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Kapitel 1: Dämmerung
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| von Depp erstellt: 08.10.2008 letztes Update: 03.09.2009 Allgemein / P12 | 42 Reviews |
X- Men 4: The war begins ... again
Kapitel 1: Dämmerung
Disclaimer: Als hättet ihrs nicht gewusst, mir gehört keiner der Charaktere aus den Comics und den Filmen, nur die Geschichte und eventuelle OCs...
Kleine Anmerkung am Anfang: Diese Geschichte setzt nach dem Ende von X-Men 3: The last stand ein, das ja nach einer Fortsetzung schreit. Zwar wird es wohl ein X-Men 4 geben, aber der Film soll sich mehr auf die Jugendlichen fokussieren. Ich habe allerdings keine Lust auf ein One Tree Hill – OC California mit Superkräften(die Drehbuchautoren, die sich was zu X-Men 4 überlegen sollen, haben bis jetzt nämlich vor allem für OC gearbeitet...). Bei meiner Geschichte handelt es sich um den vierten Teil der X-Men Saga, wie ich ihn machen würde, wenn ich das Geld hätte, um alle Schauspieler zu bezahlen. Ich bin gespannt wie weit uns diese Geschichte trägt (keine Angst, ich habe die Handlung schon recht genau im Kopf, aber ich bin flexibel)... Allerdings möchte ich anmerken, dass in dieser Fanfiction eine Menge Herzblut steckt und dass ich mich deswegen wie jeder andere Autor freuen würde, wenn ihr den Review-Button klickt und mir schreibt wie ihr es findet. Vorschläge, Anregungen, Kritik – ich höre alles gerne und kann nur so versuchen es euch recht zu machen... Und jetzt: Viel Spaß und Bühne frei für X-Men 4: The war begins...again!
~ - ~
Es war exakt 5:43 Uhr morgens, als Ororo Munroe von einem markerschütternden Schrei aufgeschreckt wurde, der durch die ganze Mansion gellte. Doch anders als der Rest der Bewohner lag sie zu dieser Zeit keineswegs in ihrem Bett, sondern sie saß an ihrem Schreibtisch. Es war tatsächlich ihr Tisch, sie arbeitete nach wie vor in ihrem alten Büro, auch wenn sie jetzt, nach seinem Tod, wohl so etwas wie die Schulleiterin war. Was blieb ihr auch anderes übrig, nachdem Jean und Scott gestorben waren und Logan keinerlei Anstalten machte, mehr Verantwortung zu übernehmen – sie konnte schon froh sein, dass er nicht einfach wieder verschwunden war –, war sie die einzige, die die Schule am Laufen halten konnte. Hank, sicher, er hatte ihr seine Hilfe angeboten, doch er war selbst viel zu beschäftigt mit seinen Aufgaben als Botschafter bei der UN. Sie glaubte zwar nicht, dass seine Arbeit viel brachte, die Menschen hassten die Mutanten viel zu sehr, kein Wunder, schließlich hatte Jean gerade erst halb San Francisco zerlegt, und Leute wie Magneto waren ganz klar eine Gefahr für die Menschheit.
Wenigstens um ihn brauchte sie sich nun keine Sorgen mehr machen. Davon hatte sie auch so wahrlich genug. Denn auch wenn sie viele Verluste zu verkraften hatten, Hank noch so viel zu tun hatte und Logan noch so sehr um Jean trauerte – die Kinder sollten, nein sie durften nicht darunter leiden. Und nur das war der Grund, warum sie sich zusammenriss, und jeden Tag neue Mutanten willkommen hieß, die die Kur nicht nehmen wollten, und warum sie weiterhin Optimismus verbreitete, obwohl sie sich doch am liebsten heulend in irgendeiner Ecke zusammengerollt hätte.
Einzig nachts erlaubte sie es sich, ihren wahren Gefühlen nachzugehen und dann verriet das Wetter ihre Stimmung. Schwere Wolken verhingen den Sternenhimmel und es regnete unentwegt. Sie war erschöpft, das wusste sie, doch sie wollte nicht schlafen. Sie konnte nicht schlafen, hatte nicht mehr schlafen können seit dem Tag an dem der Professor gestorben war. An diesem Tag war auch etwas von ihr gegangen. Der Professor hatte ihr mehr bedeutet, als sie in Worte fassen konte, mehr, als sie je gedacht hätte. Und in den langen Nächten, die sie alleine in ihrem Zimmer verbrachte, wusste sie, dass sie es niemals über sich bringen würde, sein Büro zu übernehmen. Nicht eine Kleinigkeit daran würde sie verändern, es war sein Büro und das würde es auch bleiben. Genauso wie es auch seine Schule bleiben würde.
Eine Schule, in der man auch nachts nie ungestört war. Storm nahm sich einen Moment Zeit, um ihre Fassung wieder zu gewinnen. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, von denen sie nicht wusste, wann sie geflossen waren. Wenigstens brauchte sie sich keine Sorgen mehr darum zu machen, ob ihr Maskara verlaufen war, sie hatte es aufgegeben, sich zu schminken. Sie atmete zweimal tief durch, schluckte, um den Kloß in ihrem Hals zu vertreiben und fuhr sich währenddessen durch die weißen Haare, die leicht blau schimmerten. Sie hatten ein wenig von ihrem Glanz verloren, selbst ihre Schönheit zollte der Erschöpfung irgendwann einen Tribut, doch sie hatte in den letzten Tagen nicht darauf geachtet und außer vielleicht Hank würde keiner es wagen, sie darauf aufmerksam zu machen, doch der war ja nicht da.
Dann stand sie auf und eilte auf die Quelle des Schreis zu. Auf dem Weg musste sie einigen verstörten Schülern ausweichen, die der Schrei aus dem Schlaf gerissen hatte. Als sie am Ende des Flurs, in dem die Quartiere der Lehrer lagen, angelangt war, stieß sie auf Kitty und Jubilee, die einen gelben Pyjama trug. Manche Dinge änderten sich eben nie, konnte Storm nicht umhin festzustellen. Wie sie selbst hatten auch die beiden Schülerinnen die Stimme als die ihrer besten Freundin Marie ausgemacht und waren sofort losgerannt. Seit einiger Zeit teilten sie sich ihr Zimmer schon nicht mehr mit Rogue, die alleine wohnte, um die anderen durch ihre tödliche Haut nicht mehr als nötig zu gefährden. Der engen Freundschaft zwischen den Mädchen hatte das jedoch keinen Abbruch getan, sie waren tagsüber nach wie vor unzertrennlich. Und deshalb stand die Besorgnis auch deutlich in ihren Gesichtern, als Kitty und Jubilee ihre Lehrerin nun mit großen Augen anschauten.
„Habt ihr eine Idee, was mit ihr los sein könnte?“, wollte diese von den Mädchen wissen, während sie weiterhastete.
„Keine Ahrnung“, gab Kitty zu. „Eigentlich ging es ihr ganz gut, seit sie die Kur genommen hat...“
„Ja“, für Jubilee fort, während die Freundinnen versuchten mit der Wetterfee Schritt zu halten, „und heute wollte Bobby bei ihr übernachten, darauf hatte sie sich eigentlich auch gefreut...“
Ororo verzog den Mund und wurde schneller. Nicht nur, weil das gegen die Hausregeln verstieß und sie selbst absolut dagegen war, dass man sich so die Betten teilte, sie hatte eben gewisse Grundsätze. Nein, der eigentliche Grund dafür, dass ihre Stirn in sorgenvollen Falten lag, war dass sie einen Verdacht hatte, einen schrecklichen Verdacht. Sie glaubte zu wissen, warum Marie so geschrien hatte. Und wenn sie Recht behielte...
Sie betete, dass sie falsch lag. Doch als sie Maries Zimmer erreichten, vor dem bereits eine ganze Traube aufgeregter Schüler stand, die unentwegt miteinander tuschelten, sich aber nicht trauten, ins Zimmer zu gehen, verlor sie die Hoffnung. Sofort fiel ihr Blick auf Bobby „Iceman“ Drake, der regungslos auf Maries Bett lag. Während sie zu ihm stürzte, fanden ihre suchenden Augen Marie, die abermals als Rogue schlchzend hinter der Tür kauerte. Kitty und Jubilee, die Storm auf dem Fuß folgten, traten sofort auf ihre Freundin zu und wollten sie in den Arm nehmen.
„NEIIIN!“, schrie Rogue unter Tränen. „FASST MICH NICHT AN!“
Verstört blickten die beiden Mädchen erst sich und dann ihre Lehrerin an. Sie verstanden nicht ganz. Das „Heilmittel“ hatte doch gewirkt. Marie hatte ihre Kräfte doch verloren.
Ororo hingegen verstand sehr wohl. Sie war der Heilung ja immer schon skeptisch gegenüber gestanden. Sie erinnerte sich an ein Zitat aus einem ihrer Lieblingsfilme. Dr. Ian Malcolm hatte es in Jurassic Park genau auf den Punkt gebracht: „Die Natur lässt sich nicht kontrollieren.“ Und auf niemanden traf das so deutlich zu wie auf die Mutanten. Noch unglaubwürdiger war die Heilung für sie geworden, als sie erfahren hatte, dass das Heilmittel von einem Mutanten gewonnen wurde. Dieser konnte die Mutationen auch nur zeitweilig außer Kraft setzen. Wie sollte eine Spritze mit seinen Genen da etwas anderes bewirken können?
Sie hatte es ja gesagt, aber keiner hatte auf sie hören wollen...
Zögernd versuchte sie nun, mit ihren Fingern Bobbys Puls zu fühlen, obwohl ihr bereits klar war, dass sie keinen finden würde. Und richtig: Da war nichts. Keine Bewegung, die darauf schließen ließ, dass der Junge noch am Leben war.
Boby „Iceman“ Drake war irgendwann in der Nacht verstorben. Er hatte nicht einmal mehr um Hilfe rufen können. Die Rogue hatte ein neues Opfer gefunden.
Seufzend blickte Storm in die ungläubigen Gesichter der beiden Mädchen. Traurig schüttelte sie den Kopf. Jubilee wurde blass, während Kitty auf der Stelle in Tränen ausbrach.
„Das kann doch... Ich meine, sie ist doch...“, stammelte Jubilee, die einfach nicht wahrhaben wollte, was hier passierte.
Rogue kauerte nach wie vor in der Ecke, als nun Logan lautstark in den Raum polterte. Ororo war überrascht, dass er erst jetzt kam, sie hätte erwartet, dass er der erste gewesen wäre, der herbeigeeilt wäre, wenn Marie schrie. Irgendetwas musste ihn aufgehalten haben. Da ihr klar war, dass sie für Bobby nichts mehr tun konnte, erhob sie sich und nahm sich die Zeit, Logan zu mustern. Irgendetwas war anders an ihm, aber sie konnte nicht genau sagen, was es war. Er trug die selben Kleider wie gestern, doch das war bei ihm nichts besonderes. Er wirkte gelöster, befreiter, irgendwie glücklicher und das trotz seiner augenscheinlichen Besorgnis um Marie. In Momenten wie diesen vermisste sie den Professor noch schmerzlicher als sonst, er hätte ihr zweifelsohne sagen können, was Logan so verändert hatte. Doch sie konnte nur raten und das auf später verschieben, denn momentan gab es dringendere Dinge, mit denen sie sich zu befassen hatte.
Dinge wie Logan, der die Situation mit einem Blick überschaute und dann sofort neben Rogue auf die Knie ging. Im Gegensatz zu Kitty und Jubilee ließ er sich von ihren entsetzten Schreien nicht davon abhalten, sie in den Arm zu nehmen. Nachdem sie sich kurze Zeit dagegen gesträubt hatte, schlang auch sie ihre Arme um ihn, um dann in seine Schulter zu schluchzen, trotz ihres Gefühlsausbruchs vorsichtig darauf bedacht, ihn nirgendwo mit ihrer bloßen Haut zu berühren.
Ororo seufzte, erleichtert, dass sie sich im Moment nicht selbst um Marie kümmern musste, sie hatte auch so genug zu tun. Sie musste den Schülern erklären, dass einer der X-Men nicht mehr am Leben war. Sie würde sich um Marie kümmern müssen. Sie musste Bobys Eltern informieren, wovor es ihr jetzt schon grauste. Und sie musste eine Beerdigung organisieren. Schon wieder. Nach Scott, dem Professor und Jean die vierte innerhalb weniger Tage. Und was am schlimmsten war: Sie musste all das tun, ohne dass sich jemand um sie kümmerte. Ohne irgendjemanden sehen zu lassen, wie sie wirklich fühlte, ihre Trauer immer hinter der Maske der Direktorin, der Anführerin verbergend, die sie nun sein musste.
Und sie wusste, dass ihr noch eine Menge weiterer schlafloser Nächte bevorstanden.
Denn Ororo begriff nicht nur das alles, im Gegensatz zu den meisten anderern begriff sie die gesamte Tragweite dieses Ereignisses, auch da sie früher schon darüber nachgedacht hatte: Wenn Marie ihre Kräfte wiedererlangte, dann war es sehr wahrscheinlich, dass das auch anderen Mtanten passierte. Und Magneto, Mystique und ihre Armee liefen derzeit frei herum, weil keiner sie mehr für eine Bedrohung hielt. Und das bedeutete, dass sie die X-Men für einen Krieg bereit machen musste. Und sie war sich nicht sicher, ob sie bereit dazu war.
Wie auch immer, Storms Gesicht zeigte nichts von dem Grauen das sie erfüllte. Darin spiegelte sich nur die sorgenvolle Entschlossenheit einer Frau, die eine Aufgabe hatte.
Ein fernes Donnergrollen war alles, das ihre Stimmung verriet. Gerade ging am Horizont die Sonne auf, tauchte den Himmel in ein feuriges Rot. Ein neuer Tag brach an, ein Tag, der die ganze Welt veränderte, ein Tag der schreckliche Ereignisse vorausahnen ließ...
~ - ~
Erik Lensherr war ein geschlagener Mann. Er hatte nicht nur diese Partie Schach gegen seinen imaginären Gegner – Charles E. Xavier – verloren, Charles war schon immer der bessere Spieler gewesen, nein, er hatte alles veroren. Er hatte Mystique im Stich gelassen. Sein bester Freund war vor seinen Augen gestorben, war buchstäblich zu Staub zerfallen, und Erik konnte nicht umhin sich einzugestehen, dass er es war, der den Phönix dazu getrieben hatte, ihn zu töten. Niemals würde er das Lächeln vergessen, das Charles in seinen letzten Sekunden im Gesicht stand. Ein Lächeln, als wüsste er genau, was passieren würde. Ein Lächeln, als wäre er mit allen im Fireden. Und Erik wusste, dass Charles das auch gewesen war. Und ein Lächeln, als könnte ihm niemand etwas anhaben. Und da war Charles falsch gelegen. Der Phönix war selbst für den großen Professor X, den stärksten Mutanten, den Erik gekannt hatte – auch wenn er das niemals zugebe würde - , zu mächtig gewesen.
Sicher, in dem Moment, als Charles starb, war auch Eriks größter Widersacher zu Grunde gegangen. Doch er konnte nicht umhin in dem Professor weniger einen Feind als vielmehr den Bruder zu sehen, den er nie gehabt hatte. Und deshalb bedauerte er es zutiefst, dass Charles von ihm gegangen war. Gerade in seiner jetzigen Situation hätte er sich gerne mit ihm unterhalten. Denn obwohl sie beide grundverschiedene Wege gegangen waren, hatten sie doch das selbe Ziel gehabt, und der Respekt, mit dem Charles Erik behandelt hatte, hatte auf absoluter Gegenseitigkeit beruht.
Doch nun war Charles tot, und Erik hatte seine Ziele nicht erreicht. Er hatte den Phönix nicht kontrollieren können und er hatte seinen Fehler in dem Moment erkannt, als dieser Menschen und Mutanten gleichermaßen auszulöschen begann. Nun musste er sogar Logan dankbar sein, dass er dem ein Ende bereitet hatte. Er schuldete dem Wolverine sein Leben!
Und jetzt lebte er nicht in einer Welt, in der nur Mutanten lebten, sondern er lebte in einer Welt, in der die Menschen die Mutanten mehr hassten denn je. Seit sie gesehen hatten, wozu Mutanten fähig waren, seit sie gesehen hatten, wozu er den Phönix veranlasst hatte, waren sie davon besessen, die Mutanten auszulöschen. Und das Schlimmste war, dass er jetzt auf ihrer Seite stand. Er war nun einer von ihnen.
Magneto war tot, getötet von einer ihrer Waffen, die das Heilmittel enthielten. Er war nurmehr Erik Lensherr, ein schwacher, alter Mann, der von der Fürsorge lebte und seine letzten Tage damit verbrachte, im Park zu sitzen und über bessere Zeiten nachzudenken. Es grenzte fast schon an Hohn, dass er der Mann war, vor dem die Welt früher gezittert hatte. Nun war er nicht einmal mehr bedeutend genug, einen echten Schachpartner zu finden.
Und wenn er bloß daran dachte, auf welche Weise er seine Kräfte verloren hatte, auf welche Weise er zu einem von ihnen geworden war. Er schämte sich richtiggehend dafür, dass er sich so leicht hatte übertölpeln lassen. Er, der große Stratege, der brillante Pläne ersonnen hatte, um die Welt von den Menschen zu befreien. Wie ein Schuljunge war er auf die älteste List der Welt hereingefallen. Doch Erik wusste, warum er verloren hatte. Er war zu leichtsinnig gewesen, hatte sich zu sehr überschätzt. Und Wolverine unterschätzt, ihn tatsächlich für so dumm gehalten, den selben Fehler immer und immer wieder zu begehen. Er wusste, es hatte ihm geschmeichelt seinen Intellekt wie seine Fähigkeiten als so weit überlegen zu betrachten.
Doch eines war klar, noch einmal würde ihm das nicht passieren. Er hatte aus seinen Fehlern gelernt.
Was dachte er da nur? Es würde kein nächstes Mal geben. Dieser Fehler war sein letzter gewesen, er hatte schwer für ihn bezahlt. Erik zog seinen Mantel fester zusammen, als der Wind auffrischte. Es war spät geworden und allmählich wurde es empfindlich kühl auf seinem Stuhl.
Er ballte die Faust. Auch wenn es keinen Sinn hatte, er konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Fast sein ganzes Leben hatte er damit verbracht, für die Mutanten zu kämpfen, das war der Zweck seiner Existenz und wenn das Schicksal ihm eine zweite Chance gäbe... Wenn er eine weitere Chance erhielte, dann würde er sie nützen. Er würde sich von keinem aufhalten lassen. Er würde den Mutanten den Platz auf der Erde verschaffen, der ihnen rechtmäßig zustand.
Doch er hatte keine zweite Chance und der Zorn, in dem er seine Hand ballte, verpuffte so wirkungslos wie der Wind, der durch die Bäume strich. Langsam öffnete er seine Hand wieder, als sich die Spannung, die er durch seine aufkeimende Wut aufgebaut hatte, sich allmählich entlud.
Es war vorbei! Er würde sich wohl oder übel mit seiner Bedeutungslosigkeit abfinden müssn, um dann in nicht allzu ferner Zukunft den normalen Tod eines normalen Menschen zu sterben, denn er wusste, ohne ein Ziel, ohne einen Sinn in seinem Leben, war dieses ihm nicht mehr viel wert. Und deswegen würde es auch nicht mehr sehr lange dauern.
Erik schaute auf, als ein Schatten über seinen Tisch strich. Er blinzelte gegen die Sonne. War das ein Engel, der kam, um sein Ende hier und jetzt anzukündigen?
Die Sonne ging unter, und mit ihr seine Hoffnungen, sein Ehrgeiz, seine Ambitionen. Was darauf folgte war eine dunkle, ereignisose Nacht.
Er kniff die Augen zusammen und betrachtete die Gestalt, die da vorbeiflog genauer. Das war kein Engel. Das war ein Mutant! Als wäre er gekommen, um Eriks trostloses Schicksal zu verspotten und ihn daran zu erinnern, Teil was für einer Welt er doch einmal gewesen war. Neuch einmal loderte das Feuer seines Zornes in Erik auf. Xaviers Leute waren gekommen, um ihn zu verspotten? Ihn, der er sie alle hätte vernichten können? Ihn, dem sie es zu verdanken hatten, dass sie nicht alle „geheilt“ waren?
Einmal noch, das schwor er sich in seinem Zorn, einmal noch würde er es versuchen. Einmal würde er seine Kräfte noch testen, und erst dann würde er sich seinem Schicksal ergeben. Zögernd streckte er die Hand aus und konzentrierte sich mit all seiner Kraft auf die metallenen Schachfiguren. Die Enttäuschung spiegelte sich in seinem Gesicht wider, als er keinen Einfluss auf die Figuren hatte. Seine Hand zitterte bereits vor Anstrengung, doch noch war er nicht bereit aufzugeben.
Und da, gerade als er in sich zusammensacken wollte, weil er seine gesamte Energie aufgebraucht hatte, öffneten sich seine Sinne wieder und er fühlte, die magnetischen Felder, die durch die Eisenatome aufgebaut wurden. Mit Gewalt hatte er in die Barrikaden, die das Heilmittel um seine Kräfte aufgebaut hatte, eine Bresche geschlagen.
Der König wackelte. Nur ein winziges Stück zwar und nur einen winzigen Augenblick und das hatte seine ganze Kraft gekostet, doch für Erik bedeutete dieser Moment alles. Er wusste, was das zu bedeuten hatte.
Er würde zurückkehren. Er würde seine Kräfte vollständig wieder erlangen. Nicht heute zwar, und auch nicht morgen, doch irgendwann würde es so weit sein. Und dann würde er stärker sein, als je zuvor. Denn er hatte aus seinen Fehlern gelernt.
Magneto erhob sich. Der alte, gebrochene Erik Lensherr existierte nicht mehr, als er seine Schultern straffte. Er öffnete seinen Mantel und warf seinen Schal achtlos zu Boden. Ihm war nicht mehr kalt, er wurde gewärmt durch die eine ewige Flamme, die für immer in seiner Brust loderte. Er war ein Mann, der ein Ziel hatte. Und er würde alles dafür tun, um es zu erreichen.
Die Sonne ging unter, und mit ihr brach die Nacht über die Welt herein. Die Zeit der Menschen war vergangen, die Zeit Magnetos war angebrochen.
Erhobenen Hauptes ging Magneto seines Weges.
Er hatte einen Krieg zu gewinnen...
~ - ~
Es ist vollbracht! Endlich, das erste Kapitel ist so weit fertig, dass ich es posten kann, ich konnte es kaum erwarten...
Also, wie hat es euch gefallen? Wollt ihr lesen, wie es weitergeht? Bitte lasst mir auf jeden Fall ein Review da, Anregungen, Ideen, Vorschläge, Kritik, egal was, ich höre es gerne...
An dieser Stelle vielen Dank für all die lieben Reviews für meinen Oneshot „Vergangenheit und Zukunft“, habe mich sehr darüber gefreut.
Preisfrage: Wer weiß, warum Logan erst so spät gekommen ist?
Also, bis zum nächsten Mal,
Euer Depp
Kapitel 1: Dämmerung
Disclaimer: Als hättet ihrs nicht gewusst, mir gehört keiner der Charaktere aus den Comics und den Filmen, nur die Geschichte und eventuelle OCs...
Kleine Anmerkung am Anfang: Diese Geschichte setzt nach dem Ende von X-Men 3: The last stand ein, das ja nach einer Fortsetzung schreit. Zwar wird es wohl ein X-Men 4 geben, aber der Film soll sich mehr auf die Jugendlichen fokussieren. Ich habe allerdings keine Lust auf ein One Tree Hill – OC California mit Superkräften(die Drehbuchautoren, die sich was zu X-Men 4 überlegen sollen, haben bis jetzt nämlich vor allem für OC gearbeitet...). Bei meiner Geschichte handelt es sich um den vierten Teil der X-Men Saga, wie ich ihn machen würde, wenn ich das Geld hätte, um alle Schauspieler zu bezahlen. Ich bin gespannt wie weit uns diese Geschichte trägt (keine Angst, ich habe die Handlung schon recht genau im Kopf, aber ich bin flexibel)... Allerdings möchte ich anmerken, dass in dieser Fanfiction eine Menge Herzblut steckt und dass ich mich deswegen wie jeder andere Autor freuen würde, wenn ihr den Review-Button klickt und mir schreibt wie ihr es findet. Vorschläge, Anregungen, Kritik – ich höre alles gerne und kann nur so versuchen es euch recht zu machen... Und jetzt: Viel Spaß und Bühne frei für X-Men 4: The war begins...again!
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Es war exakt 5:43 Uhr morgens, als Ororo Munroe von einem markerschütternden Schrei aufgeschreckt wurde, der durch die ganze Mansion gellte. Doch anders als der Rest der Bewohner lag sie zu dieser Zeit keineswegs in ihrem Bett, sondern sie saß an ihrem Schreibtisch. Es war tatsächlich ihr Tisch, sie arbeitete nach wie vor in ihrem alten Büro, auch wenn sie jetzt, nach seinem Tod, wohl so etwas wie die Schulleiterin war. Was blieb ihr auch anderes übrig, nachdem Jean und Scott gestorben waren und Logan keinerlei Anstalten machte, mehr Verantwortung zu übernehmen – sie konnte schon froh sein, dass er nicht einfach wieder verschwunden war –, war sie die einzige, die die Schule am Laufen halten konnte. Hank, sicher, er hatte ihr seine Hilfe angeboten, doch er war selbst viel zu beschäftigt mit seinen Aufgaben als Botschafter bei der UN. Sie glaubte zwar nicht, dass seine Arbeit viel brachte, die Menschen hassten die Mutanten viel zu sehr, kein Wunder, schließlich hatte Jean gerade erst halb San Francisco zerlegt, und Leute wie Magneto waren ganz klar eine Gefahr für die Menschheit.
Wenigstens um ihn brauchte sie sich nun keine Sorgen mehr machen. Davon hatte sie auch so wahrlich genug. Denn auch wenn sie viele Verluste zu verkraften hatten, Hank noch so viel zu tun hatte und Logan noch so sehr um Jean trauerte – die Kinder sollten, nein sie durften nicht darunter leiden. Und nur das war der Grund, warum sie sich zusammenriss, und jeden Tag neue Mutanten willkommen hieß, die die Kur nicht nehmen wollten, und warum sie weiterhin Optimismus verbreitete, obwohl sie sich doch am liebsten heulend in irgendeiner Ecke zusammengerollt hätte.
Einzig nachts erlaubte sie es sich, ihren wahren Gefühlen nachzugehen und dann verriet das Wetter ihre Stimmung. Schwere Wolken verhingen den Sternenhimmel und es regnete unentwegt. Sie war erschöpft, das wusste sie, doch sie wollte nicht schlafen. Sie konnte nicht schlafen, hatte nicht mehr schlafen können seit dem Tag an dem der Professor gestorben war. An diesem Tag war auch etwas von ihr gegangen. Der Professor hatte ihr mehr bedeutet, als sie in Worte fassen konte, mehr, als sie je gedacht hätte. Und in den langen Nächten, die sie alleine in ihrem Zimmer verbrachte, wusste sie, dass sie es niemals über sich bringen würde, sein Büro zu übernehmen. Nicht eine Kleinigkeit daran würde sie verändern, es war sein Büro und das würde es auch bleiben. Genauso wie es auch seine Schule bleiben würde.
Eine Schule, in der man auch nachts nie ungestört war. Storm nahm sich einen Moment Zeit, um ihre Fassung wieder zu gewinnen. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, von denen sie nicht wusste, wann sie geflossen waren. Wenigstens brauchte sie sich keine Sorgen mehr darum zu machen, ob ihr Maskara verlaufen war, sie hatte es aufgegeben, sich zu schminken. Sie atmete zweimal tief durch, schluckte, um den Kloß in ihrem Hals zu vertreiben und fuhr sich währenddessen durch die weißen Haare, die leicht blau schimmerten. Sie hatten ein wenig von ihrem Glanz verloren, selbst ihre Schönheit zollte der Erschöpfung irgendwann einen Tribut, doch sie hatte in den letzten Tagen nicht darauf geachtet und außer vielleicht Hank würde keiner es wagen, sie darauf aufmerksam zu machen, doch der war ja nicht da.
Dann stand sie auf und eilte auf die Quelle des Schreis zu. Auf dem Weg musste sie einigen verstörten Schülern ausweichen, die der Schrei aus dem Schlaf gerissen hatte. Als sie am Ende des Flurs, in dem die Quartiere der Lehrer lagen, angelangt war, stieß sie auf Kitty und Jubilee, die einen gelben Pyjama trug. Manche Dinge änderten sich eben nie, konnte Storm nicht umhin festzustellen. Wie sie selbst hatten auch die beiden Schülerinnen die Stimme als die ihrer besten Freundin Marie ausgemacht und waren sofort losgerannt. Seit einiger Zeit teilten sie sich ihr Zimmer schon nicht mehr mit Rogue, die alleine wohnte, um die anderen durch ihre tödliche Haut nicht mehr als nötig zu gefährden. Der engen Freundschaft zwischen den Mädchen hatte das jedoch keinen Abbruch getan, sie waren tagsüber nach wie vor unzertrennlich. Und deshalb stand die Besorgnis auch deutlich in ihren Gesichtern, als Kitty und Jubilee ihre Lehrerin nun mit großen Augen anschauten.
„Habt ihr eine Idee, was mit ihr los sein könnte?“, wollte diese von den Mädchen wissen, während sie weiterhastete.
„Keine Ahrnung“, gab Kitty zu. „Eigentlich ging es ihr ganz gut, seit sie die Kur genommen hat...“
„Ja“, für Jubilee fort, während die Freundinnen versuchten mit der Wetterfee Schritt zu halten, „und heute wollte Bobby bei ihr übernachten, darauf hatte sie sich eigentlich auch gefreut...“
Ororo verzog den Mund und wurde schneller. Nicht nur, weil das gegen die Hausregeln verstieß und sie selbst absolut dagegen war, dass man sich so die Betten teilte, sie hatte eben gewisse Grundsätze. Nein, der eigentliche Grund dafür, dass ihre Stirn in sorgenvollen Falten lag, war dass sie einen Verdacht hatte, einen schrecklichen Verdacht. Sie glaubte zu wissen, warum Marie so geschrien hatte. Und wenn sie Recht behielte...
Sie betete, dass sie falsch lag. Doch als sie Maries Zimmer erreichten, vor dem bereits eine ganze Traube aufgeregter Schüler stand, die unentwegt miteinander tuschelten, sich aber nicht trauten, ins Zimmer zu gehen, verlor sie die Hoffnung. Sofort fiel ihr Blick auf Bobby „Iceman“ Drake, der regungslos auf Maries Bett lag. Während sie zu ihm stürzte, fanden ihre suchenden Augen Marie, die abermals als Rogue schlchzend hinter der Tür kauerte. Kitty und Jubilee, die Storm auf dem Fuß folgten, traten sofort auf ihre Freundin zu und wollten sie in den Arm nehmen.
„NEIIIN!“, schrie Rogue unter Tränen. „FASST MICH NICHT AN!“
Verstört blickten die beiden Mädchen erst sich und dann ihre Lehrerin an. Sie verstanden nicht ganz. Das „Heilmittel“ hatte doch gewirkt. Marie hatte ihre Kräfte doch verloren.
Ororo hingegen verstand sehr wohl. Sie war der Heilung ja immer schon skeptisch gegenüber gestanden. Sie erinnerte sich an ein Zitat aus einem ihrer Lieblingsfilme. Dr. Ian Malcolm hatte es in Jurassic Park genau auf den Punkt gebracht: „Die Natur lässt sich nicht kontrollieren.“ Und auf niemanden traf das so deutlich zu wie auf die Mutanten. Noch unglaubwürdiger war die Heilung für sie geworden, als sie erfahren hatte, dass das Heilmittel von einem Mutanten gewonnen wurde. Dieser konnte die Mutationen auch nur zeitweilig außer Kraft setzen. Wie sollte eine Spritze mit seinen Genen da etwas anderes bewirken können?
Sie hatte es ja gesagt, aber keiner hatte auf sie hören wollen...
Zögernd versuchte sie nun, mit ihren Fingern Bobbys Puls zu fühlen, obwohl ihr bereits klar war, dass sie keinen finden würde. Und richtig: Da war nichts. Keine Bewegung, die darauf schließen ließ, dass der Junge noch am Leben war.
Boby „Iceman“ Drake war irgendwann in der Nacht verstorben. Er hatte nicht einmal mehr um Hilfe rufen können. Die Rogue hatte ein neues Opfer gefunden.
Seufzend blickte Storm in die ungläubigen Gesichter der beiden Mädchen. Traurig schüttelte sie den Kopf. Jubilee wurde blass, während Kitty auf der Stelle in Tränen ausbrach.
„Das kann doch... Ich meine, sie ist doch...“, stammelte Jubilee, die einfach nicht wahrhaben wollte, was hier passierte.
Rogue kauerte nach wie vor in der Ecke, als nun Logan lautstark in den Raum polterte. Ororo war überrascht, dass er erst jetzt kam, sie hätte erwartet, dass er der erste gewesen wäre, der herbeigeeilt wäre, wenn Marie schrie. Irgendetwas musste ihn aufgehalten haben. Da ihr klar war, dass sie für Bobby nichts mehr tun konnte, erhob sie sich und nahm sich die Zeit, Logan zu mustern. Irgendetwas war anders an ihm, aber sie konnte nicht genau sagen, was es war. Er trug die selben Kleider wie gestern, doch das war bei ihm nichts besonderes. Er wirkte gelöster, befreiter, irgendwie glücklicher und das trotz seiner augenscheinlichen Besorgnis um Marie. In Momenten wie diesen vermisste sie den Professor noch schmerzlicher als sonst, er hätte ihr zweifelsohne sagen können, was Logan so verändert hatte. Doch sie konnte nur raten und das auf später verschieben, denn momentan gab es dringendere Dinge, mit denen sie sich zu befassen hatte.
Dinge wie Logan, der die Situation mit einem Blick überschaute und dann sofort neben Rogue auf die Knie ging. Im Gegensatz zu Kitty und Jubilee ließ er sich von ihren entsetzten Schreien nicht davon abhalten, sie in den Arm zu nehmen. Nachdem sie sich kurze Zeit dagegen gesträubt hatte, schlang auch sie ihre Arme um ihn, um dann in seine Schulter zu schluchzen, trotz ihres Gefühlsausbruchs vorsichtig darauf bedacht, ihn nirgendwo mit ihrer bloßen Haut zu berühren.
Ororo seufzte, erleichtert, dass sie sich im Moment nicht selbst um Marie kümmern musste, sie hatte auch so genug zu tun. Sie musste den Schülern erklären, dass einer der X-Men nicht mehr am Leben war. Sie würde sich um Marie kümmern müssen. Sie musste Bobys Eltern informieren, wovor es ihr jetzt schon grauste. Und sie musste eine Beerdigung organisieren. Schon wieder. Nach Scott, dem Professor und Jean die vierte innerhalb weniger Tage. Und was am schlimmsten war: Sie musste all das tun, ohne dass sich jemand um sie kümmerte. Ohne irgendjemanden sehen zu lassen, wie sie wirklich fühlte, ihre Trauer immer hinter der Maske der Direktorin, der Anführerin verbergend, die sie nun sein musste.
Und sie wusste, dass ihr noch eine Menge weiterer schlafloser Nächte bevorstanden.
Denn Ororo begriff nicht nur das alles, im Gegensatz zu den meisten anderern begriff sie die gesamte Tragweite dieses Ereignisses, auch da sie früher schon darüber nachgedacht hatte: Wenn Marie ihre Kräfte wiedererlangte, dann war es sehr wahrscheinlich, dass das auch anderen Mtanten passierte. Und Magneto, Mystique und ihre Armee liefen derzeit frei herum, weil keiner sie mehr für eine Bedrohung hielt. Und das bedeutete, dass sie die X-Men für einen Krieg bereit machen musste. Und sie war sich nicht sicher, ob sie bereit dazu war.
Wie auch immer, Storms Gesicht zeigte nichts von dem Grauen das sie erfüllte. Darin spiegelte sich nur die sorgenvolle Entschlossenheit einer Frau, die eine Aufgabe hatte.
Ein fernes Donnergrollen war alles, das ihre Stimmung verriet. Gerade ging am Horizont die Sonne auf, tauchte den Himmel in ein feuriges Rot. Ein neuer Tag brach an, ein Tag, der die ganze Welt veränderte, ein Tag der schreckliche Ereignisse vorausahnen ließ...
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Erik Lensherr war ein geschlagener Mann. Er hatte nicht nur diese Partie Schach gegen seinen imaginären Gegner – Charles E. Xavier – verloren, Charles war schon immer der bessere Spieler gewesen, nein, er hatte alles veroren. Er hatte Mystique im Stich gelassen. Sein bester Freund war vor seinen Augen gestorben, war buchstäblich zu Staub zerfallen, und Erik konnte nicht umhin sich einzugestehen, dass er es war, der den Phönix dazu getrieben hatte, ihn zu töten. Niemals würde er das Lächeln vergessen, das Charles in seinen letzten Sekunden im Gesicht stand. Ein Lächeln, als wüsste er genau, was passieren würde. Ein Lächeln, als wäre er mit allen im Fireden. Und Erik wusste, dass Charles das auch gewesen war. Und ein Lächeln, als könnte ihm niemand etwas anhaben. Und da war Charles falsch gelegen. Der Phönix war selbst für den großen Professor X, den stärksten Mutanten, den Erik gekannt hatte – auch wenn er das niemals zugebe würde - , zu mächtig gewesen.
Sicher, in dem Moment, als Charles starb, war auch Eriks größter Widersacher zu Grunde gegangen. Doch er konnte nicht umhin in dem Professor weniger einen Feind als vielmehr den Bruder zu sehen, den er nie gehabt hatte. Und deshalb bedauerte er es zutiefst, dass Charles von ihm gegangen war. Gerade in seiner jetzigen Situation hätte er sich gerne mit ihm unterhalten. Denn obwohl sie beide grundverschiedene Wege gegangen waren, hatten sie doch das selbe Ziel gehabt, und der Respekt, mit dem Charles Erik behandelt hatte, hatte auf absoluter Gegenseitigkeit beruht.
Doch nun war Charles tot, und Erik hatte seine Ziele nicht erreicht. Er hatte den Phönix nicht kontrollieren können und er hatte seinen Fehler in dem Moment erkannt, als dieser Menschen und Mutanten gleichermaßen auszulöschen begann. Nun musste er sogar Logan dankbar sein, dass er dem ein Ende bereitet hatte. Er schuldete dem Wolverine sein Leben!
Und jetzt lebte er nicht in einer Welt, in der nur Mutanten lebten, sondern er lebte in einer Welt, in der die Menschen die Mutanten mehr hassten denn je. Seit sie gesehen hatten, wozu Mutanten fähig waren, seit sie gesehen hatten, wozu er den Phönix veranlasst hatte, waren sie davon besessen, die Mutanten auszulöschen. Und das Schlimmste war, dass er jetzt auf ihrer Seite stand. Er war nun einer von ihnen.
Magneto war tot, getötet von einer ihrer Waffen, die das Heilmittel enthielten. Er war nurmehr Erik Lensherr, ein schwacher, alter Mann, der von der Fürsorge lebte und seine letzten Tage damit verbrachte, im Park zu sitzen und über bessere Zeiten nachzudenken. Es grenzte fast schon an Hohn, dass er der Mann war, vor dem die Welt früher gezittert hatte. Nun war er nicht einmal mehr bedeutend genug, einen echten Schachpartner zu finden.
Und wenn er bloß daran dachte, auf welche Weise er seine Kräfte verloren hatte, auf welche Weise er zu einem von ihnen geworden war. Er schämte sich richtiggehend dafür, dass er sich so leicht hatte übertölpeln lassen. Er, der große Stratege, der brillante Pläne ersonnen hatte, um die Welt von den Menschen zu befreien. Wie ein Schuljunge war er auf die älteste List der Welt hereingefallen. Doch Erik wusste, warum er verloren hatte. Er war zu leichtsinnig gewesen, hatte sich zu sehr überschätzt. Und Wolverine unterschätzt, ihn tatsächlich für so dumm gehalten, den selben Fehler immer und immer wieder zu begehen. Er wusste, es hatte ihm geschmeichelt seinen Intellekt wie seine Fähigkeiten als so weit überlegen zu betrachten.
Doch eines war klar, noch einmal würde ihm das nicht passieren. Er hatte aus seinen Fehlern gelernt.
Was dachte er da nur? Es würde kein nächstes Mal geben. Dieser Fehler war sein letzter gewesen, er hatte schwer für ihn bezahlt. Erik zog seinen Mantel fester zusammen, als der Wind auffrischte. Es war spät geworden und allmählich wurde es empfindlich kühl auf seinem Stuhl.
Er ballte die Faust. Auch wenn es keinen Sinn hatte, er konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Fast sein ganzes Leben hatte er damit verbracht, für die Mutanten zu kämpfen, das war der Zweck seiner Existenz und wenn das Schicksal ihm eine zweite Chance gäbe... Wenn er eine weitere Chance erhielte, dann würde er sie nützen. Er würde sich von keinem aufhalten lassen. Er würde den Mutanten den Platz auf der Erde verschaffen, der ihnen rechtmäßig zustand.
Doch er hatte keine zweite Chance und der Zorn, in dem er seine Hand ballte, verpuffte so wirkungslos wie der Wind, der durch die Bäume strich. Langsam öffnete er seine Hand wieder, als sich die Spannung, die er durch seine aufkeimende Wut aufgebaut hatte, sich allmählich entlud.
Es war vorbei! Er würde sich wohl oder übel mit seiner Bedeutungslosigkeit abfinden müssn, um dann in nicht allzu ferner Zukunft den normalen Tod eines normalen Menschen zu sterben, denn er wusste, ohne ein Ziel, ohne einen Sinn in seinem Leben, war dieses ihm nicht mehr viel wert. Und deswegen würde es auch nicht mehr sehr lange dauern.
Erik schaute auf, als ein Schatten über seinen Tisch strich. Er blinzelte gegen die Sonne. War das ein Engel, der kam, um sein Ende hier und jetzt anzukündigen?
Die Sonne ging unter, und mit ihr seine Hoffnungen, sein Ehrgeiz, seine Ambitionen. Was darauf folgte war eine dunkle, ereignisose Nacht.
Er kniff die Augen zusammen und betrachtete die Gestalt, die da vorbeiflog genauer. Das war kein Engel. Das war ein Mutant! Als wäre er gekommen, um Eriks trostloses Schicksal zu verspotten und ihn daran zu erinnern, Teil was für einer Welt er doch einmal gewesen war. Neuch einmal loderte das Feuer seines Zornes in Erik auf. Xaviers Leute waren gekommen, um ihn zu verspotten? Ihn, der er sie alle hätte vernichten können? Ihn, dem sie es zu verdanken hatten, dass sie nicht alle „geheilt“ waren?
Einmal noch, das schwor er sich in seinem Zorn, einmal noch würde er es versuchen. Einmal würde er seine Kräfte noch testen, und erst dann würde er sich seinem Schicksal ergeben. Zögernd streckte er die Hand aus und konzentrierte sich mit all seiner Kraft auf die metallenen Schachfiguren. Die Enttäuschung spiegelte sich in seinem Gesicht wider, als er keinen Einfluss auf die Figuren hatte. Seine Hand zitterte bereits vor Anstrengung, doch noch war er nicht bereit aufzugeben.
Und da, gerade als er in sich zusammensacken wollte, weil er seine gesamte Energie aufgebraucht hatte, öffneten sich seine Sinne wieder und er fühlte, die magnetischen Felder, die durch die Eisenatome aufgebaut wurden. Mit Gewalt hatte er in die Barrikaden, die das Heilmittel um seine Kräfte aufgebaut hatte, eine Bresche geschlagen.
Der König wackelte. Nur ein winziges Stück zwar und nur einen winzigen Augenblick und das hatte seine ganze Kraft gekostet, doch für Erik bedeutete dieser Moment alles. Er wusste, was das zu bedeuten hatte.
Er würde zurückkehren. Er würde seine Kräfte vollständig wieder erlangen. Nicht heute zwar, und auch nicht morgen, doch irgendwann würde es so weit sein. Und dann würde er stärker sein, als je zuvor. Denn er hatte aus seinen Fehlern gelernt.
Magneto erhob sich. Der alte, gebrochene Erik Lensherr existierte nicht mehr, als er seine Schultern straffte. Er öffnete seinen Mantel und warf seinen Schal achtlos zu Boden. Ihm war nicht mehr kalt, er wurde gewärmt durch die eine ewige Flamme, die für immer in seiner Brust loderte. Er war ein Mann, der ein Ziel hatte. Und er würde alles dafür tun, um es zu erreichen.
Die Sonne ging unter, und mit ihr brach die Nacht über die Welt herein. Die Zeit der Menschen war vergangen, die Zeit Magnetos war angebrochen.
Erhobenen Hauptes ging Magneto seines Weges.
Er hatte einen Krieg zu gewinnen...
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Es ist vollbracht! Endlich, das erste Kapitel ist so weit fertig, dass ich es posten kann, ich konnte es kaum erwarten...
Also, wie hat es euch gefallen? Wollt ihr lesen, wie es weitergeht? Bitte lasst mir auf jeden Fall ein Review da, Anregungen, Ideen, Vorschläge, Kritik, egal was, ich höre es gerne...
An dieser Stelle vielen Dank für all die lieben Reviews für meinen Oneshot „Vergangenheit und Zukunft“, habe mich sehr darüber gefreut.
Preisfrage: Wer weiß, warum Logan erst so spät gekommen ist?
Also, bis zum nächsten Mal,
Euer Depp
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