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Geschichte: Fanfiktion
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/ Nichts ist wie es scheint II
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von Quinten
erstellt: 19.01.2009
letztes Update: 27.04.2009
Geschichte, Allgemein / P18
(abgebrochen)
In den Armen ihres Vaters bekam die Kleine den Wirbel, der in dem steril eingerichteten Krankenhauszimmer kurz darauf herrschen sollte, nicht mehr mit. Viel zu gebannt starrte sie auf die sich bewegenden Schatten, die sich im Fenster abzeichneten als hätten sie allein auf ihre Geburt gewartet. Noch konnte Bunny nicht erkennen ob es sich um freundliche oder feindliche Schatten handelte, doch der Moment als ihr Vater sie hektisch aus den Händen gab ließ die Abbildungen verschwinden. Verzweifelt am Bett der Mutter kniete er und wünschte sich nichts sehnlicher als dass seine Frau gerettet werden würde. Sie hatte zu viel Blut verloren und war zu schwach um bei Bewusstsein zu bleiben. Die Ärzte kämpften, mussten jedoch nach einer kleinen Ewigkeit ihre Bemühungen einstellen. Mit den Schatten kam der Tod ihrer Mutter. Schreiend wälzte sich Bunny unruhig in den Armen der Krankenschwester hin und her. Sie wollte zu ihrem Vater, zurück in dessen wärmende Arme, sie wollte seinen Herzschlag spüren und sich so geborgen fühlen wie noch vor einem kurzen Augenblick.
Sechzehn Jahre später
„Bunny steh endlich auf, oder willst du schon an deinem ersten Tag zu spät kommen?“ „Nein, ich bin fast fertig.“ Von oben rief die blonde Schülerin ihrem aufgeregten Vater zu, der hingegen wusste ganz genau, wie das „fast fertig“ seiner Tochter gemeint war. Wahrscheinlich stand sie noch im Pyjama vor dem Badspiegel und putzte sich aufgeregt ihre Zähne. Dieser Anblick ließ ihn unwillkürlich schmunzeln und an seine eigene List denken. Am Abend zuvor hatte er alle Uhren im Haus eine halbe Stunde nach vorn gestellt um der fast routiniert wirkenden Verspätung seiner Tochter entgegen zu wirken. Sein Plan schien tatsächlich aufzugehen als sie noch knapp in der Zeit fertig wurde. „Bin ich sehr spät dran?“ Aufgeregt und errötet sprang sie von einem Bein aufs Andere, es war ihr unangenehm ihren Vater in Verlegenheit zu bringen. Dabei bemühte sie sich täglich besser zu werden. „Nein gar nicht, du hast noch fünf Minuten.“ Gab Kenji stolz zurück. „Wie?“ „Tja meine Kleine frag nicht, steig einfach ins Auto.“ „Aber Papa, ich will lieber zu Fuß gehen.“ Herr Tsukino dachte nicht im Entferntesten daran seine Kleine den Gefahren der Großstadt auszusetzen. Dort gab es Autofahrer, Fahrradfahrer, Fußgänger und was am schlimmsten war einen Haufen unzivilisierter Männer. „Nein niemals!“ Sprach er laut aus, was er eigentlich nur leise hatte denken wollen.
„Niemals was?“ Die Anwandlungen ihres Vaters verwirrten die Blondine von Zeit zu Zeit noch stärker als gewöhnlich. Ihr Vater schien dann beinahe zu glühen und von einer Entschlossenheit besessen zu sein, die ihr Angst machte. Dennoch wäre sie niemals darauf gekommen was ihren Vater derart verängstigte. Männer waren für sie nur in Gesprächen mit ihren Freundinnen interessant. Niemals war sie verliebt gewesen, niemals war sie auch nur mit einem Jungen ausgegangen. Es gab etwas, das sie davon abhielt, etwas Unbestimmtes und dennoch absolut Wichtiges.
„Du kannst mich hier rauslassen.“ „Aber deine Schule ist doch nur noch um die Ecke, ich fahre dich bis vor die Tür.“ Entnervt rollte Bunny ihre strahlenden blauen Augen und schaute ihrem Vater flehend ins Gesicht. Diesem Anblick hatte er noch niemals widerstehen können. Zu unschuldig sah sein kleiner Liebling dabei aus. „Gut, aber sei vorsichtig…“ „Ich lass mich schon nicht weg fangen. Keine Sorge.“ Liebevoll drückte sie ihm einen seichten Kuss auf die Wange und verschwand mit einem Satz aus dem Wagen. Kenji wartete noch bis sie um die Ecke gebogen war und fuhr dann seufzend davon.
An diesem besonderen Tag freute sich selbst die lernfaule Bunny auf die Schule, sie würde alle wieder sehen. Ihre Freundinnen waren neben ihrem Vater das Wichtigste in ihrem Leben. In ihren fröhlichen Gedanken verloren bemerkte sie nicht, wie sie direkt auf einen Mann zu steuerte. Wie eine Mauer, zugegeben eine ziemlich gut gebaute und wohl riechende Mauer, prallte sie an seinen Oberkörper und fiel rücklings in eine Pfütze. „Au!“ Verzweifelt und ein wenig geschockt rappelte Bunny sich auf ihre Beine und blickte mürrisch auf den ohne Zweifel gut aussehenden Fremden. Etwas in ihr schien zu rufen, sie auf etwas hinweisen zu wollen, doch nichts geschah, rein gar nicht. „Sag mal hast du sie noch alle? Wegen dir sind meine Bücher nass geworden.“ Der Zorn in der Stimme des Fremden ließ sie ihre Überlegungen zur Seite werfen. Offensichtlich war ein ziemlicher Idiot. Er hätte doch auf den Weg achten können. „Was ich? Du bist doch in mich rein gelaufen!“ „Ha frech bist du auch noch. Naja kein Wunder, bei der Frisur wär ich auch mies gelaunt!“
Das genügte. Sie hatte an nichts Böses gedacht und dann kam dieser Kerl. Mit hoch rotem Kopf baute sich Bunny vor dem Fremden auf und wollte gerade los schreien als die Schulklingel ertönte. „Nein! Bitte nicht, ich komm schon wieder zu spät.“ Mit diesen Worten lief sie so schnell ihre Beine sie tragen konnten. Sie durfte sich nicht verspäten, nicht schon wieder. ‚Seltsames Mädchen.’ dachte sich unterdessen der Fremde als er sie davon rennen sah. Seltsam und doch so vertraut. Achsel zuckend bewegte er sich Richtung Krankenhaus. Den ganzen Tag jedoch beschlich ihn dieses merkwürdige Gefühl, dass an dem heutigen Tag etwas wirklich Bedeutendes geschehen war.
Sie war schon immer alleine gewesen. Es schien einfach nicht ihre Art zu sein, Zeit mit Anderen zu verbringen. Dabei war es ihr sehnlichster Wunsch wahre Freunde zu haben, sich mit ihnen auszutauschen und sie zu beschützen. Ein wenig traurig kehrte sie die Treppen zum Tempel ihrer Familie an diesem Nachmittag. Ihre beiden Krähen saßen ruhig auf dem Ast ihres Lieblingsbaumes und schauten den gleichmäßigen Bewegungen des Besens zu. Wie in Meditation schwang die schöne Priesterin den Stiel von rechts nach links. Immer im gleichen Rhythmus, doch heute schien sich etwas verändert zu haben. Nicht nur heute, streng genommen seit ihrem 16. Geburtstag. Es geschah mitten in der Bewegung, sie sah sie. Blondes, engelsgleiches Haar, eine schlanke Figur und ein liebliches Gesicht. Dann verschwand das friedliche Bild um sich gegen ein schmerzverzerrtes zu tauschen. An diesem Punkt wollte sie jedes einzelne Mal laut aufschreien. Schreien um sie zu retten, doch sie wusste, dass es dafür zu spät war.
Ein wenig gelangweilt beugte sich Ami über ihre Bücher, sie schienen heute einfach kein Interesse in ihr hervorrufen zu können. Seit ihrem Geburtstag hatten sich die Dinge verändert, sie war rastloser und unkonzentriert. Ihre Mutter hatte versucht die Veränderungen auf die Pubertät zu schieben, doch sie wusste es besser. Schwimmen war das Einzige, das sie ablenken konnte. Der weiche Verlauf des Wassers schien sie dabei vollkommen in ihren Bann zu ziehen. Es war ihr Element, ständig in Bewegung und doch von einer perfekten Ruhe geprägt. Aus ihrem Tagtraum erwachte sie inmitten ihrer Aufgaben, so einfach erschien ihr alles. Die Lösungen sprangen ihr förmlich ins Gesicht und doch wusste sie, dass sie für mehr gebraucht wurde als nur zum Lösen schwieriger Algorithmen.
„Makoto bist du fertig?“ „Ja!“ Rief die Angesprochene beschwingt und schaute dabei verliebt auf den Bäckerlehrling, der direkt ihr neben ihr arbeitete. Anfangs war sie nur manchmal an diesen Ort gekommen um ihrem Onkel zu helfen, doch mittlerweile kam sie beinahe täglich. Nicht allein um ihren Angebeteten zu sehen, der sie irgendwie verblüffend an ihren Exfreund erinnerte, vielmehr kam sie um sich abzulenken. Abzulenken von den Veränderungen in ihrem Leben. Mit jedem einzelnen Tag schien sie stärker zu werden. Zum ersten Mal bemerkte sie den Wandel während des Sportunterrichts, mühelos brach sie einen Rekord nach dem anderen. Dabei strengte sie keine einzige Sache an, es war als würde ihre Kraft schon immer tief in ihr existiert haben. Sie war ein Teil von ihr, sie fürchtete sich nicht davor, doch verstehen konnte sie sie nicht.
Ein blonder Wirbelwind fegte um die Ecke und lief schnurstracks Richtung Spielhalle. Gleich nach der Schule rannte sie los um ihn zu sehen, den anbetungswürdigen Jungen, der an ihrem Lieblingsort bediente. „Minako magst du wieder einen Schokoladen - Milchshake?“ „Klar wie immer Motoki!“ Säuselte die quirlige Blondine verliebt. „Das neue Spiel von Sailor V ist gestern angekommen, magst du es gleich mal versuchen?“ Die Herzchen in ihren Augen waren so offensichtlich, dass selbst der junge Kellner sich verlegen am Kopf kratzte. Sobald er jedoch die Worte „Sailor V“ ausgesprochen hatte sprang Minako eilig von ihrem Stuhl und setzte sich wie berauscht vor den piependen Automat und begann zu spielen. Als sie das Mädchen im kurzen Rock durch die verschiedenen Ebenen des Spiels jagte lief ihr ein ahnender Schauer über den Rücken, es wirkte alles so vertraut. Die Monster, die Dunkelheit und die Angst. Aber auch das Licht, welches von der Spielfigur ausging schien sie zu Erkennen. Es hatte begonnen, das ahnte sie schon lange, doch die Tragweite ihrer Ahnung war ihr nicht im Ansatz bewusst.
Wieder dieser Traum. Jede Nacht plagten ihn düstere Visionen, er sah Menschen und Steine in die Luft fliegen. Alles wurde zerstört, zerstört von dieser Frau. Eine schemenhafte Fratze bildete sich wie ein Schatten vor seinem geistigen Auge, sie schien so vertraut und doch so abgrundtief schlecht zu sein. Kurz vor Ende seiner quälenden Träume erschien in gleißendem Licht ein Wesen, welches wie durch Zauberhand zu schweben schien. Ein reines, unschuldiges Wesen, das er um jeden Preis beschützen musste. Und doch starb sie. In jedem einzelnen, schrecklichen Traum. Sie starb und schien alle Hoffnung mit sich zu nehmen. Sie starb ohne eine Chance auf Rettung zu haben, sie starb seinetwegen. Mamoru schreckte Schweiß gebadet hoch, doch in dieser Nacht veränderten sich die Dinge. Die Bilder liefen weiter, gnadenlos entblößte sich vor ihm ein längst vergangenes Leben. Eine Zeit, in der er als Prinz über die Erde herrschte. Eine Zeit, in der er sie kennen gelernt hat. Eine Zeit, in der er begonnen hatte zu lieben.
„Serenity!“ Rief es in dieser kühlen Nacht aus fünf Mündern gleichzeitig. Sie dachten an ihre Prinzessin, ihr Licht, ihre Hoffnung. Eine Hoffnung, die in diesem Leben noch tief und fest schlief.
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