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Oneshot
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| von Rundes-Meerestier erstellt: 31.12.2008 letztes Update: 31.12.2008 Drama / P16 Slash (fertiggestellt) | 8 Reviews |
Moin!
Moi ist wieder da, mit dieser…netten, kleinen Kurzgeschichte. Okay, für alle, die zu doof sind, um aufs Rating zu achten, das hier ist SLASH = SCHWUL, ich hab euch gewarnt.
Alles, was folgt, ist gelogen. Die Ärzte gehören mir nicht (schön wär’s^^) und ich hoffe sehr, dass Farin und Bela in Wirklichkeit NICHT so drauf sind, wie in der folgenden Geschichte. Aber lest ruhig selbst.
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Sei mir nicht böse
Das Licht der Ampel leuchtete ihm grell und rot entgegen. Er trommelte mit schweißnassen Händen auf das Lenkrad, wischte sie sich kurz an seiner Jeans ab, legte sie dann wieder darauf. Es nutzte alles nichts, innerhalb kürzester Zeit waren sie wieder feucht. Wieso schwitzte er so? Bei einem Konzert wären ihm längst die Sticks aus den Händen geflutscht.
Er dürfte gar nicht hier sein. Nicht an dieser Kreuzung, auf dieser Straße, nicht mit diesem Ziel. Er sollte zu Hause bei seiner Freundin sitzen. Jetzt, wo sie schwanger war, ließ er sie nicht gerne allein. Vorhin hatte er ihr gesagt, er müsste noch kurz etwas im Supermarkt besorgen. Sie hatte nur genickt, ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Simpsons konzentriert und sich eine Essiggurke mit Nutella in den Mund geschoben. Ihr wäre nicht im Traum eingefallen, dass er sie angelogen haben könnte. Sie vertraute ihm, sie liebte ihn. Er sie auch. Wieso war er noch mal hier?
Die Ampel wurde grün.
Es war kein weiter Weg, nicht einmal eine Viertelstunde mit dem Auto. Und wie immer hatte er das Gefühl, ihn viel zu schnell zurückgelegt zu haben. Er mochte die Gegend nicht. Es war zu ruhig, zu geordnet. Links und rechts von ihm erstreckten sich die Vorgärten, alle mit ordentlich geschnittenen Hecken, mit weiß oder hellgelb gestrichenen Häusern dahinter. Wäre es Sommer, würden jetzt die Familienväter aus ihnen kriechen, um jedem Vorbeikommenden zu beweisen, wie toll sie Rasen mähen und ihren BMW oder Mercedes-Benz abwaschen konnten. Angewidert machte er, dass er weiterkam.
Das Haus, zu dem er wollte, lag so ziemlich am Ende der Straße. Das Größte und Spießigste von allen. Sobald er es erreicht hatte, verspürte er ein plötzliches Bedürfnis sein Auto auf dem Rasen davor zu parken. Nach all den Jahren hatten Rods Reifenspuren Gesellschaft verdient. Er ließ es bleiben, begnügte sich mit dem Straßenrand und stieg aus. Vor der Haustür angekommen stockte er.
Was zum Teufel tat er hier? Wie viele Male hatte er schon an dieser Stelle gestanden und sich genau diese Frage gestellt? Eine Antwort war ihm nie eingefallen. Er blickte auf seine Armbanduhr. Sieben. Einige Minuten noch, dann würde sich seine Freundin fragen, wo er blieb. Ihm würde eine Ausrede einfallen, tat es immer. Tut mir leid, Schatz, der Supermarkt um die Ecke hatte zu, da bin ich zu dem andern gefahren und unterwegs nen alten Bekannten getroffen, wir haben irgendwie die Zeit vergessen, sei mir nicht böse, okay? Schatz, sei mir nicht böse, dass ich hinter deinem Rücken meinen besten Freund ficke…
Er drückte seinen Finger auf die Klingel.
Dass er da war, daran hatte Bela keinen Zweifel, er hatte das Licht in den Fenstern gesehen. Es dauerte nicht lange, bis er Schritte hörte. Einen Augenblick verstummten sie, dann wurde die Tür aufgerissen.
„N’Abend auch“, sagte der große blonde Mann noch während er sie öffnete und hob die Augenbrauen. Jemand anderes hätte eine solche Begrüßung vielleicht als unfreundlich empfunden. Bela war daran gewöhnt.
„Was verschafft mir denn die reizende Ehre, dass du mich besuchen kommst?“
Da er keine Antwort auf diese Frage wusste, zuckte er nur einmal mit den Schultern und ging ungefragt an dem Anderen vorbei in dessen Haus. Das erste, das ihm auffiel, waren Sachen, die überall verstreut lagen. Bücher, Klamotten…es war viel zu unordentlich für Farins Verhältnisse.
„Ich packe“, sagte der, als hätte er seine Gedanken gelesen. Als er in Belas verwundertes Gesicht blickte, schossen seine Augenbrauen ein zweites Mal in die Höhe.
„Morgen reise ich ab, schon vergessen?“
Als ob er das vergessen könnte. Wieder eine Reise, wieder Monate, in denen er ihn nicht sehen und wenig bis gar nichts von ihm hören würde. Er hasste es, wenn Farin verreiste und am liebsten hätte er in diesem Moment laut aufgeseufzt. Aber diese Genugtuung würde er ihm nicht geben. Es reichte ihm, dass Farin auch so bestens zu wissen schien, wie sehr er eigentlich von ihm abhing.
„War mir entfallen“
„Ahja“ Er grinste. Ein beschissenes, falsches FU-Grinsen, das er sich genauso gut hätte sparen können. Selbstverständlich glaubte ihm Farin nicht. Er kannte ihn. Zu gut.
„Sag schon, was willst du hier? Mal wieder jemanden geschwängert?“
Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sich Farin von ihm ab und schnappte sich beliebig zwei Bücher vom Regal.
„Was meinste, welches soll ich mitnehmen? Ach, ich nehm einfach beide…“
Bela setzte sich nur schweigend aufs Sofa, beobachtete, wie sein Freund, scheinbar vollkommen in seine Packlust versunken beliebige Sachen auswählte und dabei irgendwas vor sich hinmurmelte. Er fragte sich, wann Farin beschließen würde, genug von diesem Spielchen zu haben.
„Wenn ich’s mir recht überlege, kann ich diesen Scheiß auch morgen früh zu Ende packen“
Er warf noch einen letzten, undefinierbaren Gegenstand in den offenen Koffer, den Bela bei seiner Ankunft nicht bemerkt hatte und ließ sich dann neben ihn auf die Couch plumpsen.
„Warum bist du noch mal hier?“
Noch ein FU-Grinsen, ein abwertendes. Bela hasste es, wenn Farin ihm diese Fragen stellte und wenn man es ihm dabei deutlich ansah, wie viel Spaß es ihm machte. Er kannte seine Schwächen, trampelte darauf herum und genoss es. Und trotzdem bezeichnete Bela diesen Mann als seinen besten Freund. Eine schamlose Lüge. Er war unendlich viel mehr als das. Irgendwann würde er daran zugrunde gehen.
Er sah Farin eindringlich in die Augen, in der Hoffnung darin etwas zu erkennen, das zumindest den Ansatz eines Gefühles darstellen könnte. Er fand nichts. Farins Grinsen wurde ein Stück breiter.
„Versteh schon, heute mal schweigsam, ne? Na das weiß ich schon zu ändern…“
Mit diesen Worten legte er beide Hände auf Belas Wangen, zog seinen Kopf zu sich und küsste ihn. Hart, leidenschaftlich.
Wieder einmal verschwamm die Welt um Bela herum, während er wie in Trance aufstand und sich von Farin zum Schlafzimmer bugsieren ließ, weil der sein Sofa nicht versauen wollte. War ihm egal. Es war ihm egal, dass sich zu Hause seine Freundin um ihn sorgte, es war ihm egal, dass Farin morgen wegfahren würde, es war ihm egal, dass er sich wie ein Arsch aufführte (als würde er das nicht immer tun), es war ihm auch egal, dass Farin ihn dieses Mal ungewöhnlich brutal durchnahm. Vielleicht als Strafe, weil er noch immer angepisst wegen der Schwangerschaftssache war, vielleicht wollte er auch einfach sicherstellen, dass Bela die nächsten Tage nach seiner Abreise an ihn dachte, indem er beim Hinsetzen jedes Mal durch seinen schmerzenden Arsch an ihn erinnert wurde.
Es war Bela egal. Er konzentrierte sich nur darauf, Farin zu spüren, während er dessen nach Waschmittel riechendes Kopfkissen zerbiss. Seinen Namen herausschreien, diesen Gefallen würde er ihm nicht tun.
„Eines muss man dir lassen, Felse“, sagte Farin keuchend, sein Kopf auf Belas verschwitzter Brust ruhend, „Ich hab in meinem Leben schon unzählige Weiber und ein paar Kerle flachgelegt – aber jemand, der auch nur halb so gut war, wie du, ist mir bisher noch nicht untergekommen“
„Gleichfalls“, erwiderte Bela dieses ‚Kompliment’, das sich überhaupt nicht anfühlte, wie eins. Er strich Farin ein paar Mal über den blonden Schopf, versuchte, seinen Atem wieder unter Kontrolle zu bringen. Er wusste, würde er auf etwas Netteres hoffen, müsste er vergeblich warten.
„Du bist so ein verdammtes Arschloch…“
Farin blickte mit einer hochgezogenen Augenbraue zu ihm herauf.
„Bin ich das, ja? Wer von uns beiden hat denn gerade seine schwangere Freundin mit mir betrogen?“
Wieder schwieg Bela, wandte seinen Blick nur der Zimmerdecke zu, die ihm mittlerweile genauso vertraut, wie seine eigene war. Gedankenverloren fuhr er mit seinen Fingern ein weiteres Mal durch Farins Haare.
„Warst du nie verliebt?“
Kaum, dass diese Worte über seine Lippen gekommen waren, bereute er sie schon. Er hatte gefragt, ohne vorher nachzudenken, jetzt würde er mit Farins Reaktion leben müssen. Aber was machte das schon? Seinen Stolz ihm gegenüber hatte er bereits vor Jahren verloren.
Farin lachte einmal spöttisch auf.
„Liebe“, sagte er kopfschüttelnd, „Es erstaunt mich echt immer wieder, dass du tatsächlich noch daran glaubst“
Bela sagte nichts, fuhr damit fort, Farins Kopf zu streicheln und Löcher in die Decke zu starren.
„Mir reichts, wenn ich regelmäßig jemanden zum vögeln hab. Ob’s nun irgendwelche Tussis sind, die angeblich ach-so-sehr in mich verliebt sind –“
Er lächelte zu Bela hoch.
„- oder mein Schlagzeuger“
Jedes einzelne Wort, das Farin sagte, versetzte Bela einen schmerzhaften Stich ins Herz. Er fragte sich, ob Farin Bescheid wusste, wie sehr er ihn verletzte. Wahrscheinlich schon. Wahrscheinlich tat er es aus eben diesem Grund.
„Ich kapier dich nicht“, begann Bela und fragte sich gleichzeitig, was verdammt noch mal in ihn gefahren war, dass er anfing, von all diesen Sachen zu reden. Aber so erging es ihm immer nach dem Sex. Für eine kurze Zeit schwebte er in der Illusion, für Farin mehr zu sein, als sein Arbeitskollege und gelegentlicher Bettpartner.
„Du schreibst die schönsten, die traurigsten Liebeslieder, berührst unendlich viele Menschen mit deinen Texten – und dann sagst du, dass du selbst nicht daran glaubst“
Er löste seinen Blick von der Decke, um ihn anzusehen.
„Wie kannst du das?“
„Ich kenne meine Mitmenschen“
Damit war für Farin das Thema beendet. Bela spürte, wie ihn eine Welle von Hass überkam. Hass auf Farin, weil er der Dreckskerl war, der er nun einmal war. Doch noch viel mehr Hass auf sich selbst, weil er eben diesen Dreckskerl noch immer liebte, weil er sich nie von ihm loslassen können würde. Einmal, vor einer Ewigkeit hatte er geglaubt, es geschafft zu haben. Dann war der Brief gekommen. Und er hatte nachgegeben, natürlich hatte er nachgegeben.
„Ich werde Konny fragen, ob sie mich heiratet“
Wo kam das jetzt her? Und mehr noch, was erhoffte er sich von dieser Aussage? Dass Farin seine Lügen problemlos durchschaute, daran hatte er schon längst keine Zweifel mehr. Zumindest zeigte Farin eine Reaktion, denn er sah erstaunt auf, stützte sich mit seinen Händen vom Bett ab und rutschte ein Stück hoch, bis sich sein Gesicht direkt über dem von Bela befand. Ihre Nasen berührten sich fast.
„Du lügst“, stellte er sachlich fest. Sein Ton verriet, dass er keine Sekunde lang daran gezweifelt hatte.
„Woher willst du das wissen?“
Noch während er es sagte, merkte Bela, wie kläglich es klang. Zum Scheitern verurteilt. Das abfällige Lächeln des anderen bestätigte das.
„Ich sag dir, woher ich es weiß: du willst mich eifersüchtig machen. Ich hab dir gesagt, dass ich nicht an die Liebe glaube und das passt dir nicht, weil du daraus schließt, dass ich deine Gefühle nicht erwidere. Folglich willst du mir beweisen, dass du mich auch nicht brauchst und erzählst mir irgendeine Scheiße von wegen Heiratsantrag, wobei du selbst schon vorher weißt, dass ich dir sowieso nicht glaube“
Wie machst du das, du Wichser?
Wie schaffte es Farin immer wieder in seinen Gedanken zu lesen, als wäre sein Kopf eines seiner unzähligen beschissenen Bücher? Und wieso verdammt noch mal tolerierte er ein solches Verhalten? Wäre die Aussage eben von Belas Freundin gekommen, er hätte sie ohne zu zögern als arrogante Schlampe abgestempelt und mit ihr Schluss gemacht. Bei Farin nahm er es einfach stillschweigend hin.
Sie sahen sich eindringlich in die Augen und Bela versuchte wieder einmal eine Regung in Farins zu erkennen – irgendeine. Doch da war nichts. Farin blinzelte nur, blickte weiter zu ihm herunter. Einen Moment lang dachte Bela, er würde ihn küssen wollen, doch selbstverständlich tat Farin ihm diesen Gefallen nicht. Stattdessen verzog sich sein Mund zu einem hämischen Grinsen, bevor er nach unten rutschte und seinen Kopf wieder auf Belas Brust ruhen ließ.
„Vielleicht mach ich’s aber doch“
Urplötzlich spielte er wirklich mit dem Gedanken. Einfach, um Farin zu beweisen, dass er ihn dieses Mal nicht durchschaut hatte. Doch im Grunde wusste er, dass es sinnlos war. Wenn er seiner Freundin aus Trotz Farin gegenüber den Antrag machte, würde dieser es wissen. Und dieses Wissen gegen ihn verwenden.
„Tu, was du nicht lassen kannst“
Wie gleichgültig er klang. Er musste sich sicher sein, dass auch eine besagte Hochzeit Bela nicht davon abhalten würde ihm weiterhin ‚Besuche’ abzustatten. Leider lag er damit vollkommen richtig. Ich hasse es…
Er drehte seinen Kopf zur Seite, um den Blick durch Farins Schlafzimmer schweifen zu lassen. An den Wänden hingen unzählige Fotos, Urlaubsbilder, alle in Top Qualität. Auf manchen waren wunderschöne fremde Landschaften zu sehen, auf manchen Einheimische, auf anderen Farin selbst. Perfektes FU-Grinsen, weder bösartig, noch abwertend, noch sarkastisch, noch sonst was. Einfach ehrlich. Wenn Farin verreiste, wurde er zu einem anderen Menschen, ebenso, wie wenn er Musik machte. Alle Kälte weggeblasen, wieder der alte fröhliche Dauergrinser, mit den Bela einst im Ballhaus Spandau zusammengeknallt war. Deswegen liebte er es, mit Farin auf der Bühne zu stehen. Dann war er wie ausgewechselt, dann wurde er zu dem Mann, den Bela so sehr schätzte und liebte. Ein Beweis, dass dieser Mann doch noch irgendwo in ihm drin steckte. Es hatte Zeiten gegeben, in denen Bela nur für diese verdammten drei Stunden gelebt hatte.
Als sein Blick auf ein Foto traf, das nicht so recht zu den anderen zu passen schien, machte er halt. Er musste schlucken, als er in sein eigenes, um über zwanzig Jahre jüngeres Gesicht sah. Halb verdeckt von schwarzem Zottelhaar, mit beschwörerischem Blick in die Kamera grinsend. Und neben ihm, den Arm lässig auf seiner Schulter, Farin, dessen Haare in alle Richtungen abstanden, als wären sie elektrisiert. Und mit demselben FU-Grinsen wie auf den Urlaubsfotos – glücklich, ehrlich.
Dieses Foto zu sehen machte Bela unendlich traurig. Es erinnerte ihn daran, dass es andere Zeiten gegeben hatte – Zeiten in denen sich Farin ihm gegenüber nicht wie der arrogante, kalte Arsch aufgeführt hatte, zu dem er inzwischen geworden war. Zeiten, in denen er plötzlich im Türrahmen von Belas Zimmer in ihrer winzigen Wohnung gestanden und mit glühenden Wangen gefragt hatte, ob er die Nacht nicht bei ihm verbringen könnte. Und nachdem sie sich geliebt hatten (wie lächerlich dieser Ausdruck heute an Stelle des geläufigen ‚ficken’ klang), hatten sie genauso wie jetzt auf Belas Bett gelegen, das für zwei Personen eigentlich viel zu klein gewesen war, er hatte genauso Farins Kopf gestreichelt und sie hatten von Reichtum und Erfolg geträumt und sich geschworen, für immer Freunde zu bleiben. All ihre früheren Träume hatten sie erreicht. Fast alle.
„Was ist nur aus uns geworden?“, murmelte Bela, riss sich von dem Foto los und schüttelte den Kopf. Dann drückte er Farin einmal fest an sich und küsste ihn auf die blonden Haare. Es dauerte eine Weile, bis eine Reaktion kam.
„Warum bist du hergekommen?“, fragte Farin schließlich. Schon wieder. Machte es ihm wirklich einen solchen Spaß, ihn zu demütigen?
Weil ich Tag und Nacht an dich denke und mir übel wird bei dem Gedanken, dich schon wieder drei Monate lang nicht sehen zu können. Weil ich mich so sehr nach deiner Nähe sehne, dass auf alles an Ehrgefühl pfeife, das ich noch hab, und bereit bin, wenigstens dein Sexpartner zu sein, wenn ich dir schon nichts anderes bedeute. Sei mir nicht böse, Jan. Sei mir nicht böse, dass ich dich so sehr liebe…
„Ich wollte dich sehen“
Es war die ehrlichste Antwort, die er geben konnte. Innerlich machte er sich darauf gefasst, von Farin ausgelacht zu werden, oder ein abschätziges Kommentar entgegengeschleudert zu bekommen. Nichts dergleichen geschah. Farin sah ihn nur an, einen scheinbar ewigen Augenblick lang. Einen Augenblick, in dem Bela glaubte, ein ungewöhnliches Funkeln in seinen Augen zu erkennen. Dann wandte er sich ab und rollte sich mit einem leisen Seufzer von ihm herunter. Bela beschloss, dass es Einbildung gewesen sein musste.
„Du solltest gehen, deine Konny wartet sicher auf dich. Und ich muss noch ein paar Sachen einpacken“
Ohne ihm einen weiteren Blick zu schenken, stand Farin auf, zog sich an und ging ins Wohnzimmer, um weiterzupacken. Ein paar Minuten lang blieb Bela liegen. Dann beschloss er, sich auf den Heimweg zu machen.
Nachdem er seine Haustür aufgeschlossen hatte, stellte er fest, dass kein Licht brannte. Seine Freundin musste schon ins Bett gegangen sein. Leise ging er ins Schlafzimmer, zog die noch kurz zuvor angezogene Kleidung wieder aus und versuchte vorsichtig, sich neben sie zu legen, ohne sie aufzuwecken. Es gelang ihm nicht.
„Dirk?“, fragte sie verschlafen und schaltete die Nachttischlampe an.
„Ja, schlaf ruhig weiter, Schatz. Tut mir Leid, dass ich so lange weg war, aber –“
„Schon gut“
Sie gab ihm keine Gelegenheit, eine Ausrede zu erfinden. Einen schrecklichen Moment lang glaubte er, sie habe ihn durchschaut. Dann schenkte sie ihm ein Lächeln.
„Ich weiß doch, dass du viel zu tun hast, du musst dich nicht rechtfertigen. Ich bin nur froh, dass du jetzt da bist“
Etwas in der Art, wie sie lächelte, versetzte ihm einen schmerzhaften Schauder. Es war so warm, so verständnisvoll, so voller Liebe. Er durchforstete seine Erinnerungen nach einer Gelegenheit, in der ihn Farin derartig angelächelt hatte. Die Suche blieb vergeblich.
„Dirk – weinst du etwa?“
Behutsam hob sie eine Hand, um die einzelne Träne von seiner Wange zu wischen, die dort zu seinem Schrecken aufgetaucht war. Sie sah ihn besorgt an. Er schluckte, bevor er sich auch zu einem Lächeln zwang.
„Quatsch, ich – das ist wegen der Kälte draußen“
Bevor sie etwas dagegen sagen konnte, hatte er sich schon vorgelehnt und sie geküsst. Dann noch einmal. Und noch einmal.
„Hey, nicht so stürmisch!“, kicherte sie und hatte ihre Sorgen bereits vergessen.
„Ich bin so verdammt froh, dass ich dich habe…“
Ein weiterer Kuss.
„Und jetzt mach das Licht aus, du brauchst deinen Schlaf“
Sie tat es, schmiegte sich dann an ihn, während sie ihm ein „Ich liebe dich“ zumurmelte. Er merkte, wie sie langsam ins Land der Träume versank.
Sei mir nicht böse, Schatz, dachte er, in die schwarze Leere der Dunkelheit starrend. Und während die Tränen jetzt stumm und ungehindert an seinen Wangen herunterliefen, wartete er darauf, dass auch ihn der Schlaf endlich erlösen würde.
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Hmm, joa, ne?
Fragt mich nicht, warum ich so ein Deprizeug schreibe, diese Story hatte ich gestern um halb drei Uhr nachts plötzlich im Kopf und kam nicht drum herum, sie aufzuschreiben. Wahrscheinlich war’s einfach die Lust auf etwas ‚Unromantisches’. Außerdem gefällt mir die Idee von Farin als arrogantes Arschloch.^^
Kommentare? Spontane Wutausbrüche? Morddrohungen? Immer her damit!^^
Lg Kugelfisch (und euch allen ’nen guten Rutsch ins neue Jahr!)
Moi ist wieder da, mit dieser…netten, kleinen Kurzgeschichte. Okay, für alle, die zu doof sind, um aufs Rating zu achten, das hier ist SLASH = SCHWUL, ich hab euch gewarnt.
Alles, was folgt, ist gelogen. Die Ärzte gehören mir nicht (schön wär’s^^) und ich hoffe sehr, dass Farin und Bela in Wirklichkeit NICHT so drauf sind, wie in der folgenden Geschichte. Aber lest ruhig selbst.
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Sei mir nicht böse
Das Licht der Ampel leuchtete ihm grell und rot entgegen. Er trommelte mit schweißnassen Händen auf das Lenkrad, wischte sie sich kurz an seiner Jeans ab, legte sie dann wieder darauf. Es nutzte alles nichts, innerhalb kürzester Zeit waren sie wieder feucht. Wieso schwitzte er so? Bei einem Konzert wären ihm längst die Sticks aus den Händen geflutscht.
Er dürfte gar nicht hier sein. Nicht an dieser Kreuzung, auf dieser Straße, nicht mit diesem Ziel. Er sollte zu Hause bei seiner Freundin sitzen. Jetzt, wo sie schwanger war, ließ er sie nicht gerne allein. Vorhin hatte er ihr gesagt, er müsste noch kurz etwas im Supermarkt besorgen. Sie hatte nur genickt, ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Simpsons konzentriert und sich eine Essiggurke mit Nutella in den Mund geschoben. Ihr wäre nicht im Traum eingefallen, dass er sie angelogen haben könnte. Sie vertraute ihm, sie liebte ihn. Er sie auch. Wieso war er noch mal hier?
Die Ampel wurde grün.
Es war kein weiter Weg, nicht einmal eine Viertelstunde mit dem Auto. Und wie immer hatte er das Gefühl, ihn viel zu schnell zurückgelegt zu haben. Er mochte die Gegend nicht. Es war zu ruhig, zu geordnet. Links und rechts von ihm erstreckten sich die Vorgärten, alle mit ordentlich geschnittenen Hecken, mit weiß oder hellgelb gestrichenen Häusern dahinter. Wäre es Sommer, würden jetzt die Familienväter aus ihnen kriechen, um jedem Vorbeikommenden zu beweisen, wie toll sie Rasen mähen und ihren BMW oder Mercedes-Benz abwaschen konnten. Angewidert machte er, dass er weiterkam.
Das Haus, zu dem er wollte, lag so ziemlich am Ende der Straße. Das Größte und Spießigste von allen. Sobald er es erreicht hatte, verspürte er ein plötzliches Bedürfnis sein Auto auf dem Rasen davor zu parken. Nach all den Jahren hatten Rods Reifenspuren Gesellschaft verdient. Er ließ es bleiben, begnügte sich mit dem Straßenrand und stieg aus. Vor der Haustür angekommen stockte er.
Was zum Teufel tat er hier? Wie viele Male hatte er schon an dieser Stelle gestanden und sich genau diese Frage gestellt? Eine Antwort war ihm nie eingefallen. Er blickte auf seine Armbanduhr. Sieben. Einige Minuten noch, dann würde sich seine Freundin fragen, wo er blieb. Ihm würde eine Ausrede einfallen, tat es immer. Tut mir leid, Schatz, der Supermarkt um die Ecke hatte zu, da bin ich zu dem andern gefahren und unterwegs nen alten Bekannten getroffen, wir haben irgendwie die Zeit vergessen, sei mir nicht böse, okay? Schatz, sei mir nicht böse, dass ich hinter deinem Rücken meinen besten Freund ficke…
Er drückte seinen Finger auf die Klingel.
Dass er da war, daran hatte Bela keinen Zweifel, er hatte das Licht in den Fenstern gesehen. Es dauerte nicht lange, bis er Schritte hörte. Einen Augenblick verstummten sie, dann wurde die Tür aufgerissen.
„N’Abend auch“, sagte der große blonde Mann noch während er sie öffnete und hob die Augenbrauen. Jemand anderes hätte eine solche Begrüßung vielleicht als unfreundlich empfunden. Bela war daran gewöhnt.
„Was verschafft mir denn die reizende Ehre, dass du mich besuchen kommst?“
Da er keine Antwort auf diese Frage wusste, zuckte er nur einmal mit den Schultern und ging ungefragt an dem Anderen vorbei in dessen Haus. Das erste, das ihm auffiel, waren Sachen, die überall verstreut lagen. Bücher, Klamotten…es war viel zu unordentlich für Farins Verhältnisse.
„Ich packe“, sagte der, als hätte er seine Gedanken gelesen. Als er in Belas verwundertes Gesicht blickte, schossen seine Augenbrauen ein zweites Mal in die Höhe.
„Morgen reise ich ab, schon vergessen?“
Als ob er das vergessen könnte. Wieder eine Reise, wieder Monate, in denen er ihn nicht sehen und wenig bis gar nichts von ihm hören würde. Er hasste es, wenn Farin verreiste und am liebsten hätte er in diesem Moment laut aufgeseufzt. Aber diese Genugtuung würde er ihm nicht geben. Es reichte ihm, dass Farin auch so bestens zu wissen schien, wie sehr er eigentlich von ihm abhing.
„War mir entfallen“
„Ahja“ Er grinste. Ein beschissenes, falsches FU-Grinsen, das er sich genauso gut hätte sparen können. Selbstverständlich glaubte ihm Farin nicht. Er kannte ihn. Zu gut.
„Sag schon, was willst du hier? Mal wieder jemanden geschwängert?“
Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sich Farin von ihm ab und schnappte sich beliebig zwei Bücher vom Regal.
„Was meinste, welches soll ich mitnehmen? Ach, ich nehm einfach beide…“
Bela setzte sich nur schweigend aufs Sofa, beobachtete, wie sein Freund, scheinbar vollkommen in seine Packlust versunken beliebige Sachen auswählte und dabei irgendwas vor sich hinmurmelte. Er fragte sich, wann Farin beschließen würde, genug von diesem Spielchen zu haben.
„Wenn ich’s mir recht überlege, kann ich diesen Scheiß auch morgen früh zu Ende packen“
Er warf noch einen letzten, undefinierbaren Gegenstand in den offenen Koffer, den Bela bei seiner Ankunft nicht bemerkt hatte und ließ sich dann neben ihn auf die Couch plumpsen.
„Warum bist du noch mal hier?“
Noch ein FU-Grinsen, ein abwertendes. Bela hasste es, wenn Farin ihm diese Fragen stellte und wenn man es ihm dabei deutlich ansah, wie viel Spaß es ihm machte. Er kannte seine Schwächen, trampelte darauf herum und genoss es. Und trotzdem bezeichnete Bela diesen Mann als seinen besten Freund. Eine schamlose Lüge. Er war unendlich viel mehr als das. Irgendwann würde er daran zugrunde gehen.
Er sah Farin eindringlich in die Augen, in der Hoffnung darin etwas zu erkennen, das zumindest den Ansatz eines Gefühles darstellen könnte. Er fand nichts. Farins Grinsen wurde ein Stück breiter.
„Versteh schon, heute mal schweigsam, ne? Na das weiß ich schon zu ändern…“
Mit diesen Worten legte er beide Hände auf Belas Wangen, zog seinen Kopf zu sich und küsste ihn. Hart, leidenschaftlich.
Wieder einmal verschwamm die Welt um Bela herum, während er wie in Trance aufstand und sich von Farin zum Schlafzimmer bugsieren ließ, weil der sein Sofa nicht versauen wollte. War ihm egal. Es war ihm egal, dass sich zu Hause seine Freundin um ihn sorgte, es war ihm egal, dass Farin morgen wegfahren würde, es war ihm egal, dass er sich wie ein Arsch aufführte (als würde er das nicht immer tun), es war ihm auch egal, dass Farin ihn dieses Mal ungewöhnlich brutal durchnahm. Vielleicht als Strafe, weil er noch immer angepisst wegen der Schwangerschaftssache war, vielleicht wollte er auch einfach sicherstellen, dass Bela die nächsten Tage nach seiner Abreise an ihn dachte, indem er beim Hinsetzen jedes Mal durch seinen schmerzenden Arsch an ihn erinnert wurde.
Es war Bela egal. Er konzentrierte sich nur darauf, Farin zu spüren, während er dessen nach Waschmittel riechendes Kopfkissen zerbiss. Seinen Namen herausschreien, diesen Gefallen würde er ihm nicht tun.
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„Eines muss man dir lassen, Felse“, sagte Farin keuchend, sein Kopf auf Belas verschwitzter Brust ruhend, „Ich hab in meinem Leben schon unzählige Weiber und ein paar Kerle flachgelegt – aber jemand, der auch nur halb so gut war, wie du, ist mir bisher noch nicht untergekommen“
„Gleichfalls“, erwiderte Bela dieses ‚Kompliment’, das sich überhaupt nicht anfühlte, wie eins. Er strich Farin ein paar Mal über den blonden Schopf, versuchte, seinen Atem wieder unter Kontrolle zu bringen. Er wusste, würde er auf etwas Netteres hoffen, müsste er vergeblich warten.
„Du bist so ein verdammtes Arschloch…“
Farin blickte mit einer hochgezogenen Augenbraue zu ihm herauf.
„Bin ich das, ja? Wer von uns beiden hat denn gerade seine schwangere Freundin mit mir betrogen?“
Wieder schwieg Bela, wandte seinen Blick nur der Zimmerdecke zu, die ihm mittlerweile genauso vertraut, wie seine eigene war. Gedankenverloren fuhr er mit seinen Fingern ein weiteres Mal durch Farins Haare.
„Warst du nie verliebt?“
Kaum, dass diese Worte über seine Lippen gekommen waren, bereute er sie schon. Er hatte gefragt, ohne vorher nachzudenken, jetzt würde er mit Farins Reaktion leben müssen. Aber was machte das schon? Seinen Stolz ihm gegenüber hatte er bereits vor Jahren verloren.
Farin lachte einmal spöttisch auf.
„Liebe“, sagte er kopfschüttelnd, „Es erstaunt mich echt immer wieder, dass du tatsächlich noch daran glaubst“
Bela sagte nichts, fuhr damit fort, Farins Kopf zu streicheln und Löcher in die Decke zu starren.
„Mir reichts, wenn ich regelmäßig jemanden zum vögeln hab. Ob’s nun irgendwelche Tussis sind, die angeblich ach-so-sehr in mich verliebt sind –“
Er lächelte zu Bela hoch.
„- oder mein Schlagzeuger“
Jedes einzelne Wort, das Farin sagte, versetzte Bela einen schmerzhaften Stich ins Herz. Er fragte sich, ob Farin Bescheid wusste, wie sehr er ihn verletzte. Wahrscheinlich schon. Wahrscheinlich tat er es aus eben diesem Grund.
„Ich kapier dich nicht“, begann Bela und fragte sich gleichzeitig, was verdammt noch mal in ihn gefahren war, dass er anfing, von all diesen Sachen zu reden. Aber so erging es ihm immer nach dem Sex. Für eine kurze Zeit schwebte er in der Illusion, für Farin mehr zu sein, als sein Arbeitskollege und gelegentlicher Bettpartner.
„Du schreibst die schönsten, die traurigsten Liebeslieder, berührst unendlich viele Menschen mit deinen Texten – und dann sagst du, dass du selbst nicht daran glaubst“
Er löste seinen Blick von der Decke, um ihn anzusehen.
„Wie kannst du das?“
„Ich kenne meine Mitmenschen“
Damit war für Farin das Thema beendet. Bela spürte, wie ihn eine Welle von Hass überkam. Hass auf Farin, weil er der Dreckskerl war, der er nun einmal war. Doch noch viel mehr Hass auf sich selbst, weil er eben diesen Dreckskerl noch immer liebte, weil er sich nie von ihm loslassen können würde. Einmal, vor einer Ewigkeit hatte er geglaubt, es geschafft zu haben. Dann war der Brief gekommen. Und er hatte nachgegeben, natürlich hatte er nachgegeben.
„Ich werde Konny fragen, ob sie mich heiratet“
Wo kam das jetzt her? Und mehr noch, was erhoffte er sich von dieser Aussage? Dass Farin seine Lügen problemlos durchschaute, daran hatte er schon längst keine Zweifel mehr. Zumindest zeigte Farin eine Reaktion, denn er sah erstaunt auf, stützte sich mit seinen Händen vom Bett ab und rutschte ein Stück hoch, bis sich sein Gesicht direkt über dem von Bela befand. Ihre Nasen berührten sich fast.
„Du lügst“, stellte er sachlich fest. Sein Ton verriet, dass er keine Sekunde lang daran gezweifelt hatte.
„Woher willst du das wissen?“
Noch während er es sagte, merkte Bela, wie kläglich es klang. Zum Scheitern verurteilt. Das abfällige Lächeln des anderen bestätigte das.
„Ich sag dir, woher ich es weiß: du willst mich eifersüchtig machen. Ich hab dir gesagt, dass ich nicht an die Liebe glaube und das passt dir nicht, weil du daraus schließt, dass ich deine Gefühle nicht erwidere. Folglich willst du mir beweisen, dass du mich auch nicht brauchst und erzählst mir irgendeine Scheiße von wegen Heiratsantrag, wobei du selbst schon vorher weißt, dass ich dir sowieso nicht glaube“
Wie machst du das, du Wichser?
Wie schaffte es Farin immer wieder in seinen Gedanken zu lesen, als wäre sein Kopf eines seiner unzähligen beschissenen Bücher? Und wieso verdammt noch mal tolerierte er ein solches Verhalten? Wäre die Aussage eben von Belas Freundin gekommen, er hätte sie ohne zu zögern als arrogante Schlampe abgestempelt und mit ihr Schluss gemacht. Bei Farin nahm er es einfach stillschweigend hin.
Sie sahen sich eindringlich in die Augen und Bela versuchte wieder einmal eine Regung in Farins zu erkennen – irgendeine. Doch da war nichts. Farin blinzelte nur, blickte weiter zu ihm herunter. Einen Moment lang dachte Bela, er würde ihn küssen wollen, doch selbstverständlich tat Farin ihm diesen Gefallen nicht. Stattdessen verzog sich sein Mund zu einem hämischen Grinsen, bevor er nach unten rutschte und seinen Kopf wieder auf Belas Brust ruhen ließ.
„Vielleicht mach ich’s aber doch“
Urplötzlich spielte er wirklich mit dem Gedanken. Einfach, um Farin zu beweisen, dass er ihn dieses Mal nicht durchschaut hatte. Doch im Grunde wusste er, dass es sinnlos war. Wenn er seiner Freundin aus Trotz Farin gegenüber den Antrag machte, würde dieser es wissen. Und dieses Wissen gegen ihn verwenden.
„Tu, was du nicht lassen kannst“
Wie gleichgültig er klang. Er musste sich sicher sein, dass auch eine besagte Hochzeit Bela nicht davon abhalten würde ihm weiterhin ‚Besuche’ abzustatten. Leider lag er damit vollkommen richtig. Ich hasse es…
Er drehte seinen Kopf zur Seite, um den Blick durch Farins Schlafzimmer schweifen zu lassen. An den Wänden hingen unzählige Fotos, Urlaubsbilder, alle in Top Qualität. Auf manchen waren wunderschöne fremde Landschaften zu sehen, auf manchen Einheimische, auf anderen Farin selbst. Perfektes FU-Grinsen, weder bösartig, noch abwertend, noch sarkastisch, noch sonst was. Einfach ehrlich. Wenn Farin verreiste, wurde er zu einem anderen Menschen, ebenso, wie wenn er Musik machte. Alle Kälte weggeblasen, wieder der alte fröhliche Dauergrinser, mit den Bela einst im Ballhaus Spandau zusammengeknallt war. Deswegen liebte er es, mit Farin auf der Bühne zu stehen. Dann war er wie ausgewechselt, dann wurde er zu dem Mann, den Bela so sehr schätzte und liebte. Ein Beweis, dass dieser Mann doch noch irgendwo in ihm drin steckte. Es hatte Zeiten gegeben, in denen Bela nur für diese verdammten drei Stunden gelebt hatte.
Als sein Blick auf ein Foto traf, das nicht so recht zu den anderen zu passen schien, machte er halt. Er musste schlucken, als er in sein eigenes, um über zwanzig Jahre jüngeres Gesicht sah. Halb verdeckt von schwarzem Zottelhaar, mit beschwörerischem Blick in die Kamera grinsend. Und neben ihm, den Arm lässig auf seiner Schulter, Farin, dessen Haare in alle Richtungen abstanden, als wären sie elektrisiert. Und mit demselben FU-Grinsen wie auf den Urlaubsfotos – glücklich, ehrlich.
Dieses Foto zu sehen machte Bela unendlich traurig. Es erinnerte ihn daran, dass es andere Zeiten gegeben hatte – Zeiten in denen sich Farin ihm gegenüber nicht wie der arrogante, kalte Arsch aufgeführt hatte, zu dem er inzwischen geworden war. Zeiten, in denen er plötzlich im Türrahmen von Belas Zimmer in ihrer winzigen Wohnung gestanden und mit glühenden Wangen gefragt hatte, ob er die Nacht nicht bei ihm verbringen könnte. Und nachdem sie sich geliebt hatten (wie lächerlich dieser Ausdruck heute an Stelle des geläufigen ‚ficken’ klang), hatten sie genauso wie jetzt auf Belas Bett gelegen, das für zwei Personen eigentlich viel zu klein gewesen war, er hatte genauso Farins Kopf gestreichelt und sie hatten von Reichtum und Erfolg geträumt und sich geschworen, für immer Freunde zu bleiben. All ihre früheren Träume hatten sie erreicht. Fast alle.
„Was ist nur aus uns geworden?“, murmelte Bela, riss sich von dem Foto los und schüttelte den Kopf. Dann drückte er Farin einmal fest an sich und küsste ihn auf die blonden Haare. Es dauerte eine Weile, bis eine Reaktion kam.
„Warum bist du hergekommen?“, fragte Farin schließlich. Schon wieder. Machte es ihm wirklich einen solchen Spaß, ihn zu demütigen?
Weil ich Tag und Nacht an dich denke und mir übel wird bei dem Gedanken, dich schon wieder drei Monate lang nicht sehen zu können. Weil ich mich so sehr nach deiner Nähe sehne, dass auf alles an Ehrgefühl pfeife, das ich noch hab, und bereit bin, wenigstens dein Sexpartner zu sein, wenn ich dir schon nichts anderes bedeute. Sei mir nicht böse, Jan. Sei mir nicht böse, dass ich dich so sehr liebe…
„Ich wollte dich sehen“
Es war die ehrlichste Antwort, die er geben konnte. Innerlich machte er sich darauf gefasst, von Farin ausgelacht zu werden, oder ein abschätziges Kommentar entgegengeschleudert zu bekommen. Nichts dergleichen geschah. Farin sah ihn nur an, einen scheinbar ewigen Augenblick lang. Einen Augenblick, in dem Bela glaubte, ein ungewöhnliches Funkeln in seinen Augen zu erkennen. Dann wandte er sich ab und rollte sich mit einem leisen Seufzer von ihm herunter. Bela beschloss, dass es Einbildung gewesen sein musste.
„Du solltest gehen, deine Konny wartet sicher auf dich. Und ich muss noch ein paar Sachen einpacken“
Ohne ihm einen weiteren Blick zu schenken, stand Farin auf, zog sich an und ging ins Wohnzimmer, um weiterzupacken. Ein paar Minuten lang blieb Bela liegen. Dann beschloss er, sich auf den Heimweg zu machen.
...
Nachdem er seine Haustür aufgeschlossen hatte, stellte er fest, dass kein Licht brannte. Seine Freundin musste schon ins Bett gegangen sein. Leise ging er ins Schlafzimmer, zog die noch kurz zuvor angezogene Kleidung wieder aus und versuchte vorsichtig, sich neben sie zu legen, ohne sie aufzuwecken. Es gelang ihm nicht.
„Dirk?“, fragte sie verschlafen und schaltete die Nachttischlampe an.
„Ja, schlaf ruhig weiter, Schatz. Tut mir Leid, dass ich so lange weg war, aber –“
„Schon gut“
Sie gab ihm keine Gelegenheit, eine Ausrede zu erfinden. Einen schrecklichen Moment lang glaubte er, sie habe ihn durchschaut. Dann schenkte sie ihm ein Lächeln.
„Ich weiß doch, dass du viel zu tun hast, du musst dich nicht rechtfertigen. Ich bin nur froh, dass du jetzt da bist“
Etwas in der Art, wie sie lächelte, versetzte ihm einen schmerzhaften Schauder. Es war so warm, so verständnisvoll, so voller Liebe. Er durchforstete seine Erinnerungen nach einer Gelegenheit, in der ihn Farin derartig angelächelt hatte. Die Suche blieb vergeblich.
„Dirk – weinst du etwa?“
Behutsam hob sie eine Hand, um die einzelne Träne von seiner Wange zu wischen, die dort zu seinem Schrecken aufgetaucht war. Sie sah ihn besorgt an. Er schluckte, bevor er sich auch zu einem Lächeln zwang.
„Quatsch, ich – das ist wegen der Kälte draußen“
Bevor sie etwas dagegen sagen konnte, hatte er sich schon vorgelehnt und sie geküsst. Dann noch einmal. Und noch einmal.
„Hey, nicht so stürmisch!“, kicherte sie und hatte ihre Sorgen bereits vergessen.
„Ich bin so verdammt froh, dass ich dich habe…“
Ein weiterer Kuss.
„Und jetzt mach das Licht aus, du brauchst deinen Schlaf“
Sie tat es, schmiegte sich dann an ihn, während sie ihm ein „Ich liebe dich“ zumurmelte. Er merkte, wie sie langsam ins Land der Träume versank.
Sei mir nicht böse, Schatz, dachte er, in die schwarze Leere der Dunkelheit starrend. Und während die Tränen jetzt stumm und ungehindert an seinen Wangen herunterliefen, wartete er darauf, dass auch ihn der Schlaf endlich erlösen würde.
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Hmm, joa, ne?
Fragt mich nicht, warum ich so ein Deprizeug schreibe, diese Story hatte ich gestern um halb drei Uhr nachts plötzlich im Kopf und kam nicht drum herum, sie aufzuschreiben. Wahrscheinlich war’s einfach die Lust auf etwas ‚Unromantisches’. Außerdem gefällt mir die Idee von Farin als arrogantes Arschloch.^^
Kommentare? Spontane Wutausbrüche? Morddrohungen? Immer her damit!^^
Lg Kugelfisch (und euch allen ’nen guten Rutsch ins neue Jahr!)
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