns Beiden werden.
Es musste etwas geben, womit ich ihr helfen konnte. Ich schloss die Tür, schloss den Metallspalt und ließ sie in vollkommener Dunkelheit zurück.
Ich lief an der Krankenschwester vorbei und ließ meinen Blick über eine der großen Spritze wandern, die sie in der Hand hielt.
Ich trat zurück in den Schatten und beobachtete unbemerkt, wie die blonde Krankenschwester den Raum von Hungry betrat.
Zwei Männer hielten das Mädchen, was nichts essen wollte, fest, als sie zu versuchen begann der Krankenschwester die Spritze aus der Hand zu treten.
„Nein! Ich will nicht betäubt werden!“, schrie sie und ein anderer Mann betrat das Zimmer und hielt ihre Beine fest. Sie schrie weiter und drehte sich, doch ich konnte mich nicht bewegen um ihr zu helfen.
„Warum akzeptierst du es nicht, wie jeder andere auch?“, fauchte die Krankenschwester.
„Es ist nichts falsch an mir!“, weinte Hungry und die Tränen liefen ihr die Wange hinunter.
„Bitte, tut es nicht!“, wisperte sie, doch es war zu spät.
Die Schwester hatte ihr die Nadel in den Arm gesteckt und spritzte ihr die Flüssigkeit ins Blut.
Hungry krümmte sich weiter, aber ihre Versuche zu entfliehen wurden langsamer, als ob die Luft um sie herum zu Gelee wurde.
Ihre Augen rollten gen Hinterkopf und ihr Körper brach zusammen.
Er hob und senkte sich nun nur noch ein Stück als sie atmete.
„Sie wird wieder wach, wenn der Doktor kommt.“, sagte die Krankenschwester und sie und die drei starken Männer verließen den Raum.
Ich wich weiter zurück in den Schatten und versuchte mich vor ihnen zu verstecken.
Sie bemerkten mich nicht, als sie an mir vorbei liefen und Angers Zimmer betraten.
Ich hörte, wie er sie angriff und einem krachendem Geräusch und seinem triumphierenden Gelächter zufolge, hatte er einen der Männer getroffen.
Ich jedoch ging vorwärts und schob den Spalt auf. Ich spähte in Hungrys Zimmer und fand sie bewegungslos auf ihrer Liege.
Ihr ganzer Körper schien gelähmt. Ich schauderte, schloss den Spalt und setzte meinen Weg durch den Flur fort.
Ich überprüfte jeden einzelnen Patient auf meinen Weg nach draußen und jeder lag, gelähmt von dem Stoff, den die Schwester ihnen verabreichte, in seinem Zimmer.
Was passierte an diesem Ort? Ich wusste, was ich jetzt zu tun hatte. Ich musste diese Menschen hier raus kriegen, besonders Mary. Ich konnte alle retten.
Aber wie?
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