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von Snowhoney    erstellt: 19.02.2009    letztes Update: 29.05.2009    Geschichte, Romanze / P16    (fertiggestellt)
Meine erste fertige Orlando Bloom Fanfiction! Ich hoffe sie gefällt euch.
Dazu gibt es nun auch einen Trailer, ein Video... auf das ich wirklich stolz bin.
Es gibt nichts Schöneres als so gewürdigt zu sein =)
Hier der Link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=PgwOnwCMmS0

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Kapitel 1 – Unerwartete Freundschaften

Was war es nur dass mich in dieses elendige, ewig verregnete London verschlagen hatte?! Mal wieder stellte ich mir diese Frage und ich stellte sie mir immer wieder, wenn ich spätnachmittags aus der Uni kam und es wieder regnete. Natürlich fuhr ich mit der U-Bahn, aber bis ich an der nächsten Haltestelle sein würde, würden meine Klamotten vollkommen durchnässt sein. Leise fluchend – auf deutsch versteht sich, sodass sich niemand beleidigt fühlen konnte (und weiß Gott, dass waren die Briten, vor allem die Londoner, sehr schnell!)- lief ich die Strasse entlang. Die Kapuze meines Mantels tief ins Gesicht gezogen, wich ich den Pfützen aus und lauschte meiner Musik. Ja ohne meinen Ipod war ich selten anzutreffen, das wussten auch schon die Studenten und Dozenten, mit denen ich tagtäglich zu tun hatte. Vor vier Monaten war ich nach London gekommen um einen Spitzenjob anzunehmen: Ich referierte im Rahmen des Geschichtsstudiums an der London University und dabei war ich erst 23 Jahre alt! Anfangs hatten mich manche Studenten kaum respektiert, doch als ich sie mit Fragen bombadierte und mein Fachwissen unter Beweis gestellt hatte, waren sie beeindruckt gewesen. Nicht dass ich eine volle Dozentin hier war, schließlich hatte ich keine Dissertation geschrieben. Und nicht nur die Studenten hatte ich geschockt, denn viele Dozenten waren danach tief beeindruckt von der jungen Frau aus Deutschland, die so selbstbewusst vor hundert Studenten stand, obwohl sie es noch nie vorher gemacht hatte.

Nun ganz so stimmte das natürlich nicht, denn im Rahmen meines eigenen Studiums (ich hatte zwei Jahre in der Schule übersprungen und war dementsprechend früh an die Uni gekommen!) hatte ich oft freiwillig Referate gehalten, in späteren Semestern dann Tutorien abgehalten und jedwede Gelegenheit genutzt um zu lehren. Es lag mir irgendwie im Blut und gesegnet war ich mit einer so lebhaften Erzählstimme, dass man mir gerne zuhörte. In Gedanken war ich schon in meiner kleinen Wohnung und stieg lächelnd in die U-Bahn ein, die ich gerade erreicht hatte. Hinter mir schlossen sich die Türen und es wunderte mich nicht, dass es voll war und ich stehen musste. Berufsverkehr! Um diese Uhrzeit waren alle auf dem Heimweg von der Arbeit und ich blieb wo ich war. Neben mir stand ein junger Mann, etwa 26 vielleicht, und in der Hand hielt er einen Gitarrenkoffer. Neugierig musterte ich den dunkelhaarigen Mann. Er sah gut aus und man konnte an seinem Kleidungsstil erkennen, welche Art Musik er bevorzugte: Rock. Eine abgewetzte Jeans, etwas weiter geschnitten, saß locker in der Hüfte und wurde von einem alten Nietengürtel zusammengehalten. Darüber trug er ein schlichtes T-Shirt und eine alte schwarze Lederjacke. Mein Blick schien ihm nicht aufgefallen zu sein und als nun in meinem Ohr die ersten Takte von Blur’s Song to erklangen, war ich noch glücklicher. Ich lächelte breit und trommelte auf der Haltestange vor mir mit. (Ich hatte früher ein wenig Schlagzeug gespielt und noch nicht alles verlernt!) Diesmal war es an dem jungen Mann mich neugierig zu mustern, scheinbar hatte er mein Getrommel erkannt. Blind wie ich nunmal war, bekam ich das leider nicht mit und sah überrascht auf, als eine Hand auf meine Schulter tippte. Der Song war gerade zu Ende und ich nahm die Ohrstöpsel heraus und sah den jungen Mann neugierig fragend an. Sein Lächeln war bezaubernd.

„Entschuldigung, aber bist du zufällig Musikerin? Am besten noch Drummer?“ In seiner Stimme lag etwas freundliches und ich erwiderte warm sein Lächeln.
„Naja, Hobbymusikerin vielleicht. Und ich hab früher ein wenig Schlagzeug gespielt.“ Anerkennend pfiff er leise durch die Zähne und nickte.
„Suchst du zufällig ne Band?“ Die Frage überraschte mich nun wirklich und ich sah ihn schweigend, überrascht an. Selten waren solche Momente, in denen ich sprachlos war und nichts sagte. Er grinste und zog abwartend die Augenbrauen hoch, das brachte mich zurück.
„Ähm naja, eigentlich nicht... und ich hab auch nur 4 oder 5 Jahre Schlagzeug gespielt. Die Gitarre liegt mir doch mehr, denke ich.“ Aufmerksam hörte er mir zu und seufzte, scheinbar fand er es bedauerlich, dass ich kein Interesse zu haben schien. Dann blickte er kurz aus dem Fenster auf den Bahnsteig, den wir gerade verließen und fluchte. Fragend suchte ich seinen Blick.
„Ist alles ok?“ Er schüttelte den Kopf und grinste dann, kratzte sich am Kopf und sprach:
„Da hab ich doch glatt den Ausstieg verpasst! Wie peinlich...“ Er fing an zu lachen und ich stimmte mit ein, er war mir sympathisch. Die nächste Haltestelle war meine und er folgte mir raus, was sollte er sonst tun?! So wollte ich ihn nicht stehen lassen und blieb kurz unschlüssig neben ihm stehen.

„Sag mal, vielleicht hast du ja doch Interesse an ner Band? Magst du vielleicht heut Abend ins Thanner’s kommen? Ich könnte dir meine Jungs vorstellen...“ In meinem Kopf ratterte es und ich überlegte wirklich. Es könnte lustig sein und so viele Leute hatte ich bisher noch nicht gefunden um wegzugehen. Seine grauen Augen ruhten auf mir und er wartete geduldig ab. Schließlich gab ich mir einen Ruck, schließlich könnte ich immer noch gehen wenn es mir nicht gefiel. Ich nickte.
„Klasse, also meine Jungs und ich sind für 22 Uhr verabredet, komm einfach, wir sitzen immer vom Eingang links.“ Mit einem Lächeln und einem kurzen Winken machte er sich davon um seine U-Bahn zu finden und war verschwunden. Auch ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen und machte mich auf den Weg die letzten Meter zu meiner netten kleinen Wohnung zurückzulegen. Als ich die Treppen zum Eingang hochlief, bemerkte ich mal wieder wieviel Glück ich hatte. Meine Oma hatte einen reichen Mann geheiratet und als ihr einziges Enkelkind, wurde ich großzügig bedacht. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, mir ein wundervolles Appartment in Londons Stadtteil Notting Hill zu kaufen. Ich durchquerte die Lobby und der schwule Portier grüßte mich freundlich, ich schickte ihm ein Lächeln zurück und stieg in den Aufzug. Trotz einiger Kommentare meiner Freunde aus Deutschland, war ich den Verlockungen des Geldes noch nicht erlegen. Meine Großmutter wollte nur, dass ich anständig wohnte, alles andere bezahlte ich: Einkäufe, Strom, Internet und Telefon. Das Gehalt, das ich bezog war nicht mächtig, aber es reichte für mich mehr als aus. Ohnehin ging ich so selten shoppen, dass dafür nur wenig Geld wegging. Viel lieber schneiderte ich meine Klamotten selber, das hatte ich gelernt als ich am Theater im Fundus gearbeitet hatte. Schon immer war ich ehrgeizig und vielseitig interessiert gewesen, daher hatte ich seit meinem 14. Lebensjahr immer einen Nebenjob gehabt. Schule, Hobbies und Job- bisher hatte es immer gut geklappt, denn, wie meine Mutter früher immer seufzend festgestellt hatte, strotzte ich nur so vor Energie. Urlaube waren bei mir selten nur relaxed gewesen, immer hatte ich nebenher Surfstunden genommen oder war beim Beachvolleyball aktiv gewesen. Ich hielt so gut wie nie still. Manchmal beneidete ich aber andere um diese Fähigkeit...

Die Fahrstuhltüren öffneten sich und ich kramte auf den letzten Metern meinen Schlüssel aus der Tasche. Schon als ich durch die Tür trat, klingelte das Telefon. Atemlos nahm ich ab.
„Hallo?“
„Hey meine Kleene, na wie geht’s dir?“ Ich lächelte erfreut.
„Hallo Sören, du Nordlicht. Ich kann nicht klagen, bin gerade erst heimgekommen... und wie stehts bei dir?“
„Och, bei der Arbeit ist gerade so wenig los, dass ich meistens früher gehen kann... wir warten auf unseren neuen Auftrag.“ Sören war mein bester Freund und hatte an der gleichen Uni wie ich studiert, jedoch Physik- ein Fach, das ich abgrundtief hasste. Er war wohl derjenige, der mich am häufigsten anrief. Sobald festgestanden hatte, dass ich nach London ziehen würde, da hatte er bei seinem Telefonvertrag gleich mal die Auslandsverbindung nach England freischalten lassen und telefonierte nun mit mir umsonst. Eine geniale Idee, denn nach seiner Stimme sehnte ich mich häufig... war er mir doch während des Studiums die größte Stütze gewesen.
„Na ist doch auch mal nett...“, bemerkte ich und Sören stimmte zu.
„Und machst du heut Abend noch was, ist ja schließlich Freitag...“  Unter Lachen erzählte ich ihm von meiner U-Bahn-Bekanntschaft und sofort wurde sein Ton misstrauisch.
„Aber pass auf dich auf, nicht dass...“ Ich würgte ihn ab, noch bevor er zu Ende sprechen konnte.
„Ja, mein Lieber, ich kann auf mich aufpassen. Außerdem hat er nicht so wirklich mit mir geflirtet, da war echtes Interesse an mir als Musikerin.“ Ein Seufzer am anderen Ende und wir unterhielten uns noch etwa eine halbe Stunde, ich kochte dabei Pasta und wir lachten viel. Er fehlte mir, doch ich hatte mir zum Ziel gesetzt hier gute Freunde zu finden und nicht zu versauern. Der Job war ein kleiner Traum für mich, zwar nur zweite Wahl, aber immerhin! (Mein eigentlich größter Traum war es Sängerin zu werden, ich hatte schon 5 Jahre Gesangsausbildung hinter mir und war bei diversen Gelegenheiten aufgetreten, zB Abibällen, Schulkonzerten, Open Mic Nights in den Clubs der Umgebung)

Genüsslich schaufelte ich die Pasta in mich rein und schaute dabei Nachrichten, den Stapel mit Essays, den ich noch korrigieren musste, ließ ich liegen und verschob die Arbeit auf morgen Nachmittag. Nach dem Essen und den Nachrichten ging ich duschen, stylte meine Haare noch ein wenig mit dem Glätteisen und legte ein leichtes Make-Up auf (mit ganz tollen Smokey-Eyes!). Dann stand ich vor meinem Schrank und überlegte was ich anziehen sollte. Ich kannte meine Gegenüber ja kaum und so fiel mir die Wahl nicht sehr leicht, doch endlich hatte ich mich entschieden: eine tiefschwarze Röhrenjeans, mit Nietengürtel (den liebte ich über alles!) und darüber ein knallgelbes Tanktop, passend zu meinen gelben Chucks. Mein Spiegelbild betrachtend war ich sehr zufrieden und suchte nur noch nach einer passenden Jacke, die aber doch schnell gefunden war... ich griff mir also meinen aufgepeppten schwarzen Cordblazer (dutzende von Aufnähern und Buttons, sowie ein kleiner Slogan mit Textilfarbe verschönerten das Billigteil von H&M), steckte Schlüssel, Handy, Geld und Labello in die Hosentaschen und machte mich auf den Weg. Das Thanner’s war nur ein paar Strassen entfernt und so beschloss ich etwas früher zu gehen und zu laufen. In der Lobby sah mich der Portier, sein Name war Kyle, mit großen Augen an.
„Na gehen wir heute Abend aus, Mylady?“ Seine Stimme verriet deutlich dass er schwul war, aber ich liebte ihn einfach! Kurzentschlossen ging ich zu ihm und lächelte charmant.
„Nun du hast freitags keine Zeit mir London zu zeigen, also muss ich mir ja auch andere suchen.“, gab ich augenzwinkernd von mir und er grinste. Ich gab ihm noch einen kurzen Kuss auf die Wange und verschwand.

Die Nacht war klar und jetzt wo es nicht mehr regnete sehr mild und angenehm. Schnell hatte ich mich an die typischen Regenschauer gegen Ende des Nachmittags gewöhnt, die im Frühling und Sommer angeblich häufig niedergingen. Die ersten Sterne mussten schon am Himmel funkeln, doch hier sah man sie nicht. Nur der Mond hing fahlgrau und bleich knapp über den Baumwipfeln und sendete ein weiches Licht vom Himmel herab. Die Straßen waren recht voll, ein normaler Freitagabend in Notting Hill und den umliegenden Vierteln. Hier gab es viele Diskotheken, Kneipen und Pubs, sowie einige Restaurants. Ich durchquerte einen Park und fand mich 20 Minuten später vor dem Thanner’s wieder. Einmal atmete ich noch tief durch und setzte mein fröhlichstes Lächeln auf, ich fühlte mich auch so, denn vielleicht fand ich heute Abend meine zukünftigen Freunde? Ich trat ein und mir kam ausnahmsweise kein Qualm entgegen, normalerweise waren die Engländer trotz der hohen Zigarettenpreise heftigst am Qualmen, doch hier scheinbar weniger. Instinktiv wanderte mein Blick nach links und tatsächlich erspähte ich sofort meinen ‚Bewunderer‘ von vorhin. Er saß mit dem Kopf in meine Richtung gewandt und als er meinen Blick spürte sah er auf und grinste. Langsam ging ich näher.

Neugierig wurde ich vom gesamten Tisch gemustert, dort saßen 4 weitere Jungs und 2 Mädchen. Der gutaussehende Fremde stand auf und begrüßte mich herzlich mit einer Umarmung, dabei raunte er mir leise seinen Namen zu: Keith. Ich nahm mir ein Beispiel an ihm und sagte meinen Namen gleich hinterher: Lily. Er drehte sich zu seinen Freunden um und stellte mich vor. All die Namen der jungen Leute konnte ich mir nicht merken, nur die Namen der Damen konnte ich mir gut merken: Samantha und Jodie. Sam war dunkelhaarig und lächelte mich freundlich an, Jodie war blond (gefärbt!) und funkelte mich herablassend an. Keith bot mir den Platz neben sich an und sogleich wurde ich in die Unterhaltung integriert und fachsimpelte wenig später mit einem seiner Freunde, Joe, über Gitarren. Ich versetzte die Herren am Tisch ein wenig in Erstaunen, als ich mir einen großen Krug Bier bestellte und schneller leer hatte als sie den ihren.
„Whoa du bist die erste Frau, die ich soviel Bier trinken sehe.“, sagte Tristan zu mir. Ich grinste und feixte:
„Tja, ich bin ne Deutsche, ich komm aus dem Land des Bieres!“ Diesen Seitenhieb konnten sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen (Ja auch Engländer behaupten sie haben das Bier erfunden und berühmt gemacht!) und bestellten eine neue Runde. Lachend trank ich mit und nach diesem zweiten großen Krug war ich dann doch etwas angeheitert. Erstens waren die Krüge hier eher groß und zweitens hatte ich wirklich zu schnell getrunken. Tristan und Joe saßen mir gegenüber und grinsten breit. Keith schlug mir auf die Schulter und lobte mich.
„Hey, du hälst gut mit... für ein Mädchen, aber zwing dir nichts herunter.“ Ich beschloss doch seinen Rat zu befolgen und trank von nun an erstmal nur Cola. Nun fing ich an mit Sam zu quatschen und sie war tatsächlich so sympathisch, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Irgendwann, es war schon etwas später und ein wenig ruhiger im Lokal geworden, da kam die Einladung von Tristan.
„Wir proben morgen, aber uns fehlt ein Drummer... magst du nicht einfach mal vorbeikommen und zusehen?“ Überrascht sagte ich zu und nahm aus dem Augenwinkel war, wie Sam mich mit einem Lächeln bedachte und Jodie sich beleidigt wegdrehte. Was hatte ich dieser Blonden bloß getan?! Ich flirtete ja nicht einmal mit einem der Jungs, sodass sie unmöglich eifersüchtig sein konnte. Als es spät wurde und die Schließung des Lokals bevorstand, beschlossen wir dann auch aufzubrechen und Keith schien ganz selbstverständlich Sam und Jodie mitzunehmen, die anderen mussten wohl in eine andere Richtung. Tristan und Joe sahen mich eindringlich an.
„Wo wohnst du denn? Wo musst du hin? Oder bist du mit dem Auto hier?“, fragte Joe.
„Ach ich wohne nicht weit von hier... ich laufe und in dem Zustand würde ich auch nicht mehr Auto fahren.“ Tristan klopfte mir anerkennend auf die Schulter als wolle er mir sagen, wie brav ich doch sei. Dann grinsten mich beide an.

„Wir bringen dich, wir können doch eine junge Dame wie dich nicht um die Uhrzeit allein durch die dunklen Strassen laufen lassen.“ Keith und Sam lachten und schüttelten nur den Kopf. Als wir aufbrachen, rief mir Sam noch hinterher:
„Lass die beiden nicht zu sehr gentlemen sein, sonst sind sie morgen noch krank!“ Lautstarke Entrüstung begleitete mich auf den ersten 5 Minuten des Heimweges. Die Jungs brachten mich zum Lachen und wir verstanden uns prima. Ich war wirklich positiv erstaunt, denn keiner der beiden startete irgendeinen blöden Versuch mich anzubaggern oder mich zu befummeln. Sie waren einfach nur nett und lieb zu mir. Scheinbar doch ganz gentlemen like, so wie man sich einen typischen Briten eben dachte. Vor meiner Haustür bzw vor der Lobby, verabschiedete ich mich mit einer herzlichen Umarmung bei den Jungs. Sie schienen mich zu mögen und sagten, sie freuten sich sehr auf morgen Nachmittag! Lächelnd schwebte ich durch die Lobby.
„Na, gleich mal zwei Männer aufgerissen, ich hoffe du gibst mir wenigstens einen ab?“ Grinsend drehte ich mich zu Kyle um und trat auf ihn zu.
„Ach, die wollten nur Gentlemen spielen... und ich befürchte für dich dass bisher keiner von beiden schwul ist.“ Er machte ein gespielt enttäuschtes Gesicht, dann gab er mir einen Klaps auf den Po und schickte mich schlafen. Müde fiel ich sofort nach dem Abschminken und Zähneputzen ins Bett und rührte mich lange Zeit nicht mehr.

Ein kleiner Sonnenstrahl weckte mich gegen 10 Uhr am nächsten Tag, nach etwa 6 Stunden Schlaf. Obwohl das nicht gerade viel war, war ich topfit und im Stehen trank ich meinen ersten Kaffee. Sofort machte ich mich an die Essays der Studenten, denn wenn ich schon zu der Bandprobe gehen wollte, musste die Arbeit trotzdem getan werden. Und am Montag sollten die Essays zurückgegeben werden, also musste ich mich ranhalten. Wider erwarten ging das Korrigieren ziemlich schnell und ich war ehrlich erstaunt über manche Arbeiten, sie waren ziemlich gut. Die fertigkorrigierten Arbeiten legte ich zur Seite und gönnte mir einen entspannenden Mittag mit einem Buch. Wann immer ich mal zu faul war um rauszugehen, was doch eher selten vorkam, nahm ich mir ein Buch und las. Dieses Mal war ich schon wieder am Silmarillion dran, den Herrn der Ringe hatte ich vor kurzem schon mal wieder gelesen. Die Welt von J.R.R.Tolkien hatte mich schon als kleines Mädchen gefangengenommen, als ich das erste Mal den Hobbit gelesen hatte war ich gerade mal 9 Jahre alt gewesen, danach hatte ich einfach alles von diesem fabelhaften Autor lesen wollen. Mein Handywecker klingelte um 16 Uhr und ich legte das Buch beiseite. Verabredet war ich mit der ganzen Bande von gestern Abend um 17 Uhr und ich machte mich schnell fertig, dann nahm ich die U-Bahn und fuhr ein Stück. Die Wegbeschreibung war genau gewesen und ich fand den kleinen Keller ziemlich problemlos, was vermutlich daran lag, dass Joe und Tristan vor der Tür standen und grinsend auf mich warteten. Eine herzliche Begrüßung und schon schoben sie mich in den Keller runter, wo die anderen schon saßen und warteten, Keith mit seiner Gitarre in der Hand. Die Jungs wollten sofort loslegen, momentan saß Tristan an den Drums, aber er sagte selbst er könne es nicht so gut. Sie spielten ein paar Minuten und ich lauschte ihnen aufmerksam, mir gefiel die Musik die sie machten. (Na gut, das Schlagzeug klang wirklich nicht berauschend *bg*) Irgendwann fragte man mich, ob ich nicht auch mal spielen könnte... Achselzuckend stand ich auf, wir beschlossen einen Song von Green Day zu spielen, etwas dass wir alle konnten. Ich gab den Ton an und es lief recht gut, bedachte man, dass ich seit fast zwei Jahren nicht mehr gespielt hatte. Die Jungs lächelten alle und Keith schaltete sich ein:

„Willst du uns auch mal was auf der Gitarre vorspielen? Wo du doch sagst das liegt dir mehr...“ Sein Zwinkern hätte ich gar nicht mehr gebraucht, sofort griff ich nach der Gitarre, die er mir hinhielt und setzte mich auf einen Stuhl. Ein paar Sekunden brauchte ich um mich mit der fremden Gitarre vertraut zu machen, dann fing ich an zu spielen: Santeria von Sublime. Tristan sah mich erstaunt an, scheinbar hatte er nicht damit gerechnet, dass ich dieses Lied kannte. Schweigend lauschte man meinem Spiel, singen wollte ich nicht, und ich war froh, dass Jodie nicht da war, denn sie hatte nicht den Eindruck gemacht mich zu mögen. Als ich geendet hatte schwiegen erstmal alle. Es war Joe der die Stille brach:
„Hey du hast was drauf. An der Gitarre bist du spitze und an den Drums gut... jetzt sag mir noch du kannst singen und ich fall vor dir auf die Knie.“ Die anderen nickten zustimmend und ich fing an breit zu grinsen, mehr brauchte ich wohl nicht zu sagen, denn schon kniete Joe vor mir und seufzte theatralisch. Tristan hakte nach:
„Du kannst echt auch noch singen?“ Ich zuckte mit den Achseln.
„Ich habe seit 5 Jahren Gesangsunterricht, also n bisschen was sollte ich können.“ Weder klangen meine Worte eingebildet, noch stellte ich mein Licht unter den Scheffel. Joe legte seinen Kopf auf meine Knie und seufzte noch einmal laut. Grinsend schauten mich die anderen an und Keith lachte.
„Ich glaub du hast ihn im Sturm erobert, Lily.“ Sam beobachtete das ganze schweigend und lächelte mich an. Doch sie schien auch nachzudenken, ich fragte mich an was sie wohl dachte.Lange alberten wir so rum und die Jungs kamen gar nicht auf die Idee weiterzuüben und zu musizieren. Joe und Tristan wollten sofort meine Handynummer haben und baten mich den heutigen Abend wieder mit ihnen loszuziehen. Etwas zurückhaltend sagte ich dann auch zu und Sam setzte sich zu mir.
„Schön wenn du mitkommst. Ich freu mich darüber noch ne Frau in der Runde zu haben.“ Ihre Worte klangen sehr ehrlich und so lächelte ich sie warm an.
„Für mich ist das klasse, ich kenn noch nicht so viele Leute in London. Da kann man doch so netten Menschen nicht absagen.“ Sie grinste mich an.
„Sollen wir uns vorher treffen? Also bevor wir die Jungs am PQ treffen?“ Begeistert nickte ich und wir verabredeten uns bei mir. Sie würde mir beim Stylen helfen und bei der Auswahl der Klamotten. Über das ganze Gesicht grinsend, machte ich mich auf den Heimweg. Heute wollte ich nicht kochen und nahm mir unterwegs was vom Chinesen mit. Ich konnte gar nicht glauben, wieviel Glück ich hatte. Da war ich seit 4 Monaten hier, hatte mich zwar nicht gelangweilt, aber auf einmal ging es dann Schlag auf Schlag.

Besonders gern hatte ich schon jetzt Sam und die beiden Jungs Joe und Tristan. Die drei hatten es mir angetan und auch Keith mochte ich sehr gerne, obwohl er tatsächlich etwas zurückhaltender war. In der U-Bahn hatte ich ihn wohl an seinem kontaktfreudigsten Tag erlebt. Zu Hause setzte ich mcih nochmal vor den PC und surfte ein bisschen im Internet, ich versuchte mir ein paar Informationen über das PQ zu holen... Man musste ja wissen worauf man sich einließ! Das Klingeln meines Telefons riss mich fast vom Stuhl, damit hatte ich nicht gerechnet.

„Hallo?“
„Hey Lily, hier ist Kyle. Was machen wir heut Abend?“ Oje, das hatte ich ja fast vergessen. In den letzten drei Wochen war ich immer samstags mit Kyle unterwegs gewesen. Es hatte immer recht lustig geendet, denn er kannte einfach überall Leute und traf sie an den unmöglichsten Orten.
„Ähm ja also... diese Leute, die ich kennengelernt habe, die haben mich ins PQ eingeladen... aber vielleicht magst und kannst du mitkommen?“ Kyle seufzte am anderen Ende.
„Ach weißt du was? Geh mit ihnen, ich werde da heut Abend wahrscheinlich auch noch mal auftauchen, aber dann treff ich mich mal mit jemand anderem. Jetzt wo du noch anderen Anschluss hast.“
„Oh Kyle es tut mir Leid, ich wollte dich nicht vor den Kopf stoßen...“ Er untrebrach mich hastig und erwiderte fröhlich:
„Hast du nicht, ist doch okay. Wir sehen uns.“ Dann legte er auf. Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber nachdem was ich schon alles über ihn erfahren hatte, war das schnell vergangen. Das PQ schien ein netter Laden zu sein, zwar hatten auf den Bildern alle sehr schicke Klamotten an (was mich nun wirklich nicht stören sollte!), aber die Angabe über den überwiegenden Musikstil gefiel mir: Charts, Rock und Pop, teilweise 80er. Das könnte tatsächlich sehr lustig werden. Schnell hüpfte ich unter die Dusche und dann zauberte ich mit dem Lockenstab Engelslocken in meine langen, dunkelblonden Haare, die momentan eher rot waren (Ja ich liebte rote Haare und deshlab trug ich nun seit 2 Jahren rot gefärbte Haare). Schon klingelte es an der Tür, ich hüpfte freudestrahlend hin und öffnete, Sam umarmte mich und kam rein. Bewundernd blickte sie sich um.
„Na schlecht lebst du ja nun wirklich nicht.“ Offen erzählte ich ihr von meiner Situation und sie schien zu verstehen, sie störte sich auch nicht daran, denn sie merkte, dass ich mir nicht viel aus dem „Reichtum“ machte. Sie sah wunderschön aus, trug eine enge Jeans, hohe Stiefel und ein grün-glitzerndes Top, ihre Haare hatte sie offen und sie fielen ihr glatt über die Schultern. Lachend und schwatzend machten wir uns über meinen Kleiderschrank her. Ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf als sie meinen riesigen Fundus sah und als sie hörte, dass ich das meiste selbst schneiderte (außer Jeans, die gelangen mir fast nie!) war sie hellauf begeistert.
„Oh ich suche seit Jahren so einen Rock, ich hab da eine genaue Vorstellung, ob du mir so einen wohl schneidern könntest?"“Ich nickte, wenn auch mit Bedenken. Versprechen konnte ich ihr nicht wann ich genug Zeit dazu haben würde, aber gerne wollte ich ihr diesen Wunsch erfüllen. Sam erzählte mir ein paar Dinge über das PQ und es deckte sich mit dem was ich gelesen hatte. Ich überließ ihr die Wahl der Klamotten und sie suchte mir einen schwarzen Rock raus, der beim Tanzen mitschwang und dazu ein Neckholdertop in knallrot, der Ausschnitt war sehr tief, aber ich liebte das Top, denn es stand mir einfach. Dazu nahm sie meine knallroten High-Heels aus dem Schrank und staunte nicht schlecht als ich so vor ihr stand.
„Also wenn da mal die Jungs nicht gaffen werden.“, lachte sie und ich stimmte mit ein.
„Ach sollen sie doch, ich bin solo und es macht mir nichts aus angeschaut zu werden. Außerdem siehst du auch bezaubernd schön aus, Sam.“ Wir grinsten uns gegenseitig an und sie schminkte mir noch einen knallroten Kussmund und schon waren wir auf dem Weg.

Zum PQ mussten wir mit der U-Bahn fahren und so hatten wir Gelegenheit uns zu unterhalten und unsere Wirkung auf Männer zu testen. Tuschelnd standen wir dann vor dem PQ und warteten darauf, dass uns die Türsteher einließen. Als wir vor ihnen standen, winkten sie uns sofort durch, wir passten absolut perfekt in das Image, dass der Club vertreten wollte. Sam nahm mich an der Hand und führte mich tiefer in den Club, sie wusste wo die anderen warten würden und führte mich zu ihnen. Wie es nicht anders zu erwarten war, hielten sich die Jungs mit Kommentaren nicht zurück. Sie pfiffen und johlten als sie uns zu Gesicht bekamen und drückten uns ganz herzlich an sich. Joe drückte mich etwas länger als es vielleicht nötig gewesen wäre und flüsterte mir leise ins Ohr:
„Du siehst wunderschön aus.“ Mit einem Lächeln bedankte ich mich bei ihm und dann erbarmten sich Keith und Tristan Getränke zu holen. Sam sah mich an und wir mussten beide grinsen, wie aus einem Mund kam unsere Bestellung: Sex on the beach. (Über diesen überaus leckeren Cocktail hatten wir uns schon in der U-Bahn unterhalten.) Kopfschüttelnd machten sich die beiden auf den Weg an die Bar. Sam und ich hatten uns auf eines der Sofas gesetzt und kicherten über die Reaktion, Joe setzte sich neben mich und versuchte mich mehr unauffällig zu beobachten, doch es entging keinem wie er mich bewundernd ansah. Innerlich grinste ich darüber und es schmeichelte mir, er war ein gutaussehender Kerl und da ich solo war... wieso sollte es mich stören?! Lange saßen wir so da und unterhielten uns in dem Loungeteil des PQ, schlürften an unseren Cocktails und lachten. Als dann aber Push the button von den Sugababes lief, zerrte mich Sam auf die Tanzfläche und Joe, Tristan und Dave (einer der anderen Jungs) hasteten uns hinterher. Auf der Tanzfläche war es eng, aber ich verausgabte mich sofort beim Tanzen. Sam und ich lachten und bewegten uns mal lasziv, mal einfach nur wie Orkane. Joe und Tristan tanzten uns an und als Tristan mir die Arme um den Nacken legte um mit mir zu tanzen, drängte sich Joe dazwischen und Tristan ließ mich wieder los. Schmunzelnd sahen Sam und ich uns an und ich tanzte einfach weiter. Sollten die Jungs es doch unter sich ausmachen, ich mochte beide und würde auch mit beiden tanzen. Irgendwann hatte sich dieser kleine Disput wohl gelegt, denn als Tristan das nächste Mal seine Arme um mich legte, sagte und tat Joe nichts, er sah mich und Tristan nur an.

Jetzt spielte der DJ einen Song der Pussycat Dolls und ich war nicht mehr zu halten. Ich tanzte wahnsinnig sexy und Tristan ging sofort darauf ein, wir hatten unseren Spaß beim Tanzen und Sam grinste neben uns und tanzte mit Joe, der uns hin und wieder einen misstrauischen Blick zuwarf. Nach einer dreiviertelstunde durchtanzen, waren wir alle etwas müde und zogen uns von der Tanzfläche zurück, in der Ecke warteten die anderen auf uns und grinsten breit. Tristan holte etwas zu trinken und wir saßen wieder alle gemütlich beieinander, außer Dave, der hatte irgendeine Schönheit abgeschleppt und war verschwunden. Bevor ich irgendetwas dazu sagen konnte, erklärte man mir, dass das ganz seine Art wäre. Kopfschüttelnd lehnte ich mich zurück und nippte an meiner Whiskey-Cola, links von mir saß Sam, daneben Joe und rechts von mir saß Tristan und hatte den Arm um mich gelegt. Für mich hatte das nicht viel zu bedeuten, denn schon in Deutschland hatte ich meinen männlichen Freunden durchaus nahegestanden und war mit ihnen häufig Arm in Arm rumgelaufen. Aus irgendeinem Grund schien aber dies Joe auch zu stören, denn er machte ein etwas griesgrämiges Gesicht. Es war spät als Sam und ich beschlossen, dass wir müde waren, außerdem hatten wir schon einiges getrunken und kicherten die ganze Zeit und liefen nicht mehr ganz gerade. Instinktiv stand Darren auf und bot uns an uns zu fahren, er war der einzige ohne Alkohol intus und irgendwie hatten wohl alle Engländer diese Gentlemen-Art im Blut. Sam winkte ab.

„Ach, sie kommt mit zu mir, ich wohne doch nur 4 Blocks weiter. Wir schaffen das schon.“ Achselzuckend setzte sich Darren wieder und Joe und Tristan umarmten uns lange, dann machten wir uns auf. Wir liefen Arm in Arm und stützten uns so gegenseitig. Ehrlich gesagt war ich mehr als froh über Sams Angebot, dass ich bei ihr übernachten könnte, denn sehr viel weiter als bis zu dem Haus, in dem sie mit ihrer Mutter wohnte, hätte ich es nicht mehr geschafft. Sam brauchte Ewigkeiten um den Schlüssel aus ihrer Tasche zu kramen und als wir im Haus waren, schlichen wir uns leise nach oben, denn sie wollte ihre Mutter nicht aufwecken. Oben angekommen zeigte sie mir das Bad und ihr Zimmer, und griff sich an den Kopf.
„Oh ich hab vergessen, dass in meinem Zimmer kein Platz für eine andere Person ist.“
„Ach ich kann auch die Couch nehmen.“ Sie winkte ab und drückte mich aus der Tür raus und ins Zimmer gegenüber: ein schlichtes Schlafzimmer mit einem großen gemütlichen Bett.
„Das ist das Zimmer meines Bruders, du kannst es heut Nacht nehmen und hier schlafen, er ist nicht da und hat ganz sicher nichts dagegen.“ Stumm nickte ich und nachdem ich kurz im Bad gewesen war, sah ich mir das Zimmer noch einmal genauer an. An den Wänden hingen Bilder von Sam und einer anderen Frau, die wohl ihre Mutter war, dann noch ein paar von der Clique: Joe, Tristan, Keith, Dave und Darren- nur Jodie fehlte.  Sam hatte mir einen kurzen Pyjama hingelegt und ich lächelte. Schnell hatte ich mich umgezogen und schlüpfte unter die Bettdecke und war angenehm überrascht. Nicht nur dass das Bett verdammt bequem war, nein, es roch auch so gut. Vermutlich nach Sams Bruder und einen Augenblcik lang wünschte ich mir, ich würde ihn kennen. Ich wusste eigentlich nichts über ihn, keiner hatte ihn bisher erwähnt, obwohl scheinbar alle mit ihm befreundet waren. Seltam fand ich das schon ein bisschen und auf einmal kam mir ein schrecklicher Gedanke. Was wenn ihr Bruder gestorben war und ihn deswegen niemand mehr erwähnte? Um den Schmerz nicht zu verschlimmern. Seufzend kuschelte ich mich in das Kissen und sog den Duft tief ein, Minuten später war ich eingeschlafen.

Der nächste Morgen kam unbarmherzig und als ich auf die Uhr sah, erschreckte ich mich selbst über mich: 11 Uhr. So lange schlief ich normalerweise nie. Nun der Alkohol hatte wohl seine Wirkung getan... stöhnend hielt ich mir den Kopf und begab mich ins Badezimmer, ich erfrischte mein Gesicht und war froh, dass mir Sam noch in der Nacht etwas zum Abschminken gegeben hatte. Hinter mir hörte ich ein paar Geräusche und dann streckte Sam den Kopf ins Zimmer und lächelte.
„Da bist du ja, ich hab grad ins Zimmer meines Bruders gesehen und mich erschreckt als du weg warst. Magst du frühstücken?“ Ich nickte, sah aber an mir herunter und Sam kicherte.
„Ich geb dir was anderes zum Anziehen, komm mit.“ Zum Glück war Sam etwa so groß wie ich und auch unsere Figuren ähnelten sich. Ich entschied mich für eine gemütliche Jogginghose und ein schlichtes T-Shirt. Sam sah ähnlich aus, es war ja auch Sonntagmorgen. Gemeinsam gingen wir ein Stockwerk runter und sie zeigte mir das Haus bei Tageslicht. Als wir die Küche betraten, erblickte ich zum ersten Mal ihre Mutter. Diese drehte sich um und lächelte uns an.
„Guten Morgen, mein Schatz.“ Sam stellte mich schnell vor und ihre Mutter umarmte mich herzlich.
„Hallo Lily, schön dich kennenzulernen, nenn mich Sonia.“ Lächelnd setzte ich mich neben Sam und wir frühstückten gemeinsam, ihre Mum arbeitete an den Vorbereitungen fürs Essen. Wie ich erfuhr fiel grundsätzlich samstags und sonntags mittags das Essen aus, dafür aßen sie am frühen Abend und dann meistens viel. Sam und ich unterhielten uns lange mit ihrer Mutter und ich fand sie sehr sympathisch. Klar, dass Sam so nett war, sie musste es von ihrer Mutter haben. Und dann plötzlich...

„Ach, Sam, dein Bruder hat angerufen... er kommt bald nach Hause und ich soll dich lieb grüßen. Du sollst auch den anderen Bescheid sagen.“ Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und hustete kurz, bis ich mich wieder gefangen hatte. Sam und ihre Mutter sahen mich erstaunt an. Dann antwortete Sam ihrer Mum.
„Alles klar, ich sag Bescheid. Und wann kommt er nun endlich?“ Ihre Mutter lachte.
„Du kennst ihn doch, immer mittendrin. Scheinbar hat ein dortiger Freund von ihm noch Geburtstag, wie hieß er noch gleich? Ach, aber er kommt pünktlich zu Joes Geburtstagsparty.“ Sam nickte begeistert und grinste mich an.
„Du wirst mit uns Joes Geburtstag feiern müssen, der ist schon in zwei Wochen!“ Ich nickte, irgendwer hatte das doch schon mal erwähnt... Es würde sicher lustig werden und wenn ich den Kerl kennenlernte, in dessen Bett ich so gut geschlafen hatte und der so gut duftete... Doch irgendwann, es war schon früher Nachmittag, musste ich mich auf den Weg nach Hause machen. Herzlich verabschiedete ich mcih von Sams Mutter und Sam brachte mcih zur Tür. Wir tauschten noch Handynummern und dann war ich fort. In Gedanken versunken stand ich wenig später in Jogginghose und T-Shirt in der U-Bahn und schwieg vor mich hin. Fast hätte ich meine Station verpasst und in letzter Sekunde drückte ich mich durch die Türen. Meine Gedanken kreisten um die netten Menschen, die ich schon kennengelernt hatte und das freute mich, denn sie hatten mir den Eindruck vermittelt, dass sie mir gute Freunde sein würden. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit aufräumen, im Internet surfen und Musik hören.
 
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