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von Quinten    erstellt: 19.01.2009    letztes Update: 27.04.2009    Geschichte, Allgemein / P18    (abgebrochen)
Das grausame, unablässige Klingeln des Weckers riss Bunny aus ihrem süßen Traum, er war gefüllt von Wärme und Geborgenheit, doch auch etwas Schmerz konnte sie in ihm ausmachen. Schlecht gelaunt von der rüden akustischen Unterbrechung warf sie sich auf die Seite und schlug auf die Snooze- Taste ihres pinkfarbenen Weckers. Sie hasste den heutigen Tag, sie hatte ihn schon immer gehasst. Alle um sie herum, ihre Freunde, ihre Bekannten, sogar ihr Vater freuten sich auf den einen Tag im Leben, der allein ihnen gehörte. Doch Bunny konnte bei dem Gedanken an ihren Geburtstag nur an den Tod ihrer Mutter denken. Niemals hatte sie den 30. Juni genießen können. Niemals!

„Guten Morgen mein Schatz. Alles liebe zu deinem 16. Geburtstag!“ Riesige rosafarbige Luftballons versperrten den Blick auf den stolzen Vater. Bereits 15. Mal war er auf diese Art in das Zimmer seiner einzigen Tochter gestürmt und hatte in ihre leuchtenden und doch so traurigen Augen geblickt. Auch er vermisste Ikuko an jedem einzelnen Tag. In Gedanken fragte er sie ob er bei der Erziehung ihrer Tochter alles richtig gemacht hatte und noch richtig machen wird. Nie erhielt er eine Antwort, seine eigene Einsamkeit wurde ihm nur dann schmerzlich bewusst, wenn sein Sonnenschein nicht in seiner Nähe war. An diesem Morgen sah er sie, eine wunderschöne junge Frau, sie wurde erwachsen. Bald würde sie ihn nicht mehr brauchen, ihn aus ihrem Leben ausschließen, seine Augen trugen augrund dieser Gedanken dieselbe Trauer in sich wie die ihren, nur aus einem völlig anderen Grund.

„Du weißt doch, dass ich meinen Geburtstag nicht mag.“ Nach einer kurzen Pause hauchte sie dennoch ein leises „Danke.“ zu ihren harschen ersten Worten. In den Armen ihres Vaters konnte sie ihre Trauer vergessen, ihren Schmerz und die Wut auf sich selbst. Schließlich gab sie sich die Schuld am Tod ihrer Mutter, eine Mutter, die sie nie kennen lernen durfte. Alles was ihr geblieben war, waren die wenigen Photos. Diese zeigten eine lebenslustige und vor allem wunderschöne Frau. Eines Tages wollte Bunny wie sie werden.

„Wann kommst du heute aus der Schule? Wir könnten am Nachmittag etwas unternehmen.“ Lächelnd löste sich die Schülerin aus den Armen ihres Vaters. „Ich denke so gegen vier. Eigentlich wollte ich noch zu Naru, aber das kann ich auch verschieben…“ Froh über ihre Worte bildete sich eine glitzernde Träne in seinen Augenwinkeln, vielleicht war doch noch nicht alles verloren. Vielleicht würde er sie doch nicht so schnell verlieren. „Schön. Aber komm jetzt, du musst in die Schule meine Kleine.“ Ihr Murren half auch an diesem besonderen Tag nicht, sie musste zur Schule gehen. Wie bereits am gestrigen Tag, stoppte der Wagen an der Ecke und entließ eine hektisch eilende Bunny.

„Serenity!“ Er erinnerte sich an alles, an ihre erste Begegnung auf dem Balkon, an ihre wunderbare Gestalt, ihr Lächeln, ihre Stimme. Er hatte sie geliebt, mit jeder Faser seines Herzens. Damals und heute, schon immer schien er auf der Suche gewesen zu sein. Bis gestern Nacht war ihm jedoch nicht bewusst wonach er gestrebt hatte. Er wollte seinen verlorenen Teil wieder finden, die ganze Zeit über. Doch wo sollte er beginnen, wie würde er sie in diesem Leben erkennen? Während er grübelnd seines Weges schritt, prallte eine kleine Person mit einer unbeschreiblichen Zielsicherheit gegen seine Brust. ‚Déjà vu’, dachte er als er ihren weichen Körper erneut spürte. „Kannst du nicht aufpassen…Ah! Du schon wieder!“ Die Worte schienen nur langsam in seinem Gehirn verarbeitet zu werden. Eine wunderschöne Blondine bemühte sich gerade wieder auf ihre Beine zu kommen. Dieses Blitzen in ihren Augen, die zierliche Gestalt, das lange, absolut seidige Haar, ihre Stimme, sie war es! Dort stand sie direkt vor ihm. Die Gestalt aus seinen Träumen, die eben in sein wirkliches Leben getreten war.

‚Warum starrt der denn so?’ Ein wenig mulmig stoppte Bunny ihre Beschimpfungen und blickte in die undurchschaubar blickenden Augen ihres Gegenübers. Dieser Anblick verunsicherte sie, diese blauen, tiefen Augen. Dieses Gesicht, wo hatte sie nur bloß dieses Gesicht schon einmal gesehen? Schweigend standen sie da, er starr vor Schreck, sie vollkommen verunsichert. Doch dann geschah aus Bunnys Sicht das Unmögliche, er umarmte sie. Einfach so, mitten auf der Straße, ohne Vorwarnung. Dabei kannte sie noch nicht einmal seinen Namen. Angenehm warm fühlte sich seine Nähe an, so vertraut. Das war ihre erste Umarmung von einem Mann, abgesehen von ihrem Vater natürlich. Doch dann besann sie sich und stieß ihn von sich. „Sag mal spinnst du? Wir kennen uns doch gar nicht und du…“ Entsetzt trat sie zwei Schritte zurück, sein Blick war so voller Verlangen auf sie gerichtet, dass es ihr die Sprache verschlug. Aus ihren blauen Augen starrte sie ihn an und rannte so schnell sie konnte.

‚Sie ist es!’ Jubelte Mamoru innerlich. Doch sein Jubel verebbte im Moment der Erkenntnis, sie schien sich nicht zu erinnern. Nicht im Ansatz hatte sie ihn wieder erkannt. Dabei hatte sein Herz so laut nach ihr geschrieen, all seine Liebe war im Moment der Umarmung von ihm zu ihr über geschwappt. Seine leisen Hoffnungen hatten begonnen unablässig zu schreien. Sie schrieen regelrecht nach ihr. Serenity. Doch wie hieß sie in diesem Leben? Er wusste es nicht, doch er würde es herausfinden…

„Es hat also begonnen.“ Hämisch grinste eine der beiden schattigen Gestalten. Lange hatten sie sich gedulden müssen, seit Jahrhunderten hatten sie nach ihnen gesucht. Der Prinz war bereits erwacht, doch seine Liebste schlummerte noch. „Er hat sie erkannt. Das hätte nie geschehen dürfen!“ „Hast du es nicht gesehen? Sie erinnert sich nicht!“ Die dunklen Höhlen der kleineren Gestalt verengten sich und blickten gespannt auf ihr Gegenüber. „Sie hat ihn nicht erkannt und wir werden dafür sorgen, dass sie sich nicht an ihn erinnert sondern an uns!“ Schallende Klänge tönten aus seinem Mund, unter Menschen hätte man es als Lachen bezeichnen können, doch nicht unter seines gleichen. Einmal hatten sie den Kampf verloren, die Prinzessin des Mondes starb ohne sich ihrer Wurzeln erinnert zu haben. In diesem Leben schien ihre Chance gekommen zu sein. Sie war 16 Jahre alt geworden, die Würfel waren ins Rollen geraten.

Meditierend saß Rei vor dem Feuer, einem Element, das sie zu kennen, beinahe zu verstehen schien. Flackernd und heiß, unbändig und voller Kraft flammte es dicht an ihrem Gesicht. Diese eine Nacht, dieser eine Morgen hatten alles verändert. Die Nebel waren verschwunden, alles zeigte sich klar und deutlich. Das Mondzeitalter, ihre Gefährtinnen, sie alle hatte sie endlich erkennen dürfen. In einem früheren Leben war sie die Kriegerin des Feuers gewesen, die Prinzessin des Planeten Mars, eine der vier Leibwächterinnen der Prinzessin des Mondes. Doch warum erinnerte sie sich plötzlich an alles? Warum jetzt? Scheinbar ohne Grund wurde sie seit ihrem 16. Geburtstag von diesen düsteren Träumen heimgesucht. Unablässig quälten sie die junge Priesterin und nun eröffnete sich plötzlich alles vor ihr. „Was soll ich nur tun?“ Verzweifelt beschwor Rei die Mächte ihres Elementes, es musste ihr einfach den Weg zeigen. Einen Weg, den sie eben so sehr fürchtete wie herbei sehnte.

„Die Kriegerin des Mars ist ebenfalls erwacht!“ „Was ist schon der Mars im Vergleich zu ihr? Lass sie nur erwachen, uns kann sie nichts anhaben. Im Gegenteil je mehr von ihnen es sind, desto lustiger wird es!“ Sein Herr schien über die Ereignisse der letzten Nacht nicht beunruhigt zu sein. Er schien sich beinahe zu freuen. Aber wer hatte alle auf einmal erweckt? Die vier Beschützerinnen der Mondprinzessin und ihren Verlobten? Allein sie schien tief und fest zu schlafen. „Du überlegst wer sie erweckt hat.“ Er nickte. „Frage dich lieber wer dafür sorgt, dass sie noch schläft…“

„Es muss eine rationale Erklärung für das alles geben!“ Aufgeregt tigerte Ami in ihrem Zimmer umher. Ihr Traum hatte nicht aufgehört als sie erwacht war. War es somit vielleicht nicht nur ein Traum? Doch was sollte es anderes gewesen sein? Ein Blick in eine längst vergangene Zeit? Sie glaubte weder an Wiedergeburt noch an Schicksal, doch was waren die Bilder in ihrem Kopf anderes als der Spiegel in ein anderes Leben? Sie musste an die frische Luft, alle Geschehnisse noch einmal in Ruhe und vor allem logisch durchdenken. Es musste eine Erklärung für all das geben. Ganz sicher!

Minako lehnte an einem der großen Bäume inmitten eines wundervollen Parks, durch den sich ein kleiner Fluss schlängelte um in einem glitzernden See zu münden. Direkt vor diesem stand sie und starrte unsicher hinein. Die weichen Wogen des Wassers schienen ihr etwas zuflüstern zu wollen, was sie jedoch nicht verstehen konnte. Ein kalter Wind umhüllte ihre Gestalt, ein viel zu kalter Wind für diese sommerliche Jahreszeit. An der dicken Rinde rutschte sie hinab. Es musste eine Erklärung geben! „Verdammt!“

Ihren Schrei fing eine große, sportliche Schülerin auf, wie durch ein magisches Band wurde sie an diesen Ort geführt. Ein magisches Band… Sie war durchaus romantisch veranlagt, Magie gehörte jedoch nicht zu den Dingen, auf die sie vertraute. „Verdammt trifft es ziemlich gut.“ Leise hauchte sie ihre Worte in Richtung der Blondine um deren Aufmerksamkeit zu erregen. Minako zuckte erschrocken zusammen, erschrak jedoch noch weitaus mehr als sie in das vertraute Gesicht ihres Gegenübers blickte. „Du bist, du bist…“ Makoto nickte, sie brauchte nicht weiter sprechen um verstanden zu werden. Endlich war sie angekommen. Es musste nicht in Worte gefasst werden, es war einfach da. Direkt vor ihnen. „Wo sind die Anderen?“ Makoto schüttelte bedauernd ihren Kopf, auch sie konnte diese wichtige frage nicht beantworten.

„Einen Kaffee, schnell Motoki!“ Vollkommen aufgewühlt hatte Mamoru sich ins Crown bewegt, er musste einfach mit jemanden über sie sprechen. Es brannte derart in seiner Seele, dass es ihm nicht gelungen war sich anderweitig zu beschäftigen. „Hey Kumpel was ist los mit dir? Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen.“ Plötzlich und vollkommen unerwartet lachte Mamoru schallend los. „Du ahnst gar nicht wie recht du hast!“ Langsam wurde es Motoki zu unheimlich. Erst kam sein Freund als Schatten seines Selbst in die Spielhalle und nun lachte er scheinbar ohne Grund lautstark los.

Hätte Mamoru auch nur geahnt, dass er heute bereits zwei Personen bis ins Mark verunsichert hatte, wäre ihm das Lachen ein wenig schwerer gefallen, aber so… „Also erzähl.“ „Ich habe sie gefunden Motoki, endlich habe ich sie gefunden. Ich habe so lange nach ihr suchen müssen und dann, plötzlich, rennt sie mich einfach um!“ Es dauerte bis der blonde Kellner den Worten ihren Sinn entzogen hatte. Scheinbar hatte sich der Herzensbrecher Mamoru endlich verliebt. Es war ja auch schon langsam an der Zeit, die Leute hatten ja bereits begonnen zu reden. Ein so beliebter Mann wie er hatte noch immer keine Freundin, obwohl sein weiblicher Fanclub durchaus beachtlich, wenn nicht sogar beneidenswert groß war. „Das freut mich für dich. Wie heißt sie denn?“ Noch immer lächelnd schüttelte er seinen Kopf. „Wie? Du weißt es nicht? Aber…“ „Sie geht noch in die Schule und genau dort werde ich auf sie warten. Sie ist es. Sie ist vor mir geflüchtet, wie früher.“ Fröhlich hatte er seinen Kaffee angesetzt, sich furchtbar die Lippen verbrannt nur um den Becher gleich wieder zurück zu stellen. Heute war alles egal. Er hatte sie endlich gefunden, nur musste er nur noch warten bis die Schulklingel ein zweites Mal am heutigen Tag ihren Dienst erfüllte. Beschwingt verließ er seinen verdutzten Freund. Dieser war viel zu verwirrt um Mamoru noch etwas hinterher zu rufen.

„Endlich ist der Unterricht vorbei und die Lehrerin hat dich noch nicht einmal nachsitzen lassen.“ Bunny nickte erfreut. „Stimmt, sie hatte sicher Mitleid weil…Naja du weißt schon.“ Die traurigen Augen ihrer Freundin waren das Letzte, das Naru erreichen wollte. „Kopf hoch! Wollen wir noch ein Eis essen gehen? Ich lad dich ein.“ „Sonst gerne aber ich habe schon etwas vor.“ Ein riesiger Strauß roter Rosen hinderte Bunny am weiter gehen, der berauschende Duft der Blüten stieg ihr in die Nase und vernebelte ihre Sinne. Verstehend wendete sich Naru zum gehen. ‚Das hat sie also noch vor.’ Wer dieser verdammt gut aussehende Mann war, konnte ihr Bunny auch noch später erklären. „Für meine Prinzessin.“ Hauchte Mamoru sanft und umarmte Bunny ein zweites Mal an diesem Tag.

„Sag mal bist du eigentlich verrückt oder einfach nur ein Stalker?“
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