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Geschichte: Fanfiktion
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von Fanthagiro
erstellt: 21.03.2009
letztes Update: 21.03.2009
Geschichte, Romanze / P12
(abgebrochen)
Gewidmet ist diese Story meiner süßen Gwenny weil sie uns allen mit ihren tollen Storys immer die Zeit versüßt und ich fand das ihr auch endlich mal eine tolle Tobi Story gebührt, genau aus diesem grund hat sie auch die weibliche Hauptrolle dieser Story.
Also mein kleines lieblings Engelchen ich hoffe sehr das es dir gefällt ich hab dich lieb *dich ganz doll flausch*
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Wenn dein Herz noch schlägt
Anders als gedacht
Staunend ging ich die breiten, mit Kopfsteinpflaster versehenen Straßen der wirklich zauberhaften Altstadt entlang. Sie war wunderschön; genau wie man sie mir beschrieben hatte. Überall waren kunstvoll gefertigte Brunnen anzutreffen, in denen sauberes, klares Wasser plätscherte. Doch ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich mich beeilen musste und mich nicht zu lange mit der schönen Umgebung aufhalten sollte, wenn ich nicht zu spät zu meinem Vorstellungsgespräch kommen wollte. Zum Glück hatte mir die Besitzerin der kleinen Buchhandlung den Weg ganz genau erklärt, sodass ich es überhaupt nicht verfehlen konnte.
In diese kleine Stadt umzuziehen hatte zwar überhaupt nicht zu meinem ursprünglichen Plan gehört, aber das Angebot, welches mir gemacht worden war, war einfach zu verlockend gewesen.
Eigentlich hatte ich mich mehr aus Spaß, als ernsthaft in dieser Buchhandlung beworben, hatte ich doch nicht erwartet überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, da sie bei diesem vortrefflichen Ruf sicher Hunderte von Bewerbungen erhalten hatten. Doch ich hatte mich geirrt und war wieder erwarten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Hier war ich nun, einige hundert Kilometer von meinem Zuhause entfernt und hoffte auf einen Neuanfang. Als mein Ziel endlich in sichtweite kam, wurden mir doch langsam die Knie weich. Was war wenn ich nicht den richtigen Eindruck hinterließ, oder anderweitig scheitern würde? Eine Ausbildung zur Buchhändlerin zu machen war schon immer mein Traum gewesen und hier hatte ich die Chance genau diese zu bekommen. Ich durfte nur keinen Fehler machen. Noch einmal atmete ich tief durch und betrat dann, alle Zweifel beiseite wischend, die kleine Buchhandlung.
„Ah, willkommen. Ich habe sie bereits erwartet“, begrüßte mich eine schon leicht ergraute Frau freundlich. Ich erwiderte ihr fröhliches Lächeln etwas unsicher, da mir der Magen flatterte und reichte ihr zur Begrüßung die Hand. Als sie mich schließlich bat Platz zu nehmen und sich neben mich setzte ließ meine Nervosität langsam aber sicher nach.
„Es freut mich, dass sie Zeit gefunden haben. Mein Name ist Elisabeth Maine. Ich bin die Besitzerin“, begann die Frau und hatte wieder dieses fröhliche Lächeln auf den Lippen, welches sie mir immer sympathischer machte.
„Die Freude ist ganz auf meiner Seite, immerhin bieten sie mir eine große Chance“, erwiderte ich.
„So und sie würden also gerne eine Ausbildung bei uns beginnen?“, fuhr Frau Maine fort und ich bejahte dies. Von da an verlief das Gespräch total entspannt. Frau Maine musste ein Traum von einer Chefin sein; jedenfalls machte sie auf mich diesen Eindruck. Sie erzählte mir, dass sie noch eine Mitarbeiterin beschäftigte; dass sie das Geschäft nun schon seit zwanzig Jahren führte und schlussendlich auch, warum sie mich kennenlernen wollte. Sie sagte, meine Begeisterung für diesen Beruf sei schon aus meiner Bewerbung herauszulesen gewesen und dass sie ihr erster Eindruck von mir nicht getäuscht hätte.
Außerdem erzählte sie mir, dass ich sie an eine junge Frau erinnerte, die sie mal gekannt hatte und die ihr ab und an im Laden ausgeholfen hatte. Allerdings traute ich mich nicht zu fragen, was mit der jungen Frau passiert war, da mir eine innere Stimme sagte, dass es Frau Maine sehr nahe gegangen war.
Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht, Frau Maine war eine unglaublich nette Person und würde auch eine sehr gute Chefin sein. Schon jetzt hatte ich mich unsterblich in diesen Laden verliebt und wollte am liebsten sofort anfangen.
„Also meine Liebe, es war mir ein Vergnügen, sie kennen zu lernen, ich werde sie in den nächsten Tagen anrufen und ihnen sagen ob sie eingestellt sind, aber eines kann ich ihnen versichern, sie haben eine gute Chance“, holte mich die fröhliche Stimme meiner hoffentlich zukünftigen Chefin aus meinen Gedanken. Ich bedankte mich und verabschiedete mich.
Weil die außergewöhnliche Atmosphäre dieser Stadt mich schon auf den Weg zum Buchladen begeistert hatte, entschloss ich mich dazu, auf dem Weg zurück ins Hotel einen Umweg zu machen und mir noch ein wenig die Altstadt anzusehen.
Die Frühlingssonne schien wärmend auf mich herab und verlieh der wirklich traumhaften Kulisse etwas unheimlich Idyllisches. Je mehr Zeit ich hier verbrachte, umso mehr glaubte ich mich hier in dieser Stadt wirklich einmal Zuhause fühlen zu können.
Mein Herz schlug höher, als ich in einer kleinen Seitenstraße ein kleines Café entdeckte. Ich setzte mich und wurde auch sogleich von einem freundlich lächelnden Kellner gefragt, was ich denn gerne hätte. Ich lächelte zurück und bestellte meinen heißgeliebten Kaffee. Auf die frage hin, ob ich Milch oder Zucker dazu wolle antwortete ich weder noch und ließ ihn wissen das ich meinen Kaffee schwarz trank. Auch nachdem der Kellner bereits gegangen war, um meinen Wunsch zu erfüllen konnte ich einfach nicht aufhören zu grinsen. Die Menschen in dieser Stadt hatten wirklich die Sonne im Herzen. Ja, hier würde ich mich sicher wohlfühlen. Mir wurde bewusst, dass ich schon nach der kurzen Zeit, die ich jetzt hier war eine Schwäche für diesen Ort entwickelte hatte, weshalb ich noch mehr hoffte, dass es mit dem Ausbildungsplatz klappte.
In diesem Moment brachte der Kellner meinen Kaffee. Er hatte wieder dieses herzliche Lächeln auf den Lippen, als er das Getränk vor mir abstellte und fragte mich ob ich noch einen Wunsch hätte. Ich verneinte dies und so ließ er mich wieder allein.
Während ich den wirklich unglaublich guten Kaffee genoss, betrachtete ich verträumt die Umgebung, verfolgte die Bewegungen der Menschen die mal gemächlich mal hektischer an mir vorbei kamen. Ein leichter Wind kam auf, fegte durch die Blätter der Bäume, die das kleine Cafe umgaben und verwehte mein langes schwarzes Haar. Der Geruch von Frühling stieg mir in die Nase und vermischte sich mit dem Geruch des Kaffees, der vor mir stand. Ein herrliche Mischung, die mir ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen zauberte.
Nach einiger Zeit entschied ich, dass es wohl das Beste wäre, endlich meinen Weg fortzusetzen, immerhin wollte ich bevor es dunkel wurde wieder bei meinem Hotel sein. Aber vor allem wollte ich noch mehr von dieser bisher wirklich wunderschönen Kleinstadt sehen. Also winkte ich dem Kellner und bedeutete ihm so, dass ich gerne zahlen würde. Er nickte und signalisierte mir, dass ich einen kurzen Moment warten sollte und er sofort zu mir kommen würde. Wenige Minuten später kam er mit seinem, mir mittlerweile vertrautem, freundlichen Lächeln an meinen Tisch und gab mir die Rechnung. Ich erwiderte sein Lächeln, bezahlte die Rechnung und gab dem Kellner für die freundliche Bedienung noch ein Trinkgeld.
Ich verabschiedete mich und verließ das Cafe um meine Erkundung durch die Stadt fortzusetzen.
Ich sollte meinen Entschluss noch etwas in der Stadt herum zu bummeln nicht bereuen, denn die Altstadt hielt, was sie versprach. Märchenhafte historische Gebäude umgeben von so vielen Brunnen, wie ich sie noch nie in einer anderen Stadt Deutschlands gesehen hatte. Trotz ihrer Zahl war keiner der Brunnen verdreckt. Alle waren sie mit blauen Fliesen ausgelegt und mussten wohl mindestens einmal wöchentlich gereinigt werden. Aber der Höhepunkt meiner Erkundung war das wunderschöne Schloss, mit dem weiten Platz der sich davor erstreckte. So geschah es, dass ich vor lauter Sehenswürdigkeiten völlig die Zeit vergaß und auch nicht merkte, dass das Wetter langsam auffrischte. Ein blick in den Himmel, der sich ziemlich verfinstert hatte, sagte mir dann aber unmissverständlich, dass ich mich jetzt wohl doch lieber wieder auf den Weg zurück zu meinem Hotel machen sollte. Also raffte ich meine Jacke enger um mich und machte mich daran den Weg zurück zu meinem Hotel zu finden.
Es erstaunte mich, dass ich trotz der Tatsache, dass mein Orientierungssinn dem einer Bockwurst glich, relativ schnell zu der Bushaltestelle zurückfand, von der aus der Bus in den kleinen Vorort zurückfahren würde, in dem sich mein Hotel befand. Ein Hotel in der Stadt direkt hatte ich mir nicht leisten können, doch mit Hilfe einer Freundin hatte ich diese nette kleine Pension ausfindig gemacht, die sich inmitten eines kleinen Ortes befand, der aus nicht mehr als zwei Straßen bestand. Zu meinem Glück kam der Bus nicht lange nach meinem Eintreffen an, sodass ich nicht lange warten musste. Ich stieg ein und zeigte dem Fahrer meine Wochenkarte, die ich mir vorsorglich gekauft hatte, da ich vorhatte die ganze Woche über hier in dieser Gegend zu verbringen. Der Mann nickte freundlich und bedeutete mir weiter zu gehen, ich ging bis ganz hinten durch und suchte mir dort einen Platz am Fenster.
Während der Fahrt steckte ich mir die Stöpsel meines MP3 Players in die Ohren und suchte nach ruhiger Musik, um etwas zu entspannen. Während die Musik auf mich einwirkte, blickte ich aus dem Fenster und beobachtete wie zuerst die Stadt und dann die bergige Landschaft an mir vorbeizog.
Ich hatte gelesen, dass man diese kleine Gebirgslandschaft die Rhön nannte, wobei ich fand, dass dieser Name der schönen Landschaft nicht gerecht wurde. Um ein Haar hätte ich vor lauter Bewunderung der Landschaft meine Haltestelle verpasst. Fluchend sprang ich auf und stürzte in letzter Sekunde aus dem Bus.
Nun, da ich mich wieder in dem kleinen Ort befand, der für einige Tage meine Heimat sein würde, fiel mir zum ersten Mal auf, dass auch dieser Ort einen eigenen und sehr charmanten Charakter hatte. Natürlich, ich war erst sehr spät gestern Abend eingetroffen, da war es klar, dass ich von der schönen Landschaft, die sich direkt vor meiner Haustür befand nicht viel mitbekommen hatte.
Es begann ganz leicht zu tröpfeln. Ich musste mich beeilen, dass ich zu meinem Hotel kam, bevor es richtig anfing zu regnen. Ein etwas längerer Fußmarsch lag noch vor mir. Zwar bestand dieser Ort nur aus zwei Straßen, aber diese Straßen hatte es in sich. Befand sich doch die Bushaltestelle an einem Ende des Dorfes, so befand sich mein Hotel am anderen. Eine schnellere Gangart einschlagend, zündete ich mir eine Zigarette an und zog genüsslich daran. Ja, das Rauchen war wohl eines der Laster, die ich nicht mehr loswerden würde und wenn ich ehrlich war, wollte ich das momentan auch gar nicht. Ich merkte, wie der Regen langsam immer stärker wurde und beschleunigte meine Schritte etwas. Um nicht völlig dem Wetter ausgeliefert zu sein, zog ich die Kapuze meiner Jacke über den Kopf.
‚Das Wetter ist wirklich unheimlich launisch in diesem Bundesland. Noch vor einer halben Stunde schien die Sonne und jetzt regnet es“, dachte ich kopfschüttelnd und fühlte mich irgendwie ein bisschen an meinen Englandurlaub erinnert. Da war das Wetter auch unberechenbar gewesen.
Ich sah die niedliche, kleine Kapelle die mir schon am Vorabend auf grund ihrer Beleuchtung aufgefallen war und wusste, dass es nun nicht mehr weit sein würde. Vor der Kapelle befand sich ein kleiner Friedhof, doch ich achtete nicht weiter darauf, da ich nicht glaubte, dass sich bei dieser Witterung jemand dort befinden würde.
Noch im selbem Moment wurde ich jedoch eines Besseren belehrt, als direkt vor dem Friedhofstor jemand in mich hineinrannte. Als ich mich umsah, um zu sehen, wer mich da angerempelt hatte, blickte ich direkt in die blau-grauen Augen eines kleinen Jungen. Er hatte braunes, fast blondes lockiges Haar und kam mir aus irgendeinem Grund ein kleines bisschen bekannt vor.
Überrascht blickte der Junge mich an.
„Oh entschuldigen Sie bitte“, sagte er mit aufgeweckter Stimme und zeigte keinerlei Scheu geschweigedenn Angst.
„Das macht doch nichts“, versicherte ich dem Kleinen, der auf mich wie ein sehr munteres und aufgewecktes Kind wirkte. Sein Alter schätzte ich in etwas auf vier Jahre. Es war selten, dass Kinder in diesem Alter schon so aktiv waren. Das wusste ich aus Erfahrung, hatte ich Kinder in diesem Alter doch eher als etwas schüchtern erlebt. ‚Natürlich sind nicht alle Kinder gleich’, schalt ich mich gleich in Gedanken, nur um mich gleich wieder meinem neuen Freund zu zu wenden, der mich nun neugierig musterte.
„Wie heißt du denn?“, fragte ich den Kleinen.
„Sebastian“, bekam ich auch prompt meine Antwort.
„Du Tante, du bist neu hier, oder? Ich hab dich zumindest noch nie hier gesehen“, kam die neugierige Frage und ich musste lachen. D
Dieser Junge war wirklich aufgeweckt.
„Ja ich mach hier sowas wie Urlaub“, erklärte ich und sah mich instinktiv nach den Eltern des Jungen um. Da aber weit und breit niemand zu sehen war, wandte ich mich wieder Sebastian zu, um ihn zu fragen, warum er hier so alleine herumlief.
„Sag mal, warum läufst du denn hier so allein herum? Wo ist denn deine Mama?“
Der Kleine wurde auf einmal ganz still und kaute auf seiner Unterlippe herum. Irgendetwas sagte mir, dass ich gerade in ein gewaltiges Fettnäpfchen getreten war. Und so war es dann auch, denn der Kleine sah mich jetzt an ohne zu lächeln und sagte ganz leise: „Mama ist im Himmel.“
Ich erschrak. Ich wusste genau, wie es war einen geliebten Menschen zu verlieren und hätte mich für meine Frage selbst ohrfeigen können. Doch der Kleine ließ mir keine Zeit, etwas zu erwiedern. Er erzählte mir, dass er seine Mutter nie kennengelernt hatte und nur von den Erzählungen seines Vaters wusste, wie sie gewesen war. Es erstaunte mich, denn für sein Alter war Sebastian schon sehr erwachsen. Er erzählte mir auch, dass er nicht alleine hier war, sondern gemeinsam mit seinem Vater seine Mutter besucht hatte.
Ich entschied, dass ich den Kleinen zurück zu seinem Vater bringen würde. Auf ein paar Minuten früher, oder später, die ich in meinem Hotel eintreffen würde, kam es jetzt auch nicht mehr an und nass war ich ohnehin schon.
„Komm Sebastian, wir gehen jetzt zu deinem Vater. Er macht sich sicher schon Sorgen!“
Der Kleine nickte und führte mich in den Friedhof hinein, woraus ich schlussfolgerte, dass sein Vater wohl noch am Grab seiner Mutter stand.
Im nachhinein erscheint mir das was dann geschah fast wie ein Wunder, denn als wir uns dem Grab näherten an dem als einziger eine einzelne Person stand, blieb mir vor Schreck erst einmal der Mund offen stehen. Nur wenige Meter von mir entfernt stand ein nicht gerade hochgewachsener Mann mit kinnlangen braunen, fast blonden Haaren. Ich glaubte zu halluzinieren. Konnte es wirklich sein, dass er das war?
„Ähm Sebastian, sag mal, wie heißt du eigentlich mit Nachnahmen?“, fragte ich meinen Begleiter, um mir ganz sicher zu sein.
„Sammet, wieso fragst du das Tante?“, kam auch gleich die Antwort, die mir bestätigen sollte, dass ich nicht halluzinierte. Vor mir stand tatsächlich Tobias Sammet, ganz offensichtlich am Grab seiner Frau. Ich konnte es einfach nicht fassen. Niemand hatte gewusst, dass er eine Familie gehabt hatte. Der Kleine war vier Jahre alt und in den vergangen Jahren war ich häufig auf einem Konzert von Tobias’ Band Edguy gewesen und nie hatte er sich etwas anmerken lassen.
Er war immer das fröhliche, hyperaktive Energiebündel gewesen, das die Fans kannten und liebten. So wie er jetzt vor mir stand hatte ich ihn nie erlebt. Er hatte trotz dieses Schicksalsschlages für seine Fans alles gegeben und ganz offensichtlich auch für seinen kleinen Sohn, denn der Junge war unheimlich aufgeschlossen und liebenswürdig. Eben ganz der Vater.
Bevor ich meine Gedanken weiterführen konnte, wandte Tobias sich zu uns um.
„Komm Sebastian, lass uns nach Hause gehen. Der Regen wird immer stärker“, sagte er zu seinem Sohn, ehe sein Blick auf mir ruhte. Erst sah er mich überrascht und dann leicht irritiert an. Ich konnte seinem Blick einfach nicht standhalten und starrte deshalb etwas beschämt und betreten zur Seite. Bestimmt war er wütend, weil ich ihn in so einem verletzlichen Moment erwischt hatte, oder schlimmer noch er hielt mich für ein aufdringliches Fangirl, das ihn verfolgt hatte. Dabei war es nur Zufall gewesen, dass sein Sohn in mich reingerannt war. Ob er mir das glauben würde?
Ich wusste beim besten Willen nicht, was ich sagen sollte also schwieg ich einfach. Doch Sebastian nahm mir die Entscheidung ab.
„Du Papa die Tante hier hab ich am Tor getroffen. Sie macht Urlaub hier und ist voll nett“, plapperte der Kleine drauflos.
„Ähm ja, ich dachte ich bringe ihnen ihren Sohn zurück, da sie sich zweifellos Sorgen gemacht haben!“
Bei Autogrammstunden hatte ich Tobias bisher immer geduzt, aber hier erschien es mir einfach passender, ihn zu siezen.
„Ja vielen Dank. Er läuft ganz gerne mal weg. Eine Eigenart, die er wohl von mir hat“, gab er zurück.
„Wie heißen Sie“, wollte er dann wissen und ich antwortete: „Ich heiße Cathleen und bitte duzen sie mich doch. So alt bin ich noch nicht!“
„Also Cathleen ich bin Tobias“, gab er zurück und ehe ich etwas dagegen tun konnte, verselbständigte sich mein Mund und ich gab ein „Ich weiß“ von mir.
Überrascht sah er mich an und ich hätte mich zum zweiten Mal an diesem Tag am liebsten geohrfeigt.
~*~
Da stand ich nun am Grab meines Engels, so wie an jedem Tag an dem ich nur eine freie Minute hatte. Man sollte meinen, dass es nach vier Jahren nun Routine und nicht mehr ganz so schwer war, doch das stimmte nicht. Es war noch genauso schwer wie am Tage ihrer Beerdigung und es würde niemals leichter werden, das wusste ich.
Niemals würde ich sie vergessen können und das wollte ich auch gar nicht. Sie war ein Teil von mir. Meine Muse, mein Licht auch über den Tod hinaus. Zwar hatte ich dank meines Sohnes, meiner Freunde und nicht zuletzt wegen der Musik meinen Lebenswillen nicht verloren und konnte auch noch Freude am Leben empfinden, doch ich war überzeugt, dass ich niemals wieder ein Frau so sehr lieben könnte, wie ich sie geliebt hatte. Ja, die Musik. Durch sie hatten wir uns kennengelernt, mein Engel und ich. Auch ihre große Leidenschaft war die Musik gewesen. Noch heute erinnere ich mich daran, wie ihre Augen geleuchtet hatten, wenn ich ihr etwas vorspielte und sang. Mein Blick ruhte auf dem kalten, schwarzen, marmornen Stein, in dem, umgeben von Engelflügeln, ihr Name eingemeißelt war. Es brachte nichts nach dem ’Warum’ zu fragen, das wusste ich, dennoch quälte diese Frage mich nun schon seit vier Jahren. Jedesmal, wenn mein Sohn mich nach seiner Mutter fragte und ich ihm Bilder von ihr zeigte, ihm erklärte, was für ein wundervoller Mensch sie gewesen war, er sich aber nicht erklären konnte, warum sie nicht mehr bei uns war, kam mir nur ein einziger Gedanke.
‚Das Leben ist einfach nicht fair!’
Noch weniger, als ich, verstand mein Sohn, was wir getan hatten, dass man sie so früh von uns genommen hatte. Ich hatte ihr damals, als sie in meinen Armen gestorben war, versprochen, dass ich auch ohne sie versuchen würde, mein Glück zu finden und ich tat es. Versuchte nach Leibeskräften mir und meinem Sohn ein glückliches Leben zu ermöglichen. Meistens gelang es mir auch. Mein Sohn und meine Freunde, sowie auch die Musik machten mich glücklich und irgendwie gelang es mir, auch meine Fans in dem Glauben zu lassen, es währe nie etwas Schlimmes in meinem Leben passiert.
Ich spürte, wie mein Sohn sich von meiner Seite entfernte. Ich ließ ihn gewähren, denn da es sich bei ihm nunmal um meinen Sohn handelte, fiel es ihm unheimlich schwer still zu stehen. Sebastian, ich war so stolz auf den Kleinen. Er hatte seine Mutter niemals kennengelernt und doch hing er an ihr und wollte, so wie ich, jede freie Minute bei ihr sein. Sei es auch nur an ihrem Grab. Doch ich hatte ihm einst erklärt, dass seine Mama immer über ihn wachte, denn die Menschen, die wir lieben werden immer in unseren Herzen weiterleben und das wusste er auch.
Ich ließ den Blick wieder über den Namen meiner Frau auf dem kalten Stein gleiten.
„Meine Liebste, kannst du sehen, wie groß unser Sohn geworden ist? Er sieht dir so ähnlich. Jedesmal, wenn ich ihn sehe, ist es als währe ein Teil von dir noch immer hier. Ich wünschte, du währst noch hier und könntest ihn aufwachsen sehen!“
Um mich herum wuchs das beständige Nieseln, das schon eine Weile anhielt zu immer stärker werdendem Regen heran, doch es störte mich nicht im Geringsten. Im Gegenteil, bei Regen dachte ich meist noch stärker an sie, denn sie hatte den Regen geliebt. Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, wie sie sich selbst immer als Gewitterhexe bezeichnet hatte. Noch lieber als den Regen hatte sie den Schnee gehabt. Wie ich, war sie eine hoffnungslose Romantikerin und hatte es sehr genossen, den fallenden Flocken dabei zuzusehen, wie sie die Welt in strahlendes Weiß tauchten. Aus diesem Grund hatten wir auch am 24. Dezember, Heiligabend, geheiratet, weil es ihr der liebste Tag des Jahres gewesen war. Zu diesem Zeitpunkt bezweifelte ich noch sehr, dass ich jemals wieder ein Frau so würde lieben können und wollte es auch gar nicht. Ich wollte meiner großen Leidenschaft, dem Musikmachen nachgehen und für meinen Sohn da sein.
Der Geruch von feuchtem Gras stieg mir in die Nase und ich merkte, dass meine Kleider langsam durchnässt wurden. Mich selbst hätte das wenig gekümmert, aber ich war nicht allein und musste darauf achten, dass Sebastian nicht krank wurde. Immerhin hatte ich meinem Engel versprochen, mich gut um unser gemeinsames Kind zu kümmern.
„Komm Sebastian, lass uns nach Hause gehen, der Regen wird immer stärker“, rief ich und sah in diesem Moment auch schon meinen Sohn auf mich zu gehüpft kommen. Aber er war nicht allein. Neben ihm lief eine junge Frau mit langen leicht gelockten schwarzen Haaren, die genau wie ich schon sehr durchnässt zu sein schien und mich unsicher ansah. Im ersten Moment konnte ich ihren Blick nicht deuten. Sah sie mich so an, weil sie mich kannte? War sie vielleicht sogar ein Fan? Ich hoffte innerlich, dass dem nicht so war. Zwar mochte ich meine Fans sehr, aber im Augenblick hatte ich keinen Nerv dafür, mich mit einem Fangirl auseinander zu setzen. Aber sie verhielt sich ganz und gar nicht wie ein Fangirl. Es schien als wüsste sie nicht genau, was oder ob sie überhaupt etwas sagen sollte.
„Du Papa die Tante hier hab ich am Tor getroffen. Sie macht hier Urlaub und ist voll nett“, plapperte da auch schon Sebastian drauflos, woraufhin sich die junge Frau etwas zu entspannen schien.
Ich betrachtete sie von Kopf bis Fuß und musste zugeben, dass sie wirklich sehr hübsch war. In gewisser Weise erinnerte sie mich sogar an meinen Engel, denn so ähnlich hatte sie sich bei unserer ersten Begegnung auch verhalten. Während ich noch nachdachte teilte sie mir mit, dass sie mir meinen Sohn hatte zurückbringen wollen, woraufhin ich mich bedankte. Falls diese Frau wirklich ein Fan war, so wusste sie sich definitiv zu benehmen, was man leider nicht von allen Fans behaupten konnte. Dies hatte mein Frau schmerzlich am eigenen Leib erfahren müssen. Damals hatte ich gelernt, dass es auch unter unseren Fans schwarze Schafe gab. Doch zum Glück gehörte diese junge Dame, wenn sie denn ein Fan war, nicht zu dieser Sorte.
„Wie heißen Sie?“, fragte ich sie schließlich, denn da ich sie hier noch niemals gesehen hatte, war ich doch neugierig geworden, woher sie wohl kam.
„Ich heiße Cathleen und bitte duzen sie mich. So alt bin ich noch nicht“, erwiderte sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Cathleen also. Ich fand, dass dieser Name sehr gut zu ihr passte und beschloss, mich für den Fall, dass sie mich doch nicht kannte auch einmal vorzustellen.
„Also Cathleen, ich bin Tobias“, erwiderte ich und fand es aus irgendeinem Grund seltsam, ihren Namen auszusprechen. Doch als sie als Antwort ein „Ich weiß“ von sich gab, wusste ich dass sie mich doch kannte und sah gleichzeitig, dass es ihr wohl ziemlich unangenehm war, dass ihr das herausgerutscht war.
„Also doch ein Fan, ich hab noch überlegt“, erwiderte ich, woraufhin sie ein
„Es tut mir Leid. Ich wollte sie nicht... ich meine, ich bin ihnen nicht...“, stammelte sie.
„Du! Wir waren beim Du und ich kann dich beruhigen, ich habe keine Sekunde geglaubt, dass du mich verfolgt hast“, beruhigte ich sie, woraufhin sie einen erleichterten Seufzer ausstieß. „Papa mir ist kalt“, quengelte Sebastian und zog ungeduldig an meinem Hosenbein.
„Es tut mir Leid, ich hätte mich gerne noch länger unterhalten, aber mein Sohn sollte dringend ins Trockene“, entschuldigte ich mich bei Cathleen, woraufhin sie lächelte und meinte
„Das ist schon in Ordnung nicht, dass sich der Kleiner noch erkältet. Ich wollte sowieso gerade zurück in mein Hotel.“ Auf meine Frage, wo sie denn herkam antwortete sie mir, dass sie aus NRW hierhergekommen war, weil sie hier eine günstige Unterkunft gefunden hatte, da sie sich in Fulda um einen Ausbildungsplatz beworben hatte und nun auf die Entscheidung des Betriebs wartete.
„Nun dann drücke ich dir mal die Daumen“, sagte ich und verabschiedete mich von ihr, da mein Sohn erneut anfing zu quengeln. Sie streichelte Sebastian kurz über den Kopf und wandte sich dann zum Gehen.
„Vielen Dank und auf Wiedersehen“, rief sie mir noch hinterher und rannte unter dem Regen hindurch zu ihrem Hotel.
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So und das war auch schon das erste Kapi, da mich eure Meinung zu meinem neusten Werk wieder brennend interessiert würde ich mich sehr über Revs mit eventuellem Lob oder Verbesserungsvorschlägen freuen.
Bis zu nächsten mal,
Eure Fanthagiro
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