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von Lilli    erstellt: 17.01.2009    letztes Update: 07.02.2012    Geschichte, Allgemein / P12    (fertiggestellt)
Disclaimer:

Hatte über Nacht eine Eingebung und da ich meine Idee nicht schlecht fand, habe ich einfach beschlossen, sie in einer Fic zu verpacken. Das Geschriebene ist rein erfunden und nie passiert. Kris und die Helden gehören sich selbst. Celina und Julia entspringen meiner Fantasie. Viel Spaß und über ein paar Kommies wäre ich erfreut.

____________________________________            

Kris POV:

Als ich vom Vorhaben meiner Eltern erfuhr, versetzte mir das zunächst einen wahrhaften Schock. Ich war äußerst skeptisch und ganz geheuer war mir der anstehende Plan auf keinen Fall, denn meiner Mutter war die Idee gekommen ein Kind zu adoptieren, weil sie ohnehin zu Hause beschäftigt war und sich einsam fühlte, da mein Vater oft stundenlang in der Firma arbeitete und ihrer Meinung nach, wollte sie die Zeit mit etwas „ Nützlichem“ verbringen und etwas Gutes tun. Ich war nun seit mehreren Jahren in eine eigene Wohnung gezogen, hatte eine feste Freundin und bezüglich meiner Karriereleiter ging es ebenfalls steil bergauf, da ich mich in einer Band befand, der äußerst viel versprechende Aussichten nahten. Vor kurzem hatte ich meine Lehrstelle als Kaufmann für audiovisuelle Medien abgeschlossen und meinen Tennistrainer-Schein gemacht. In meiner Freizeit jobbte ich nun also als Tennistrainer oder Fotomodel, um mir ein wenig Geld dazu zu verdienen und somit besser über die Runden zu kommen.
Bereits gestern hatte mir mein Vater die „ Botschaft“ über das Telefon verkündigt, denn sie sollte schon am heutigen Tag in der Wohnung meiner Eltern eintreffen. Ich wusste nur, dass sie Celina hieß, 4 Jahre alt war und eine dementsprechend schwere Kindheit vorzuweisen hatte und seit wenigen Monaten in einem Heim untergekommen war. Und schon am nächsten Tag sollte ich den Babysitter spielen, weil für meine alten Herrschaften ein nicht zu verschiebender Termin anstand.

Ich begann meine Gedanken schnell wieder zu verdrängen, denn ich brauchte meine volle Konzentration für einen Aufschlag, schließlich befand ich mich gerade auf dem Tenniscourt, um die 13-jährige Julia zu trainieren, die seit kurzem unter meiner Obhut stand. Zu meiner
Verwunderung musste ich allerdings feststellen, dass ihre Zuspiele stark zu wünschen übrig ließen. Irgendetwas stimmte heute nicht mit ihr, dass sagte mir mein Verstand ganz deutlich, denn normalerweise spielte sie sehr viel besser. Sie wirkte unkonzentriert und das bestätigte sich auch, als sie meinen nächsten Ball verpasste und zur Seite wegknickte. Mit einem lauten Aufprall stürzte sie auf den Boden, blieb dort erst einmal liegen und ich schleuderte meinen Schläger auf den Boden, rannte zu ihr. Mein Adrenalin schoss von null auf hundert. Hoffentlich hatte sie sich nicht ernsthaft verletzt.

„ Julia“, rief ich ihr aufgebracht entgegen und sie versuchte sich aufzurichten, sodass sie die Beine an ihren Körper gezogen hatte und auf dem Hallenboden saß, winkte ab.

„ Geht schon, Kris. Ist nichts passiert“, versicherte sie mir und fuhr sich müde durch die blonden Haare. Sie erschien mir bedrückt, irgendetwas stimmte nicht mit ihr.    
Ich hatte mich vor sie gekniet, sah ihr unmittelbar in die Augen. Ihr Blick war gesenkt und sie versuchte mir auszuweichen.

„ Sicher? Mensch, irgendetwas stimmt doch nicht mit dir. So schlecht spielst du doch sonst nie“, hakte ich genauer nach und konnte beobachten, wie bereits die ersten Tränen in ihren grünen Augen aufzusteigen drohten. Seufzend legte ich ihr den Arm um die Schultern.

„ Komm mal hoch. Wir setzen uns erst mal hin. Und dann erzählst du mir, was los ist. So können wir echt nicht weitermachen“, wies ich sie an und deutete auf die Bänke. Ich stützte sie vorsichtig auf dem Weg, war mir ja noch nicht einmal sicher, ob sie wirklich wieder gehen konnte.
Wir nahmen nun also auf der Sitzgelegenheit platz. Sie sah mich nicht an, denn offenbar schämte sie sich für ihre Tränen. Nach einem kurzen Moment der Stille rückte sie dann tatsächlich mit der Wahrheit heraus.

„ Meine Eltern lassen sich scheiden“, flüsterte sie kaum hörbar und mit zitternder Stimme. Ich sog scharf die Luft ein. Scheiße. Damit hatte ich am allerwenigsten gerechnet.
Schweigen. Und während ich mir die passenden Worte zu Recht legte, die diese Situation wohl bitter nötig hatte, brach es vollständig über sie herein. Wimmernd schlug sie die Hände vors Gesicht, schluchzte nun laut hörbar in das innere ihrer Handflächen.

„ Ich will nicht, dass sie sich trennen und ich mich für einen der Beiden entscheiden muss. Warum können sie nicht zusammen bleiben? Das ist so unfair“, und ihre letzten Worte gingen in einem jämmerlichen Wimmern unter. Betroffen sah ich auf die Kleine, legte ihr unbeholfen meine Hand auf die Schultern. Ich hatte mit diesem Thema noch keinerlei Erfahrungen gemacht. Meine Eltern liebten sich seit 30 Jahren und allein der Gedanke, dass ihre Ehe auseinander gehen könnte, löste in mir eine regelrechte Panik aus. Julia wimmerte unaufhörlich und ich zog sie entschlossen in meine Arme, wiegte sie sacht hin und her, bis ihr Atem wieder gleichmäßiger wurde. Ihr Kopf ruhte an meiner Brust und ich flüsterte ihr leise, einfühlsame Dinge, entgegen.

„ Scht. Ganz ruhig. Für dein Problem gibt es ganz sicher ne Lösung. Du wirst sehen“, wisperte ich nahezu lautlos und fuhr ihr tröstend über den Rücken. Nach einer Weile hatte sie sich nun vollständig beruhigt und lag mittlerweile geschafft in meinen Armen, schniefte nur noch ab und an.

„ Hast du mal mit deinen Eltern gesprochen und ihnen gesagt, wie schlimm du ihre Entscheidung findest? Ich meine, schließlich bist du ihr Kind. Dass kann ihnen ja nicht einfach so egal sein.“
Ein Kopfschütteln verriet mir, dass sie diesen Schritt noch nicht in Erwägung gezogen hatte.

„ Wie denn Kris? Sie streiten ja nur noch. Ständig brüllen sie sich an“, stöhnte sie und ich fuhr mir angespannt über die Stirn.

„ Ich kann mich einfach nicht entscheiden, weißt du? Ich mag meinen Vater und meine Mutter eigentlich gleich stark und ich will auch nicht ständig hin und her gerissen werden“, sprach sie leise und ich nickte bestätigend.

„Ich glaub, ich verstehe sehr gut, was du meinst“, gab ich ihr bekannt und sie verzog ihren Mund zu einem traurigen Lächeln.

„ Soll ich mal mit deinem Vater reden, wenn er dich das nächste Mal abholt?“, aber sie bewegte ihren Schädel verneinend hin und her.

„ Lieber nicht. Da gibt es nur noch mehr Stress. Und im Endeffekt schreien sie sich doch wieder an“, wehrte Julia ab. Ratlos atmete ich laut hörbar die Luft aus.

„ Weißt du was? Wir beenden das Training heute an dieser Stelle etwas früher. Ich muss eh zu meinen Eltern und da kann ich dich auch in Lokstedt absetzen, wenn das schon auf meiner Strecke liegt. Vorher gehen wir aber noch etwas Trinken. Und über dein Problem reden, denn so geht’s ja nicht weiter“, zwinkerte ich ihr zu und ihre Miene erhellte sich ein wenig.

„ In 10 Minuten vor meinem Wagen. Ist ein Fiat Panda. Kaum zu übersehen“, meinte ich locker und sie löste sich von ihrer Position, bedankte sich noch einmal ausgiebig und verschwand dann genau wie ich unter der Dusche.

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Letztendlich fanden wir uns im Starbucks wieder und feilten krampfhaft an einer weiteren Vorgehensweise, die entweder dazu führte, dass ihre Eltern sich wieder versöhnen würden, wobei das so unwahrscheinlich, wie der Landung eines Ufos wäre, oder bei wem von beiden Parteien sie vorübergehend wohnen wollte. Die Auswahl lag bei ihrer Mutter, die nach Bergedorf ziehen würde, oder ihrem Vater in Lokstedt. Zu einem wirklichen Entschluss kamen wir allerdings nicht, aber ich spürte, dass Julia das Angebot, sich den ganzen Frust von der Seele zu reden, mehr als dankbar entgegen nahm. Es war an der Zeit, dass sie sich ihren Problemen Luft machte. Auch wenn ich ihr nicht sehr viel weiter helfen konnte, vernahm ich dennoch das Gefühl spürbarer Erleichterung, als sie aus dem Auto kletterte und dankbar winkend hinter dem Tor ihrer Einfahrt verschwand. Für einen weiteren Moment blieb ich nachdenklich in meinem Wagen sitzen und starrte in Gedanken versunken auf das Haus. Julia tat mir leid.

Kommies?
 
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