Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
 
»
von Karate-Teddy    erstellt: 28.12.2008    letztes Update: 05.05.2009    Geschichte, Drama / P18 Slash    (fertiggestellt)
Falling Prince



Inhalt: Łukasz Podolski und Mirosław Kloze spielen in der polnischen Nationalmannschaft. Versehendlich wird ihr Team bei der EM2008 mit der deutschen Elf zusammen in einem Hotel einquartiert. So lernt Łukasz schnell den Youngster Bastian Schweinsteiger kennen und hassen. Und langsam beginnt er zu bereuen, dass er einen Vertrag unterschrieb, der ihn zur Sommersaison an einen deutschen Spitzenclub bindet.

Cover: http://i291.photobucket.com/albums/ll297/Peach-Coke/FallingPrinceFin.jpg

Warnung: Lemon, Slash, Rape (bzw. Non-Con)

Beta: Autumn Peaches

Genre: Drama

Altersfreigabe: P18-Slash

Kapitellänge : Die Kapitel sind etwas länger als bei meinen bisherigen Storys, deswegen wird vermutlich nur alle drei Tage geupdated. Aber ihr kennt ja die obligatorischen Ausnahmen! ;)

Widmung: Ich schreibe für alle, die auch Kommentieren. Und ein bisschen auch für mich. ;) Nicht mehr und nicht weniger. So einfach ist das! :D

Anmerkungen : Hier handelt es sich um eine AU, d.h. ich kann mit den Gruppen spielen, wie ich will. Polen und Deutschland sind dem entsprechend nicht in einer Gruppe. Türkei tauscht bei mir den Platz mit Polen. Ergebnisse zu den Begegnungen bleiben allerdings gleich (Außer das Spiel Deutschland – Polen im Halbfinale. Da werde ich jetzt mal schweigen.)

Mir gehört gar nichts… außer den Rechtschreibfehlern! Bevor diese Geschichte – und nichts anderes ist dies – gelesen wird, sollte jedem bewusst sein, dass ich keinen der auftretenden Charaktere kenne. Ich erhebe nicht den Geringsten Wahrheitsanspruch!




Kapitel Eins

Das war sie also, die Schweiz. Präziser gesagt, die schweizerische Ascona. Es war schon dunkel und deswegen konnte er selbstverständlich nichts von der vorbeiflitzenden Umgebung erkennen, aber laut Reisebroschüre sollte es hier wirklich nett sein. Doch wenn er ehrlich war, dann musste er zugeben, dass es ihn im Moment absolut nicht interessierte.

Müde lehnte er mit der Stirn gegen das kühle Fensterglas, schloss die Augen und gähnte einmal. Es war weit nach Mitternacht. Ihr Flieger hatte keine Starterlaubnis bekommen, warum auch immer, und sie hatten eine Ewigkeit auf dem Rollfeld gestanden. Er war kein Mensch, der es lange aushielt, sich nicht bewegen zu können, deswegen war das fortwährende Sitzen eine Qual für ihn. Seine Füße zuckten schon seit mehreren Etappen gnadenlos und teilten seinem Körper so mit,
dass er sich gefälligst zu bewegen hatte. Seufzend zog er die Beine auf den Sitz, schlang einen Arm um sie.

Vermutlich sah er aus wie ein Kind, das bald schlapp machte, weil es müde von den Reisestrapazen war. Aber es war ihm egal. Die Stöpsel seines IPods verhinderten sehr erfolgreich, dass die Sprüche seiner Kameraden ihn in irgendeiner Form erreichten. Aber die Gewissheit, dass sie trotzdem fallen würden, reichten aus, um ihn tief durchatmen zu lassen. Er wusste, hier sollte er ein dickes Fell haben, aber das Wissen alleine schützte ihn nicht sonderlich. Ob er es zugeben wollte oder nicht, der ganze Konkurrenzkampf war unglaublich hart. Bei weitem nicht alle waren so überzeugt von ihm wie ihr Trainer Leo Beenhakker.

Viele waren der Meinung, er sei zu jung für einen Stammplatz im Sturm. Andere sahen kein Talent in seiner Art zu spielen. Auch gab es welche, die einfach der Meinung waren, er sei mit seinem Heimatland zu wenig verbunden. Łukasz wusste, das nichts davon stimmte. Er war jung, das stimmte, aber er hatte soviel Talent in den Beinen wie andere im ganzen Körper und es gab kein Land, das er jemals so sehr lieben könnte wie Polen. Auch wenn seine Mutter aus Deutschland kam und er damals lange gebraucht hatte, um sich für eine der Mannschaften zu entscheiden. Letztlich hatte sein Herz über den Verstand – Deutschland war immerhin in der Fifa-Weltrangliste bedeutend besser platziert als Polen – gesiegt.

Eine grobe Berührung am Arm holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Matt schlug er die Augen auf und starrte sein eigenes Spiegelbild in der Reflexion der Scheibe an. Klare, blaue Augen, blasse Haut, eingefallene Wangen, müde Züge, leicht dunkle Augenringe, nicht ganz sorgfältig rasiert… Na Hallelujah, wenn er nicht mal beschissen aussah, wer dann?

Er drehte sich herum und sah Tomasz, der ihn an der Schulter erwischt hatte, um ihn aufzuwecken. Erst jetzt nahm Łukasz die allgemeine Aufbruchsstimmung war. Die Jungs hatten langsam aber sicher damit begonnen ihre Sachen zusammenzusuchen. Er zog die Stopsel aus den Ohren und die laute Musik wurde von dem munteren Treiben im Bus abgelöst. Ein Wunder, dass sie ihm überhaupt bescheid gegeben hatten. Es hätte ihn nicht überrascht, wenn sie ihn einfach hier gelassen hätten. Seufzend ließ er seine Beine wieder vom Sitz auf den Boden gleiten und stopfte Trinkflasche, IPod und Reiseführer in die Tasche zurück.

Als der Bus zum Stehen kam, warf er sich seine Jacke über und folgte seinen Kameraden ins Freie hinaus. Schon die wenigen Schritte taten seinen Beinen unheimlich gut. Befreit atmete er einmal tief durch, sog die kühle Nachtluft genießerisch ein, schloss dabei unbewusst die Augen und ein kleines Lächeln legte sich auf seine Züge. Freiheit. Endlich.

Das Gedrängel ums Gepäck wollte er nicht noch weiter anstacheln, also hielt er sich erst mal im Hintergrund, hüpfte ein bisschen auf und ab um seine müden Glieder wieder auf Touren zu bringen und beobachtete seinen Atem, der in kleinen Wölkchen gen Himmel davon segelte. Dann schlang er beide Arme um seinen Oberkörper, denn es fröstelte ihn. Obwohl heute der 1. Juni war, hielten die Temperaturen nicht viel davon sich dementsprechend zu verhalten, und da es kurz nach Mitternacht war, hatte es sich sowieso schon sehr abgekühlt.

Sie standen auf dem Parkplatz des Fünf-Sterne-Hotels Giardino Relais & Chateaux. Es dauerte ein paar Minuten, doch dann hatte jeder seinen Koffer gefunden. Niemand machte sich hier die Mühe zu warten. Wer seine Sachen zusammen hatte, eilte auf das Hotel zu. Wen kümmerte es auch schon, dass sie eine Mannschaft waren? Zusammenhalten sollten? Wohl niemanden. Genauso wie es niemanden interessierte, dass er seinen blöden Koffer nicht aus dem Stauraum bekam. Da konnte er ziehen und drücken wie er wollte. Frustriert trat er nach dem Gepäck.

„Der arme Koffer kann doch nichts für deine Unfähigkeit, Lukas“, schimpfte sein Kapitän halbherzig mit ihm. Mirosław war wohl der Einzige, von dem Łukasz wusste, dass er solche Kommentare nicht ernst meinte. Schon alleine die Tatsache, dass der Ältere oft deutsch mit ihm redete, machte sie irgendwie zu Verbündeten, jedenfalls mochte er Mirosław mehr als die gesamte restliche Mannschaft zusammen.

„Ach, blödes Scheißteil“, fluchte er und trat gleich noch mal dagegen. Mirosław lächelte ihn halb belustigt, halb nachsichtig an und beugte sich weit in den Stauraum hinein, zerrte ein bisschen an der einen Schlaufe und zog dann triumphierend das Gepäckstück heraus, reichte es an den verblüfften Łukasz weiter. „Ähm… danke.“

„Nicht dafür, Lukas“, winkte Mirosław ab, schulterte seine eigene Tasche.

Gemeinsam gingen sie zum Hoteleingang. Łukasz wusste, er hatte dem Älteren eine ganze Menge zu verdanken. Oft schon hatte dieser ihn in Schutz genommen, wenn die anderen mal wieder angefangen hatten zu kritisieren, dass ein blutjunger Stürmer wohl kaum erfahrene Spieler wie Marek Saganowski, Euzebiusz Smolarek oder Wojciech Łobodziński ersetzten könnte. Doch das tat er und auch mit Erfolg. Mirosław hatte vor knapp zwei Jahren ganz genau gewusst, was er tat, als er Leo Beenhakker auf ihn Aufmerksam gemacht hatte. Etwa zur selben Zeit hatte auch Joachim Löw ihn kontaktiert, aber – wie gesagt – sein Herz hatte über den Verstand gesiegt.

Łukasz  spielte seit frühster Jugend in seinem Heimatverein Piast Gliwice. Erst in der letzten Saison hatten sie es geschafft in die erste Liga aufzusteigen und er war sich bewusst, dass dies zum größten Teil sein Verdienst war. Torschützenkönig der zweiten Liga war etwas, worauf sich ein Zweiundzwanzigjähriger ruhig etwas einbilden konnte. Was er manchmal auch gerne tat…

Nun standen sie jedenfalls in Foyer des Hotels, wo es wesentlich wärmer war, und ließen sich in ihre Zimmer einteilen. Zum Glück gab es Einzelzimmer, so musste er sich mit niemanden von den Jungs zusammenraufen. Mirosław wäre zwar okay gewesen, aber der Bayernspieler war dann vielleicht doch etwas zu alt für ihn. Er nahm seinen Schlüssel entgegen und trat auf die Treppen zu. Manchmal bereute er es für einen kleinen Moment, diese Wahl getroffen zu haben. Er fragte sich dann, ob in anderen Mannschaften wohl ebenso eine eisige Atmosphäre herrschte. Dann schüttelte er meistens den Kopf und redete sich ein, dass es anderswo nicht besser war und es sowieso keinen Sinn hatte, darüber nachzudenken.
Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er guten Gewissens ins Bett gehen könnte, aber er wusste, er würde nicht schlafen können. Nicht nach so einem Tag, der voller Ärgernissen und Untätigkeit gewesen war. Es verging inzwischen beinahe kein Tag mehr, an dem er nicht die Seitenhiebe der älteren Mannschaftsmitglieder über sich
ergehen lassen musste. Früher hatte er sich immer gut mit den Jüngeren verstanden, aber nun – wo die Älteren so auf ihn losgingen – hielt niemand von ihnen mehr zu ihm. Łukasz ärgerte sich oft darüber. So würden sie sich niemals ihren Platz im Team erkämpfen. Aber es konnte ihm egal sein. Solange er nur gut Fußball spielte, konnte ihm hier niemand etwas sagen, schließlich stand sein Trainer voll und ganz hinter ihm.

Er warf einen Blick auf das feinsäuberlich gemachte Bett. Ohne es verhindern zu können musste er schwer Schlucken. Er nahm es nicht bewusst wahr, doch seine rechte Hand begann zu zittern. Seit er denken konnte, hatte er Probleme gehabt sich an fremden Orten wohl zu fühlen. Es war ihm immer schwer gefallen einzuschlafen oder auch nur ruhig zu Verharren, aber seit dem Unfall war es viel schlimmer geworden. Seufzend entschloss er sich dazu seinen Körper etwas zu fordern, um das Einschlafen zu beschleunigen. Sein Trainer und auch Mirosław wären zwar nicht begeistert, aber er musste es ihnen ja auch nicht auf die Nase binden. Und er würde ihnen auch nicht begreiflichen machen können, dass er die Bewegung jetzt brauchte. Es wäre die Hölle, wenn er jetzt wirklich versuchen müsste einzuschlafen. Ganz ohne Training oder sonstige Bewegung würde er ganz sicher stundenlang wachliegen.

Also zog er sich schnell um, nahm den IPod mit und schlich sich unbemerkt aus dem Hotel. Die schweizerische Ascona war nicht besonders belebt um diese Uhrzeit. Es war angenehm kühl und Łukasz spürte schon nach wenigen hundert Metern, dass es ihm gut hat. Nicht nachdenken, einfach ein Fuß vor den anderen setzend und sich von dem eigentlich viel zu laut eingestellten Usher „Put your hands up, bend your knees. Bounce around in a circle, get down with me. Oh come on, come on. It's not hard to learn. Come on, come on. It's called the U-Turn“ ins Ohr brüllen zu lassen.

Er begegnete eine ganze Weile keinem einzigen Menschen. Und darüber war er auch ganz glücklich. Automatisch tat sein Körper seinen Dienst, brachte ihn zügig und problemlos voran. Nicht denken. Einfach nur laufen. Er spürte mit jedem Schritt, dass er sich langsam entspannte, sein Körper sich zufrieden gab mit dem, was er leisten sollte. Er sah nicht auf die Uhr, das tat er nie beim Joggen. Wenn es genug war, war es eben genug. Dann machte er kehrt. Aber jetzt noch nicht. Je mehr er sich verausgabte, desto ruhiger würde er schlafen. Nicht das er seit dem Unfall jemals wirklich ruhig geschlafen hatte, aber irgendwann würde er es wieder. Bestimmt. Ganz sicher. Diesmal bemerkte er das Zittern seiner Hand sehr wohl. Ärgerlich schloss er sie zur Faust. Denk an was anderes, sagte er sich.

Eine kleine Gruppe von Menschen sorgte eher unfreiwillig für Abwechslung. Łukasz erkannte drei junge Männer auf der anderen Straßenseite, die alle nicht besonders sicher auf den Beinen zu sein schienen. Einer von ihnen – ein besonders großer, schlaksiger Kerl mit wirren, blonden Haaren – torkelte immer wieder aufkichernd neben den anderen beiden, welche eng aneinander gelehnt versuchten voranzukommen. Der Kleinere hatte sich einen Arm seines Kumpels um die Schulter gelegt, schaute mehr als ärgerlich und schleifte einen offensichtlich völlig betrunken platinblonden jungen Mann mit sich. Der betrunkene Mann lallte irgendetwas, das Łukasz aber aufgrund der Stöpsel in seinen Ohren nicht hören konnte, und stolperte so ungeschickt, dass er den Kleinen beinahe mit sich zu Boden gerissen hatte. Fluchend fing dieser ihr Gleichgewicht wieder ein.

Im Laufen zog Łukasz die Stöpsel aus den Ohren.

„… doch nicht der Weltuntergang, ey!“, schimpfte der Kleinste unter ihnen. „Reiß dich mal zusammen, Basti! Du bist nämlich verflucht schwer.“

„Soll… hicks… soll ich dir… hicks… helfen, Phil?“, fragte der Große, der mehr schwankte, als die anderen beiden zusammen.

„Du kannst doch selbst kaum noch laufen, Marcell“, seufzte dieser Phil. „Das Bastian sich zulaufen lässt, kann ich ja verstehen, aber was hast du denn bitte für einen Grund?“

„Gr… hicks… Grund?“, fragte Marcell verwirrt, dann verstand er offensichtlich und winkte ab. „Ach, frag lieber den… hicks… den Piotr!“

Philipp musste noch mal nachgreifen, weil Bastian sich ziemlich auf ihm stützte, sich wie ein nasser Sack mitschleifen ließ. „Isch… isch wärde ainsam zu… zugrunde geh’n…“

„Hör auf, Basti!“, seufzte Phil. „Sarah ist nicht die einzige Frau im Universum. Du wirst jemand neues kennen lernen. Und jetzt reiß dich bitte mal ein bisschen zusammen!“

Kurz zögerte Łukasz noch, dann überwandt er sich. Einmal nach links und rechts schauend überquerte er schnell die Straße und kam gerade rechtzeitig, um den betrunkenen Bastian abzufangen, der abermals gestolpert war. Diesmal hätte Philipp ihn und vermutlich auch sich selbst eindeutig nicht halten können. Łukasz packte den jungen Mann am Oberarm und half ihm in eine aufrechte Position zurück. Wässrige, rotunterlaufene Augen starrte ihn auf Halbmast überrascht an, registrierten ihren Retter aber nicht wirklich.

„Kann ich helfen?“, fragte Łukasz Philipp. Dieser schien ihn wohl am ehesten zu verstehen und lächelte ihn dankbar und auch erleichtert an.

„Danke, ehrlich“, sagte er befreit. Dann streckte er ihm seine Hand entgegen, was etwas schwierig war, da er immer noch Bastian aufrecht halten musste. „Philipp.“

Łukasz ergriff sie. Die Hand war angenehm trocken und warm, der Druck kräftig.

„Lukas“, sagte er bloß. „Wo müsst ihr denn hin?“

„Zum Giardino Relais & Chateaux“, meinte Philipp, zog seine Hand wieder zurück und stützte damit seinen Freund, der mit dem Oberkörper schon wieder bedrohlich weit vornüber hing. „Das ist nur…“

„Nur die Straße runter“, wusste Łukasz. „Hab dort auch eingecheckt.“

Er schaffte es sich den noch freien Arm des platinblonden Mannes über die Schulter zu legen. Er roch nach Alkohol und Zigarettenrauch. Das Gewicht lastete schwer auf den Schultern, er hielt sich kaum noch selbst, hatte den Kopf einfach zur Seite fallen
lassen und war Łukasz unglaublich nahe, sodass die Haare an seinem Hals und der Wange kitzelten.

„Die beiden Saufkoppe hier sind übrigens Marcell und Bastian. Sie werden es dir bestimmt noch danken“, meinte Philipp. „Hast du… Marcell, was machst du da? Marcell? Hey, kommst du… Marcell? Ach Mist, kannst du Bastian mal eben halten?“

Und schon war der verhältnismäßig kleine Mann verschwunden. Łukasz musste unter dem Gewicht, das jetzt alleine auf seinen Schultern lastete, etwas in die Knie gehen. Bastian ließ sich einfach gegen ihn fallen. Langsam aber sicher wurde der Stürmer sich bewusst, dass er nur fürs Joggen angezogen war. Es wurde ziemlich kühl. Die leichte Schweißschicht auf seiner Haut kühlte stetig ab und er wusste, dass er sich für so eine Aktion wärmer hätte anziehen müssen. Aber der halbbenommene Körper an seiner Seite war angenehm warm und gab auch etwas von seiner Körperwärme an ihn ab. Der Kopf ruhte immer noch auf seiner Schulter und langsam hatte Łukasz den Eindruck, dass Bastian eingepennt war. Jedenfalls atmete er ziemlich schwer und schien auch kein bisschen einzusehen, dass er wohl etwas mithelfen sollte ihn ins Hotel zurückzuschaffen…

Jetzt rutschte er auch ein bisschen aus Łukasz Griff weg und er musste nachfassen. Etwas verzweifelt drehte er den Hals und versuchte Philipp zu finden, der allerdings vollends damit beschäftigt war Marcell voranzuschaffen. Es dauerte mehrere Minuten, bis sie wieder auf der selben Höhe waren, aber der Rückweg gestaltete sich als äußerst schwierig. Inzwischen trug Łukasz Bastian beinahe und Philipp musste sich ganz auf Marcell konzentrieren, der mit jedem Schritt betrunkener schien.

Sie brauchten eine geschätzte Ewigkeit bis das Hotel auch nur in die Nähe kam. Sprechen taten sie nicht, brauchten ihren Atem auch für etwas anderes und Bastian und Marcell waren sowieso nicht in der Lage sich klar auszudrücken. Ein paar mal jammerte der Platinblonde über irgendeine „Sarah“ und übers „einsam Zugrundegehen“, sonst verhielt er sich gnädigerweise ziemlich ruhig, schaffte manchmal sogar ein paar Schritte mitzulaufen, sodass Łukasz etwas entlastet wurde. Im Hotel angekommen mussten sie eigentlich ziemlich leise sein, um niemanden zu stören, doch das schien Marcell überhaupt nicht einzusehen, schließlich musste Philipp ihm den Mund zuhalten.

„Danke, Lukas, ehrlich“, meinte der schweratmende Philipp als sie endlich im richtigen Flur angekommen waren. „Total nett von dir! Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder. Wir sind noch eine ganze Weile hier im Hotel.“

„Kein Problem“, winkte Łukasz ebenso schwer keuchend ab. Bastian war um einiges schwerer, als er aussah. „Kommst du alleine klar?“

Philipp nickte hastig. Doch noch bevor der antworten konnte, öffnete sich eine der Hoteltüren und ein ziemlich verschlafener Mann in ihrem Alter sah sie aus kleinen Augen an. „Was zum Teufel macht ihr denn hier für einen Höllenkrach?“, fragte er gähnend. Mit dem Handballen rieb er sich über die Augen.

„Clem, dich schickt der Himmel“, behauptete Philipp und atmete befreit auf. „Kannst du Basti auf sein Zimmer bringen? Er hat ein bisschen viel getrunken. Du weißt schon, wegen Sarah und so…“

Der Mann warf noch mal einen sehnsüchtigen Blick zurück in sein Zimmer, dann seufzte er und nickte schließlich. „Klar.“

„Und kannst du Jogi bitte nichts sagen?“, bat Philipp. „Basti wird morgen schon selbst wissen, dass er es übertrieben hat.“

Empört stemmte der junge Mann namens Clem die Hände in die Hüfte. „Sicher, für wen hältst du mich denn?“, fragte er entrüstet. Dann versuchte er den betrunkenen Bastian unter seine Fittiche zu nehmen, der sich aus unerfindlichen Gründen aber irgendwie an Łukasz festkrallte.

„Noch mal danke“, meinte Phil, als sie ihn endlich erlöst hatten. Bastian hatte die Augen inzwischen längst geschlossen und Clemens hatte seine liebe Not damit ihn aufrecht zu halten.

Łukasz machte eine wegwerfende Handbewegung. Dann wurde er sich des starrenden Blickes des fremden Mannes bewusst. Der Blonde sah ihn an, als würde er ihn jetzt erst wirklich sehen. Er zwinkerte ein paar mal, doch dann zog er überrascht die Augenbrauen hoch. „Hey“, sagte er bloß, ließ seinen Blick abschätzig über ihn wandern. „Ich bin Clemens.“

Er fühlte sich unter dem Blick unwohl. Clemens wirkte ziemlich nett, nur irgendwie ein wenig unschlüssig, wie er mit ihm umgehen sollte. Kurz kam ihm der Gedanke, ob man ihn vielleicht erkannt hatte, aber er wusste, dass dies sehr unwahrscheinlich war. Er selbst würde ja auch nur eine Handvoll ausländischer Spieler erkennen.  

„Lukas.“

Der Blonde lächelte schief. „Ja, ich weiß.“

Philipp sah ihn überrascht an, doch Clemens winkte ab. Anscheinend war es jetzt erst mal wichtiger Bastian ins Bett zu bringen. Łukasz erwischte sich dabei, dass er sich danach sehnte diese anscheinend doch sehr feste Freundschaft ebenfalls einmal mit jemandem zu teilen. Bastian konnte sich glücklich schätzen. Er selbst hatte keine einzige solche Bekanntschaft. Niemand würde ihn so aufopferungsvoll nach Hause bringen, wie Philipp es getan hatte. Niemand würde sich seiner mitten in der Nacht so selbstverständlich annehmen, wie Clemens. Okay, vielleicht Mirosław, aber selbst da war er sich nicht so sicher.

Er räusperte sich und es war ihm unangenehm, das ihn jetzt alle anstarrten, selbst Bastian, der aber wohl nicht wirklich verstand, was gerade passierte. „Ich werde dann mal gehen“, sagte Łukasz, wartete eine Erwiderung gar nicht erst ab, sondern machte auf dem Absatz kehrt. Er spürte die verwunderten Blick in seinem Rücken, drehte sich aber nicht noch mal um.

„Ihr habt keine Ahnung, wer das ist oder?“, konnte er Clemens noch sagen hören, dann war er aus ihrer Reichweite verschwunden. Er nahm lieber die Treppe, sprintete zwei Stockwerke hinab und wechselte die Flügel. Er wusste selbst nicht, warum er plötzlich so schnell weg wollte. Irgendwie tat es weh zu wissen, dass man niemals wirklich dazugehören könnte. Für ihn war es immer schwierig gewesen Freunde zu finden, er war immer schon in Polen eine kleine Berühmtheit gewesen. Als Kind war sein Vater bekannt gewesen wie ein bunter Hund, nun war er es selbst. Immer hatte er vorsichtig mit der Wahl seiner Freunde sein müssen. Letztlich war er so wählerisch geworden, dass es praktisch niemanden mehr gab, den er als echten Freund bezeichnen konnte.

Im Hotelzimmer angelangt, zog er sich nur schnell bis auf die Shorts aus und krabbelte dann unter die Bettdecke. Eine ganze Weile lag er bewegungslos da und starrte in die Dunkelheit. Wie jede Nacht pochte sein Herz viel zu fest gegen seine Rippen. Wie jede Nacht könnte er heulen, wenn er daran dachte, dass er schlafen musste. Wie jede Nacht dauerte es lange, bis sein Bewusstsein es wahr haben wollte. Doch wie jede Nacht so war auch die heutige unbarmherzig, würde ihn verführen, bis er schlief, nur um ihn wenige Stunden später zu Tode erschrocken wieder auffahren zu lassen. Wie jede Nacht wusste er, dass es nichts gab, was er dagegen tun konnte…
 
»
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.3-6311