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Nachts im Regen
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| von Lunita erstellt: 22.01.2009 letztes Update: 15.07.2010 Allgemein / P12 | 15 Reviews |
Die Grundidee stammt aus dem Film "Tage des Falken", die Figuren sind aber alle fiktiv. Sie stammen von mir oder von Bekannten/Freunden. Wer den Film kennt, weiß, dass es im Mittelalter spielt. Um die Story hier zu verstehen, muss man aber den Film nicht kennen. Alles wird nochmals erklärt und ergibt sich im Laufe der Geschichte.
Viel Spaß beim Lesen ^^
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Sie tastete sich die Wand entlang. Die Mauer war kalt und nass, genau wie sie. Sie fror erbärmlich. Gern hätte sie, wenn sie jemals jemanden diese Gesichte erzählen würde, an dieser Stelle gesagt: „Ich zog meinen Mantel enger, um mich wenigstens etwas zu wärmen.“ Aber sie hatte keinen Mantel, den sie um sich hätte ziehen können. Stattdessen kroch sie hier in der Dunkelheit durch diese schmutzige Gasse von Grass in Frankreich, auf der Suche nach etwas zu Essen, oder Gott weiß, was sie hier wollte. Es war später Herbst in Frankreich. In Spanien würde es das auch sein, aber der Herbst und auch der Winter waren dort viel angenehmer. Nicht so schrecklich kalt und nass. Spanien… Wie sehr sie es vermisste. Und doch konnte sie nicht mehr zurück dorthin.
Sie hörte ein Husten. Es kam aus Richtung der Hauptstraße. Und es klang gar nicht gut. Sie wusste, wovon sie sprach. Ein tiefes, röchelndes Husten. Dann hörte sie das Geklapper von Hufen auf den festen Gehsteig. Keine Minute später sah sie dann Gestalten, die sich durch das schummrige Licht, mit dem die Gassen beleuchtet waren, von der Dunkelheit abhoben. Sie aber senkte den Kopf, sodass ihre langen, schwarzen Haare ihr ins Gesicht fielen. Sie kauerte sich an die Wand, so nahe sie konnte und sank dann zu Boden. Vielleicht würde man sie für einen Bettler halten oder so etwas in der Art. Sie hatte aber die Erfahrung machen müssen, dass sie niemals auf die Leute zugehen durfte, so wie sie aussah. Eine junge Frau, in zerrissenen Kleidern. Dann hielt man sie für ein „leichtes Mädchen“, wie viele das nannten. Und dann fing der Ärger erst richtig an.
Sie hätte die Gestalten jetzt erkennen können, wenn sie aufgeblickt hätte, doch das tat sie nicht. Die Neugier ist der jungen Frau ihr tot, hatte ihre Großmutter oft genug gesagt. Diese war vor einigen Jahren schon gestorben und hatte nie erfahren, wie recht sie doch damit gehabt hatte.
Plötzlich blieb jemand vor ihr stehen. Sie sah zwei Stiefel, die vor ihr Halt machten. Sie waren schmutzig und abgetragen, aber dennoch teuer, das konnte man sehen. Neben das Paar Stiefel sah sie Hufen. Ein Pferd also. Wie sie vermutet hatte. Dann klimperte etwas und vor ihr sah sie einige Münzen auf den Boden rollen. Sie traute sich nicht aufzusehen, oder etwas zu sagen. Stattdessen zog sie die Beine enger an und umklammerte sie fester. Er sollte weitergehen. Sonst passierte womöglich noch ein Unglück.
„Wisst ihr, wo das nächste Rasthaus ist?“, fragte eine sanfte, aber männliche Stimme. Dennoch entging ihr nicht der Hauch von Geringschätzung, der in seiner Stimme mit schwang. Sie überlegte kurz, was sie tun sollte. Sie hatte auf ihrem Streifzug einige Rasthäuser gesehen und erinnerte sich auch an einige, die in der Nähe lagen. Sie streckte das Bein ein wenig aus und schob die Münzen von sich. Sie brauchte sie, ja, aber sie wollte sie nicht für eine solche Auskunft und nicht von jemanden, der über sie urteilte, weil es ihr schlechter ging als ihm und obwohl er sie nicht einmal kannte. Dann zog sie das Bein wieder heran. Sie streckte nun den Arm aus und wies Richtung Norden. Dort entlang würde er zum nächsten Gasthaus kommen.
„Danke.“, sagte der Mann. Hinter ihm erklang wieder dieses furchtbare Husten. „Kauft euch einen Mantel von dem Geld.“, sagte er dann noch und setzte sich mitsamt Pferd wieder in Bewegung. Sie sah ihn hinterher, erstmals den Kopf hebend. Ein großgewachsener Mann, so viel konnte sie erkennen. Sein Gesicht sah sie nicht. Auf dem Pferd, dass neben ihm lief, saß ein weiterer Mann, oder sollte man sagen lag? Er hing auf dem Pferd als würde er gleich hinunterkippen. Wieder hörte sie das Husten und nun merkte sie, dass es von jener Gestalt auf dem Pferd kam. Wirklich, es klang grauenhaft.
Als die Männer außer Sichtweite waren, rappelte sie sich auf. Sie überlegte ob sie das Geld liegen lassen sollte, aber das wäre dann nun wirklich etwas zu schade darum gewesen. Zudem sah der Mann so aus, als täten die paar Münzen ihm nicht weh. Soll heißen, seine Stiefel sahen danach aus. Also hob sie es auf. Und was nun? Kauft euch einen Mantel davon, hatte er gesagt. Witzig, so mitten in der Nacht. Und dann passierte es natürlich. Es fing wieder an zu regnen. Als wäre sie nicht noch völlig durchnässte von den letzten Tagen. Noch so ein Vorteil von Spanien. Aber nein, damit wollte sie erst gar nicht wieder anfangen. Dieses Kapitel war abgeschlossen. Sie musste endlich lernen, es hinter sich zu lassen.
Also ging sie los, denn irgendwohin musste sie ja. Das Geld würde nicht reichen für eine Unterkunft und etwas zu Essen würde sie um diese Zeit nicht mehr bekommen. So trottete sie mit geneigten Kopf durch die Gassen und wusste nicht wohin mit sich. Wie fast jede Nacht. Es nahm einfach kein Ende. Wie hatte ihr Leben nur solch eine Wendung nehmen können? Und alles nur wegen dieses verdammten Fluches wegen.
Auf ihren Weg ins Ungewisse, sah sie Menschen, denen es genauso ging wie ihr. Erst in der Nacht sah man, wie viele Menschen eigentlich auf der Straße lebten. Und doch waren sie nicht genau wie sie, doch sie wünschte sich sehnlichst, es wäre so. Sie kam an einer Mutter mit einen Neugeborenem auf dem Arm vorbei und einem kleinen Mädchen, das neben ihr saß. Sie blieb stehen und sah zu ihnen ab. Die Frau sah auf, ängstlich und argwöhnisch. Sie selbst beugte sich zu ihr hinab und legte ihr die Münzen hin, die ihr der Mann zugeworfen hatte. Diese Frau hier konnte sie wenigstens wirklich brauchen. Jene sah überrascht auf und lächelte dann, dankend nickend. Ein wenig schob sie die Decke des Babys zurück, sodass sie es ansehen konnte. Es schien gesund, aber viel zu dünn. Sie lächelte die Frau an, streichelte dem Mädchen neben ihr über den Kopf und richtete sich dann wieder auf.
„Gott segne sie.“, sagte die Frau leise. Dazu ist es bereits zu spät, dachte sie als sie weiterging.
Sie landete vor einem Gasthaus. Ein wirklich schlechter Scherz, dachte sie bei sich. Hatte sie doch eben ihr ganzes Geld weggegeben. Aber auch wenn sie es behalten hätte, hätte es nicht für ein Zimmer erreicht. Sicher, es sah nach einer billigen Absteige aus, aber diese musste eben auch erst einmal bezahlt werden. Es regnete doller und sie war schon bis auf die Knochen durch. Sie zitterte. Das alles war so unfair. Das hatte sie nicht verdient. Und wenn doch, dann wusste sie nicht warum. Sie war immer ein gottesfürchtiger Mensch gewesen, hatte ihre Eltern und ihren älteren Bruder Samuel geehrt und geachtet und hatte vielen, vielen Menschen geholfen. Warum aber spielte Gott ihr jetzt so übel mit. Die Verzweiflung stieg in ihr auf. Und damit auch der Zorn. Ihr Magen knurrte, sie fror, sie war müde und ängstlich. Sie wollte das alles jetzt nicht mehr. Sie hatte keine Lust mehr dieses Leben so zu führen. Es lohnte sich einfach nicht.
So steigerte sie sich in ihre Wut geradezu hinein, bis ihr einfiel, dass das eine ganz, ganz blöde Idee war. Doch da war es schon zu spät. Sie merkte, wie sich etwas in ihr änderte, als wäre ein Schalter umgelegt wurden. „Oh nein….“, hauchte sie verzweifelt und versuchte dagegen anzukämpfen. Doch der Fluch begann schon Wirkung zu zeigen. Wie hatte sie das nur vergessen können? Deswegen war sie doch hier. Und weil sie es vergessen hatte, wurde sie noch wütender auf sich. „Dämliche Kuh…“, hauchte sie noch, da klappte sich förmlich in sich zusammen. Die junge Frau war verschwunden, aber was nun da war, war weit bedrohlicher. Ein Tiger streifte fauchend auf das Gasthaus zu.
Viel Spaß beim Lesen ^^
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Sie tastete sich die Wand entlang. Die Mauer war kalt und nass, genau wie sie. Sie fror erbärmlich. Gern hätte sie, wenn sie jemals jemanden diese Gesichte erzählen würde, an dieser Stelle gesagt: „Ich zog meinen Mantel enger, um mich wenigstens etwas zu wärmen.“ Aber sie hatte keinen Mantel, den sie um sich hätte ziehen können. Stattdessen kroch sie hier in der Dunkelheit durch diese schmutzige Gasse von Grass in Frankreich, auf der Suche nach etwas zu Essen, oder Gott weiß, was sie hier wollte. Es war später Herbst in Frankreich. In Spanien würde es das auch sein, aber der Herbst und auch der Winter waren dort viel angenehmer. Nicht so schrecklich kalt und nass. Spanien… Wie sehr sie es vermisste. Und doch konnte sie nicht mehr zurück dorthin.
Sie hörte ein Husten. Es kam aus Richtung der Hauptstraße. Und es klang gar nicht gut. Sie wusste, wovon sie sprach. Ein tiefes, röchelndes Husten. Dann hörte sie das Geklapper von Hufen auf den festen Gehsteig. Keine Minute später sah sie dann Gestalten, die sich durch das schummrige Licht, mit dem die Gassen beleuchtet waren, von der Dunkelheit abhoben. Sie aber senkte den Kopf, sodass ihre langen, schwarzen Haare ihr ins Gesicht fielen. Sie kauerte sich an die Wand, so nahe sie konnte und sank dann zu Boden. Vielleicht würde man sie für einen Bettler halten oder so etwas in der Art. Sie hatte aber die Erfahrung machen müssen, dass sie niemals auf die Leute zugehen durfte, so wie sie aussah. Eine junge Frau, in zerrissenen Kleidern. Dann hielt man sie für ein „leichtes Mädchen“, wie viele das nannten. Und dann fing der Ärger erst richtig an.
Sie hätte die Gestalten jetzt erkennen können, wenn sie aufgeblickt hätte, doch das tat sie nicht. Die Neugier ist der jungen Frau ihr tot, hatte ihre Großmutter oft genug gesagt. Diese war vor einigen Jahren schon gestorben und hatte nie erfahren, wie recht sie doch damit gehabt hatte.
Plötzlich blieb jemand vor ihr stehen. Sie sah zwei Stiefel, die vor ihr Halt machten. Sie waren schmutzig und abgetragen, aber dennoch teuer, das konnte man sehen. Neben das Paar Stiefel sah sie Hufen. Ein Pferd also. Wie sie vermutet hatte. Dann klimperte etwas und vor ihr sah sie einige Münzen auf den Boden rollen. Sie traute sich nicht aufzusehen, oder etwas zu sagen. Stattdessen zog sie die Beine enger an und umklammerte sie fester. Er sollte weitergehen. Sonst passierte womöglich noch ein Unglück.
„Wisst ihr, wo das nächste Rasthaus ist?“, fragte eine sanfte, aber männliche Stimme. Dennoch entging ihr nicht der Hauch von Geringschätzung, der in seiner Stimme mit schwang. Sie überlegte kurz, was sie tun sollte. Sie hatte auf ihrem Streifzug einige Rasthäuser gesehen und erinnerte sich auch an einige, die in der Nähe lagen. Sie streckte das Bein ein wenig aus und schob die Münzen von sich. Sie brauchte sie, ja, aber sie wollte sie nicht für eine solche Auskunft und nicht von jemanden, der über sie urteilte, weil es ihr schlechter ging als ihm und obwohl er sie nicht einmal kannte. Dann zog sie das Bein wieder heran. Sie streckte nun den Arm aus und wies Richtung Norden. Dort entlang würde er zum nächsten Gasthaus kommen.
„Danke.“, sagte der Mann. Hinter ihm erklang wieder dieses furchtbare Husten. „Kauft euch einen Mantel von dem Geld.“, sagte er dann noch und setzte sich mitsamt Pferd wieder in Bewegung. Sie sah ihn hinterher, erstmals den Kopf hebend. Ein großgewachsener Mann, so viel konnte sie erkennen. Sein Gesicht sah sie nicht. Auf dem Pferd, dass neben ihm lief, saß ein weiterer Mann, oder sollte man sagen lag? Er hing auf dem Pferd als würde er gleich hinunterkippen. Wieder hörte sie das Husten und nun merkte sie, dass es von jener Gestalt auf dem Pferd kam. Wirklich, es klang grauenhaft.
Als die Männer außer Sichtweite waren, rappelte sie sich auf. Sie überlegte ob sie das Geld liegen lassen sollte, aber das wäre dann nun wirklich etwas zu schade darum gewesen. Zudem sah der Mann so aus, als täten die paar Münzen ihm nicht weh. Soll heißen, seine Stiefel sahen danach aus. Also hob sie es auf. Und was nun? Kauft euch einen Mantel davon, hatte er gesagt. Witzig, so mitten in der Nacht. Und dann passierte es natürlich. Es fing wieder an zu regnen. Als wäre sie nicht noch völlig durchnässte von den letzten Tagen. Noch so ein Vorteil von Spanien. Aber nein, damit wollte sie erst gar nicht wieder anfangen. Dieses Kapitel war abgeschlossen. Sie musste endlich lernen, es hinter sich zu lassen.
Also ging sie los, denn irgendwohin musste sie ja. Das Geld würde nicht reichen für eine Unterkunft und etwas zu Essen würde sie um diese Zeit nicht mehr bekommen. So trottete sie mit geneigten Kopf durch die Gassen und wusste nicht wohin mit sich. Wie fast jede Nacht. Es nahm einfach kein Ende. Wie hatte ihr Leben nur solch eine Wendung nehmen können? Und alles nur wegen dieses verdammten Fluches wegen.
Auf ihren Weg ins Ungewisse, sah sie Menschen, denen es genauso ging wie ihr. Erst in der Nacht sah man, wie viele Menschen eigentlich auf der Straße lebten. Und doch waren sie nicht genau wie sie, doch sie wünschte sich sehnlichst, es wäre so. Sie kam an einer Mutter mit einen Neugeborenem auf dem Arm vorbei und einem kleinen Mädchen, das neben ihr saß. Sie blieb stehen und sah zu ihnen ab. Die Frau sah auf, ängstlich und argwöhnisch. Sie selbst beugte sich zu ihr hinab und legte ihr die Münzen hin, die ihr der Mann zugeworfen hatte. Diese Frau hier konnte sie wenigstens wirklich brauchen. Jene sah überrascht auf und lächelte dann, dankend nickend. Ein wenig schob sie die Decke des Babys zurück, sodass sie es ansehen konnte. Es schien gesund, aber viel zu dünn. Sie lächelte die Frau an, streichelte dem Mädchen neben ihr über den Kopf und richtete sich dann wieder auf.
„Gott segne sie.“, sagte die Frau leise. Dazu ist es bereits zu spät, dachte sie als sie weiterging.
Sie landete vor einem Gasthaus. Ein wirklich schlechter Scherz, dachte sie bei sich. Hatte sie doch eben ihr ganzes Geld weggegeben. Aber auch wenn sie es behalten hätte, hätte es nicht für ein Zimmer erreicht. Sicher, es sah nach einer billigen Absteige aus, aber diese musste eben auch erst einmal bezahlt werden. Es regnete doller und sie war schon bis auf die Knochen durch. Sie zitterte. Das alles war so unfair. Das hatte sie nicht verdient. Und wenn doch, dann wusste sie nicht warum. Sie war immer ein gottesfürchtiger Mensch gewesen, hatte ihre Eltern und ihren älteren Bruder Samuel geehrt und geachtet und hatte vielen, vielen Menschen geholfen. Warum aber spielte Gott ihr jetzt so übel mit. Die Verzweiflung stieg in ihr auf. Und damit auch der Zorn. Ihr Magen knurrte, sie fror, sie war müde und ängstlich. Sie wollte das alles jetzt nicht mehr. Sie hatte keine Lust mehr dieses Leben so zu führen. Es lohnte sich einfach nicht.
So steigerte sie sich in ihre Wut geradezu hinein, bis ihr einfiel, dass das eine ganz, ganz blöde Idee war. Doch da war es schon zu spät. Sie merkte, wie sich etwas in ihr änderte, als wäre ein Schalter umgelegt wurden. „Oh nein….“, hauchte sie verzweifelt und versuchte dagegen anzukämpfen. Doch der Fluch begann schon Wirkung zu zeigen. Wie hatte sie das nur vergessen können? Deswegen war sie doch hier. Und weil sie es vergessen hatte, wurde sie noch wütender auf sich. „Dämliche Kuh…“, hauchte sie noch, da klappte sich förmlich in sich zusammen. Die junge Frau war verschwunden, aber was nun da war, war weit bedrohlicher. Ein Tiger streifte fauchend auf das Gasthaus zu.
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