Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
«
»
von gugi28    erstellt: 20.03.2009    letztes Update: 12.06.2009    Geschichte, Drama / P18 Slash    (fertiggestellt, keine anonymen Reviews)
Hallo meine Süßen!


Endlich wieder Freitag! Endlich wieder Wochenende! *happy bin* Und? Wie geht’s euch denn so? Habt ihr die Woche gut überstanden?

Was gibt es noch zu sagen? Dieses Kapitel ist … *überleg* einschneidend. Ich hoffe doch sehr, ihr könnt die Vorgehensweise in diesem Kapitel nachvollziehen! Denn es gibt immer zwei Wege: direkt und indirekt. Welcher wohl das Rennen macht, erfährt ihr nur, wenn ihr dieses Kapitel lest! ^_^

Viel Spaß beim Lesen! Knutscha an euch, gugi



==========================

Kapitel 03 - Eindringling

==========================



Weitere zwei Tage vergingen, in denen Harry Potter nicht ein einziges Mal aus seinem Haus kam und Draco damit den letzten Nerv raubte. Wenn Blaise nur wüsste, wo er sich jetzt aufhielt - was würde er wohl tun? Ihn auslachen? Ihn zurecht stutzen? Ihm Ratschläge geben? Draco wollte es sich lieber nicht vorstellen, dafür aber ein anderes Szenario: Was würde passieren, wenn er bei Harry Potter klingelte?

Wer ist da?
Ich!
Wer ist ich?
Mach auf, dann weißt du es!

Harry würde die Tür öffnen, vor Schreck erstarren und sie knallend wieder ins Schloss zurückschleudern.

Nein, so konnte und wollte Draco es nicht angehen. Wenn Harry auch nur den Hauch einer Ahnung davon hätte, dass Draco als sein Stalker auf der Lauer lag, dann wäre er geliefert! Also musste er sich etwas Anderes einfallen lassen. Etwas, was erfolgversprechender war. Nur was?

Erneut kam der Zufall ihm zur Hilfe, diesmal in Gestalt eines Lieferanten in weißer Uniform.

Ein Junge von schmächtiger Figur kam um die Ecke, schlenderte pfeifend den schmalen Gehweg entlang und war soeben dabei, Harrys Anwesen zu betreten, als Draco seine Chance nutzte, aus seinem Versteck lospreschte und den Jungen abpasste. Er krallte seine Hand in dessen Schulter und wirbelte ihn herum.

„Oh bitte! Ich bitte Sie! Tun Sie mir nichts! Ich … Ich habe kein Geld!“, wimmerte der Junge mit dem schmalen, blassen Gesicht. Er hielt schützend seine Arme vors Gesicht und sah Draco aus großen, ängstlichen Augen an.

„Dein mickriges Geld interessiert mich nicht!“, fauchte Draco ungehalten. „Was hast du da und für wen ist das?“

„Ha- Haben Sie Hunger? Das ist chinesisches Essen, Sir. Knusprige Ente m-mit Sojasprossen. Eine Bestellung für Mr. Potter“, stammelte der Lieferant, er zitterte wie Espenlaub.

Auf Dracos Lippen zeichnete sich ein gehässiges Grinsen ab. „Gib mir deine Mütze!“, befahl er ihm.  

Der Junge gehorchte, denn der blonde Mann war schließlich einen Kopf größer als er und wirkte ziemlich Furcht einflößend auf ihn.

„Und nun will ich auch die Bestellung und deine Jacke, und zwar rasch!“

Der Lieferant tat, was von ihm verlangt wurde. Seine Hände zitterten unentwegt.

„Warte hier auf mich, ich bringe dir die Sachen gleich wieder. Ach ja – wie viel kostet das?“, erkundigte sich Draco etwas beherrschter. Der überrumpelte Junge nannte ihm stotternd die Summe, wurde von Draco sogar mit Trinkgeld ausbezahlt und blieb verdutzt an Ort und Stelle stehen. Also ehrlich! Aus dem sonderbaren Mann wurde er nicht schlau! Was wollte er mit seinen Sachen? Würde er das je erfahren?

Draco setzte sich die weiße Mütze auf, schlüpfte in die etwas zu enge Jacke und spazierte mit Harrys Bestellung zu seiner Tür.

Er klingelte.

Von innen hörte er Schritte, dann wurde ihm die berechnende Frage gestellt: „Wer ist da?“

„Lieferservice! Ihre Bestellung, Mister Potter!“, verstellte Draco seine Stimme. Er hielt den Kopf absichtlich gesenkt, da Harrys Tür einen Spion besaß und der blonde Auror nicht erkannt werden wollte. Zu viel stand auf dem Spiel! Er war so nahe an seinem Ziel! Dracos Herzschlag beschleunigte sich, als ihm tatsächlich geöffnet wurde. Kaum dass die Tür offen stand, stürmte er an Harry vorbei und lief in die Küche, die nicht schwer zu finden war.

Harry stutzte über das impulsive Auftreten des Lieferanten, schloss die Eingangstür und folgte ihm nichts ahnend. „Ähm, Sie hätten meine Bestellung nicht bis in die Küche tragen müssen. Wie viel schulde ich Ihnen?“ Harry griff in seine Hosentasche, in der sich das Geld befand.

„Gar nichts, Potter, die Rechnung habe ich bereits beglichen“, gab sich Draco zu erkennen, drehte sich zu ihm um und zog sich triumphierend die Mütze vom Kopf. Silbergraue Augen traktierten Harry. Der Inhaber des Hauses bekam einen gewaltigen Schock, wandte dem Eindringling hastig seine Kehrseite zu und versuchte, sein Herzrasen irgendwie in den Griff zu bekommen.

Malfoy?!“, keuchte er überrumpelt und zog sich die Kapuze noch tiefer in die Stirn. „Was zum Teufel  willst du hier!“

„Dich besuchen. Bin ich nicht nett?“, säuselte der Blonde. „Und ich habe dir sogar etwas zu essen mitgebracht!“ Als hätte er ewig Zeit, zog er sich gemächlich die Jacke aus und zauberte sie mitsamt der Mütze nach draußen. Dass der arme Lieferant - er war ein Muggel - den Schreck seines Lebens bekam, als er die beiden Stücke plötzlich in Händen hielt, interessierte Draco nicht im Geringsten. Auch nicht, dass er schreiend das Weite suchte und sich in dieser Gegend wohl nicht mehr blicken lassen würde.

„Auf deinen Besuch kann ich getrost verzichten! Verschwinde!“, forderte Harry panisch, er fühlte sich in seinem eigenen Haus wie ein Gefangener.

„Nein“, erwiderte Draco gelassen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede, Potter!“

Nein!“ Harry wusste nicht, wie er sich in dieser Situation verhalten sollte, also blieb ihm nur eine Wahl: Flucht! Er sprintete aus der Küche, hetzte die Stufen hoch und sperrte sich in seinem Schlafzimmer ein. Draco war ihm zwar dicht auf den Fersen, kam allerdings zu spät und sah sich mit einer versperrten Tür konfrontiert. Frustriert klatschte er mit der flachen Hand dagegen und ließ den Kopf hängen.

Komm schon, Potter! Ich bin hier, weil …“ Tja, Draco hätte sich wohl schon früher überlegen sollen, wie er sein Auftauchen erklären konnte – und zwar plausibel!

Hau endlich ab, Malfoy! Ich will dich nicht sehen!, drang es gedämpft durch die Schlafzimmertür.

„Irgendwann musst du da rauskommen, Potter!“

Nein!

„Du musst was essen! Dein chinesisches Essen wartet auf dich!“, glaubte Draco, einen Trumpf im Ärmel zu haben.

Dann esse ich eben nichts! Das fällt mir nicht schwer!

Dumm gelaufen, denn das glaubte Draco ihm sofort. „Hör mal, Potter. Ich bin nicht hier, um mit dir zu streiten, sondern um dir zu helfen.“

Du willst mir helfen? Ausgerechnet du?! Zieh Leine, Malfoy! Du bist doch nur hierher gekommen, um dich über mich lustig zu machen!

„Da liegst du falsch“, seufzte Draco leise. Da er sich an die Tür gelehnt hatte, bekam er das Gefühl, dass Harry ebenfalls daran lauschte.

Was hast du gesagt?

Draco schmunzelte. „Ich sagte, dass du falsch liegst. Hat Blaise dich nicht aufgeklärt? Wir Slytherins lachen zwar gerne Leute aus, aber aus anderen Gründen. In deinem Fall gibt es nichts zu lachen“, schnarrte er.

Ich vertraue dir nicht, Malfoy! Bitte – bitte geh einfach.

Heulte Potter etwa? Draco runzelte die Stirn. Nein, einen heulenden Potter konnte und wollte er nicht ertragen! Klar, es war fies von ihm gewesen, sich unter falschem Vorwand Eintritt in Harrys Haus zu verschaffen, aber so war nun mal Dracos Naturell. Wenn er sich etwas in den Kopf setzte, dann zog er es auch durch!  

Draco trat von der Tür zurück und zückte seinen Zauberstab. „Ich komme jetzt zu dir rein, Potter.“

Hau endlich ab!

„Ich zähle bis drei. Eins …“

Verschwinde!

„Zwei …“

Du sollst mich endlich in Ruhe lassen!

„Drei!“ Draco kannte kein Erbarmen und sprengte die Tür in den Raum hinein. Wie er es erwartet hatte, war Harry ziemlich schießwütig, doch Draco bog sich noch rechtzeitig aus der Schusslinie des Konterfluches, der hinter ihm ein Loch in die Wand riss. Ein kleines Duell entstand, bei dem niemand gewinnen konnte.

„Lass den Scheiß und hör endlich auf, dich zu wehren, Potter! Verdammt noch mal, ich bin genauso gut wie du, du Idiot! Wir haben die gleiche Aurorenprüfung absolviert!“, keuchte Draco, während er sich abrollte, um dem nächsten Fluch nur haarscharf zu entgehen. Harry sagte nichts dazu. Er verschanzte sich hinter der Längsseite seines Bettes, suchte dort Deckung und feuerte, was das Zeug hielt.

Der blonde Auror schallt sich gedanklich einen Volltrottel. Wieso auch musste die sture Seite in ihm unbedingt die Oberhand gewinnen? Wieso hatte er seinen Plan, Potter zur Vernunft zu bringen, nicht schon längst über den Haufen geworfen? Über den Haufen werfen war ein sehr gutes Argument und zudem auch noch eine gute Idee. Dieser Haufen war allerdings das Bett, denn Draco lief darauf zu, wich den Flüchen aus und sprang ab. Er vollführte eine Rolle auf dem Bett, kam neben Harry auf und hinderte ihn mit eisernem Griff daran zu flüchten.

„Lass mich los! Lass mich sofort los!“ Harry versuchte verzweifelt, sich loszureißen, doch aus Draco war in den letzten Jahren ein ziemlich starker Mann geworden.

Endlich kam es dem Blonden zugute, im Ausland als Zuschauer einigen Ringerkämpfen beigewohnt zu haben, was so viel hieß, dass einer seiner Kollegen – er war ebenfalls Fan von solchen Kämpfen und hatte Draco stets begleitet - in seiner Freizeit als Trainingspartner herhalten musste. Draco wandte einen besonders kniffligen Griff an, aus dem Harry sich nicht mehr befreien konnte. Schließlich erstarb Harrys Gegenwehr und er hing schlaff in seinen Armen.

Der Blonde bemerkte, dass Harry Potter tatsächlich leise weinte und eine Welle Mitgefühl stieg in ihm hoch. Allerdings nahm er dies gerne in Kauf, bevor er tatenlos dabei zusah, wie sich Harry Potter sein Leben ruinierte oder es gar wegwarf.

„Potter“, appellierte er ungeduldig an ihn. „Du brauchst unbedingt Hilfe.“

„Aber nicht von dir – ich will keine Hilfe!“, heulte Harry auf.

„Ich weiß, und trotzdem bin ich hier.“ Draco ließ Harry endlich los, so dass sein Opfer sich frei bewegen und aufspringen konnte. Schwungvoll und aufs Äußerste geladen drehte sich Harry zu ihm um, zerrte sich die Kapuze vom Kopf und blitzte Draco wütend an.

Siehst du das? Hm?! Sieh-mich-an! Erfreue dich daran und dann hau ab! Du hattest Recht! Ich bin ein Narbengesicht!“, schleuderte Harry ihm giftig entgegen.

Draco war entsetzt! Von Blaise hatte er erfahren, wie Harry jetzt aussah, aber es mit eigenen Augen zu sehen, schockierte ihn. Wie gut, dass er es beherrschte, seine Gefühle hinter einer perfekten Maske zu verbergen. Scheinbar gelassen stand er auf, klopfte sich den imaginären Staub von der Kleidung und grinste Harry herablassend an. Er schnaubte. „Einmal Narbengesicht, immer Narbengesicht.“

Das hätte Draco wohl nicht sagen dürfen, denn Harry rastete aus. Mit einem Aufschrei schoss er auf Draco zu, holte mit seinem Arm aus und verpasste dem Blonden einen Faustschlag, der sich gewaschen hatte und allen Zorn dieser Welt in sich trug. Draco sah Sterne vor seinen Augen explodieren, taumelte getroffen zurück und stürzte zu Boden. Ächzend rappelte er sich wieder hoch und wischte sich das Blut von seiner aufgeplatzten Lippe. Sein eisener Blick hielt dem Harrys stand.

„Ich sage es dir ein letztes Mal, Malfoy: Verschwinde aus meinem Haus!“, schnappte Harry unheilvoll und zeigte mit seinem Zauberstab auf ihn.

„Und was tust du, wenn ich nicht gehe?“, gab Draco nicht so schnell auf. Harry zu provozieren, war seine volle Absicht, denn nur so konnte er ihn dazu bringen, endlich all seinen Hass, all seine Wut und Verzweiflung raus zu lassen.

Harry sah sich in einer Sackgasse. Malfoy hatte ihn in der Hand! „Ich könnte dich foltern. Und zwar so lange, bis du um Gnade winselst!“, drohte der Schwarzhaarige voller Zorn.

„Ja, das könntest du, und das solltest du auch“, bestätigte Draco gegen Harrys Erwartungen.

Verwirrung löste Wut ab. „Warum?“

Dracos trockenes Lachen drang an seine Ohren. „Damit würdest du endlich beweisen, dass du noch lebst, Potter! Okay, du siehst ein … wenig anders aus – na und? Dann ist das eben so! Dein Aussehen ist mir scheißegal! Kapiert? Aber dir nicht, was? Schmeckt es dir etwa nicht, dass du nicht mehr beliebt bist und von allen angehimmelt wirst? Ohhh, du armes Pottylein! Soll ich dich trösten?“, forderte Draco ihn erneut heraus.

Harry war ziemlich berechenbar, zumindest für Draco. Er rastete ein zweites Mal aus und ließ seine Fäuste sprechen. Draco wehrte sich zwar, aber zu Harrys Wohl steckte er die Treffer ein und keuchte vor Schmerz auf, wenn es besonders wehtat.

Wie Kleinkinder rangen sie miteinander am Boden, schenkten sich nichts und glaubten sich in die Hogwartszeit zurückversetzt. Erst als Harry erschöpft war und von Draco abließ, gestattete sich der Blonde, seine Körperspannung aufzugeben. Beide lagen nebeneinander auf dem Teppich und japsten nach Luft.

„Und? Wie geht es dir jetzt?“, keuchte Draco unter Schmerzen.

„Besser“, gab Harry nur ungern zu, sah ihn jedoch nicht an.

Sein ungebetener Gast setzte sich auf, blickte auf Harry hinab und griff nach dessen Arm. „Sieh mich an, Potter.“ Sekunden des Wartens verstrichen. Entnervt seufzte er und rollte mit den Augen. „Na mach schon!“

Harry musste sich ziemlich überwinden, Dracos Aufforderung nachzukommen. Als er in das Gesicht des Blonden sah, erkannte er in dessen Augen keinen Ekel. Eigentlich gar nichts.

„Wieso …?“, fragte Harry und setzte sich ebenfalls auf. Dass das Schlafzimmer ziemlich verwüstet aussah, störte die beiden nicht, dafür aber Hedwig. Sie fiepte, was das Zeug hielt, und flatterte aufgeregt mit ihren Flügeln.

„Wieso was?“, stellte Draco die Gegenfrage.

„Wieso lässt du mich nicht in Ruhe? Warum gibst du dich überhaupt mit mir ab? Wieso!?“

„Ich lasse dich deshalb nicht in Ruhe, weil ich nicht mit ansehen kann, wie du in Selbstmitleid versinkst! Geschnallt? Sicher, du bist entstellt und ich kann mir nicht vorstellen, wie du damit leben kannst, aber du lebst! Dein Gesicht sollte kein Grund dafür sein, dich aufzugeben! Ich möchte verhindern, dass … du auf den beschissenen Gedanken kommst, dir das Leben zu nehmen, du Idiot!“

Harry war entsetzt über diese Offenheit, die er von dem Blonden nicht erwartet hätte. „Wieso?“

„Kannst du auch mal etwas Anderes sagen als ständig wieso? Falls du es noch immer nicht geschnallt hast, Potter, können wir nicht miteinander und auch nicht ohneeinander. Wir sind voneinander abhängig – auf eine bizarre Art und Weise. Aber glaube jetzt nicht, dass ich Mitleid mit dir habe, denn das kannst du dir schnell wieder abschminken! Du fragst dich, was ich hier will? Ich will, dass du wieder ins Leben zurückkehrst und mir gefälligst Konter gibst, du Weichei! Wo zum Henker ist dein Gryffindormut? Wo dein Sturschädel?“, schimpfte er lautstark.  

Harry dachte über seine Worte nach. Das erste Mal sah er Malfoy mit anderen Augen, und trotzdem war er … „Du bist arrogant, selbstverliebt und nimmst keine Rücksicht auf andere, und schon gar nicht auf mich!“, ließ er den Blonden wissen.

„Kann schon sein“, zuckte Draco ungerührt mit den Schultern. „Aber so bin ich nun mal. Akzeptier es endlich!“

„Ja, leider“, schnaufte Harry.

„Leider oder Merlin sei Dank? Wie lange ist es her, dass du deine Gefühle in solch einem Ausmaß gezeigt hast? Es hat dir doch gut getan, mich zu verprügeln, oder? Streite es nicht ab!“

Draco sah Harry an und Harry sah Draco an.  

„Ähm, tut es sehr weh?“, kratzte sich Harry verlegen geworden an der Wange, Dracos Fragen überging er einfach.

„Es schmerzt wie die Hölle, aber ich nehme mal an, diese Schmerzen sind nichts im Gegensatz zu dem, was du fühlst.“ Dracos heiß ersehnte Chance war gekommen, um Harry eine saftige Standpauke zu halten. Und da sein Widersacher anscheinend verstummt war, setzte er sein Vorhaben in die Tat um.

„Ob es dir passt oder nicht, Potter: Von nun an bin ich dein Therapeut. Ich habe mir Urlaub genommen und mich dazu entschlossen, zu dir zu ziehen - wenigstens für eine Weile. Bevor du mir vorwerfen kannst, dass ich dich nicht kenne oder deine Situation nicht verstehe … Ich weiß alles!

Noch wohne ich bei Blaise und während er arbeiten war, habe ich all deine Briefe gefunden und sie gelesen. Ha! Ja, das passt dir jetzt nicht, stimmt‘s? Pech gehabt! In erster Linie tu ich es für Blaise, weil er sich Sorgen um dich macht. Tz! In zweiter Linie für unseren Chef, der mir deinetwegen die Ohren vollgejammert hat! Dann schließlich für mich, weil du leider der Einzige bist, der auf meinem Niveau kontern kann - und vielleicht auch für deine Freunde, die du ja nicht an dich ran lässt. Du willst keinen Psychiater besuchen? Gut, dann kommt deine Therapie zu dir! Selbst schuld, Potter!“

Draco holte nach seiner Standpauke erstmal tief Luft und beruhigte sich etwas. „Uhm, das chinesische Essen … Ist es ausreichend für uns beide? Ich hoffe es, denn ich habe Hunger. Komm schon Potter, unser Essen wird kalt. Arsch hoch!“

Mit den letzten Worten stand Draco auf, zog Harry unsanft auf die Beine und hinunter in die Küche. Harry brachte keinen einzigen Mucks raus, so entsetzt und erstaunt zugleich war er über die Worte des Blonden. Er konnte nicht ahnen, dass Draco ihn im Bezug auf Blaise angelogen hatte, denn der blonde Auror wollte seinen besten Freund nicht belasten und auch nicht die frische Freundschaft, die er und Harry zueinander pflegten.


°


Beide setzten sich an den Küchentisch und Draco öffnete die Verpackung. „Die Ente riecht zwar sehr gut, aber für uns beide wird diese kleine Portion nicht reichen.“ Draco überlegte nicht lange, zog seinen Zauberstab und vergrößerte sie.

„Wo finde ich die Teller? Potter? Potter! Hey, ich rede mit dir! T-E-L-L-E-R!“

„Was? Oh! Die sind dort oben im Schrank“, zeigte Harry automatisch in die entsprechende Richtung. Der Blonde seufzte, stand auf und holte zwei hervor, die er auf den Tisch stellte. „Besteck? Hast du auch was zu trinken da?“

„Ja“, sagte Harry lahm und gab dem Blonden weitere Anweisungen. Harry war noch immer verwirrt und sortierte endlich seine Gedanken. Einer von ihnen sprudelte aus ihm hervor: „Du kannst hier nicht wohnen, Malfoy!“ Na endlich kam der alte Harry wieder zum Vorschein!

„Und wieso nicht? Ist dein Haus bereits wegen Überfüllung geschlossen?“, fragte Draco prompt, während er die Portionen gerecht aufteilte und Harry seinen vollen Teller zuschob. „Dein Haus ist viel größer als die Wohnung von Blaise. Außerdem lebst du hier ganz alleine.“

„Na und?“, brauste Harry auf. „Es ist mein Haus, kapierst du das endlich?! Mein Haus, meine Entscheidung!“, tippte er mit seinem Finger gegen die Brust.  

„Mensch Potter! Für wie blöd hältst du mich eigentlich? Mir ist schon bewusst, dass das hier dein Haus ist – übrigens, es ist ziemlich passabel eingerichtet, für einen Gryffindor jedenfalls“, musste er noch gütigerweise anmerken. Den Rest von Harrys leidenschaftlicher Ansprache ignorierte er gekonnt. Für ihn war das nur unwichtiges Geschwafel.

Harry starrte ihn mit offen stehendem Mund an und Draco grinste herablassend. „Wenn dein Mund schon offen steht, Potter, könntest du ihn auch füllen. Iss!“

„Ich hab keinen Hunger“, schaltete Harry auf stur und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Soll ich dir nachhelfen?“, drohte Draco mit scharfem Unterton, seine Augen blitzten gefährlich auf. Harry schluckte schwer, da er sich an diesen einen Griff erinnerte, aus dem er sich nicht hatte befreien können.

„Ich mach ja schon“, gab er murrend nach, griff zur Gabel und schob sich mechanisch den ersten Bissen in den Mund. Malfoy war ihm ein Rätsel! Er …!? Besser, er sprach es aus.

„Ist deine Freundschaft zu Blaise wirklich so groß, dass du deinen Hass auf mich einfach so überwinden kannst?“, flüsterte Harry auf den Teller starrend.

Draco hielt im Essen inne und musterte ihn. Es folgte ein Seufzen. „Ich hasse dich nicht mehr. Aber ich mag dich auch nicht besonders. Meine Beweggründe, weshalb ich hier einziehe, habe ich dir bereits erklärt. Erinnerst du dich? Ich gebe dir einen gut gemeinten Rat, Potter: Du solltest dich mit meiner Entscheidung abfinden … Ist jedenfalls besser für deine überstrapazierten Nerven.“

Harry zwang sich, in Dracos Gesicht zu sehen. „Wieso werde ich trotzdem das Gefühl nicht los, dass du es vorrangig für dich tust? Du bist ein Egoist und denkst in erster Linie nur an dich. Du sagtest, du brauchst mich, um dir Konter zu geben!“

„Ist auch so“, zuckte Draco mit den Schultern, Harry stand erneut der Mund offen.

„Und wieder ergibt sich die Gelegenheit, ein weiteres Stück Ente zu essen. Du solltest tun, was ich dir sage, denn du bist ziemlich dünn geworden. Also? Was ist jetzt? Na mach schon!“

„Wieso willst du mein Therapeut sein? Weshalb glaubst du, dass ausgerechnet du es schaffst, mich zu … was auch immer!“ Bevor Harry weiter aß, wollte er seine Fragen unbedingt beantwortet haben.

Draco lachte leise auf. „Wieso ich glaube, dich therapieren zu können? Denk nach, Potter, denk bitte einmal in deinem Leben nach!“, stutzte er ihn zurecht. „Wer war in der Schule derjenige, der dich wütend gemacht hat? Wer war derjenige, der dich ausrasten ließ? Wer war derjenige, der deine Augen vor Emotionen zum Brennen brachte? ICH! Vor mir sitzt nicht mehr der Harry Potter, den ich kenne, und das hat jetzt nichts mit deinem Aussehen zu tun. Es fehlt das Lebendige in deinen Augen. Außerdem …“

Draco aß weiter, kaute ordentlich und schluckte den Bissen hinab. „Außerdem bin ich wieder in England, wie du ja mit eigenen Augen sehen kannst. Die Arbeit als Auror ist langweilig, wenn du nicht da bist. An wem sonst soll ich meine schlechte Laune auslassen? An Blaise? Nei-hein, er ist mein Freund!“

Harry schnaubte entrüstet. „Dann such dir jemand Anderes, an dem du deine Launen auslassen kannst!“

„Potter, Potter“, schüttelte Draco rügend den Kopf. „Kapierst du es noch immer nicht? In diesem speziellen Fall bist du der Gute und ich der Böse. Ich bin der Einzige, der in dir das Böse wecken kann und du ab und zu das Gute in mir.“

„Du … Du bist nicht wirklich böse“, runzelte Harry die Stirn. „Du bist höchstens ein Arsch.“

„Ist das nicht dasselbe?“, informierte sich der Blonde schnarrend zwischen zwei Bissen.  

„Ähm … Kann sein“, nuschelte Harry und aß weiter. Da sein Körper endlich wieder Nahrung aufnahm, konnte er auch Energie freisetzen, die Harry sofort zu spüren bekam. Die Kopfschmerzen gingen zurück und die Müdigkeit verschwand.

„Weasley und seine Frau vermissen dich“, wusste Draco zu berichten.

„Hast du sie gesehen?“, fragte Harry aufgeregt.

„Sie nicht, aber dafür Weasley. Er sieht ziemlich beschissen aus. Ich meine, das tat er auch schon früher, aber jetzt ist er ziemlich schmal geworden. Fast so dünn wie du. Aber ich kann dich beruhigen, Potter. Die Idee mit den Kopien deiner Tagebucheinträge helfen ihm und seiner Frau, dich besser zu verstehen. Du solltest unbedingt weiterschreiben.“

„Das werde ich auch tun“, entgegnete Harry neutral. „Aber muss es unbedingt sein, dass du hier einziehst?“, begann er zu quengeln.

Draco verdrehte seine Augen. „Ja, verdammt! So ganz freiwillig tu ich das auch nicht! Irgendjemand muss ja auf dich aufpassen, du Idiot! Wer weiß, was in deinem kranken Gehirn vorgeht? Denn angenommen, ich würde es nicht tun: Vielleicht nimmst du dir tatsächlich das Leben und dann muss ich mir das Geheule von Blaise anhören! Nein danke, dazu wird es nicht kommen!“

Harry enthielt sich einer Antwort und schaffte es sogar, seinen Teller leer zu essen – Draco war zufrieden. Der Blonde säuberte das schmutzige Geschirr mit einem Zauber, räumte es zu Harrys Erstaunen weg und setzte sich wieder zu ihm an den Tisch.

„Ich sollte dich verarzten“, betrachtete Harry Dracos Wange, die bereits bläulich angelaufen war.

„Wenn du meinst? Mir ist es egal.“

Harry nickte, erhob sich, eilte nach oben und kam nach wenigen Minuten wieder zurück – unter seinem Arm klemmte der Erste-Hilfe-Kasten.

„Was willst du denn mit dem Ding?“, belächelte Draco den weißen Kasten mit dem roten Kreuz.

„Wirst du gleich sehen.“ Harry öffnete zwei Verschlüsse, drückte den Deckel hoch und betrachtete den Inhalt, auch Draco musste ihn sich ansehen.

„Hier“, überreichte Harry ihm eine Salbe. „Trage sie auf die Wange und auf die Lippen auf.“ Dann zog er seinen Zauberstab und sprach einen Diagnosezauber über Draco. Gott sei Dank waren keine Rippen angeknackst oder gar gebrochen, so reichte die Behandlung der Wange und der Lippen aus.

„Wow, ich spüre schon die Wirkung – nicht schlecht“, gab Draco unerwartet zu und verschloss die Tube.

Harry nickte. „Hermine hat sie für mich zusammengestellt. Sie bewirkt Wunder.“ Erst jetzt bemerkte er Dracos Starren. „Sieh mich nicht so an!“, fauchte Harry sich unwohl fühlend.  

„Potter?“ Draco stand auf. „Ich will die Haut deines Gesichtes untersuchen.“

Sein Gegenüber war entsetzt. „Niemals! Lass ja deine Finger von mir!“

„Bei Merlins stinkenden Socken! Ich verspreche dir auch, dir keine reinzuhauen! Ich will nur etwas überprüfen! … Oder bist du etwa feige, Potty?“, provozierte Draco ihn schon wieder und setzte ein fieses Grinsen auf. Harry knurrte vor sich hin, gab aber nach. Zufrieden trat Draco näher an Harry heran und betrachtete ausgiebig dessen verunstaltetes Gesicht. Seine Finger strichen langsam von der Stirn abwärts über die Wangen zu seinem Kinn und Hals. „Hm.“

„Was hm?“, fragte Harry argwöhnisch.

„Du bist ganz rot im Gesicht. Das liegt aber nicht an deiner frischen Haut, sondern daran, dass ich dich berühre, hab ich Recht? Du brauchst doch nicht gleich schüchtern zu werden, Potter“, schnurrte Draco gehässig.

„Blödsinn! Nach dem Essen wird mir immer heiß! Das ist alles! Bilde dir bloß nichts ein!“, keifte Harry zum Trotz. Draco zog nur eine Augenbraue hoch.

„Lass deine Ausreden, kommen wir lieber zum Wesentlichen“, meinte er gelassen. „Deine neue Haut ist noch sehr weich. Die Chancen stehen gut, dass ein Chirurg dein Gesicht wieder ganz herstellen könnte.“

„Vergiss es!“, schnappte der Schwarzhaarige. „Ron hat sämtliche Zauberchirurgen kontaktiert und sie alle meinten, dass die Nebenwirkungen zu fatal wären!“

Weasley? Ich glaube nicht, dass er dieselben Ärzte kennt wie ich!“, schnarrte Draco überheblich. „Wenn es dir ums Geld geht …“

„Nein, darum geht es mir absolut nicht. Ich habe genügend Geld!“, schnaufte Harry.

„Wenn das so ist, dann lass mich dir helfen!“

„Ich sage dir, du wirst keinen Arzt finden, der …“

„Und ich sage dir, ich werde!“, schoss Draco zurück. Beide blitzten sich für ein paar Sekunden an.

Harry gab das Starren auf und setzte sich wieder an den Tisch. „Das werden wir ja sehen.“

„Lass das meine Sorge sein.“ Der Blonde setzte sich ihm gegenüber. Seine Neugierde ließ ihn Folgendes sagen: „Ich habe in einen deiner Briefe gelesen, dass es zwischen dir und der kleinen Weasley aus ist?“

Nun wurde Harry böse. „Lass sie aus dem Spiel, Malfoy!“

„Welches Spiel denn?“

„Du weißt ganz genau, wie ich es meine!“ Harry sprang auf und rauschte aus der Küche. Draco seufzte tief, erhob sich gemächlich und schlenderte Harry hinterher. Der blonde Auror fand ihn im Schlafzimmer, auf der Bettkante sitzend, den Kopf und die Schulter hängen lassend.

„Ach du meine Güte! Ich wollte dir nicht zu nahe treten, Potter, ich war nur neugierig. Die kleine Weasley hat dich wohl ziemlich enttäuscht, was?“ Draco machte es sich auf dem Stuhl, der beim Schreibtisch stand, bequem. Da Harry nicht reagierte, sprach er weiter. „Blaise hat mir erzählt, was du für sie empfunden hast. Auch wenn es dir zusetzt, solltest du froh sein, dass du noch rechtzeitig herausgefunden hast, wie sie wirklich ist. Hätte sie wirklich was für dich übrig, dann …“

Ich weiß!“, polterte Harry los und funkelte Draco wütend an. „Im Krankenhaus …“ Harry suchte nach den richtigen Worten und fuhr sich mit gespreizten Fingern durch die Haare. „Du hättest ihr Gesicht sehen sollen, als die Ärzte mir die Verbände abgenommen haben! Dieses Entsetzen! Ich hab sofort gewusst, dass ich bei ihr abgeschrieben bin, aber … Sie sagte, sie würde den Job nicht wegen meines Aussehens annehmen – wer’s glaubt!

„Du wolltest die Hoffnung nicht aufgeben, dass ihr trotz allem zusammenbleibt“, vollendete Draco einen seiner Sätze und Harry nickte enttäuscht. Da der blonde Auror merkte, dass Harry mit seiner Beherrschung kämpfte, entschied er, auf Blaise zu hören und ein wenig einfühlsamer zu sein, was ihm nicht gerade leicht fiel. „Eines Tages wirst du einen Menschen finden, der dich so mag, wie du bist.“

„Nein, das werde ich nicht“, krächzte Harry zur Antwort. „Es wäre gelogen, zu behaupten, dass man nicht auf das Aussehen achtet. Innere Werte sind wichtig, aber die alleine reichen nicht aus, um jemanden zu lieben.“

Draco stand auf und setzte sich zu ihm auf die Bettkante. „Schau mich an, Potter.“

„Wieso denn? Das sagst du heute schon zum zigsten Mal! Ich will dich nicht ständig ansehen!“, meckerte Harry los.

„Weil du dich schämst? Dieses Gefühl musst du unbedingt ablegen, Potter. Mir gegenüber brauchst du dich nicht zu schämen, denn wie ich dir schon sagte, ist es mir egal, wie dein Gesicht aussieht“, bezeugte der Blonde.

Irritiert folgte Harry Dracos Bitte und sah ihn an. „Auch du ekelst dich vor mir, nur zeigst du es nicht. Du hast nie Gefühle gezeigt, Malfoy.“

„Irrtum. Ich ekle mich nicht vor dir. Ich gebe zu: Als ich dich heute zum ersten Mal seit langem wieder gesehen habe, war ich schockiert, aber das hat sich schnell gelegt. Inzwischen bin ich der Meinung, dass dein altes Gesicht … wie sage ich es am besten? Es scheint durch?“

„Hä?“

„Das heißt Wie bitte, Potter!“, korrigierte Draco ihn knurrend. „Deine alten Gesichtszüge sind sehr wohl noch zu sehen. Wenn du wütend wirst, zum Beispiel. Und ich wette auch, dass es so ist, wenn du mal lachst. So schlimm, wie du glaubst, ist es nicht. Man muss nur genauer hinschauen.“

„Du machst mir Spaß, Malfoy! Du verlangst Dinge wie Lachen von mir, die ich noch nicht kann! Ich werde mich niemals wiedererkennen können!“

„Ach ja? Na dann pass mal gut auf.“ Draco zauberte einen Spiegel herbei und hielt ihn so, dass sich beide darin sehen konnten. „Und jetzt verzieh mal dein Gesicht.“

„Was? Wie denn?“, fragte Harry nach.

„Mach einfach!“, war Draco genervt. Harry rollte mit den Augen und verzog tatsächlich sein Gesicht. Aber nur, weil ihm Draco gewaltig wohin ging.

„Da! Das bist du“, deutete Draco rechthaberisch auf Harrys Spiegelbild. „Hast du es gesehen?“

„Nein“, knurrte Harry.

„Dann nochmal!“, verlangte Draco entschieden von ihm. Harry bemühte sich und schnitt Grimassen und auf Dracos Gesicht kehrte ein schmales Lächeln zurück. Er nickte immerzu und sagte Harry Bescheid, wenn er ihn im Spiegel erkannte.

Harry war froh, dass Draco auf diese Idee gekommen war, denn sonst hätte er niemals auf seine Mimik geachtet. Und das erste Mal war es für ihn ein wenig leichter, in den Spiegel zu sehen …


°


Als der Abend den Nachmittag ablöste, musste Harry Draco das Versprechen geben, ihn auch wieder ins Haus zu lassen, wenn er mit seinem Gepäck ankam. Dann reiste er ab.

Indes reparierte Harry mit einem passenden Zauber das Schlafzimmer und das Loch im Vorraum, setzte sich anschließend an den Schreibtisch, schlug hastig sein Tagebuch auf und begann zu schreiben. Die Worte flossen nur so aus seiner Feder, denn heute hatte er wirklich viel zu berichten. Harry schrieb hauptsächlich über Draco: Dass er zwar noch immer ein Arsch der besonderen Sorte war, aber sich dennoch verändert hatte.

Der Schwarzhaarige war gnadenlos ehrlich im Bezug auf sich selbst aber auch auf den Blonden. Für ihn war es heute das erste Mal seit langem, dass er so etwas wie Freude empfand, da er sich ein klein wenig im Spiegel erkannt hatte. Und das musste er seinen Freunden unbedingt berichten! Aber eines verkniff er sich: Dass Draco Malfoy anscheinend wirklich die richtige Person war, um ihn aus seinem Tief zu holen …
Wieso ausgerechnet Malfoy?!  


°


„Hermine! Harry hat uns wieder geschrieben!“, eilte Ron zu seiner Frau. Hermine legte die Bürste auf ihre Frisierkommode, stand auf und kam ihm entgegen. „Und? Was schreibt er?“

„Ich habe den Brief noch nicht geöffnet. Das machen wir gemeinsam“, schlug Ron vor. Zusammen gingen sie in ihr Wohnzimmer, setzten sich an den Kamin und Hermine öffnete den Brief.

In letzter Zeit war es immer so gewesen, dass sie vorlas und er ihren Worten lauschte. Die Minuten vergingen und Hermines angenehme Stimme schwebte durch das Wohnzimmer. Als sie endete, sah sie vom Brief hoch und betrachtete ihren Mann. Ron krallte seine Fingernägel in die Lehnen und atmete aufgeregt.

„Ron?“ Hermine sah ihn besorgt an. „Das sind doch gute Neuigkeiten, findest du nicht auch?“

„Gute Neuigkeiten?“, blaffte Ron los. „Das finde ich nicht! Malfoy!“, spuckte er seinen Namen angewidert aus. Hermine verstand sofort, legte den Brief beiseite und ging zu ihm. Sanft berührte sie seinen Arm und zwang ihren Mann, ihr ins Gesicht zu sehen.

„Mir gefällt es genauso wenig wie dir, Ron, aber Malfoy ist … Mit seiner Art schafft er es vielleicht, Harry wieder er selbst werden zu lassen. Die beiden sind wie Feuer und Eis, sie brauchen einander. Du hast doch gehört, was Harry geschrieben hat: Malfoys Provokation ruft seine Wut hervor, die er endlich loswerden kann. Es wäre nicht gut für Harry, seine aufgestauten Gefühle für sich zu behalten. Würde er sie nicht loswerden …“

Hermine hielt inne, da Ron stur in das prasselnde Feuer sah und mit seinen Zähnen malmte. Sie ahnte, was ihn beschäftigte. „Ron“, mahnte sie ihn, ihr auch zuzuhören. „Wir werden immer seine besten Freunde sein!“

„Bist du dir da sicher?“, knurrte der Rotschopf.

„Ganz sicher sogar!“ Und das stimmte auch. Sie vertraute Harry, denn sie kannte ihn. Ron beruhigte sich allmählich.

„Hermine?“ Angst schimmerte in seine Augen. „Was ist, wenn du dich doch irrst? Was ist, wenn er uns nicht mehr braucht? Er hat jetzt Zabini und Malfoy! Beide hat er an sich rangelassen, uns aber nicht!“

„Ich weiß“, gab ihm Hermine Recht, auch ihr tat diese Tatsache weh. „Das liegt aber daran, dass wir ihn verletzt haben. Wir hätten unsere Gefühle verstecken müssen, als sie ihm die Verbände abgenommen haben. Harry wendet sich jetzt Menschen zu, die ihm viel weniger bedeuten, als es bei uns der Fall ist. Hab ein wenig Geduld, Ron, wir bekommen noch unsere Chance. Harry weiß, was er an uns hat und würde uns niemals vergessen. Einer der Beweise dafür ist, dass er uns schreibt. Wenn er bereit ist, uns zu empfangen, wir er es uns wissen lassen.“

„Ich hab trotzdem Angst“, jammerte Ron. „Ich vermisse ihn so sehr.“ Hermine verstand ihn nur zu gut, setzte sich auf seinen Schoß, umarmte ihn und sah hinüber zum leeren Ohrensessel, auf dessen Sitzfläche der Brief lag. Aus reinem Impuls heraus lehnte sie sich vor, griff sich den Brief und ging ihn noch einmal durch. Erst jetzt fiel ihr auf, dass Harry diesmal ein Begleitschreiben beigelegt hatte. Da es statt vor dem Schreiben dahinter beigelegt worden war, hatte sie es übersehen!

„Sieh mal, Ron!“, stupste sie ihn aufgeregt an und hielt ihm Harrys Begleitbrief unter die Nase. Diesmal war es an ihrem Mann, die Zeilen laut vorzulesen.

Liebe Hermine, lieber Ron!
Heute habe ich mir zum ersten Mal Gedanken darüber gemacht, wie ihr euch fühlen müsst, weil sich Blaise und Malfoy um mich kümmern. Bitte nehmt das nicht persönlich! Die beiden kennen mich nicht so gut wie ihr es tut, was auch der Grund dafür ist, dass sie mein Schicksal etwas objektiver betrachten und anders angehen. Ron? Hermine? Ich habe eine Bitte an euch: Zweifelt nicht an unserer Freundschaft, denn ihr werdet immer meine besten Freunde sein. Aber tut mir den Gefallen, an eurer Reaktion zu arbeiten, wenn ihr mich das nächste Mal wiederseht. Bis dahin versuche ich, wieder auf die Beine zu kommen und etwas zuzunehmen, sonst killt mich Malfoy.
Liebe Grüße, euer Harry
P.S.: Ich vermisse euch sehr …

Hermine liefen stumme Tränen der Freude über die Wangen, während Ron aufjauchzte. „Mine! Hast du das gelesen? Harry vermisst uns! Er … Er ist noch … Wir sind noch …!“

„Ja, Ron. Unbewusst hat Harry uns die Antworten gegeben, die wir so dringend gebraucht haben“, seufzte Hermine überglücklich und schmiegte sich an ihren endlich wieder lächelnden Mann.


°


Große Augen folgten auf ein ernüchterndes Geständnis. „Du hast WAS?“ Blaise konnte es nicht glauben! „Bist du jetzt völlig übergeschnappt? Wie kannst du einfach bei Harry auftauchen und ihm sowas antun?!“ Blaise war entsetzt.

Ungerührt fuhr Draco fort, seine Sachen in die Koffer zu zaubern. „Weil er meine Hilfe braucht.“

Blaise war sprachlos und sah ihm beim Packen zu. Minuten später meldete er sich erneut zu Wort. „Wenn du Harry auch nur ein einziges Mal wehtust, dann …“

„Dann was?“, sah Draco zu ihm. „Blaise, du kennst mich! Ich bin gnadenlos ehrlich und Potter braucht das! Du hättest ihn sehen sollen, als er ausgerastet ist! Er hat mich verprügelt! Schade für dich, denn jetzt sieht man nichts mehr davon“, streichelte er seine Wange.

„Moment mal – Harry hat dich verprügelt? Ehrlich?“ Ein Lächeln zierte Blaise´ Lippen.

„Ja, ja, freu dich nur darüber“, verdüsterte sich Dracos Gesicht.

„Nein, so meine ich es nicht“, wehrte Blaise gleich ab. „Er hat Gefühle gezeigt!“

„Stimmt“, schnarrte Draco eingebildet und stolz auf sich. „Das war ja auch Sinn und Zweck meiner Provokation. Bestimmt schreibt er in diesem Moment in sein Tagebuch und schickt dir einen Auszug. Darin findest du dann alle Details und kannst dir selbst ein Bild von seinem aktuellen Zustand machen.“

„Draco? Du machst das auch meinetwegen, oder? Weil ich mir Sorgen um ihn machen, richtig?“, fragte Blaise leise an. Sein bester Freund sah zu Boden und nickte. Als Draco Arme um sich spürte, erwiderte er die Umarmung und seufzte tief.

„Danke, Draco. Du wirst es schaffen. Sobald ich kann, komme ich euch besuchen. Gib bitte auf ihn Acht und richte ihn wieder auf, ja?“

„Ich treibe ihn zum Wahnsinn, dann wird das schon“, grinste Draco schief und löste sich von seinem Freund.

„Sei gefälligst nett zu ihm, hörst du?!“, mahnte Blaise ihn und seufzte, da Draco ihn engelsgleich ansah und seinen geübten Wimpernaufschlag demonstrierte.

„Biest“, zischte Blaise.

Draco grinste breit. „Immer doch. Also dann! Du weißt ja, wo du mich finden kannst. Potter wird dir tagtäglich schreiben, dafür sorge ich.“ Mit diesen Worten nickte er Blaise zu und verschwand mitsamt seinen Koffern.

Der Schwarzhaarige atmete tief durch und hoffte, dass Draco mit seiner radikalen Art bei Harry Erfolg hatte. Seine Gedanken wurden unterbrochen, als er das vertraute Klopfen an seinem Fenster hörte. Mit einem freudigen Lächeln auf den Lippen lief er ins Wohnzimmer, öffnete und ließ Hedwig ein. Die schneeweiße Eule setzte sich an ihren Lieblingslandeplatz und wartete brav, bis Blaise ihr den Brief abnahm. Für ihre Mühe bekam sie drei Kekse und etwas zu trinken, dann trat sie ihre Heimreise an.

Blaise konnte es kaum erwarten, Harrys heutigen Tagebucheintrag zu lesen, nahm auf der Couch eine gemütliche Liegeposition ein und begann zu lesen. Er fluchte, er lachte, er schüttelte den Kopf und kam zu dem Ergebnis, dass dieser Eintrag von vielen unterschiedlichen Ereignissen und Emotionen geprägt war. Aber das Schönste daran war, dass man Freude aus diesen Zeilen herauslesen konnte. Blaise legte den Brief beiseite und schmunzelte. Ohne es geahnt zu haben, hatte er die richtige Hilfe für Harry gefunden: Draco. Und er war schon gespannt, wie lange es die beiden miteinander aushielten, ohne sich an die Gurgel zu gehen.  


°


Harry bekam beinahe einen Herzkasper, als Draco direkt vor ihn apparierte und ihn breit angrinste.

„Kann es sein, dass du Blaise´ Wohnung in diesen Koffern versteckst?“, beäugte Harry das viele Gepäck kritisch.

„Nein, nur die Hälfte. Also, Potter?“ Draco sah sich aufmerksam im Schlafzimmer um. „Wo kann ich mich einquartieren? Dieser Kasten ist ja wohl zu klein“, rümpfte er die Nase.

„Zu klein?“, wiederholte Harry mit großen Augen. „Du spinnst ja!“, zeigte er ihm den Vogel.

Draco kümmerte sich nicht um Harrys Aussage, steuerte auf den Kasten zu, inspizierte ihn und zog seinen Zauberstab.

„Untersteh dich, meinen Kleiderschrank …!“, rief Harry aus, doch es war bereits zu spät. Draco lachte triumphierend auf, als der Kasten sich um das Doppelte vergrößerte. Dasselbe geschah auch mit dem Bett.

„MALFOY!“, tobte Harry los und lief ihm nach, als der Blonde geradewegs ins Badezimmer stürmte und sich dort über den nicht gerade luxuriösen Zustand ausließ.

„Was gefällt dir denn daran nicht, hm?“, motzte der Schwarzhaarige.

Draco drehte sich zu ihm um und zog eine Augenbraue hoch. „Das Waschbecken ist zu klein, die Badewanne ebenfalls und … Wieso ist die Badewanne gleichzeitig eine Dusche? Potter? Sag jetzt nicht, du kennst keinen Zauber, der das Badezimmer verändert! Das kann ja wohl nicht sein, oder?“

„Natürlich kenne ich einen!“, brauste der ehemalige Auror auf. „Aber mir gefällt es so! Entweder du gewöhnst dich daran oder du kannst gleich wieder ausziehen!“ Das altbekannte Funkeln zeigte sich in seinen Augen.

Draco stellte während Harrys Ausbruch seine Utensilien auf die Ablagefläche. „Meinetwegen.“

„Du … Du gibst einfach so nach?“, war Harry erstaunt.

„Manchmal muss man das tun“, entgegnete der Blonde murrend.

„Mann, du hast dich wirklich verändert“, murmelte der Schwarzhaarige vor sich hin. „Früher hättest du niemals klein beigegeben.“

„Menschen verändern sich nun mal. Soll vorkommen, Potter. Wann gehst du eigentlich schlafen? Ich benötige unbedingt meinen Schönheitsschlaf und werde mich jetzt schon hinlegen.“

Harry blickte auf seine Uhr. „Um 10 Uhr?“

„Ja.“

Der Blonde hielt sich nicht lange mit Erklärungen auf, zauberte sich sein Schlafgewand an und schlenderte an Harry vorbei ins Schlafzimmer. Als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, belegte er die rechte Seite des Bettes, klopfte sich sein Kissen zurecht, machte es sich bequem und zog sich die Decke über. Harry stand wieder einmal der Mund offen. Draco Malfoy fühlte sich hier anscheinend wie zuhause! Ob er ihn je wieder loswerden würde?

Harry blieb nichts Anderes übrig, als es Malfoy gleichzutun, sich im angezauberten Schlafgewand neben ihn zu legen und zu hoffen, dass er Schlaf finden würde.

„Wieso müssen wir eigentlich in einem Bett liegen?“, fragte er den Blonden.

„Glaub mir, mir wäre es anders viel lieber, aber es geht ums Prinzip“, antwortete Draco mit geschlossenen Augen.

„Welches Prinzip denn?“

„Schlaf jetzt, Potter, morgen haben wir viel vor.“

„Und was?“ Harry wurde neugierig.

„Klappe! - Schlaf gut!“ Draco drehte Harry den Rücken zu.

Der Schwarzhaarige seufzte, klatschte in die Hände und die Lichter erloschen. Aufgekratzt starrte er in den Betthimmel. Es kam schließlich nicht alle Tage vor, dass ausgerechnet sein ehemaliger Erzfeind friedlich neben ihm schlummerte! Harry fragte sich nur eines: Wohin würde diese Zwangs-WG führen? Wahrscheinlich zu nichts Gutem, dachte er. Ob er sich darin irrte oder nicht, würde er bestimmt noch herausfinden.


TBC …




Mein besonderer Dank geht an meine wundervollen Reviewer!

Yuna200, Darina Saphira, ReSeSi, Petz410, dagini, Antares, -Cherry-, Xeranile Snape, KradDark-chan, Meilin, illuminati78, Camula, Noreia, Chrysanthes, -Moon-, Streifenhoernchen, MissLu, Manor Balke, kat2, Buecherwurm84, Josephine, bleistift91, Dray96, -Ryuzaki-, Stella Mirrow, silbernewolfsfrau, Mangolina, melli 91, Moosi, mimaja, lotus86, kuecken, MonaLiebt, w-girl, eries, AuroraSky, juli-san, darklady, Senseless, Alex71, Eisphoenix01, Riddle-snake, betty, Morinaga, zelgadiss, Charlie1, xx-Keks, AliceLamb, bambi71, fro, LittleHimeSayuki, burn, Naoka, Lu-chan-san, neptunmoonshine, Violetta Virus, andromeda188, Babsel, Navarababy, Nina911, hermione-twin, jeanne02, vava, Corona, miss meyer, Snake Eye, Icy-Chan, guzi, Asteria, Andy, BexdeBex, orionsystem und Calypso89!


Wie immer gilt: Sollte ich jemanden vergessen oder falsch geschrieben haben, so ist das nicht mit Absicht!

Hallo meine Schätze! *fettes Bussi geb*
Und? Was sagt ihr dazu? Habt ihr es überstanden? Könnt ihr verstehen, weshalb Draco direkt vorgehen musste? (alias Dampfwalze) Ich hoffe, ich habe es verständlich rübergebracht.

Meine Süßen! Ich will mich vielmals für die zahlreichen, wundervollen Reviews bedanken! Ich hab mich wie immer wahnsinnig darüber gefreut und hoffe sehr, dass ihr weiterhin Interesse an meiner Geschichte habt! *Knutsch!*

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Wochenende und würde mich total freuen, wieder etwas von euch zu lesen!

Knuddels, eure gugi
«
»
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.9-7097