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von sunshine-164-
erstellt: 17.07.2008
letztes Update: 24.09.2008
Geschichte, Mystery / P16
(abgebrochen)
Der abtrünnige Priester (Teil 1)
St. George, Utah | 06. November 2006
Die Abendmesse war bereits seit mehreren Stunden zu Ende, als Pater Justus wie so oft noch seine letzte Runde durch die kühlen Gänge des alten Tempels drehte. Das Gotteshaus ist eines der ältesten im Bundesstaat Utah, was aber seiner Pracht nichts anhaben kann. Durch die bunten Fenster fiel das Mondlicht dumpf auf den Steinboden. Es war eine Nacht vor Vollmond, weshalb der Innenraum um diese Uhrzeit erhellter war als gewöhnlich. Die letzten Kerzen, die um diese Zeit noch zusätzlich brannten, tänzelten durch die Zugluft, die an den kalten Mauern des Gebäudes entlang kroch. Der alte, leicht dickbäuchige Pater, der schon seit vielen Jahren im anliegenden Pfarrgebäude lebte, war der letzte an diesem Abend. Er verschloss die Tür hinter dem Altar und ließ den Schlüssel mit einem leisen Klingeln in die Tasche seiner Kutte gleiten. Langsamen Schrittes, da die Hüfte des fast 80-jährigen einen dumpfen Schmerz verbreitet, wanderte er nun zur Tür aus massivem Eichenholz. Es waren unzählige Kratzer im Holz zu sehen, auch einige Initialen, bei denen es sich um Verewigungen der Jugendlichen aus der Gemeinde handelte. Pater Justus griff nach Klinke, als ein kalter Schauer über seinen Rücken lief. Um sich zu versichern, dass er wirklich der Einzige dort war, drehte er sich um. Es war wie immer. Zufrieden wendete er sich wieder der Tür zu. Doch bevor er diese verließ, bekreuzigte er sich und murmelte ein leises Gebet vor sich hin. Es waren seine letzten Worte, als durch den Spalt der Tür ein Nebel in den Raum floss, der dem Pater die Luft und kurz darauf auch das Leben nahm.
„Detective Gorman“, begrüßte die Gerichtsmedizinerin den afroamerikanischen Cop, der sich neben die Leiche des verstorbenen Paters gehockt, freundlich. „Morgen, Dr. Freegens. Was haben wir hier?“, fragte er routinemäßig. „Das ist eine sehr gute Frage. Er ist erstickt. Es gibt aber weder Würgemale noch sonstige Hinweise, woran er erstickt sein könnte.“ Bedauernd schüttelte sie mit dem Kopf, da dieser Fall ihr einfach nur ein Rätsel war. Auch der Detective war ratlos. Das war schon der zweite Priester, der in dieser Woche erstickt war, doch niemand wusste, woran. Keine drei Tage zuvor wurde beinahe an demselben Platz Pater Morris reglos aufgefunden. Der Tod wurde als natürlich eingestuft, was aber nach diesem Tod keiner so recht glauben konnte.
Genüsslich nippte Dean an seinem tiefschwarzen Kaffee und rutschte auf dem unbequemen Stuhl in Domino’s Pizza hin und her. „Hast du schon was?“, fragte er seinen kleinen Bruder, der wie auf – für Dean – streberhafte Weise über einigen Zeitungsartikeln hing und nebenbei auch noch das Internet durchforstete. Sam sah zu seinem Bruder auf und drehte ihm den Bildschirm des Laptops zu. „Ja, hier! St. George, Utah!“ Dean horchte unweigerlich auf und ein breites Grinsen zeichnete sich auf seinen Lippen ab. „Super! Von da aus fahren wir nur zwei Stunden bis nach Vegas! Dort können wir unsere Taschen mal wieder mit ein bisschen Knete auffüllen. Unser Stundenlohn verdoppelt sich ja nicht. Zwei mal Null bleibt eben Null.“ In diesem Moment fiel es Sam schwer, nicht gleich laut loszulachen. „Du hast ja doch in der Schule aufgepasst.“
Beinahe empört musterte Dean seinen Bruder, grinst dann aber, als würde er in Erinnerungen schwelgen. „Mathe fand ich immer toll, denn die Lehrerin…puh… die war heiß. Die hatte immer einen Ausschnitt so bis…“ Deans Finger fuhren seinen Oberkörper entlang. Sam lachte in sich hinein und schüttelte den Kopf. „Ich unterbreche dich ja nur ungern, aber es gibt Dinge, die will ich einfach nicht wissen.“ Prompt legte Dean die Stirn in Falten, als würde er sich ernsthaft Sorgen machen. „Kein Wunder, dass du so verklemmt bist, Sammy… du solltest wirklich öfter mal Ausschau halten.“
Diese Worte hatte Sam schon zu oft von seinem Bruder gehört, sodass sie mittlerweile ins eine Ohr hinein und zum anderen wieder heraus wanderten. „Wie auch immer…um zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Innerhalb einer Woche sind zwei Geistliche im St. George Utah Tempel tot aufgefunden worden. Beide Opfer erstickt – aber weder Würgemale noch Kampfspuren waren vorhanden.“ Während Dean nachdenklich an seinem Kaffeebecher herumnagte, starrte er auf den Artikel vor sich. „Klingt verdammt danach, als sollten wir uns das mal ansehen, Sammy.“
Sam nickte und klappte den Laptop zu. Wenige Minuten später verließen sie das Pizzarestaurant hinaus in die kühle Novemberluft.
Ein letztes Mal röhrte der Motor des nachtschwarzen Impalas auf, ehe Dean den Motor abstellte und damit das lautstarke ‚Money Talks’ von ACDC verstummte. Sofort hat die kaum zu überhörende Musik die Aufmerksamkeit des 17-jährigen Zac auf sich gezogen. Lässig schlenderte er auf die beiden Männer zu. „Ihr seht aber nicht aus wie Tempelbesucher“, bemerkte er abfällig und deutete auf das Schild: ‚Nur für Besucher’, welches Dean gekonnt ignoriert hatte. Dean strich sich durch den Nacken und bastelte sich eine glaubhafte Lüge zusammen. „Wir sind Bundesagenten und wegen der Todesfälle hier.“ Das war die einfachste Lösung und bis auf die Tatsache, dass sie keine Bundesagenten waren, stimmte ja auch alles. Innerlich verdrehte Sam die Augen. Immer dasselbe. Normalerweise glaubten die Menschen das, was sie ihnen auftischten, aber dieser Junge schien schlauer als normal. Vor allem weil der Wagen, Deans Lederjacke und die Bikerboots nicht gerade den Anschein nach seriösen Bundesagenten erweckten.
„Ihr seid nicht vom FBI!“, entgegnete der Junge prompt kühl. Bingo, dachte Sam. Nun war es an ihm, das Wort zu ergreifen. Auch wenn er Dean damit das Wort abschnitt. „Du hast Recht. Wir sind nicht vom FBI. Aber wir sind wegen der Morde hier. Weißt du etwas über die toten Priester?“ Zacs Blick wanderte er zwischen den beiden Brüdern hin und her. „Klar weiß ich was. Sogar mehr als die anderen.“ Dean glaubte zu sehen, wie dem Kleinen die Brust vor lauter Stolz anschwoll. Doch der Gedanke, dass er sich in die Hosen machen würde, wenn er sehen könnte, was hier möglicherweise wirklich abging, erheiterte ihn. „Aber das kostet.“ Schlagartig war Deans Heiterkeit verflogen, als Sam dem Jungen auf seine Forderung hin 5 Dollar in die Hand drückte. Wieso musste er immer das Geld verscherbeln, dass er mühsam beim Pokern gewonnen hatte?
„Was wollt ihr denn wissen?“, fragte Zac weiterhin cool. „Wo genau wurden die Opfer gefunden und was sagt die Polizei?“ Dean schmollte weiterhin und schwieg daher. Seine Geduld war schon aufgebracht, bevor sie überhaupt aufkommen konnte. Dennoch drang das Gespräch mit jedem noch so kleinen Detail in sein Bewusstsein vor. „Der erste wurde vor dem Altar gefunden, der zweite direkt am Eingang. Und die Cops sagen gar nichts, solange die Untersuchungen laufen.“, antwortete Zac brav und beachtete genau das, was ihm sein Vater oft genug gepredigt hatte.
„Wurde eine Autopsie gemacht?“ Sam hoffte, dass ihm die fünf Dollar reichen würden, doch Zac streckte verlangend die Hand aus und erhielt erneut fünf Dollar. Erwartungsvoll sah Sam ihn an und sein Fuß stand bereit, um seinen Bruder davon abzuhalten, gleich auf ihn loszugehen, da er fast hörte, wie Dean der Kragen anschwoll. „Also!? Autopsie?“, forderte Sam erneut.
Zac nickte. „Ja, aber ohne Ergebnis. Die Priester sind an ihrer Atemluft erstickt.“ Lauthals atmete Dean aus. „Sag mal, Junge, willst du uns eigentlich verarschen? Komm, Sam. Wir verschwenden hier nur unsere Zeit.“ Unsanft stieß er Zac bei Seite und stapfte, gefolgt von Sam, in Richtung Tempeleingang. Genau in diesem Moment glitt die wuchtige Tür mit Quietschen und Knarren auf. „Vielen Dank für das Gespräch, Detective Gorman. Ich denke, wir hören voneinander, sobald einer von uns beiden etwas Neues weiß.“ Von dem dunkelhäutigen Cop verabschiedete sich mit einem Händedruck eine junge Frau, die Dean sofort genauestens unter die Lupe nahm. Ihre braunen Haare fielen leicht über ihre Schultern und harmonierten mit ihren grünen, unverkennbaren Augen. Sie war schlank, ca. 1,68 m groß, trug lederne Klamotten, die offenbar zu einem Motorrad gehörten. Hoffentlich war sie auch noch Single. Neugierig beäugte sie die Winchester-Brüder einen Moment, bevor sie an ihnen vorüberging. „Vielleicht sollten wir mit ihr reden, dann müssten wir nicht hinein…“, schlug Dean vor, dessen Blick mehr als auffällig auf ihren Hintern geheftet war. Wieder verdrehte Sam nur über dieses Verhalten die Augen. Allerdings wäre es jetzt undenkbar, noch Informationen vom Cop zu erhalten. Denn dieser ‚Ihr-passt-nicht-hier-her,-was-wollt-ihr?’-Blick? sagte alles. „Ich glaube, hier reißen wir heute nichts mehr.“, meinte Sam bedauernd und Dean nickte. „Trotzdem sollten wir uns im Tempel ein wenig umschauen.“
Ach, auf einmal?, dachte Sam mit erhobener Braue. Sie wichen dem prüfenden Blick des Detectives aus und betraten das Gebäude.
Detective Gorman trat derweil neben seinen Sohn. „Zac, hast du mit diesen Typen über den Fall gesprochen?“ „Nein, Dad. Nur über den Wagen.“, log er, da sein Vater es nicht gern hatte, wenn er mit Fremden sprach, vor allem nicht, wenn merkwürdige Todesfälle in der Stadt vorkamen. Zufrieden nickte sein Vater und verabschiedete sich, um wieder zurück ins Revier zu fahren. Zac winkte ihm eine Weile hinterher, bis der Streifenwagen hinter der nächsten Straßenecke verschwunden war und er ungesehen den beiden komischen Kerlen folgen konnte.
~*~
A/N: An dieser Stelle möchte ich nochmal einen speziellen Dank an Caren richtig! Dies hier ist schließlich nicht allein auf meinem Mist gewachsen, sondern quasi ein Partnerprojekt! ;) Also liebe Caren, ohne dich würde diese Story hier wirklich nicht stehen!
Ich hoffe, bis jetzt haben wir euer Interesse damit geweckt und ihr verfolgt die Story weiter. Lob & Kritik sind wie immer gern gesehen! ;)
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