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von Lantla    erstellt: 02.02.2009    letztes Update: 18.07.2010    Geschichte, Humor / P12 Slash    (fertiggestellt)
Nach ewig langer Pause habe ich das Schreiben doch so sehr vermisst, dass ich mich wieder dazu aufgerafft habe.

Ausgegangen bin ich von einer Beobachtung, die ich machte, als ich mir die letzten drei Staffeln ansah. In den meisten FF (auch meinen) ist Chris derjenige, der sich zu wenig um sein Leben kümmert, während Wyatt der fröhliche Draufgänger ist... Im Grunde ist das unsinnig, denn schliesslich ist Wyatt der supermächtige, der ständig angegriffen wird, seinen ersten Dämon tötet noch bevor er ein Jahr alt ist und später noch seinen Bruder beschützen muss. Und – wie wir spätestens seit Spiderman wissen – kommt mit grosser Kraft grosse Verantwortung. Deshalb habe ich mich entschieden, die Rollen mal zu vertauschen.

In dieser Story ist also Wyatt ein magieversessener Dämonenjäger ohne Liebesleben, während sein Bruder Chris mit einer Hexe namens Helen zusammen ist. Die beiden haben keine Schwester, dafür ihre Cousine Prue, die Tochter von Phoebe und Coop, die gerade etwas an Liebeskummer leidet. Auch sie hat keine weiteren Geschwister. Nur Paige hat alle ihre drei Kinder, die sich gerade im Teenageralter befinden und evt. später noch einen Auftritt haben (ich werde kaum alle meine Ideen verwenden können). Und killt mich bitte nicht, wenn ich Wyatt mit einem Kerl verkupple... Ihr seid gewarnt!

Noch eine Warnung: der Erzählstil ist ziemlich schnell – ich hoffe, dass die Qualität darunter nicht leidet, denn eigentlich mag ich zu schnelle Geschichten nicht besonders.




Speed-Dating

„Du siehst wunderbar aus“, rief Phoebe aus.

„Ich habe auch schon den perfekten Kandidaten gefunden. Er ist wirklich toll, die Nummer 15“, setzte Coop nach. Prue, gemeinsame Tochter und gerade erst abgeblitzt, seufzte tief auf.

„Ich will das alles nicht... eine Enttäuschung ist für einen Monat genug.“ Trotzig verschränkte sie ihre Arme. Doch sie wusste, dass dieses Argument bei ihren Eltern nicht ziehen würde.

„Aber du kannst die Liebe nicht aufgeben, sie ist das grösste Gut überhaupt“, versuchte ihr Vater, sie zur Vernunft zu bringen. „Ausserdem ist es der beste Weg, diesen Blondian zu vergessen.“ (A.d.A. Blondian, weil er nicht blöd, sondern blond ist ;) )

„Ich gebe die Liebe nicht auf, ich pausiere nur“, verteidigte sich Prue.

„Ach, bitte, Prue... Es ist doch nur für einen Abend. Diese Promo-aktion ist für meine Kolumne wirklich wichtig“, bettelte Phoebe. Darauf konnte Prue nur nicken... Wenigstens war es nur ein Speed-dating und nicht eine Junggesellenversteigerung oder so etwas. Sie hoffte darauf, dass alles relativ rasch und schmerzlos hinter sich zu bringen.

Ergeben setzte sie sich an einen der noch freien Tische und besah sich die Teilnehmerliste. Sofort sprang ihr ein Name ins Auge: Wyatt Halliwell. Sie war also nicht als einzige hierzu verdonnert worden. Fast hätte sie laut losgeprustet. Doch da erklang schon eine Glocke und die erste Runde begann.

Prues erster Mann war ein bebrillter Mittdreissiger mit Toupet, der für die Oper schwärmte. Der nächste war schon besser. Eigentlich ganz süss – jedenfalls deuteten Coops erhobene Daumen darauf hin, dass sie das finden sollte. Dennoch redete Prue ganz harmlos über Football, um ja kein Risiko einzugehen.

Es war keinen Monat her, dass sie sich eingestehen musste, verliebt zu sein. Das erste Mal so richtig! Doch der entsprechende Typ sagte ihr nicht nur ins Gesicht, dass er nichts von ihr wollte, sondern schleppte auch noch jedes Wochenende eine andere ab. Und Prue war zu stolz, um zu einer Nummer zu werden, weil der Typ sich nicht an ihren Namen erinnern konnte. Deshalb wollte sie ihn vergessen. Leider war sie damit noch nicht so weit fort geschritten, dass sie sich in einen anderen hätte verlieben können.

Nach einer schieren Ewigkeit landete Wyatt vor ihr und sie atmete erleichtert auf. Sie hatten sich schon länger nicht gesehen, denn Wyatt war immer viel zu beschäftigt. Er verbrachte viel Zeit mit Dämonenjagd – so dass alle anderen ihrer grossen Familie in Ruhe leben konnten... Doch für Coop und Phoebe war er schon viel zu lange Single. Offensichtlich.

„Wie liefs bisher?“, erkundigte sich Prue höflich. Er grinste.

„Jede ist etwas zusammengezuckt, wenn ich erwähnt habe, dass ich Botanik studiere... Ausserdem weiss ich viel zu wenig über die Welt – Filme, Musikbands und so. Eine meinte, es sei schier unmöglich, sich mit mir zu unterhalten.“ Seine Stimme lag irgendwo zwischen Sarkasmus, Amüsement und wirklichem Jammern.

„Ich denke, du liest jeden Tag ausgiebig Zeitung“, erwiderte Prue etwas verwundert.

„Ja, auf der Suche nach dämonischer Aktivität in der Umgebung. Die neusten Klatschnachrichten interessieren mich nicht.“

„Du bist echt ein starkes Stück!“, stöhnte Prue. „Du ordnest der Magie einfach alles unter. Selbst dein Studium. Oder wieso sonst interessierst du dich gerade für Botanik?“

„Ja, ich weiss... Aber hast du dir mal überlegt, was es bedeutet, mit mir zusammen zu sein?“

„Okay“, erwiderte Prue langsam. „Ich will jetzt keine Lobeshymne auf dich singen... Aber du bist bestimmt ein toller Freund.“

„Davon rede ich nicht. Ich rede von den ständigen Dämonenangriffen. Und wenn sie an mich nicht rankommen – wer wäre dann das beste Opfer? Nicht nur, dass ein Mensch wehrlos wäre, mit jemandem, den ich lieben würde, hätten sie sowohl ein Druckmittel als auch die Möglichkeit, mich dort zu treffen, wo es mir wirklich weh tut.“ Mit einem leichten Aufatmen beendete er seine Rede.

„Ich verstehe“, sagte Prue leise und griff tröstend nach seiner Hand. Sofort zuckte sie unter einer Vision zusammen.

„Was hast du gesehen?“, fragte Wyatt. Die Glocke befreite Prue davon, eine Antwort geben zu müssen. Sie speiste Wyatt mit einem geflüsterten 'später' ab.

Jetzt konnte sie sich noch weniger auf ihre 'Dates' konzentrieren und auch Wyatt hatte noch mehr Mühe, ein anständiges Gespräch zu Stande zu bringen. Nach fast einer weiteren Stunde waren die letzten Gespräche endlich vorbei und sofort zogen sich die beiden Cousins zurück in eine Ecke.

„Was hast du gesehen?“, wiederholte Wyatt die Frage, die ihm auf der Zunge brannte.

„Du wurdest von einem Dämon angegriffen, niedergeschlagen und getötet. Es ging alles zu schnell, als dass du es beeinflussen konntest...“

„So leicht kommt keiner an mich ran... Was war es für ein Dämon?“, fragte Wyatt weiter, ohne der Angst in sich eine Chance zu geben. Wenn er den Kopf verlor, war alles nur noch gefährlicher.

„Er hatte Blitze um die Hand. Mehr konnte ich nicht erkennen.“

„Okay, gehen wir zum Buch“, schlug Wyatt vor.

„Mein Auto oder deins?“, fragte sie. Er blickte sie etwas verständnislos an, bis er begriff. Lachend erwiderte er: „Ich hab kein Auto. Ich hab noch nicht einmal einen Führerschein.“

„Oh, genau, also meins.“ Gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach draussen, ohne die missbilligenden Blicke von Phoebe zu bemerken.

„Er wird es nie schaffen, ein Mädchen ab zu bekommen“, bemerkte diese seufzend zu ihrem Mann.

„Mach dir mal keine Sorgen um ihn... Er ist noch jung“, tröstete Coop sie. Dabei hatte er ein Zwinkern in den Augen, das deutlich machte, dass er mehr wusste als sie.


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Piper schloss müde die Haustüre auf. Der Tag im Club war die absolute Hölle gewesen. Erst hatte ein Rohrbruch den ganzen Laden überflutet, dann musste sie der Band absagen und den Club geschlossen lassen und als das Wasser endlich abgeflossen war, sah man erst das ganze Ausmass der  Wasserschäden. Es war eine einzige Katastrophe!

Völlig geschafft erreichte sie das Haus, genau gleichezeitig mit Wyatt und Prue. Zu dritt betraten sie das Haus. Während Prue und Wyatt zum Buch auf den Dachboden gingen, wollte Piper es sich im Wohnzimmer gemütlich machen und sich von ihrem katastrophalen Tag erholen. Doch kaum betrat sie das Wohnzimmer und drehte das Licht an, sprang Chris sofort vom Sofa hoch. Er trug nur  Boxershorts und Helen, seine Freundin, die unter ihm gelegen hatte, war auch nicht angezogener.

„Mom, was machst du denn schon hier?“, quiekte er.

„Was macht IHR denn hier?“, fragte diese streng zurück. „Auf meinem Sofa! In meinem Wohnzimmer!“

„Wo sind bloss meine Jeans“, flüsterte Chris peinlich berührt. Laut sagte er: „Das war alles so spontan! Wir wollten wirklich nicht...“

„Hatten Sie denn noch nie Sex hier unten?“, fragte Helen frech. Chris starrte sie entgeistert an und hoffte, dass sie von nun an den Mund halten würde. Piper verschlug es einen Moment die Sprache, doch dann legte sie erst so richtig los.

„Das geht dich wohl nichts an, Missie. Ausserdem ist das mein Haus und ich hätte nie gewagt, so etwas unter der Nase meiner Eltern zu machen. Das nächste Mal zieht ihr euch gefälligst in dein Zimmer zurück.“ Damit drehte sie sich auf dem Absatz um und steuerte die Küche an. Wenn sie nicht bald einen Kräutertee bekommen würde, könnte noch ein Unglück passieren.

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Chris beschloss die ruhige Minute auszunutzen, um Helen heimzubringen. Einigermassen angezogen landeten sie in ihrem Zimmer im Studentenwohnheim.

„Das war so peinlich! Du hast gesagt, sie komme erst später“, schimpfte Helen sofort los.

„Du weisst, wie unberechenbar unsere Familie ist, so oft wie bei uns Dämonen reinschneien...“, verteidigte sich Chris. „Ich wollte ja in meinem Zimmer bleiben.“

„Immer nur in deinem Zimmer und auf dem Bett... Das ist öde“, stöhnte sie.

Wir werden es wohl überleben und nächstes Mal nicht mehr im Wohnzimmer – du weisst schon...“ Er machte eine vage Geste, die ihre Aktivität beschreiben sollte.

„Du solltest ausziehen. Ich meine, welcher Mann in deinem Alter wohnt noch bei Mami und Papi?“

„Eine Wohnung kann ich mir nicht leisten, genauso wenig wie du“, argumentierte er ruhig.

„Dann zieh ins Wohnheim oder in eine WG“, versuchte sie ihn zu überzeugen.

„Dort wären wir auch nicht allein. Was soll das denn bringen?“ Manchmal verstand er seine Freundin nicht richtig. Sie war so unabhängig, was er bewunderte, doch in Situationen wie diesen gab sie ihm das Gefühl, nicht gut genug für sie zu sein.

„Es würde dich etwas unabhängiger machen. Du würdest dich nicht mehr von deiner Mutter zur Schnecke machen lassen müssen und dein Sexualleben verheimlichen! Du würdest nicht mehr wie ein Loser dastehen.“

Erschrocken zuckte Chris zurück. War das etwa, wofür sie ihn hielt? Er konnte es kaum fassen. Sie waren ein Paar! Verliebt! Er bewunderte und liebte sie und er war davon ausgegangen, dass das umgekehrt genauso war, doch offensichtlich hatte er sich getäuscht. Er sah in ihrem Gesicht, dass ihr die Worte leid taten, dennoch orbte er sich ohne Antwort weg.


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Wyatt lag müde im Bett und liess seinen Tag Revue passieren. Er war ein einziges Scheitern gewesen. Erst musste er feststellen, dass er selbst dann nicht zum Flirten fähig gewesen wäre, wenn er es gewollt hätte. Sein Leben war so vom Dämonenkampf eingenommen, dass er kaum noch das hatte, was seine Mutter ein „normales Leben“ nannte. Nicht, dass ihn das gestört hätte – er liebte seine Kräfte mehr als alles andere und war stolz darauf, anders zu sein als andere. Doch manchmal hatte er fast panische Angst vor dem älter werden. Was, wenn seine Kraft nachliesse? Wenn seine Lust, die Welt zu retten, verginge? Vielleicht wäre es dann zu spät, noch Freunde und eine grosse Liebe zu finden...

Solche Zweifel kamen immer nur dann, wenn der Dämonenkampf nicht erfolgreich war, so wie heute. Er und Prue hatten den Dämon zwar identifiziert, sie waren sogar in der Lage, ein Elixier zu brauen, doch jetzt blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu warten, ob und wann der Dämon angriff. Das hasste er am meisten: das Warten vor dem Kampf, die Anspannung, die ihm den Schlaf raubte.

Er hätte gerne Chris gewarnt und ihm eine Flasche des Elixiers gegeben. Nur zur Sicherheit, denn normalerweise griffen Dämonen ihn an und nicht seinen kleinen Bruder. Und das hatte Prue ja auch vorhergesehen. Doch Wyatt fühlte sich für Chris in einem besonderen Masse verantwortlich. Seit er denken konnte, hatte er ihn in Gefahrensituationen beschützt, da Chris sich als Kind nicht alleine verteidigen konnte. Dieses Muster war geblieben.

Leider hatte er noch nichts von Chris gehört. Wahrscheinlich war er mit Freunden unterwegs, bei seiner Freundin, deren Namen sich Wyatt beim besten Willen nicht merken konnte, oder er sass auf der Brücke und dachte nach. Wie auch immer... es gab Wyatt eine gute Ausrede dafür, warum er nicht schlief.

Plötzlich wurden seine Gedanken von einem weiss-blauen Licht unterbrochen. Schon dachte er, Chris sei heimgekommen, als sich eine Frau vor ihm materialisierte. An ihrem seltsamen Gewand war sie leicht als Älteste zu identifizieren.

„Was wollen Sie denn hier?“, rutschte es Wyatt heraus.

„Ich habe einen Schützling für dich“, antwortete sie ungerührt von seiner Unhöflichkeit. Wyatt lachte trocken.

„Ich übernehme keine Schützlinge. Suchen Sie sich einen anderen Wächter des Lichts.“

„Das geht nicht. Dieser Mann braucht Schutz und Hilfe, die nur ihm geben kannst.“

„Geben Sie ihn Chris oder Paige. Die beiden können ihm genauso gut helfen“, wehrte sich Wyatt weiter.

„Chris hat schon vier Schützlinge und Paige möchte kürzer treten“, schmetterte sie diesen Einwand ab.

„Chris hat vier Schützlinge, wirklich?“, wunderte sich Wyatt, kam aber sofort auf das eigentliche Thema zurück: „Was ist an ihm so besonders, dass er gerade meine Hilfe braucht?“

„Er ist ein Mensch, doch er legte sich mit Dämonen an. Er hat keine Ahnung, womit er es zu tun hat. Er hält sie für eine gewöhnliche Mafiaorganisation. Damit bringt er sich in höchste Gefahr.“

„Ich will das nicht!“, begehrte Wyatt ein letztes Mal auf.

„Er wurde dir zugeteilt. Du kannst deiner Bestimmung nicht entkommen“, erklärte sie ruhig. „Es liegt in deinem Blut. Du wirst ihn demnächst treffen.“ Darauf orbte sie sich ohne Verabschiedung weg. Hätte Wyatt einen Grund gebraucht, die Ältesten nicht zu mögen, so hätte er ihn hiermit gehabt. Doch Gründe brauchte er längst nicht mehr.

Er hörte leise Bässe aus seinem Nachbarzimmer. Anscheinend war während seinem Gespräch mit der Ältesten Chris heimgekommen. Seufzend stand er auf, nahm eine Phiole mit Elixier und klopfte bei seinem kleinen Bruder.
 
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