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Geschichte: Fanfiktion
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von Snowhoney
erstellt: 19.02.2009
letztes Update: 29.05.2009
Geschichte, Romanze / P16
(fertiggestellt)
Montagmorgen und ich musste wieder früh zur Uni... ich stöhnte auf als mein Wecker klingelte, aber kurz darauf war ich schon aufgesprungen und unter der Dusche verschwunden. Morgenmuffelig zu sein hatte ich mir nur sehr selten geleistet, denn ich war der Ansicht, man verschwendete damit nur zuviel Zeit. Es dauerte nicht lange und ich hatte mich fertiggemacht, gefrühstückt und war auf dem Weg zur Uni. Heute war ein klarer Tag und die Sonne schien kräftig vom Himmel, es war zwar nicht heiß, aber mild und ich seufzte fast sehnsüchtig, als ich in das große Unigebäude trat, in dem ich arbeitete. Mein erster Weg morgens führte mich immer in mein eigenes kleines Büro, wo ich meine Post entgegennahm, E-Mails checkte, die man mir am Wochenende geschickt hatte und meine Sachen hinterlegen und einschließen konnte. Ein glückliches Lächeln lag auf meinem Gesicht und ich machte mich auf den Weg zu meiner ersten Klasse. Es war eine Gruppe Studenten aus dem 6.Semester und sie waren ungeduldig, sie wollten ihre Essays zurück. Doch ich kannte so etwas schon und wusste, sie würden bis zum Ende des Seminars warten um ihre Essays zurückzubekommen. Erstaunlicherweise hatte ich die Gruppe echt schnell in den Griff bekommen und war akzeptiert worden. Es machte mir Spaß zu unterrichten und scheinbar hatten die Studenten auch Spaß in meinem Seminar, denn sie beteiligten sich viel. Doch als sie ihre Essays zurückbekamen, waren sie nicht mehr zu halten. Ich räumte meine Sachen zusammen und machte mich auf den Weg zu einem anderen Vorlesungssaal.
Es war eines der Anfangssemester und man hatte mich gebeten eine Gastvorlesung zu bestreiten, auf meinem Spezialgebiet: Kreuzzüge. Mit einem Lächeln begrüßte ich den Dozenten, Mr Warner. Er war einer der ersten gewesen, die mich hier begrüßt und akzeptiert hatten. Ein Mitt-Vierziger mit einer sympathischen Ausstrahlung und einem freundlichen Wesen. Wir unterhielten uns kurz darüber, was die Studenten schon wussten und was genau ich durchnehmen wollte, er nickte nur und als ich den Saal betrat wurde es ruhiger und ich hörte einen kurzen Ausruf. Ich kümmerte mich nicht weiter darum, mochte es doch möglich sein, dass tatsächlich ein paar Studenten noch nichts davon mitbekommen hatten, dass eine junge Frau ihre Dozenten auf Trab hielt. Mr Warner stellte mich vor und dann begann ich. Selbstbewusst drehte ich das Licht runter und startete meine Präsentation. Ich hatte mir vorgenommen ein paar Studenten für mein Lieblingsgebiet zu begeistern und hatte viele Bilder rausgesucht. Nicht nur Bilder aus der damaligen Zeit, auf denen die Kreuzritter zumeist verherrlicht wurden, nein, ich zeigte auch Standbilder und Auszüge aus Filmen. Meine Stimme hallte klar durch den Raum und das Mikro war recht leise eingestellt, es herrschte eine seltsame Ruhe in dem Saal. Scheinbar plättete ich die Studenten, die an eine so junge Frau vor sich nicht gewöhnt waren. Als ich meine eigentliche Präsentation abgeschlossen hatte, stellte ich mich eventuellen Fragen. Bisher waren Fragen noch eher selten gewesen, denn die meisten trauten sich nicht mir welche zu stellen wenn sie mich das erste Mal sahen. Doch heute war das anders. Prompt hob sich eine Hand und eine junge Studentin legte los.
„Sie sagten vorhin, dass Saladin trotz seiner grausamen Kriegszüge ein Ehrenmann war. Doch wie kann es sein, dass solch ein ‚Ehrenmann‘ den Respekt seiner Männer nicht verliert wenn er den Invasoren so nett begegnet?“ Ich nickte anerkennend, eine kluge Frage.
„Nun, sehen sie es so, damals wie heute ist die Ehre eine sehr wichtige Komponente im muslimischen Glauben und hätte er sich verhalten wie manche Kreuzritter, so wäre er wohl nicht lange Heerführer gewesen. Sicher, Erbarmen durfte er nicht zeigen, so erschlug er ja auch so manchen angesehenen Kreuzritter, doch den König Jerusalems ließ er ziehen, denn ein König erschlug keinen anderen König. So war es damals Brauch wenn man ein Ehrenmann war. Saladin wollte kein sinnloses Abschlachten, er war klug, sein einziges Ziel war die unrechtmäßige Besetzung der Europäer zu stoppen.“ Die Studentin sah mich aufmerksam an und runzelte die Stirn. Eine andere Hand hob sich.
„Was halten sie von modernen Verfilmungen zum Thema Kreuzzüge?“ Ich lächelte auf diese Frage, hatte man sie mir doch auch in Deutschland oft gestellt.
„Spielen sie auf einen bestimmten Film an oder sprechen sie allgemein von Verfilmungen in den letzten 10-15 Jahren?“ Der Student zog ahnungslos die Schultern hoch.
„Nun gut, sprechen wir mal allgemeiner: Viele Verfilmungen sind natürlich durch europäische Sicht stark beeinflusst worden und verzerren damit ein wenig die Wirklichkeit der Kreuzzüge, doch zur Unterhaltung sind viele durchaus geeignet. Beeindruckt hat mich jedoch die erst kürzlich erschienene Verfilmung ‚Kingdom of heaven‘, denn es wird eine durchaus plausible Sicht der Kreuzzüge gegeben, bei der weder die Europäer noch die Muslime protestieren müssten. Natürlich mit einer üblichen Hollywoodromanze im Hintergrund.“ Einige Studenten lachten und danach kam keine Frage mehr. Erleichtert über die gelungene Vorlesung, räumte ich meine Sachen zusammen und unterhielt mich mit meinem Kollegen Mr Warner. Er selbst hatte noch einige Fragen an mich und wir fachsimpelten, bis er über meine Schulter blickte und sich räusperte.
„Was kann ich für sie tun, Mr Dayton?“, fragte er und ich drehte mich langsam um. Fast hätte mich der Schlag getroffen, vor mir stand Joe und sah mich schweigend an. Er verzog das Gesicht zu einem Lächeln und wandte sich an Mr Warner.
„Nun eigentlich hatte ich eine Frage an Miss Keller, Mr Warner, verzeihen sie die Störung.“ Mr Warner winkte ab und verabschiedete sich von mir, schließlich würde er mich heute Abend bei der Versammlung der Geschichtsdozenten und ihrer Hilfswissenschaftler antreffen. Er verließ den Raum und ließ mich mit Joe zurück, der grinste nun ungläubig.
„Ich wusste ja gar nicht, dass du meine Vorgesetzte bist.“ Ich verzog das Gesicht zu einer Grimasse und erwiderte:
„Nun, nur heute habe ich diese Klasse unterrichtet, aber wenn du Geschichte studierst wäre es möglich, dass wir uns noch häufiger treffen.“
„Ja ich studiere Geschichte, das ist mein 2.Semester, ich hab vorher eine Ausbildung gemacht. Sag mal, hast du jetzt zufällig Zeit? Dann könnten wir zusammen was essen gehen.“ Ich nickte, denn dies war für zwei Stunden meine letzte Vorlesung gewesen. So machten wir uns auf in die große Mensa der Universität und setzten uns gemütlich an einen Tisch. Es schmeckte zwar nicht wahnsinnig gut, aber es war auch nicht schlecht und wir unterhielten uns gut, bis ich eine mir wichtige Frage stellte:
„Wieso hast du so sauer reagiert als Tristan mit mir getanzt hat?“ Sein Lächeln erlosch sofort und er schaute weg. Ruhig wartete ich ab und nach ein paar Minuten antwortete er leise.
„Ich wollte dich nur beschützen. Du... du erinnerst mich an meine kleine Schwester.“ Überrascht erwiderte ich seinen Blick. Er hatte noch nie von einer Schwester gesprochen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, fuhr er fort:
„Sie ist vor 4 Jahren gestorben, bei einem Autounfall. Aber sie war so wie du, lebhaft, fröhlich, offen und intelligent... und natürlich schön.“ Ich schwieg betroffen, damit hatte ich nicht gerechnet. Doch Joe fing sich schnell, scheinbar war er mittlerweile mit der Situation vertraut über den Tod seiner Schwester zu sprechen.
„Nicht dass ich Tristan nicht mag oder dir irgendwas vorschreiben möchte, aber... ich... ich fühlte mich einfach so wie damals als sie mit ihrem ersten Freund nach Hause gekommen war. Ich wollte sie nur beschützen, immer.“ Gerührt setzte ich mich neben ihn und umarmte ihn. Es schien ihm gutzutun und leise sprach er auf mich ein.
„Ist es okay wenn ich dich ein bisschen beschütze? Mir fehlt das Gefühl, du sollst zwar nicht meine Schwester werden... aber so als gute Freundin?“ Ich lächelte ihn warm an und nickte.
„Hey, das wär total süß, solang dus nicht übertreibst. Wenn ich mit nem Kerl tanze ist das solange okay wie er mir nicht zu aufdringlich wird. Und dann merkt man mir das an, glaub mir." Lachend nickte er und gemütlich spazierten wir danach noch ein bisschen über den Campus. Doch irgendwann musste ich los zu meiner nächsten Vorlesung und wir verabschiedeten uns mit einem kleinen Kuss auf die Wange.
Als die letzte Vorlesung vorbei war, wäre ich so gerne einfach nur nach Hause gefahren, doch heute war diese Versammlung und ich musste anwesend sein. Ich vertrieb mir die Zeit bis zu der Versammlung mit den Vorbereitungen und der Überarbeitung einiger Präsentationen. Mein Büro war nichts besonderes, doch es war mein eigenes und es machte mich glücklich. Seufzend lehnte ich mich zurück und dachte ein wenig nach. Jetzt wo ich wusste, wieso Joe so reagiert hatte am Samstagabend, war ich erleichtert und ich wusste ich konnte auf ihn zählen. Das war ein sehr schönes Gefühl und ich hatte es vermisst einen so guten männlichen Freund an meiner Seite zu haben, doch ich ahnte, dass Joe solch einer werden sollte.
Endlich war es Zeit mich auf den Weg zu der Versammlung zu machen und ich schleppte mich los, ich wusste es würde nicht übermäßig interessant werden, schließlich gab es nichts interessantes zu besprechen- so dachte ich zumindest. Der Anfang war recht langweilig, man besprach den Etat, den die Disziplin bekommen sollte und für was er verbraucht werden sollte, doch dann überraschte man mich.
„Miss Keller?“ Der Dekan der Fakultät sah mich lächelnd an und ich erwiderte den Blick fragend. Mr Warner grinste mich an.
„Wir haben da ein Projekt, das sie interessieren sollte.“ Ich saß noch immer schweigend da und sah den Dekan fragend an.
„Wir haben gedacht, dass sie eventuell etwas Pepp in unsere Disziplin bringen könnten. Was halten sie von einer Untersuchung ihres Spezialgebietes in Filmen und Büchern?“ Meine Augen weiteten sich überrascht und ein seeliges Lächeln trat auf mein Gesicht. Ich sollte eine kleine Forschungsarbeit leisten dürfen? So etwas hatte ich zu meinem Abschluss schon aufgezogen, aber es ganz offiziell zu tun wenn man nicht mehr nur Studentin war, das war fantastisch. Der Dekan und einige andere Dozenten schienen zu sehen, dass es mich sehr freute, denn sie lächelten und der Dekan klatschte in die Hände.
„Hervorragend, wir werden sie unterstützen, sodass sie möglicherweise Gespräche mit Darstellern oder Mitarbeitern solcher Verfilmungen führen können und was Bücher angeht, so werden wir ihnen einige Mittel zur Verfügung stellen. Sie werden ebenfalls 4 oder 5 studentische Hilfskräfte anstellen dürfen und Mr Warner und Mr Smith werden ihnen beratend zur Seite stehen, als die Dozenten in unserem Fach, die die meiste Erfahrung mit wissenschaftlichen Untersuchungen haben.“
„Ich danke ihnen vielmals für diese Chance.“, war alles was ich an diesem Abend noch rausbrachte. Vor Glück schwebend kehrte ich nach Ende der Versammlung nach Hause zurück.
Die nächsten Tage verbrachte ich mit meinen üblichen Vorlesungen und Seminaren und wann immer ich Freizeit hatte, entwarf ich Pläne für die Untersuchung und besprach mich mit den beiden Dozenten. Viele meiner Ideen wurden begeistert aufgenommen und sie machten mir durchaus passable Vorschläge für die studentischen Hilfskräfte, natürlich allesamt Studenten aus ihren Kursen der älteren Semester. Doch wie hätte es anders sein können?!
Ich arbeitete viel und ich blieb länger als nötig in der Uni und bereitete schonmal einige Vorlesungen und Seminarstunden vor, die ich erst in den nächsten Wochen halten musste. Bald würde das Semester enden, wir hatten schließlich schon Anfang Mai und Ende Juni war es schon wieder vorbei. Das Wochenende darauf hatte ich keine Zeit für Joe, Tristan, Keith, Sam oder Kyle, denn an diesem Wochenende begleitete ich ein Seminar Studenten auf einen Ausflug an den Limes, der England früher vor den ‚Wilden aus dem Norden‘ geschützt hatte. Noch aus der Zeit der Römer und es war erstaunlich, dass noch so viele Überreste zu finden waren. Wir waren Freitagnachmittag losgefahren und kamen Sonntagabend spät wieder. Es war ein mehr als netter Ausflug gewesen, denn die Studenten hatten mich immer wieder eingeladen abends mit ihnen etwas zu unternehmen und da sich der andere Dozent ebenfalls nicht lumpen ließ und alle Formalitäten für diesen Ausflug fallenließ, tat ich das auch. Ich ging mit den Studenten, die ich betreute abends in den Pub und tagsüber, bei unseren Exkursionen, alberte ich mit ihnen herum, aber nicht so viel dass ich das eigentliche Ziel des Ausflugs vergaß.
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