Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
«
 
von Zwiebelfisch    erstellt: 16.10.2008    letztes Update: 23.03.2009    Geschichte, Humor / P6    (abgebrochen)
Ich bin's wieder. Hab mich lange nicht gemeldet, würde gerne behaupten, ich hatte zu viel Stress an der Uni, aber lest selbst...
________________________________________________________________________________

Achja, das Bachelorsystem. Bachelor mit e. BachElor. Habt ihr auch Leute in eurem Umfeld, die theoretisch der englischen Sprache mächtig sind und trotzdem dank ihrer überkorrekten Sprechweise dieses erwähnte e mit aussprechen. Und dabei immer diesen komischen Gesichtsausdruck haben, als wüssten sie, dass es eigentlich total bescheuert klingt was sie da gerade sagen, aber zu stur und zu überzeugt von sich selbst sind um einfach Bachelor zu sagen. Ohne das e. Einfach nur Bachelor.

Harte Worte für eigentlich nicht erwähnenswerte Kleinigkeiten. Aber nach 44 Tagen Semesterferien kann man schon mal leicht in Rage geraten. Und sie sind ja noch nicht zu ende. Es kommen noch zwei Wochen. Wenn man also bedenkt, dass man als Ottonormalstudent im Sommer auch nochmal drei Monate Ferien hat, macht das insgesamt so pi mal Daumen fünf Monate Ferien. Wie im allgemeinen bekannt ist, hat das Jahr zwölf Monate. Nach Adam Ries macht das insgesamt nur sieben Monate Studium. Weiterhin hatte ich in meinem ersten Semester pro Woche 18 Semesterwochenstunden. Eine Semesterwochenstunde entspricht 45 Minuten.

Meine Wohnung glänzt, ich bin permanent am kochen, backen, mit meinen Freunden Kaffee trinken und rauchen. Ohne Dampf kein Kampf. Ich gehe ins Fitnessstudio und wenn mein Freund von seinem Chemiestudium nach hause kommt, stehe ich in der Tür und hechele nach Aufmerksamkeit. Es ist peinlich. Es ist erniedrigend. Es ist ein einziges Trauerspiel. Und dabei heißt es doch immer mit der Umstellung auf das neue System würden Studenten nur noch unter Druck gesetzt und könnten sich ohne Kaffeinfusionen kaum noch auf den Beinen halten. Was sagt man als Geschichtsstudent dazu? Schön wär's!

Eigentlich bin ich ein recht freundlicher und umgänglicher Mensch. (Ich höre meine Freunde und Bekannten im Hintergrund vor Lachen vom Sofa fallen...) Aber diese permanente Unterforderung macht einen zum Wrack. Ich war deprimiert, antriebslos und trotzdem ich vor lauter Freizeit nicht mehr geradeaus gucken konnte, hab ich mich nicht mal auf meine Seminare und Vorlesungen ordentlich vorbereitet, während der Stunden Zeitung gelesen und mich nur nebenbei an Diskussionen beteiligt. (Ja, ich bin multitaskingfähig). Nichtmal Artikel oder Geschichten habe ich geschrieben, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich mich nicht genug mit der Uni beschäftige, während ich schreibe. Es gibt neben der allseits bekannten Überarbeitung auch die weniger bekannte völliger Unterforderung und wenn dazu auch noch ein Umzug, das völlig neue Zusammenleben mit dem Partner und die Trennung von Freunden und Bekannten hinzukommt, ist das ein eher unangenehmer Cocktail.

Es ist nicht wirklich lustig ein wandelndes Klischee zu sein. Lange schlafen, nichts zu tun, von den Eltern finanziert, ein Fach, das eigentlich niemand braucht...

Ich klinge jetzt wahrscheinlich wie eine der seltsamen Leute vom StuRa (StudentInnenrat – heutzutage ist es ganz wichtig das „Innen“ sehr stark zu betonen, damit man auch zeigt, wie feministisch, modern und aufgeschlossen man(n) ist. Es geht soweit, das man nicht mehr „liebe Mitglieder“ sonder „liebe MitgliederInnen“ sagt. In einem Aufsatz wurde mir doch tatsächlich angestrichen, dass ich „Historiker“ geschrieben habe und nicht politisch korrekt „HistorikerInnen“) wenn ich sage, dass das System noch einmal eine dringende Korrektur benötigt, zumindest im geisteswissenschaftlichen Bereich.

Im Sommersemester werde ich vier statt der geforderten drei Module belegen und trotzdem habe ich Mittwoch und Donnerstag so gut wie frei. Ich werde tanzen gehen, ins Fitnessstudio, mich mit meinen Freunden treffen, beim Student!, unserer Unizeitung, als freie Mitarbeiterin arbeiten, wie bisher. Donnerstag und Freitag werde ich es dank des Fahrradverbots in der Innenstadt (ja, die Stadt mit 27.000 Studenten hat ein Fahrradverbot. Wäre an sich kein Problem, was will man schon in der Innenstadt als Student, der sowieso kein Geld hat. Leider haben wir diverse Unigebäude in der Stadt, die wir natürlich aufsuchen müssen und wollen... Toll gemacht Leipzig, vielen herzlichen Dank!) nicht schaffen, in die Mensa zu gehen, da die halbe Stunde zwischen meine Veranstaltungen zu kurz ist. Vielleicht versuche ich die Stadt deswegen zu verklagen... (Nein, war nur ein Scherz.)

Im Oktober fange ich, wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, ein zweites, paralleles Studium an. Vielleicht bin ich mit zwei Bachelorstudiengängen ausgelastet. BachElor. Oder wie auch immer...
________________________________________________________________________________
Das wandelnde Klischee hätte gerne eine kurze Meinung zu seinem Leid... Liebe Grüße, Zwiebelfisch
«
 
Anzeigeoptionen|Review schreiben|Regelverstoß melden|★SocialBookmark
◄   Schriftgröße|Schriftart|Zeilenbreite|Ausrichtung|Zeilenabstand
◄   10px|12px|15px|17px|19px
◄   Times|Arial|Helvetica
◄   25%|50%|75%|100%
◄   Linksbündig|Blocksatz
◄   gering|normal|groß|sehr groß
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.3-6311