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Geschichte: Fanfiktion
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von Einsamer Wolf
erstellt: 19.08.2008
letztes Update: 18.12.2008
Geschichte, Drama / P18 Slash
(fertiggestellt)
Wow! Danke für Euer Feedback auf das erste Kapitel… ;-)
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Offenbar hatte ihn im ersten Augenblick keiner in seinem Polo erkannt. Clemens konnte noch einen Moment durchatmen und die Meute vor dem Trainingsgelände betrachten.
„Wahnsinn!“
Mehrere Kamerateams, noch mehr Mikrophone und die Zeitungsleute. Vom Sehen her kannte er einige. Und dazu ein Haufen Werder-Fans. Mehr als sonst bei den Trainingseinheiten, die um 9:30 anfingen.
Am liebsten wäre er umgedreht. Einfach wieder weggefahren. Keiner hätte ihn aufhalten, peinliche Fragen stellen oder ihn gar beschimpfen können. Einfach nur weg. Sich in Luft auflösen. Sie alle mit ihrer Neugierde, ihrer Sensationsgier alleine lassen. Er gab sich dieser Phantasie einen Moment hin und schloss die Augen.
Er öffnete sie erst wieder, als er neben sich das Brummen eines weiteren Autos hörte. Clemens schaute nach links. Sebastian Boenisch. Ihre Blicke trafen sich. Sebastian nickte freundlich und hob grüßend die Hand. Clemens grüßte zögernd zurück. Sein Puls beschleunigte sich. Seine Hände wurden nass. Langsam zog er den Schlüssel aus dem Zündschloss. Seine Atmung war flach. Aber Sebastians normale Verhaltensweise ließ ihn ein wenig Mut schöpfen.
„Super Voraussetzungen für ein Training“, brummte er.
Kurz darauf klopfte Sebastian an die Scheibe. Clemens schrak zusammen.
„Was’n los? Schläfst Du noch?“ hörte er Sebastian – durch die Scheibe gedämpft – fragen.
Clemens schüttelte den Kopf und öffnete die Tür.
„Hätte heute auch gut noch liegen bleiben können“, meinte Sebastian und lächelte.
„Hmm!“ erwiderte Clemens und holte seine Tasche aus dem Kofferraum.
„Meine Güte! Was wollen die denn alle hier?“ hörte er Sebastian sich wundern.
Clemens fuhr herum und starrte Sebastian an. Der wusste offenbar noch nichts. Seine Freundlichkeit hatte also nichts damit zu tun. Es versetzte Clemens einen Stich. Er fragte sich prompt, ob sich Sebastians Verhalten wohl verändern würde, wenn er erstmal wusste, warum an diesem Morgen ein Großaufgebot der Presse beim Training aufgetaucht war.
„Weißt Du was?“ hakte Sebastian nach.
Clemens nickte.
„Die sind meinetwegen hier!“ antwortete er leise.
„Deinetwegen?“ erwiderte Sebastian erstaunt. „Sag’ bloß, Du wechselst den Verein?“
Auch wenn ihm gar nicht zum Lachen zumute war, musste Clemens grinsen. Sebastian hatte wirklich keine Ahnung. Und seine Mutmaßungen waren so normal. So normal und freundlich. Und würden es aber nicht mehr lange sein. Wahrscheinlich.
„Nee“, sagte er leise. „Geh’ man vor. Die anderen werden Dir schon erzählen, was los ist.“
Sebastian betrachtete Clemens einen Augenblick erstaunt, zuckte dann aber mit den Schultern und ging. Clemens folgte ihm langsam.
Es dauerte keine paar Sekunden, bis sie ihn entdeckt hatten, als er zwischen den Autos herausgetreten war. Clemens konnte gar nicht so schnell gucken, wie er von Kameras, Mikrophonen und Menschen umringt war. Die Reporter riefen ihm lautstark Fragen zu, versuchten sich zu übertönen, doch Clemens verstand kein Wort. Das Licht der Kameras blendete ihn. Für einen Moment schloss er die Augen. Ganz entfernt hörte er sogar ein paar Fans etwas rufen, wobei er auch sie nicht verstand.
„Herr Fritz, was sagen Sie zu dem Artikel von heute?“
„Stimmt es, dass Sie schwul sind?“
„Werden Sie Ihre Karriere fortsetzen?“
„Was sagt der Verein dazu?“
„Wusste die Mannschaft über Sie Bescheid?“
So langsam drangen die einzelnen Fragen zu ihm vor, verstand er, was sie wissen wollten. Clemens öffnete die Augen. Er holte Luft, woraufhin tatsächlich so etwas wie Stille eintrat.
„Reicht es nicht, was heute in der Zeitung stand?“ hörte er sich zu seiner eigenen Überraschung mit relativ fester Stimme fragen. „Ich werde zu meinem Privatleben nichts weiter sagen.“
Nach so etwas wie einer Schrecksekunde prasselten wieder Fragen auf ihn auf.
„Heißt das, dass Sie …?“
„Sie dementieren also nicht …“
Clemens versuchte, sich zwischen den Kameras durchzudrängen, doch die Menschenmenge stand so dicht um ihn herum, dass er kaum vorwärts kam.
„Lassen Sie mich durch“, rief er lauter als geplant.
Doch erst ein lautes Hupen und ein dicht an dem Pulk vorbeifahrender Wagen brachte etwas Bewegung in die Menge und erlaubte Clemens, durchzuschlüpfen. Mit schnellen Schritten erreichte er den Bereich, der für Medien und Fans Tabu war. Im Vorbeigehen warf er einen kurzen Blick in die fragenden Gesichter der Fans, aber es ging alles zu schnell. Er konnte nicht erkennen, was sie wohl dachten. Als die Eingangstür hinter ihm zufiel, atmete er aus. Erschöpft lehnte er sich an die Wand. Wie lange er dort stand, wusste er hinterher gar nicht mehr.
„Willst Du zu spät kommen?“
Clemens öffnete die Augen. Torsten. Mit ausdruckslosem Gesicht verpasste ihr heimlicher Kapitän ihm einen Schlag auf die Schulter und ging an ihm vorbei. Wie gebannt beobachtete er die Statur von Torsten Frings. Diesem giftigen, oft auch harten, aber eigentlich herzensguten Pfeiler ihrer Mannschaft.
„Verfluchter Mist“, murmelte Clemens und folgte ihm langsam.
Vor der Kabinentür blieb er stehen. Torsten war schon verschwunden. Drinnen hörte er sie aufgeregt durcheinander reden.
„Das ist irgendwie wie kurz vor der Hinrichtung“, sagte Clemens halblaut zu sich.
Seine Hand auf der Türklinke wirkte auf ihn irgendwie absurd. Wollte er da jetzt wirklich reingehen? Es dauerte eine Weile, bis er die Tür tatsächlich öffnete.
Als er eintrat, herrschte schlagartig Stille in der Kabine. Alle sahen ihn an. Clemens fühlte sich hundeelend. Keiner sagte etwas. Mit wackeligen Schritten ging er zu seinem Platz hinüber. Dummerweise musste er dabei fast durch den gesamten Raum gehen. Die Stille dabei war eigentlich unerträglich. Nach einer gefühlten Ewigkeit stand er endlich vor seinem Spind. Er ließ seine Tasche vor die Bank fallen und öffnete die Tür. Hinter ihm setzte leises Gemurmel ein.
„Clemens!“
Er fuhr herum. In der Kabinentür stand Frank Baumann.
„Schaaf will Dich sprechen!“
Clemens nickte. Auch aus Franks Stimme oder Miene konnte er nichts schließen. Ausdruckslos wie der Rest. Wieder musste er zwischen seinen Mannschaftskollegen durchgehen. Und immer noch sprach keiner mit ihm. Zaghaft warf er Torsten einen Blick zu, doch der band sich in diesem Augenblick die Schuhe zu und sah gar nicht auf.
Als sich hinter ihm die Tür schloss, hörte er sie wieder reden. Nicht mehr so aufgeregt wie vorher, aber immer noch ziemlich durcheinander.
Das Büro von Schaaf war nicht weit entfernt, doch für die paar Meter brauchte Clemens an diesem Morgen ewig. Kam jetzt seine Suspendierung? Zögerlich klopfte er an die Tür. Das darauf folgende Gebrumme konnte man beim besten Willen nicht als „Herein!“ verstehen, doch so war Schaaf eben. Knorrig. Norddeutsch.
Clemens steckte den Kopf zur Tür rein.
„Komm rein!“ sagte sein Trainer und deutete auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch.
„Danke, ich steh lieber“, entgegnete Clemens.
„Auch gut!“
Schaaf betrachtete Clemens einen Augenblick schweigend.
„Das ist alles scheiße, Clemens!“
Dem rutschte prompt das Herz in die Hose. Es kam also so schlimm, wie befürchtet.
„Nach diesem Gezerre um Diego, der Verletzung von Per, kommt jetzt auch noch so was. Von ruhiger Saisonvorbereitung und Konzentration kann jetzt wohl endgültig keine Rede mehr sein. Und die Meute da draußen ist echt die Härte.“
Betroffen sah Clemens zu Boden.
„Frank hat mir gerade schon erzählt, dass die Truppe ganz schön aufgeregt ist. Musste das sein?“
Verwirrt schaute Clemens seinen Trainer an. Musste das sein? Wie meinte Schaaf das denn?
„Glauben Sie mir! Ich hätte darauf gut verzichten können“, antwortete er leise.
Schaaf schnaubte.
„Das glaub ich Dir wirklich!“
„Heißt das, dass ich suspendiert bin?“ fragte Clemens.
Er wollte es schnell hinter sich bringen.
„Suspendiert?“ fragte Schaaf.
Clemens hob nur die Hände.
„Jetzt hör mir mal zu! Das, was heute in der Zeitung stand, ist alles andere als hilfreich. Und ich habe mir nicht gewünscht, der erste Trainer zu sein, der sich mit so --- einem Problem beschäftigen muss. Aber damit mal eins klar ist! Es ist mir ziemlich egal, mit wem und was Du in Deinen vier Wänden machst. Oder sonst wo ---“
Schaaf stutzte einen Moment und sah fast etwas verlegen aus.
„Hier wird ordentlich trainiert“, raffte er sich dann aber wieder zusammen, „und nach Leistung aufgestellt. Ob Du nun verheiratet bist und vier Kinder hast oder ob Du --- na, ja, ob Du schwul bist --- ist dabei völlig egal.“
Clemens konnte kaum glauben, was er hörte.
„Ich hab heute Morgen kurz mit Klaus darüber gesprochen. Und wir sind uns da einig. Es muss nur irgendwie auszuhalten sein. Wenn mir hier der Laden auseinanderfliegt Deinetwegen, dann hab ich trotzdem keine andere Chance, als Dich zu suspendieren.“
Clemens nickte. Das konnte er sogar verstehen.
„Dann wär’ das ja geklärt“, brummte Schaaf. „Ich seh’ Dich in fünf Minuten auf dem Platz!“
Clemens rührte sich nicht von der Stelle.
„Is’ noch was?“ fragte Schaaf nach einer Weile.
Ihre Blicke trafen sich. In Schaafs Augen blitzte so etwas wie ein gutmütiges Lächeln auf.
„Nein!“ erwiderte Clemens endlich.
„Dann ist ja gut!“
Als Clemens die Tür hinter sich geschlossen hatte, wusste er nicht, ob er nun lachen oder weinen sollte. Eigentlich hätte er mit dieser Reaktion von Schaaf rechnen können. Wenn dem eines nicht passte, dann war das der Moment, in dem ihm jemand von außen vorschreiben wollte, was er mit seiner Mannschaft zu tun oder zu lassen hatte. Und wenn jemand Clemens’ Kopf fordern würde, würde Schaaf ihn beim nächsten Spiel erst recht in die erste Elf stellen. Aber das ging halt nur solange gut, wie die Mannschaft das auch mitmachte. Und was die von ihm hielt, dass wusste er immer noch nicht.
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Hmm! Ich stell mir das wirklich schrecklich vor, aber irgendwann muss da tatsächlich mal einer durch… Das mit dem „wieder zusammensetzen“ werde ich beherzigen… ;-)
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Offenbar hatte ihn im ersten Augenblick keiner in seinem Polo erkannt. Clemens konnte noch einen Moment durchatmen und die Meute vor dem Trainingsgelände betrachten.
„Wahnsinn!“
Mehrere Kamerateams, noch mehr Mikrophone und die Zeitungsleute. Vom Sehen her kannte er einige. Und dazu ein Haufen Werder-Fans. Mehr als sonst bei den Trainingseinheiten, die um 9:30 anfingen.
Am liebsten wäre er umgedreht. Einfach wieder weggefahren. Keiner hätte ihn aufhalten, peinliche Fragen stellen oder ihn gar beschimpfen können. Einfach nur weg. Sich in Luft auflösen. Sie alle mit ihrer Neugierde, ihrer Sensationsgier alleine lassen. Er gab sich dieser Phantasie einen Moment hin und schloss die Augen.
Er öffnete sie erst wieder, als er neben sich das Brummen eines weiteren Autos hörte. Clemens schaute nach links. Sebastian Boenisch. Ihre Blicke trafen sich. Sebastian nickte freundlich und hob grüßend die Hand. Clemens grüßte zögernd zurück. Sein Puls beschleunigte sich. Seine Hände wurden nass. Langsam zog er den Schlüssel aus dem Zündschloss. Seine Atmung war flach. Aber Sebastians normale Verhaltensweise ließ ihn ein wenig Mut schöpfen.
„Super Voraussetzungen für ein Training“, brummte er.
Kurz darauf klopfte Sebastian an die Scheibe. Clemens schrak zusammen.
„Was’n los? Schläfst Du noch?“ hörte er Sebastian – durch die Scheibe gedämpft – fragen.
Clemens schüttelte den Kopf und öffnete die Tür.
„Hätte heute auch gut noch liegen bleiben können“, meinte Sebastian und lächelte.
„Hmm!“ erwiderte Clemens und holte seine Tasche aus dem Kofferraum.
„Meine Güte! Was wollen die denn alle hier?“ hörte er Sebastian sich wundern.
Clemens fuhr herum und starrte Sebastian an. Der wusste offenbar noch nichts. Seine Freundlichkeit hatte also nichts damit zu tun. Es versetzte Clemens einen Stich. Er fragte sich prompt, ob sich Sebastians Verhalten wohl verändern würde, wenn er erstmal wusste, warum an diesem Morgen ein Großaufgebot der Presse beim Training aufgetaucht war.
„Weißt Du was?“ hakte Sebastian nach.
Clemens nickte.
„Die sind meinetwegen hier!“ antwortete er leise.
„Deinetwegen?“ erwiderte Sebastian erstaunt. „Sag’ bloß, Du wechselst den Verein?“
Auch wenn ihm gar nicht zum Lachen zumute war, musste Clemens grinsen. Sebastian hatte wirklich keine Ahnung. Und seine Mutmaßungen waren so normal. So normal und freundlich. Und würden es aber nicht mehr lange sein. Wahrscheinlich.
„Nee“, sagte er leise. „Geh’ man vor. Die anderen werden Dir schon erzählen, was los ist.“
Sebastian betrachtete Clemens einen Augenblick erstaunt, zuckte dann aber mit den Schultern und ging. Clemens folgte ihm langsam.
Es dauerte keine paar Sekunden, bis sie ihn entdeckt hatten, als er zwischen den Autos herausgetreten war. Clemens konnte gar nicht so schnell gucken, wie er von Kameras, Mikrophonen und Menschen umringt war. Die Reporter riefen ihm lautstark Fragen zu, versuchten sich zu übertönen, doch Clemens verstand kein Wort. Das Licht der Kameras blendete ihn. Für einen Moment schloss er die Augen. Ganz entfernt hörte er sogar ein paar Fans etwas rufen, wobei er auch sie nicht verstand.
„Herr Fritz, was sagen Sie zu dem Artikel von heute?“
„Stimmt es, dass Sie schwul sind?“
„Werden Sie Ihre Karriere fortsetzen?“
„Was sagt der Verein dazu?“
„Wusste die Mannschaft über Sie Bescheid?“
So langsam drangen die einzelnen Fragen zu ihm vor, verstand er, was sie wissen wollten. Clemens öffnete die Augen. Er holte Luft, woraufhin tatsächlich so etwas wie Stille eintrat.
„Reicht es nicht, was heute in der Zeitung stand?“ hörte er sich zu seiner eigenen Überraschung mit relativ fester Stimme fragen. „Ich werde zu meinem Privatleben nichts weiter sagen.“
Nach so etwas wie einer Schrecksekunde prasselten wieder Fragen auf ihn auf.
„Heißt das, dass Sie …?“
„Sie dementieren also nicht …“
Clemens versuchte, sich zwischen den Kameras durchzudrängen, doch die Menschenmenge stand so dicht um ihn herum, dass er kaum vorwärts kam.
„Lassen Sie mich durch“, rief er lauter als geplant.
Doch erst ein lautes Hupen und ein dicht an dem Pulk vorbeifahrender Wagen brachte etwas Bewegung in die Menge und erlaubte Clemens, durchzuschlüpfen. Mit schnellen Schritten erreichte er den Bereich, der für Medien und Fans Tabu war. Im Vorbeigehen warf er einen kurzen Blick in die fragenden Gesichter der Fans, aber es ging alles zu schnell. Er konnte nicht erkennen, was sie wohl dachten. Als die Eingangstür hinter ihm zufiel, atmete er aus. Erschöpft lehnte er sich an die Wand. Wie lange er dort stand, wusste er hinterher gar nicht mehr.
„Willst Du zu spät kommen?“
Clemens öffnete die Augen. Torsten. Mit ausdruckslosem Gesicht verpasste ihr heimlicher Kapitän ihm einen Schlag auf die Schulter und ging an ihm vorbei. Wie gebannt beobachtete er die Statur von Torsten Frings. Diesem giftigen, oft auch harten, aber eigentlich herzensguten Pfeiler ihrer Mannschaft.
„Verfluchter Mist“, murmelte Clemens und folgte ihm langsam.
Vor der Kabinentür blieb er stehen. Torsten war schon verschwunden. Drinnen hörte er sie aufgeregt durcheinander reden.
„Das ist irgendwie wie kurz vor der Hinrichtung“, sagte Clemens halblaut zu sich.
Seine Hand auf der Türklinke wirkte auf ihn irgendwie absurd. Wollte er da jetzt wirklich reingehen? Es dauerte eine Weile, bis er die Tür tatsächlich öffnete.
Als er eintrat, herrschte schlagartig Stille in der Kabine. Alle sahen ihn an. Clemens fühlte sich hundeelend. Keiner sagte etwas. Mit wackeligen Schritten ging er zu seinem Platz hinüber. Dummerweise musste er dabei fast durch den gesamten Raum gehen. Die Stille dabei war eigentlich unerträglich. Nach einer gefühlten Ewigkeit stand er endlich vor seinem Spind. Er ließ seine Tasche vor die Bank fallen und öffnete die Tür. Hinter ihm setzte leises Gemurmel ein.
„Clemens!“
Er fuhr herum. In der Kabinentür stand Frank Baumann.
„Schaaf will Dich sprechen!“
Clemens nickte. Auch aus Franks Stimme oder Miene konnte er nichts schließen. Ausdruckslos wie der Rest. Wieder musste er zwischen seinen Mannschaftskollegen durchgehen. Und immer noch sprach keiner mit ihm. Zaghaft warf er Torsten einen Blick zu, doch der band sich in diesem Augenblick die Schuhe zu und sah gar nicht auf.
Als sich hinter ihm die Tür schloss, hörte er sie wieder reden. Nicht mehr so aufgeregt wie vorher, aber immer noch ziemlich durcheinander.
Das Büro von Schaaf war nicht weit entfernt, doch für die paar Meter brauchte Clemens an diesem Morgen ewig. Kam jetzt seine Suspendierung? Zögerlich klopfte er an die Tür. Das darauf folgende Gebrumme konnte man beim besten Willen nicht als „Herein!“ verstehen, doch so war Schaaf eben. Knorrig. Norddeutsch.
Clemens steckte den Kopf zur Tür rein.
„Komm rein!“ sagte sein Trainer und deutete auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch.
„Danke, ich steh lieber“, entgegnete Clemens.
„Auch gut!“
Schaaf betrachtete Clemens einen Augenblick schweigend.
„Das ist alles scheiße, Clemens!“
Dem rutschte prompt das Herz in die Hose. Es kam also so schlimm, wie befürchtet.
„Nach diesem Gezerre um Diego, der Verletzung von Per, kommt jetzt auch noch so was. Von ruhiger Saisonvorbereitung und Konzentration kann jetzt wohl endgültig keine Rede mehr sein. Und die Meute da draußen ist echt die Härte.“
Betroffen sah Clemens zu Boden.
„Frank hat mir gerade schon erzählt, dass die Truppe ganz schön aufgeregt ist. Musste das sein?“
Verwirrt schaute Clemens seinen Trainer an. Musste das sein? Wie meinte Schaaf das denn?
„Glauben Sie mir! Ich hätte darauf gut verzichten können“, antwortete er leise.
Schaaf schnaubte.
„Das glaub ich Dir wirklich!“
„Heißt das, dass ich suspendiert bin?“ fragte Clemens.
Er wollte es schnell hinter sich bringen.
„Suspendiert?“ fragte Schaaf.
Clemens hob nur die Hände.
„Jetzt hör mir mal zu! Das, was heute in der Zeitung stand, ist alles andere als hilfreich. Und ich habe mir nicht gewünscht, der erste Trainer zu sein, der sich mit so --- einem Problem beschäftigen muss. Aber damit mal eins klar ist! Es ist mir ziemlich egal, mit wem und was Du in Deinen vier Wänden machst. Oder sonst wo ---“
Schaaf stutzte einen Moment und sah fast etwas verlegen aus.
„Hier wird ordentlich trainiert“, raffte er sich dann aber wieder zusammen, „und nach Leistung aufgestellt. Ob Du nun verheiratet bist und vier Kinder hast oder ob Du --- na, ja, ob Du schwul bist --- ist dabei völlig egal.“
Clemens konnte kaum glauben, was er hörte.
„Ich hab heute Morgen kurz mit Klaus darüber gesprochen. Und wir sind uns da einig. Es muss nur irgendwie auszuhalten sein. Wenn mir hier der Laden auseinanderfliegt Deinetwegen, dann hab ich trotzdem keine andere Chance, als Dich zu suspendieren.“
Clemens nickte. Das konnte er sogar verstehen.
„Dann wär’ das ja geklärt“, brummte Schaaf. „Ich seh’ Dich in fünf Minuten auf dem Platz!“
Clemens rührte sich nicht von der Stelle.
„Is’ noch was?“ fragte Schaaf nach einer Weile.
Ihre Blicke trafen sich. In Schaafs Augen blitzte so etwas wie ein gutmütiges Lächeln auf.
„Nein!“ erwiderte Clemens endlich.
„Dann ist ja gut!“
Als Clemens die Tür hinter sich geschlossen hatte, wusste er nicht, ob er nun lachen oder weinen sollte. Eigentlich hätte er mit dieser Reaktion von Schaaf rechnen können. Wenn dem eines nicht passte, dann war das der Moment, in dem ihm jemand von außen vorschreiben wollte, was er mit seiner Mannschaft zu tun oder zu lassen hatte. Und wenn jemand Clemens’ Kopf fordern würde, würde Schaaf ihn beim nächsten Spiel erst recht in die erste Elf stellen. Aber das ging halt nur solange gut, wie die Mannschaft das auch mitmachte. Und was die von ihm hielt, dass wusste er immer noch nicht.
--
Hmm! Ich stell mir das wirklich schrecklich vor, aber irgendwann muss da tatsächlich mal einer durch… Das mit dem „wieder zusammensetzen“ werde ich beherzigen… ;-)
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