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von StormXPadme    erstellt: 31.12.2008    letztes Update: 11.01.2009    Geschichte, Allgemein / P16    (fertiggestellt)
Heute gibt’s zum Einstieg was sehr Schönes. Die liebe Rasit hat mir einen Fanfiction-Trailer zu dieser Serie gebastelt *Rasit an dieser Stelle noch mal fest knulls*. Dieser ist hier zu finden: http://de.youtube.com/watch?v=TBn85cdk_cM Ich hoffe, er gefällt euch genauso wie mir :)

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2



Nach dem Vorfall vorhin hatte Katja nicht die Nerven, stundenlang nach dem richtigen Haus zu suchen und nahm sich einfach ein Taxi. New York war einfach zu verdammt groß, und sie kannte noch nicht mal einen Bruchteil davon. Als Kind, das auf dem Land aufgewachsen war, hatte sie auch langsam so eine dumpfe Ahnung, dass das eine Lebensaufgabe werden würde. Dann schon lieber das Navigationssystem an ihrer High Tech-Uhr benutzen, oder eben die guten alten öffentlichen Verkehrsmittel. Hauptsache, es ging schnell. Sie wollte sofort wissen, ob Hank Jubilee hatte helfen können. So richtig viel wusste sie nicht von ihm, eigentlich nur, dass er sie nach ihrer schweren Verletzung bei Liberty Island operiert hatte, aber in wachem Zustand war sie ihm noch nie begegnet.

Als sie auf die letzte Klingel – eine mit unbeschriftetem Schild daneben – drückte, ertönte sofort eine tiefe Stimme aus der Sprechanlage, die alles andere als freundlich klang. ‚Was?’

„Ich gehöre zu den X-Men“, meldete Katja leicht eingeschüchtert.

‚Wie viele von euch rennen mir denn heute noch die Tür ein? Von mir aus, komm rein. Dachgeschoss, dreimal kurz, einmal lang läuten.’ Es knackte kurz in der Leitung, dann ging die Haustür auf.

Bobby öffnete Katja, inzwischen wieder zurück verwandelt in seine menschliche Form mit den hellen Haaren, den eisblauen Augen und seiner immer so auffällig blassen Haut. Er führte sie in ein einfach aber geschmackvoll möbliertes Wohnzimmer, wo die anderen Mitglieder des Teams warteten. Nur Angelica war bereits verschwunden- nicht sonderlich überraschend für Katja. Sie war und blieb eine Einzelgängerin.

Der Raum mutete mehr wie ein Wartezimmer an, mit im Kreis aufgestellten dunklen Lehnsesseln und unzähligen Zeitschriften auf einem Tisch in der Mitte, in denen vor allem mutantenkritische Artikel standen, wie Katja erstaunt feststellte. Die ganze Wohnung wirkte nicht sonderlich einladend, es fehlten nicht nur Spiegel und Bilder an den Wänden, auch die Fenster waren nur klein, fast alle blind, die Jalousien waren heruntergezogen. Die Räume wurden ausschließlich von künstlichem Licht erhellt.

„Alles erledigt“, murmelte Katja beim Hereinkommen müde, ohne irgendjemanden direkt anzuschauen. Sie brauchte nicht Maries und Kittys vorwurfsvolle Blicke zu sehen, um sich beschissen zu fühlen.

„Ist dir was passiert?“ Scott beobachtete sie genauer, als ihr in manchen Momenten lieb war. Er bemerkte sofort, dass sie sich immer wieder abwesend über ihr Handgelenk rieb, das noch von dem Sturz vorhin protestierte.

„Nichts.“ Soweit kam es noch, dass sie jetzt bemitleidet wurde, wo es den anderen viel beschissener gehen musste. Und das alles nur wegen ihr… Immer wieder hallte dieser eine Satz wie ein Mantra in ihrem Kopf wider. Sie hätte verdammt noch mal besser aufpassen müssen. Dieses Bild wollte ihr nicht aus den Augen gehen, wie Jubilee da gelegen hatte, dieser fröhliche Teenager mit den knallbunten Klamotten, den hübschen Mandelaugen und dem gewinnenden Lächeln, so schwer verletzt, blutend… Wann hatte sie nur den Moment verpasst, wo sie hätte eingreifen müssen? So oft sie darüber nachdachte, sie kam nicht darauf. Ihre Augen brannten vor zurückgehaltenen Tränen.
Sie bemerkte erst, dass sie wie betäubt zu einem der letzten freien Sessel gegangen war und sich hatte hineinfallen lassen, als jemand nach ihrem Arm griff. „Lass.“ Ruppig entzog sie ihn Jean, zischte unterdrückt auf, als sich wieder dieses dumpfe Pochen im Handgelenk meldete. Eigentlich war ihr Schmerzempfinden nicht so hoch, das war wohl doch mehr als eine kleine Prellung. Aber es hatte selten etwas Unwichtigeres gegeben. Als Jean ihren Wunsch mit einem verständnislosen Kopfschütteln ignorierte und nach ihrer Arzttasche griff, platzte ihr der Kragen. „Lass mich in Ruhe! Hast du gerade keine anderen Sorgen?“

„Katja, was soll das?“ Prima, genau das brauchte sie jetzt noch, dass Scott wieder einmal seine nervende Überbesorgnis raushängen ließ. „Hat dich einer von den Kerlen angefasst?“

Nein, verdammt.“ Am liebsten wäre sie auf dem Absatz umgedreht und hätte die Wohnung verlassen, als er sich auf ihre andere Seite setzte, sodass sie sich regelrecht eingekreist fühlte. Warum konnten sie das Verhör und die Standpauke nicht gleich hinter sich bringen? Das wäre ihr lieber gewesen als dieses aufgesetzte Getue. Es wussten doch ohnehin alle hier drin, was passiert war. „Mir geht es gut, um mich muss sich keiner Gedanken machen.“

„Katja…“

„Lass, Scott.“ Jean unterbrach ihren Teamkollegen mit soviel Verständnis in der Stimme, dass Katja sie in diesem Augenblick am liebsten erschlagen hätte. Sie wollte jetzt nicht bemitleidet werden. Sie wollte, dass irgendjemand ihr sagte, dass sie unfähig für dieses Team war, damit sie nicht noch mehr Schaden anrichtete. „Sie macht sich Vorwürfe.“

„Was ist mit der guten alten Telepathenethik?“, schoss Katja gereizt in ihre Richtung.

„Dazu braucht man keine Gedanken zu lesen, das sieht man, wenn man Augen im Kopf hat“, ließ sich Logan aus seiner Ecke vernehmen- ein vielleicht nicht geplanter aber treffender Seitenhieb auf Scott, prompt verdüsterte sich dessen Miene. Die Sache mit Jubilee nahm Logan sichtlich mit, seine Laune war noch schlechter als sonst. Das Mädchen war ihm in ihren gemeinsamen Kampftrainings letztens ans Herz gewachsen. Er versuchte es sich natürlich nicht anmerken zu lassen, das hätte zu einem harten, rauen Kerl wie ihm nicht gepasst. Er stand geradezu krampfhaft teilnahmslos in der Ecke, mit verschränkten Armen. Nur wenn man genau hinsah, bemerkte man, dass sein Blick immer wieder unruhig zum Operationssaal glitt und dass zwischendurch Krallenspitzen zwischen den klaffenden Stellen an seiner Uniform hervor sahen.
„Fang nicht schon wieder mit dieser Märtyrer-Masche an, Cat.“

„Logan, muss das sein?“ Ororo, die bis jetzt eher schweigsam gewesen war, versuchte ihren Teamkollegen zu stoppen. Neben Scott kannte sie Katja wohl am besten im Team und wusste, wann diese nicht noch mehr Kritik brauchte.

Aber ein Wolverine ließ sich nicht so einfach mundtot machen. „Langsam gehst du mir damit wirklich gewaltig auf den Sack, Cat. Lern damit zu leben, dass keiner hier drin der liebe Gott ist. Der mischt sich in die Angelegenheiten von uns Freaks sowieso nur selten ein.“

Katja war kurz tatsächlich sprachlos. Die immer währende Spannung zwischen Logan und ihr, die zwar nicht auf Antipathie aber auf einer nicht weniger unangenehmen Anziehung beruhte, die sie beide nicht wollten, die sich aber auch einfach nicht abstellen ließ… Diese Anziehung ließ sie normalerweise zwar respektvoll und freundlich aber nicht sehr nahe miteinander umgehen. Sie hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet Logan sie so gut kannte.

„Du schaffst genauso viel wie jeder andere hier drin.“ Als Jean diesmal ihre Hand nahm und nach einem einfachen Mullverband griff, ließ Katja sie. „Und wenn du dir jetzt immer noch Gedanken machst, frag die beiden da drüben, was sie von der Sache halten.“

„Spinnerin.“ Kitty setzte sich auf Katjas Stuhllehne, um sie kurz zu umarmen. Das ehrliche Lächeln, das trotz der schlimmen Situation kurz ihr sommersprossiges Gesicht erhellte, ließ auch die letzten Zweifel verstummen.

„Ohne Angelica und dich wäre vielleicht noch viel Schlimmeres passiert. Die hatten viel zuviel Schiss vor euch.“ Marie war wie immer nicht ganz so enthusiastisch mit Berührungen, stimmte aber zu Katjas Erleichterung ebenfalls zu.

Ihr Blick haftete dennoch auf Scott. Sie konnte sich das unwillige Stirnrunzeln hinter seiner Sonnenbrille nicht erklären. Was dachte er jetzt? Wenn sie doch nur ein einziges Mal in seine Augen hätte sehen können… „Und du? Willst du mir auch keinen Vortrag darüber halten, was ich besser machen soll?“ Resignation und eine Spur von schwarzem Humor schwang in ihrer Stimme mit. Offensichtlich war sie überstimmt. Das änderte zwar nichts an dem Teil Schuld, den sie trug, aber es verhinderte, dass ihr Gewissen sie zu Kleinholz machte.

„Zu verbessern gibt es immer etwas“, erwiderte er zu ihrer Überraschung. Er nahm sie nicht wie sonst gleich in den Arm und versuchte alles zu zerreden, sondern bot ihr Hilfe an, und das brauchte sie in diesem Augenblick mehr als die aufbauenden Worte der anderen. „Wenn du willst, sehen wir uns das später in der Simulation im Danger Room an.
Das hilft euch sicher auch weiter“, fügte er mit einem kurzen Blick auf Marie und Kitty hinzu, die begeistert nickten.

„Danke.“ Mehr fiel Katja nicht ein, was sie ihm sagen konnte, aber es kam von ganzem Herzen. Sie legte ihre gesunde Hand kurz auf seine und erschauderte, als er sie an sein Gesicht zog und einen kurzen Kuss darauf platzierte. Es brauchte nur solche einfachen Berührungen, um sofort wieder sämtliche Schmetterlinge in ihrem Bauch auf einen Patrouillenflug zu senden, daran hatte sich auch nach den ersten Monaten zusammen nichts geändert. Sie hatte alle ihre Teamkollegen sehr in ihr Herz geschlossen, aber diese absolute Ruhe und Sicherheit, diese richtigen Worte im richtigen Moment… Das fand sie nur bei dem Mann, für den ihr Herz so fest schlug.

„Du bist eiskalt“, stellte Scott leise fest. „Komm.“ Er wartete ungeduldig, bis Jean mit ihrer Behandlung fertig war und zog Katja dann auf seinen Schoß, nahe an sich heran, um ihr Zittern mit der Wärme seines Körpers zu beruhigen.

„Es geht schon. Ich hatte nur Angst“, erklärte sie leise. Sie hatte immer noch Angst, aber das wollte sie nicht vor Kitty und Marie sagen. Wer konnte schon wissen, was bei dieser Behandlung da drin herauskommen würde?
Die Umarmung nahm sie natürlich trotzdem gerne an, mit einem leisen Seufzen schmiegte sie sich gegen Scotts Hals und ließ sich von der Empfindung seiner Nähe, seines Geruchs, seiner Haut an ihrer beruhigen, soweit es ihre aufgewühlte Seele zuließ. Heute brauchte sie diesen Moment einfach, auch wenn Scott und sie sich ansonsten gerade auf Einsätzen in letzter Zeit eher zurückhielten. Es war wie ein unausgesprochener Pakt, auch Jean und Logan gaben sich im Team lange nicht mehr so offen verliebt wie anfangs. So wenig auch darüber gesprochen wurde, die Sache mit Ororo und Sabretooth hing nach wie vor wie eine schwarze Wolke über allen. Gerade weil Ororo niemanden an sich heranließ, weil sie geradezu eine Mauer an Einsamkeit um sich herum aufbaute, die nicht einmal der Professor durchdringen konnte, wollte man sie nicht noch mehr daran erinnern, was sie in ihrem Leben vielleicht nie finden konnte.

Aber heute schien auch Ororo mit ihren Gedanken ganz woanders zu sein, wie Katja mit einem vorsichtigen Blick feststelle. Sie stand am Fenster, als könnte sie durch die wenigen Spalte der Jalousien die ganze Stadt sehen. Seit Tagen eigentlich schon hatte sie diesen etwas abwesenden Ausdruck in den Augen, manchmal umspielte sogar eins ihrer seltenen Lächeln ihre Lippen, wenn sie sich unbeobachtet glaubte. Vielleicht ging es nach all diesen Monaten der Depression nun doch endlich aufwärts mit ihr.

Katja hoffte um ihrer und Scotts Willen nur inständig, dass hinter dieser plötzlichen Wandlung nicht ausgerechnet Scotts alter Feind Avery dahintersteckte. Das hatte der Professor wohl kaum damit gemeint, als er Ororo beauftragt hatte, diesen zu beobachten….





Endlich, nach einer halben Ewigkeit, wie es schien, ging die Tür zu einem Nebenraum auf. Ein Mutant, der auf den ersten Blick nur wenig vertrauenserweckend wirkte, stieß zu ihnen. „Doktor Henry McCoy mein Name“, stellte er sich vor, mit genau jener unnatürlichen tiefen Stimme, die Katja vorhin schon erschreckt hatte. Er war riesig, Katja überragte er kaum einen Kopf, aber er war doppelt so breit wie sie. Sein Körper schien nur aus Muskeln zu bestehen. Er hatte am ganzen Leib dichtes blaues Fell und Klauen an Händen und Füßen. Sah man von den Mitgliedern der Bruderschaft ab, war es der erste so entstellte Mutant, der Katja begegnete, und es war ihr nicht ganz geheuer, wenn sie ehrlich zu sich selbst war. Aber Hank trug einen langen weißen Mantel, sogar eine kleine Nickelbrille, die so gar nicht zu seinem furchteinflößenden Gesicht passen wollte, und sein Lächeln war sehr einnehmend, vor allem als sein Blick auf Kitty fiel. „Das ist ja eine richtige Vollversammlung hier, was?“ Er wirkte nicht, als hätte es bei der Operation Schwierigkeiten gegeben, zum Glück.

„Geht es Jubes gut?“, fragte Kitty sofort.

„Den Umständen entsprechend.“ Er legte ihr kurz, liebevoll, eine seiner großen Pranken auf die Schultern. „Eine Transfusion möchte ich ihr noch geben, zur Stärkung. Ich hoffe, ihr wisst alle eure Blutgruppen auswendig. Dann könnt ihr sie mit heim nehmen. Ein paar Wochen Bettruhe, ein paar Monate Schonzeit, dann ist sie wieder fit.
Das hätte auch ganz anders ausgehen können.“ Schärfe schlich sich in seine Stimme. "Was waren denn das wieder für Spinner? Wer war bei ihr?“

„Menschen.“ Katja fühlte sich beinahe erleichtert. Wenigstens einer hier drin verstand, dass auf die Teenager jemand hätte aufpassen müssen. Und dass es eben nicht auf die leichte Schulter zu nehmen war, dass das nicht passiert war. „Ich hab versucht, sie aufzuhalten, aber…“ Sie zuckte hilflos mit den Achseln. Eben, sie hatte es versucht. Es war zuwenig gewesen. Sie hatte einfach immer noch zuwenig Kontrolle über ihre Fähigkeiten.

Hank musterte sie kurz von oben bis unten. Sie glaubte, eine Spur Amüsement in seinen blauen Augen zu sehen. „Jedem und vor allem gedankenlos vertrauen die X-Men ihre Kinder nicht an. Wir beide kennen uns doch. Flashwind, nicht? Inzwischen ein fixes neues Teammitglied, nehme ich an?”

„Und ein altes, soviel ich weiß?“ Katja besann sich auf ihre Manieren und streckte dem Mann ihre Hand hin. Sie konnte nicht verhindern, dass sie kurz zusammenzuckte, als seine ihre regelrecht verschlang und war erstaunt zu fühlen, wie sanft sein Händedruck war. Die Hände eines Feinhandwerkers, ohne Zweifel.

„Was war noch einmal deine Mutation?“ Hank ließ sie nicht gleich los sondern fixierte sie über den Rand seiner Brille hinweg.

„Wetter. Kurz gesagt.“

Hank grinste, entblößte seine scharfen, großen Zähne. Es war ein seltsames Lächeln, ein wenig Spott war dabei, aber es wirkte nicht böse. „Ein Storm-Klon?“

Katja musste lachen. Die Neckerei musste sie sich in der Tat gefallen lassen. "Könnte man so sagen. Nur die Farbpigmente haben die im Reagenzglas irgendwie durcheinander gewürfelt.“ Sie lächelte Ororo kurz zu, froh, als diese den kleinen Scherz ebenfalls mit Humor nahm.

Als sie zu Hank zurücksah, hatte der sein Lächeln verloren. „Nächstes Mal röstest du diese Bastarde, bevor sie ihre Waffen überhaupt ziehen können. Wir sind von der Natur schon in die letzte Reihe gestellt worden, wir müssen uns nicht auch noch von ihnen alles gefallen lassen.“

„Das hatte ich auch nicht vor.“ Trotzdem erinnerte diese negative Einstellung Katja ein wenig zu sehr an Magnetos ständige Hasstiraden, sodass sie ihre Hand nun doch langsam aber bestimmt zurückzog.

Hank ignorierte die mehr oder weniger subtile Geste, er hatte sich in Rage geredet. „Als Mutant darf man seinen Überlebensinstinkt nicht unterdrücken, sonst hat man bald kein Leben mehr.”

„Soviel zu animalischen Genen“, murmelte Logan aus seiner Ecke, nur wenig beeindruckt.

„Letztens mal in den Spiegel gesehen?“ Hank musterte auch ihn abschätzend, und ihm gefiel offensichtlich nicht sehr, was er sah.
„Jean, wer ist der Kerl?“

Katja konnte Hank seine Verwirrung nicht verdenken- auf den ersten Blick wirkte Logan mit seiner aggressiven Ausstrahlung und dem kräftigen Körperbau nun mal nicht wie ein typischer Friedenskämpfer. An manchen Tagen fragte er sich vermutlich selbst noch, wie er in diese ganze Sache hineingeraten war.

„Mein Lebensgefährte. Logan“, erwiderte die Ärztin trocken. „Du siehst die X-Men-Datenbanken genauso regelmäßig wie jeder von uns durch, also verkauf mich nicht für dumm. Und bevor du trotzdem fragst, das Mädchen mit den weißen Strähnen in den Haaren ist Rogue. Die beiden sind genau wie Flashwind seit Liberty Island bei uns.“

„Ah, natürlich, Magnetos kleiner Ausraster.“ Hank lachte freudlos auf und sah kurz zwischen Scott und Katja, zwischen Jean und Logan hin und her, rückte seine Brille zurecht. Ganz konnte er wohl noch nicht glauben, was Jean ihm da eröffnet hatte. „Was stellt ihr nur immer für Sachen an, wenn man euch allein lässt, Kinder?
Wie auch immer, ich bin vorerst wieder in der Gegend. Ihr wisst also, wo ihr mich findet, wenn wieder einmal jemand nicht auf seinen Rücken aufpasst.“

„Hier oder bei Jay Leno?“, fragte Logan trocken nach.

Sofort verhärteten sich Hanks Gesichtszüge, ein leises Knurren kam über seine Lippen. „Sprechen wir über solche Dinge, wenn du nicht mehr Bäume markierst, um dein Revier abzustecken, Wolverine.“

„Ach, wunden Punkt getroffen?“ Manche Mutanten konnte man nur bis zu einem gewissen Ausmaß reizen, bevor sie zurückschlugen. Und Logan scheute sich nicht, das Misstrauen auszusprechen, das sogar Jean anzumerken war.

„Haben wir beide ein Problem?“ Vergeblich bemühte sich Hank, gelassen zu bleiben. Tief vergrub er seine Klauen in seinen Manteltaschen, was diese fast sprengte.

Betont gleichmütig zuckte Logan mit den Achseln und nickte auf die Ausbuchtungen in dem Kittel hinunter. „Ich fragte mich gerade, ob man mit solchen Krallen wirklich an der offenen Lunge operieren kann. Oder ob sich ein so bekannter Wissenschaftler für solche besonderen Anlässe umzieht.“

Da fiel Katja plötzlich ein, woher sie Hanks Namen noch kannte. Nein, nicht nur aus den X-Men-Datenbanken. Sie hatte ihn im Fernsehen gesehen, in mutantenkritischen Sendungen meist. Nur, dass er da ein völlig normales menschliches Aussehen gehabt hatte. Offensichtlich hatte Hank große Probleme mit seinem Schicksal. Wenn sie sich richtig erinnerte, gehörte er zu den Befürwortern für ein ‚Heilmittel‘ gegen Mutationen, dabei ging es eigentlich immer in seinen Auftritten in verschiedenen Sendungen. Offensichtlich arbeitete er auch selbst an einem. Von dauerhafter Wirkung schien es nur nicht zu sein.
„Ich würde dir ja anbieten, dass wir es nächstes Mal mit deinen versuchen“, gab Hank wieder mit diesem Knurren in der Stimme zurück. „Aber leider habe ich diesen Leuten hier das Versprechen gegeben, dass ich immer für sie da bin, wenn sie mich brauchen. In diesem Fall muss ich meinen OP leider für ausgemusterte Kriegsrelikte sperren.“

„Und wie genau sieht diese Hilfe aus?“ Jetzt hatte auch Logans Stimme jede Ruhe verloren. Bezeichnend zeigte er auf die Ansammlung von Zeitschriften auf dem Tisch. „Mit Hetzereien gegen Mutanten in öffentlichen Medien?“

Für einen Moment konnte man deutlich sehen, wie sich Hanks Klauen zu Fäusten ballten, dann wieder entspannten. Er atmete tief durch und schnaubte bitter durch die Nase. „Rede nicht von Dingen, von denen du nichts weißt.“

„Logan…“ Bis jetzt hatte sich keiner so recht getraut, etwas zu sagen- bei zwei Mutanten, die beide vor allem mit ihrer Gestalt beeindruckten, ging man nicht unbedingt gern dazwischen. Aber nun versuchte Jean doch zu vermitteln. „Das ist alles nicht so extrem, wie es dargestellt wird. Wir stehen in ständigem Kontakt zu Hank…“

„Deswegen musst du erst von unserem Feuer-Grashüpfer hören, dass er wieder in der Stadt ist? Verkauf mir keinen Bullshit, Baby.“ Logan schenkte ihr kaum einen zweiten Blick.
„Was ich weiß, ist, dass da drin ein junges, unschuldiges und schwer verletztes Mädchen liegt und dass es anscheinend nicht gerade den vertrauenswürdigsten aller Ärzte hat.“

Mehr als ein leises Lachen hatte Hank nicht für den Vorwurf übrig. „Sagt jemand, der sich weigert, sich an seine Vergangenheit zu erinnern, weil er Angst hat, was seine neuen Partner darüber hinausfinden könnten.“

„Fick dich, King Kong.“ Jetzt war die Diskussion endgültig vorbei, die Aggression schlug in Wellen durch den Raum, und sie würde eskalieren, wenn nicht bald jemand eingriff.

Ein ganz leises, trauriges Zucken um Hanks Augen verriet, dass er getroffen war, und nicht nur ein wenig. „Oh, der war richtig gut. Hast du den im Lexikon nachgeschlagen?“

„Und wie hast du es wohl geschafft, so einen Kittel zu bekommen? Ein paar Bücher gefressen?“

Mund halten, beide!“ Jean platzte der Kragen. „Von mir aus prügelt euch im Danger Room, wenn ihr euch unbedingt beweisen müsst, wer das längere Puschelschwänzchen hat. Aber verschont uns mit diesem Unsinn.“

Puschelschwänzchen?“ Logan hob eine Augenbraue bis zum Ansatz, aber immerhin, er schwieg tatsächlich, auch wenn ein eindeutiger strafender Blick in Jeans Richtung verriet, dass sie diese kleine Frechheit wohl noch büßen würde. Im Danger Room oder bei anderen Aktivitäten, die man beizeiten auch über die Wohnung der beiden hinaus deutlich im Anwesen vernehmen konnte.

Jean ignorierte ihn gekonnt und fuhr sich kurz angestrengt über die Stirn, versuchte, ihre Fassung wieder zu finden. „Ich danke dir für deine Hilfe, Hank. Mich persönlich freut es, dass du zu deiner alten Form zurückgefunden hast.”

„Nicht lustig“, murmelte ihr alter Freund bedrückt.

„Nein, ist es auch nicht“, stimmte sie zu. „Ich finde es ganz und gar nicht komisch, wenn jemand so mit seinen Genen experimentiert wie du. In dieser Hinsicht stimme ich Logan voll und ganz zu.“

„Du verstehst das nicht, Jean. Keiner von euch versteht das.“ Mit deutlicher Bitterkeit im Blick sah Hank in die Runde. „Niemand von euch sieht so aus. Niemand von euch wird verboten, seine eigenen Kinder zu sehen, weil er als Freak abgestempelt wird. Das kann gewisse idealistische Ansichten schon mal durcheinanderwerfen.
Vertraut mir oder nicht“, sprach er scharf weiter, bevor Jean etwas erwidern konnte. „Nicht meine Sache. Die Bluttransfusion könnt ihr auch überall anders machen. Die im Krankenhaus freuen sich sicher.“

„Wir zweifeln nicht an dir, Hank“, mischte sich Ororo ein, bevor von Logan womöglich noch ein falscher Kommentar kommen konnte. „Wir machen uns Sorgen um dich.“

„Um mich muss sich niemand Sorgen machen.“ Abrupt wandte er sich ab und ging zu seinem Labor zurück. „Wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, macht euren Job weiter so gut. Dann schlafe ich nämlich besser.
Könnte jetzt vielleicht endlich jemand von euch seinen B Positiv-Hintern hier herein bewegen?“
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