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von TheBlueLady    erstellt: 10.01.2009    letztes Update: 14.06.2009    Geschichte, Allgemein / P18 Slash    (fertiggestellt)
Hi!

*Wow* mit so vielen Leserklicks hätte ich gar nicht gerechnet :D ... thx euch allen für euer Interesse ... und die Chance euch vielleicht zu unserer Sichtweise der Charas zu verleiten *smile*

Warnung nach wie vor: OoC ... aber wer weiß das schon wirklich? *grins*

THX besonders den zwei Reviewschreibern, Rückmeldungen haben wir doch alle gerne :-)

Nun gut, dann ab nach Babylon, nachsehen, was in Hephaestion vorgeht und was Alexander jetzt tun wird ...

Have fun, Bluey

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Teil 2:

HEPHAESTION:

Ich lehne mich gegen die verschlossene Tür, schiebe alle Gedanken erst einmal zur Seite, bis ich mich wieder halbwegs beruhigt habe. Mein Blick fällt auf die Waschschüssel, ich reinige meine Hände und mein Gesicht. Das kalte Wasser wirft mein Spiegelbild zurück, wütend, verzweifelt, traurig und müde ist der Hephaestion, den ich da sehe.

Was hast du nur aus mir gemacht, Alexander? Du und die anderen?

Einen Becher Wein gieße ich ein, trete hinaus auf meinen Balkon, lehne mich müde gegen die Wand und blicke auf das nächtliche Babylon.

Wann, bei Hades, habe ich vergessen, wer ich bin?
Was ist aus dem stolzen, mächtigen General geworden, der ich einst war?
Seit wann kann jemand etwas aus mir machen, wenn nicht ich selbst?
Seit wann ziehe ich den Kopf ein und gräme mich über das Getuschel der Generäle statt sie hoch erhobenen Hauptes vor meinem Zorn zittern zu lassen wie früher?

So geht es nicht weiter. Auf keinen Fall. Nicht EINE Sekunde länger.

Ich liebe dich, Alexander, das ist das einzige, woran ich nie zweifeln werde, mein Herz gehört dir und selbst wenn ich dich verliere, werde ich dich nie im Stich lassen.

Aber wenn deine Liebe für mich zu erhalten, bedeutet, mich selbst zu verlieren, mich zu dem zu machen, was mir die Generäle nachsagen, dann ist dieser Preis zu hoch.

Du hast mich belogen. Du belügst dich selbst. Ja, du belügst dich selbst, wenn du in Selbstmitleid versinkst, weil du mit Roxane das Bett teilen sollst. Ich habe deine Blicke gesehen, wenn sie für dich tanzt. Ich kenne diese Blicke. Nur zu gut. Du begehrst sie und bist zu feige, es einzugestehen.

Und dafür soll ich dich auch noch bedauern? Ich weiß, ich fühle, dass du das von mir erwartest, doch ich werde es nicht tun, ich werde deine Heuchelei nicht auch noch unterstützen. Noch nie habe ich dir nach dem Mund geredet, ich werde auch jetzt nicht damit beginnen. Doch früher wäre ich ehrlich genug gewesen, deinen Wunsch nicht nur schweigend zu ignorieren, sondern hätte dir gesagt, was ich davon halte.

Du nimmst, was dir gefällt. Das war schon immer so, doch bis vor kurzer Zeit konnte ich damit umgehen. Vielleicht auch, weil ich da noch das Gefühl hatte, dass ich dir gefalle?

Ich rutsche an der Wand entlang nach unten, bleibe so sitzen, hänge meinen Gedanken nach.

Du nimmst, was dir gefällt. Du belügst mich. Du verletzt mich – sogar absichtlich wie eben. Denkst du, ich weiß es nicht? Ich kenne dich besser, als du dich selbst. Du demütigst mich, die anderen Generäle unterstützen dich dabei nach Kräften.

Und ich bin selbst schuld, denn ich lasse es zu. Meine Eifersucht, mein Selbstmitleid, meine Selbstaufgabe haben ihren Beitrag dazu geleistet.

Wie sollen mich die anderen respektieren, wenn ich es nicht kann?
Wie soll ich dir gefallen, wie sollst du dich stolz zu deinem Geliebten bekennen, wenn ich mich selbst verachte?
Wie sollst du mich lieben können, wenn ich es nicht tue?

Viele Stunden lang drehen sich diese Gedanken in meinem Kopf, doch als die ersten Strahlen der Morgensonne mein Gesicht berühren, habe ich einen Entschluss gefasst. Ich erhebe mich, wasche mich und stelle zufrieden fest, dass die Entschlossenheit auch meine Züge verändert hat. Müde bin ich nach wie vor, doch es war nicht die erste durchwachte Nacht und wird nicht die letzte sein. Doch die Verzweiflung, die Trauer, die Wut sind gewichen, haben dem vertrauten Funkeln meiner Augen wieder Raum gegeben.

Wenn du mich noch liebst und mich nicht verlieren willst, dann erobere mich zurück … denn erst dann werde ich erhobenen Hauptes wieder an deine Seite treten, wo ich hingehöre. Den Platz zu deinen Füßen will ich nicht, den darfst du getrost wieder denen zuweisen, die dir zu Gefallen sind, wenn du es wünscht.

Ich kleide mich sorgfältig an und setze möglichst alles daran, so auszusehen, wie es meinem Rang, meiner Abstammung, meinem wieder gefundenen Stolz entspricht. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen entriegle ich meine Tür und verlasse meine Gemächer.



ALEXANDER:

Ist das mein Keuchen?

Ich wache auf, die Sonne steht bereits am Himmel. Mein Kopf ist schwer, nicht nur vom Wein. Ich habe von ihm geträumt...von meinem Hephaestion...welche Qual, im Traum seinen Kuss zu schmecken, seine Hände auf meinem Körper zu spüren...

Wie lange wird er brauchen um zu mir zu kommen?

Er wird kommen, dessen bin ich mir vollkommen sicher, denn glücklicherweise weiß ich, dass er schwach ist. Es stört mich nicht, denn ich bin es auch, dennoch...ich muss ihn nur dazu bringen, dass er endlich zu seinen Gefühlen steht. Ein Wort von ihm und ich würde alles, alles aufgeben. Dieser verfluchte Dickschädel treibt jedoch sein Spiel mit mir und das werde ich nicht dulden.

Wenn du einen Kampf um die Liebe willst, Hephaestion, sollst du ihn haben!!!

Es wäre mir ein leichtes, ihn mir zu nehmen, wann und wo und wie ich will. Doch dann wäre er genau das, was die anderen, meine sogenannten Vertrauten, in ihm sehen...ich will ihn nur ein bisschen reizen, aus der Reserve locken. Seine Eifersucht ist reine Fassade, er wartet auf ein Zeichen von mir, doch wer bin ich? Habe ich ihm nicht genügend Zeichen gegeben?

Immer wenn ich ihm deutlich sage, dass ich ihn brauche, senkt er den Blick, mein Hoffen bleibt erfolglos.

Ich bin kein billiger Bittsteller...ich kann sehr viel Liebe geben und kann sie mir nehmen...wie sieht es mit dir aus, mein schöner, begehrenswerter Hephaestion???

Ich werde deiner Eifersucht noch ein wenig Nahrung verschaffen, mein Geliebter und in der Minute, in der du den entscheidenden Schritt auf mich zugehst, werden sich die Augen aller anderen auf uns richten und die Gerüchte werden ein Ende haben...unsere Liebe wird vollkommen sein; es wird niemand anderen mehr an meiner Seite geben.

Ich, Alexander der Große, schwöre dies bei den Göttern...

Bagoas tritt nach leisem Klopfen in mein Gemach; er weicht meinem Blick aus, mein Gefühl sagt mir, dass seine Hoffnung auf eine weitere Nacht, wie die vorangegangene, sehr groß ist.



HEPHAESTION:

Mein knurrender Magen führt mich zuerst zum Frühstück. Auf dem Weg überhole ich Kassander und zwei andere junge Generäle ohne sie wirklich zu beachten, zu sehr bin ich mit dem Gespräch beschäftigt, das ich nachher führen will, führen muss.

"Ah, Alexanders Betthäschen hat heute Nacht wohl keinen Schlaf bekommen", tönt es hinter mir, viel zu laut, um es zu überhören.

Wie erfreulich, dass es ausgerechnet DEIN Schandmaul trifft, Kassander …

Ich wirble herum, packe den Überraschten und schleudere ihn mit aller Kraft gegen die nächstbeste Wand. Da er mit dieser Reaktion nicht gerechnet hat, leistet er kaum Widerstand, starrt mich nur an. Meine Hände um seinen Hals, halte ich ihn an der Wand fest, er japst nach Luft. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass Kleitos hinter den beiden anderen aufgetaucht ist und sie mit einer einfachen Geste davon abhält, sich einzumischen.

"Du kannst DENKEN, was immer du willst, Kassander", fauche ich so laut, dass alle Umstehenden es hören können. "Aber hüte deine Zunge in meiner Gegenwart!"

Er nickt keuchend, doch ich bin noch immer so wütend, dass ich meine Hände einfach nicht von seinem Hals lösen kann. Kleitos tritt ruhig an mich heran, legt seine Hand auf meinen Arm.

"Er hat es begriffen, Hephaestion", sagt er nur. "Und alle anderen wohl auch."

Eine Sekunde zögere ich noch, dann nehme ich meine Hände von Kassanders Hals, ignoriere, dass seine beiden Kumpane ihn aufsammeln und wende mich an Kleitos.

"Lass uns zusammen frühstücken, alter Freund", lächle ich ihm zu und er nickt, setzt seinen Weg mit mir gemeinsam fort, nicht ohne mich neugierig von der Seite anzusehen.

Kein lautes Getuschel beleidigt mein Ohr während des Frühstücks, auch wenn die Blicke mir überdeutlich sagen, dass die Geschichte Kassanders schneller hier eingetroffen ist als ich.



ALEXANDER:

"Sieh´ mich nicht so an, Bagoas...Ich danke dir für den Dienst, den du mir in der letzten Nacht erwiesen hast, doch ich fürchte, dass es kein zweites Mal passieren darf."

Mein Diener starrt mich wortlos an. Er redet niemals viel und auch jetzt schweigt er und ich bin ihm beinahe dankbar dafür.

Allerdings fürchte ich mich sehr vor seinen Gedanken, denn da er selten spricht, habe ich keine Ahnung, in wie weit ich ihm trauen kann.

"Du wirst doch schweigen über das, was sich in der letzten Nacht in diesem Raum abgespielt hat, nicht wahr?"

Meine Augen unterstreichen meine Anweisung; ich erkenne ein erschrockenes Zucken in seinem Gesicht.

Es reicht, dass Hephaestion uns 'erwischt' hat...dieser Narr

Bagoas nickt, er schickt sich an, sich zurückzuziehen.

"Ich glaube nicht, dass ich dir gestattet habe zu gehen, mein junger Freund."

Sehe ich in seinen Augen Furcht?? Bei Apollon, bin ich ein solches Ungeheuer?

"Du musst keine Angst haben... ich erwarte nur eine kleine Leistung von dir... diesmal von einer anderen Art, doch ich verlange, dass du sie mit gleicher Hingabe erfüllst, wie die von heute Nacht."

Erwartungsvoll, aber noch immer ängstlich, wartet Bagoas meine nächsten Worte ab.

"Wir beide werden ein kleines Spiel spielen...gleich nach dem Frühstück, drüben im großen Saal. Es soll ausschließlich meinen lieben Freund Hephaestion unterhalten. Die anderen um uns herum...nun sie werden sicher auch Gefallen daran finden."

Bagoas deutet eine leichte Verbeugung an. Wieder spricht er kein einziges Wort.

Ich spiele mit dem Feuer und vielleicht verbrenne ich mich daran…



HEPHAESTION:

Ich klopfe an das große Tor des Harems, einer der Eunuchen öffnet und fragt nach meinen Wünschen, ich bin fast erleichtert, dass es nicht Bagoas ist.

Wo er wohl ist? Ich brauche sicher keine dreimal zu raten, um es heraus zu finden ...

"Bestelle Prinzessin Drypetis, dass ich sie zu einem Spaziergang im Garten ausführen möchte. Ich erwarte sie dort."

Der Eunuch deutet eine Verbeugung an und verschwindet durch die Tür des Harems, um seinen Auftrag auszuführen, ich wende mich den Gärten zu, warte in Gedanken versunken auf die Frau, die mir schon seit der ersten Nacht in Babylon als Braut versprochen ist.



ALEXANDER:

Nur ungern kommt Bagoas meinem Wunsche nach, doch er würde sich mir niemals widersetzen.

Mein treuer Diener.

In seiner Begleitung betrete ich den großen Saal, eigentlich kein ungewöhnliches Bild, denn der Junge ist einer meiner engsten Vertrauten und doch höre ich Geflüster hinter vorgehaltener Hand, spüre Blicke, die wie Pfeile auf meinen Rücken treffen.

Meine teuren Freunde.

Vergebens suche ich unter den Anwesenden nach Hephaestion.

Zu schade...sollte ich meine kleine Inszenierung nicht zur Aufführung bringen.

Bagoas flüstert mir zu, dass Hephaestion in den Gärten anzutreffen ist.

Ein Lächeln breitet sich in meinem Gesicht aus; es verschwindet auch nicht, als Kassander mir wütend zuraunt, dass Hephaestion schlechter Laune sei.

Mein begehrenswerter Geliebter wird sich in Kürze wohl noch schlechterer Laune erfreuen müssen, es sei denn...

er gibt seinen Starrsinn endlich auf...ich kann das nicht lange durchhalten...Ich liebe dich, du Sturkopf und du liebst mich...lass´ es uns endlich ALLEN zeigen …

Mein Herz klopft wie verrückt, als wir den Garten betreten, schon von Weitem erkenne ich sein nachdenkliches Gesicht.

Weshalb ist er überhaupt hier? Wartet er auf jemanden?

Ich setze mich auf die nächstgelegene Bank und beobachte ihn. Noch hat er mich nicht bemerkt und auch ich verhalte mich unauffällig.

Bagoas fragt nach meinen Wünschen und ich bitte ihn, mir den Nacken zu massieren, eine sehr intime Tätigkeit, die ich bisher nur meinem Geliebten gestattete.

Der einzige Mensch, dem ich bedenkenlos den Rücken zukehren kann, ohne um mein Leben fürchten zu müssen.

Hephaestion sieht zu uns herüber.



HEPHAESTION:

Was …?

Statt der Prinzessin erscheint Alexander mit Bagoas im Garten, lässt sich auf einer Bank in meiner Nähe nieder. Bagoas massiert seinen Nacken, nervös sieht er mich immer wieder an, ihm ist nicht wohl in seiner Haut. Langsam gehe ich auf die beiden zu, bemühe mich um einen undurchschaubaren Gesichtsausdruck.

Bagoas' Zittern ist nicht mehr zu übersehen, wenn ich ihn jetzt noch anspreche, läuft er wahrscheinlich davon wie ein Kaninchen. Also verschone ich ihn und wende mich direkt an Alexander.

"Guten Morgen", lächle ich ihn ruhig an als wäre nichts geschehen zwischen uns. "Dein Diener hat wohl nicht mehr Kraft und Nerven genug für deine Wünsche …"



ALEXANDER:

Mein schöner Plan ihn zu reizen, scheint sich augenblicklich selber aufzulösen, doch...

"Was weißt du von meinen Wünschen? Bagoas - lass´ uns allein"

Bagoas verschwindet.

Hephaestion hat ein Lächeln um die Mundwinkel, das mir nicht gefällt. Ich muss mich sehr zusammen nehmen, ob er hört, wie laut mein Herzschlag ist?

Seelenruhig, als führten wir ein Gespräch über das Wetter, setze ich hinzu.

"Sag' mir, was sind meine Wünsche??? Ich kann dir die deinen nennen... Du willst mich...du willst meine Liebe. Du hast sie...dein einziger Fehler, mein Geliebter, du scherst dich zu sehr an dem Geschwätz der anderen...Ich habe dir gesagt, wie ich empfinde..."

Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen, doch ich gebe ihm zu verstehen, dass er mich nicht unterbrechen möge.

"Wenn ich nur einmal von dir die Worte hören könnte, nach denen sich mein Herz so sehr sehnt...ich gäbe alles auf."

Er sieht mich an, als ob er mit diesen Worten nicht viel anfangen kann; er ist so erstaunlich ruhig...

"Ich liebe dich, Hephaestion...Ja, ich habe nicht nur eine Nacht mit Roxane verbracht, ja, ich habe sie eine Zeitlang begehrt, bis ich nur noch auf mein Herz hören konnte und ja, es gab einige andere und ja...ich bereue es..."

Bitte, sage mir, wenn du auch so fühlst, SAG ES ENDLICH...

Ich sehe an ihm vorbei ...Prinzessin Drypetis...

Was hat ... ?



HEPHAESTION:

Diesmal sagst du mir die Wahrheit, ich fühle es, ich weiß es. Du bist bereit, alles aufzugeben? Ich habe mich verändert heute Nacht, Alexander …

"Das Geschwätz der anderen ist nicht länger meine Sorge", sage ich leise, mein Blick streichelt ihn fast. "Ich kenne deine Wünsche wie du meine … und ich werde …"

Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf einen Punkt hinter mir, ich sehe über meine Schulter – die Prinzessin betritt, in Begleitung zweier Zofen, wie es ihrem Stand angemessen ist, den Garten.

Gibt es einen falscheren Zeitpunkt?
Wohl kaum …

"Verzeih mir …", wende ich mich noch einmal ihm zu. "Doch ich habe Drypetis um einen Spaziergang gebeten, weil ich etwas Wichtiges mit ihr besprechen möchte. Ich kann sie jetzt nicht warten lassen, es würde meinen Wünschen wohl nicht entgegenkommen, wenn ich sie durch meine Unhöflichkeit beleidige."

Mit diesen Worten muss ich ihn zurück lassen und gehe auf die Prinzessin zu, begrüße sie, reiche ihr meinen Arm. Wir spazieren durch den Garten, tauschen Belanglosigkeiten aus. Mein Blick streift die Bank auf der Alexander eben noch saß, doch er ist verschwunden.

Verdammt …

Schließlich lassen wir uns auf einer Bank nieder.

"Gewährt Ihr mir ein Gespräch unter vier Augen, Drypetis?" frage ich und sie wirft mir einen erstaunten Blick zu, noch nie hat sie eine derartige Bitte von mir gehört.

Mit einem Wink schickt sie die beiden Zofen auf Abstand, weit genug entfernt, dass sie uns nicht mehr hören können und der Anstand doch gewahrt bleibt, dann sieht sie mir wieder in die Augen, halb wissend, halb neugierig.

Wie sagt man einer Frau, die absolut keine Schuld daran hat, dass man sie nicht heiraten wird, ohne ihre Gefühle zu verletzen???

Ich räuspere mich, versuche die passenden Worte zu finden, sie lächelt plötzlich und legt ihre Hand über meine.

"Sagt es einfach, Hephaestion", meint sie, als hätte sie meine Gedanken gelesen.

"Es tut mir leid", sage ich leise. "Ihr wisst selbst, dass es nie meine Wahl war, Euch zur Braut zu nehmen. Ich kann und werde diese Ehe nicht eingehen, denn es wäre einfach nicht richtig."

"Dann stimmt das Gerücht im Harem, dass Euer Herz schon lange vergeben ist … ", lächelt sie wissend und ohne gekränkt zu sein. "Ich gebe Euch frei, doch erbitte ich eine Gefälligkeit. Erwirkt für mich, wenn Ihr es könnt, dass ich meinen Gemahl jetzt selbst wählen darf."

"Auch Eurer Herz ist vergeben, Prinzessin?"

Sie nickt langsam, beweist mir damit ihr Vertrauen, ich lächle sie ebenfalls an. "Ein Grund mehr, Euch freizugeben. Ich werde für Euch tun, was ich kann, doch gebt mir ein wenig Zeit."

"Uns entgeht kaum etwas im Harem, mein Lieber", zwinkert sie mir zu, erhebt sich und wir gehen zusammen zurück zum Tor des Palastes, wo ich mich - erleichtert und von der Bürde dieses Eheversprechens endlich befreit - verabschiede.



ALEXANDER:

Nein!

Wie ich es schaffe, mich diesem Anblick zu entziehen, weiß ich nicht.

Ich hatte die unumstößliche Tatsache, dass Hephaestion und Drypetis einander versprochen sind, völlig aus meinem Gedächtnis verbannt. Jetzt wird sie mir in ihrer geballten Deutlichkeit vor Augen geführt.

Er hat sie um ein Gespräch gebeten...er ist in dieser Nacht ein anderer geworden ....

Meine Gedanken rasen; er wird die Heirat beschleunigen, um sich endgültig aus seiner Verantwortung mir gegenüber zu entziehen...

Verantwortung? Bei den Göttern, ich muss verrückt sein... welche Verantwortung???

Mir fällt unser Gespräch ein..."Wenn du fällst, werde ich dir folgen in das Haus des Todes."

Hephaestion antwortete darauf: "Ich würde dasselbe für dich tun."

Alexander reiß' dich zusammen...hier geht es um keine Schlacht, oder doch?

Es geht um den wohl wichtigsten Kampf überhaupt...um die Liebe! Hephaestion wird mir nie mehr folgen, weder im Leben noch im Tod. Ich bin zu weit gegangen und zu spät kommt die Erkenntnis, noch viel später die Reue.

Eine Schlacht, die Alexander der Große wohl verloren hat.

Mein Weg führt mich direkt in die Stallungen...dort lasse ich Bukephalos satteln und reite los.

TBC
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