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von annamolly    erstellt: 12.08.2008    letztes Update: 04.10.2008    Geschichte, Drama / P18 Slash    (fertiggestellt)
Oh mein Gott... die schon wieder? Ja, das denke ich mir auch immer, wenn ich schon wieder etwas von Ruby und mir online stelle, aber nun ja... Es sind Ferien, Mann (meine letzten Sommerferien!) und wir haben eben sonst nichts zu tun, ne?
Und wir haben uns sogar endlich mal ein neues Opfer ausgesucht, thaahaha. Soll ja auch nicht langweilig werden, si?
Ach und noch was. Wir haben das Ganze angefangen, als Per sich noch nicht verletzt hatte! Also, nicht wundern, dass er die komplette Vorbereitung und so mitgemacht hat. Das konnte man ja schließlich nicht ahnen. ^^
Also denn mal - viel Spaß?


Kapitel 1

Ihre Finger streichen über meine Brustwarzen, stupsen gegen die Piercings und tragen mich endgültig ins Paradies – zumindest für ein paar Sekunden. Mit einem letzten, kräftigen Stoß komme ich.

Vergesse für den Moment alles um mich herum und vor allem alles, was seit der Rückkehr aus Schruns passiert ist. Auch wenn ich mir fest auf die Lippe beißen muss, um nicht Marens Namen zu keuchen.

So eine Blöße muss ich mir wirklich nicht geben.

Erst, als das Mädel– ich habe ihren Namen schon längst wieder vergessen, verdrängt – mich von sich runterschiebt, finde ich in die Realität zurück und werfe einen Seitenblick zu ihr hinüber. Irgendwie sieht sie nicht halb so befriedigt aus, wie ich mich fühle.

Ich runzle die Stirn und strecke eine Hand aus, um ihr ein paar blonde Strähnen aus dem Gesicht zu streichen. „Alles klar?“, frage ich, mit zusammengezogenen Augenbrauen, als sie sich wegdreht.

„Sicher. Ich geh’ dann jetzt mal lieber“, murmelt sie und nimmt sich die Bettdecke, um sie sich umzuwickeln, bevor sie sich ihre Klamotten vom Boden zusammensucht und damit ins Bad verschwindet.

Toll – meine Bettdecke! Was soll das überhaupt? Ich meine, es ist doch ganz klar definiert gewesen – ein bisschen Spaß, und sie hat ja auch damit angefangen, hat mich angesprochen. Jetzt ist sie eingeschnappt, oder wie?

Wäre nicht weiter verwunderlich. Immerhin habe ich gerade mein Talent dafür entdeckt, Frauen eingeschnappt zu machen. Maren sah auch nicht wesentlich entspannter aus, als ich vor drei Tagen aus Schruns wieder heimgekommen bin. Sie saß auf ihrem verfluchten Koffer – das Einzige von ihr, das überhaupt noch in meiner Wohnung war.

Ich erinnere mich noch genau an die Szene, die sie mir gemacht hat. Von wegen, es würde für mich ja doch keinen Unterschied machen, ob sie hier sei oder nicht, ich würde mich einen Dreck für sie interessieren und was nicht noch alles. Ich habe sie noch nie so erlebt. Nie, in den ganzen anderthalb Jahren, die wir zusammen waren.

Dann hat sie sich ihren Koffer geschnappt und ist die Treppen zur Haustür nach unten gepoltert. Natürlich bin ich ihr hinterher, aber es hat nichts mehr gebracht. An einen schwarzen Audi gelehnt, hat schon ihr Neuer gewartet. Sascha, kenne ihn flüchtig. Ist der Bruder ihrer besten Freundin – oder so. Ein ziemlicher Horst jedenfalls.

Jetzt ist sie weg. Schluss, Aus, Ende. Schon irgendwie ein komische Gefühl, immerhin habe ich sie geliebt.

„Ich bin dann weg.“ Ich sehe auf und blicke zur Zimmertür rüber, wo das Mädchen – ist sie wirklich, wahrscheinlich gerade mal neunzehn, zwanzig – steht, die Hand schon auf der Klinke und sieht nun eher verunsichert aus als eingeschnappt. Die Bettdecke liegt zusammengeknüllt vor der Badezimmertür.

Schnell stehe ich auf, greife mir meine Boxershorts vom Nachttisch (nein, ich denke nicht darüber nach) und ziehe sie mir über, bevor ich zu ihr hinüber gehe – Julia, Mona? Ich hab’ keine Ahnung! – und eine Hand auf ihre Schulter lege. „Wirklich alles okay?“

„Klar, doch“, murmelt sie und schiebt meine Hand weg. „Ist nicht das erste Mal, dass ich bei einem Kerl nicht gekommen bin, keine Sorge. Aber ich würde jetzt gerne gehen.“

Ich glaube, ich schnappe nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen, während sie die Tür öffnet und hinaus geht. Das… ist hochgradig peinlich. Ich bin wahrscheinlich schon rot um die Ohren und die Nasenspitze. Sie ist nicht… na super! Wahrscheinlich darf ich jetzt morgen in der BILD auch noch lesen, dass ich eine Niete im Bett bin. Klasse! „Hey, das bleibt aber unter uns, ja?“

„Was? Dass ich schlechten Sex mit Clemens Fritz hatte? Aber sicher…“ Sie wendet sich noch einmal um und hebt die Schultern. Sieht zumindest so aus, als würde sie das ernster meinen, als es klingt.

Mit beiden Händen fahre ich mir übers Gesicht und durch die Haare. „Pass auf, dass dich niemand sieht, wenn du raus gehst.“

Sie – Kathrin? Anna? Ach, ist doch total egal – nickt noch einmal und dann ist sie auch schon um die nächste Ecke verschwunden. Ich seufze und gehe zurück in mein Zimmer, schließe die Tür leise hinter mir und schnappe mir die Decke vom Boden, bevor ich mich wieder ins Bett lege.

Kaum habe ich jedoch die Augen geschlossen und rolle mich auf die Seite, um zu schlafen, sehe ich schon wieder hellbraune, funkelnde Augen vor mir. Höre ein leises, hohes Lachen in meinen Ohren. So lange, bis ich schließlich fluchend die Bettdecke zurückschlage, um erst einmal duschen zu gehen.

Weil ich mich ja schon ein bisschen schäbig fühle. Immerhin hat Maren erst vor drei Tagen Schluss gemacht und ich suche mir schon einen kleinen Zeitvertreib, um sie zu vergessen – und es wird sicherlich nicht bei dem einen Mal bleiben. Das ist eben meine Art, mit so etwas umzugehen.

Ein gutes Gefühl ist es trotzdem nicht.

Schon gar nicht, wenn man dann auch noch gesagt bekommt, dass der Sex nicht gerade das Gelbe vom Ei war. Scheiße, das ist mir eigentlich auch noch nie passiert. Da kann man ja nur hoffen, dass das eine einmalige Ausnahme war. Alles andere wäre nämlich ein bedenklicher Knacks in meinem Ego, den ich absolut nicht gebrauchen kann.

~*~

Ziemlich müde, immerhin war es weit nach drei Uhr, als ich endlich eingeschlafen bin, setze ich mich am nächsten Morgen zu Per an den Tisch und starre lustlos in meine Kaffeetasse, den Kopf auf eine Hand gestützt.

„Clemens?“ Per rammt mir seinen Ellenbogen mehr oder minder freundschaftlich in die Seite, um meine Aufmerksamkeit auf sich zu richten. Ich drehe meinen Kopf zu ihm und ziehe eine Augenbraue nach oben. „Wir müssen reden.“

„Sprich dich aus“, nuschle ich brummelig in seine Richtung und widme mich wieder meiner Kaffeetasse. Wo habe ich eigentlich den Zucker gelassen? Hm, der liegt wohl mit dem Löffel bei der Milch. Blöd gelaufen.

Per rollt mit den Augen, das weiß ich auch, ohne hinzusehen. Kenne ihn inzwischen wirklich gut genug, er ist immerhin so etwas wie mein bester Kumpel, den ich hier in Bremen habe. „Mann, Clemens. Die Wände hier sind vielleicht ganz dick, aber ich hab’ dich trotzdem gehört.“

„Wie…?“ Nun sehe ich doch auf und versuche mir nicht anmerken zu lassen, dass ich geschockt bin. Ich möchte Per wirklich – wirklich! – nicht erzählen, dass ich gestern mit einem Mädchen geschlafen habe, das mich für einen miserablen Liebhaber hält. Schon gar nicht im Speisesaal. „Ja, tut mir leid, dass ich mitten in der Nacht geduscht habe, aber mir war danach…“

„Das meine ich nicht – und das weißt du ganz genau! Wer war da bei dir?“

Schön, war ja klar. Und was jetzt? Leugnen? Macht wahrscheinlich auch schon keinen Sinn mehr – außerdem ist das Per. Ist ja nicht so, als würde er locker lassen, wenn ich ihm sage, dass niemand da war. „Ein Mädchen.“

„Aber…“, setzt er an und merkt erst dann, dass er etwas zu laut geworden ist, und bricht ab, um sich mir entgegen zu beugen. „Was ist mit Maren?“

Ich hab’s ihm noch nicht erzählt. Klar, wann denn auch? Ist ja auch erst drei Tage her, dass sie einfach abgehauen ist. Und ich bin nicht jemand, der mit so einer Nachricht gleich hausieren geht. Auch nicht bei meinen besten Freunden.

„Mit Maren ist Schluss, Per. Ich kam aus Schruns wieder und sie saß auf ihrem gepackten Koffer – den Rest hatte sie schon vorher aus der Wohnung geräumt. Hat gemeint, ich würde mir nicht genug Zeit für sie nehmen. Ihr Neuer stand schon unten vor der Tür, um sie mitzunehmen. Super, ne?“

Pers Augen haben sich während meiner Ausführung zunehmend geweitet und nun starrt er mich mit großen Augen förmlich an. „Wie jetzt? Das ist doch nicht… Echt jetzt?“

Ich stöhne genervt auf und nicke, bevor ich mir erst einmal Milch, Zucker und einen Löffel für meinen Kaffee hole. Schwarz kann ich den einfach nicht trinken. Per glubscht noch immer, als ich zum Tisch zurückkomme.

„Wow, das hätte ich von ihr nicht erwartet“, murmelt er, als ich mich wieder gesetzt habe und mit der Zuckertüte kämpfe, bis Per sie mir schließlich aus der Hand reißt, öffnet und den Zucker in meinen Kaffee kippt.

Ich versuche mich an einem Lächeln, bedanke mich und schütte die Milch dazu, bevor ich das Ganze umrühre und einen Schluck nehme. „Ich auch nicht, Per, das kannst du mir glauben. Ich hab’ geguckt wie ein Auto, als ich heimkam.“

Ein verständnisvolles Nicken, ein „Tut mir leid“, eine flüchtige Berührung an meinem Arm und dann sind wir auch schon wieder bei dem offensichtlich viel interessanteren Thema von gestern Abend.

„Und wer… war das heut Nacht?“

„Das habe ich mich auch schon gefragt“, seufze ich und rühre meinen Kaffe weiter, bis mir auch der Löffel entrissen wird. Na, vielen Dank auch, Freund! „Ich weiß es nicht, hab’ ihren Namen vergessen.“

Per schließt kurz die Augen und atmet durch, bevor er mich wieder ernst ansieht. „Du warst betrunken?!“

„Haha, besser wär’s vielleicht gewesen.“ Ich lache trocken auf und schüttle den Kopf, fahre mir durch die Haare. Mann, eigentlich hab’ ich überhaupt kein Problem, mit Per über mein Sexualleben zu reden, aber… wenn dann so etwas passiert, das ist schon irgendwie peinlich. Auch vor Per. „Es… hat ihr nicht gefallen, weißt du? Sie ist nicht… ist nicht gekommen.“

Es scheint einen Moment zu dauern, bis Per es schnallt, aber dann bricht er doch in Gelächter aus. Ziemlich laut, ziemlich unverhohlen. Bestimmt zehn Köpfe zucken sofort in unsere Richtung und ich würde wahnsinnig gerne unter den Tisch kriechen.

„Mann, Per, jetzt krieg dich mal wieder ein. So lustig ist das nicht“, fahre ich ihn an und trete unter dem Tisch nach seinem Schienbein. Scheine ihn zu erwischen, denn unter das Lachen mischt sich nun auch noch ein schmerzhaftes Jaulen und er greift sofort unter den Tisch.

Aber seine Wirkung verfehlt das Ganze auch nicht: Per beruhigt sich wieder und hat sich schließlich soweit gefasst, dass er mich nur noch mit einem fiesen Grinsen auf den Lippen ansieht. „Siehste mal, manchmal nützt es eben doch nichts, dass du das Kamasutra vorwärts und rückwärts kannst.“

„Ist gut jetzt, okay?“, zische ich, lehne mich in meinem Stuhl zurück und verschränke die Arme vor der Brust. „Ich kann mich wahrscheinlich glücklich schätzen, wenn sie damit nicht zur BILD rennt.“

Per runzelt die Stirn. „Meinst du, das würde sie machen?“

Ich hebe nur die Schultern. Nein, eigentlich glaube ich das nicht, aber man weiß ja schließlich nie. Geld würde sie damit immerhin allemal machen und ein bisschen Ruhm wäre sicherlich auch drin. Aber andererseits – sie sah nicht so aus, als hätte sie Geld so dringend nötig, kam mehr nach der Marke „sponsored by Daddy“, und auf ihr Abbild auf den Titelseiten ist sie, soweit ich das beurteilen könnte, wo ich nicht einmal ihren Namen weiß, auch nicht besonders scharf.

„Komm, das wird schon alles wieder“, meint Per und klopft mir freundschaftlich auf die Schulter.

Na, wenn er da mal nur Recht hat.
 
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