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Geschichte: Freie Arbeiten
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/ Willkommen im Tod von Caprice Vaudeville
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von Amedea
erstellt: 30.11.2008
letztes Update: 03.12.2008
Geschichte, Drama / P18
(fertiggestellt, keine anonymen Reviews)
Ria und Julia hatten vor Aufregung kaum geschlafen, denn heute war der große Tag an dem sie Caprice Vaudeville treffen würden. Ria hatte in einem Preisausschreiben zwei Freikarten und Backstagepässe für das Konzert in Berlin gewonnen und nun befanden sie sich im Zug auf dem Weg in die Großstadt. Ria blättere in einer Musikzeitschrift , dann hielt sie ihrer Freundin das Foto von Caprice Vaudeville entgegen. Es zeigte die Band und ihren Leadsänger Caprice ganz in schwarz gekleidet in einem völlig weißen Raum auf weißen Sofas sitzend. Daneben war ein Interview mit der Band abgedruckt.
„Sieht er nicht toll aus ?“ schwärmte sie und tippte mit ihren schwarz lackierten Fingernägeln auf Caprice.
Julia kannte Ria aus der Schule, sie beide besuchten die 12. Klasse des Goethe- Gymnasiums und würden im nächsten Jahr das Abitur machen. Ihre Freundin war eher der flippige Typ, mit schwarz und rot gefärbten halblangen Haaren, Nietenarmbändern und einem Zungenpiercing. Zum Abitur wünschte sie sich noch ein Tattoo und überlegte bereits, ob sie sich vielleicht ein Bild ihres Idols stechen lassen sollte.
Wenn sie beide zusammen durch die Straßen gingen, ernteten sie nicht selten eigenartige Blicke, doch Ria genoss es, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu lenken. Julia war ihr genaues Gegenteil, unscheinbar, meist in dunkle Hosen und helle Blusen gekleidet , was Ria zu dem Spitznamen „Bankalien“ inspirierte. Julia fand das nur eingeschränkt komisch, aber ihre Freundin meinte es ja nicht böse, schließlich konnte ja nicht jeder so cool sein wie Ria Niedernhausen.
Sie sah sich das Foto genauer an. Der Sänger trug einen schwarzen Frack mit Zylinder und schwarzen Handschuhen. Sein ebenfalls schwarzes , lockiges Haar fiel ihm bis über die Schultern, was sein schmales, eher feminines Gesicht betonte. Das Ungewöhnliche an seiner Kleidung war jedoch das zerfetzte und mit „Blut“ bespritze helle T-Shirt , welches an den Seiten nur von Sicherheitsnadeln zusammengehalten wurde. Außerdem trug er ein schrilles, an Marilyn Manson oder Alice Cooper erinnerndes Make-up. Julia begeisterte sich mehr für klassische Musik , aber ihrer besten Freundin zu liebe hörte sie sogar Emorock.
„Ich habe gehört, der soll schwul sein.“
„Ach so ein Quatsch, aber wir werden ihn ja treffen, da können wir es ja mal testen ...“, lachte Ria.
Der Wecker klingelte pünktlich um 15.oo Uhr. Ohne die Augen zu öffnen schaltete ihn Caprice aus. Mit der anderen Hand griff er nach der Whiskey Flasche auf seinem Nachtisch. Es war so schrecklich hell und sein Kopf drohte jeden Moment zu explodieren. Er hatte sich noch nicht an diese Zeitzone gewöhnt und die Party dauerte bis in die frühen Morgenstunden, so dass er nur wenig Schlaf bekam. Nach einem kräftigen Schluck fühlte er sich viel besser. Wo war er noch gleich ? Berlin. Heute Abend würde er in Berlin vor 20.000 Fans auftreten. Seine neue Single war auf platz Eins der Charts, wie ihm sein Manager am Telephon
mitteilte , doch statt in euphorischen Jubel auszubrechen, nickte Caprice nur und legte den Hörer wieder auf. Es wurde Zeit, sich anzuziehen.
Gegen Acht Uhr standen Ria und Julia in der Menge vor der Bühne und warteten ungeduldig auf den Konzertbeginn. Das Publikum tobte vor Begeisterung und gespannter Erwartung, doch wo blieb Caprice ?
Der Star der Show ging in seiner Garderobe unaufhörlich auf und ab. Zwischendurch unterbrach er seine unruhige Wanderung, um einen weiteren Schluck aus der Whiskeyflasche zu nehmen. „Alles ok, alles in Ordnung“, wiederholte er wie ein Mandra „Ganz ruhig, Caprice, du hast das schon hundertmal gemacht, warum sollte es diesmal schief gehen ?“
Dann zog er langsam sein Kostüm an, welches säuberlich gefaltet auf der Schminkkommode vor ihm lag, Hemd und Hose, Frack und Zylinder, Handschuhe und Fliege. Mit zitternden Händen schloss er die Knöpfe des Hemdes und zog den Reisverschluss seiner Hose zu. Er hielt kurz inne, um einen weiteren Schluck aus der Flasche zu nehmen. „Alles ok, alles in Ordnung“. Für einen Moment schloss er die Augen , es war fürchterlich heiß und stickig in dem Raum. Als nächstes setzte er sich an die Kommode vor den Spiegel und begann sein Make-up aufzutragen. Er musste sich sehr konzentrieren, um den Pinsel ruhig zu führen ohne etwas zu verwischen, während er mit der freien Hand sein üppiges, langes Haar zurück hielt. Sein Atem ging in flachen Zügen, sein Puls raste und ihm war zu heiß. Plötzlich wurde ihm übel, er warf den Pinsel auf die Kommode und stürzte mit auf den Mund gepresster Hand in Richtung Toiletten.
Ria stieß Julia an, als das Licht gedämpft wurde. Das Publikum tobte , als er die Bühne betrat. Die Show begann und Caprice sah blendend aus. Er tanzte, sang und hantierte mit einer Schlange. Die Zeit verging wie im Flug.
Beim letzten Lied kniete er mit gesenktem Kopf im Lichtkegel eines Scheinwerfers auf der Bühne und sang.
„I´m working for your love, that´s the only payment I accept , I´m working just for you , It is all for you, anything I do; I do it just for you…Nobody can see it in my eyes, that every singel moment a part of me dies…You don´t want to know what I really feel, so I smile, but inside I cry…my silent scream is never heared …so I say goodbye… ” Als er den Kopf hob, konnte man Tränen auf seinen Wangen glitzern sehen.
Er schluchzte hörbar, seine Schultern bebten , doch er sang mit brüchiger Stimme weiter. „So this is goodbye and don´t cry for me , I got to break the vicious circle with a bang…” Ein zweiter Scheinwerfer beleuchtete nun eine Ecke der Bühne, in der eine Badezimmerkulisse bestehend aus einer gekachelten Wand, einer Badewanne mit Vorhang und einem Waschbecken aufgebaut war. Caprice ging in dieses „Bad“, nahm in der Wanne platz und sang „Now, I got to go, don´t miss me, when I´m gone…” Er griff unter die Wanne und präsentierte dem Publikum einen Föhn und steckte den Stecker in die Steckdose der Wandkulisse. Dann ließ er ihn symbolisch in die Wanne fallen.
Sein Körper wurde von Krämpfen geschüttelt, bis er bewusstlos in die Badewanne sank. Das Licht auf der Bühne erlosch.
Ria lag Julia schluchzend in den Armen. Sie versuchte ihre Freundin zu beruhigen, indem sie sie umarmte und ihr über den Rücken streichelte.
Auf der Bühne gingen die Scheinwerfer erneut an und man sah eine Schar als Engel verkleidete Tänzerinnen, die Caprice, ganz unmagisch, durch Erste- Hilfe- Maßnahmen wiederbelebten. Am Ende verneigten sich alle Darsteller vor dem Publikum.
Ria und Julia applaudierten begeistert.
„Das war ein so geiles Konzert,“ freute sich Ria nachher im Flur der Konzerthalle. Julia nickte. „Der Typ war besser, als ich erwartet hatte.“
„Aber wie kommen wir nun zu seiner Garderobe ?“ Beide Mädchen sahen sich im Foyer um.
Dann entdeckten sie einen Gang , der von zwei Sicherheitsleuten bewacht wurde. Dort mussten die Garderoben sein. Zielstrebig eilten sie in diese Richtung.
Caprice saß an der Schminkkommode in seiner Garderobe und lehnte sich zurück. Der Applaus und der Jubel hallten noch immer in seinem Gedächtnis nach. Seine Augen waren geschlossen, diesmal umspielte kein zufriedenes Lächeln seine Mundwinkel. Hiermit verglichen sollte Sex kalter Kaffee sein, doch er empfand Nichts.
Sein Handy klingelte. Immer noch genervt nahm er den Anruf entgegen.
„Hey, Caprice, du hast besuch, hier sind zwei Mädels, die Backstagepässe gewonnen haben. Kann ich sie dir rüberschicken ?“ Caprice erkannte die Stimme als die von Frank, dem Chef des Sicherheitsdiensts.
„Ja, schick sie rein, ich bin soweit.“
Er genehmigte sich noch schnell einen Drink aus der inzwischen halb leeren Whiskeyflasche , bevor er sie hinter dem Mülleimer unter dem Tisch versteckte. Noch schnell ein Pfefferminzbonbon, dann war er bereit für seine Fans.
Jemand klopfte zaghaft.. „Kommt rein !“, rief er gutgelaunt in Richtung Tür.
Vorsichtig traten Julia und Ria, beide nun in Jeans und Bandshirt gekleidet, ein.
„Oh mein Gott, ich glaube es nicht, sie sind es wirklich !!!“, kreischte Ria. Sie hüpfte vor Begeisterung auf und ab.
„Kann ich ein Autogramm haben ?“, fragte Julia eher schüchtern.
Caprice lächelte. „Na sicher, was soll ich denn signieren ?“ Sofort kramt Ria einen Stift und zwei Cds seines neuen Albums aus ihrer Handtasche. „Bitte hier für uns beide , ich heiße Ria , sie Julia.“
Caprice lächelte und schrieb seinen Namen und ein Widmung auf die Cds.
„Dürfen wir auch Fotos machen ???“
„Klar, kein Problem.“
Blitzschnell hatte nun Ria ihre Kamera gezückt und schob die überraschte Julia auf Caprices Schoß. „Bitte lächeln !!!“rief sie fröhlich und schon waren beide in ein Blitzlichtgewitter getaucht, dass jeden Paparazzo hätte alt aussehen lassen..
„Wollt ihr was trinken ?“, fragte Caprice und deutete auf die Flasche Sekt auf seiner Kommode, die ihm nach der Show als Geschenk überreicht worden war. „Ihr seit doch schon 18 , oder ?“
„Ja, klar,“ nickten beide eifrig.
Er öffnete kurzerhand die Flasche und hielt sie Ria entgegen. .
„Ich habe aber leider keine Gläser, geht das auch so ?“
„Kein Problem,“ grinste sie und nahm einen Schluck. Der Typ war ja richtig cool drauf.
Dann reichte sie die Flasche an Julia weiter, die auch einen Schluck trank. Nun war Caprice an der Reihe , worauf noch einige Runden folgten, bis die Flasche fasst leer war.
„Ihr seit so süß, ihr beiden.“
Plötzlich fühlte Julia seine Zunge an ihrem Hals. Caprice leckte an ihrem Nacken hinauf, während Ria weiter fotografierte
Der Alkohol entfaltete immer deutlicher seine Wirkung. „Willst du mal wirklich scharfe Bilder machen ?“, kicherte Caprice. Ria lachte ebenfalls.
tbc
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