“Im Jahre….. 3584? Das kann nicht sein. Damit wäre ich um 1576 Jahre in der Zukunft gelandet. Unmöglich”, stotterte das Mädchen fassungslos. Harper schien sie nicht zu verstehen.
“Soll das etwa heißen, dass du aus der Vergangenheit kommst? Aber wie ist das möglich?” Michelle zuckte mit den Achseln. Sie hatte keine Ahnung gehabt, wie das alles möglich war, aber es war definitiv passiert. Langsam machte sich Harper daran, die fesseln von Michelle´ s Gelenken zu lösen. Er wusste nun, warum sie so ängstlich war und wieso sie immer weglief. Als Michelle nun endlich frei war, setzte sie sich auf und sah Harper an.
“Keine Sorge, ich haue nicht wieder ab. Ich habe nun noch mehr Angst als vorher. Aber was sind eigentlich Magogs?” fragte Michelle bedenklich. Harper antwortete wahrheitsgemäß: “Magog sind Kreaturen, die man in deiner Zeit als Aliens definiert hätte. Entweder töten sie dich oder sie infizieren dich mit kleinen Magoglarven, die dann in deinem Bauch heranwachsen und beim schlüpfen dich von innen auffressen. Keine Leckere Sache. Man lernt irgendwann mit dieser ständigen Angst zu leben.” Michelle nickte. Dieses wollte sie sich nur ungern vorstellen. Doch dann sagte Harper etwas lockerer: “Soll ich dir das Schiff zeigen? Ich kenne mich hier aus und ich denke es ist sinnvoller.” Michelle nickte und erklärte dann gleich darauf: “Okay, aber bitte liefere mich nicht an die anderen aus. Ich interessiere mich vor allem für technische Sachen. Außerdem habe ich auch eine Vorliebe für Autos, falls dir das was sagt. Ich haue dir bestimmt auch nicht ab. Alles ist sinnvoller als hier Wurzeln zu schlagen.”
Kurze Zeit später, waren Michelle und Harper im Maschinenraum der Andromeda Ascendant angekommen. Sie setzten sich allerdings nur hin und redeten miteinander. Auf dem Boden sitzend und mit aufgestellten Beinen, fragte Harper: “Ich werde für dich Sorgen. Aber du musst auch noch mit Dylan reden. Er ist unser Captain und entscheidet hier an Bord alles. Er wird auch für dich Sorgen. Immerhin sorgt er auch für unsere gesamte Crew. Du musst wirklich vor niemandem hier Angst haben. Baker ist mein Boss. Sie ist auch ein Mensch und hatte eine nicht gerade schöne Kindheit. Immerhin war ihr Vater Drogenabhängig. Flash um genau zu sein. Dylan ist unser Captain der Andromeda. Er ist mittlerweile über dreihundert Jahre alt. Da er sehr lange in einem schwarzen Loch fest gehangen hat. Dann gibt es da noch Trance. Was sie ist wissen wir nicht so genau. Was wir aber wissen ist, dass sie alles andere als gefährlich ist. Sie hat mit Gewalt nichts am Hut und wird es wohl auch nie haben. Manchmal ist sie sogar eine Ansprechpartnerin für uns. Und dann haben wir noch Rommé. Sie ist ein Android, aber sie hat auch menschliche Züge und damit meine ich nicht nur ihr Aussehen. Verstehst du?” Michelle nickte. Endlich hatte ihr jemand mal alles über die Crew erzählt. Trotzdem blieb ihr misstrauen. Nur vor Harper konnte sie so offen sprechen. “Also mal ganz ehrlich. Ich habe trotzdem noch meine Zweifel und ich werde diese auch nicht so schnell ablegen. Ich möchte erstmal nur mit dir reden und sonst mit keinem. Hast du das verstanden?” Harper nickte. Er verstand Michelle voll und ganz und auch ihre Zweifel. Harper wollte nicht, dass Michelle nur mit jemanden redete, weil sie es musste. Sie sollte Vertrauen fassen. Plötzlich tauchte Dylan auf. Er war wütend und brüllte Harper an: “Das glaube ich einfach nicht! Du hattest feste Vorschriften! Rommé hat euch nur noch hier wahrgenommen, aber ich glaube dass dir meine Regeln wohl nicht mehr viel sagen, oder?!” Michelle hielt den Atem an, aber Harper blieb unnatürlich ruhig. “Was hast du mir denn schon für Vorschriften genannt? Es kann doch nicht wahr sein, dass Michelle von uns die ganze Zeit gefangen gehalten wird. Kein Wunder, dass sie Angst vor uns hat, wenn wir sie nur fesseln. Wir sollten ihr auch eine Chance geben.” Dylan seufzte und setzte sich neben Michelle. Dann sah er Harper an und fragte: “Sie redet aber mit keinem, wie sollen wir da nicht glauben, dass sie uns nicht nur einfach ausspioniert? Wenn sie anfängt zu reden, dann bin ich auch bereit sie laufen zu lassen. Oder willst du, dass sie sich noch was antut?”
“Du meinst, dass sie sich umbringt? Glaube ich nicht mehr dran. Sie hat nur Angst, weil sie fremd ist. Außerdem redet Michelle. Nur nicht mit jedem, aber sie redet mit mir. Und eines kann ich dir sagen. Sie kommt aus der Vergangenheit und zwar um mehr als 1576 Jahren. Da hätte ich auch Angst. Du nicht?” seufzte Harper. Dylan sah Michelle verwundert an. Dann sagte er mit trockener Kehle: “1576 Jahre? Oh mein Gott. Doch da würde ich auch Angst haben. Aber dass wusste ich nicht. Sorry, wenn ich dich mit den Fesseln erschreckt habe. Aber ich hatte Angst, dass du dir selbst oder meiner Crew etwas antust. Das wollte ich nicht riskieren.” Michelle zeigte keine Regung mehr. Ihr war plötzlich schlecht geworden. In ihr drehte sich alles. Endlich war ihr klar geworden, dass sie tatsächlich sehr weit in der Zukunft war. Sie versuchte den Gedanken abzuwenden, aber es gelang ihr nicht. Sie hatte das Gefühl, dass sie nun sterben sollte. Harper sah sie verwundert an. Als Michelle hustete, kam ihr ein ganzer Schwall Blut und Kotze aus dem Mund und wurde auf den Boden gespuckt. Mit einem klatschenden Geräusch, blieb dieser dort liegen. Dann kippte Michelle um und erbrach sich immer wieder. Jedes mal ein Gemisch aus Kotze und altem Blut. Dylan fragte nicht mehr lange. Legte seine Jacke auf Michelle und brachte sie wieder in die Krankenstation. Das Mädchen hatte immer noch nicht aufgehört, Galle und Blut zu spucken, als auch Baker hereinkam. Viel nahm die Kleine nicht mehr war. Sie bemerkte, wie Dylan sie wieder fesselte und ihre Gelenke sich nicht mehr verkrampfen konnten. Dann hörte sie, wie Harper sie ermahnte bloß wach zu bleiben. Die Kleine hatte keine Kraft mehr. Auf dem Rücken liegend hatte sie das Gefühl, als würde sie an der Kotze ersticken. Es dauerte nicht lange, da hatte die Dunkelheit sie wieder verschluckt….
Wo sie dann aufwachte, wusste sie nicht. Es tat ihr gut, als wenigstens Harper noch bei ihr war. Michelle war nicht mehr gefesselt und in einer ganz neuen Umgebung. Sie rieb sich die Augen und fragte Harper: “Wo sind wir?” Harper saß auf einem Stuhl drehte sich um und erzählte: “Nachdem Trance dich wieder hingekriegt hatte, habe ich dich von der Krankenstation befreit und mit der Maru hier entführt. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen, dass sie dich schon wieder fesselten. Mittlerweile sind sie sehr dicht hinter uns und wollen immer wieder, dass wir zurückkommen. Aber ich möchte erstmal sicher gehen, dass es dir gut geht.” Michelle nickte. Alles kam ihr so unwirklich vor. Sie hatte anscheinend den Zeitsprung nicht verkraftet. Jedenfalls, hatte sie so ein dumpfes Gefühl seit sie in dieser Lage war. In der Tat war an dem ganzen durcheinander nur der Zeitsprung schuld. Zudem war Shane von der Erde gekommen. Dort herrscht die Schwerkraft. Dieses konnte man mit dieser künstlichen Schwerkraft sowie mit der Schwerelosigkeit, die es hier gab überhaupt nicht vergleichen. Doch dann gestand Harper: “Wir haben nur ein kleines Problem. Die Andromeda hat uns gleich eingeholt.” Noch Shane sich versah, stürmten Baker, Rommé und Dylan die Maru. Schnell waren Harper und Shane überrumpelt. Während Rommé Harper festhielt, flog Baker die Maru wieder zurück zur Andromeda und Dylan hatte sich Shane gekrallt. Das Mädchen gab es sehr schnell auf, sich gegen Dylan´ s Griff zu wehren. Er war einfach zu stark. Dann spürte sie den Atem des Captains, während dieser Harper zur Rede stellte. “Was haben sie sich dabei gedacht? Sie widersetzen sich meinen Befehlen mit Absicht und das kann und werde ich nicht zulassen. Solange sie sich damit nur selber umbringen wollen meinetwegen, aber sie riskieren das Leben eines Unschuldigen Kindes.” Harper schüttelte energisch mit dem Kopf. “Nein, das ist nicht wahr. Ich riskiere nicht das Leben eines unschuldigen Kindes. Ich bin ja wohl hier der einzige, der sich hier für dieses Kind interessiert. In der ganzen Zeit, seit sie hier ist, habt ihr sie nur gefesselt. Ich habe sie in dieser kurzen Zeit sehr gut kennen gelernt. Ihr habt es nicht einmal versucht.” Harper hatte gegen Rommé gar keine Chance. So sehr er es auch versuchte und sich wandte, schaffte er es doch nicht sich aus den Griff des Androiden zu befreien. Dylan reagierte nicht auf die Bemerkung, die Harper ihm an den Kopf geworfen hatte, sondern erwiderte nun: “Mr. Harper. Wegen Befehlswidersetzung, Entführung und Diebstahl suspendiere ich sie Augenblicklich vom Dienst und setzte sie unter Arrest. Bis auf weiteres, haben sie ihr Quartier nicht mehr zu verlassen. Dafür wird eine Wache sorgen. Sollten sie dennoch etwas benötigen, sollten sie es uns mitteilen, ohne dabei ihr Quartier auch nur ansatzweise zu verlassen.” Shane verstand nicht mehr viel davon, was Harper vor sich hinfluchte. Denn Harper wurde in sein Quartier gebracht und stand dort trotz Fluchens unter Arrest und Shane wurde erneut auf die Krankenstation gebracht und wie könnte es auch anders sein gefesselt. Doch Shane ließ sich nicht beirren und sprach mit niemandem. Einzig und alleine mit Harper konnte sie sprechen, aber vor dem Rest der Crew die sie nur ständig fesselten hatte sie sehr großen Respekt.
Drei Tage später, Michelle hatte bis jetzt immer noch mit niemandem gesprochen, kam Dylan aufgebracht zu Michelle gelaufen, packte sie sehr unwirsch an und schrie: “Wer bist du? Und was führst du im Schilde? Erkläre mir mal bitte, warum da ein Kopfgeldjäger namens Michael Myers aufgetaucht ist und behauptet, dass du ihm gehörst und eine Schwerverbrecherin bist! Erkläre!” Doch Michelle sah, Dylan nur ängstlich an und sprach kein einziges Wort. Immer noch auf Michelle fixiert, befahl Dylan Rommé: “Rommé, gehe und hole Harper her. Er muss uns helfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Michelle irgendetwas böses im Schilde führt. Aber mit uns redet sie ja nach wie vor nicht.” Rommé tat wie ihr geheißen, allerdings hatte sie Harper in Handschellen gelegt, weil er nach wie vor unter Arrest stand. Als die beiden den Raum betraten, hatte sich Dylan immer noch Michelle zugewandt. Harper sah gerade noch rechtzeitig wie Dylan kurz davor war die Fassung zu verlieren und immer wieder Michelle anschrie, sie solle nun endlich reden. Schnell rief Harper Dylan entgegen: “Dylan, nein! Rommé hat mir alles erklärt. Lass mich mit der Kleinen reden!” Dylan nickte und ließ nun endlich von Michelle ab. Allerdings durfte Harper nicht so nah an Michelle heran und sie durften nur unter den wachsamen Blicken von Rommé und Dylan reden. Schnell rückte Harper mit der Sprache heraus: “Also gut Michelle. Ich stelle dir jetzt trotzdem dieselbe Frage, die Dylan dir gestellt hatte. Was hat dass alles mit diesem Michael Myers auf sich? Ich rate dir wenn du überleben willst, dann rede jetzt.” Obwohl Harper´ s Stimme um einiges freundlicher als die von Dylan klang, sprach das Mädchen kein Wort. Vielmehr sah sie Rommé und den Captain schief an. Sie wollte einfach nicht vor ihnen reden. Nur mit Harper und nur alleine. Das verstand Harper offenbar, denn er ging zwei kleine Schritte auf Michelle zu, ehe er gestoppt wurde und erklärte ruhig: “Du musst all deinen Mut zusammen fassen und jetzt hier vor diesen beiden reden. Keiner von uns möchte dich bedienungslos ausliefern, aber wenn du uns nicht erklärst was los ist, dann können wir dir auch nicht helfen. Verstehst du? Also was ist passiert?” Doch Michelle zuckte nur mit den Achseln.
“Harper, versuchen sie was rauszubekommen. Die Zeit drängt. Der Kopfgeldjäger wird bald hier sein um die Kleine abzuholen. Ab dann kann ich für nichts mehr garantieren, wenn sie nicht endlich den Mund aufmacht”, drängte Dylan. Harper nickte, kam aber leider kein Schritt weiter an Michelle heran. Rommé wollte kein Risiko eingehen und hielt ihn auf. Michelle schwieg weiterhin.
“Hör mal bitte. Ich habe mehrer Befehle missachtet, habe dich entführt und die Maru gestohlen, und dass alles nur, weil ich dich beschützen wollte, seit du mir gesagt hast, dass du Angst vor den anderen hast. Doch nun, will ich für nichts mehr riskieren müssen. Also entweder redest du jetzt endlich oder wir können dir leider nicht mehr helfen.” Das Mädchen miet Harper´ s Blick und schwieg unaufhaltsam. Gerade als sich Harper zum gehen umwandte, hörte er ein leise ängstliche Stimme. “Warte. Harper lass mich nicht alleine. Es ist doch wohl nicht meine schuld. Seit ich hier gelandet bin, ist dieser Massenmörder hinter mir her. Ich weiß echt nicht wieso. Aber ich kann es mir denken. Er sagt immer, er bräuchte etwas, was ich hätte. Ich weiß zwar nicht, wie er davon erfahren haben könnte, aber ich habe einen Zahlencode im Kopf, der in den falschen Händen ziemlich übel sein kann. Mehr weiß ich auch nicht. Bitte Harper du musst mir glauben, ich habe echt keine Ahnung.” Harper war stehen geblieben und hatte Michelle zugehört. Genauso wie Dylan.
