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von Aelphaba    erstellt: 22.11.2008    letztes Update: 23.10.2009    Geschichte, Allgemein / P18 Slash    (abgebrochen)
Glinda and Chuffrey



„Glinda, meine Gute! Du siehst heute wieder bezaubernd aus!“ Lord Chuffrey saß zufrieden und dick an der Tafel im Speisesaal und winkte seine Frau zu sich heran, bevor er wieder herzhaft in ein Brötchen biss.

Glinda nahm ihm gegenüber Platz, ihr bauschiges Kleid knisterte, als es unter dem Tisch zusammengestaucht wurde. Eine Dienerin trat heran und goss ihr duftenden Tee mit einem großen Schuss Sahne ein. „Wie war die Nacht, mein Lieber?“, fragte Glinda mit einem aufgesetzten Lächeln.

Chuffrey hatte bereits zu Beginn ihrer Ehe darauf bestanden, dass sie getrennte Schlafzimmer haben würden. Und daran hatte sich bis heute nichts geändert. Glinda beschwerte sich nicht darüber. Aber was sie zuweilen schmerzte, wenn sie es zuließ, war ihre Einsamkeit. Eine alte Einsamkeit deren scharfe Kanten im Lauf der Jahre stumpf geworden waren. Sie wusste, dass es Chuffrey unendlich leichter fiel, seine Einsamkeit zu füllen.

Sie strich mit einem Finger abwesend über das Messer neben ihrem Teller. Die Besteckgarnitur war eine sündhaft teure Anfertigung aus dem Glikkus. Der metallene Griff war mit Grün und Gold emailliert. Die Farben umschlangen sich gegenseitig und schienen ineinander zu verschmelzen. Am Griffende jedes Besteckteils war ein beachtlicher Smaragd eingelassen, der in seiner Mitte fast schwarz schimmerte. Unergründlich und undurchdringlich wie die Augen, die sie einst gekannt hatte. Hatte sie sie gekannt?

Chuffrey entschied sich, ihre Frage zu ignorieren. „Ich muss heute früh aufbrechen um in der Smaragdstadt einige Dinge zu regeln.“ Glinda verzog den Mund. „Ich weiß, du bist nicht gern in der Hauptstadt, deswegen musst du auch nicht mitkommen“, versuchte Chuffrey sie aufzumuntern.

„Es ist nicht so, dass ich ungern in der Smaragdstadt bin, ich hasse sie einfach. Sie ist eine Theaterkulisse. Mit größenwahnsinnigen Gebäuden die geschmacklos und ohne jeden Sinn für Geschichte zusammengewürfelt sind. Und erst die Einwohner!“ Glinda stach kraftvoll in ihr Brötchen, als sie es aufschnitt. „Vergnügungssüchtig und dumm folgen sie jeder Propaganda unseres großartigen Zauberers.“

Chuffrey lachte über ihren Spott. Es klang, als würden Steine einen felsigen Hang herabrollen. Aus seinem Mund rollten unbemerkt kleine Speisereste auf den Tisch. „Ärgere dich nicht, meine Gute! Er weiß die öffentliche Meinung zu lenken. Aber das wird ihm nicht für immer gelingen. Die Unzufriedenheit wächst von Woche zu Woche. Menschen können nicht für immer in Sklaverei gehalten werden. Jeder Tyrann wird früher oder später von einer Revolution hinweggefegt. Bis dahin müssen wir unsere Masken bewahren und mit dem Geld, das wir haben und dem Guten, das wir tun können, den Widerstand unterstützen.“

„Diese Revolution frisst ihre eigenen Anhänger. Sie lässt mir nichts übrig, das Liebe geben oder empfangen kann...“ Die Einsamkeit sprang hervor und überfiel sie wie ein gefräßiges Tier.                                                                                                                                                                                                                                    

Chuffrey ergriff ihre Hand. „Sorge dich nicht um mich. Ich habe Vertraute, die auf mich aufpassen.“

Glinda hob argwöhnisch den Kopf. „Reist du wieder mit deinem Reitmeister?“

Chuffrey lächelte seine Frau an und überdachte eine Weile seine Worte. „Meister Shell hat eine beachtliche Größe für einen Munchkin. Aber sage mir, während ich abwesend bin, wirst du die Gelegenheit nutzen um zur Hexe des Ostens zu reisen?“

Glinda warf ihm einen nachdenklichen Blick zu, den er nicht deuten konnte. „ Ich finde es erstaunlich, wie viel sie doch mit ihrer Schwester gemeinsam hat, trotz ihrer augenscheinlichen Unterschiede. Aber lass mich dir eines sagen,“ Glinda lächelte. „sie hat eine Standhaftigkeit um die jeder Mann sie beneiden muss.“
 
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