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Geschichte: Fanfiktion
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von Quinten
erstellt: 02.09.2008
letztes Update: 10.01.2009
Geschichte, Romanze / P18
(fertiggestellt)
Nathan wartete schon und begrüßte sie freudig. Heute trug Usagi ein einfaches, weißes Kleid mit kleinen Ärmeln, der Rock des Kleides rechte ihr bis kurz unter die Knie, dazu hatte sie einen grauen, langen Mantel ungelegt. Die Haare fielen ihr fließend über die Schultern. Nathan hatte unmerklich geschluckt als sie die Leiter hinter stieg, doch er musste einen klaren Kopf behalten, schließlich mussten sie einkaufen. „Komm Usagi, wir haben nicht allzu viel Zeit. Wenn wir uns beeilen kann ich dir noch ein paar nette Ecken in der Stadt zeigen.“ „Wieso bist du eigentlich immer so nett zu mir?“ fragte sie ihn strahlend. „Nun weil…“ „Ja ich hab dich auch gern, wir sollten Freunde werden. Was meinst du?“ „JA!“ sagte er mit mehr Nachdruck als eigentlich beabsichtigt. Sie nahm seine Hand und ließ sich von ihm zur Stadt führen.
Als sie die Einkäufe erledigt hatten, ging Usa zu einem Stand, an dem verschiedene Früchte auslagen, die sie noch nie in ihrem Leben gesehen hatte. Daneben lag allerdings auch bekanntes Obst aus ihrer Heimat. Neugierig beschaute sie sich jede Frucht und fragte sich welche Geschmacksrichtungen sie haben würden. Nathan bemerkte dies vergnügt und blickte den Verkäufer, seinen Onkel, zwinkernd an. „Junge Dame wünscht ihr von einer dieser Früchte zu probieren?“ „Ähm…Ja…das heißt Nein, ich habe leider kein Geld.“ Traurig schaute sie vom Verkäufer zu den Früchten und zurück. Dieser griff sich einen Pfirsich, schnitt ihn gekonnt in zwei Hälften und gab seinem Neffen und Serenity ein Stück. Diese bedankte sich sogleich und testete das neuartige Obst um kurz darauf herrlich zu schmatzen. „Lecker…mmmh…Es ist so fruchtig und süß.“ „Habt ihr noch nie Pfirsiche gegessen?“ Verlegen verneinte Serenity. Sie verabschiedete sich höflich und bedankte sich noch mehrfach bevor sie an einen anderen Stand ging.
Neben ihr stand eine vermummte Gestalt, sie drehte sich um und Usa starrte in dieselben blauen Augen, die sie nun schon zweimal erblicken durfte. Kurz erschreckte sie sich, besann sich aber schnell. Sie glaubte nicht, dass dieser Erdenprinz sich unter das Volk mischen würde, nicht nach alldem was Ami gesagt hatte. Sie wandte sich um zum gehen als der Vermummte plötzlich in einer angenehmen Stimme zu ihr sprach: „Hab ich euch erschreckt? Es tut mir leid.“ „Nein, keineswegs. Es waren vielmehr eure Augen, ich dachte sie zu kennen.“ „Ihr seid offen und ehrlich, das gefällt mir. Sagt wo kommt ihr her, ich habe euch nie zuvor auf diesem Markt gesehen.“ Sie fühlte sich so wohl in der Gesellschaft dieses Mannes, sie konnte nicht viel mehr von ihm sehen als eine zerlumpte Kutte, seinen dunklen Haaransatz, einen Ausschnitt seiner Augen und seine starken Hände, die er gestikulierend einsetzte. Dennoch fühlte sie sich vertraut mit ihm. „Ich komme aus einem weit entfernten Land und bin zurzeit Dienerin bei Hofe. Aber erst seit zwei Tagen, deswegen kennen sie mich nicht. Darf ich fragen wieso sie an einem relativ lauen Morgen eine derart schwere Bekleidung tragen.“
Nachdem sie die Frage gestellt hatte wurde sie rot, eine ihrer Schwächen war schon immer die Neugier gewesen. „Ihr seid recht forsch, aber eure Frage ist durchaus berechtigt. Es ist mein Aussehen, das ich verstecken möchte, es wäre eine Zumutung für Andere mein Gesicht zu sehen. Deswegen lebe ich mein Leben lieber unter einem Schleier, wenn ihr versteht.“ „Oh… Das ist…Ich finde niemand sollte sich für sein Aussehen oder seine Persönlichkeiten schämen. Schleier erschweren doch nur die Kommunikation zwischen den Menschen. Ohne Schleier können wir die Schönheiten des Gegenübers erst erkennen. Ich bin sicher an euch gibt es viele liebenswerte Seiten. Eure Augen zum Beispiel finde ich sehr anziehend.“ Mit großen Augen schaute sie auf ihr Gegenüber und wurde sogleich an die eigene Maske erinnert, die sie auf der Erde zu tragen hatte. „Ihr seid wirklich sehr nett. Ich würde mich freuen euch wieder zu sehen. Würdet ihr morgen Abend mit mir über den Markt schlendern? Es wird ein Rummel stattfinden.“ Sie überlegte kurz, bejahte die Frage aber mit einem Nicken, als sie hinter sich schon Nathans Stimme hörte. Sie wollte sich noch einmal zu dem Fremden umdrehen, doch dieser war bereits verschwunden.
„Wer war das Usa?“ „Ähm, ich weiß es ehrlich gesagt nicht.“ Lachte sie und beide setzten den Weg Richtung Schloss fort. In einer Seitengasse stand der Vermummte und verschwand durch einen Geheimgang ebenfalls in den Gängen des Schlosses.
In der Küche angelangt begannen die drei das Morgenmahl zu bereiten um acht sollte es serviert werden. Es gab Ei und Speck, Aufschnitt und viel Käse mit Weintrauben, dazu gab es selbstgebackenes Brot und eine Art Haferschleim mit trockenen Früchten. Zufrieden übergaben sie das Zubereitete den Servierkräften und machten eine kurze Frühstückspause bis sie sich auf den Weg in die Wäscherei machten. Bis in den späten Nachmittag hinein wuschen und bügelten sie was das Zeug hielt. Serenity brannten sie Arme wie Feuer, doch an diesem Tag lernte sie alles über Wäsche was sie wissen musste.
Am frühen Abend knickte sie erschöpft auf dem Bett zusammen und lehnte sich in die Kissen. „Puh, das war ganz schön anstrengend. Ich hätte nie gedacht, dass so viel Wäsche in diesem Schloss anfallen könnte.“ „Aber warst du denn früher niemals in einer Wäscherei gewesen? Ich meine bei deinen früheren Herren?“ „Nein, nie. Ich war nur persönliche Zofe und habe das Essen ausgegeben. Hier lerne ich so viel dazu, ich kann mich glücklich schätzen.“ Sie hatte ein schlechtes Gewissen ihre Freundin derart anlügen zu müssen, aber zumindest der letzte Satz entsprach uneingeschränkt der Wahrheit.
„Komm Usa wir müssen uns umziehen und das Essen servieren.“ „Umziehen?“ „Ja, wir haben eine spezielle Uniform für die Servierkräfte, ich zeig sie dir.“ Amelie kramte in den Schubladen und schon kamen zwei identische Kostüme zum Vorschein. Ein schwarzes, einfaches Kleid über das locker eine weiße Schürze gebunden war. Dazu gab es ein weißes Haarband und schwarze Schuhe. „Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Mädchen so umwerfend in dieser einfachen Uniform ausgesehen hätte.“ Sprach Ami anerkennend. „Na wenn da nicht noch mehr Herren deinem Charme erliegen. Aber sag, wen magst du denn eigentlich am meisten? Nathan, einen der Generäle oder gar den Prinzen?“ Bei dieser Frage wurde Serenity ganz schweigsam, ein Bild trat ihr vor Augen, es war das Bild des vermummten Mannes, jenes Mannes, dessen Namen sie noch nicht einmal kannte. Dieser Mann spukte ihr seit ihrer ersten Begegnung im Kopf herum. „Nein, es ist jemand ganz anderes. Niemand, den du kennst. Aber was ist mit dir? Ich habe gesehen wie du Nephlite ziemlich eindeutige Blicke zugeworfen hast.“ Jetzt war es an Ami zu erröten. „Er nimmt mich ja noch nicht einmal wahr. Er ist ein General und ich bin nur…“ „Eine wundervolle Frau, die viel Liebe zu geben hat! Ich denke er mag dich auch, zu mindestens wenn ich seine Blicke richtig deute, die er im Bad gezeigt hat. Er war enttäuscht als er sah, dass ich und nicht du das zweite Mal Wasser nachschenkte.“ „Danke Usa, aber welcher Mann sollte denn bei deinem Anblick enttäuscht sein?!“ Sie stupste ihre Freundin damit sie aus dem Zimmer ging.
In der Küche herrschte hektisches Treiben, es flogen Kellen, Löffel und andere Utensilien umher. Plötzlich stand Ronan vor den Beiden und hielt ihnen jeweils einen riesigen Suppentopf hin. Sicher balancierte Ami diesen in Richtung des großen Speisesaals. Serenity hatte da schon größere Probleme, sie schwankte beträchtlich, fing sich aber immer wieder. Bevor sie den Saal betrat, straffte sie die Schultern, umfasste den Topf sicher und schritt hinein. Am Tisch saß das Königspaar mit seinem Sohn, die vier Generäle sowie ein Dutzend junger Frauen, die alle auf Endymion starrten. Dieses Bild belustigte Usa so stark, dass sie wieder ins Schwanken geriet und fast den Topf fallen ließ. Nathan kam ihr jedoch zur Hilfe, zusammen stellte sie den Topf auf dem Tisch ab.
Einzeln nahm sich Serenity die Teller und befüllte diese nachdem sie vorher fragte ob Suppe gewünscht wurde. Als Endymion an der Reihe war nickte jener, sie nahm den Teller, befüllte ihn und verbrannte sich dabei an der heißen Suppe. Sie wollte erschrocken zurück weichen als ihr die Konsequenzen dieser Handlung bewusst wurden. Sie würde ihn mit der heißen Mahlzeit ebenfalls verbrühen. Tapfer biss sie die Zähne zusammen, setzte den Teller ab, verbeugte sich und verließ mit ihren Freunden den Saal. Der Königin war jene Szene nicht entgangen, ein wenig Stolz schwellte ihre Brust, ihr Patenkind war wahrlich eine würdige Thronfolgerin. Diese Situation wollte sie nachher der Königin des Mondes schildern.
Ein lauter Schrei erklang in der Küche, Usa stürzte sich sofort an den nächsten Wasserhahn, das kühlende Nass lockerte ihre Gesichtszüge, sie lächelte. „Usagi hast du dich verbrannt?“ fragte Nathan sorgenvoll. „Geht schon. Es war nur ein kleiner Schmerz, nichts weiter.“
Eine halbe Stunde später servierten sie den Hauptgang, alles verlief problemlos. Voll in ihrem Element bemerkte Serenity nicht wie sie angestarrt wurde, von den Generälen, von der Königin und dem König, sogar die anderen Prinzessinnen starrten sie an. Doch am durchdringensten waren wohl die Blicke des Prinzen. Er versuchte sich jede einzelne Bewegung von ihr einzuprägen, jeden Blick sog er in sich auf, jede Geste behielt er sich, jedes Wort ließ ihn erschauern. Doch warum? Er wusste es nicht, seit er sie auf dem Markt getroffen hatte, war alles anders. Königin Gaia schmunzelte als sie sah wie ihr Sohn der Mondprinzessin verfiel, fröhlich schnitt sie ihre zarte Entenbrust, spießte sie auf die Gabel und ließ diese genüsslich in den Mund wandern. Der König freute sich wegen der guten Laune seiner Frau und wegen der unheimlich hübschen Blondine, die das Essen servierte.
Drei Gänge später trugen Serenity die Beine gerade noch ins eigene Bett, das angebotene Essen verschmähte sie. Allein blieben Ami und Nathan zurück. Usa konnte sich noch nicht einmal freuen, dass sie den Weg ins Zimmer ganz alleine gefunden hat. In ihren Träumen traf sie sich mit dem eingehüllten Mann, sie erzählten sich viel und am Ende versuchte er sie sogar zu küssen, doch genau in diesem Moment erwachte sie. Ihr erster Kuss…Wann würde sie ihn wohl erhalten? Mit ihren Fingern fuhr sie sich über die Lippen, ihre ungeküssten Lippen.
„Guten Morgen Ami, na hast du gut geschlafen?“ Liebevoll setzte sie sich auf den Bettrand ihrer Freundin und wunderte sich, dass diese nicht hörte. Leicht berührte sie ihre Freundin um zu erschaudern, sie war siedend heiß. „Ami…Ami!!!“ Keine Reaktion panisch zog sie sich nur einen Überwurf an und begann im Haus umher zu laufen, sie war sich nicht sicher wen genau sie suchte aber sie wusste sie musste jemanden finden, der ihr helfen konnte. In ihrer Eile bemerkte sie den Mann nicht, der sich ihr näherte sie lief in ihn hinein, griff mit ihren Fingern in sein Hemd und begann schluchzend zu erzählen. „Sie müssen mir helfen, meine Freundin…Sie ist ganz heiß und sie wacht nicht mehr auf…“ „Amelie? Was ist mit ihr?“ Erst jetzt bemerkte sie, dass sie einen General der vier Himmel umgerannt hatte, Nephlite.
„Ja! Amelie, sie ist krank, was soll ich nur machen?“ „Ich werde Alfred verständigen, er wird sich um einen Arzt kümmern. Ist es sehr schlimm?“ „Ich weiß es nicht.“ Wimmerte sie, schnell rannte Nephlite und ließ eine vollkommen verwirrte und zitternde Prinzessin zurück. Fast gleichzeitig wurde sie von Endymion und Nathan gefunden. Der Prinz war jedoch einen Augenblick langsamer. „Usa, was hast du?“ Schnell nahm Nathan sie in seine Arme. Traurig schaute Endymion auf das Paar, sein Engel trug nur ein dünnes Nachthemd, ein Cape und sah furchtbar aus. Nun ja furchtbar vielleicht nicht, jedoch mitgenommen, verbesserte er sich innerlich. Nathan würde für sie sorgen, auch wenn das Bild der Beiden sein Herz zusammenziehen ließ. Er wusste er würde sie wieder sehen, heute Abend.
Nachdem Ami versorgt war und sich herausgestellt hatte, dass sie an einer leichten Lungenentzündung litt, bot Nephlite sich an bei ihr zu bleiben um über sie zu wachen. Da Serenity Amelies Gefühle kannte, willigte sie gerne ein und begann mit der Arbeit. Alfred hatte ihr die Aufgaben zugewiesen, zuerst sollte sie die Zimmer des Prinzen in Ordnung bringen, dann die seiner Generäle. Am Nachmittag und Abend konnte sie sich frei nehmen.
Schnell schritt sie zum Zimmer des Prinzen, klopfte leicht und war verwirrt als ein „Herein“ ertönte. Bedächtig öffnete sie die Tür, vor ihr saß Endymion, in ein Buch vertieft. Sie begann mit ihrer Arbeit und erst nach einer Weile bemerkte sie, dass er den Kopf erhob um sie anzusehen. Leicht errötend fuhr sie mit ihrer Arbeit fort und bemerkte: „Ich wollte euch nicht stören, verzeiht. Wenn ihr wünscht komme ich später wieder.“ Sanft legte er sein Buch zur Seite und lächelte. „Dreimal habt ihr um Verzeihung gebeten, zweimal seid ihr vor mir geflohen und ein drittes Mal scheint kurz bevor zu stehen. Sagt, bin ich wirklich so abstoßend?“ Von dieser Antwort verwirrt, schaute die Mondprinzessin auf und begegnete seinem tiefen Blick. Es fiel ihr schwer zu atmen und zu denken, doch sie wusste sie musste etwas erwidern. „Natürlich nicht…Es ist nur…“ „Ja?“ Erst jetzt drang seine angenehme Stimme an ihr Ohr, sie kannte diese Stimme. Doch der Prinz sprach gerade jetzt das erste Mal mit ihr. „Ihr wirkt als ob ihr es nicht mögen würdet gestört zu werden.“
Die Worte verließen einfach ihren Mund, ohne dass Serenity sie beeinflussen konnte. „Ach wirke ich so? Was denkt ihr noch über mich?“ „Verzeiht Majestät, doch kenne ich euch zu wenig um euren Wesen gerecht zu werden.“ „Meine Rechnung von vorhin bekommt einen weiteren Zähler, ihr habt euch bereits viermal entschuldigt. Wie geht es eurer Freundin?“ „Den Umständen entsprechend gut, denke ich. Nephlite kümmert sich um sie.“ „Gut, es wird Zeit, dass er seinen Gefühlen nachgeht.“ Verwundert bedachte ihn Serenity mit einem Blick, er schien nichts dagegen zu haben, dass die beiden sich trotz des Standesunterschiedes trafen und sie selbst sprach er mit der Höflichkeitsform an. Dem Prinzen wurde mulmig, er wünschte sich seinen Umhang zurück, mit dem er die aufkeimende Unsicherheit leicht hätte tarnen können. Nach einer langen Pause ergriff er das Wort: „Ich werde beim Frühstück erwartet.“ Seine Blicke brannten auf ihrem Körper, dennoch war es ihr gelungen erneut mit der Arbeit zu beginnen. „Ich wünsche einen guten Appetit Hoheit.“ Sie verbeugte sich, drehte sich schnell um und lief zu den Gardinen um sie in Form zu bringen. Ihr lautes Herzklopfen begleitete sie dabei ebenso wie ihre zitternden Knie. Sie hörte wie die Tür ins Schloss fiel uns atmete erleichtert auf.
Nachdem das Bett schnell gemacht war und auch die anderen vier Zimmer gerichtet waren, lief sie schnell zu ihrer Freundin. Langsam bewegte sie sich die Leiter zum Zimmer hinauf, öffnete die Luke. Nephlite legte gerade sanft ein nasses Tuch auf Amis Stirn, die Prinzessin lächelte sanft und zog sich wieder zurück. Ihre Freundin war gut versorgt.
Da sie den Nachmittag frei hatte machte sie sich auf den Weg die Stadt ein wenig zu erkunden. Vorbei an all den Ständen, den Menschen und den eiligen Vorbereitungen für das stattfindende Fest trugen sie ihre Beine bis auf den Platz einer großen Kirche. Es war ein Gebäude, wie sie es früher in den Büchern ihrer Mutter entdeckt hatte, aus jenen Bänden kannte Serenity die Bedeutung der Kirche. Anders als auf dem Mond herrschte auf der Erde ein monotheistisches Weltbild. Auf dem Mond wurden die einzelnen Planeten als Gottheiten verehrt, vertreten auf dem Mond waren sie durch die Prinzessinnen der jeweiligen Gestirne. Serenity hatte sich schon oft gefragt warum die Prinzessinnen von Merkur, Venus, Mars und Jupiter ihre Leibwächter waren, ihre Mutter hatte ihr nie die wahre Bedeutung des Mondes für das Sonnensystem erklärt, vielleicht würde sich dies mit ihrem 18. Geburtstag ändern. Grübelnd betrat sie das alte Gotteshaus, es war angenehm kühl und das Gemäuer strahlte Ruhe und Gelassenheit aus, einige Menschen saßen auf den Holzbänken, die Hände gefaltet, die Augen geschlossen. Leise und bedächtig wandelte sie durch die große Halle und stockte als sie einen Bekannten ausmachte. Nicht weit von ihr entfernt saß ihr Fremder, tief in Gedanken versunken, die Hände gefaltet schien er zu grübeln. Was er wohl dachte? Fragte sie sich. Vorsichtig setzte sie sich neben ihn, noch immer hatte er sie nicht bemerkt. Serenitys Blick begann zu wandern, die schöne, verzierte Kanzel fesselte sie besonders. Kleine Engelsskulpturen säumten diesen Vorsprung, eine Hand ergriff sie plötzlich.
„Schön euch wieder zu sehen. Ich dachte wir wären erst heute Abend verabredet?“ In seiner Stimme schwang Freude, aber auch ein wenig Traurigkeit mit. „Ich habe den Nachmittag frei, meine Freundin ist krank, doch sie wird gut versorgt. Ich denke im Moment würde ich nur stören.“ Erwiderte sie grinsend. „Ich verstehe, sie ist also nicht allein…“ „Richtig. Sagt, wollen wir bevor wir zum Fest gehen noch ein wenig spazieren gehen? Es ist so schönes Wetter heute. Ihr könntet mir die Wälder zeigen.“ Ein Lachen schallte durch die Halle. „Sehr gern. Mir würde auch nicht einfallen euren Worten zu widersprechen.“ Verunsichert überlegte die junge Prinzessin was so amüsant an ihrer Bitte war, das war es: Bitte! Nun gut sie war anscheinend in ihr altes Verhaltensmuster als Prinzessin zurück gefallen. Tomatenrot senkte sie ihren Kopf und schüttelte ihn heftig als sie immer wieder an ihre eigene Dummheit dachte. „Grämt euch nicht, mir gefallen Menschen, die wissen was sie wollen. Lasst uns gehen.“
Die helle Sonne blendete das ungleiche Paar als sie aus der Kirche traten. Flink orientierte sich der Fremde und führte sie zur Schlossmauer. Serenity fiel auf, dass sie immer noch nicht den Namen des Fremden kannte. „Sagt, ist es nicht an der Zeit uns vorzustellen? Ich heiße Usagi, meine Freunde nennen mich Usa.“ Der Prinz stoppte, jetzt musste er sich schnell einen Namen einfallen lassen. „Ähm ja, gern! Mein Name ist Meneos.“ Meneos? Das passte irgendwie nicht, dachte die Prinzessin. Sie zuckte mit den Schultern und schob ihren letzten Gedanken weit von sich.
Ohnehin begann sie komplett in der wunderbaren Landschaft zu versinken, die sich ihr darbot. Weite Wiesen, kleine Sträucher und am Ende der Ebene ein kräftiger, alter Wald. Ihr Staunen begeisterte ihren Begleiter, er wollte sich mit ihr unterhalten, sie kennen lernen und vieles mehr. „Usa?“ Ihr Körper zuckte bei der Erwähnung ihres Namens. „Sag, was waren die schönsten und die schlimmsten Erfahrungen, die du bisher am Hofe gemacht hast?“ „Das ist gar nicht so leicht…Ich denke meine schönsten Erfahrungen haben alle mit der Natur zu tun, hier mir dir in dieser wunderbaren Umgebung und da gibt es noch den wunderbaren See hinter dem Schloss. Dort wachsen die schönsten Rosen, die ich jemals gesehen habe. Meine schlimmste Erfahrung war…na ja…ziemlich peinlich.“ „War es wirklich so peinlich?“ „Hmm…ich musste nackten Männern Wasser nachschenken, wurde dabei mit merkwürdigen Blicken bedacht und habe den Prinzen verärgert.“ Meneos blieb stehen und wandte sich zu ihr, glaubte sie tatsächlich ihn verärgert zu haben? „Ein gutes hatte die Sache dennoch. Ich weiß jetzt vor welcher Arbeit ich mich im Schloss zukünftig drücken werde.“ Zwinkerte sie ihn an. Schnell ergriff sie seine Hand und zog ihn zum Rand des Waldes. „Warum vertraust du mir eigentlich? Du hast nie mein Gesicht gesehen, weißt nicht mehr als meinen Namen, was ist es also, das dich vertrauen lässt?“ „Ich weiß es nicht. Ich vertraue dir einfach.“ Am liebsten hätte Endymion sie umarmt und nie wieder losgelassen, sie war die Erste, die ihn nicht wegen seines Aussehens oder seiner Macht zu mögen schien. „Wir sollten zum Fest gehen, wir verpassen den besten Teil ansonsten noch.“
An der Stadtmauer konnte die Prinzessin Alfred entdecken, der alte Mann ruderte wild mit seinen Händen. Nackte Angst erfasste die Prinzessin, Amelie, hoffentlich war nichts Schlimmes geschehen. „Ist etwas mit Ami, ich meine Amelie?“ „Nein, das ist es nicht. Amelie war einer der Prinzessinnen als Zofe zugewiesen, die zu Besuch bei Hofe sind. Wir konnten noch keinen Ersatz finden. Usagi, ihr müsst einspringen. Wir stehen in der Pflicht alles Erdenkliche zu tun um den Gästen der Majestäten Annehmlichkeiten zu bereiten.“ „Ich werde einspringen. Wo soll ich mich melden?“ „Meldet euch bei Prinzessin Minerva, sie bewohnt die zwei großen Gemächer auf der Westseite des Schlosses. Eines muss ich euch noch sagen, sie ist manchmal ein wenig anspruchsvoll. Doch sicher werdet ihr die Wünsche der Hoheit gut erfüllen.“ „Ich werde mich gleich aufmachen.“
Nachdem Alfred zurück ins Schloss gelaufen war, drehte sich Usa traurig zu ihrem Begleiter. „Du musst nichts sagen, ich verstehe, dass du für deine Freundin einspringen musst. Ich habe gehört, dass diese Prinzessin sehr schwierig sein soll.“ Usagi stutze, woher wusste Meneos etwas über das Leben im Schloss. „Woher kennst du die Prinzessin?“ „Nun…ich…äh…die Leute reden auf dem Markt. Dadurch habe ich davon erfahren.“ Zufrieden nickte sein Gegenüber. „Es tut mir wirklich leid, der Tag war so schön, ich hoffe wir können das bald wiederholen.“ Sie streckte ihm die Hand entgegen um sich zu verabschieden, er nahm ihre Hand und zog sie in seine Arme zu einer kurzen aber intensiven Umarmung. Verwirrt wegen dieser neuartigen Nähe sprang die blonde Prinzessin ein wenig zurück, lächelte und rannte ins Schloss. „Ja, wir werden uns wieder sehen. Zwar etwas anders als gerade eben aber dennoch schneller als du glaubst Usako.“ Murmelte der Prinz in sich hinein.
Hastig stürmte sie die Treppe hinauf, stieß dabei fast Nathan um, nur um sich schnell entschuldigend zu den Gemächern der Prinzessin durchzukämpfen. Angespannt wartete sie kurz, bis die Röte aus ihrem Kopf verschwunden war, klopfte und wurde herein gebeten. „Wo ist Amelie?“ schrillte es ihr entgegen. „Es tut mit Leid Hoheit, sie ist erkrankt. Bis sie wieder gesund ist, werde ich eure Zofe sein. Kann ich euch einen Wunsch erfüllen?“ Minerva hatte sich um die eigene Achse gedreht und stand jetzt dicht bei ihrer neuen Zofe. „Ah, du bist es. Ich habe dich gestern beim Essen gesehen. Du hast dich recht ungeschickt beim servieren angestellt.“ Tatsächlich, Minerva war eine der Prinzessinnen, die nur Augen für den Thronfolger hatte. „Es tut mir leid, ich hoffe ich habe euch das Mahl dadurch nicht verdorben.“ „Das könntest du gar nicht. Du bist nur eine Dienstmagd. Nun gut, jetzt wo du schon mal da bist. Geh und bereite mir ein Bad, danach hilf mir, mich für das Abendessen zurecht zu machen. Schließlich sollen Endymion die Augen raus fallen wenn er mich sieht. Danach kannst du machen was Dienstmädchen eben so tun.“
Minerva badete ausgedehnt, ließ sich beim ankleiden helfen und befahl Serenity sie zu frisieren. Diese hatte ihren eigenen Zofen bereits so oft dabei zugesehen, dass sie ohne große Schwierigkeiten die Haare traumhaft hochsteckte.“ Sichtlich zufrieden drehte dich die Herrin vor dem Spiegel. „Komm morgen früh in meine Gemächer. Und nun geh.“
Nephlite ruhte noch immer an Amis Seite, er sah kaum auf als Usagi das Zimmer betrat und sich nach dem Befinden ihrer Freundin erkundete. „Sie schläft noch immer. Ich werde jetzt gehen. Ich werde auf sie achten während du morgen arbeitest. Schlaf gut.“ Das ließ sich die kleine Prinzessin nicht zweimal sagen, schnell fiel sie in einen traumlosen Schlaf und hoffte, dass Prinzessin Minerva nicht so anstrengend war, wie es den Anschein machte.
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