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von Caro
erstellt: 16.08.2008
letztes Update: 06.05.2012
Geschichte, Thriller, Krimi / P16
(in Arbeit)
Na, zwei alte Spießgesellen von damals haben sich ja wieder eingefunden! Wunderbar, danke euch, ihr beiden! *.*
Naja, da ich nur heute in PC-Nähe bin und morgen wieder für 'ne Weile arbeite, muss ich euch heute was da lassen. Das Kapitel ist recht lang, aber natürlich gibt es auch wieder kürzere. Also keine Angst.
Let's go, steigen wir mal richtig ein.
- -
- Cloud -
Wie ein dunkles Band lag die Autobahn zwischen ihren Leitplanken.
Die Straßenmarkierungen flogen vorüber wie rote und blaue Laserkugeln aus einem dieser mächtigen Titangeschosse am Tor zu Midgar, näherten sich in gleich bleibendem Abstand und verfehlten doch immer zuverlässig das schäbige Vehikel, das mit etwa hundert Stundenkilometern über den von der Abendfeuchte noch glänzenden Asphalt jagte.
Cloud Strife hatte seine bis zu den Fingerknöcheln in schwarzem Leder steckenden Hände ruhig auf das Lenkrad gelegt; sein Blick war unverwandt auf die Straße vor ihm und ihr Ende gerichtet, das sich irgendwo am wie in Tinte getauchten Horizont verlor. Das einfallende Licht der draußen vorbeihuschenden Beleuchtungskörper malte in regelmäßigem Sekundentakt farbige Punkte auf das Anthrazit seiner stahlbeschlagenen Lederjacke.
Auf den Rücksitzen saßen schweigend seine beiden Schüler Kaine Crawford und Boris Callaghan, achtzehn und neunzehn Jahre alt und mittlerweile Mitglieder des Sondereinsatzkommandos der AVALANCHE-Friedenseinheit. Vermutlich schliefen sie, denn für gewöhnlich vermochten sie es nicht, derart lange den Mund zu halten. Clouds Blick huschte hoch in seinen Rückspiegel, und kurz sah er die beiden jungen Männer friedlich aneinander gelehnt halb über dem Polster liegen, Boris mit an den Seiten ganz kurzen strohblonden Haaren und einer ansonsten unmöglichen Frisur – eventuell ein fehlgeschlagener Versuch, die von Cloud zu imitieren –, Kaine mit seinen dünnen mahagonifarbenen Strähnen über den Augen und drei silbernen Ringen im linken Ohrläppchen. Kein Wunder, dass sie müde waren; zweifellos hatten sie sich aufs Äußerste verausgabt. Die Übung, von der sie zurückkehrten, hatte in Fort Condor stattgefunden, kaum mehr als eine allmählich verwitternde Ruine im südlicheren Teil des Kontinents, ehemals ein strategisch wichtiger Stützpunkt und nun ein Übungsgelände, das sehr viele Möglichkeiten des effektiven Trainings anbot.
Clouds Schüler waren die besten. Sie waren nicht nur geistig die hellsten – abgesehen von einigen Ausnahmen natürlich –, sondern auch ihre kämpferischen und taktischen Fähigkeiten waren sensibel herausgebildet und kamen durchweg korrekt zur Anwendung. Cloud achtete penibel darauf, dass sie alle Werte, welche die AVALANCHE verkörperte, zu ihren eigenen machten, sie in ihren urtümlichsten Instinkten verankerten. Täte er das nicht, da war er sich ganz sicher, konnte das Sondereinsatzkommando, das Cloud neben seinem Posten als Ausbilder auch noch leitete, sicherlich nicht ihren besonderen Ruf beanspruchen. Mit seiner Arbeit hatte er sich und seinen Schülern einen hohen Status sichergestellt, den sie ihrerseits bewahren mussten.
Die erste Biegung seit mehr als zehn Minuten. Clouds Faust umschloss eine Seite des Lenkrads und drehte es einmal ganz herum. Tellerwäscher nannte man das, es wurde nicht in der Fahrschule gelehrt, aber gleichwohl fuhr jeder so, der seinen Führerschein länger als zwei Jahre in der Brieftasche behielt.
Kaine hob den Kopf und blinzelte. „Master Strife?“
„Was ist, Crawford?“
Der Junge blinzelte noch einmal. Er schien sich beim besten Willen nicht daran gewöhnen zu können, nach all den Jahren gemeinsamen Unterrichts von seinem Lehrer plötzlich mit dem Nachnamen angesprochen zu werden. „Wo ... wo sind wir denn?“
„Auf der H311 Richtung Junon“, antwortete Cloud.
„Das ist nicht mehr weit“, stellte Kaine überflüssigerweise fest.
„Nein.“
„Wie können Sie die ganze Zeit so starr auf die Straße gucken? Ohne dass Ihnen die Augen zufallen?“
„Das geht mithilfe von viel Koffein“, sagte Cloud düster. „Ist aber auch eine Sache der Gewöhnung. Ich kann es mir nicht leisten, meine besten Männer in einem Auto-Unfall zu verlieren, also verursache ich keinen – klingt einfach, oder?“
Kaine fuhr sich seufzend mit dem Handrücken über die müden Augen. „Wenn nur alles so easy wär’.“ Er unterdrückte ein Gähnen.
„Ihr könnt gleich ins Bett gehen.“
„Das müssen wir wohl. Und Sie?“
„Ich muss mich noch im Hauptquartier zurückmelden. Dort bleibe ich vermutlich auch ... es würde sich kaum lohnen, noch nach Kalm aufzubrechen.“
Oh ja, Kalm. Aeris und Melen wussten noch nicht Bescheid. Entweder fragten sie sich, wie schon so oft, ob es einen gefährlichen Zwischenfall gegeben hatte – oder sie gingen achselzuckend davon aus, dass es wieder einmal später wurde, dass sie ihn an diesem Abend gar nicht mehr zu Gesicht bekommen würden. Dies war der größte Nachteil, den Clouds Beruf mit sich brachte: Er ließ ihm keine Zeit für seine kleine Familie.
Kaine schloss wieder die Augen. Erneut eine sanfte Kurve.
Melen war zwei. Sie war lebhaft, lustig, aber sie hatte bereits Fähigkeiten, die ein Kind in ihrem Alter nicht haben sollte ... und sie tat kaum etwas von den „falschen“ Dingen, die Kleinkinder nun einmal tun. Wenn ihr aus Unwissenheit etwas passierte, von dem andere Kinder nicht einmal wussten, dass es falsch war, dann ging sie sofort zu ihren Eltern, reumütig, und es war unmissverständlich, dass sie es nie wieder tun würde ... sie verfügte bereits über eine gewisse ... Moral, eine Ethik, die Kinder erst im Laufe eines Jahrzehnts aufzubauen anfangen, normalerweise. Das konnte man nicht mehr mit dem Cetra-Blut in ihr erklären. Etwas war ... anders mit ihr, von der Zeugung an, und Cloud wusste auch, was es war. Aeris hatte es ihm gesagt.
Zwei Monate nach Melens Geburt, als das Wetter trüb und der Planet still geworden war, hatte Aeris sich zu ihm auf das Sofa gesetzt und ihm mitgeteilt, was sie selbst nur durch einen Zufall erfahren hatte.
„Cloud ... wegen Melen. Dir ist etwas aufgefallen, oder?“
Er hatte sie offen angesehen. „Dir denn nicht?“
Nicken. „Als sie noch in meinem Bauch war, habe ich Miragia besucht – erinnerst du dich?“
Selbstverständlich erinnerte er sich; er hatte qualvolle Ängste um sie ausgestanden, während sie mithilfe einer von Lukretia erbauten Maschine, dem SPECULUM, ins Verheißene Land gereist war, um ihre Verwandten zu treffen ... und Sephiroth, der aus dem Grund einer reinen Intention als damals einziger Mensch dorthin gebracht worden war. Vor dem sehenden Spiegel am positiven Pol dieser Welt im Inneren des Planeten hatte Sephiroth ihr gesagt, was sie nicht hatte hören wollen, genauso wenig wie Cloud.
„Sephiroth hat mir erzählt, alle JENOVA-Klone seien unfruchtbar. Er selbst, Zack, du ... ja, du auch, und deswegen ist Melen nicht deine Tochter, Cloud. Allerdings“, hatte sie sofort weiterberichtet, „ist sie auch nicht das eines anderen – jedenfalls nicht so, wie du vermuten könntest.“ Er hatte es nicht vermutet. Zu seinem eigenen Erstaunen glaubte er auch in diesem Moment keine einzige Sekunde daran, sie könnte ihn betrogen haben. Das war ... absurd. „Er hat mir erzählt, dass ... Hojo mir eine ruhende Zygote eingepflanzt hat, die ihre Entwicklung beginnen sollte, wenn ich mich dem dreißigsten Lebensjahr nähere. Niemand kennt bisher den Grund. Und ich wusste auch nicht ... was es werden würde ... Sephiroth glaubte, die Eizelle sei gestorben, während ich ... tot war. Aber sie muss im selben Moment wie ich wieder zu leben begonnen haben ...“
Das war es also. Melen war nicht seine eigene Tochter, aber Cloud konnte und wollte nicht aufhören, sie wie diese zu lieben. Und sie erwiderte alle Liebe so stark, wie es ein Kind nur konnte – niemand hatte sich bisher dem Charme des kleinen, schwarzhaarigen Mädchens mit den wachen und fröhlichen Augen entziehen können.
Das unauffällige Auto hatte seinen Platz in der unterirdischen Anlage des AVALANCHE-Headquarters von Junon eingenommen. Grau starrten die Betonwände in die Dunkelheit, nur eine schwache, sparsame Beleuchtung erhellte das Parkdeck, als Cloud und seine beiden Schüler schweigend ihren Weg in Richtung Aufzug einschlugen, ihre Schritte in der Grabesstille widerhallend. Es gab jetzt zwei Wege; die Headquarter der AVALANCHE und der Mittellandjustiz waren zu ein und demselben Komplex verschmolzen, da sich auch ihre Aufgabenbereiche zunehmend überschnitten, aber eine gewisse Zweiteilung war nach wie vor vorhanden.
Der Lift ruckelte leicht, als er seine drei Insassen in das dritte Stockwerk transportierte, wo auch um diese Zeit die Alarmbereitschaft der AVALANCHE noch auf den Beinen war. Boris rieb sich die Augen. Nachdem der Lift gehalten hatte, drang bereits das feine Aroma nach starkem Kaffee durch die noch geschlossene Stahltür.
„Ich will niemals zur Nachtschicht gehören müssen“, murmelte Kaine.
„Einsätze während der Nacht werden sich nicht vermeiden lassen“, erwiderte Cloud.
„Gibt’s dann wenigstens Aufputschmittel für jeden?“ Es klang wie ein halbherziger Scherz.
„Natürlich“, antwortete Cloud.
„Oh.“
„Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, Männer.“
„Wir Ihnen auch, Master Strife ...“
Die beiden Jungen warfen ihm einen letzten müden Blick zu und trotteten dann den Gang zu ihren Quartieren hinunter, ihm den Rücken zuwendend.
Cloud schlug die entgegen gesetzte Richtung ein, öffnete eine weiße Tür und befand sich in einem riesigen hellen Raum voller abgetrennter Schreibtische, in welchem rege Geschäftigkeit herrschte. Der Geruch nach Kaffee war direkt penetrant. An den Schreibtischen starrten sorgfältig gekleidete Menschen auf Computerbildschirme, tippten wild, lasen Berichte oder nippten an schneeweißen Tassen; andere eilten mit Aktenordnern und Dokumentensammlungen hin und her. Als Cloud eintrat und sich einen Weg durch das Treiben bahnte, nickte man ihm von allen Seiten müde, aber freundlich zu und machte ihm Platz.
„Auch einen Kaffee, Mister Strife?“, fragte eine muntere Stimme von hinten. Sie gehörte Vicky Rave, einer seiner ehemaligen Schülerin, die – Gott sei Dank! – aus der AVALANCHE-Jugend doch noch ihren Weg in die Verwaltung gefunden hatte, wo sie, mit einem furchtbaren Nahkampftalent, aber einem umso besseren Gedächtnis gesegnet, sehr viel glücklicher zu sein schien.
„Ja, danke, sehr aufmerksam, Vicky. Hast du den Präsidenten gesehen?“
„Oh, Mister Wallace erhielt vor kurzem eine Benachrichtigung aus dem Hochsicherheitstrakt ... ging um einen Gegenstand, näheres weiß ich leider nicht“, antwortete sie geschäftig und rückte einen kleinen Kugelschreiber, der in der Brusttasche ihrer Bluse steckte, gewissenhaft zurecht.
Das war das Tolle an Vicky: Man konnte sie alles fragen. Sofern sie die Antwort je irgendwo aufgeschnappt hatte, wusste sie sie noch.
„Danke, Vicky.“
„War’s ein erfolgreicher Tag, Mister Strife?“
„Alles gut gelaufen.“
„Sie sind doch sicher froh, mich nicht mehr dabei zu haben, oder? Ich habe mein Schwert gehalten wie einen Badminton-Schläger ...“ Sie grinste ein wenig schuldbewusst.
„Ach was. Ich bin froh, dass dir dein Aufgabenbereich hier oben eher zusagt. Du machst dich wirklich phantastisch.“
„Oh, danke! Wie lieb, dass Sie das sagen.“ Nervös strich sie sich eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Na, der Kaffee wird gleich durchgelaufen sein, ich bringe Ihnen dann eine Tasse ...“
„Danke, Vicky.“
Er hatte nicht vergessen, dass sie – wenn auch ungeschickt – unaufgefordert für ihn ausgesagt hatte, als er als Angeklagter wegen Totschlags an Vincent Valentine vor dem Hohen Gericht von Junon gestanden hatte. In diesen dunklen Zeiten war auf alle seine Schüler Verlass gewesen, und so war es jetzt auch.
Als Cloud an seinem Schreibtisch saß und eben einen Stapel Papier zur Seite legte, stellte Vicky die dampfende Tasse neben ihn auf die Ablage.
Er bedankte sich mit einem Nicken und nahm rasch einen Schluck.
Argh, heiß! Was konnte man auch anderes erwarten, wenn der Kaffee frisch aufgebrüht war ... Cloud fuhr sich mit seiner auf der Oberseite taub gewordenen Zunge über die Lippen, als ihm jemand von hinten auf die Schulter tippte.
„Da bist du ja, Rumtreiber. Mann, immer lässt du alle so ewig lange auf dich warten!“
Er drehte sich um und blickte in das vorwurfsvolle Gesicht von Tifa Lockheart, interkontinentale Botschafterin der Mittellandjustiz und gleichzeitig Besitzerin der Bar Siebter Himmel in Midgar, wo sie sich nur noch selten aufhielt. Sie trug eine Bluse in der Farbe von Rosé-Wein und hatte ihr Haar wieder einmal kunstvoll hochgesteckt.
„Ich wusste nicht, dass ihr auf mich wartet“, antwortete Cloud nüchtern, aber nicht ohne ihr schelmisches Lächeln zu erwidern. Die gute Beziehung zu seiner alten Freundin hatte in den vergangenen Jahren trotz Strapazen nie gelitten. „Ich wollte zu Barret. Vicky hat mir aber gerade gesagt, dass er in den Hochsicherheitstrakt gerufen wurde.“
„Ja, und von genau da sind wir jetzt wieder zurück. Stell dir mal vor ... es hat einen Einbruch gegeben ... ohne, dass irgendjemand etwas bemerkt hat.“
Clouds Stimmung verfinsterte sich; eine gewisse Beklemmung beschlich ihn. „Tatsächlich? Das ist doch nahezu unmöglich.“
„Oh, da sind wir derselben Meinung.“
„Und ... wurde etwas gestohlen?“
„Rate mal.“
„Ich weiß es wirklich nicht.“
„Etwas, womit du und ich schon lange eine gewisse ... Bekanntschaft pflegen“, half sie ihm.
Er sah sie ratlos an. „Die Transfer-Substanz? Dios Tarnplane?“
Tifa schüttelte den Kopf. „Nein. Noch schlimmer. Nichts davon ist mitgenommen worden, nur eins ... Sephiroths Masamune.“
Cloud schwieg. Er war verwirrt. Es machte keinen Sinn, eine zwar gefährliche, aber alte und abgestumpfte Klinge zu stehlen, wenn daneben wahre Schätze wie die von ihm genannten lagen ... Wer war ausgerechnet auf Sephiroths Schwert fixiert? Wozu? Und ...
„Aber wie soll derjenige denn reingekommen sein, Tifa? Das Hauptquartier und speziell der Hochsicherheitstrakt ist, das habt ihr mir selber erklärt, das sicherste Gebäude der Welt! Wie konnte jemand so unbemerkt ...?“
„Frag mich was Leichteres“, antwortete sie achselzuckend. „Barret nahm natürlich sofort an, es müsste einer aus unseren Reihen getan oder zumindest zugelassen haben. Anders können wir es uns bislang nicht erklären ... nun ja. Wir werden sehen. Sag mal, wie lief die Übung?“
„Gut“, antwortete Cloud, war mit den Gedanken aber immer noch bei dem seltsamen Diebstahl.
„Also wie immer. Warum frage ich überhaupt noch?“
„Tja ...“
„Ist schon langweilig, seit die Cetra nicht mehr von sich hören lassen.“ Tifa blies sich eine schokoladenbraune Haarsträhne aus dem Gesicht. „Wie lange schlafen die jetzt?“
Cloud kehrte aus den Tiefen seiner abwesenden Gedanken zurück. „Bis zum Ende des Jahres, sagte Aeris. Vorher könnten wir nicht auf ihre Hilfe hoffen. Soll heißen ... mit allem, was jetzt passiert“, erklärte er kategorisch, „müssen wir ganz allein fertig werden. Aber da wir das früher konnten, werden wir wohl auch jetzt dazu in der Lage sein, oder?“
„Du hörst dich an, als würdest du das jemandem beweisen wollen.“
„Vielleicht will ich es ihnen beweisen.“
„Tja, na dann mal los. Wir müssen zusehen, dass wir das Killerschwert zurückkriegen.“ Sie sah auf die Uhr. „Die Mittellandjustiz wird mitten in der Nacht nicht mehr damit anfangen. Ich glaub’, ich geh’ ins Bett. Wie geht es denn Melen und Aeris?“
„Gut.“ Cloud nahm noch einen Schluck Kaffee; er war jetzt kühler. „Ich denke, ich werde auch schlafen gehen. Für den Heimweg dürfte es zu spät sein.“
„Jaah, bleib doch noch, ich kann uns dann Frühstück machen. Vorher solltest du dich aber bei Barret zurückmelden, er hat schon auf euch gewartet. Hoffentlich hab’ ich ihm jetzt nicht wieder die Story weggeschnappt, indem ich dir von dem Einbruch erzählt habe.“
„Selbst wenn, ich bin immer noch erschüttert genug“, antwortete Cloud mit unbeabsichtigt düsterem Unterton. Er wusste nicht, welchen Reim er sich auf diesen Diebstahl machen sollte, aber er beschloss, diesbezügliche Überlegungen auf den nächsten Arbeitstag zu verschieben.
Als Cloud Barret in dessen Büro vorfand, fühlte er sich mit einem Mal so ermattet, dass er sich nur schwerlich beherrschen konnte, nicht im Stehen einzuschlafen.
Der Präsident der AVALANCHE saß über einen mehrere Seiten umfassenden Bericht gebeugt, der auf dem Deckblatt den Stempel der Mittellandjustiz trug. Mehr als das konnte Cloud in angemessenem Diskretionsabstand jedoch nicht erspähen.
„Hallo, Barret.“
Der Angesprochene sah auf. Scharfe Furchen durchzogen sein dunkles Gesicht, und er trug eine Lesebrille. Bei aller Stärke wurde auch Barret nicht jünger. „N’Abend. Freut mich, dich zu seh’n, Cloud. Wie war ’n die Übung?“
„In jeder Hinsicht in Ordnung. Barret, Tifa hat mir erzählt, dass –“
„Oh, na klar hat se dir das erzählt, die kann ja auch keine drei Minuten was für sich behalten. Was sagst du zu der Sache, mein Alter?“
„Ich ... bin überrascht.“ Cloud schürzte die Lippen. Die Masamune, Gottverdammt, was wollte jemand mit der Masamune, das war nicht gut, gar nicht gut. „Wird ... irgendetwas unternommen werden?“
„Unternommen werden is’ gut ... die Mittellandjustiz is’ total aus dem Häuschen.“ Barret sah Cloud ernst an und schob seine Brille zurück. „Siehst zwar aus, als könnteste ’n bisschen Schlaf vertragen, aber ich fürchte, ich muss dir vorher noch ’n paar unschöne Mitteilungen machen. Magste dich setzen?“
„Ich ... nein. Ich bleibe lieber stehen. Schieß los.“
Barret nickte. „Also. Du erinnerst dich doch bestimmt an den dicken Dr. Ernest Einberg, der mit dem Schnauzbart und der Flaschenbodenbrille? Den Leiter der Jugendabteilung für Mittellandjustiz und AVALANCHE?“
Cloud furchte die Stirn. „Dr. Einberg? Natürlich kenne ich den, das ist mein direkter Vorgesetzter ... mein Chef, wenn du so willst. Allerdings laufe ich dem nicht allzu oft über den Weg ...“ Was Cloud durchaus guthieß. Mit diesem Mann war nicht so gut Kirschenessen. Sicher, er war ein guter Mann, aber er war streng, ruppig und über alle Maßen direkt. Sensible Persönlichkeiten machten einen großen Bogen um ihn. „Äh, was ist denn mit dem? Will der neuerdings was von mir ...?“
„Allerdings, Cloud. Er will dich morgen zum Abendessen sehen ... und Gespräche mit dir führen. Frag mich nicht, wovon die handeln werden, da macht er ’n Geheimnis draus.“
Das überraschte den Ausbilder dann doch zu sehr, als dass er darüber hinweggehen konnte. „Geheimnis? Barret, ich bitte dich, du bist der Präsident ...“
„Der AVALANCHE, Cloud. Nicht der Mittellandjustiz.“
„Aber es geht um mich und ich bin bei der AVALANCHE ...“
Barret zuckte die Schultern. „So isses halt. Er wird’s dir sagen. Dafür soll der alte Fleischklops ja ’nen exquisiten Geschmack für exotische Speisen haben ...“
Cloud schüttelte unwillig den Kopf und seufzte tief. „Na schön. Wann und wo?“
„Er sagt, er kocht selber.“
„Ach du Scheiße.“
„Quatsch. Ich hab’ doch gesagt, er soll da echt gut sein.“
„Ich fluche nur, weil ich befürchten darf, dass ich zu ihm nach Hause muss – oder?“
„Richtig erkannt. Der wohnt in Midgar, ich schick dir morgen früh die Adresse per e-mail rüber, such’ die gleich raus ... um sieben sollst du da sein. Musst du sehen, wann du dann noch nach Hause fährst, vorher oder nachher.“
„Das überlege ich mir morgen.“
„Klar, mach wie du denkst. Ah, und noch was, Cloud ... Aeris hat mich angerufen, kurz nachdem du mit den Jungs los bist. Wollte eigentlich dich, aber du hattest ja wieder dein PHS aus.“
Oh ja. Verdammt. Cloud meinte immer, es nicht nötig zu haben, permanent erreichbar zu sein, aber in solchen Fällen, wenn Aeris ihn kontaktieren wollte, bereute er das stets aufs Neue. „Ich ... weiß. Tut mir Leid. Was wollte sie? Es ist doch nichts passiert, oder?“
„Wie man’s nimmt. Melen ist wohl irgendwie krank ... oder sonst was. Jedenfalls hat Dr. Liouville nach ihr gesehen und nichts gefunden. Ich weiß nicht genau, musst du mal mit Aeris reden.“
Melen? Krank? Das war schlecht. Cloud war schlagartig wieder hellwach. „Und Dr. Liouville weiß nicht, was es ist?“ Das war schier unvorstellbar. Cloud hatte eine sehr hohe Meinung von dem alten Arzt, schon bevor der sehr fachkompetente Heilkundige seinen Posten in der Palmen-Klinik in Mideel aufgegeben hatte, um für die AVALANCHE zu arbeiten und die Gesundheit deren Mitglieder aufrecht zu erhalten. Wenn er nicht wusste, was mit Melen nicht stimmte, wusste es vermutlich niemand. Und genau das erschreckte Cloud. Er wusste schließlich, das mit Melen etwas anders war, und immer schon hatte er befürchtet, dass sich diese Besonderheit auch irgendwann körperlich bemerkbar machen würde ...
„Cloud? Du sagst ja gar nichts. Hör mal, es is’ nich’ so, dass die Lütte jetzt kurz vorm Abnippeln wär’ ...“
Der Ausbilder schüttelte erneut den Kopf. „Nein, nein, ist gut, ich werde einfach noch mal mit Aeris telefonieren, bevor ich mich auf den Weg mache ...“ Aber auf welchen Weg? Er hatte morgen wieder das Training mit der Jugendgruppe vor sich. Folglich würde er erst nach diesem absonderlichen Dinner mit Dr. Einberg überhaupt nach Kalm fahren können. Dem kam allerdings entgegen, dass Kalm nicht allzu weit von Midgar entfernt war ...
Als Cloud aufsah, bemerkte er, dass Barret ihn eindringlich und besorgt musterte. „Cloud, du bist einer der besten hier. Wenn’s deiner Tochter schlecht geht, kannst du dir gerne ’n paar Tage frei nehmen, weißte. Das machste ja sonst nie ... und schiebst trotzdem oft genug Überstunden. Und wenn’s um die Kinder geht, weißte, dann kann ich das vollkommen nachfühlen! Also, wenn dir dann wohler is’, fahr morgen früh nach Hause. Diese Routineübungen mit den Knirpsen kann auch ’n anderer übernehmen.“
Cloud nickte langsam, obwohl er wusste, dass er es nicht tun würde. Womöglich würde er vor dem Einschlafen ein paar Mal mit diesem Gedanken spielen und ihn dann verwerfen, da sein unerschütterliches Pflichtgefühl, das er auch seinen Schülern gewissenhaft zu vermitteln bemüht war, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit stärker war. „Ich denke drüber nach. Danke.“
„Kein Ding. Und jetzt marsch, ab ins Bett mit dir, Stachelkopf.“
„Hmmm. Bis morgen.“ Morgen. Es war bereits morgen.
Cloud schloss leise die Tür hinter sich und ging den unbelebten Gang hinunter zu seinem Nachtquartier. Hoffentlich, dachte er, werde ich mich überhaupt auf das konzentrieren können, was dieser Einberg mir zu sagen hat. Mann, das muss ja wieder alles auf einen Schlag kommen.
Er ging sofort zu Bett.
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So, das wäre der erste Part. Kommt ihr einigermaßen wieder rein? Wenn es Fragen gibt, ihr euch nicht mehr an alles erinnern könnt oder irgendwas nicht klar ist, fragt ruhig nach.
Ich melde mich dann wieder in ein paar Tagen.
Adios!
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