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von annamolly
erstellt: 30.11.2008
letztes Update: 24.07.2011
Geschichte, Allgemein / P18 Slash
(abgebrochen)
Nina und Flo haben mich tatsächlich trotzdem aufgenommen, so dass ich eine Woche später in meinem Zimmer bei meinem Opa sitze und die Sachen, die ich überhaupt ausgeräumt habe, wieder zusammenpacke.
Der Rest meiner Sachen steht, in Kisten und Kartons verpackt, unten im Keller, zusammen mit meinen Möbeln. Also, denen, die ich von zu Hause mitgenommen habe, was nur mein Bett, mein Schrank und ein Regal sind.
Einen neuen Schreibtisch, einen Stuhl dazu, ein weiteres Regal und einen Sessel will ich mir noch kaufen, wenn ich mein erstes Gehalt habe oder im November, nach meinem Geburtstag, wenn ich genug Geld dafür habe.
So lässt es sich ja auch erst einmal leben.
„Na, Felix?“ Mein Opa lehnt im Türrahmen und sieht zu mir, der ich auf dem Boden sitze und meinen Kram, der dort verteilt liegt, zusammensuche und ihn in eine Kiste packe, nach unten. „Bald fertig?“
Ich lege die zwei CDs, die ich gerade in der Hand habe, in die Kiste und sehe dann zu ihm nach oben. „So weit, ja. Die Sachen hier noch, das sollte alles in die Kiste passen, dann bin ich fertig.“
„Freust du dich?“, fragt er weiter.
Was für eine Frage – ich komme endlich von dem kreischenden Hahn weg, der mir meinen Schlaf raubt. Natürlich freue ich mich. Und auch sonst… Nina und Flo scheinen mir einfach supersympathisch, nett und weltoffen. Nach dem ersten Schockmoment sind sie vollkommen locker mit meiner Sexualität umgegangen.
Bin ich schon ganz froh drüber. Ich habe da schon wesentlich negativere Erfahrungen gemacht und bin wirklich froh, dass die beiden so positiv reagiert haben, da ich es echt schade gefunden hätte, wenn das mit dem Zimmer nicht geklappt hätte.
„Ja, Opa, ziemlich“, meine ich dann und nehme meine Arbeit wieder auf, lege die zwei Bücher, die ich in den letzten vier Wochen, die ich hier gelebt habe, gelesen habe, noch in die Kiste und ein paar Notenhefte, dann mache ich sie zu. „Nina und Flo sind echt nett und das Zimmer ist super.“
Mein Opa nickt und seufzt leise. „Na dann, das ist schließlich das Wichtigste. Aber du weißt, dass du immer hier vorbeikommen kannst, wenn du willst.“
„Sicher, Opa. Werde ich auch machen.“
Ich rapple mich auf, lege meine Gitarre noch auf die Kiste und gehe dann erst einmal zu meinem Opa hinüber, um ihn zu umarmen. „Danke, dass ihr mich aufgenommen und so lieb umsorgt habt.“
„Keine Sache“, murrt mein Opa und macht sich wieder los. „Der Umzugstransporter sollte jeden Moment da sein, bring’ die Kiste und deine Tasche schon mal nach unten, dann holen wir den Rest aus dem Keller.“
*
Etwa eine Stunde später parkt mein Großvater den Transporter vor meinem neuen zu Hause und stellt den Motor ab, sieht sich um und nickt schließlich. „Ja, ich kann verstehen, wenn es dir hier gefällt.“
Ich grinse nur leicht und springe dann aus dem Wagen, um die Kofferraumtüren hinten zu öffnen. Schnappe mir eine nicht allzu schwere Kiste und drücke sie meinem Opa in die Hand, denn auch wenn der erst Anfang 60 ist und eigentlich noch topfit, muss er es ja nicht gleich übertreiben.
Selbst bewaffne ich mich ebenfalls noch mit einem Karton, dann gehen wir zum Haus hinüber und ich klingle, stelle dabei wohlwollend fest, dass Nina und Flo schon ein neues Klingelschild angebracht haben, auf dem nun auch ich mit einem „F. Petersen“ verewigt bin.
Flos Stimme fragt durch die Gegensprechanlage, ob ich’s bin, und ich verneine augenrollend, drücke die Haustür wenig später mit meinem Rücken auf und lasse sie einrasten, damit wir es gleich leichter mit dem Hochtragen haben.
An der Wohnungstür werden wir schon von Flo begrüßt, der uns hereinlässt, damit wir die Kisten gleich in meinem neuen Zimmer abstellen können. „Was hältst du davon, wenn wir zwei uns erst mal um die Möbel kümmern und dein Opa mit Nina eine Kaffeepause macht?“
„Klingt gut“, meine ich und bin ganz dankbar, dass Flo den Vorschlag macht, denn so, wie ich meinen Opa kenne, hätte der jetzt ernsthaft darauf bestanden, mit mir die schweren Sachen nach oben zu schleppen.
So bleibt’s mir erspart, ihn darauf aufmerksam zu machen, und ich schiebe ihn Richtung Nina, die auf dem Flur steht und freundlich lächelt. „Ihr könnt ja ein wenig quatschen und so“, meine ich und beuge mich dann zu Ninas Ohr, um hineinzumurmeln. „Erzähl’ ihm ja nichts davon, dass ich schwul bin. Er ist katholisch und stink konservativ.“
Nina runzelt die Stirn, ich hebe nur die Schultern und schiebe die beiden dann in die Küche. Mein Opa ist so ziemlich der Einzige, dem ich noch immer etwas vormache, weil ich einfach Angst habe, dass er es nicht gut aufnimmt. Und er ist mir eigentlich zu wichtig, als dass ich es mir mit ihm verscherzen wollte.
Auch Flo sieht mich stirnrunzelnd an, aber ich winke ab. „Frag nicht und lass uns an die Arbeit gehen.“
Ich höre noch, wie mein Opa zu Nina meint, dass er der Victor sei und nicht Herr Petersen, bevor ich mit Flo auch schon zur Tür raus bin und mich seelisch und moralisch auf einen langen Vormittag einstelle.
*
„Danke, Opa“, meine ich weitere Stunden später, als ich mich von meinem Opa verabschiede, der nun den Umzugstransporter zurückbringt und dann zurück auf den Bauernhof fährt. „Ich komm’ das Auto dann morgen oder übermorgen abholen.“
Er nickt, schlägt die Fahrertür hinter sich zu und beugt sich etwas aus dem offenen Fenster zu mir. „Keine Ursache. Mach’s ma’ gut, Junge.“
Ich winke kurz, nehme dann die letzte Kiste, die ich auf dem Parkplatz abgestellt habe, und gehe dann wieder ins Haus, lasse die Haustür endlich hinter mir ins Schloss fallen, mühe mich noch einmal in den vierten Stock nach oben.
In meinem Zimmer stelle ich die Kiste ab und sehe mich um. Das Bett, den Schrank und das Regal haben Flo und ich schon aufgebaut, die Wände haben er und Nina Gott sei Dank vorgestern schon gestrichen, sie leuchten jetzt in einem leichten Grünton. Aber zum Großteil sieht man hier, wenn man reinkommt, erst einmal nur Kisten und Kartons, dazu meine Reistasche, die ich im Auto mit nach Bremen genommen hatte, da mein ganzes Zeug ja schon vor mir nach Bremen transportiert wurde und ich schon noch die ein oder anderen Klamotten in Düsseldorf gebraucht habe.
„Ist das alles, was du an Möbeln hast?“, fragt Nina, die nun hinter mich tritt und sich ebenfalls im Zimmer umschaut.
Ich wende mich zu ihr um, schüttle den Kopf und grinse leicht. „Nein, Gott, bestimmt nicht. Aber meine restlichen Sachen habe ich meinem kleinen Bruder vererbt, da war ich nur noch bedingt scharf darauf. Wenn ich erst mal meine ersten Gehälter und mein Geburtstagsgeld in der Tasche habe, Ende November, dann will ich mir noch ein bisschen was kaufen. So lange muss es ohne gehen.“
„Mittagessen“, ruft dann Flo aus der Küche, unterbricht unser Gespräch. Nina und ich sehen uns noch kurz grinsend an, dann folgen wir dem Lockruf und gehen zu Flo in die Küche, wo der Tisch schon gedeckt ist.
Einmal mehr sitzen wir zu dritt am Tisch, genießen den Kartoffelauflauf und löchern uns gegenseitig mit Fragen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das ein gutes Zusammenleben mit den zweien gibt. Wir verstehen uns ja jetzt schon recht gut, sind neugierig gegenüber einander und können gut zusammen lachen.
Ich fühle mich hier einfach wohl, sehe mich in meiner Entscheidung bestätigt. War eine gute Idee, meinem Bauch zu folgen und sofort hier einzuziehen.
„Sag mal, was hast du eigentlich vor, bis deine Ausbildung anfängt?“, fragt mich Nina, mit der ich zwanzig Minuten später abspüle, während Flo mit seinem Laptop am Küchentisch sitzt und uns mit halbem Ohr zuhört.
Ich trockne meinen Teller ab, stelle ihn dann auf die Ablage und hebe die Schulter. „Weiß nicht. Ein bisschen jobben, damit ich euch die erste Rate bezahlen kann, ein bisschen um die Häuser ziehen, Leute kennenlernen.“
„Na, wenn das so ist“, mischt Flo sich an. „Heute Abend? Immerhin können wir alle morgen früh ausschlafen, ist Sonntag.“
„Warum nicht?“, gebe ich zurück, hebe die Schultern.
Mir nur ganz recht, wenn mich die beiden am Anfang ein wenig unter ihre Fittiche nehmen und mich vielleicht auch in ihren Freundeskreis einführen. Das macht das Ganze gleich noch viel einfacher.
„Super, dann rufen wir noch ein paar Leute an, dann lernst du die gleich mal kennen und so weiter“, schlägt nun auch Nina vor – ich sag’ ja, dass wir wirklich auf einer Wellenlänge liegen – und lässt das Spülwasser ab. „Ich helf’ dir auch ein bisschen mit deinem Zimmer, dass du dann heute Nacht nicht über die ganzen Kisten und Kartons stolperst.“
Ich grinse nur, trockne noch das letzte Geschirr ab und hänge dann das Handtuch am Herdgriff auf. Nicke begeistert, ob des Vorschlages, mir zu helfen. Hilfe könnte ich wirklich, wirklich gebrauchen beim Ausräumen.
Also begeben wir uns in mein Zimmer und stürzen uns in die Chaosbeseitigung. Nina ist schwer beeindruckt von meinem Sammelsurium an CDs und Büchern. „Na ja, ich hat’ mir auch erst überlegt, vielleicht Musik, Deutsch und oder Sport auf Lehramt zu studieren, weil ich bin schon… ziemlich musikalisch und literarisch begeistert“, meine ich schulterzuckend. „Aber na ja, hab’ mich doch dagegen entschieden. Ich glaub’, Lehrer wäre echt nicht so mein Ding.“
„Jedem das Seine, ich bin mir auch noch nicht wirklich sicher, aber mein erstes Praktikum mit eigenem Unterricht habe ich schon hinter mich gebracht und es war eigentlich gar nicht mal so schlecht.“
Die Tür geht auf und Flo steckt seinen schwarzen Schopf herein. „Und das nennt ihr Arbeit, hm?“, fragt er mit einem Grinsen, bevor er mich direkt anschaut, etwas unsicher wirkt. „Sag mal, Felix, ist aber schon okay, wenn wir in ’ne… normale Disco gehen, oder nicht?“
„Wie jetzt? Ich dachte, ich zeig’ euch mal die rosarote Seite von Bremen“, erwidere ich, versuche wirklich, ernst zu bleiben, aber es fällt mir schwer.
Als Nina dann neben mir schon auf dem Boden liegt, Flos Gesichtszüge ein wenig entgleisen, da muss ich doch auch grinsen. „Mann, Flo, natürlich! Ich war zu Hause in Düsseldorf auch nur in normalen Discos!“
„Sehr lustig, Felix, wirklich! Mach’ mich nur weiter zum Depp und du kannst dir gleich ’ne neue WG suchen.“
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