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von Depp    erstellt: 08.10.2008    letztes Update: 27.12.2011    Geschichte, Allgemein / P12    (in Arbeit)
X-Men 4: The War begins ... again



Kapitel 2: Totenklage




Disclaimer: Ja, ich vwerlange zwanzig Euro von jedem, der das hier liest, damit ich stinkreich werde. Nein? Na gut, dann gehört mir eben nichts außer meiner Geschichte und meinen eigenen Charakteren, ihr zahlt nichts (außer euren Reviews) und steinreich werden Bryan Singer und Co...



Kleine Anmerkung vorweg:

Zunächst eimal sorry, dass ich so lange brauchte um das nächste Kapitel zu posten, aber erstens wollte ich es erst posten, wenn ich damit zufrieden war und zweitens hatte ich viel zu tun... Als Zivi abreite ich 39 Stunden und privat hatte ich auch eine harte Zeit...

Vielen Dank für die tollen Reviews, satansbratn, ich hab dir doch versprochen, dass Storm ne wichtige Rolle spielen wird, freut mich dass es dir gefällt. Allerdings werden auch die anderen Mutanten nicht zu kurz kommen.
Crazy Kenny, auch über dein Review habe ich mich sehr gefreut, Lob hört man immer gerne, nur wie kommst du drauf, dass der Grund für Logans Verspätung blau ist? ... Versteh ich nicht...
Vielen Dank auch für die Favoriteneinträge, ich bitte nur darum, dass auch ihr mir Reviews schreibt, davon lebt ein Autor auf fanfiction.de...
Satansbratn, noch ein Wort zu dir, nachdem ich deine Mail gelesen habe... Vielen Dank! Dafür, dass du diese Geschichte liest, dafür dass sie dir gefällt, dafür dass du reviewst und vor allem danke für die Aufforderung, weiterzumachen, ich hab das gebraucht... Hoffe dir gefällt das Kapitel, auch wenn diesmal nicht so viel Storm vorkommt, aber ich muss die anderen ja auch mal zu Wort kommen lassen.

Ich habs ja schon mal gesagt, ich höre jedes Review gerne, Kritik, Anregungen, Ideen... Wenn ihr keint dass was zu kurz kommt... Ich würde gerne versuchen es euch recht zu machen aber dazu müsst ihr mir Bescheid sagen...

So und jetzt noch eine kleine Warnung am Anfang, dieses Kapitel wird ziemlich viel Drama enthalten, tut mir Leid, wenn es euch nicht gefällt, aber ich musste das einfach schreiben...

Und nun viel Spaß!






                                                   ~ - ~






Sie war allein, als die Sonne aufging. Sie war es in den letzten Jahren schon unzählige Male gewesen, und eigentlich hatte ihr das nie etwas ausgmacht. Doch heute war es anders. Zumindest wusste sie, warum sie alleine war. Und sie wusste, dass sie nicht alleine bleiben würde. Er hatte ihr versprochen, zurückzukommen. Und sie wusste, er würde es auch tun. Besonders nach dem, was in der letzten Nacht passiert war. Die letzte Nacht hatte ihr Leben vollkommen verändert, hatte ihr etwas zurückgebracht, das sie vor langer Zeit verloren hatte. Und deshalb machte es ihr nicht allzu viel aus, alleine zu sein.

Doch wie auch immer, eines, das war ihr klar: Wenn man morgens alleine war, hatte man viel Zeit. Zeit zum nachdenken. Und so dauerte es nicht lange, bis ihre Gedanken zu wandern begannen. Das erste, was ihr in den Sinn kam, war wie sie die letzten Jahre verbracht hatte, was sie getan, was sie verbrochen hatte. Und mit wem sie den Großteil ihrer Zeit verbracht hatte. In der Vergangenheit  hatte sie Fehler gemacht, große Fehler, und die Erinnerungen daran waren zu schmerzhaft, um länger bei ihnen zu verweilen. Sie zwang sich, an etwas anderes zu denken.

Und da sie an etwas Erfreuliches denken wollte, war es ganz natürlich, dass sie ihre Gedanken zu der letzten Nacht lenkte. Stundenlang war sie in seinen Armen gestanden und beide waren sie damit zufrieden gewesen, in die Nacht hinauszublicken und die Gegenwart des anderen zu genießen. Sie hatten nicht mehr miteinander gesprochen, nachdem sie ihm ihre Geschichte erzählt hatte. Sie lächelte. Worte waren auch gar nicht nötig gewesen. Sie hatten sich auch so verstanden. Jetzt wünschte sie sich, sie hätten miteinander geredet, hätten besprochen, wie es mit ihnen weitergehen sollte, wie sie sich verhalten, was sie den anderen erzählen sollten. Denn es würde den Bewohnern der Mansion sicherlich auffallen, dass eine Frau die Nacht in Logans Zimmer verbracht hatte... Doch so waren sie nur dagestanden und hatten beobachtet, wie ein leichter Rotschimmer am Horizont den nahenden Sonenaufgang ankündigte.

Und dann war ihre friedliche Idylle durch einen Schrei gestört worden, der durch die Villa hallte. Sofort hatte Logan die Stimme, die da geschrien hatte, als die von Marie erkannt und auch sie hatte nicht viel länger gebraucht. Spätestens als sein Körper sich versteifte und er sie dann losließ, war es offensichtlich gewesen. Sie hatte sich umgedreht und ihn fragend angeblickt.

„Was machen wir jetzt?“

„Das war Ro... Marie! Ich ... ich muss zu ihr!“ Zögernd schaute er sie an, als würde er ihre Erlaubnis brauchen.

„Du glaubst doch nicht, dass ich dich aufhalten werde. Sieh nach, was passiert ist! Ich werde warten.“

Dankbar schaute er sie an, worauf er sich umdrehte und zur Tür hastete. Da fiel ihr noch etwas ein:

„Warte! Was wirst du ihnen sagen? Von mir, meine ich. Sie werden nicht gerade begeistert davon sein, dass ausgerechnet ich in deinem Zimmer bin.“ Sie machte eine Pause. „Vor allem Rogue.“

Er überlegte, doch sie konnte sehen, dass er mit seinen Gedanken eigentlich bereits bei ihr war. Sie seufzte. Dann sah er sie wieder an, Entschlossenheit stand in seinem Gesichtsausdruck:

„Gar nichts. Ich werde gar nichts sagen. Noch nicht. Bleib in meinem Zimmer!“ Und mit diesen Worten stürmte er aus dem Zimmer.

Worte waren noch nie seine Stärke gewesen, genauso wenig wie Pläne machen. Er sprang lieber in einen Kampf und entschied dann spontan, was zu tun war. Doch mit Spontanität war in dieser Situation nichts zu erreichen, das wusste sie. Irgendwann würde sie den Bewohnern der Mansion begegnen und dann würde sie eine Erklärung parat haben müssen. Und dafür musste sie sich mit ihm unterhalten.

Wie auch immer, ihr Gespräch war inzwischen drei Stunden her und sie hatte immer noch nichts von ihm gehört. Immer noch hatte sie keine Ahnung, was passiert war und seit dem Schrei Rogues hatte sie auch keine auffälligen Geräusche mehr vernommen. Eine seltsame Stille war in dem Gebäude eingekehrt. Sie hasste es, so im Dunkeln gelassen zu werden. Wenn sie ihre Fähigkeiten noch besäße, dann könnte sie wenigstens den Raum verlassen, sich unter die Schüler mischen, den Grund  für die ganze Aufregung erfahren. Ihr Magen knurrte. Und sie könnte sich endlich mal was zu essen besorgen. Doch leider war von ihrer Mutation nach wie vor nur eine kleine Stelle auf ihrem Nacken betroffen, das hatte sie schon vor einer Stunde bedauernd festgestellt, als sie sich im Spiegel untersucht hatte.

Langsam wurde sie wütend. Wie konnte er sie nur so lange warten lassen? Sie wusste, höchstwahrscheinlich war er bei Rogue und hatte einen guten Grund, sie warten zu lassen. Und sie war auch keine dieser Frauen, die ihren Freund die ganze Zeit um sich haben mussten, die ihm keinen Freiraum gönnten, die alleine nichts mit sich anzufangen wussten. Das war sie nicht und das wollte sie auch nie werden. Doch momentan war das anders, weil sie ohne ihn in diesem Zimmer eingesperrt war, denn sie wusste, wenn sie jemand erkennen würde (was zwar ziemlich unwahrscheinlich war, das gab sie zu), würde es ihr sehr schlecht ergehen und alleine hatte sie in ihrem Zustand auch keine Chance sich zu verteidigen.  Nein, sie hatte gar keine andere Wahl, als zu warten, und das ging ihr allählich auf die nerven. Wie der Wolverine liebte auch sie ihre Freiheit und war nicht gut im Warten. Sie grinste. Okay, vielleicht war sie besser als er, Logan hätte inzwischen wahrscheinlich schon das ganze Zimmer verwüstet...

Sie seufzte, als sie noch einmal auf die Uhr schaute. Dreieinhalb Stunden... Und währenddessen trieb er sich mit ihr herum... Nicht, dass sie eifersüchtig auf Rogue gewesen wäre. Oh nein, da stand sie drüber. Sie war viel zu gut, als dass er sie für ein Mädchen aus dem Süden verlassen würde. Auch wenn das Mädchen etwa achtzig Jahre jünger war als sie... Nein, nicht eifersüchtig. Außerdem wusste er, dass sie ihn umbringen würde, wenn er was mit einer anderen anfinge...

Sie war gerade dabei, sich zu überlegen, ob sie noch einmal nachschauen sollte, ob ihre Mutation weiter fortgeschritten war, als jemand die Tür aufriss. Erschrocken drehte sie sich um. Glücklicherweise trat nur Logan ins Zimmer, der nun die Türe mit dem Fuß zustieß. Er sah sehr mitgenommen aus,  als er sich aufs Bett fallen ließ. Langsam ließ sie sich neben seinem Kopf nieder und strich ihm beruhigend über die Haare. Ihr Ärger war verflogen, als sie ihn leise fragte:

„Was ist passiert?“

„Sie hat ihre Kräfte wieder.“

Sie nickte nur, wartete darauf, dass er von selbst fortfuhr.

„Bobby ist tot.“

Nach wie vor zeigte sie keine Reaktion. Stockend sprach er weiter:

„Er ... er war ihr Freund. Wegen ihm hat sie das Heilmittel genommen. Heute Nacht waren sie zusammen.“ Er machte eine Pause. „Ihre Kräfte sind wiedergekommen.“

Nun keuchte sie.

„Nicht allmählich wie bei dir, nein, bei ihr, der einzigen, die sie nicht kontrollieren konnte, mussten die Fähigkeiten vollständig wieder kommen. Sie hat ihn umgebracht, Rae.“

Nun rann eine einsame Träne ihre Wange hinab. Nicht nur, weil sie wusste, wie sich das Mädchen fühlen musste, bei dem, was sie alles getan hatte und immer noch hatte sie Schuldgefühle, wenn sie daran zurückdachte. Nein, die Träne kam vor allem daher, dass sie wusste, wie sich Logan  fühlen musste. Er war wütend. Wütend auf Xavier, dass er es nicht geschafft hatte, ihr beizubringen, ihre Haut zu kontrollieren, wütend auf die Leute, die das Heilmittel verkauft hatten, ohne zu sagen, dass die Wirkung nicht permanent war, und vor allem wütend auf sich selbst. Es dauerte eine Weile, bis sie das begriff, doch dann war es ihr sonnenklar: Er gab sich selbst die Schuld an dem, was passiert war!

„Ich hätte es verhindern können, Rae, ich hätte es verhindern können. Wenn ich nur gleich etwas gesagt hätte, als ich bemerkte, dass deine Mutation wieder zurückkam! Wenn ich nicht so verdammt zufrieden damit gewesen wäre, in deinen Armen zu liegen, wenn ich nicht so verdammt egoistisch gewesen wäre, dann wäre das alles nicht passiert!“

Sie verstand ihn, ihr ging das selbe durch den Kopf, auch sie hätte etwas sagen können. Aber sie war rational genug – schließlich hatte sie Bobby längst nicht so gut gekant wie er und auch Rogue war ihr bisher nur einige Male begegnet -, um zu verstehen, dass das nichts brachte. Und dass weder Logan noch sie noch sonst irgendwer etwas dafür konnte. Und dass der  Satz „Was wäre wenn...“ vollkommen sinnlos war. Doch sie wusste auch, dass es noch eine Weile dauern würde, bis Logan genügend Abstand hatte, um das ebenfalls zu begreifen. Bis dahin würde er trauern müssen. Und bei ihm zeigte sich seine Trauer eben darin, dass er wütend wurde, wie bei allem, mit dem er nicht umgehen konnte.

Vergessen war ihr Hunger, vergessen war die Frage, was sie den anderen erzählen sollten, als sie sich neben ihn legte und das einzige tat, das sie tun konnte, um ihm Trost zu spenden:

Bei ihm zu sein und ihm zuzuhören.








                                                    ~ - ~









Jeder Mensch geht mit Trauer unterschiedlich um, sagen die Leute immer. Das musste wohl richtig sein, dachte Storm, als sie an diesem Abend an ihrem Schreibtisch saß. Sie hatte es heute selbst erlebt, als sie die Schüler beobachtet hatte, nachdem sie von Bobbys Tod erfahren hatten. Sicher, sie wusste nicht so genau, was in ihnen vorging, wie es der Professor gewusst hätte, schließlich war sie ja keine Telepathin, aber sie war auch nicht blind. Und die Reaktionen der Leute waren so unterschiedlich ausgefallen wie es nur möglich war.

Logan war zunächst bei Rogue geblieben, hatte seine Kraft darauf verwendet, ihr Trost zu geben. Anschließend war er in seinem Zimmer verschwunden, wo man ihn nach einer Weile umherlaufen und herumschreien hörte. Ihr war klar, sie konnte sich schon darauf einstellen, sein Zimmer neu einrichten zu lassen. Aber so war Logan nun mal. Er hasste es, wenn er nichts tun konnte, wenn all seine Kraft und seine Unverwundbarkeit nichts nützten und er daher nicht in der Lage war, einem Freund zu helfen. Er war in dieser Situation dazu verdammt untätig zu sein, und das machte ihn rasend.

Außerdem hatte sie das Gefühl, dass er sich selbst die Schuld an dem gab, dass Bobby gestorben war. Sie konnte sich nicht erklären, warum, er hätte nichts tun können, um das zu verhindern, und keiner von ihnen hätte ahnen können, dass das Gegenmittel tatsächlich aufhören würde zu wirken. Und dennoch gab er sich die Schuld...

Sie hatte allerdings nicht mehr mit Wolverine reden können, sie hatte ihn seit der Früh nicht mehr gesehen, sie wusste nur, dass er sich seine Mahlzeiten aus der Küche geholt und sie alleine in seinem Zimmer verzehrt hatte.

Wie Rogue mit der Trauer umging, war ihr vollkommen unbekannt. Sie hatte keine Ahnung, was in dem Kopf des Mädchens vorging, sie hatte es von ihnen allen ja am Schlimmsten erwischt: Ihr Freund war gestorben, und sie war Schuld daran. Sicher, es war ein Unfall gewesen, doch das war nur ein schwacher Trost. Sie konnte sich nicht einmal ausmalen, was Marie im Moment durchmachen musste. Zu allem Überfluss hatte sie auch noch damit zu kämpfen, dass Bobbys Erinnerungen nun in ihrem Kopf herumspukten. Seit ihrem Schrei und dem gekreischten „Fass mich nicht an!“ hatte die junge Mutantin jedenfalls keinen Ton mehr von sich gegeben, hatte beinahe apathisch in Logans Armen gelegen, der sie sanft hin und herwiegte und beruhigend auf sie einredete. Irgendwann, Stunden später, Rogue starrte immer noch mit weit aufgerissenen Augen ins Leere und kein Glitzern in ihnen verriet etwas von dem Grauen, dasin ihrem Geist vor sich gehen musste, hatte Storm schließlich entschieden, dass es das Beste war, ihr ein Beruhigungsmittel zu geben. Schlaf ist das beste Heilmittel, hatte der Professor immer gesagt, auch für unser Gehirn. Vor allem für unser Hirn. Ororo hoffte, dass der Schlaf ihrem Hirn es immerhin erleichterte, damit fertig zu werden, dass plötzlich noch ene Persönlichkeit hineingepackt worden war. Dass er Rogue bei der Überwindung ihres Traumas helfen würde bezweifelte sie allerdings. Das würde wohl nur der beste Heiler der Welt, die Zeit, erreichen können.

Wo Rogue sich in sich zurückzog und ihre Gefühle in ihrem Inneren verschloss, da zeigte ihre Freundin Kitty sie so offen wie es nur ging. Den ganzen Tag lang hatte sie geweint, hatte von Bobby erzählt und von den Dingen, die sie gemeinsam getan hatten und die sie noch tun hatten wollen. Alles, das sie sah, jedes Zimmer, das sie betrat, jede Person, die mit ihr redete, brachte ihr neue Erinnerungen an ihren verstorbenen Freund und weitere Tränen. Zwei Stunden lang hatte Storm sich die Zeit genommen, mit ihr zu reden, wobei sie selbst eigentlich kaum gesprochen hatte. Wieder einmal hatte sie sich an einen guten Rat des Professors erinnert, der gesagt hatte, der beste Tröster brauche wenig Worte, sondern sei nur ein guter Zuhörer. Bobbys Tod schien Kitty mehr mitgenommen zu haben, als Ororo gedacht hatte. War ihre Beziehung etwa doch tiefer gewesen als die von Freunden? Eigentlich konte sie sich das kaum vorstellen, da sie Bobby nicht für jemanden hielt, der Rogue betrügen würde, doch man konnte ja nie wissen. Sie hoffte von ganzem Herzen, dass sie sich das nur einbildete, schließlich trug Rogue nun ja die Erinnerungen des jungen Mannes in sich und würde zutiefst verletzt sein, wenn sie so davon erführe, dass er sie betrogen hatte.

Wie auch immer, für Kitty wünschte sie sich, dass ihre Tränen möglichst schnell versiegen würden und dass sie bald schon wieder zu dem lebenslustigen Mädchen werden würde, als das man sie kannte. Das wünschte sich Ororo nicht nur aus Freundschaft zu dem Mädchen, nein, sie wusste auch, dass es für Shadowcat viel zu tun gab: Sie hatte immer noch viel über ihre Fähigkeiten zu lernen und in der derzeitigen Situation mussten die X-Men so gut trainiert sein wie nur irgend möglich. Ferner brauchte Jimmy, der neue japanische Schüler, dessen Mutation die Basis für die Entwicklung des Heilmittels gewesen war, ihre Hilfe. Irgendwie schien er sich an dem Mädchen einen Narren gefressen zu haben, er schien ihr zu vertrauen, immerhin war sie es gewesen, die ihn vor Juggernaught gerettet und aus der Anstalt befreit hatte. Fünf Mal war er heute bei Storm gewesen, so oft hatte sie ihn seit seiner Ankunft noch nicht gesehen, und hatte danach gefragt, wann seine Freundin Kitty zu ihm kommen würde und ob sie etwa böse auf ihn wäre. Storm hatte ihn nur ungern enttäuscht, doch ihr war klar gewesen, dass Kitty momentan nicht in der Lage war, Zeit mit Jimmy zu verbringen.

Doch so seltsam es auch klang, obwohl mit Kitty momentan absolut gar nichts anzufangen war, war sich Ororo dennoch sicher, dass sie es sein würde, die mit der Trauer schlussendlich am schnellsten und am besten fertig werden würde. Natürlich, ein gewisser Schmerz würde immer bleiben, und sie würde von Zeit zu Zeit auch wieder weinen, doch es war eine Tatsache, dass die Tränen irgendwann seltener kommen würden. Irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, würde sie fähig sein, zu lächeln, wenn sie etwas an Bobby erinnern würde, sie würde sich öfter darüber freuen, ihn gekannt zu haben, als dass sie darüber weinen würde, ihn verloren zu haben. Sie, die den Scmerz offen zeigte und ihren Gefühlen freien Lauf ließ, würde das Geschene wohl am schnellsten verarbeiten.

So gut befreundet und so ähnlich sich Kitty und Jubilee in manchen Dingen auch waren, so war die Art, wie Jubes mit der Situation umging, doch das komplette Gegenteil von der Kittys. Während Kitty weinte, lachte Jubilee. Sie lief gu gelaunt durch die Mansion und machte Witze, wobei sie tunlichst jedes Wort vermied und jedem Platz fernblieb, der sie an Bobby erinnern könnte. Während sich viele andere der Mutanten – Storm eingeschlossen – entschieden hatten, eine Weile schwarz gekleidet zu erscheinen (die Wetterfee trug allerdings schon seit Wochen Trauerkleidung, also war das nichts besonderes mehr), war das Mädchen nach wie vor nie ohne eines ihrer schreiend gelben Kleidungsstücke zu sehen. Ferner hatte sich Jubes förmlich in ihre Arbeit gestürzt, hatte immer wieder etwas neues zu tun gefunden, nur um nicht über das Geschehene nachdenken zu müssen. Sie war bemüht, den Eindruck zu erwecken, dass sie vom Tod Bobbys unberührt sei, und sie war sich nicht sicher, ob die anderen Mutanten ihr das glaubten, Storm wusste jedenfalls, dass dem nicht so war. Denn maanchmal, wenn etwas sie an den Iceman erinnerte, war ein kleiner Schatten in ihren Augen zu erkennen, den sie dann möglichst schnell durch eine lustige Bemerkung oder indem sie über etwas anderes nachdachte, zu vertreiben suchte. Und ganz selten, vor allem, wenn sie ihre Freunde weinen sah, konnte auch sie sich ein Schlucken nicht verkneifen, mit dem sie den aufsteigenden Kloß im Hals loszuwerden versuchte, genauso wie ein häufigeres Blinzeln, um die Tränen zu verscheuchen. In solchen Fällen verschwand sie meist ganz schnell und ohne etwas zu sagen, um in der Einsamkeit ihre Fassung wieder zu gewinnen.

Ororo wusste, Jubilee verdrängte das Geschehene nur, sie sperrte ihre Trauer und die tiefen Gefühle, die zweifellos auch sie hegte, in irgendeine Ecke ihres Bewusstseins, um dann den Schlüssel zu dieser Ecke möglichst weit wegzuwerfen. Was Ororo nicht wusste, war, warum sie das so machte. Sie konnte nicht begreifen, warum das Mädchen so reagierte und die Hilfe und den Trost ihrer Freunde nicht entgegennahm. Dachte sie etwa, sie müsse stark sein für ihre Freunde, dürfe keine Schwäche zeigen? Sie wusste es nicht. Oder war ihr Bobbys Tod vielleicht einfach nicht sonderlich nahe gegangen? Nein, das konnte Storm nicht glauben...

Was Ororo allerdings wusste, war, dass es ihr nicht gefiel, wie Jubilee mit ihrer Trauer umging. Sie wusste, Verdrängung führte zu nichts, im Gegenteil, seit sie den Professor getroffen und mit ihm zusammengearbeitet hatte, hatte sie gesehen welche Probleme, welche Schäden verdrängte Erlebnisse und Gefühle verursachen konnten, man brauchte sich bloß Logan anzuschauen, der seit Jahren nicht mehr richtig durchschlafen konnte. Und was das größte Problem war: Sie wusste, eingesperrte Gefühle würden immer stärker werden, irgendwann würde der Raum, den Jubilee ihnen in ihrem Unterbewusstsein reserviert hatte, zu klein werden und die Flut der Gefühle würde sämtliche Barrieren durchbrechen und dem Mädchen schreckliche Qualen bereiten. Über kurz oder lang würde das Mädchen schlimmer leiden, als die meisten anderen Freunde Bobbys. Dem Mädchen war das anscheinend nicht klar, und Ororo wusste, es war sinnlos, sie darauf hinzuweisen, außerdem fühlte sie, dass sie gar nicht das Recht dazu hatte, sie darauf hinzuweisen, schließlich hatte jeder das Recht, so zu trauern, wie er es wollte, und außerdem hatte die Lehrerin selbst genügend Probleme mit ihren eigenen Gefühlen.

Als letztem der engeren Freunde Bobys hatte Ororo auch Colossus ihre nähere Aufmerksamkeit gewidmet. Dieser schien tiefe Trauer zu empfinden, doch er schien keine Ahnung zu haben, wie er sie zeigen sollte. Den ganzen Tag über war er mit versteinerter Miene herumgelaufen, als hätte er seine Metallhaut getragen, und hatte kaum ein Wort gesprochen. Es gab Leute, das wusste Storm, die ihre Gefühle anderen nicht offenbaren konnten oder nicht offenbaren wollten. Der junge Mutant schien einer von diesen Leuten zu sein. Immerhin hatte er an diesem Tag sehr oft die Einsamkeit des Waldes gesucht, und Ororo konnte nur ahnen, dass er seinen Gefühlen dort freien Lauf gelassen hatte. So verschwitzt wie er meist nachhause gekommen war, war er wohl gelaufen bis zur Erschöpfung, hatte versucht die Trauer im Schmerz zu ersticken. Ororo wusste, wie schwer ihn der Tod des Iceman getroffen hatte, seit Pyros Überlaufen zur Bruderschaft hatten die beiden sehr viel Zeit miteinander verbracht und waren so etwas wie beste Freunde geworden. Doch trotz all dem war Storm sich ziemlich sicher, dass er bald wieder in Ordnung sein würde, er würde höchstens noch stiller werden als früher.


Und sie selbst? Bis jetzt hatte sie es vermieden, darüber nachzudenken, was sie empfand. Den ganzen Tag über hatte sie sich beschäftigt gehalten, hatte einen Schüler nach dem anderen getröstet und dabei möglichst wenig an sich selbst gedacht. Und auch jetzt, am Abend, als sie wieder einmal an ihrem Schreibtisch saß, hatte sie noch etwas zu tun. Bis jetzt hatte sie es vor sich hergeschoben, Bobbys Eltern von der Tragödie zu informieren. Sie wusste, eigentlich hätte sie das persönlich erledigen sollen. Doch angesichts des Hasses, den die Menschen derzeit auf die Mutanten hegten, war es wohl keine sehr gute Idee, wenn sie, eine der bekanntesten lebenden Mutanten der Welt, eine so weite Reise mit den normalen Verkehrsmitteln unternehmen würde (zumal da sich Bobbys Verwandte als eklatante Mutantengegner entpuppt hatten). Sie war sich zwar ziemlich sicher, sich im Falle eines Falles selbst verteidigen zu können, doch würde sie das kaum schaffen, ohne Unschuldige zu verletzen. Und das wollte sie auf gar keinen Fall. Es hatten schon genug Leute  gelitten. Außerdem wurde sie in der Schule gebraucht. Als die letzte Verbliebene der wirklichen Lehrer konnte sie sie derzeit unmöglich verlassen.

Auf der anderen Seite war Ororo ganz froh, eine Entschuldigung dafür zu haben, die Nachricht nicht persönlich überbringen zu müssen. Ganz allgemein fühlte sie sich in solchen Situationen immer hilflos und sie hatte keine Ahnung, was sie sagen sollte. Wie könnte man einer Familie auch schonend beibringen, dass ihr jugendlicher Sohn gestorben war? Die richtigen Worte dafür gab es einfach nicht, vor allem nicht wenn man dabei in die fassungslosen, verzweifelten Augen von Leuten schauen musste, für die eine ganze Welt zusammenbrach. Da war es doch viel einfacher, einen Brief zu schreiben oder? Doch auch das stellte sich als unglaublich schwierig heraus, denn auch da fand sie keine Worte, die hr nicht als zu plump, zu unbeholfen, nicht ehrlich genug erschienen wären.

Was sollte sie nur schreiben? Ahnungslos starrte sie auf den leeren Briefbogen vor ihr, die zerknüllten Blätter daneben ignorierend, die von den unzähligen vorhergehenden Versuchen zeugten, die fehlgeschlagen waren. Was konnte sie schreiben?

Und was fühlte sie selbst? Wenn sie tief in sich hineinhorchte, erschrak sie vor ihren eigenen Gefühlen. Sie fühlte ... nichts, oder zumindest nur sehr wenig. Auf jeden Fall hatte se nicht die tiefen Gefühle der Trauer, die sie eigentlich erwartet hatte, die sie eigentlich hätte haben sollen. Das lag keineswegs daran, dass sie noch nicht ganz realisiert hatte, was geschehen war, dass sie mmer noch dachte, Boby wäre nur verreist und würde irgendwann wiederkommen. Nein, er war für immer verschwunden, tot, das wusste sie, spätestens seit sie vergeblich den Puls an seiner Leiche gesucht hatte.

Teilweise lag es wohl daran, dass sie in letzter Zeit viel schlimmere Verluste zu verschmerzen gehabt hatte, dass Jean, Scott und der Professor ihr immer noch weitaus mehr fehlten, als sie beschreiben konnte und dass sie schrecklich um sie trauerte. Vielleicht war neben diesen überwältigenden Emotionen einfach kein Platz mehr für Trauer um Bobby, der ihr zugegebenermaßen bei weitem nicht so nahe gestanden war wie die anderen drei. Doch trotzdem, schalt sie sich, hätte sie etwas für ihn empfinden müssen! Warum nur trauerte sie nicht um ihn?

War sie etwa krank oder gefühllos, hatte sie vielleicht kein Herz? War sie etwa eine Egoistin, die damit zufrieden war, dass es ihr gut ging und die es nicht kümmerte, wenn ihre Freunde starben?  Nein, das konnte, das wollte, das durfte sie einfach nicht denken! Sie hatte ein Herz, sie hatte Emotionen, vielleicht sogar tiefere als alle anderen! Ihre Gedanken kreisten darum, wie sie den anderen helfen konnte, sie tat alles für sie! Sie sorgte sich um ihre Freunde!

Und wenn sie daran dachte, wie sie ihre Nächte sich grämend verbrachte, war der Gedanke, sie würde nicht trauern, sie würde keine Gefühle hegen, geradezu absurd!

Dass sie nicht so sehr um Bobby trauerte, wie sie erwartet hatte, lag vielleicht wirklich daran, dass er ihr nicht ganz so wichtig gewesen war, wie zum Beispiel der Professor. Dass sie den Gedanken leichter ertragen konnte, den Iceman nie mehr wieder zu sehen. Doch das war mit Sicherheit nicht der einzige Grund. Vielleicht musste sie das Zugeständnis, dass sie ihren Schutzbefohlenen eben noch gemacht hatte, auch sich selbst gewähren: Jeder Mensch ging mit seiner Trauer anders um. Und dass sie nicht so tief empfand wie die anderen oder dass sie ihre Gefühle nicht so zeigte wie die anderen, hatte nichts mit ihrer Freundschaft zu Bobby zu tun und auch nichts damit, ob sie seinen Tod bedauerte. Und erst recht hatte es nichts damit zu tun, ob sie in der Lage war, Gefühle zu empfinden!

Doch trotzdem, auch wenn sie sich rein rational vollkommen darüber im Klaren war, dass das richtig war, eine gewisses Nagen von Schuldgefühlen blieb. Sie schob sie beiseite, als sie sich daran erinnerte, dass sie immer noch keine Ahnung hatte, was sie an Bobbys Eltern schreiben sollte.

Eine bloße Beileidsbekundung schied aus, ebenso ein schlichtes Aufzählen der Verdienste Bobbys. Nein, etwas persönliches sollte es sein, das war sie Bobby schuldig, das hatte er verdient. Ein schwaches Lächeln umspielte ihren Mund, als sie sich daran erinnerte, wie er als ängstlicher Junge ind die Schule gekommen war, ohne Selbstbewusstsein und stets im Glauben, dass er krank war. Zu was für einem selbstsicheren jungen Mann er doch in den letzten Jahren herangereift war. Immer war er um das Wohl seiner Freunde besorgt gewesen, und Ororo hatte keinen Zweifel, was seine Freunde jetzt über ihn erzählen würden. Viele kleine Erinnerungen spielten sich vor ihrem inneren Auge noch einmal ab. Schließlich dachte sie an Bobbys unglaublichen Mut, und daran, dass er getan hatte, was nötig war, um seinen ehemals besten Freund aufzuhalten.


Ihr Lächeln wurde ein wenig breiter, als sie wehmütig darüber nachdachte. Da hatte sie ihre Antwort, nun wusste sie was sie schreiben sollte. Das machte es aber keineswegs einfacher.

Sie seufzte und began mit ruhiger Hand die erste Zeile.











                                                              ~ - ~











Der Raum in dem sich Magneto befand, war dunkel, so dunkel, dass das Weiße in seinen Augen direkt zu glühen schien. Seit Stunden saß er bereits hier, tief in Gedanken versunken und keinen Muskel bewegend. Die Metallteile, die er unbewusst gemächlich durch den Raum schweben ließ, waren ein deutlicher Beweis, dass seine Kräfte stärker wurden. Nicht mehr lange, sagte er sich, nicht mehr lange würde es dauern, bis er wieder über die alte Macht verfügen würde.

Doch so sinnlos Magneto seine Zeit für einen unwissenden Beobachter auch zu verschwenden schien, er war in den vergangenen Stunden keineswegs untätig gewesen. Sein Geist hatte in einer schier unglaublichen Geschwindigkeit gearbeitet, er hatte nicht aufgehört, Pläne zuschmieden, seine Truppen aufzustellen, die Armee aufzubauen, die er brauchen würde. Und nun wusste er, wie er den Krieg gewinnen würde.

„Doch dafür“, sagte er leise zu sich selbst, als er sich gemessen erhob, „brauche ich Hilfe.“












                                                         ~ - ~














So, wie gesagt, war ziemlich viel Drama diesmal, aber ich wollte auch mal schildern, wie die X-Men mit ihren Verlusten fertig werden... Das nächste mal kommtnicht mehr so viel, versprochen...

Übrigens, kann mir jemand verrate, wie Colossus heißt? Ich hab irgendwie nur Piotr im Kopf...

Kleine Anmerkung am Ende: Ich will euch jetzt noch einmal ein Geheimnis verraten: Autoren lieben Reviews! Also klickt den Button und schreibt mir, wie ihr meine Geschichte findet (Favoriten sind ja gut und schön, aber Reviews sind besser!)!


Besonders würde mich interessieren, ob ich die Charaktere einigermaßen getroffen habe...


Und zum Schluss noch eine kleine Vorschau auf das nächste Kapitel, damit es auch schön spannend bleibt:

Wie werden die Bewohner der Mansion darauf reagieren, dass Rae bei Logan übernachtet hat?
Wer ist Rae überhaupt? (Naja, ich gebs zu, das ist nicht schwer zu erraten...)
Und wie wird Rogue darauf reagieren?

Wie wird Bobbys Beerdigung ablaufen?

Wird Storm mit der Belastung fertig? (Himmel, hörte sich das wirklich an wie GZSZ oder ViB? Also Meine Geschichte wird nicht so, versprochen...)

Und warum zum Teufel ist eigentlich Jubilee in meiner Geschichte?



Also, bleibt am Ball, und bis zum nächsten Mal!



Euer Depp


PS: Danke, Satansbratn! Bei dem könnt ihr euch übrigens alle bedanken...
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