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von StormXPadme
erstellt: 13.12.2008
letztes Update: 14.12.2008
Geschichte, Allgemein / P12
(fertiggestellt)
3
„Katja, wach auf! Hey! Komm zu dir, Mädchen!“
Völlig desorientiert wachte Katja irgendwann gefühlte 100 Jahre später wieder auf. Als die tanzenden Sterne und hellen Punkte vor ihren Augen endlich verschwunden waren, sah sie wieder einigermaßen klar und merkte rasch, dass sie sich auf einer Art Krankenstation befinden musste. Es stank nach Medikamenten und Blut, nach Schmerzen. Die weiße Verkleidung der Wände, kleine Schränkchen und Tische mit Instrumenten und die harte Matratze, auf der sie lag, taten ihr Übriges zum Gesamtbild.
Neben der Liege stand eine schlanke, groß gewachsene Frau mit dunkelroten Haaren und sehr blasser Haut, die geduldig, mit einem leichten Lächeln darauf wartete, dass sie wieder ihre Sinne beisammen hatte.
„Hallo...“ Katja erkannte ihre eigene Stimme nicht wieder, tief und kratzig, als hätte sie seit Jahren nichts mehr getrunken. Ungefähr so fühlte sich ihr Hals auch an. Was war mit ihr los? War sie vielleicht wirklich ernstlich krank? Und wo war sie hier eigentlich gelandet? Sie musste verrückt gewesen sein, einfach zu wildfremden Leuten zu fahren, ausgerechnet in ihrer Situation… Woher wollte sie wissen, dass diese Menschen sie nicht genauso verurteilen würde, wie es unzweifelhaft jeder tun musste, der von ihrer Tat wusste? Katjas Geist wurde immer klarer, und die Angst vor der Zukunft kam mit der Wucht eines Vorschlaghammers zurück.
„Hallo.“ Die Frau sah die Unruhe in ihren Augen, sah, wie sie versuchte, sich aufzusetzen und nahm sie für einen kurzen Moment am Arm, eine Geste der Beruhigung. „Es ist alles in Ordnung. Hier bist du sicher. Ich bin Doktor Jean Grey. Wie fühlst du dich?“ Mit routinierten Bewegungen legte Jean ihrer Patientin ein Blutdruckmessgerät an.
„Müde“, stellte Katja fest, nachdem sie einen Moment über die Frage nachgedacht hatte. Immer noch war sie erschöpft, aber zumindest drehte sich nicht mehr alles um sie herum. „Woher wissen Sie eigentlich, wer ich bin?“
Jean grinste verhalten. „Du hattest deinen Pass in der Handtasche. Kannst du aufstehen?“
„Ja... Ich denke schon.“ Katja setzte sich vorsichtig auf und schwang die Beine über die Bettkante, beruhigt, als das Schwindelgefühl weiterhin ausblieb. „Normalerweise falle ich nicht einfach so um. Ich weiß gar nicht, was da los war.“ Wann war das eigentlich passiert? Sie hatte keine Ahnung, was sie überhaupt für ein Datum hatten. Es war das erste Mal gewesen, dass sie bewusstlos geworden war. Sie hätte gern auf die Erfahrung verzichtet. „Wann…?“
„Gestern. Und was los war, kann ich dir sagen“, erwiderte Jean mit scharfer Stimme. „Du hast dir einfach viel zuviel zugemutet. Ein Wunder, dass du allein so weit gekommen bist. Wolltest du einen neuen Rekord aufstellen?“
Warum es ausgerechnet da passierte, wusste Katja nicht. Vielleicht weil sie begriff, dass sie da angekommen war, wo sie hingewollt hatte. Dass sie nun bei Leuten war, die ihr vielleicht helfen können würden. Oder aber wegen Jeans vorwurfsvollem Tonfall, den ihre schwachen Nerven in diesem Moment einfach nicht ertrugen. Sie brach zusammen und heulte los wie ein kleines Kind.
Mit zwei Schritten war Jean bei ihr, wollte einen Arm um sie legen.
Katja fuhr zurück. „Nein, bitte... Ich... ich hab Angst...“
„Schon gut“, nickte die Fremde. „Wein du nur. Ich glaube, das brauchst du mehr als jede Medizin.“
Und das tat sie dann auch. Die ganzen Tränen der letzten Stunden und Tage brachen hervor. Zu lange war sie stark gewesen, hatte sich irgendwie hierher gerettet, mit ihrer letzten Kraft, nur das Ziel vor Augen, nicht durchzudrehen. Sie konnte einfach nicht mehr.
Jean ließ sie schluchzen, wartete geduldig, bis sie sich etwas beruhigt hatte.
Dann fragte sie freundlich: „Zeigst du mir, was passiert ist?“
Es war nur ein kurzer Weg bis zum Garten, aber es reichte, um Katja in beeindrucktes Staunen zu versetzen.
Das Anwesen war riesig, das war ihr bei der Ankunft gar nicht aufgefallen. Es mussten sehr viele Leute hier leben. Von außen sah es altertümlich aus, die Fassaden der Gebäude ein wenig vernachlässigt, die Einrichtung jedoch wirkte edel, trotzdem nicht zu teuer, sehr klassisch mit vielen Holzverkleidungen. Eine liebevolle dekorierende Hand schien regelmäßig großzügig frische Blumen zu verteilen. Bilder zierten an den passenden Stellen die Wände, teilweise Aquarelle, teilweise selbst gemalte Zeichnungen, von jungen Schülern hauptsächlich, aber auch ein paar Fotos gab es. Auf fast allen waren nur Kinder zu sehen. Die Villa wirkte freundlich und gemütlich zugleich.
Hauptsächlich trafen Jean und sie auf den Gängen auch nur auf junge Leute, Kinder und Jugendliche, die Katja neugierig musterten und Jean höflich grüßten, aber auch ein paar Erwachsene, einige von ihnen mit deutlich sichtbaren äußerlichen Auffälligkeiten. Mutanten… Immer noch hatte sich Katja nicht ganz daran gewöhnt. Vor allem nicht daran, dass sie jetzt zu diesen Leuten gehörte. Bei den ersten dieser Treffen wandte sie ihren Blick noch verunsichert ab, sie wollte nicht starren, aber bald merkte sie, dass sich hier niemand für irgendetwas zu schämen brauchte. Nur bei einem kleinen Jungen zuckte sie erst ganz schön zusammen, als er ihr frech die Zunge herausstreckte, weil sie ihn etwas zu lange musterte. Es war die dicke, grüne Zunge eines Reptils. Im ersten Moment erschrak sie wirklich, aber dann rief sie sich selbst zur Ordnung. Das war auch nur ein Mensch, genau wie sie, und sie wollte wegen ihrer neuen Fähigkeiten ja auch nicht anders behandelt werden, deswegen war sie doch hier. Sie zwang sich zu einem Lächeln, das von dem Kleinen mit einem überraschten Grinsen erwidert wurde, und sah genau, wie Jean neben ihr leicht, zufrieden nickte.
Das war die richtige, die einzige Einstellung, gerade in einem Haus wie diesem, und es schienen sich auch alle daran zu halten. Im Garten auf dem Basketballplatz spielten zum Beispiel mehrere Mutanten miteinander, einer unterschiedlicher als der andere, und niemand wurde dabei schief angeschaut, nicht einmal ein Junge mit dem dichten schwarzen Fell auf seiner Haut und den vorstehenden Reißzähnen. Das hier war kein Ort, an dem man ausgestoßen wurde, egal, was man war. Das Umfeld wirkte freundschaftlich, wie man Katja zuwinkte, wie Jean sie sofort mit ihrem Vornamen angesprochen hatte, auch Jubilee am Telefon… Es war ein Platz, an dem man sich sicher zuhause fühlen konnte, wenn man erstmal die Tatsache verdaut hatte, dass man in seiner Heimat im Moment nicht erwünscht war.
Ganz langsam begann sich Katja ein wenig zu entspannen. Sie war hier richtig, das merkte sie schnell, egal wie es jetzt genau mit ihr weitergehen würde. Wenn sie irgendwo Verständnis und Halt finden konnte, dann hier.
Im Hinterhof schließlich hielten sie bei einer großen Grünfläche an, und Jean nickte ihr aufmunternd zu. Der Trick mit dem Blitz klappte ohne weiteres wieder. Ein Gedanke an Fabians dummes, arrogantes Grinsen genügte, um diese geheimnisvolle Fähigkeit hervorzurufen, die Katja von einen Tag auf den anderen bekommen hatte.
„Faszinierend.“ Nachdenklich betrachtete Jean die verbrannte Stelle im Gras. „Das nächste Mal probieren wir das aber woanders aus, sonst wird der Professor wütend. Der Garten ist ihm heilig. Ist das alles, was du jetzt kannst?“
„Nein... Regen- Traurigkeit.“ Soviel hatte sich Katja aufgrund dieser seltsamen Vorkommnisse in ihrem Heimatdorf inzwischen zusammengereimt. Es nieselte auch bereits schon wieder leicht. Sie war kein bisschen überrascht, als es auch zu hageln begann. Sie verschränkte die Arme vor der Brust, obwohl ihr nicht kalt war. Oder nur von innen. Ihr Empfinden für Kälte und Wärme spielte im Moment völlig verrückt. Gleich würde sie es Jean sagen müssen… Vielleicht machte sie sich ja auch zu viele Hoffnungen. Wenn sie nun gleich wieder weggeschickt werden würde?
Jean ging gar nicht erst in Deckung, obwohl die Körner groß und schmerzhaft waren und auf der Haut brannten. Vermutlich war man solche Sachen in einem Haus wie diesem nach einiger Zeit gewöhnt.
„Hagel, das ist Angst“, erklärte Katja leise. "Die Gewitter, das sind meine Wut und mein Hass. Und wenn es mir gut geht, vergrößert sich wohl das Ozonloch“, fügte sie bitter hinzu. „Das konnte ich bisher leider noch nicht ausprobieren.“
Jean schien nicht sonderlich beeindruckt. Vermutlich hatte sie schon weit abgefahrenere Sachen erlebt. „Seit wann ist das denn so?“
Kurz war Katja versucht, einfach zu schweigen, nicht zu sagen, was sie ausgelöst hatte… Aber was hätte das gebracht? Irgendwann wäre es ja doch herausgekommen. Sie atmete noch einmal tief durch und erzählte dann, alles, behielt im Großen und Ganzen sogar ihre Fassung.
Nur die Erinnerung an diesen einen Abend verkraftete sie immer noch nicht. „Diese Menschen... Ich habe sie verletzt. Wie soll ich jemals mit dieser Schuld leben?“ Sie ließ sich kraftlos auf eine Bank am Rand des Rasens sinken und verbarg einmal mehr das Gesicht in den Händen, als könnte sie sich so vor der Welt und vor allem vor dieser Frau verstecken, die bis jetzt so freundlich gewesen war und sich nun sicher von ihr abwenden würde. „Ich kann diese Bilder einfach nicht vergessen. Und dabei komme ich mir vor... als würde ich neben mir selbst stehen und mir zusehen. Ich frage mich, wie ich überhaupt fähig sein kann, weiterzumachen, das alles hier zu tun, als wäre nichts gewesen.“
„Der Mensch ist viel stärker als man glaubt.“ Jean setzte sich neben sie und berührte sie kurz, flüchtig am Arm. „Dein ganzes Leben hat sich innerhalb kürzester Zeit geändert. Du musst erst mal alles verdauen, was da war. Aber das Wichtigste ist…“ Sie nahm sanft Katjas Handgelenke und zog ihre Hände weg, sodass die junge Frau gezwungen war, sie anzusehen. Ihr sanftes Lächeln zu sehen, das Katja eine ganze Alpenkette vom Herzen fallen ließ. „…dass du verstehst, dass es nicht deine Schuld war. Du hast nicht absichtlich jemandem wehgetan. Es war ein Unfall.“
Katja versuchte etwas zu erwidern, stattdessen musste sie erneut weinen, es brach einmal mehr aus ihr heraus. Diesmal aber waren es Tränen der Erleichterung. Sie wurde hier also tatsächlich akzeptiert. Jean hatte Verständnis für sie. Sie bekam eine Chance… Als die andere ihr diesmal den Arm um die Schultern legte, wich sie nicht zurück. Sie würde sie nicht verletzen, soviel Kontrolle über ihre Fähigkeiten traute sie sich inzwischen zu.
„Es tut mir leid, dass ich dir gerade nicht besonders viel helfen kann“, seufzte Jean. „Professor Xavier, der Leiter dieses Anwesens, und auch Ororo Munroe sind unterwegs, sie kommen erst heute Abend zurück. Ich bin sicher, du hast viele Fragen. Der Professor kann dir das alles am besten erklären. Ororo wird in der nächsten Zeit wohl deine wichtigste Ansprechpartnerin sein. Eure Mutationen sind verwandt, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt. Ich selbst habe telepathische und empathische Fähigkeiten, vielleicht kann ich dir auch ein wenig helfen, mehr über diese Gefühlssache herausfinden. Aber das hat Zeit. Jetzt besprecht ihr erst einmal alles heute Abend.
Und inzwischen solltest du dich beschäftigen. Du musst lernen, deinen Geist zu konzentrieren, deine Gefühle unter Kontrolle zu bringen, soviel kann ich dir jetzt schon sagen. Es ist ungewöhnlich, dass jemand erst als Erwachsener mutiert, aber es kommt vor. Unser Ziel ist es, Leuten wie dir zu helfen, mit ihrer Gabe umzugehen und ihr Leben irgendwann allein meistern zu können. Die meisten Mutanten hier sind noch sehr jung, aber wenn dir das nichts ausmacht, bist du hier genauso willkommen wie jeder Schüler.“
„Dann bin ich euch zu Dank verpflichtet.“ Katja drückte kurz Jeans Hand. „Ich bin gern mit Kindern zusammen. Und ich wüsste auch nicht, wo ich sonst hin sollte.“
„So geht es den meisten. Die Welt hat nun mal nicht besonders viel für uns übrig.“ Ein bitterer Zug lag um Jeans Augen, der zeigte, wie sehr sie dieses Problem der Intoleranz der Menschen bedrückte. „Bist du müde?“
„Nicht sehr. Ich hab die ganze Nacht im Flugzeug geschlafen.“ Katja bemühte sich, nicht halb so mutlos zu klingen, wie sie war, je mehr sie sich das durch den Kopf gehen ließ, was Jean gerade gesagt hatte. Ihre Gefühle kontrollieren… Wie sollte das funktionieren? Konnte das überhaupt irgendjemand?
„Dann bringen wir erst mal deine Sachen in dein Zimmer. Arbeitest du mit Computern? Du kannst einen in deinem Zimmer haben, wenn du möchtest. Alle Schüler haben einen.“
Katja spürte sofort, wie sie rot anlief, als ihr klar wurde, das sie auf solche Zuwendungen im Moment angewiesen war. Sie hatte keine Ersparnisse, und hier in den USA sofort eine Arbeitsstelle zu finden, das war wohl auch eine schöne Wunschvorstellung. Vor allem in ihrer Situation. „Das wäre schön. Zuhause hatte ich auch einen. Ich möchte gerne den Kontakt mit meinen Leuten halten, zumindest per E-Mail...“
Jean unterbrach sie mit einem kurzen Nicken. „So ist das auch gedacht. Die Mutanten sollen hier alle Möglichkeiten haben, ein normales Leben zu führen. Ich werde meinen Lebensgefährten Scott bitten, dir alles anzuschließen. Der ist unser Spezialist bei solchen Dingen. Holen wir deine Sachen, dann hörst du wenigstens auf zu grübeln.“
Der Regen legte sich, hörte in Sekunden sogar ganz auf. Die Wolke, die nur über Jean und Katja gehangen hatte, verzog sich ungewöhnlich schnell. Jetzt herrschte wieder überall über dem Anwesen hellster Sonnenschein.
„Merk dir das gleich.“ Jean zeigte kurz nach oben. „Du beeinflusst also nur das Wetter direkt um dich herum. In einem Umkreis von etwa zehn Quadratmetern, würde ich grob geschätzt sagen. Hab ich dich also doch ein bisschen aufmuntern können, hm?“
Katja erwiderte ihr Lächeln. Langsam schaffte sie das wieder einigermaßen. „Drücken wir es so aus: Du und dieses Anwesen hier… Ich glaube, ihr habt mir das Leben gerettet.“
Jean drückte wortlos ihre Hand, als Zeichen, dass sie wusste, dass Katja es absolut ernst meinte.
„Jetzt pack erstmal aus, ja? Bis zum Abend hast du noch viel Zeit. Scott gibt gerade Fahrstunden. Ich schick ihn zu dir, sobald ich ihn sehe.
Kann ich dich allein lassen?“ Jean blieb in der Tür des kleinen, aber großzügig möblierten Zimmers stehen, das man Katja zuteilt hatte und beobachtete die junge Frau, wie sie sich einzurichten begann.
„Ich denke schon.“ Katja fühlte sich immer noch ziemlich verwirrt und aufgewühlt, aber Jean hatte ihr zumindest klar gemacht, dass sie nicht verzweifeln musste. Sie konnte einen neuen Weg beschreiten, sicher nicht ohne Schwierigkeiten, aber sie hatte Leute, die sie auffangen würden. Nur wie sie es schaffen würde, von ihrer Familie und ihrer Heimat getrennt zu sein, wusste sie noch nicht so recht. Aber ihr würde nichts anderes übrig bleiben, mit dem Gedanken freundete sie sich besser ganz schnell an. Ihrer Mutter hatte sie eben schon eine SMS geschrieben, wo sie war, und dass es ihr gut ging, hatte danach jedoch ihr Handy auf lautlos geschaltet. Noch traute sie sich nicht, sich ihrem alten Leben zu stellen.
Plötzlich fiel ihr ein, dass sie noch einen Besuch zu machen hatte. „Sag mal, wo finde ich Jubilee, also, die Frau, die bei euch am Telefon sitzt? Sie hat mir eure Adresse gegeben.“
Jean lachte leise. „Jubilation Lee meinst du. Codenamen sind hier Gang und Gebe. Jubilee ist eigentlich Schülerin hier, sie hat letztens nur ein paar Mal unsere eigentliche Sekretärin vertreten, die schwer krank ist. Sie ist noch im Unterricht. Möchtest du mit ihr sprechen? Dann schicke ich ihr eine kurze Nachricht, dass sie sich bei dir melden soll.“
„Bitte“, nickte Katja und wandte sich dann wieder ihrer größten Tasche zu, nahm kopfschüttelnd ihre Reithose heraus. Was hatte sie eigentlich gestern in ihrer geistigen Umnachtung für Unsinn eingepackt?
„Hey, was seh ich denn da?“, ließ sich Jean noch einmal vernehmen. „Sag das doch gleich, Katja!“
„Was?“ Verwirrt drehte sie sich um.
„Jetzt weiß ich, wie du dir die Zeit vertreiben kannst. Komm mit. Auspacken kannst du später immer noch.“ Jean zog sie grinsend mit sich.
„Wie du meinst.“ Katja schloss das Zimmer gar nicht erst ab, obwohl sie einen Schlüssel bekommen hatte. Soviel Wertgegenstände hatte sie nicht, sie hatte immer ein eher einfaches und bescheidenes Leben gelebt. Und wenn in diesem Haus jemand irgendwo hinein wollte, kam er sicher auch rein... „Jean, tust du mir einen Gefallen?“
„Was denn?“
„Nenn mich Flashwind.“ Obwohl sie sich reichlich komisch vorkam, wie in einem schlechten Fantasyfilm, schaffte Katja es, nicht verschämt zu Boden zu schauen. Wenn Codenamen schon mal irgendwo in Mode waren… So brauchte sie sich wenigstens nicht ständig über ihren eigenen Namen zu ärgern. Und irgendwie passte ein neuer Name auch zu diesem neuen Leben, in das sie da gerade völlig unvorbereitet hineinrutschte.
Jean hob eine Augenbraue bis zum Ansatz. „Flashwind.“
„Genau.“ Wieder fühlte Katja diese verhasste Hitze in ihre Wangen steigen. Dass sie aber auch manchmal genau in den unpassendsten Momenten so unsicher sein musste… Das sollte sie besser schnell ablegen, wenn sie in einem ganzen Haus voller Jugendlichen leben wollte.
„Bin ich eigentlich die einzige in diesem ganzen Anwesen, die kein Problem mit ihrem richtigen Namen hat?“, sinnierte Jean amüsiert.
Katja zuckte mit den Achseln. „Ich hab kein Problem damit. Aber wenn noch einmal einer von euch ‚Katja’ so falsch ausspricht, bekomme ich nervöse Zuckungen.“
„Das ist ein Argument“, gab Jean lachend zu. „Flashwind also. Willkommen in der Mutant High.“
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