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von Carelly
erstellt: 25.06.2008
letztes Update: 27.12.2010
Geschichte, Allgemein / P6
(abgebrochen, keine anonymen Reviews)
Ohne Vorarbeit läuft nix! Man muss einfach wissen, in welche Richtung der Roman geht, welche Ziele er ansteuert. Ich las einst, dass eine große Autorin meinte, sie schreibe einfach so drauf los. Ohne Konzept, ohne Vorüberlegung. Nichtsdestotrotz zählt sie zu der Gruppe bekannter und anerkannter Schriftsteller.
Doch, wo kommt man hin, wenn man "wild" drauf los schreibt? Es könnte beispielsweise dazu kommen, dass man sich in den Ereignissen der Geschichte verheddert, den Überblick verliert und Geschehnisse durcheinander bringt. Oder die Charaktere entwickeln sich in eine andere Richtung. Damit meine ich nicht, dass sie sich entwickeln, was ja notwendigerweise eine Veränderung des Charakters mit sich zieht (und was die meisten, wenn nicht sogar alle berühmten Autoren fiktionaler Literatur anstreben), sondern eine Art, die den Leser die Nase rümpfen lässt. "Dieses Verhalten ist seltsam, nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall entspricht es Moritz Mustermann gar nicht!" So ähnlich hat es auch J. Frey, der Autor von Wie man einen verdammt guten Roman schreibt formuliert. Solange die Veränderung des Charakters in sich schlüssig ist, solange sie aufgrund von bestimmten, Charakter prägenden Ereignissen geschieht, steht man auf der sicheren Seite. Ob es mir immer gelingt, kann ich nicht unbedingt beurteilen.
Lange, bevor jemand zu schreiben anfängt, weiß er (sie), wer der Protagonist der Story sein wird, und vielleicht kennt er die ein oder andere Figur, die seiner Meinung nach im Roman nicht fehlen sollte. Und man weiß auch ungefähr, wovon die Geschichte handeln wird, denn die Geschichte hat ja einen roten Faden. Aber ich würde davon abraten, mit diesen paar Informationen einfach ins Blaue zu schreiben.
Daher kann ich nur empfehlen: 1. Lest viel. 2. Recherchiert ausgiebig. 3. Beginnt zu schreiben.
Wie kommt ihr zu eurer Inspiration? In meinem Fall sind es meist amüsante, traurige, fantastische und schaurige Episoden, die mir durch den Kopf geistern. Sobald sich eine bestimmte Anzahl dieser gesammelt hat, schreibe ich sie auf. Wenn mich diese "Ausschnitte" nicht loslassen, wenn sie sich aneinander reihen und neue entstehen, die die Folgen von bereits bestehenden "Ereignissen" sind und einander vervollständigen, habe ich schon eine vage Idee für ein neues Projekt und weiß: demnächst werde ich die Idee ausarbeiten und einen neuen Roman beginnen.
Also greife ich zum Lineal, nehme einen Kugelschreiber und Papier - im Querformat - und zeichne einen Zeitstrahl, der die Ereignisse in chronologischer Abfolge darstellen soll. Das Datum spielt für mich keine Rolle, solange ich ungefähr weiß, an welchem Tag, in welchem Monat in meinem Roman Dies und Jenes geschieht. Also schreibe ich, was am Anfang, in der Mitte und am Ende des Romans passiert. Einzelne, wichtige Schritte füge ich ergänzend in den Zeitstrahl ein.
Manchmal dauert es Tage, manchmal Wochen, bis ich wieder anfange, daran zu arbeiten. Im Grunde sollte man den Zeitstrahl eigentlich regelmäßig ergänzen, um den Überblick zu behalten.
Der Plan, die Notizen sind wichtig. Stellt es euch so vor, als bekomme die Leiter nach und nach alle Sprossen, die sie benötigt, um einsatzfähig zu sein. Dank eines Plans finde ich mich in meiner Geschichte zurecht. Übrigens, dies hilft meistens gegen Schreibblockaden, die später garantiert auftreten.
Allerdings würde ich es wohl nicht schaffen, den Roman vollständig zu konstruieren, ehe ich mit dem Schreiben beginne. Also, absolut alles aufzuschreiben, was mein Protagonist erlebt, denn das macht meiner Meinung nach schon die eigentliche Arbeit des Schreibens aus. Daher habe ich lediglich viele einzelne, grobe, manchmal auch detaillierte Punkte, die im Zeitstrahl vermerkt sind, und die mich leiten.
Der „Zeitstrahl" der Konflikte zum Beispiel ist simpel, aber wirkungsvoll. Er bietet einen groben Überblick über das Geschehen und zeigt, in welche Richtung der Roman sich entwickelt. Dazu ein Beispiel:
http://img412.imageshack.us/img412/8982/zeitstrahlkonflikte.jpg
Nehmen wir die Geschichte der Männerfreundschaft von Sören und Mark, die seit der Grundschule eng miteinander befreundet sind. Etwa zur gleichen Zeit fangen die beiden Männer an, für zwei miteinander konkurrierende Firmen zu arbeiten (1.Konfliktsituation). Da der Job ihnen viel abverlangt, sehen sie sich immer seltener. Sören fehlt es, mit Mark am Wochenende ein paar Bier zu trinken und ein Fußballspiel o.Ä. anzusehen. Zwar vermisst Mark seinen Kumpel ebenfalls, aber er geht anfangs im Beruf voll auf, ist hoch motiviert und brilliert durch gute Leistung, so dass er kaum noch an seinen Freund denkt.
Ab und zu treffen sich die Männer. Mark erkennt, dass Sören in seinem Job deutlich besser abschneidet, als Mark. Marks Leistungen lassen nach, obwohl er sich Mühe gibt. Schließlich heißt es für Mark: Wenn er beim nächsten Projekt versagt, verliert er seine Arbeitsstelle. Sören hingegen feiert Erfolge auf der Arbeit.
In seiner Verzweiflung stiehlt Mark Sörens Idee und gibt sie als seine eigene aus (2.Konflikt). Obwohl er es bereut, Sören bestohlen zu haben, ist er erleichtert, weil sein Job vorerst gesichert ist.
Sören kann nicht fassen, was Mark getan hat, und sinnt auf Rache. In seiner Wut greift er zu einer List, um Mark als einen Betrüger darzustellen (3.Konflikt). Mit Erfolg: Mark wird gefeuert und von der Freundin verlassen. Wie es beiden Männern danach ergeht, kann sich Jeder vorstellen. Um den Ruf seines Freundes herzustellen, könnte Sören allen die Wahrheit sagen. Das hätte zur Folge, dass Mark und Sören einander verzeihen. Oder aber Sören behält es für sich, und Mark, dessen Existenz ruiniert ist, muss von Neuem anfangen. Aber die beiden Männer werden nie wieder Freunde.
Auf vereinfachte Weise habe ich kurz dargestellt, wie ich ungefähr vorgegangen bin. Eine Kurzgeschichte oder ein Roman wird spannender, wenn man mit den Charakteren mitleidet, wenn man sich für sie freut oder sich mit ihnen fürchtet. Da Emotionen (oft) eine Geschichte tragen und den Leser dazu verleiten weiter zu lesen, habe ich sie in den Zeitstrahl eingefügt.
In der Unterhaltungsliteratur bestimmen in vielen, aber natürlich nicht in allen Fällen Gefühle, welche Handlung als nächste folgt. Die Handlung wiederum weckt bestimmte Emotionen. Aus Neid wird ein Charakter beispielsweise einem Anderen schaden. Dieser wiederum wird reagieren, indem er sich rächt o.Ä.
Neid und Eifersucht, Enttäuschung und Verbitterung, Liebe und Hass treiben die literarischen Figuren eines Romans an. Die Aktion des einen Protagonisten ruft eine bestimmte Reaktion des anderen hervor. Daraufhin folgt, dass dieser wiederum auf die eine oder andere Weise handelt. Es kommt zu Kettenreaktionen.
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Den Plan für meinen ersten, am PC verfassten Roman habe ich schon vor sechs Jahren verfasst. Also wusste ich schon, ehe ich zu schreiben begonnen habe, worum es im Groben gehen würde. Nur, da ich eben die Geschichte wieder aufleben lassen wollte, musste ich den Roman bis zu einem gewissen Grad neu gestalten.
Denn der neue Roman braucht Erneuerungen, Frische und überraschende Wendungen. – Das alles wird er bekommen.
(Kapitel erweitert und aktualisiert am 02.02.10)
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