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von StormXPadme    erstellt: 31.12.2008    letztes Update: 11.01.2009    Geschichte, Allgemein / P16    (fertiggestellt)
Vorwort:
a) An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Diese Story enthält zwei explizite Nc 17-Szenen. Wie immer in meinen Geschichten kommen diese Szenen nicht online sondern werden nur privat verschickt. Reviewer, die über 18 sind, können mich einfach mit ihrer E-Mail-Adresse kontaktieren, dann bekommen sie die entsprechenden unzensierten Kapitel zugeschickt.

b) bisherige und Nachfolgeteile dieser Serie:
- Pilot: http://www.fanfiktion.de/s/4943da490000161f069003e8
- Teil 1: http://www.fanfiktion.de/s/4947fa690000161f069003e8
- Teil 2: http://www.fanfiktion.de/s/495680680000161f069003e8
- Teil 4: http://www.fanfiktion.de/s/49734e760000161f069003e8
- Teil 5: http://www.fanfiktion.de/s/4992100f0000161f069003e8
- Teil 6: http://www.fanfiktion.de/s/49a5a7210000161f069003e8
- Teil 7: http://www.fanfiktion.de/s/49dd016a0000161f069003e8
- Teil 8: http://www.fanfiktion.de/s/4a3e2b620000161f069003e8
- Teil 9: http://www.fanfiktion.de/s/4ae1a8930000161f069003e8
- Teil 10: http://www.fanfiktion.de/s/4b757c0b0000161f069003e8

Outtake:
- 'Snow angel (Storm)': http://www.fanfiktion.de/s/4bffe7450000161f069003e8


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Serie: X-Men: Weathered I
Titel: MY FRIEND, MY ENEMY (#3)
Titelbild: http://i296.photobucket.com/albums/mm194/stormxpadme/art/mfmy.jpg
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören Marvel, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: Realfilme Teil 1 und 2; Teil 3 schließe ich aus meinem persönlichen Canon aus.
Zeitlinie: einige Monate nach dem Film ‚X-Men‘
Zensur: P-16 (Erotik)
Zusammenfassung: Der Kampf mit der Bruderschaft spitzt sich zu. Magnetos Mutationswaffe bedroht einmal mehr die Menschheit. Die X-Men müssen ihr Team stärken und gefährliche Risiken eingehen, um die Sicherheit des Friedens zu gewährleisten.
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen, Träume oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken, Telepathie oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D







X-Men: Weathered I
MY FRIEND, MY ENEMY
(#3)




1



”Nein, das wird nichts mehr. Tut mir leid, Flash.“ Seufzend betrachtete Jean die große, längliche Narbe auf Katjas Schulter und verteilte ein letztes Mal eine heilende Salbe auf der Stelle, die allerdings bisher auch nicht wirklich viel gebracht hatte. „Sieht nicht sehr dekorativ aus, ich weiß. Aber du hast ja selbst gesehen, wie das war. Wo kein Gewebe mehr ist, kann man auch nichts nähen. Ein dauerhaftes Souvenir, fürchte ich. Mit freundlichen Grüßen von unserem neuen Freund, dem großen Liquidator.“

„Kann man wohl nichts machen. Ist ja nicht im Gesicht.“ Katja zog den Träger ihres Tops wieder nach oben und sprang von der Diagnoseliege, froh, dass die Untersuchung beendet war. Sie war einfach nicht gern auf der Krankenstation. Die kühlen, grau verkleideten Wände erinnerten sie zu sehr an ihre ersten Tage im Xavier-Anwesen, an ihre Angst vor sich selbst damals, an die vielen Leute, die sie mit ihrer Mutation aus Versehen verletzt hatte… und an ihren ersten Kampf gegen die Bruderschaft bei Liberty Island, als sie alle um den Professor hatten bangen müssen. Mochte Jean auch sanft und rücksichtsvoll als Ärztin sein, das hier war und blieb ein Ort der Furcht und oft auch der Trauer, wo es immer nach Medikamenten und Blut stank und schlechte Erinnerungen an jeder Ecke warteten. Und diese bedrückende Atmosphäre, tief unter der Erde, die fensterlosen Räume… Manchmal fragte sich Katja ernsthaft, wie Jean hier arbeiten konnte. „Dann bleibt das Ding jetzt so, wie es ist, ist es das, was du mir sagen willst?“

„Ein wenig blasser wird sie noch, aber richtig schön wird das nicht mehr.“ Jean zog die Handschuhe aus, die sie routinemäßig bei Untersuchungen trug. Eine kleine Macke, seit Scott einmal von einem Kampf einen durch Hautkontakt übertragbaren Virus mitgebracht hatte und sie beide deswegen wochenlang krank im Bett gelegen waren.

„Gibt Schlimmeres.“ Katja versuchte zu lächeln. Ihre erste bleibende Erinnerung an ihr Leben als X-Men, damit hatte sie rechnen müssen. Es würde eine Ermahnung sein, in Zukunft in Kämpfen vorsichtiger zu sein.
„Marie, Kitty, Jubilee und ich gehen gleich mit Angelica shoppen. Kommst du mit? Die Mädchen betteln schon ewig, mal mit ihr weggehen zu dürfen. Ein wenig Heldenverehrung, du weißt. Ich habe fast zwei Tage gebraucht, aber ich hab Angelica überreden können.“

„Die Zicken-GmbH auf dem Vormarsch, was?“, kommentierte Jean amüsiert. Ein liebevoller Scherz, und Katja wusste schon, wie sie es meinte. Jean war ihr sehr dankbar, dass sie sich soviel um die Schüler kümmerte, obwohl sie ihr Studium noch nicht einmal ansatzweise beendet hatte und es noch lange dauern würde, bis sie ihre Arbeit als psychologische Betreuerin hier aufnehmen konnte. Das hieß nicht, dass sie inzwischen noch nichts für die Jüngeren tun konnte. Jean und sie saßen sehr oft gemeinsam zusammen und überlegten sich Ausflüge, Spieleabende, Abwechslung für die Kinder und Jugendlichen, um sie von ihrem harten Alltag abzulenken. Dabei waren auch sie beide immer enger zusammengewachsen. „Nein, danke. Im Gegensatz zu euch muss ich zwischendurch auch mal arbeiten. Und du weißt, was Angelica von uns Älteren hält. Das würde euch nur die Laune verderben, glaub mir.“

„Irgendwann wird sie es hoffentlich verstehen.“ Katja nickte verständnisvoll.

Ihre Freundin aus der Universität hielt leider nicht viel vom Xavier-Anwesen. Der Professor und sie waren nicht einer Meinung, was die geheimnisvolle Emma Frost anging. Xavier schätzte Emma als Mitstreiterin und als jemand, der genau wie er eine Anlaufstelle für Mutanten bot, von denen es gar nicht genug geben konnte. Angelica hatte jedoch als Kind auch Emmas andere Seite als skrupellose, manipulierende Telepathin kennen gelernt, die die Welt erobern wollte. Und sie war nicht davon zu überzeugen, dass diese Phase längst vorbei war. Dieser Streitpunkt stand seit jeher zwischen ihnen allen und verhinderte eine Zusammenarbeit zwischen, obwohl Firestar, die ihren Ruf als Superheldin in der Stadt längst weg hatte, eine sehr nützliche Ergänzung des Teams gewesen wäre. Jedenfalls, wenn sie sich nicht wieder mal, wie gestern Abend maßlos selbst überschätzte und in Schwierigkeiten kam.

„Selbst schuld, wenn du noch länger hier festhängst“, wechselte Katja rasch das Thema, mit einem frechen Grinsen. „Du hättest eben auch Sekretärin werden sollen. Ich bin mit meiner Arbeit im Büro längst fertig.“

„Kunststück, Faulpelz“, schoss Jean zurück. Mit den Gedanken war sie sichtlich schon an den Berichten, die sie sich für heute vorgenommen hatte. Mit einer routinierten telekinetischen Bewegung bewegte sie einen schweren Stapel Akten von der Medikamentenablage zur Tür zu ihrem Labor hin. Selbst Katja, die Jean noch nicht sehr lange kannte, fiel auf, dass solche kleinen Handlungen in letzter Zeit einfacher, mit viel weniger Konzentration als früher klappten. Auch wenn ihre Freundin oft Zweifel an ihren Fähigkeiten hatte, die sich nun mal nur langsam entwickeln ließen, sie machte kontinuierlich Schritte nach vorne. „Du hast ja auch mehr Zeit. Außerdem seid ihr im Büro zu zweit. Bis ich hier mal eine Hilfe bekomme, bin ich in schon in Rente.“

„Du übertreibst wieder mal maßlos.“ Katja verdrehte die Augen. Wenn Jean auf ihrem Alterstrip war, flüchtete man besser. Vernünftige Argumente halfen dann nicht mehr, dabei waren sie beide keine paar Jahre auseinander.
Was Katjas Tätigkeiten als Sekretärin für Xavier anging, hatte sie zugegebenermaßen Recht, aber das machte sie ja auch mehr ehrenamtlich, um der eigentlichen Büromitarbeiterin unter die Arme zu greifen, die sich noch von einer schweren Krebserkrankung erholte. Ihr richtiger Beruf hier würde irgendwann die psychologische Betreuung sein, wenn alles so lief, wie es sollte. Bis dahin verwendete sie ihre Zeit lieber für Kampftraining. „Bis später.“

„Grüß Angelica von mir“, bat Jean. „Sag ihr, sie soll vorsichtiger sein, ja? Das war gestern ein ziemlicher Schock, als sie plötzlich halb bewusstlos im Fernsehen zu sehen war. Sie ist nicht Gott, das sollte sie sich lieber in Erinnerung rufen, wenn sie auf eine Mission geht.“

„Ich werde es ausrichten, aber ich kann dir jetzt schon sagen, was die Antwort sein wird. Etwa so was wie...“





„Vorsichtiger sein, klar, da reden die Richtigen.“ Angelica tippte Katja bezeichnend auf die Schulter. „Du hast ein Loch in der Größe von Texas in der Haut und sagst mir, ich soll vorsichtiger sein? Kümmert euch mal schön um eure eigenen Sorgen. Ich bin nicht diejenige, die auf Magnetos Abschussliste steht.“

„Du bist so furchtbar taktvoll“, knurrte Katja. An die Erinnerung auf den ständigen Kampf mit der Bruderschaft hätte sie heute eigentlich durchaus verzichten können.

„Nur ehrlich“, gab ihre Freundin ungerührt zurück. „Schau nicht so miesepetrig, wir sind zum Spaß haben hier.
Oder, Mädels?“ Mit einem fröhlichen Lächeln drehte sie sich zu Kitty, Jubilee und Marie um, die sich von solchen Gesprächen zum Glück nicht die Laune verderben ließen.

Die jungen Mädchen genossen den Ausflug in die New Yorker Innenstadt an einem so wolkenlosen, sonnigen Tag in vollen Zügen. Vor jedem zweiten Schaufenster blieben sie begeistert stehen, lachten und diskutierten über alle möglichen – oder auch völlig unmögliche – Outfits, vor allem für den kommenden Abschlussball, und wogen ab, was sie heute mit ihrem von Xavier doch immer sehr knapp zugeteilten Taschengeld alles anstellen würden. Nicht, dass es dem Professor an finanziellen Mitteln gefehlt hätte, aber er wollte, dass seine Schützlinge den verantwortungsvollen Umgang mit Geld lernten, dass sie wussten, wie wichtig eine vernünftige Ausbildung war und dass sie mit ihren Mutantenkräften allein da draußen in der harten weiten Welt nicht zurechtkommen würden.

„Schau mal, Cat, glaubst du, das Kleid würde mir stehen?“ Beim nächsten Geschäft war es allerdings Angelica, die neugierig stehenblieb.

Grün?“ Katja verzog das Gesicht. Das war dann doch eher etwas für Jubilee mit ihrem ausgeflippten modischen Geschmack. „Bist du schwanger oder so?“
Ihr Blick wanderte da schon eher zu einem Ring, den ihr Lieblingsjuwelier da in seiner Auslage stehen hatte, etwas abgegrenzt von dem anderen Schmuck in einer durchsichtigen, glitzernden Pyramide. Angelica und sie nahmen in Mittagspausen zwischen ihren Vorlesungen immer diesen Weg zu ihrem kleinen Italiener und dem obligatorischen Salatbuffet dort, und vor allem vor diesem speziellen Laden blieben sie eigentlich immer kurz stehen. Vielleicht gerade weil sie sich beide kaum etwas hätten leisten können, was es darin gab. Dem funkelnden Anblick eines Edelsteins konnte man nun mal auch als bescheiden und einfach erzogenes Mädchen nur schwer widerstehen…

„Wovon denn? Von Bobbys jämmerlichen Versuchen, mich anzubaggern?“, brummte Angelica. „Ich meine- ich zeige ihm doch deutlich genug, dass er mich interessiert, oder? Ich dachte immer, schüchterne Männer gibt’s nur im Film...“

„Er weiß eben nicht genau, was er will.“ Katja ermahnte sie mit einer kurzen Geste, etwas leiser zu sprechen, damit Marie nicht mithören konnte.

Für die junge Frau war es belastend genug, dass bei ihrer vorsichtigen Flirterei mit Bobby nie etwas wirklich Konkretes herauskam. Die fehlende Nähe, die ihre hautreaktionäre Mutation vorschrieb, stand immer mehr zwischen den beiden. Es war nur menschlich, dass Bobby sich an manchen Tagen mehr zu Angelica als zu Marie hingezogen fühlte, ein wenig mehr Taktgefühl wäre aber angebracht gewesen.

„Nur keine Panik. Ich habe es nicht eilig.
Was gibt’s denn da so Interessantes?“ Katjas sehnsüchtiger Blick auf diese eine bestimmte Ecke in der Auslage entging einer guten Beobachterin wie Angelica natürlich nicht. Grinsend musterte sie den Ring, mit dem ihre Freundin liebäugelte. „Ist da was, was ich nicht weiß? Ihr beide habt doch nicht etwa schon konkrete Pläne?“

„Blödsinn.“ Katja errötete und wandte sich schnell ab. Nicht dass der Gedanke so völlig abwesend gewesen wäre, so ein edles Schmuckstück irgendwann am Ringfinger zu tragen, als Zeichen, dass sie tiefe Gefühle für jemanden hegte… Aber in solchen Dimensionen dachte sie nach so kurzer Zeit noch nicht. „Bis das mal soweit kommt, hat den längst jemand anderer am Finger.“

„Du kannst ja mal einen diskreten Wink mit dem Zaunpfahl verteilen.“ Angelica beendete das Gespräch mit einem kurzen Achselzucken, eine Bewegung, die ihrer von gestern stark geprellten Schulter nicht gut tat, wie ihre kurze Grimasse verriet, und zeigte auf ein kleines Cafe am Ende der Straße. „Wie wär’s mit einer kurzen Stärkung, bevor wir den Marathon fortsetzen?“

„Wenn sich die Mädchen von ihrem neuen Schwarm losreißen können…“, kicherte Katja mit einem Blick auf ihre Schützlinge, die sich anscheinend alle drei unsterblich in eine modische, schneeweiße Handtasche verliebt hatten, die sie aber leider nicht mal erstehen hätten können, wenn sie alle zusammengelegt hätten.
„Hey, ihr Lieben, Lust auf einen großen Ice-Latte mit Karamell? Ich geb einen aus.“

„Du bist eben doch die Beste.“ Schon waren die drei wieder versöhnt. Jubilee hängte sich vergnügt bei Katja ein und ging mit ihr voraus in den Laden, der kaum größer als ihr Wohnzimmer bei Xavier war, aber mit vielen gemütlichen hellen Sofas statt Stühlen Gemütlichkeit versprach. Sie nahmen einen Tisch in einer ruhigen Ecke in Beschlag, um sich von der anstrengenden Einkaufstour zu erholen und vertieften sich in die Speisekarte.

Eigentlich hätte Katja von Anfang ahnen sollen, dass heute noch etwas passieren würde. So lange war sie jetzt schon bei Xavier, und fast nie hatte es ernsthafte Probleme gegeben, weil sie eine Mutantin war. In der Uni wurde sie zwar gemieden und auch öfters angepöbelt, da waren ständig diese verletzenden, argwöhnischen Blicke von der Seite, Getuschel an vielen Ecken… Aber sie hatte ja Angelica, und sie hatte im Grunde doch ihre Ruhe in ihren Kursen. Und soviel Zeit, dass es wirklich hätte wehtun können, verbrachte sie dort ohnehin nicht.
Aggressiv angefeindet oder gar angegriffen hatten normale Menschen sie jedenfalls bis jetzt noch nie. Sie hatte sich eindeutig viel zu sicher gefühlt. Die Ereignisse, die sich plötzlich überschlugen, trafen sie trotz allem Negativen, das sie als Mutant schon erlebt hatte, wie ein Vorschlaghammer. Es war etwas anderes, von solchen Dingen nur zu hören und dann plötzlich selbst zu erleben, dass sie passieren konnten.

In ihrer übermütigen Laune waren sie auch noch alle fünf selbst schuld an dem Vorfall, und Katja am meisten, weil sie sich unbedingt eine Zigarette zu ihrem weißen Kakao einbildete. Da sie so selten rauchte, fand sich in ihrer Tasche kein Feuerzeug, woraufhin sich Angelica und Jubilee einen Spaß daraus machten, sie mit ihrer kleinen Schwäche aufzuziehen und auszuprobieren, welche von ihnen die Zigarette mit ihren Fähigkeiten anzünden konnte. Gerade Angelica war dabei wirklich vorsichtig und schirmte ihre gelb leuchtende Hand mit der anderen ab. Sie wurde in der Öffentlichkeit nicht gern als Mutant erkannt. Aber sie waren nicht aufmerksam genug.

Als Angelica kurz aufstand, um zur Toilette zu gehen, wurde sie plötzlich von mehreren Männern bedrängt, schmierigen Kerlen mit Bierbauch, die ihre Zeit offensichtlich nur in solchen Cafes verbrachten, um sich nach jungen Mädchen umzusehen, die sie anmachen konnten- oder bedrohen. Und das Schlimmste war, dass niemand etwas unternahm, obwohl mehrere andere Männer anwesend waren, die hätten eingreifen können. Die Leute sahen einfach weg. Selbst die Kellnerinnen gingen einfach vorbei, warfen höchstens der kleinen Gruppe Mutanten ängstliche Blicke zu, als hätten sie Angst, dass diese im nächsten Moment randalieren würden. Aber niemand fühlte sich berufen, der zierlichen Frau zu helfen, sich gegen die viel größeren, grölenden und pöbelnden Kerle zur Wehr zu setzen, die sie langsam aber sicher gegen eine Wand zurückdrängten.

„Jubilee, Kitty, raus hier“, befahl Katja nach der ersten Schrecksekunde scharf. „Damit werden wir allein fertig. Riskiert nicht, dass man euch erkennt.“ Sie nahm sich nicht die Zeit, zu prüfen, ob ihre Anweisung befolgt wurde sondern näherte sich der erschreckenden kleinen Szene rasch. Angelica war in Gefahr, sie musste ihr helfen.

Die Angreifer waren merklich bis zur Schmerzgrenze betrunken, vielleicht sogar auf Koks. Vier Männer um die vierzig, mit fettigen langen Haaren und Dreitagebart, primitive Rüpel, aber leider ziemlich kräftige. Angelica, hübsch anzusehen mit ihren feuerroten Haaren und in ihrem engen Sommerkleidchen, hatte offensichtlich ihre Aufmerksamkeit erregt, und was sie wollten, war ziemlich klar.
Katja bezweifelte nicht, dass sich ihre Freundin im Zweifelsfall mit ihren Radiationskräften schnell hätte befreien können, aber das hätte nur noch mehr Aufmerksamkeit erregt. Und Sachbeschädigung konnte verdammt teuer werden, vor allem, wenn Absicht dahinter steckte.

Katja spürte, wie ihr regelrecht schlecht vor Ärger wurde. So sah das also in der Realität aus. Am helllichten Nachmittag in einem mehr oder weniger gehobenen Cafe mit normalen, braven Leuten, in einem der besseren Stadtteile von New York… Da konnten vier Männer eine Frau einfach belästigen, ohne dass jemand etwas tat. Vielleicht hatte Magneto mit seiner Meinung über Menschen teilweise gar nicht so unrecht. Sie sah kurz zu Marie, die sich vorerst noch hinter ihr hielt, und erkannte die gleiche zornige Überlegung auf ihrem verkniffenen Gesicht.
Im nächsten Moment strich Katja den Gedanken aber wütend wieder aus ihrem System. Ihre Familie zum Beispiel, die hätte geholfen. Ihre Mutter vielleicht nicht, aber zumindest die Polizei hätte sie gerufen. Ihre Schwester oder ihr Schwager, die hätten eingegriffen, egal, ob Angelica eine Mutantin war oder nicht…
Nun, in diesem Fall war es an ihr, zu reagieren. „Lasst sie gefälligst in Ruhe!“ Sie riss einen der Männer zurück.

Der Kerl war so perplex, dass er stolperte und fast hingefallen wäre, aber das dauerte nur einen Moment an. „Halt dich da raus, Püppchen.“ Er gab Katja einen harten, unfreundlichen Stoß, der sie zu Boden warf.

„Flash, soll ich…“ Marie half ihrer Freundin auf und machte dann Anstalten, einen ihrer Handschuhe auszuziehen, um ihre Fähigkeiten einzusetzen.

Aber es war nicht mehr nötig. „Ihr Jungs müsst definitiv an euren Manieren arbeiten.“ Angelica, die durch den kleinen Zwischenfall Oberwasser gewann, hatte offensichtlich genug. Sie vergaß jegliche Vorsicht, holte aus und schleuderte den Randalierern einen Radiationsball entgegen. Sie traf keinen von ihnen, hatte auch nicht richtig auf sie gezielt. Dafür fing die Hinterwand der Bar Feuer, nur leicht, aber trotzdem brach sofort Panik aus.

Die Gäste stürmten reihenweise hinaus, auch die Angreifer wichen zurück.

Angelica nutzte den Moment, um zu Katja zu flüchten- nachdem sie den Brand sofort wieder gelöscht hatte. Nicht, dass sie nach dieser Sache besonders viel für den Besitzer des Cafes oder seine Angestellten übrig gehabt hätte, aber man durfte keine Opfer riskieren, wenn es nicht sein musste. Trotz ihrer eigentlich recht starken Nerven und ihrer jahrelangen Kampfroutine zitterte sie ein wenig. Der Vorfall hatte sie genauso erschreckt wie die anderen.

Katja legte ihr beruhigend einen Arm um die Schultern. „Alles okay. Es ist vorbei.“

Raus hier!“ Plötzlich kam ein dicklicher, ekelhaft nach Schweiß und Bier stinkender Mann aus einem Büro gestürmt. Offensichtlich der Besitzer des Ladens. Interessant, jetzt hatte er auf einmal Zeit, sich um den Ärger in seinem Lokal zu kümmern. „Raus! Ich will keine Mutanten hier! Wer bezahlt mir jetzt den Schaden, könnt ihr mir das mal sagen? Nur Schwierigkeiten macht ihr Freaks uns rechtschaffenden Bürgern! Verschwindet! Sofort!“

„Kein Problem.“ Katja war überrascht, wie ruhig ihre Stimme klang. Vermutlich hatte der Ratschlag des Professors, niemals über zu reagieren, doch etwas gebracht. Was hätte es schon genützt, mit einem derart einfach gestrickten Menschen Streit anzufangen? Die Aufklärungsarbeit ließ sie lieber Jean mit ihren öffentlichen Vorträgen, die erreichte damit wenigstens auch Leute, die es interessierte. „Wir haben uns nur verteidigt. Die haben angefangen.“ Sie deutete auf die Verantwortlichen, die zwar wütend herüber starrten, aber keine Anstalten mehr machten, anzugreifen.

Die Kerle würden sich hoffentlich hüten, noch einmal Streit zu beginnen. Alle vier sahen aus, als hätten sie schon diverse Delikte auf ihrem Vorstrafenregister. Gewisse Tattoos bekam man ja bekanntlich nur im Knast... Noch einmal Verfolgung durch die Polizei konnten sich diese Idioten sicher nicht leisten.

„Mir scheißegal! Verzieht euch gefälligst, alle! Lasst euch hier nie wieder blicken!“ Das galt zumindest auch den Menschenmännern. Noch mal solche Ausschreitungen wollte der Cafebesitzer offensichtlich nicht riskieren.

„Gehen wir.“ Katja warf den Rowdies einen letzten warnenden Blick zu, zufrieden, als diese tatsächlich zurückwichen. „Von denen sehen wir nichts mehr.“ Doch sie unterschätzte die Gegner leider gewaltig.

Als ‚ihre’ Gruppe – als Älteste hatte sie automatisch die Verantwortung – das Cafe verlassen hatte, kam einer der Männer hinterher, mit einem Messer in der Hand.

„Angelica! Pass auf!“ Jubilee bemerkte die Gefahr gerade noch rechtzeitig. Ohne nachzudenken streckte sie die Hände aus und richtete die geheimnisvollen, elektrischen Funken, die ihre Mutation erzeugte, auf den Kerl.

Der Mann stand sofort unter Starkstrom. Das Messer fiel zu Boden, er brach zitternd und zuckend zusammen.

Dafür stürzten seine drei Kollegen aus dem Lokal. „John! Diese kleine Schlampe! Na wartet! Jetzt seid ihr dran!“

„Langsam reicht’s! Haut endlich ab!“ Katja sah kurz zum Himmel und ließ mit einer knappen Kopfbewegung einen Blitz genau neben den Männern einschlagen. Es war eine Handlung, über die sie gar nicht mehr nachzudenken brauchte, die bereits in Fleisch und Blut übergegangen war, so kurz sie ihre Mutation auch erst hatte. Wütend genug war sie sowieso, die Gewitterwolke hing schon seit Minuten schwarz und bedrohlich über der Gruppe. Und solche Angriffe hatte sie mit Ororo seit ihrer Ankunft auf der Mutant High bis zum Umfallen geübt. Anders als am Anfang trafen ihre Blitze jetzt zielgenau, und wenn diese Rüpel damit Bekanntschaft machen wollten, ließ sich das einrichten. Sie hatte heute definitiv keinen Nerv mehr für Rücksicht und Zurückhaltung. „Meine letzte Warnung. Wenn ihr nicht verbrutzelt werden wollt, verschwindet.“

„Ganz schön frech, die Kleine.“ Der größte, bulligste Mann hatte sich am schnellsten von dem kleinen Schock erholt und zückte nun ebenfalls ein Messer. „Versuch’s doch, Schlampe. Ich schlitz dich auf wie einen Truthahn. Jeder toter Mutant ist ein guter Mutant.“

Es geriet außer Kontrolle. Katja warf einen schnellen Blick auf ihre Uhr, die rot blinkte, was hieß, dass Jean das Kommunikatorsignal empfangen hatte, das sie vorhin abgeschickt hatte. Sie sollte also schon auf dem Weg hierher sein. Das Wichtigste war, die jüngeren Mädchen in Sicherheit zu bringen.

Angelica schien das gleiche zu denken. Mit Hilfe ihrer Fähigkeiten errichtete sie eine gleißend hellgelbe Radiationsmauer zwischen Kitty, Marie und Jubilee auf der einen Seite und den Angreifern auf der anderen. „Lauft!“

„Von wegen.“ Der Mann, den die anderen John genannt hatten, hatte sich wieder erholt. Bevor Katja oder Angelica eingreifen konnten, hatte er sein Messer wieder in der Hand und ließ es durch die Luft sausen, warf es den drei wegrennenden Mädchen nach. Es war ein völlig ungezielter, ungeschickter, wütender Wurf, aber der Mistkerl hatte Glück. Er traf.

Jubilee schrie nicht einmal. Sie fiel einfach um.

Aber Kitty schrie, schlug sich erschrocken eine Hand vor den Mund und ließ sich neben ihrer Freundin auf die Knie fallen, blass vor Entsetzen. „Jubes!“

„Flash! Schnell!“ Auch Marie kniete sofort neben der Verletzten, mit vor Schock geweiteten Augen. Die Situation überforderte sie sichtlich. Mochte sie auch mehr Kampferfahrung haben und ein wenig älter sein als Kitty und Jubilee, solch einen Angriff ausgerechnet auf einen der Teenager hatte auch sie noch nicht erlebt.

Katja erstarrte. Völlig geschockt sah sie auf ihre Schützlinge, unfähig, sich zu rühren. Was war denn das gerade gewesen? Wie hatte das passieren können? Das war doch nicht möglich! Sie hatten doch nur einkaufen gehen wollen…
Vermutlich wäre sie da immer noch gestanden, wenn einer der Verbrecher ihr die Kehle durchgeschnitten hätte. Angelica wurde wieder angegriffen, und auch auf sie kam einer dieser Irren zu... Aber dann wendete sich das Blatt.

Die Gegner prallten mitten im Laufen gegen eine wie aus dem Nichts erschienene Eismauer. Bevor sie sich aufrappeln konnten, wurden ihre Arme und Beine mit Fesseln aus Eis ruhiggestellt, die mit in Sekundenbruchteilen entstehendem Eis auf dem Boden verschmolzen und keine Flucht mehr zuließen. Die plötzliche Kälte und der Angriff, dem sie nichts entgegenzusetzen hatten, ließen sie vor Schreck verstummen, bibbernd, nicht nur wegen des Eises.

„Das war’s“, meinte eine sehr bekannte Stimme zufrieden. Bobby in seiner körperlichen Form als Iceman stand hinter ihnen. Angelica hatte ihn wohl verständigt, genau wie Katja Jean gerufen hatte, und er war schneller als die älteren X-Men gewesen.

Katja nahm sich nicht die Zeit, ihm zu danken, nickte ihm nur kurz zu, bevor sie zu Jubilee hinlief. „Kitty, ruf einen Krankenwagen, und die Polizei“, befahl sie scharf, noch bevor sie dort war. Sie brauchte die Verletzung noch nicht einmal gesehen haben, um zu wissen, dass sie ernst war, sehr ernst. Jetzt zählte jede Sekunde.

„Nein... keinen... Krankenwagen...“, stöhnte Jubilee unterdrückt. „Keine Klinik...“ Ihr Gesicht war schmerzverzerrt, große Schweißtropfen standen auf ihre Stirn. Ihre Hand war hart um Kittys verkrampft.

„Sehr wohl, junge Dame, keine Diskussion.“ Katja kniete sich neben sie, um sie zu untersuchen, mit den wenigen laienhaften Fähigkeiten, die sie sich in ein paar Nachhilfestunden bei Jean für den Notfall angeeignet hatte. Jubilee war also wach, sie konnte sprechen, also war es hoffentlich nicht...
Die Welt verschwamm für einen Moment vor Katjas Augen, sie musste sich setzen. Doch, es war schlimm.

Ein einziger Blick auf das Messer in Jubilees Rücken verriet ihr sofort zwei Dinge, von denen eigentlich nur eins wirklich zählte. Erstens: Die Waffe hatte die Lunge mindestens erreicht, wenn nicht durchstochen. Und zweitens: Jubilee würde sterben, wenn sie nicht schnellstens behandelt werden würde.

Polizeisirenen ertönten in der Nähe. Vielleicht hatten sie Glück und es war auch gleich ein Krankenwagen dabei. Aber darauf konnte sie sich nicht verlassen.

Katja nahm fahrig ihr Handy zur Hand.

Kitty versuchte sie aufzuhalten. „Sie will es nicht…“

„Vielleicht ist dir das entgangen, aber wir haben keine Wahl.“ Es erstaunte Katja selbst, wie verhältnismäßig ruhig sie noch klingen konnte, dass ihr Verstand normal weiter arbeitete, obwohl ihr eine empörte Stimme in ihrem Inneren grausam ehrlich zurief, dass sie an dieser Sache schuld war. Sie hatte nicht genug aufgepasst…

„Bitte...“ Jubilee lag verkrampft auf der Seite, streckte nun ihre andere Hand aus und legte sie auf Katjas Knie. „Ich will nicht in die Mutantenkartei kommen... Sie würden es herausfinden...“

„Sie hat Recht“, bemerkte Kitty. „Kann nicht Jean...?“

„Jean ist keine Chirurgin, das wisst ihr genau. Wir haben keine Zeit mehr!“, widersprach auch Angelica. „Wir müssen... Oh, Gott sei Dank.“

Jean, Logan, Ororo und Scott liefen auf die Mädchen zu, alle drei in Uniform. Anscheinend waren sie mit der Blackbird gekommen, nicht üblich mitten am Tag, aber heute war es die richtige Entscheidung gewesen.

Katja war mehr als erleichtert, dass ihr die Entscheidung abgenommen wurde, eine Entscheidung, die sofort getroffen werden musste.

Jean sah, was los war, fragte nicht, wollte nichts wissen, wiederholte einfach Katjas Worte: „Ruft auf der Stelle einen Krankenwagen, wenn ihr das noch nicht gemacht habt.“

„Nein...“ Diesmal flüsterte Jubilee es nur mehr. Sie wurde schwächer.

Katja nahm sanft ihre Hand, versuchte krampfhaft, das Blut zu ignorieren, das Jubilees gelbes Top durchtränkte. „Dein Leben geht vor, Kleines.“

„Wenn ich mich in die Geschäfte der X-Men einmischen darf...“ Angelica klang leicht ironisch, feindselig, jetzt wo die anderen da waren, mit denen sie die meiste Zeit über nun mal im Streit lebte. „Hier gibt es doch ganz in der Nähe einen Chirurgen, der privat Mutanten behandelt, oder?“

„Hank ist wieder in der Stadt?“ Jean hatte bereits ihr eigenes Handy hervorgekramt, da keiner ihrer Aufforderung nachgekommen war, ließ es nun aber wieder sinken. An diese Möglichkeit schien sie bis jetzt gar nicht gedacht zu haben, obwohl ihr alter Freund Hank McCoy ihr schon oft bei medizinischen Angelegen im Xavier-Anwesen geholfen hatte, wenn ihre eigenen Fähigkeiten nicht ausgereicht hatten. Das letzte Mal, dass das passiert war, war allerdings schon lange her. „Er war wochenlang untergetaucht.“

„Ich weiß es auch erst seit gestern. Er will nicht mehr an die Öffentlichkeit, aber für uns ist er da, das hat er mir zumindest gesagt.“

„Hank? Beast?“ Ein kurzes, schwaches Lächeln huschte über Jubilees Lippen. Sie kämpfte mit der Ohnmacht, aber die letzten Sätze hatte sie noch mitbekommen.

„Habt ihr euch nicht gestritten?“, fragte Kitty etwas skeptisch.

„Erwachsene streiten eben auch manchmal. So schlimm war es nicht.“ Jean strich Jubilee beruhigend über die Wange. „Er ist eine absolute Vertrauensperson, das weißt du ja. Bei ihm ist dein Geheimnis sicher.“

„Wenn ihr wollt, bringe ich die Kleine hin. Trenton Street 21, im Dachgeschoß. Nur zwei Minuten entfernt wenn man fliegen kann. Wenn ich falsch liege, könnt ihr immer noch einen Krankenwagen rufen“, drängte Angelica.

„Scott?“ Die Verantwortung hatte Katja mit der Ankunft der anderen abgegeben.

Ein Polizeiwagen hielt neben der Gruppe. Die Zeit drängte.

„Dann aber schnell! Flash, mach deinen Bericht und komm nach.“ Scott und die anderen verschwanden in dem Haus, aus dem sie gekommen waren.

Angelica hob Jubilee vorsichtig auf, erhob sich mit ihr in die Luft. Auch die beiden waren in Sekunden außer Sichtweite.

Und Katja blieb nach ihrem Versagen gerade nur mehr der Papierkram.
 
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