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von Sikander    erstellt: 07.01.2009    letztes Update: 20.09.2009    Geschichte, Drama / P18 Slash    (abgebrochen)
[So, wir machen das jetzt frei nach dem Motto - Sikander postet, Zerase beantwortet die Reviews und Sikander gibt noch ihren Senf dazu ;D]
@ Dryade: Erstmal Dankeschön für die gute Rückmeldung! Und ja, es wird eine längere Geschichte [Anmerkung von Zerase: Ne ziemlich längere Geschichte xD] und leider bekommen wir die längeren Sätze nicht mehr aus unserem Schreibstil raus. Die Macht der Gewohnheit und so *hust* ^^

@ HER: Man sieht Sikander an dieser Stelle Kassander in die tiefsten Tiefen des Hades jagen und Zerase Zeter und Mordio schreiend hinterhersetzen xD Nun, wir hoffen, dass dich die Fortsetzung der Geschichte trotzdem weiterhin zum Lesen animiert, auch wenn sie vielleicht nicht so ausgeht wie du es dir wünschst. Aber dazu später mehr, ich will ja nicht zuviel verraten ;D

@ Dakota: Hehe, dein Beten hat sich gelohnt - hier ist die gewünschte Fortsetzung :D [Kommentar von Sikander: "Wuhu, jemand, der mir Recht gibt! Kassander ist ab sofort der Stinker :D" - Ich kann da nur zustimmen, auch wenn das mit Kassander ja alles meine Idee war ... *vor Sikander versteck* >





„Dann töte ich dich“


Am rechten Ort, zur rechten Zeit
darf Liebe alles sein.
Darf wollen, was unmöglich ist
und sich von Zwang befrei'n.
Doch schlimm ist solche Eigensucht,
wenn sie versprechen bricht,
ich hab gedacht, ich kenn dich,
aber ich begreif dich nicht.



„Bitte ...“
Der leise Ansatz einer Erklärung der sich schließlich über Hephaistions Lippen stahl wurde erneut zunichte gemacht und ließ den jungen Mann einen kleinen Schritt nach hinten zurückweichen. Noch nie hatte Alexander ihn irgendeines Raumes oder Zeltes verwiesen; schon gar nicht auf diese Art und Weise.
Ein Teil von ihm konnte die Handlung natürlich verstehen, doch der andere - für den Moment stärkere - rührte sich nicht vom Fleck. Hephaistion musste zugeben, dass er - auch wenn er sich innerlich auf so einiges vorbereitet hatte - nicht mit dem Wutausbruch des Jüngeren umgehen konnte.

Es brachte wohl nicht viel um so etwas wie Verständnis zu flehen, wusste der junge Mann doch nur zu gut, dass er im umgekehrten Falle auch nicht anders gehandelt hätte. Zumindest innerlich; denn auch wenn er für seinen Jähzorn bekannt war, konnte er sich nicht so leicht gegen seinen besten - und wohl einzigen wahren - Freund richten und umso mehr schmerzte der Verrat nach diesem Eingeständnis.

Das Bild eines geprügelten Schuljungen hätte dem des sonst so stolzen - wenn nicht sogar teils hochmütigen - Mann nicht ähnlicher sein können. Er kannte Alexander nun wirklich gut genug um zu wissen, dass ihm in diesem Moment nichts auf dieser Welt den Schmerz und den Zorn nehmen konnte.
Normalerweise war es schließlich stets er selbst gewesen, der das Privileg besaß, als einziger den aufgebrachten König in diesen Situationen zu besänftigen - Jetzt, da er jedoch der Grund für all das war, blieb niemand um an seine Stelle zu treten. Der Dunkelhaarige konnte trotzdem nicht anders und hob in einer knappen Bewegung die Hände; eine beschwichtigende Geste, die jedoch nutzlos blieb.

Etwas zu seiner Verteidigung - die im Augenblick so oder so nutzlos sein würde - konnte Hephaistion nicht anbringen; er erhielt gar nicht erst die Gelegenheit dazu und so blieb ihm nichts anderes übrig als den Jüngeren mit einem bestürzten und flehenden Blick zugleich anzustarren; in der Hoffnung dieser möge verstehen, was er nicht in Worte fassen konnte.
Wie lang hielt dieser Zustand an? Es fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit und dennoch konnten es nicht mehr als einige Sekunden gewesen sein.
Dann jedoch kam wieder Leben in den Dunkelhaarigen; wobei er jedoch eher aus Reflex dem Schemel auswich der wenige Zentimeter neben ihm an die Zeltwand flog und anschließend einige weitere Schritte zurücktrat.
Man sah ihm den inneren Zwiespalt deutlich an; denn immer noch schien die Stimme der Vernunft nicht stark genug zu sein, um ihn dem ausdrücklichen Befehl Folge leisten zu lassen.

Einen Moment lang war es an Hephaistion Alexander schweigend anzustarren; seine Miene zeugte von der inneren Qual die er durchlitt und dennoch selbst - oder gerade? - jetzt zu stolz war sie zuzulassen und deutlich zu zeigen.
Nein, seine Leiden drangen in den meisten Fällen nicht an die Oberfläche; lediglich Alexander war dazu in der Lage sie hervorzulocken wenn er es wollte. Und in diesem Augenblick war das definitiv nicht der Fall.

Hätte Alexander noch irgendetwas zum werfen gehabt, er hätte es in seiner Rage gegen seinen besten Freund geschleudert, obwohl eine leise Stimme in seinem Hinterkopf ihm davon abriet, Hephaistion weh zu tun – dem Einzigen, dem er immer vertraut hatte, dem er blindlings sein Leben in die Hände legen würde.
Nach einem weiteren Moment des Schweigens senkte Hephaistion in einer ergebenen Geste den Blick - es konnten wieder nicht mehr als Sekunden vergangen sein - und machte anschließend auf dem Absatz kehrt.

Um so schmerzlicher war es nun für Alexander, ihn gehen zu sehen, den Kopf leicht eingezogen wie ein zu oft geprügelter Hund, gleichzeitig war es auch eine Genugtuung für ihn zu wissen, wie sehr er ihm mit seinen Worten und seinen Taten wehgetan hatte.
Er hatte es nicht anders verdient!
Er hatte ihm das Herz aus der Brust gerissen, ihm versichert, er würde es immer gut bewahren und schmiss es nun in den Dreck, um höhnisch darauf herumzutrampeln.
„Ah!“
Abermals vor Wut laut brüllend packte Alexander den nächstbesten Tisch und schleuderte ihn von sich, bevor er schwer atmend in sich zusammensackte.

Die Soldaten vor dem Zelt, die Hephaistion mit verwunderten Blicken musterten als er mit gesenktem Kopf aus besagtem eilte, ignorierte der junge Mann geflissentlich. Natürlich hatten sie den Ausbruch des Königs mitbekommen, doch seine eigenen Worte dürften zu leise gewesen sein um sie zu verstehen. Kein Wunder also, dass diese Szenerie auf sie einen absurden Eindruck machte.
Hephaistion wurde von Alexanders Seite verwiesen?
Von diesem selbst?
Beinah entlockte ihm die Ironie der Sache ein freudloses Lachen; doch dann fiel sein Blick auf eine Gestalt die nur wenige Meter entfernt zu warten schien und den Dunkelhaarigen nun mit vor Entsetzen geweiteten Augen anstarrte.

„Hat er-?“
Hephaistion ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen, als Kassander nun auf ihn zustürzte und schüttelte stattdessen nur wortlos die Hand von seiner Schulter ab, die ihn aufhalten wollte.
Natürlich hatte auch der Jüngere die Auseinandersetzung mit angehört - wie vermutlich sowieso das halbe Lager, aber darauf achtete er nun wirklich nicht - und dürfte sich auch ohne seine Hilfe eins und eins zusammenzählen können.
Oh ja, für Kassander stand es in diesem Falle mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich schlecht und das wusste er genauso gut wie Hephaistion.

Nur leider verspürte letzterer kein Mitleid, lediglich Zorn und die alte Wut auf den jungen Mann drängte sich an die Oberfläche sodass er raschen Schrittes in sein Zelt verschwand ehe Kassander ihn weiter belagern und damit womöglich einen Wutausbruch seinerseits auslösen konnte. Und glücklicherweise war er klug genug dem Älteren nicht zu folgen.
Die beiden verwunderten Sklaven, die in seinem Zelt warteten, wurden mit einer unwirschen Handbewegung entlassen und ließen Hephaistion so alleine. Alleine mit einer Reihe von Gefühlen die er auf Dauer nicht zu kontrollieren vermochte.

[div align="center"]*[/div]

Tränen der Wut brannten ihm in den Augen. Mit einer energischen Geste fuhr Alexander sich mit der flachen Hand durch das Gesicht und versuchte sich dann zu beruhigen. Innerlich kochte er immer noch vor Zorn, doch allmählich flaute dieser ab.
Hektisch atmend warf er einen Blick zum Zelteingang, als würde er hoffen, dass Hephaistion wiederkommen würde, damit Alexander sich entschuldigen – nein, warum entschuldigen?! Ihm abermals wehtun – konnte.
Die Hände gegen den Kopf gepresst biss er die Zähne fest aufeinander, bis ihm der Kiefer schmerzte.

So fand ihn Ptolemaios wenige Stunden später – die Nacht war bereits hereingebrochen – immer noch auf dem Boden hockend. Der junge Offizier war zu klug, um ihn jetzt auf seinen Wutausbruch anzusprechen, den das ganze Heerlager gehört hatte.
Stattdessen sammelte er die Tonscherben ein, richtete den Tisch wieder auf und legte die kleinen Figuren in ihre angestammte Holzkiste zurück.
Schließlich kniete er sich neben seinen Jugendfreund und stellte ein kleines Tablett mit einem Wasserkrug, einem Becher und einer Schüssel mit kaltem Braten und Brot neben ihn ab, bevor er sich leise wieder verzog.

Nach einer weiteren Stunde kehrte allmählich wieder Leben in den König. Er erhob sich mit zitternden Händen – vor Wut, vor Trauer? – und ging dann mit festen Schritten auf den Zeltausgang zu, fegte die Plane zur Seite und trat in die kühle Nacht hinaus.
Die Wachen zuckten leicht zusammen, versteiften sich und richteten den Blick schleunigst gerade aus, doch Alexander beachtete sie nicht. Überall brannten wärmende Feuer, Soldaten saßen in kleinen Grüppchen um sie herum und redeten leise miteinander.
Der König holte tief Luft, atmete die rauchgeschwängerte Luft ein, dann wandte er sich ab und ging leise im Schatten der Zelte am Rand des Lagers entlang.

Er wusste nicht, wohin er gehen sollte, wohin er überhaupt gehen wollte.
Er hatte nur das dringende Bedürfnis sich zu bewegen, als wollte er seinen Kummer, seinen unermesslichen Zorn dadurch loswerden.
Plötzlich verharrte er wie angewurzelt.
Vor ihm sah er eine dunkle Silhouette, die reglos verharrte. Das Geräusch von plätscherndem Wasser ließ Alexander vermuten, dass sich jemand erleichterte. Seufzend beendete der Schemen sein Geschäft und wandte sich wieder dem Heerlager zu, um zu seinen Freunden zurückzukehren.

Binnen weniger Sekunden wusste Alexander, wen er vor sich hatte; er erkannte es an der Bewegung, an dem Gang, der Art, sich umzudrehen – er hatte es schon hunderte Male gesehen.
Hochmütig und viel zu stolz.
Als hätte jemand eine Tür in seinem Herzen geöffnet packte ihn wieder maßloser Zorn.
Mit einem erstickten Wutschrei stürzte er sich auf Kassander, der viel zu überrascht war um sich zu wehren, schleuderte ihn zu Boden und schlug mit den zu Fäusten geballten Händen ohne Unterlass auf ihn ein.

Kassander hustete und versuchte, Alexanders Fäuste zu packen, ihn von sich zu drücken, sich ihm irgendwie zur Wehr zu setzen, doch der blinde Zorn des Königs war zu groß, zu gewaltig, als dass er sich irgendwie aus dessen Griff hätte befreien können.
Nun begann Alexander ihn zu würgen, und erst, als Kassanders Bewegungen langsamer und kraftloser wurden, ließ er urplötzlich von ihm ab.
Mit rasselnden Atemzügen starrte er auf ihn hinab.
Hustend schnappte Kassander gierig nach Luft, die Augen noch ganz glasig, der Rachen wund.

„Solltest du dich Hephaistion noch ein einziges Mal nähern, Kassander… Solltest du ihm auch nur noch ein einziges Mal nachstellen… Und wenn du auch nur zärtlich an ihn denken solltest… dann töte ich dich. Ich lasse dich ausweiden und ans Kreuz schlagen, verstanden?“, zischte Alexander leise neben Kassanders Ohr, bevor er sich mit einem heftigen Ruck von ihm abwandte.
Er hätte ihn ohne weiteres Töten können – doch zweierlei hatte ihn abgehalten.
Erstens ehrte er Antipatros zu sehr, als dass er seinen Sohn ,ohne Grund’ hätte töten können, zweitens hatte ihn die Situation zu schmerzlich an seine Eltern erinnert.

Er war noch sehr jung gewesen, doch das Bild hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt: Seine Mutter, bereits aschfahl im Gesicht, die verzweifelt röchelnd nach den würgenden Fingern seines Vaters griff um sich zu befreien und die nur deshalb nicht erstickte, weil Parmenion in letzter Sekunde noch aufkreuzte und Philipp von ihr riss.
Kassander, der sich nun auf den Bauch gerollt hatte und hustend nach Luft rang, noch einen verächtlichen Blick zuwerfend wandte sich Alexander auf dem Absatz um und stürmte immer noch innerlich kochend zu seinem Zelt zurück.
Kassander spuckte Blut auf den Boden – er hatte sich während Alexander ihn würgte auf die Zunge gebissen – und sah ihm zornig nach.

[div align="center"]*[/div]

Von alldem bekam Hephaistion nichts mit - er wusste nicht, was Alexander tat, ebenso wenig, dass so ziemlich das ganze Lager seinen Ausbruch mitverfolgt hatte und sich nun in wilden Spekulationen übertraf.
Lediglich die Eingeweihten - und auch diejenigen die sich denken konnten, was passiert war; wenn sie es nicht sogar haargenau wussten falls es wirklich zu einer Wette oder dergleichen gekommen war - schwiegen beharrlich und schienen sich nicht darum zu kümmern, was dort vor sich ging.
Aber auch das schlich wie die Stunden an dem jungen Mann vorbei.

Er hatte sich auf den Fellen seiner Schlafstätte niedergelassen und geistesabwesend den Boden zu seinen Füßen angestarrt, ohne auf irgendetwas zu reagieren. Zu sehr war er in den inneren Konflikten gefangen, die sich in dem so ruhig wirkenden Körper abspielten. Lediglich an Hephaistions Miene konnte man die Qualen erahnen, die er durchlitt.
Er verbot es sich, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und machte dadurch im Grunde genommen alles nur noch schlimmer - es entsprach aber einfach nicht seiner Art, sich wie Alexander für einen Moment gehen zu lassen; egal wie unerträglich der Schmerz zu sein schien.

In dieser Hinsicht hatten ihn schon manche als unmenschlich bezeichnet; einige sprachen das Wort mit Ehrfurcht aus, andere mit Unbehagen, wenn nicht sogar Abscheu.
Seine zwanghafte Selbstbeherrschung ging sogar schon soweit, dass er die Stimme des Sklaven nicht vernahm, der irgendwann - es war mittlerweile bestimmt schon Abend - vorsichtig das Zelt betrat und Hephaistion etwas fragte.
Bevor dieser auch nur die Gelegenheit erhalten sollte, sich zum Zuhören durchzuringen schob sich bereits Ptolemaios an dem Sklaven vorbei und entließ diesen mit knappen Worten.
Die Anwesenheit des anderen Mannes schien der Ältere immerhin wahrzunehmen, wandte er doch wortlos den Kopf ab, nachdem er kurz in dessen Richtung geblickt hatte.

Den Anderen schien das allerdings nicht im Geringsten zu beirren und ausnahmsweise schien er es sogar einmal nett zu meinen, indem er Alexanders bestem Freund auf die Nerven fiel.
Wortlos bekam auch Hephaistion ein kleines Tablett gereicht - wie zuvor Alexander, was er aber natürlich nicht wissen konnte - welches dieser jedoch geflissentlich ignorierte.
Ptolemaios schien in diesem Fall noch einen Moment zu überlegen, ehe er sich wieder zum Gehen wandte; am Zelteingang dann aber von der leisen Stimme des jungen Mannes aufgehalten wurde.

„Warst du bei ihm?“
Hephaistion hob nicht einmal den Kopf; während sein teilnahmsloser Tonfall nur schwer die unterschwellige Besorgnis und auch Neugierde übertünchen konnte, die in der Frage mitschwang.
Ein Nicken war die Antwort, die der Dunkelhaarige mit einem leisen Seufzen zur Kenntnis nahm und sich dabei nach hinten fallen ließ. Der Jüngere, der die Unterbrechung des Schweigens anscheinend als Einladung nahm, doch noch nicht zu gehen, wandte sich wieder zu Hephaistion um und lehnte den Kopf auf die Seite.

„Es geht ihm nicht gerade gut, musst du wissen.“
Erneut war nur ein gereizter Laut die einzige Reaktion die von dem Dunkelhaarigen kam, während dieser kurz das Gesicht in den Handflächen abstützte.
“Natürlich nicht.“
Der verbitterte Tonfall raubte der vorangegangenen Teilnahmslosigkeit einiges an Glaubwürdigkeit und selbst Ptolemaios musste ihn gut genug kennen um zu wissen, dass ihn das alles mehr mitnahm als er es sich jemals eingestehen würde.

„Versuch nicht, mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Glaub mir, das ist nicht nötig; auch wenn ich weiß dass du keine Gelegenheit auslässt um mich mit irgendetwas zu reizen.“
Es schwang sowohl Ernst als auch ein wenig Ironie in dem Satz mit, denn auch wenn es oftmals nicht den Anschein machte so wussten sowohl Hephaistion als auch Ptolemaios dass man in bestimmten Situationen auf die Unterstützung des Anderen zählen konnte.
Und das hier war genau so eine Situation.

„Was ist eigentlich passiert?“, hakte Ptolemaios nach, ließ sich nun auf einem Stuhl unweit von Hephaistion nieder und musterte diesen knapp. Er wusste zwar wie der Abend begonnen hatte - und irgendwo hegte der junge Mann sicherlich auch einen Groll gegen ihn, ihn überhaupt überredet zu haben - aber dessen Ende war nur Kassander und Hephaistion bekannt.
Nun gut, und jetzt auch Alexander.
Es stand ihm jedoch nicht der Sinn danach, alles noch einmal wiederholen zu müssen und so zuckte Hephaistion knapp mit den Schultern, den Blick wieder gen Boden gerichtet. Es blieb einen Moment still, dann seufzte Ptolemaios knapp.

„Auch wenn du mir das vielleicht nicht glauben willst, aber wenn es möglich ist zu helfen, dann sag es mir, Hephaistion. Es ist kein schöner Anblick dich leiden zu sehen und Alexander erst Recht nicht, musst du wissen.“
„Helfen?“, echote der Angesprochene nach einem Moment des Schweigens und nun war der teilnahmslose Tonfall wieder echt, ebenso das spöttische, freudlose Lachen welches hart über seine Lippen kam.
„Ich weiß es zu schätzen, lieber Freund, aber glaub mir - Hilfe ist hier fehl am Platze.“
„Aber was kann denn schon schlimmes vorgefallen sein, dass ...?“

Der Jüngere beendete den Satz nicht und beinah musste Hephaistion über die Unschuld in dieser Frage schmunzeln. Aber eben auch nur fast.
„Wenn du es unbedingt erfahren willst, frag Kassander. Ich glaube nicht, dass es ratsam ist, Alexander damit zu behelligen, nachdem er selbst mich scheinbar am liebsten umgebracht hätte.“
Für jemanden wie den Dunkelhaarigen war eine derartige Antwort schon beinah eine Sensation, denn immerhin erlaubte er Ptolemaios damit indirekt, sich die Frage beantworten zu lassen - Aber in diesem Falle ließ es sich wohl einfach nicht vermeiden, wo doch eh das halbe Lager den Wutausbruch mitbekommen hatte.

Damit war die Diskussion für ihn jedoch beendet und das ließ er den Anderen mit einem leicht entschuldigenden Unterton in der Stimme auch wissen; was diesen jedoch nicht zu stören schien.
Jetzt, wo er sogar 'offiziell' seine Antworten erhalten konnte, lag ihm nichts mehr daran Hephaistion weiterhin zu belästigen was dieser mit Wohlwollen zur Kenntnis nahm.
Ob dem Jüngeren die Antworten jedoch gefallen würden, war eine andere Frage.
Denn noch mehr abgelenkte Soldaten konnten sie bei der bevorstehenden Schlacht eigentlich nicht brauchen.

Es reichte auch so schon, dass Hephaistion vermutlich in der Nacht kein Auge würde zu tun können und nach Essen stand ihm erst Recht nicht der Sinn. Das Tablett also weiterhin unberührt lassend, krabbelte er irgendwann nachdem Ptolemaios bereits lange gegangen war und die Stimmen der Soldaten von draußen hereindrangen, unter die Felle und starrte eine ganze Zeit die Zeltwand an, bis ihn der Schlaf schließlich tief in der Nacht doch noch übermannte.


But when I see you know
I pray the stars will change
To take away the doubt and ease the pain
Of losing what we had.
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